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Vom Jagen und gejagt werden

Vom Jagen und gejagt werden

 

 

by Dark Sephiroth & Detail

 

 

 

Ich war man gerade mal 20 Jahre alt und einer der meist gesuchtesten Männer in ganz Europa. Wie ich dazu kam, war schnell erklärt. Von den Eltern verstoßen und in einem Waisenhaus aufgewachsen, dort abgehauen und auf der Straße ums überleben gekämpft.

 

Man musste nur die richtigen Leute kennenlernen und merken, dass man fürs töten geboren war. Es machte mir nichts aus, sofern es die richtigen traf. Denn da hatte ich meine Prinzipien. Solange sie genügend Dreck am Stecken hatten, war der Tod wie für sie gemacht.

 

Schnell und skrupellos mordete ich, ohne Spuren zu hinterlassen. Das ersten Mal war ich nicht mal volljährig gewesen.

 

Man erreichte mich über mehrere Informanten, von denen mich nie jemand persönlich getroffen hatte oder gar wusste wo ich wohnte oder wie ich aussah. Die Preise die gezahlt wurden für einen Mord ermöglichten mir mittlerweile ein nobles Leben.

 

Dazu kam, meine besondere Fähigkeit, die mich Dinge sehen ließ, wie eine Art Wahrsager. In manchen Situationen hatte ich Visionen und konnte die Zukunft voraussehen und gegebenenfalls beeinflussen. Ein Vorteil, der mich stets von nutzen war.

 

Müde und erschöpft erreichte ich meine Wohnung nach dem Joggen. Was hatte ich auch noch eine zusätzliche Runde um den See laufen müssen? Jetzt war ich ab und alle und bereute es. Meine schlanke und große Statur war in sportlicher Form. Die braunen großen Augen standen im Kontrast zu den hellblonden, mittellangen Haaren, die an den Seiten und hinten kurz getrimmt waren.

 

Ich war schon ein Sahneschnittchen und Männer wie Frauen schauten sich nach mir um. Dennoch ließ ich Niemanden nah genug an mich heran und nahm grundsätzlich keinen mit nach Hause. Wenn dann hatte ich höchstens etwas Spaß und es musste an einen neutralem Ort stattfinden. Mehr ließ mein Beruf leider nicht zu.

 

Die Schuhe streifte ich um Flur ab und blieb vor dem kleinen Tisch im Vorflur stehen. Die Post hatte ich vorm Laufen von einem Informanten bekommen und ging sie jetzt durch. Ein dicker Umschlag erregte meine Aufmerksamkeit.

 

Schnell hatte ich diesen geöffnet und mir die Unterlagen angesehen. Es Bedarf nicht viel, das Wichtigste zu erfassen und die Sachen anschließend im Kamin zu verbrennen. Mein Fotografisches Gedächtnis hatte alles gespeichert.

 

Erst als ich sicher war, dass nichts mehr erkenntlich war, ging ich duschen. Wie in Trance seifte ich mich ein und wusste nicht recht, wie ich mit dem neuen Auftrag umgehen sollte. Ich nahm stets nur Aufträge an, wo ich den Mord verantworten konnte. Unschuldige tötete ich nie.

 

Nur mit einem Handtuch bekleidet ging ich in die Küche, wo ich mir einen Drink mixte.

 

Der Auftrag ging mir durch und durch. Es handelte sich um einen jungen Mann, beinahe noch ein Kind, den ich töten sollte. Kaum vorstellbar, was er verbrochen haben und weswegen er sterben sollte. Eigentlich würde ich diesen Auftrag ausschlagen, weil keine Informationen zu den jungen Mann dabei stehen, welchen Grund es gäbe ihn zu töten, zumal er noch viel zu jung zum sterben war, jünger wie ich.

 

Leider war der Auftraggeber jemand, den man nicht verärgern sollte.

 

Noch während ich mir meine Drink mixte, hatte ich bereits die Anwesenheit einer Person gespürt und dass mit einer Waffe auf mich gezielt wurde.

 

''Auch einen Drink?'', hörte ich mich locker sagen.

 

Wenn ich heute sterben sollte, dann war es so. Jedoch hatten meine Vorhersagen mir noch einige Dinge gezeigt und so ging ich nicht davon aus.

 

*-*-*

 

Schon seit zwei Jahren schlage ich mich allein durch, damals war ich gerade mal fünfzehn Jahre jung und hatte meine Eltern verloren, die von einem Killer umgelegt worden waren. Alles hatte ich mit ansehen müssen, jedoch wusste der Killer offensichtlich nicht, dass ich auch daheim war und alles mit angesehen hatte.

 

Sicher, ich bin nicht arm und auch nicht ohne Heim. Immerhin lebte ich in einem großen Haus, das beinahe einem Palast glich und ich hatte auch Bedienstete, die alles für mich taten.

 

Einer der Bediensteten war der Butler meiner Eltern gewesen, der jetzt aber mein Vormund war, bis ich das achtzehnte Lebensjahr erreicht hatte. Er sollte sich solange um mich kümmern und tat es auch auf eine sehr sanfte Weise.

 

Na gut, okay so gesehen war ich nicht ganz allein, aber nun ja, allzu viel Zeit hatte Paolo nicht für mich, so dass ich mich eben immer irgendwie allein fühlte.

 

Heute hatte ich mal ausgeschlafen obwohl ich eigentlich zur Schule müsste, aber ich hatte eben kein Bock auf Schule, also machte ich einfach blau. Paolo war eh nicht da, der hatte, wie immer zu tun und eh keine Zeit, also machte ich was ich wollte.

 

Mein Name ist Jerome und ich bin siebzehn Jahre jung... oder alt, wie auch immer. Mit einer Größe von 1,71m bin ich nicht grad der Größte, was aber auch egal ist, dafür sehe ich toll aus, habe einen durchtrainierten Body und einen klugen Kopf auf meinen Schultern, der von langen, gewellten, silbernen Haaren bedeckt wird und mein Gesicht, in dem sich zwei himmelblaue Augen, eine hübsche, gerade, kleine Nase und ein schmaler, aber hübscher Mund befinden, sanft umschmeicheln.

 

Damals wollten sie mich zu einem Psychotherapeuten schicken, hatten sie auch, weil ich ja ach so ein schlimmes Trauma erlitten hätte, doch hatte ich diesem Typen recht schnell das Fürchten gelehrt, danach brauchte der sicher eine Therapie.

 

Klar, fand ich das damals echt Scheiße, dass der Killer meine Alten umgelegt hatte, aber ich kanns eh nicht ändern, also, was solls. Sie fehlten mir manchmal echt und so manche Nacht heulte ich mir die Augen aus dem Kopf, aber zurück kriegte ich meine Alten so auch nicht. Also, kack drauf.

 

Ich hatte keinen Bock mehr zu heulen, musste hart sein und mir bloß nichts anmerken lassen.

 

Heute würde ich mich mit Joulie treffen, sie war eine sehr gute Freundin von mir, die leider auf der Straße lebte. Zwar hatte ich ihr mal angeboten, dass sie auch bei mir wohnen könnte, doch das lehnte sie ab. Sie meinte nur hier auf der Straße wäre sie frei und ungebunden.

 

Dafür trafen wir uns hin und wieder und ich brachte ihr allerlei Zeugs mit.

 

Joulie war allerdings drei Jahre älter als ich, aber dafür ziemlich ausgeflippt, wofür ich sie schon total mochte.

 

Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, schnappte ich mir meinen Rucksack und alles was ich brauchte und verschwand. Unterwegs kaufte ich alles ein was Joulie so mochte und erreichte bald unseren Treffpunkt.

 

*-*-*

 

Ich konnte hören, wie die Waffe angespannt wurde und musste mir ein Schlucken unterdrücken. Die Versionen irrten sich nie und wenn ich mich verhielt, wie ich es normalerweise tat, würde ich hier heile rauskommen.

 

''Du bist im Vorteil!'', plauderte ich weiter, ''Es gibt hier in der Küche keine Schusswaffen. Außerdem habe ich fast nichts an.''

 

Äußerlich gelassen mixte ich meinen Drink weiter. Bevor ich ganz fertig war, hörte ich Schritte. Während sich der Lauf einer Waffe in meinen Nacken Rücken bohrte und mir eine Gänsehaut bescherte, weil sie so kalt war, spürte ich heißen Atem in meinem Nacken.

 

Mit einer lässigen Handbewegung öffnete mein Besucher mein Handtuch und es ging zu Boden. Sein Atem wanderte Richtung Ohr und ich schloss für einen Moment die Augen. Jetzt bloß keinen Ständer kriegen!

 

''Korrigiere! Du hast nichts an!'', haute eine tiefe Bassstimme in mein Ohr.

 

Dann griff eine große Hand um mich herum und nahm sich den Drink, der eigentlich noch nicht fertig war und ich konnte lautes Schlucken hinter mir hören. Das Glas wurde mit einem Knall an seinen ursprünglichen Platz abgestellt.

 

''Ich trinke keinen Alkohol!'', säuselte die Stimme erneut dicht an meinen Ohr und neben dem Lauf der Waffe, besaß dieser Kerl die Frechheit meinen Unterleib etwas zu grob gegen die Tischplatte zu drücken.

 

Seine Lippen benetzten meinen Nacken und ich drückte mich ihm entgegen. Leider ließ er nicht zu, dass ich mich umdrehte, aber ich vernahm das Knacken der Waffe, was mir verriet, dass sie nicht mehr schussbereit war.

 

Entweder hatte er in der Hose noch eine Knarre oder aber ein gewaltiges Kaliber, worauf ich definitiv verzichten konnte. Da ich mich nicht umdrehen durfte, griff ich automatisch nach hinten und knetete seine Männlichkeit durch die Hose hindurch.

 

Mit einem Stöhnen sank sein Kopf erst nach vorne und als ich fester zupackte nach hinten in den Nacken. Meine Chance mit meiner freien Hand schnell eine der Flaschen vor mir zu greifen. Vorzugsweise die Schwerste! Diese ging dann mit einem gezielten Knall und einen festen Ruck auf seinen Kopf nieder.

 

Taumelnd ging mein Besucher zu Boden.

 

*-*-*

 

"Hey!", begrüßte ich meine Freundin, was sie sogleich erwiderte und wir uns umarmten.

 

"Wie geht's dir?", fragte ich Joulie und lud sie gleichzeitig in ein Straßencafé ein, wo sie essen und trinken könnte was sie wollte. Natürlich bestellte ich mir auch was und wir ließen es uns gut gehen, nachdem die Serviererin die Bestellungen an unseren Tisch gebracht, die ich auch gleich bezahlt hatte.

 

"Hör mal, Jerome. Du solltest aber wirklich wieder in die Schule gehen, auch wenn du keinen Bock drauf hast. Und du solltest auch zu einem Therapeuten gehen. Ich denke nämlich, dass du schwerer traumatisiert bist als du dir selbst eingestehen willst.

Sicher, du trägst eine tolle Maske und versteckst dich dahinter, aber ich habe dich längst durchschaut. Keiner, der dich genau kennt, wird dir aber diese Maskerade abkaufen.", hielt mir meine Freundin eine Standpauke vom Feinsten. Was mich aber nur mit den Augen rollen und nach dem Mond schauen ließ.

 

"Man, jetzt hörst du dich schon genauso an wie meine Alten damals und dieser komische Butler, der jetzt mein Vormund ist. Ich tue was ich will, damit das klar ist. Und wenn du weiter so einen Mist laberst treffen wir uns eben gar nicht mehr.", spielte ich nun den Eingeschnappten.

 

"Och, Jerome, du bist richtig süß, wenn du so schmollst, weißt du das eigentlich?", zog mich Joulie nun auch noch ein bisschen auf, was ich mit einer raus gestreckten Zunge quittierte.

 

Joulie kicherte vergnügt und wuschelte mir über die Haare.

 

"Hey, lass das!", beschwerte ich mich lautstark, was meiner Freundin ein Schmunzeln entlockte.

 

"Also, hör mir mal zu: ich werde nicht mehr lang hier sein. Ich bin sehr krank und habe nicht mehr lang zu leben. Deshalb, Jerome bitte ich dich, mach etwas aus deinem Leben und lass dich nicht so gehen, wie ich es getan habe."

 

Mit großen Augen hatte ich Joulie zugehört und nun kamen mir die Tränen.

 

"Aber.... das kann doch nicht dein Ernst sein! Du bist doch meine beste Freundin....", schluchzte ich... es nicht fassen könnend. "Kann man denn da gar nichts machen?! Ich hab dich doch gern und du bist doch voll lieb und nett... bitte, hast du denn auch schon andere Ärzte gefragt???"

 

"Jerome, ich habe dich auch echt gern und ich will nicht sterben, aber ich bin schon sehr lange krank und ich will nicht in einem Krankenhaus sterben. Ich... nun ja, wäre glücklich wenn du mich auf meinem letzten Gang begleiten könntest.... bitte, Jerome. Es ist mein letzter Wunsch."

 

Ohne großartig nachzudenken antwortete ich ihr: "Okay, aber dann kommst du solange mit zu mir nach Hause, damit ich auch bei dir sein kann, wenn was sein sollte."

 

Joulie nickte und ließ den Kopf hängen.

 

"Hey, du wirst sehen, so schlimm ist es bei mir daheim gar nicht."

 

"Ist schon okay, ich verstehe dich ja."

 

"Cool, dann kannst du ja heute gleich mitkommen.", schlug ich vor und schaute mir Joulie genauer an. Dabei fiel mir jetzt erst auf wie schlecht sie aussah und ich ahnte, dass sie es wohl bald geschafft hätte.

 

Innerlich spielte ich schon mit dem Gedanken mit ihr in den Tod zu gehen, doch dazu hing ich einfach zu sehr an meinem Leben.

 

Nachdem wir alles aufgegessen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Hause. Natürlich hätte ich Joulie die Dinge, die ich für sie gekauft hatte, gegeben und sie hatte sich sehr gefreut.... wusste ich doch, dass sie gern Schokolade aß.

 

Eine halbe Stunde später erreichten wir mein Haus, denn das wäre es, in genau drei Monaten, wenn ich das achtzehnte Lebensjahr erreichen würde.

 

Joulie staunte natürlich nicht schlecht und hatte es nun doch nicht bereut, dass sie mitgekommen war. Ich bot ihr das Zimmer, gleich neben dem meinen an und sie freute sich... umarmte mich sogar. Danach zeigte ich ihr das Haus und erklärte ihr einiges, bis Paolo nach Hause kam und beinahe in Ohnmacht gefallen wäre.

 

Jedoch setzte ich, wie üblich, meinen Kopf durch und Joulie durfte bleiben. Außerdem erinnerte ich Paolo daran, dass ich hier der "Herr" im Hause war.

 

*-*-*

 

Bevor mein Besuch wieder zu sich kommen konnte, fesselte ich ihn. Anschließend zog ich mir in aller Ruhe etwas an. Die Waffe hatte ich natürlich an mich genommen. Sicher hätte ich ihn ausschalten können, aber ich kannte ihn nun mal nicht und wollte außerdem wissen, wer ihn auf mich angesetzt hatte.

 

Da der Kerl scheinbar länger weggetreten war, packte ich meine Sachen. Immerhin konnte ich hier nicht länger bleiben, so schade es war. Da mein Besuch immer noch keine Anstalten machte aufzuwachen, riss mir allmählich der Geduldsfaden und ich kippte dem werten Herrn einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf.

 

Stöhnend kam er endlich zu sich: ''Wo bin ich?''

 

''Falsch! Wer bist du und wer hat dich auf mich angesetzt?'', blaffte ich ihn an.

 

Er grinste frech und meinte: ''Als ob ich dir das sagen würde. Du bist genauso wie ich und kennst die Regeln.''

 

Ich nickte, denn mehr brauchte ich nicht zu wissen. Würde schon noch früher oder später dahinterkommen. Töten wollte ich ihn nicht, aber ich musste ihn daran hindern mir erneut gefährlich zu werden.

 

Also tat ich etwas sehr unschönes, was lediglich zu meinem eigenen Schutz diente. Ich brach ihm die Finger, damit er vorerst keine Waffe halten könnte.

 

''Früher oder später wird man dich hier finden'', dementierte ich seinen Schmerzensschrei.

 

''Das kannst du nicht machen. Die werden mich umlegen!'', hörte ich ihn winseln.

 

''Sag mir, wer DIE sind und ich lasse dich laufen!'', grinste ich ihn an, wobei ich meine Tasche bereits schulterte.

 

''Okay, okay. Du hast gewonnen!'', vernahm ich seine Stimme, kurz bevor ich die Haustür erreicht hatte, ''Du kennst ihn! Er hat dir schon öfters Aufträge vermittelt und du sollst diesen Jungen erledigen. Ich habe vor zwei Jahren seine Eltern getötet und nicht mitbekommen, dass der Junge auch da war. Natürlich hat der Auftraggeber nun Angst, dass der Junge etwas gesehen hat und vermutlich etwas weiß.''

 

''NAMEN!'', brummte ich.

 

''Victor'', flüsterte mein Besuch zwischen zusammen gebissenen Zähnen.

 

Sicher Victor und Louise hatten mir den Auftrag erteilt den Jungen zu töten und mit den Russen legte man sich nicht an.

 

''Warum haben sie dich nicht beauftragt? Ist das der Grund warum du hier bist?'', wollte ich weiter wissen.

 

''Sie dachten wohl, weil ich einmal versagt habe, werde ich es wieder tun und ich dachte, wenn ich dich auslösche, bevor du den Jungen tötest, werden sie mir den Auftrag geben!'', erklärte der Kerl, dessen Namen ich immer noch nicht wusste und auch nicht wissen wollte.

 

''Falsch! Sie würden Jemand anderen beauftragen, weil du beim letzten Mal versagt hast und weißt du was? Ich habe nicht vor den Jungen zu töten!''

 

Mehr hatte ich nicht zu sagen und ich wusste alles, was ich wissen musste. Bevor mein Besuch und mein Möchtegernmörder noch etwas sagen konnte, richtete ich seine eigene Waffe auf ihn und drückte ab.

 

Vielleicht hatte er seine Gründe gehabt, dem Jungen seine Eltern zu nehmen, doch vermutete ich dass lediglich Geld dahinter steckte. Außerdem war er sowieso schon so gut wie Tod. Denn ich vermutete, dass die Russen bereits hinter ihm her waren. Nun musste ich taktisch so klug wie möglich vorgehen, damit sie erst spät hinter mir her wären.

 

Wie war der Kerl mir auf die Schliche gekommen? Es musste in meinem System irgendwo ein Leck geben. Man kannte weder meinen Decknamen, Erstrecht nicht meinen richtigen Namen, weder meine Adresse. Mist, vielleicht hätte ich ihn danach fragen sollen. Nun war es zu spät.

 

Natürlich begab ich mich nicht auf direktem Wege zu dem Jungen. Jerome hieß er. Ein wirklich schöner Name. Er hatte ein großes Haus und einen Vormund, der sein Butler war. Ansonsten gab es rein Familiär niemanden. Was gut war. Denn wenn ich ihn retten wollte, müssten wir alles zurücklassen.

 

Ich hatte damit kein Problem, da mich hier nicht hielt. Geldreserven hatte ich zu genüge und daran sollte es nicht scheitern.

 

Während ich mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, ging ich im Kopf die Unterlagen nochmal durch. Müde war ich und eigentlich hätte ich längst schlafen sollen. Den Bus verließ ich einige Stationen zu früh. Sicher war sicher. Doch mich verfolgte Niemand und ich entspannte mich langsam.

 

Was sollte ich bloß machen, die Zeit lief mir davon? Ich konnte ja schlecht einfach klingeln und dem Butler erzählen, dass ich ein Auftragskiller war, der eigentlich Jerome töten sollte, sich aber anders entschieden hätte, weil er so niedlich und unschuldig wäre.

 

Bei dem Gedanken musste ich unweigerlich kichern und merkte erst, dass ich schon da war, als ich vor dem Haus stand. Gut, dann würde ich mir wohl ein Versteck suchen und warten bis es dunkel werden würde. Für mich war es kein Problem in ein Haus ungesehen einzudringen.

 

*-*-*

 

Wir machten es uns gemütlich und Paolo kümmerte sich um das Abendessen. Währenddessen spielten Joulie und ich an der Playstation ein Autorennen wobei wir uns richtig amüsierten.

 

Wir hatten so viel Spaß, wie schon lange nicht mehr. Joulie war einfach die beste Freundin, die ich je hatte. Mit ihr konnte man Pferde stehlen, ja, sie war wie ein echter Kumpel, mit dem man durch dick und dünn gehen konnte.

 

Allerdings verdrängte ich die Tatsache, dass Joulie todkrank war und mich bald für immer verlassen würde. Was irgendwo anders vor sich ging wusste ich nicht und es hätte mich wahrscheinlich auch nicht interessiert, wenn ich es gewusst hätte.

 

Als es schließlich Abend wurde, servierte Paolo das Essen und setzte sich zu uns, so erlebte meine beste Freundin, wie schön es sein konnte gemeinsam am Tisch zu sitzen und das Essen einzunehmen. Sie strahlte richtig und so freute auch ich mich, dass sie ihre vielleicht letzten Tage in einer schönen Umgebung verbringen konnte.

 

Nach dem Abendessen schauten wir noch etwas fern und ließen uns dabei das Knabberzeug schmecken.

 

Erst sehr spät in der Nacht schaltete ich das Fernsehen aus, wir verabschiedeten uns und gingen dann, jeder in sein Zimmer. Ich duschte allerdings noch schnell und zog mir bequeme Kleidung an, um anschließend auf die Terrasse zu gehen, mich in den Liegestuhl zu legen und mich zu entspannen, während ich unbewusst in den Himmel sah.

 

Jetzt, da ich allein war, liefen die Tränen an meinem Gesicht herab, die ich einfach nicht aufhalten konnte. Zu viel hatte ich in meinem jungen Leben schon sehen und erleben müssen. Schade war nur, dass ich so sehr an meinem bisschen Leben hing und nicht bereit war mit Joulie in den Tod zu gehen. Dabei wäre es doch so viel einfacher und ich hätte alles hinter mir, würde vielleicht auch meine Eltern wiedersehen und auch von Joulie müsste ich mich dann nicht verabschieden.

 

Vielleicht sollte ich es einfach wagen und meinem beschissenen Leben ein Ende setzen. Warum hing ich so an meinem scheiß Leben?!

 

Schluchzend begann ich zu weinen und konnte mich so gar nicht beruhigen, es war als käme jetzt alles heraus was meine Seele... meine Psyche bewegte... als käme jetzt das Trauma, von dem alle sprachen, zum Vorschein.

 

Plötzlich fühlte ich mich einsam und allein.... von allen verlassen....

 

*-*-*

 

Ich hatte es mir nicht allzu weit weg vom Haus bequem gemacht. Von hier konnte ich alles genau beobachten. Jerome hatte Besuch von einem Mädchen. Besuch war nicht mit eingeplant und würde nur zusätzlichen Ärger mit sich bringen. Dem Butler drohte schon Gefahr, weil er den Jungen zu gut kannte.

 

Das lange Sitzen hatte mich müde gemacht, vom Hunger ganz zu schweigen. Wenigstens hatte ich eine Wasserflasche dabei, von der ich allerdings nur ab und an einen Schluck nahm. Immerhin konnte ich mein Versteck nicht alle halbe Stunde verlassen, um mich zu erleichtern.

 

Endlich hatten sie den Fernseher ausgeschaltet und waren zu Bett gegangen. Außer Jerome, der war auf die Terrasse raus und... weinte? Herrje, den Kleinen so zu sehen brach mir das Herz, obwohl ich ihn nicht kannte.

 

Langsam verließ ich mein Versteck und machte mich auf den Weg zu ihm. Für mich war es ein leichtes auf das Grundstück zu gelangen, ohne Krach zu machen oder gesehen zu werden.

 

Trotzdem blieb ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Was wäre wenn Jerome mir nicht glauben würde und die Polizei rief? Dann wäre er spätestens morgen früh tot und ich ebenfalls.

 

Das durfte einfach nicht geschehen!

 

Zögernd trat ich an den Jungen heran und wusste, dass ich mich langsam bemerkbar machen musste. Kurz räusperte ich mich, bevor ich ihn ansprach.

 

''Jerome, erschreck dich jetzt nicht'', waren meine ersten Worte, obgleich man das meistens trotz alledem machte, ''Man nennt mich Flink Schatten und ich bin ein Auftragskiller.''

 

Natürlich nannte ich ihn meinen Künstlernamen und wusste nicht mal, ob ich ihm je meinen richtigen Namen verraten würde. Visionen hatte ich bisher keine gehabt und da sie sowieso nicht oft vorkamen, wunderte es mich nicht.

 

''Deine Eltern wurden vor zwei Jahren getötet und ich habe vor ein paar Stunden ihren Mörder niedergestreckt'', vielleicht würde ich ihm irgendwann erzählen wie genau die Sache abgelaufen war, wer wusste das schon.

 

''Allerdings wollen gewisse Leute, die damals deine Eltern töten ließen, nun dich tot sehen. Dafür haben sie mich engagiert. Aber ich habe nicht vor dich zu töten. Denn ich bleibe meinen Prinzipien treu und töte nur Leute, die es verdient haben zu sterben. Du bist unschuldig'', sprach ich weiter und hoffte er würde alledem Glauben schenken.

 

''Jedoch heißt das auch, dass ich dich von hier fortbringen muss, und das so schnell es geht...''

 

Ich reichte ihm ein Taschentuch und hatte mich zu ihm nieder gehockt. Es blieb abzuwarten, was er von dem Ganzen hielt.

 

*-*-*

 

Gerade war ich noch am heulen, was ich eh schon hasste, es jedoch nicht unterdrücken konnte, als ich erst ein Rascheln, dann Worte vernahm und anschließend diesen Typen vor mir sah, jedoch nicht erschrak.

 

Dieser Typ hatte sich vor mich hin gehockt und hielt mir ein Taschentuch entgegen, nachdem er mich zugetextet hatte und nun wahrscheinlich hoffte, dass ich ihm Glauben schenken und mit ihm gehen würde.

 

Tze, was dachte der, wen er hier vor sich hatte.... einen kleinen dummen Jungen...?!

 

Natürlich hatte ich aufgehört zu weinen und wischte mir die Tränen lieber an meinem Shirt ab, anstatt das Taschentuch von diesem Typen anzunehmen.

 

Erst als der Typ, dessen "Künstlernamen" ich hier nicht aussprechen mag, zuende gelabert hatte, erhob ich meine Stimme, während ich ihn, mit zu kleinen Sehschlitzen, verengten Augen ansah:

 

"Erst mal, nein, ich vertraue dir nicht und glaube dir kein Wort und ich werde auch nicht mit dir fliehen und dein Taschentuch kannst du dir sonst wohin stecken.... es dir an die Hutkrempe nageln... mir egal! Ich brauche niemanden, der mich zu "retten" versucht.

 

Im Übrigen, kannst du mich auch vor dir selbst beschützen?! Wohl eher nicht!

 

Deswegen, hau ab, verpiss dich, bevor ich die Bullen rufe! Du nennst mir deinen echten Namen nicht und erwartest von mir, dass ich dir vertraue und mit dir gehe.... vergiss es!

 

Ich habe niemanden mehr und zu verlieren habe ich nichts. Meine Alten sind tot, da nebenan liegt meine beste Freundin, die todkrank ist und auch bald sterben wird... also, dann lass ich doch alles auf mich zu kommen und sterbe eben auch.

 

Mir ist das nämlich so ziemlich egal.

 

Und jetzt verpiss dich, zieh Leine und verlass sofort mein Grundstück!", zischte ich diesen Typen an, der mir mehr als unsympathisch war und den ich nicht leiden konnte, obgleich er mir eigentlich nichts getan hatte.

 

Das jedoch war mir ebenfalls so scheißegal, denn außer diesem beschissenen Leben hatte ich nichts zu verlieren. Zudem würde ich, ohne Joulie, sowieso nirgendwo hin gehen.

 

Ich sprang auf, nutzte die kurze Überlegenheit, stieß diesen Typen von mir weg und verzog mich in mein Zimmer, rasch hinter mir die Tür schließend, um dann das Telefon in die Hand zu nehmen und die Nummer der Polizei zu wählen.

 

Ich tat das alles auch, meldete denen einen Einbrecher und sie meinten, dass sie gleich hier wären.

 

Derweil verzog ich mich in Joulies Zimmer, weckte sie und erzählte ihr alles, was sie natürlich auch erschreckte, doch nicht wusste, was wir tun konnten.

 

Kurz und schnell dachte ich nach. Paolo und auch die anderen Bediensteten waren mir egal, doch ich musste Joulie retten, komme was da wolle. Auf gar keinen Fall würde ich sie hier zurück lassen, oder Gott-weiß-was. Für Joulie würde ich mein Leben geben, so viel war Fakt und ich würde sie nicht allein lassen, denn immerhin hatte sie mir einen Wunsch geäußert und ich hatte versprochen für sie da zu sein und das würde ich auch tun, unter allen Umständen!

 

Tja, und wenn ich eben dafür sterben müsste, na gut, dann war das eben so.... scheiß drauf!

 

"Joulie, komm mit, ich weiß was. Das Haus hier ist megagroß und ich habe als Kind schon immer meine Alten erschreckt, wenn ich mich versteckt hatte und sie mich nicht gefunden haben."

 

Joulie grinste: "Ja, das sieht dir ähnlich, du kleiner Satansbraten. Aber gut, ich komm mit.", erwiderte sie und kicherte leise.

 

Ich nahm meine beste Freundin an die Hand, führte sie aus dem Zimmer heraus und durch das ganze Haus, um gefühlte fünfundzwanzigtausend Ecken herum, bis wir irgendwohin verschwanden.... keine Spuren hinterlassend.

 

*-*-*

Super, toll gemacht. Was hatte ich auch erwartet. Natürlich floh Jerome vor mir und alarmierte die Polizei, wie ich mitbekam, da ich direkt die Telefonleitung anzapfte.

 

Im ersten Moment wollte ich tatsächlich mich verpissen, wie es Jerome so schön verlangt hatte. Aber dann würde er sterben und irgendwas riet mir, es noch einmal zu versuchen. Vielleicht würde er verstehen, wenn die Polizei sich nicht als Freund und Helfer herausstellte?

 

Mist! Das Zeitfenster was uns zur Flucht blieb, schloss sich schneller, als mir lieb war. Wenn ich doch alleine gehen würde, könnte ich ohne einen Kratzer davonkommen und würde mein Munition sparen.

 

Nur würde mich mein schlechtes Gewissen irgendwann auffressen.

 

Seufzend entfernte ich mich von der Telefonleitung, nachdem keine weiteren Anrufe getätigt wurden und ich im Haus leise Schritte vernahm. Meine Spezialbrille setzte ich auf und konnte somit erkennen, wo sich jemand aufhielt. Die Meisten im Haus schliefen und wenn ich mich ebenso leise verhielt, wie die Zwei, würde es auch noch eine Weile so bleiben.

 

Ich schätze in etwa die Zeit ab, bis wann die Polizei hier sein würde. Meine Waffen ließ ich in meinen Rucksack, da ich nicht vorhatte hier jemanden zu bedrohen. Die würde ich erst später brauchen und wenn ich Glück hatte auch darauf verzichten können.

 

Inständig hoffte ich, die Polizei würde sich Zeit lassen. Wenn die Russen mit denen unter einer Decke steckten, könnten sie sich bewusst Zeit lassen, um mir mehr Zeit zu geben meinen Auftrag zu erfüllen.

 

Langsam kletterte ich die Fassade hinauf und öffnete geschickt ein Fenster ohne Lärm zu machen. Da ich genau wusste, wo die Zwei sich versteckt hatten, dank meiner tollen Brille, war es ein leichtes für mich, beim Versteckspiel zu gewinnen.

 

Die Brille setzte ich ab und öffnete den Schrank, in dem Beide saßen.

 

''Versteckt oder nicht, ich komme! Oh hab euch!'', grinste ich Beide an.

 

''Okay, was muss ich tun, damit du mir glaubst?'', brummte ich, da mir die Zeit davon lief.

 

''Gut, du hast deine Eltern verloren und ich kann es nicht verstehen, da ich keine hatte, als Waise aufgewachsen bin. Tut mir also leid dass du sie verloren hast, muss tragisch sein.

 

Wenn es um meinen Namen geht, gut. Im Grunde brauche ich dich da nicht zu belügen. Ich heiße Nils Meins. Zufrieden?

 

Ich bin gut in dem, was ich getan habe und vermutlich der Einzige, der dich beschützen kann. Jetzt mach nicht so ein Drama draus und sei doch froh, dass ich dich nicht abknalle. Du bist doch noch viel zu jung zum Sterben.

 

Also, was muss ich tun, damit du mir glaubst und dich retten lässt?

 

Uns läuft die Zeit davon, da du so schlau warst und die Bullen gerufen hast. Keine Angst ich bin nicht verrückt, aber die Polizei wird dich ebenfalls töten, wenn ich es nicht getan habe, bis sie hier sind. Die stecken nämlich mit den Russen unter einer Decke, da bin ich mir sehr sicher!''

 

Irgendetwas sagte mir, dass er mir immer noch nicht glauben würde. Und nun? Vielleicht sollte ich mir in der Küche eine Henkersmahlzeit machen, denn ich hatte wahnsinnigen Hunger.

 

*-*-*

 

Manno, das war echt so unfair! Wieso musste uns dieser dämliche Typ finden. Au man, jetzt versuchte der auch noch witzig zu sein, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte.

 

Giftig und mit einem Blick der töten konnte, antwortete ich diesem verdammten Typen:

 

"Es interessiert mich herzlich wenig, ob du oder die anderen mich abknallen... na und, dann hab ichs hinter mir... MAN, DU HAST DOCH KEINE AHNUNG WAS ICH DURCHGEMACHT HABE!!!! HAU AB UND LASS MICH IN RUHE!!!!", schrie ich den Typen, der mir nun zwar seinen Namen genannt hatte, außer mir vor Wut, an.

 

"Ich werde, ohne Joulie, nirgends hin gehen und mit dir gehe ich schon mal gar nicht mit! Ich kann dich auf den Tod nicht ausstehen.... Typen wie du haben meine Alten gekillt und wollen mich immer noch killen... LOS, VERZIEH DICH ENDLICH!!!!", ereiferte ich mich weiterhin, doch dann schaute ich Joulie an, die mit dem Kopf schüttelte:

 

"Jerome... ich entbinde dich hiermit von deinem Versprechen. Ich hätte dir diese Last niemals aufbürden dürfen. Verzeih mir, es tut mir leid. Ich werde ohnehin sterben, um mich ist es nicht schade, aber du bist ein toller Mensch, auch wenn du dich hinter deiner eiskalten Maske versteckst. Du musst dir Hilfe suchen, denn du bist wirklich schwer traumatisiert, mein Kleiner.

 

Wir machen das jetzt so: Nils wird mich erschießen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln, dann denken die, dass er dich so zugerichtet hätte und du kannst in Frieden weiter leben. Mein Kleiner, ich hab dich echt lieb, du warst und bist mir immer ein treuer, sehr lieber Freund gewesen... bleib so und nimm deine Maske ab... das kauft dir doch eh keiner ab, dazu bist du viel zu lieb.", mit diesen Worten schaute sie auch zu diesem Typen hoch.

 

Ich jedoch starrte sie mit großen Augen an und konnte mir die Tränen nicht verkneifen:

 

"Joulie.... nein... bitte... tu mir das doch nicht an....", schluchzte ich, nahm sie in die Arme, setzte mich vor sie und schaute diesem Killer direkt und ohne Scheu oder Angst in die Augen: "Um Joulie zu killen, musst du erst mich töten.... ich werde das niemals zulassen!", dann holte ich mein Jagdmesser, das ich immer bei mir trug, heraus und hielt es mir direkt ans Herz: "Bevor ich dir folge oder du mich mitnehmen kannst, töte ich mich lieber oder lasse mich von den anderen Vollidioten erschießen... mir ist es gleich!"

 

Plötzlich spürte ich einen heftigen Schlag auf den Kopf... dann umhüllte mich die Dunkelheit....

 

Joulie wollte, dass ihr Freund am Leben blieb, deshalb musste sie zu dieser Maßnahme greifen, dann schaute sie Nils an und nickte ihm zu.

 

"Mach schon, erschieß mich. Ich bin todkrank und werde die nächsten Tage ohnehin nicht überleben. Mir tust du damit einen Gefallen. Verstümmle mich so, dass die denken du hättest ihn getötet, dann fliehe mit ihm und pass gut auf den Kleinen auf... ich bitte dich.", sprach Joulie sanft und sehr liebevoll zu Nils, schaute ihn auch so an, ehe sie sich entspannt zurücklehnte und die Augen schloss....

 

*-*-*

 

Der Kleine hatte ja richtig Temperament, mein lieber Herr Gesangsverein. Da musste ich mir das Grinsen schon verkneifen, denn immerhin hatte alles einen ernsten Hintergrund. Nun verstand ich auch, warum Jerome nicht einfach mit mir mitgehen wollte. Außerdem hatte der Kleine eindeutig Mut, so wie er seine Freundin schützte.

 

Mich ließ sein Geschrei jedoch ansonsten kalt, aber ich verstand ihn nun endlich. Zum Glück waren wir weit genug vom Personal weg, so dass die unmöglich davon aufwachen würden.

 

Joulie war also todkrank. Aber was sie von mir verlangte, konnte ich unmöglich tun. Zumal Jerome mir das niemals verzeihen würde, soviel war ich mir sicher.

 

Ich seufzte, bevor ich ruhig zu der jungen Frau sprach: ''Danke, die Ruhe tut richtig gut. Soviel Temperament hätte ich dem Kleinen gar nicht zugetraut. Aber so gut dein Plan sich anhört, wird er nicht funktionieren, Liebes. Außerdem kann und werde ich dich nicht töten, weil du unschuldig bist.

 

Du kommst einfach mit uns. Basta! Jerome würde es mir niemals verzeihen, wenn ich dich umbringe. Die Russen wissen außerdem, dass ich nie jemanden bis zur Unkenntlichkeit zerstückeln würde. Zumal das mir auch gar nicht gefällt. Da dreht sich mir sogar der Magen um.

 

Solltest du während der Flucht nicht mehr weiterkönnen vor Schmerzen, bin ich durchaus bereit dir den Gnadenschuss zu geben. Aber bis dahin, brauche ich dich scheinbar, um diesem Hitzkopf hier einzubläuen, dass ich es gut mit ihm meine.

 

Also, tust du mir und Jerome den Gefallen und begleitest uns?

 

Wir schaffen das auch so, vertraue mir einfach. Nur langsam wird es wirklich Zeit!

 

Denn wir sollten uns sputen, da die Polizei sich nicht ewig Zeit lassen wird.''

 

Außerdem würde Jerome nicht ewig ruhen und mir dann womöglich wieder gegen den Strich reden. Gut, so müsste ich ihn tragen und wir wären langsamer. Aber zuerst würde es wohl gehen.

 

*-*-*

 

Joulie hörte Nils ruhig zu, nickte und lächelte ihn an.

 

"Du hast Recht, auch wenn ich denke, dass ich dir nur eine Last sein werde und es wahrscheinlich besser wäre, wenn du mich hier lassen würdest.

 

Aber, du hast natürlich auch Recht, was Jerome angeht, der würde dir das Leben zur Hölle machen, und glaub mir, das kann er wunderbar.... auch wenn er nur so tut und seine Maske felsenfest sitzt. Es wird schwer werden ihm diese Maske zu entreißen... selbst der Therapeut schaffte das nicht.", damit stand Joulie auf und war bereit mit Nils mitzugehen.

 

In der Zwischenzeit erwachte ich wieder... langsam öffnete ich die Augen und hatte das Gefühl, mein Kopf würde gleich platzen.

 

Dennoch, als ich Joulie und diesen Typen sah... fiel mir beinahe alles aus dem Gesicht. Langsam stand ich auf, schüttelte den Kopf und musste mir echt die Tränen verkneifen. Joulie hatte mich offensichtlich hintergangen... mich nieder geschlagen und stand nun bei diesem Typen... und ich dachte wirklich sie wäre meine beste Freundin... sterben wollte ich für sie.... au man...

 

Mit dicken Tränen, der Traurigkeit, aber auch der Verbitterung, rannte ich einfach davon. Es war zu viel... alles zu viel. Was hatte ich denn wem getan... warum verließen mich alle... wollten mich töten und entführen.... und spielten mir die besten Freunde vor... was hatte ich nur getan....???

 

Mein ganzer Körper zitterte wie Espenlaub und doch gab ich alles, holte alles aus meinem Körper heraus und rannte einfach nur davon. Nie wieder wollte ich jemanden sehen, hören oder mit wem reden... nie wieder!

 

An meinem Haus grenzte ein riesiges Waldstück, in dem ich mich wunderbar auskannte, dort hinein rannte ich einfach nur, dann bog ich ab und erreichte die Höhle, in die ich hinein ging, mich versteckte und mich an der Felswand zu Boden gleiten ließ, wo ich mich dann zusammen kauerte und immer wieder vor und zurück wippte.

 

Weinend und schluchzend verstand ich die Welt nicht mehr.

 

Niemandem hatte ich etwas getan und trotzdem enttäuschten mich alle... trotzdem durfte ich nicht glücklich sein... durfte nicht in meinem schönen Haus wohnen... wurde gehetzt und gejagt... aber warum... warum nur?

 

Vielleicht wäre jetzt der richtige Augenblick mein Leben zu beenden... immerhin war das Jagdmesser nicht die einzige Waffe, die ich am Körper trug. So holte ich ein weiteres Messer heraus und strich, fast zärtlich, über die Klinge....

 

*-*-*

 

Jerome haute einfach ab und ich setzte schnell meine Brille wieder auf, verfolgte ungefähr seine Spuren. Auch wenn es von dieser Position durchaus schwierig nachzuvollziehen war, wo genau er hin verschwunden war. Denn auf einmal konnte ich ihn nicht mehr sehen.

 

Hmm, dass war ja komisch. Neben dem Haus befand sich ein Wald, ob es dort Höhlen gab oder er in die Kanalisation abgetaucht war. Möglichkeiten gab es sicher noch mehr.

 

Ich seufzte etwas genervt, hatte mir alles einfacher vorgestellt.

 

''Vielleicht hätte ich einfach zu Hause bleiben sollen. Dann wäre Jerome von Jemand anderen getötet worden und ich würde nun auch meinen Frieden haben. Aber nein, ich muss mich zum Babysitter eines Problemkindes ernennen.

 

Was habe ich mir nur dabei gedacht?'', ließ ich meiner Wut freien Lauf, auch wenn es vielleicht unangebracht war und nicht nett.

 

Es war einfach zu viel und Jerome wollte sich scheinbar absolut nicht helfen lassen. Was sollte ich da machen?

 

''Also wenn du eine Ahnung hast, wo er sich herumtreibt, dann geh zu ihm und bringe ihn zur Vernunft. Denn ansonsten werde ich mein Vorhaben vergessen und mich alleine in Sicherheit bringen. Mich kotzt das gerade ziemlich an. Immerhin ist es auch mein Leben, was ich hier riskiere. Aber das ist ja egal, denn immerhin bin ich nur ein Kerl, der schon dutzende Menschen auf dem Gewissen hat'', musste ich mir Luft machen.

 

Man, hatte ich eine Wut in mir. Einatmen... ausatmen... half nichts!

 

''Okay, ich schaue nun erst mal ob ich etwas essbares finde, bevor ich hier noch den Hungertod sterbe'', gab ich an, bevor ich mich auf die Suche nach der Küche machte.

 

Natürlich nahm ich mir nur eine Kleinigkeit. Aber ich hatte wirklich großen Hunger.

 

Was jetzt noch fehlte, war natürlich die Polizei, die genau in diesem Moment auf den Hof fuhr.

 

''Verfluchter Mist'', brummte ich und ging zur Tür.

 

Dort positionierte ich mich so, dass sie mein Gesicht nicht sehen konnten. Eine Hand hatte ich an der Waffe, zur Vorsicht.

 

''Guten Abend'', vernahm ich die zögerliche Stimme des Polizisten, der herangetreten war. Sein Kollege blieb abseits und schien sich keine großen Sorgen zu machen.

 

''Mein Auftrag ist noch nicht erledigt. Das Spiel läuft noch. Ihr solltet mir noch etwas Zeit geben'', mit diesen Worten riskierte ich gerade alles.

 

Was, wenn die Polizei doch nicht mit den Russen unter einer Decke steckten?

 

Der Polizist zögerte und mir lief der Schweiß von der Stirn. Die Wut von eben wich tatsächlich Angst. Wann hatte ich die das letzte Mal gespürt? Mit einem Mal verstand ich Jerome... er hatte einfach nur Angst und er fühlte sich allein... genau wie ich mich gerade fühlte.

 

*-*-*

 

Natürlich wusste Joulie nicht alles über Jerome, so auch nicht, wo er sich allgemein versteckte, wenn ihm was zu viel war. Nun war auch sie am Ende ihrer Kräfte und konnte sich eigentlich kaum mehr auf den Beinen halten.

 

Um ihren Freund zu suchen, war sie nun doch schon zu schwach, so ließ sie sich an der Wand hinter sich zu Boden gleiten, atmete noch einmal tief ein und aus... dann schloss sie die Augen und kippte zur Seite... zu viel hatte sie sich zugemutet...

 

Sie war es, die Nils zu gut verstanden und ihm auch geglaubt hatte... sie wäre mit ihm geflohen, hätte auch Jerome irgendwie dazu gebracht... doch nun... war sie am Ende ihrer Kräfte und dem Tode näher als dem Leben.

 

Nur noch einmal versuchte sie sich zu erheben, kroch auf allen Vieren an die Haustür, denn sie spürte, dass etwas nicht okay war.

 

Gerade wollte der Polizist etwas sagen und Nils augenscheinlich verhaften lassen, denn der hatte schon die Handschellen in der Hand.

 

Sich an der Wand hoch ziehend ging sie dem Polizisten entgegen und meinte:

 

"Bitte, lassen sie meinen Bruder, er hat nur Spaß gemacht... er ist hier um mir zu helfen...", dann brach sie endgültig zusammen und zitterte.

 

Die Polizisten schauten sich alles mit an, dann kümmerte sich einer um Joulie, doch konnte nur noch ihr viel zu früher Tod festgestellt werden.

 

"Wir werden sie abholen lassen", sprach einer der Polizisten: "Mein Beileid. Wir wurden eigentlich benachrichtigt, dass sich hier ein... nun, ich denke das hat sich wohl erledigt. Noch mal mein Beileid.", sprach der Polizist, während ein anderer den Leichenwagen orderte.

 

*-*-*

 

Alles ging so schnell, dass ich es kaum mitbekam. Jetzt war Joulie gestorben und Jerome nicht da.

 

''Bitte, geben sie mir noch einen Moment mit ihr'', sprach ich, wobei ich den Polizisten kein Stück traute.

 

Ich holte eine Decke aus dem Wohnzimmer, um Joulie zu bedecken, nachdem die Polizei gegangen war. Sie würden später jemanden schicken.

 

Jetzt hieß es Jerome ausfindig machen. Vielleicht blieb uns mehr Zeit, als ich vermutet hatte.

 

Also ging ich hinaus, vergewisserte mich, dass die Polizisten weggefahren waren und schaute mich suchend um. Meine Taschenlampe half mir, die Spuren zu finden, die der Kleine hinterlassen hatte. Wie sollte ich ihm bloß erklären, dass seine Freundin nicht mehr lebte.

 

Es dauerte eine Weile, bis ich den richtigen Weg gefunden hatte und der führte mich zu einer Höhle. Hoffentlich würde ich Jerome dort finden.

 

''Jerome?'', rief ich fragend, obwohl ich mir keine Antwort erhoffte.

 

Was, wenn er gar nicht hier war? Die Spuren führten hierher.

 

''Hör mir bitte zu. Ich weiß du kennst mich nicht, aber ich weiß, dass du Angst hast und dich alleine fühlst. Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut und auch wenn wir uns nicht kennen, bitte lass mich dir helfen...

 

Joulie... sie... du solltest mit mir zurückkommen... weil...''

 

Erneut seufzte ich. Was wenn ich mit einer Höhle sprach und er nicht hier war? Was, wenn er sich etwas angetan hatte? Wenn er hier wäre und ich ihm sagen würde, was mit seiner Freundin passiert war, die er mit seinem Leben beschützen wollte?

 

*-*-*

 

Eben wollte ich meinem Leben ein Ende setzen und mir das Messer endgültig ins Herz stechen, als ich die Stimme dieses Typen … Nils hörte... irgendwas musste mit Joulie passiert sein.... oh bitte nicht....

 

Ich ahnte jedoch, dass sie... ja, es wahrscheinlich geschafft hatte.

 

Langsam stand ich auf, das Messer in meiner Hand haltend, ging ich auf die Stimme zu und da stand dieser Auftragskiller, der nun mein Babysitter werden wollte... tze... darauf konnte ich getrost verzichten.

 

"Was ist mit Joulie? Ist sie... tot?", wollte ich nur noch wissen, während sich mein Blick nun endgültig verfinsterte und meine Mimik zu Eis erstarrte.

 

Ich wollte heulen... doch es kam nichts.... mein Körper zitterte wie Espenlaub und doch sprach ich kurz und knapp:

 

"Okay, ich ...komme mit....", dann ging ich an ihm vorbei, die Höhle verlassend, auf mein Haus zu, langsam und in aller Ruhe... mich auf ihren Anblick vorbereitend. Es wäre eh nicht meine erste Leiche, die ich zu sehen bekommen würde.

 

So erreichte ich mein Haus, betrat es und da sah ich auch schon etwas auf dem Boden liegen.... mit einer Decke zugedeckt. Ich hob die Decke an, fiel auf die Knie und umarmte sie weinend.

 

"Es tut mir leid, Joulie... es tut mir leid, dass ich nicht da war. Ich werde dir folgen... versprochen. Ruhe in Frieden, du warst ein Schatz.", dann streichelte ich sie, während ich meinen Kopf noch auf ihren Brustkorb legte.

 

Noch immer hielt ich das Messer fest umklammert, konnte es nicht loslassen... doch weinen konnte ich ebenso wenig... ich war einfach nur fertig mit der Welt.

 

*-*-*

 

Ruhig ging ich hinter Jerome her und wusste nicht, was genau ich tun sollte. Unschlüssig stand ich nun ebenfalls im Flur und spürte, wie es mir bei diesem Anblick die Kehle zuschnürte.

 

Ich gab Jerome einen Moment sich in Ruhe zu verabschieden, erst dann kniete ich mich zu ihm. Natürlich wusste ich nicht, ob er es zulassen würde, aber was sollte ich sonst tun?

 

Zaghaft legte ich eine Hand auf seine Schulter, bevor ich mit der Anderen das Messer aus seiner Hand nahm. Vorsichtig, weil ich ihm nicht wehtun wollte.

 

''Sie musste nicht leiden. Es ging sehr schnell. Sie ist einfach zusammengebrochen'', erklärte ich ihm, da ich der Meinung war, er sollte es wissen.

 

''Bitte Jerome. Sie hätte gewollt, dass du lebst. Begleite mich...'', kam ich nach einer Gedenkminute dem Sinn meiner Anwesenheit nach.

 

Sicher Jerome trauerte und wollte sich verabschieden. Aber wie lange würden wir hier noch sicher sein?

 

Ich drückte sanft seine Schulter, wollte ihm beistehen, ihm Halt geben. Ob ich es konnte und er mich ließ, stand auf einen anderen Blatt.

 

*-*-*

 

Mein Körper verkrampfte sich, als ich Nils Hand auf meiner Schulter spürte... spürte wie er mir das Messer aus der Hand nahm, hörte wie er mit mir redete, doch kam nichts mehr bei mir an.

 

Mir war alles egal.

 

"Danke... aber mir ist alles egal. Nimm mich mit, erschieß mich... oder sonst was... ich hab nichts mehr zu verlieren und auf dieses scheiß Leben kann ich verzichten. Also tu was du willst...", sprach ich ruhig und doch eisig.

 

Schließlich deckte ich Joulie wieder zu, erhob mich, schaute Nils kalt und gleichgültig an... mit dem Schultern zuckend.

 

"Und nun? Mach schon... mir ist eh nicht mehr zu helfen", flüsterte ich vor mich hin: "Pack mich nie wieder an... ich hasse so was...", musste ich noch los werden, ehe ich meine Jacke schnappte, wo ich eh alles drin hatte, was ich brauchte und dann mein schönes Haus wieder verließ.

 

Kein Zuhause mehr, keine Eltern... und... meine Freundin hatte mich nun auch verlassen.... Flucht und Einsamkeit würden nun meine Gefährten sein...

 

*-*-*

 

Bei Jeromes Worten wurde mir kalt und doch konnte ich vorerst nichts daran ändern. Er wollte zumindest mit mir kommen, wenn auch weil ihm alles egal war. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte ich noch nicht sagen.

 

So folgte ich dem Kleinen und als ich die Tür hinter mir zuzog hatte ich eine Vision. Ich konnte sehen wie sie Joulie abholten. Die Polizei steckte also nicht mit den Russen unter einer Decke. Die Zeit verging schnell und das Haus wurde von Russen durchsucht. Ich konnte nicht sagen wie viele Stunden dazwischen waren, aber sie würden kommen. Ein Blutbad würde folgen und wir sollten zusehen, dass wir hier weg kamen.

 

Dann endete die Vision.

 

Kurz schüttelte ich meinen Kopf und ließ endlich die Türklinke los. Ich schloss zu Jerome auf und bestimmte die Richtung in die wir gehen würden. Durch den Wald würden wir zu viele Spuren hinterlassen. Also musste es der Asphalt sein.

 

Einen wirklichen Plan hatte ich nicht. Vorerst würde ich mich auf meinen Instinkt vertrauen.

 

''Ist dir lieber nach Schweigen oder magst du ein Bisschen reden?'', fragte ich vorsichtig nach.

 

Wir sollten uns einen fahrbaren Untersatz besorgen, denn der Kleine durfte nicht auffallen. Von mir hatten sie keine Bilder, aber Jerome kannten sie und würden nach ihm suchen.

 

''Vielleicht schaffen wir es ja gar nicht. Lass das Schicksal doch einfach entscheiden. Es hat keiner gesagt, dass wir den Russen wirklich entkommen'', offenbarte ich.

 

Ob er wusste, warum seine Eltern sterben mussten? Vermutlich sollte ich erst mal einfach die Klappe halten, bis die Stimmung etwas besser wäre. Doch würde sie überhaupt besser werden?

 

*-*-*

 

Ich sollte mit ihm mitgehen... ich tat es.... widerwillig.

 

Ich sollte mein Zuhause verlassen.... ich tat es.... schweren Herzens.

 

Nun sollte ich auch noch mit Nils reden... ich tat es nicht... egal wie viele Knöpfe er mir ans Ohr laberte. Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte vor mich hin, während ich mein Zuhause immer weiter verließ, um mit Nils zu fliehen.

 

Die Tränen bahnten sich nun aber doch ihren Weg aus meinen Augen. Ich vermochte sie nicht mehr aufzuhalten.

 

Warum ging ich eigentlich mit dem Typen mit?

 

Ich wollte doch nur eines... nach Hause zu meinen Eltern... zu Joulie. Sollten die mich doch finden und ermorden. Na und, scheiß drauf.

 

Ich wollte dieses Leben doch eh nicht mehr, deswegen blieb ich abrupt stehen und starrte Nils an:

 

"Geh allein, rette dich selbst. Ich bleibe hier, mir egal was sie mit mir tun. Ich will nach Hause zu meinen Eltern und zu Joulie", war alles was ich, unter vielen Tränen, noch zu sagen hatte, dann machte ich auch schon kehrt und ging wieder meinem Haus entgegen.

 

Bis vor einigen Stunden wollte ich noch leben... jetzt wünschte ich mir den Tod!

 

Allerdings dachte ich auf dem Weg dorthin an Joulie, an meine Eltern und... na ja, auch ein wenig an Nils, obgleich ich ihn nicht ausstehen konnte.

 

So ging ich schnurstracks auf die Garage zu, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht, als wären es lästige Insekten und stieg in meinen Jeep. Ja, ich durfte fahren und hatte auch einen Führerschein und es war mein Auto. Ich setzte mich hinein, startete den Motor und fuhr auf Nils zu, stoppte kurz, öffnete die Beifahrertüre und hieß ihn, mit einer Handbewegung, einzusteigen.

 

Reden würde ich mit ihm nicht mehr und wenn das alles hier je ein Ende hätte, wären wir getrennte Leute und jeder würde seines Weges ziehen... Basta!

 

Ich würde nicht mehr schlafen, nicht mehr essen und nicht mehr trinken... und wenn dann nur das Nötigste... so wäre mein Ende eh unausweichlich.

 

*-*-*

 

Ich gab auf, denn wenn Jerome absolut nicht wollte, konnte ich nichts dagegen tun. Also ging ich weiter, wenn auch mit einem Gefühl in der Magengegend, dass mich auffraß. Wie sollte ich mit diesen Gewissensbissen leben?

 

Zumindest würde er nicht leiden müssen, sondern einfach erschossen werden.

 

Als ich dann aber ein Auto hörte und mich umdrehte, staunte ich nicht schlecht. Jerome war zurückgekommen. Kurz zögerte ich, bevor ich einstieg. Wann würde er das nächste Mal gehen? Langsam war ich es leid. Es war doch nicht selbstverständlich, wie ich mich um sein Leben bemühte. Im Grunde schuldete ich ihm nichts. Vielleicht wäre es alleine einfacher... und doch blieb da dieses Gefühl. Ich wollte ihm helfen und hoffte inständig, er würde mich endlich lassen.

 

''Wo hast du den Wagen her? Wenn das deiner ist, müssen wir den loswerden. Sie werden es wissen und nach ihm suchen. Oder aber...'', kurz zögerte ich, weil ich nicht wusste, wen von meinen Vermittlern ich trauen konnte, ''Wir lassen ihn umlackieren... Bieg hier ab. Ich kenne da jemanden, der mir noch was schuldet.''

 

Ungern wollte ich Jerome jetzt auch noch das Auto nehmen. Immerhin hatte er sonst alles verloren. Er brauchte einen Hacken zum festhalten.

 

Es gab da eine Frau, die sich in ihrer Freizeit um Autos kümmerte. Offiziell hatte sie gut geerbt und wohnte etwas abseits der Stadt. Alle kannten sie nur unter Lillie. Wenn jemand Probleme mit seinem Auto hatte, war er bei ihr an der richtigen Adresse. Die meisten Kunden hatten Dreck am Stecken. Doch sie fragte nicht, sondern machte einfach.

 

Vor Jahren hatte ich ihr einen Kerl vom Hals geschafft und mich von ihr nur halb bezahlen lassen. Ich meinte, wir würden uns irgendwann wiedersehen und sie könnte ihre Schuld begleichen. Was sie da im Sinn hatte, war anders als das, was ich wollte. Klar, sie war sexy und wusste sich zu bewegen und anzuziehen. Aber ich hatte an ihr kein Interesse.

 

*-*-*

 

Ich fuhr einfach los, nachdem Nils eingestiegen war und konzentrierte mich auf den Verkehr.

 

Auf Nils Fragen antwortete ich nur mit einem Nicken, mehr war aus mir nicht heraus zu bekommen. Jedoch schaute ich Nils kurz erschrocken an, als dieser meinte, dass wir den Wagen nun auch noch los werden oder eben umlackieren müssten... was mich nur mit dem Kopf schütteln ließ.

 

Urplötzlich stieg ich in die Bremsen, so dass die Reifen quietschten, schaute Nils böse an und sprach so ruhig und doch bedrohlich, wie eine ausgewachsene Königskobra:

 

"Jetzt pass mal auf, Nils, mein Wagen wird weder umlackiert noch werde ich diesen abgeben! Du kannst mir hier nicht alles wegnehmen. Ich mein, meine Alten sind weg, Joulie auch, mein Zuhause ist weg und nun soll ich auch noch mein Auto.... NEIN, das kannst du knicken! Ist das klar?! Entweder wir fahren jetzt so weiter, oder aber ich kehre um und scheiß drauf! Ganz ehrlich, ich habe nicht um deine Hilfe gebeten und ich habe dich auch nicht gebeten mich zu retten, das hast du von dir aus getan.

 

Und wenn dir hier irgendwas nicht passt, dann steig aus und geh allein weiter, ich kehre dann um und lasse das Schicksal einfach seinen Lauf nehmen! Ich habe es nämlich satt, dass mich ständig wer verlässt, enttäuscht oder mir was wegnimmt!

 

Was habe ich eigentlich irgendwem getan?! Warum das alles.... Warum?! Na los, jetzt sprich schon, verdammt noch mal!!!!", machte ich mir verzweifelt Luft, denn das war eigentlich schon lange überfällig gewesen.

 

Erst jetzt drehte ich meinen Kopf wieder in Richtung der Frontscheibe, legte meine Hände auf das Lenkrad, meinen Kopf auf meine Hände und weinte einfach los... verzweifelt und völlig fertig, flüsterte ich schluchzend:

 

"Ich weiß ja, dass du es wahrscheinlich gut meinst... aber... ich kann nicht mehr..."

 

Meine Augen brannten schon wie Feuer, vom vielen weinen, mein Herz und meine Seele sehnten sich nach dem Tod und ich saß hier mit einem Auftragskiller in meinem Auto, der mich nun nicht töten, sondern retten wollte.... was für ein gequirlter Mist! Man, man, man....

 

*-*-*

 

Da war es wieder, Jeromes Temperament mit ganz viel Angst und Trauer. In mir drinnen konnte ich genau spüren, wie es ihm ging. Alleine sein, war doch scheiße.

 

''Ist gut'', sprach ich ruhig tippte ihn sanft auf die Schulter, hatte ich sein Verbot von ihm ja nicht vergessen, dass ich ihn nicht anfassen sollte, ''Ich habe nicht vor dir etwas wegzunehmen. Wir werden den Wagen nicht lackieren und nicht weggeben, versprochen!

 

Egal was passiert, okay. Du hast mein Wort.''

 

Vorsichtig legte ich nun doch meine Hand auf seine Schulter, bereit sie jederzeit wieder wegzuziehen. Am Liebsten hätte ich den Kleinen in eine Umarmung gezogen und richtig getröstet, war mir allerdings nicht sicher, ob das okay wäre.

 

''Wir brauchen eine Pause. Alle Beide... Was hältst du davon, wenn wir trotzdem abbiegen und uns da ausruhen. Wir brauchen einen sicheren Platz zum Schlafen und wir sollten versuchen etwas zu essen... Es wird alles wieder in Ordnung kommen, dafür Sorge ich'', schlug ich vor und machte ihm ein Versprechen.

 

Dabei war ich auch bereit zu fahren, wenn Jerome mich ließe.

 

*-*-*

 

Mich langsam wieder beruhigend, hörte ich Nils Worte und nickte verständig.

 

Langsam hob ich meinen Kopf wieder, wischte mir die Tränen ab und schaute Nils etwas sanfter an, als vorhin, auch ließ ich seine Hand auf meiner Schulter zu, lehnte mich ein wenig an die Hand.... genoss es gerade.... weil ich es eben doch brauchte.

 

"Okay, ich biege ab. Aber bitte... lass mir mein Auto, ja... bitte.", bat ich Nils nun mit sanfter Stimme, aber noch immer mit Tränen in den Augen.

 

"Ich.... ich.... es tut mir leid, dass ich... ich dich angemotzt habe... es tut mir leid... wirklich.", gab ich flüsternd von mir und schaute ihn flehend an... er möge mir verzeihen... mich vielleicht doch trösten.... aber... ich hatte es ihm verboten... tja, da war ich wohl selbst Schuld und würde da jetzt allein durch müssen.

 

Mit dem Jackenärmel wischte ich mir die Tränen ab, startete den Motor und fuhr wieder los, auch wenn ich noch immer schluchzte. Dann bog ich, wie von Nils erbeten, ab und fuhr noch etwas geradeaus.

 

*-*-*

 

War ich beruhigt, dass Jerome sich ein Wenig fing.

 

''Es ist okay. Vermutlich habe ich das auch verdient'', meinte ich, ''Außerdem mag ich dein Temperament.''

 

Das musste ich einfach loswerden, war auch immer noch versucht den Kleinen in eine Umarmung zu ziehen. Aber ich ließ meine Hand, wo sie war, immerhin schluchzte Jerome immer noch ab und an.

 

Es brach mir beinahe das Herz und ich hatte das Gefühl, als wären mir die Hände gebunden.

 

Wir fuhren eine Weile, bis wir an einen Hof ankamen, wo allerlei Autoteile und Autos herumlagen und standen.

 

''Bieg hier rein'', meinte ich sanft und zeigte auf den Hofeingang.

 

''Ich glaube du kannst dort am Besten zwischen den Autos parken, da fällt der Wagen nicht auf'', fügte ich hinzu und zeigte auf weiter hinten, wo viele Autos standen.

 

Lillie war derweil aus einem Schuppen, den sie als Autowerkstatt nutzte getreten und schaute neugierig rüber.

 

Als der Wagen dann endlich stand und Jerome ihn ausgeschaltet hatte, zog ich ihn nun doch einfach an mich ran. Nicht zu fest, bereit es jederzeit zu lösen.

 

''Du bist nicht alleine! Hörst du? Ich lass dich nicht allein und du wirst den Wagen behalten. Wenn du mich lässt, pass ich auf dich auf und lass dich nicht alleine sein'', sprach ich mit ganz ruhiger Stimme.

 

Immerhin wollte ich mich ihm nicht aufzwingen, was ich bisher ja erfolgreich getan hatte.

 

Für mich war es neu Jemanden an mich ran zu lassen und etwas zu geben. Doch ich wollte für Jerome da sein, hatte mich für diesen Weg entschieden. Warum auch immer. Vielleicht war ich mein Leben leid und wollte etwas Gutes tun, für Jemanden da sein.

 

*-*-*

 

Wie Nils gesagt hatte parkte ich den Wagen und atmete dann tief ein und aus, musste aber innerlich doch schmunzeln, als Nils diesen Kommentar, wegen meines Temperaments abgegeben hatte.

 

Kurz schaute ich noch zur Frontscheibe und sah dort eine Frau aus einem Schuppen treten, als ich auch schon Nils Worte hörte und seine Umarmung spürte, die ich zuließ und mich ein wenig an ihn lehnte.

 

"Danke... ich... werde drüber nachdenken, okay.", erwiderte ich ruhig, während meine Tränen langsam versiegten.

 

Er schien sich wirklich um mich zu bemühen, schien sich Sorgen zu machen und mich tatsächlich beschützen zu wollen, doch würde es wohl noch eine Weile dauern ehe ich ihm wirklich und vollkommen vertrauen könnte.

 

"Gib mir bitte etwas Zeit, ja, ich kann dir nicht sofort vertrauen... es geht nicht. Dass ich dies hier zulasse... ist schon sehr viel und... ein kleiner Anfang, okay.", gab ich noch zu Bedenken, ehe ich mich nun wieder vollends im Griff hatte und mich sacht, sehr langsam von Nils löste.... ohne es böse zu meinen.

 

"Tja, dann lass uns mal aussteigen.", gab ich mich locker... versuchte zumindest so zu wirken.

 

*-*-*

 

''Ist okay, nimm dir Zeit. Ich werde dich nicht drängen. Nur rede mit mir, wenn du etwas auf dem Herzen hast, bitte'', bat ich Jerome und nickte dann auf seine Aussage hin.

 

Er hatte sich umarmen lassen, was ich als großen Fortschritt ansah. Jetzt hieß es wohl meine große Klappe im Zaun halten und ihn nicht direkt wieder zu verscheuchen.

 

''Das ist Lillie'', flüsterte ich Jerome zu, nachdem wir ausgestiegen waren und auf sie zugingen, ''Sie kennt mich vom Aussehen her nicht und nur meinen Künstlernamen. Allerdings werde ich mich zu erkennen geben müssen, da sie mir noch etwas schuldet. So können wir hoffentlich hier ein Wenig ausruhen. Nur würde ich ihr ungern meinen richtigen Namen verraten und dir sollten wir besser auch einen Anderen geben... geht das in Ordnung?''

 

Natürlich wollte ich mir erst Jeromes Einwilligung holen, da ich ihn ja nichts wegnehmen wollte. Ansonsten würden wir auch dieses Risiko eingehen.

 

''Hallo Lillie'', begrüßte ich nur ein paar Augenblicke später, die junge Frau, die mal wieder mehr als sexy angezogen war. Sie lächelte sanft und nickte uns zu.

 

''Was kann ich für euch tun?'', wollte sie wissen.

 

''Auch wenn es ungewöhnlich ist, ich bin Flink Schatten und du schuldest mir noch etwas'', begann ich, wurde aber prompt von ihr unterbrochen.

 

''Dir muss es ja echt bescheiden gehen, wenn du dich zu erkennen gibst. Na dann, steht nicht so rum, sondern kommt rein. Ich wollte mir ohnehin gerade eine Pause gönnen. Tee oder lieber Kaffee, was darf ich euch anbieten?'', plauderte sie drauf los und ging schon in Richtung Haus.

 

Hier sah es aus, überall lag etwas herum und man musste schauen, wo man hintrat. Da war ich erstaunt, wie es im Haus aussah. Total ordentlich und sauber. Das genaue Gegenteil irgendwie, als auf dem Hof.

 

*-*-*

 

Ich würde mit ihm reden, hatte ich Nils versprochen und würde es tun, wenn es sein müsste.

 

Dann trafen wir auch schon auf Lillie und ich stellte mich als Desmond vor, den Rat von Nils beherzigend. Jedoch würde ich dies nicht ewig so beibehalten, wenn wir hier wieder weg wären, ...würde ich wieder Jerome heißen.

 

Natürlich hatte ich die junge Frau nett begrüßt und meinte: "Tee, wäre gut, danke." und folgte Nils und Lillie ins Haus, wo es sehr ordentlich war, ich mich ein wenig umschaute, doch nichts anfasste, weil es sich eben nicht gehörte. Erziehung ist eben Erziehung.

 

Jedoch war es mir vollkommen egal wie sie angezogen war, achtete gar nicht drauf, aber sie war nett, das zumindest musste ich ihr lassen.

 

Ansonsten schwieg ich und überließ den Erwachsenen das Reden.

 

Jetzt, da ich etwas zur Ruhe zu kommen schien, begann ich die ganzen Erlebnisse der letzten Stunden zu verarbeiten und wusste nun, was ich tun musste. Wenn alles vorbei wäre, würde ich mich doch einer Therapie unterziehen, denn ich wusste nun auch, dass ich das alles so niemals allein verarbeiten könnte.

 

Ich würde daran kaputt gehen, versuchte ich es... vermutlich würde mir dabei auch Nils nicht helfen können. Da musste ein Psychotherapeut ran, aber nun ja, ich würde mich jetzt noch zusammen nehmen und später alles in Angriff nehmen.

 

Alles zu seiner Zeit....

 

*-*-*

 

Wir setzten uns an einen Tisch und Lillie kochte für uns Tee. Außerdem stellte sie auch ein paar Kekse hin. Als sie saß, erklärte ich ihr kurz, worum es ging und sie nickte zustimmend. Natürlich erzählte ich ihr nicht zu viele Details, nur das Wichtigste, was sie eben wissen musste. Je weniger sie wusste, um so ungefährlicher war das Ganze für sie.

 

''Ihr könnt gerne eine Weile hier untertauchen. Die ganze obere Etage nutze ich nicht. Der Ausblick ist fantastisch und man sieht schon von weitem, ob Jemand herkommt. Den Wagen decken wir einfach mit einer Plane ab, wie ich es hier bei vielen anderen gemacht habe. Dann wird der auch nicht auffallen.

 

Sollte Besuch kommen, verhaltet ihr euch einfach ruhig und verschwindet zur Not in einer kleinen Kammer oben. Die ist von außen nicht sichtbar. Wenn ihr wollt zeige ich euch alles.

 

Mehr kann ich euch nicht anbieten. Das Haus sauber halten kann ich, aber im Kochen bin ich eine Niete'', verkündete sie und ich war froh über ihr Entgegenkommen.

 

Es hörte sich alles traumhaft an und ich war froh, dass wir vorerst hierbleiben konnten.

 

Allerdings wollte ich die Entscheidung nicht alleine treffen.

 

''Was denkst du?'', fragte ich Jerome und nahm mir einen Keks, den ich im Ganzen in den Mund steckte. Ich hatte wirklich großen Hunger.

 

Derweil war ich am Überlegen, ob ich den Spieß nicht umdrehen sollte und ein letztes Mal ein Killer sein wollte. Wenn ich die beiden Russen ausschalten würde, hätten wir unsere Ruhe und Jerome könnte vermutlich sogar zurück in sein Haus.

 

Es war vorerst nur ein Gedankengang über den ich noch in Ruhe nachdenken müsste.

 

*-*-*

 

Lillie war wirklich nett und freundlich und so stimmte ich Nils, mit einem Nicken, zu, dass wir vorerst hier bleiben konnten... ich also einverstanden wäre.

 

"Danke.", brachte ich irgendwie heraus, dann senkte ich meinen Kopf und begann zu zittern. Es war einfach zu viel gewesen, auch die Tränen liefen wieder, doch blickte ich nicht auf, sondern blickte auf meine Beine und den Fußboden, während die Tränen auf meine Hose tropften.

 

Hunger hatte ich keinen und nahm mir deswegen auch keinen Keks, auch die Tasse konnte ich gerade nicht anheben, da ich zu sehr zitterte.

 

Wieder begann ich, völlig geistesabwesend, vor und zurück zu schaukeln, vor und zu zurück... ich konnte es nicht verhindern.

 

"Bitte.... bitte... darf ich mich... allein hier.... ein wenig... umsehen... bitte.... Ich.... ich kann kochen.... ich habe das.... bei Mama gelernt.", stammelte ich schluchzend, so würde ich mich etwas ablenken können, denn niemand sollte sich durch mich belästigt fühlen... wollte niemanden mit mir belasten.

 

Ansonsten blieb ich aber ruhig, versuchte mich zu beherrschen, jedoch war es nicht möglich. Meine Coolness war dahin... zusammen gefallen, wie ein Kartenhaus.

 

Langsam stand ich auf, ging ebenso langsam im Zimmer auf und ab, noch immer leicht zitternd, was aber durch das hin und her laufen langsam weniger wurde.

 

Irgendwann kauerte ich mich einfach still in eine der Zimmerecken und blieb dort sitzen. So schloss ich ein wenig die Augen, lehnte meinen Kopf an die Wand neben mir und döste schließlich weg.

 

Ruhe.....

 

*-*-*

 

Wie viel kann ein Menschen aushalten, fragte ich mich. Jerome hatte zu viel durchmachen müssen und kam damit nicht klar. Er brauchte dringend Hilfe!

 

''Sicher darfst du dich umsehen. Fühle dich wie Zuhause'', hörte ich Lillie sagen.

 

Sanft hatte ich erneut eine Hand auf Jeromes Schulter gelegt, ihn aber sonst nicht bedrängt. Bei den Worten, dass er kochen könnte, musste ich lächeln. Er brachte sich mit ein, obwohl es ihm so schlecht ging.

 

Tatenlos saß ich da und schaute zu, wie er auf und ab ging. Dann setzte er sich an die Wand und schien vor Erschöpfung einzuschlafen. Er würde gewiss morgen Nackenprobleme haben, wenn er so sitzen bleiben würde.

 

''Vielleicht sollten wir ihn nach oben bringen'', sprach Lillie ruhig.

 

Wir standen leise auf und ich nahm Jerome vorsichtig auf den Arm. Immerhin wollte ich ihn nicht wecken. Dann ging ich hinter Lillie her, die Treppe hoch. Es war wirklich schön oben. Dort befanden sich drei große Zimmer mit einem Bad. In dem einen standen viele Kisten herum und die anderen Beiden waren Schlafzimmer.

 

In einem legte ich Jerome ins Bett, welches Lillie aufgeschlagen hatte und deckte ihn sanft zu, nachdem ich ihm zumindest von seinen Schuhen befreit hatte. Zum anderen Schlafzimmer gab es sogar eine Verbindungstür.

 

Beide lehnte ich nur an, bevor ich mich auch in dem anderen Zimmer kurz umsah.

 

''Normalerweise übernachten hier regelmäßig meine Schwester mit ihrem Sohn. Aber keine Sorge, die waren erst da. Das andere Zimmer benutzte ich als Abstellkammer. Allerdings werdet ihr euch das Bad hier oben teilen müssen'', erklärte Lillie mir.

 

''Das macht nichts. Danke!'', musste ich loswerden.

 

Anschließend ging ich wieder mit Lillie nach unten und holte unsere Sachen aus dem Wagen, die ich nach oben brachte. Bei Jerome war ich natürlich leise, er sollte sich ausruhen, aber auch seine Sachen vorfinden, sobald er wach werden würde.

 

Kurz machte ich mich im Bad frisch, ließ aber nichts liegen, für den Fall dass wir ungebetenen Besuch bekämen. Anschließend ging ich nach unten und da Lillie sich wieder in ihren Schuppen begeben hatte, sorgte ich fürs Abendessen.

 

Gut kochen konnte ich nicht. Es reichte für den Eigengebrauch. Aber Nudeln mit Tomatensoße bekam selbst ich hin.

 

*-*-*

 

Trotzdem ich tief und fest eingeschlafen war, spürte ich, dass ich hoch gehoben und getragen wurde. Genießend hatte ich mich an Nils gelehnt, denn es konnte nur er gewesen sein, der mich trug... Lillie hätte sich da sicher einen Bruch gehoben.

 

Dann spürte ich, wie ich in ein weiches Bett gelegt und zugedeckt wurde... danach war alles weg und ich schlief ruhig weiter.... schien es wohl auch zu brauchen.

 

Ich fand es jedoch total lieb von Nils, wie er sich um mich sorgte und kümmerte. Gedanklich dankte ich ihm, doch würde ich wohl die nächsten Stunden mit schlafen verbringen, ehe ich Nils persönlich für alles danken könnte.

 

Was anschließend noch alles geschah bekam ich nicht mehr mit, denn nun schlief ich den Schlaf der Gerechten.

 

In der Zwischenzeit waren tatsächlich die Russen in den Palast eingedrungen und hatten nach Jerome gesucht... oder zumindest nach seiner Leiche. Jedoch fanden sie hier niemanden weiter, außer das Personal, das befragt wurde, dennoch nichts wusste.

 

Man folterte, misshandelte und tötete sie anschließend... auch Paolo, den Butler... so dass nun Jerome auf alles Zugriff haben würde. Sein Palast, sein Grundstück.... sein Geld.... alles gehörte nun ihm allein.

 

Niemand, in dem Hause, wurde am Leben gelassen und so hinterließen sie eine blutige Spur des Todes.

 

Entgegen dessen was Nils gedacht hatte, waren die Polizisten eben nicht korrupt und hatten sich auch auf die Russen nicht eingelassen. Joulies Leiche hatten sie wegbringen können, noch bevor die Russen in das Haus eingedrungen waren.

 

Nils und Jeromes Spur konnte man jedoch nicht nachverfolgen, diese waren viel zu gut verwischt worden.

 

*-*-*

 

Als das Essen gerade fertig war, kam Lillie wieder rein.

 

''Den Kleinen lassen wir wohl besser schlafen. Zur Not kann er sich ja später etwas warm machen'', meinte ich zu ihr.

 

Wir aßen schweigend, wobei Lillie mich musterte.

 

''Er ist dir sehr wichtig'', stellte sie fest.

 

''Ich wünschte, ich hätte jemanden gehabt, der mich vor meiner schiefen Bahn bewahrt hätte, als ich in seinem Alter war...'', kommentierte ich Lillies Aussage.

 

War Jerome mir wichtig? Sicher irgendwie, sonst würde ich ihn ja nicht beschützen wollen.

 

''Kannst du vielleicht ein paar Beziehungen spielen lassen, ohne dass es auffällt?'', wollte ich von unserer Gastgeberin wissen.

 

''Sicher. Worum geht es denn?'', fragte sie direkt.

 

''Um einen Auftrag, der in etwa zwei Jahre her ist. Ich weiß leider nicht wie der Killer hieß, aber wie er aussah und ich vermute, er hat es des Geldes wegen getan, und dass die Beiden, die getötet wurden im Grunde unschuldig waren. Nur das Warum würde mich interessieren... Ach ja, der Auftraggeber... Victor und Louise!'', erklärte ich.

 

Kurze Zeit später räumten wir ab und während Lillie wieder an die Arbeit ging, räumte ich die Küche auf, ließ aber etwas zu Essen für Jerome stehen.

 

Es war ein Risiko Lillie so viel zu erzählen und ihr zu vertrauen. Doch hatte ich eine Wahl?

 

Müde und gesättigt ging ich mit zwei Wasserflaschen nach oben, nachdem ich Lillie eine gute Nacht gewünscht hatte. Es war draußen ruhig, nur das Zirpen der Grillen war zu hören. Schön friedlich war es hier. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.

 

Ich zog mich aus und ging duschen. Nur mit einem Handtuch um die Hüften, schaute ich nach Jerome und stellte ihm die Wasserflasche auf seinen Nachttisch.

 

*-*-*

 

Kein Plan wie lange ich geschlafen hatte, aber ich erwachte, weil ich ein Geräusch vernahm.... leise war es und doch konnte ich es hören.

 

Nur so halb öffnete ich meine Augen und schaute um mich... da sah ich Nils, der mein Zimmer betreten hatte und nur.... oh mein Gott.... mit einem Handtuch bekleidet war. Sogleich stieg mir eine leichte Röte ins Gesicht, so dass ich die Augen, schamvoll, gleich wieder schloss und mich schlafend stellte, obgleich ich bei Nils Anblick hellwach geworden war.

 

Eine Flasche Wasser stellte er auf meinen Nachttisch.... herrje, wie besorgt er um mich zu sein schien... aber... Warum nur?

 

Einen Reim konnte ich mir drauf nicht machen, aber ich hatte irgendwie ein mulmiges Gefühl, keine Ahnung warum... aber irgendwas sagte mir, dass etwas nicht stimmte... oder.... herrje... Gott-weiß-was...

 

Obgleich ich davon nichts hielt, betete ich gerade zu Gott, dass Nils nicht bemerkt hatte, dass ich erwacht war. Allerdings würde mich meine Gesichtsröte verraten, würde er mich anschauen.

 

Glücklicherweise war es wohl schon Nacht und leuchten würde ich ja wohl kaum. Dass ich Nils so halbnackt gesehen hatte, nun, allzu dunkel war es hier im Zimmer ja nun auch nicht.

 

*-*-*

 

Kurz zögerte ich, sah mir kurz den Kleinen an, ging dann aber doch wieder rüber. Die Tür ließ ich angelehnt, falls etwas sein sollte. Dann legte ich mich ins Bett, wo ich aber nicht direkt einschlief.

 

Stattdessen grübelte ich, wie ich die Russen ausfindig machen konnte. Nur selbst wenn ich sie finden würde, wäre es sicherlich nicht einfach an sie ran zu kommen. Einen zu erschießen war kein Problem, aber direkt danach noch Jemanden. So etwas hatte ich bisher noch nie getan.

 

Im Schlaf wäre es einfach mit einem Schalldämpfer auf der Waffe. Nur würden die Russen sicher gut bewacht werden.

 

Seufzend drehte ich mich mal nach links und mal nach rechts. Irgendwie einschlafen konnte ich nicht, stattdessen grübelte ich. Bisher hatte ich per Aufträge immer alles zugesendet bekommen. Meist auch wo ich wen fand. Nur wie findet man seinen Auftraggeber?

 

Irgendwann übermannte mich nun doch die Müdigkeit und ich döste endlich ein.

 

*-*-*

 

Da ich nun eh schon mal wach war und Nils mir meine kleine Schwindelei, ich würde schlafen, wohl abgenommen und "mein Zimmer" verlassen hatte, stand ich auf und ging leise durch das Zimmer.

 

Dabei sah ich, dass meine Zimmertür und auch die andere Tür nur angelehnt waren, doch wagte ich es nicht in Nils Zimmer zu gehen.... auf keinen Fall.... eher fiel ich wohl tot um.

 

Erst als ich wieder einigermaßen bei mir war und klar denken konnte, begann ich leise durch das Haus zu schleichen, mir alles anzusehen. Nun, es war nicht ganz das was ich gewohnt war, doch war es zumindest sauber, so erreichte ich auch die Küche, wo ich sehen konnte, dass wohl wer gekocht haben musste.

 

Sie hatten mir etwas übrig gelassen, zumindest sah es danach aus, dennoch fasste ich nichts an, denn ich hatte nun mal keinen Hunger, der Magen war zu und meine Psyche war am Ende, meine Augen brannten noch immer, doch nahm ich mich zusammen. Nein, ich würde nicht noch einmal zusammen brechen, kommen was wolle.

 

Es war doch eh nicht schade um mich... und meine Psyche und die Scheißangst... ach, kack drauf, war das etwa was zu essen... wer brauchte so was schon?

 

Es musste doch nur ein bisschen kälter werden, dann würde mir das alles nicht mehr weh tun... kannte ich es doch von so vielen anderen Personen.... die auch meine Eltern gekannt hatten.

 

Vielleicht bekam ich das ja auch hin.... irgendwie.

 

*-*-*

 

Ich schreckte aus einen Traum hoch, der überhaupt keinen Sinn ergab. Scheinbar fühlte ich mich ziemlich verfolgt. In meinem Traum war es aber ein Monster, was hinter mir her war.

 

Erstmal trank ich die halbe Flasche Wasser leer und da es mir danach noch nicht besser ging, stand ich auf, schlüpfte in eine Shorts, um rüber ins Bad zu gehen. Dort schöpfte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht und bekam langsam wieder einen klaren Kopf.

 

Kurz wollte ich bei Jerome reinschauen, um mich dann wieder hinzulegen. Doch, er war nicht mehr in seinem Bett. Leise schaute ich mich oben um, doch von ihm fehlte jede Spur.

 

Vermutlich war er unten, wo ich auch gleich nachsehen ging.

 

''Hey'', grüßte ich ihn, ''Du solltest etwas essen.''

 

Es war keine Bitte, sondern eine Ansage. Genau wie ich, hatte er den Tag über noch nichts gehabt. Also machte ich ihm das Essen warm. Sicher konnte ich nicht versprechen, ob es ihm schmecken würde, aber er brauchte jetzt etwas Stärkung, dessen war ich mir sicher.

 

Hoffentlich hatte er sich so weit gefangen.

 

''Versuch es wenigstens und sei es nur ein Bisschen'', bat ich ihn sanft, wobei ich den Teller hinstellte und das Essen darauf tat.

 

Außerdem kochte ich noch einen Tee für uns, denn den konnte ich, nach dem verwirrenden Traum, jetzt gebrauchen.

 

*-*-*

 

Bahh... hatte ich mich erschrocken, als plötzlich Nils in die Küche kam, wägte ich mich doch gerade hier so schön allein.

 

"Man, kannst du dir mal was anziehen.", motzte ich ihn an, ohne zunächst drauf einzugehen, was er gesagt hatte.

 

Erst als Nils nun auch noch das Essen warm machte und es auf einen Teller tat, diesen anschließend auf den Tisch stellte.... zog ich mich zurück.

 

"Ich.... ich habe keinen Hunger und ich... ich will auch nichts essen. Vergiss es.... ich will nicht und zwingen kannst du mich nicht.", sprach leise, aber nun mit einer gehörigen Portion Panik in der Stimme.

 

Nils kochte nun auch noch Tee und mir schnürte sich derweil der Magen vollkommen zu. Während Nils den Tee zubereitete, verließ ich Küche wieder und floh in mein Zimmer, wo ich die Tür schloss und mich wieder in irgendeine Ecke kauerte.

 

Nun, das mit dem kälter werden war ja wohl nichts. Ich würde wohl niemals so werden können, denn mich hatte wieder die Panik gepackt, wieder kam alles hoch... und wieder hatte ich keinen Plan warum eigentlich.

 

Tja, meine dämliche Psyche hatte wohl einen schwereren Knacks abbekommen, als mir bewusst war.... wenn mich schon der bloße Anblick von Essen die Flucht ergreifen ließ... na dann gute Nacht...

 

Irgendwo in meinem Inneren wusste ich, dass ich ganz dringend psychologische Hilfe brauchte, denn zu meiner Angst und Panik, gesellte sich nun auch noch eine dicke Depression.... fehlten eigentlich nur noch die Selbstmordgedanken....

 

Warum das alles.... warum ich...?

 

*-*-*

 

Als Jerome mich hier einfach alleine ließ, wusste ich keinen Rat mehr. Ich war definitiv nicht in der Lage dem Kleinen zu helfen. So sehr ich mich auch anstrengte.

 

Deshalb ließ ich alles unten stehen und ging wieder hinauf. Zaghaft klopfte ich an Jeromes Zimmertür, bevor ich das Zimmer betrat. Langsam ging ich auf ihn zu und ließ mich neben ihm nieder.

 

''Tut mir leid, wenn ich dich nerve. Aber du brauchst dringend Hilfe... Jerome, vielleicht wäre es besser, wenn wir Jemanden aufsuchen, der dir helfen wird mit all dem besser fertig zu werden, hmm?'', schlug ich kleinlaut vor.

 

Was, wenn er rein gar nichts davon hielt. Es würde mich nicht wundern, wenn er sich nun noch mehr zurückziehen würde.

 

''Magst du nicht wenigstens einen Tee und morgen schauen wir weiter? Ich kann auch einfach hier bei dir sitzen bleiben und schweigen die ganze Nacht, wenn dir das lieber ist?'', fuhr ich fort.

 

Ich wollte ihm so gerne helfen, nur wie? Da musste ein Spezialist ran, dessen war ich mir sicher. Nur was hielt Jerome davon?

 

*-*-*

 

Noch immer saß ich hier, fühlte mich allein und zu nichts nutze, als es an der Tür klopfte und Nils das Zimmer betrat, sich dann neben mich setzend.

 

Ruhig hörte ich Nils zu und nickte bedächtig, denn was er sagte hatte Hand und Fuß und war mehr als richtig.

 

"Ich weiß... dass ich Hilfe brauche... und... ich ...es tut mir leid, wegen vorhin, weil ich dich angemotzt hab. Verzeih mir, bitte.", antwortete ich leise und doch stiegen mir wieder die Tränen in die Augen.

 

Ich konnte gerade nicht anders, als mich an Nils anzulehnen und mich sozusagen an seiner Schulter auszuweinen. Wie ein Ertrinkender klammerte ich mich halbwegs an ihn... nach Halt und Trost flehend.

 

So ganz nebenbei schaltete sich aber auch mein Geruchssinn ein und gab mir zu verstehen, dass Nils unglaublich gut duftete, was mich sehr beruhigte und ich so die Augen einen Moment schloss.

 

So ganz allmählich versiegten schließlich die Tränen und ich schaute Nils unschuldig an.

 

"Ich... würde jetzt gern einen Tee trinken und versuchen etwas zu essen... aber nur wenn du mich fütterst.", musste ich loswerden... versuchte dabei ein wenig zu scherzen, um die Stimmung etwas zu lockern und damit auch mich aufzumuntern.

 

Sanft und liebevoll sah ich Nils in die Augen, lehnte mich noch einen Augenblick an ihn, bevor ich mich langsam erhob....

 

*-*-*

 

Auf seine Worte hin, ich solle Jerome verzeihen, meinte ich nur: ''Ist doch nie etwas gewesen.''

 

Dann begann er zu weinen und ich hielt ihn, streichelte sanft über seinen Rücken und versuchte ihm Trost zu spenden. Es dauerte eine Weile, ehe er sich fing und die Tränen versiegten.

 

Natürlich freute ich mich, dass er nun doch versuchen wollte etwas zu sich zu nehmen. Vermutlich war ich auch einfach zu ruppig gewesen, wie es eben manchmal meine Art war.

 

''Sicher'', meinte ich und musste grinsen.

 

So stand auch ich auf und wir gingen gemeinsam nach unten. Erneut wärmte ich etwas zu Essen auf und goss uns neuen Tee ein. Da die anderen Sachen bereits kalt geworden waren.

 

Anschließend setzte ich mich zu Jerome und schnappte ihm die Gabel weg.

 

''Vorsichtig, hier kommt ein Flieger... der Düsenjet will landen'', scherzte ich und surrte mit der Gabel vor seinem Gesicht rum.

 

Den Scherz von eben, den er begonnen hatte, führte ich somit fort und konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.

 

*-*-*

 

Es hatte wirklich gut getan, wie Nils mich tröstete und mir ein paar Streicheleinheiten angedeihen ließ.

 

Nachdem wir uns endlich voneinander gelöst und irgendwann auch die Küche erreicht hatten, machte sich Nils abermals daran das Essen aufzuwärmen und uns neuen Tee einzuschenken.

 

Ich hatte mich brav an den Tisch gesetzt, dann kam auch schon das Essen und Nils setzte sich zu mir, wobei er mir die Gabel wegschnappte und nun tatsächlich begann mich zu füttern.

 

Tränen lachte ich... als Nils diese "Fliegershow" vorführte und mir schon der Bauch und Gesichtsmuskeln weh taten. Dennoch öffnete ich den Mund und ließ mich von Nils füttern. Dabei schaute ich ihn mit unschuldigen Blicken an, doch konnte ich mich irgendwann wirklich nicht mehr halten vor lachen.

 

Es klappte super, trotzdem ich mich vor lachen beinahe nicht mehr einkriegte, aber es hatte auch den Effekt, dass ich nicht daran dachte, keinen Hunger zu haben.... nein, ich aß einfach, was mir Nils zu essen gab, kaute und schluckte es dann runter.

 

Natürlich war ich bald auch satt, stand auf, schnappte mir die Gabel von Nils und den Teller und stellte beides in den Abwasch, um mich anschließend wieder zu Nils zu setzen und mit ihm zusammen den Tee zu genießen.

 

Sicher, ich musste hin und wieder noch lachen, weil ich dieses Bild nicht mehr aus meinem Kopf bekam, als mich Nils so fütterte, aber es tat gut und so konnte ich für eine Längere Zeit meinen Kummer und Gram vergessen.

 

Dies verdankte ich, ohne Zweifel, Nils, der sich um mich kümmerte, obgleich auch er seinen Schlaf brauchte und sicher sehr müde war.

 

"Danke, dass du mich wieder zum Lachen gebracht hast.", musste ich nun loswerden, schaute erst Nils mit liebevollen Blicken und einem sanften Lächeln an, dann ließ ich meinen Blick sinken und sah in meine Tasse.... während sich eine leichte Gesichtsröte bei mir einstellte... warum auch immer...

 

*-*-*

 

Wie herrlich es war Jerome so Lachen zu sehen. Es öffnete mir regelrecht das Herz und ab und an, musste auch ich lachen. Er war niedlich keine Frage und wie gerne hätte ich ihn immer so gesehen.

 

''Das habe ich gerne gemacht'', meinte ich und wunderte mich, warum er nun verlegen wurde.

 

Stand er vermutlich auf mich? Bisher hatte, meines Erachtens, nichts darauf hingewiesen. Aber wie er mich angesehen hatte und nun diese Reaktion.

 

Ohne weiter darüber nachzudenken, nahm ich eine seiner Hände und hielt sie einfach fest. Nicht zu fest, damit Jerome sie jederzeit wegziehen könnte. Liebevoll strich ich mit dem Daumen über seinen Handrücken und schaute den Kleinen liebevoll an.

 

Ging ich vermutlich gerade zu weit?

 

Unterdessen war auf uns der beste Auftragskiller angesetzt worden. Zum Pech für die Russen, dass er meine Arbeit mochte und sich sowieso in den Ruhestand zurückziehen wollte. Außerdem hatte er etwas gegen die Russen.

 

Er machte sie ausfindig und erledigte Viktor. Louise entkam zwar, doch ging von ihr keine weitere Gefahr aus.

 

Anschließend machte er sich auf die Suche nach mir.

 

*-*-*

 

Es war richtig schön gewesen, diese kurze Zeit der Unbeschwertheit, wieder lachen zu können und nun die Stille und Ruhe zu genießen.

 

Hatte Nils etwa mitbekommen, dass ich etwas verlegen war... herrje... und nun?

 

Seine Hand, die meine Hand festhielt und mit dem Daumen drüber strich, fühlte sich gut an, zu gut, um diese jetzt wegzuziehen. Es war gerade so unglaublich schön... gestreichelt zu werden, dass ich direkt die Augen schloss.

 

Irgendwie schien mich sein Streicheln zu beruhigen, so dass ich weiterhin sanft lächeln konnte, nachdem ich die Augen wieder geöffnet hatte.

 

Schließlich nahm ich, mit der anderen Hand, meine Tasse und trank genießend den Tee, nickte anerkennend.

 

Aber was würde werden, wenn das hier ausgestanden wäre?

 

Würde Nils dann gehen und würden wir uns nie wieder sehen? Daran mochte ich gerade gar nicht denken, denn es machte mich traurig, dabei wollte ich doch jetzt gar nicht traurig sein, wo wir hier so schön gemütlich beieinander saßen und Tee tranken.

 

Nachdem ich die Tasse wieder auf den Tisch gestellt hatte, legte ich die Hand auf seine, die meine andere Hand hielt und streichelte. So schaute ich Nils direkt in die Augen, sanft aber auch mit dem nötigen Ernst.

 

Dies hier war kein Spiel mehr... ich wusste, denn blöd war ich ja nun nicht.... dass ich im Begriff war mein Herz an Nils zu verlieren, trotz der anfänglichen Schwierigkeiten und Ablehnung meinerseits.

 

Aber was nun?

 

Sollte ich mich Nils mitteilen? Würde er mich nicht auslachen?

 

Mein Blick wurde, ohne dass ich etwas dafür konnte, schmachtend.... einem Schlafzimmerblick gleich.

 

*-*-*

 

Erst dachte ich, ich hätte mir alles nur eingebildet. Zwar entzog Jerome mir seine Hand nicht, aber er trank seinen Tee weiter. Was ihm natürlich auch vergönnt war. Doch schien es mir so, als würde er meine Geste genießen. Gut, er war ein paar Jahre jünger als ich. Vermutlich fehlte es ihm an Erfahrung und die ganze Situation hier könnte ihn geradezu in meine Arme treiben.

 

Aber genau das wollte ich doch. Mehr für ihn da sein, als gerade jetzt.

 

Sein Blick anschließend sprach Bände und so konnte ich gar nicht anders, als den restlichen Abstand zu ihm zu überwinden. Mein Gesicht kam dem Seinen sehr nahe, hielt kurz inne, verharrte geradezu.

 

Den Moment abwartend, ob Jerome vielleicht erschrocken über soviel Intimität wäre oder gar auf Abstand ging, ließ ich einige Sekunden verstreichen. Nun brauchte ich nur noch meine Lippen vorschieben, mit denen ich sachte an seinen Knabberte.

 

Immerhin wollte ich den Kleinen nicht verschrecken, würde zur Not zu einem Scherz zurückgreifen, falls ich alles doch Fehlinterpretiert hätte. Jedoch bezweifelte ich, dass es so war. Dann hätte er es doch nie zugelassen, dass ich auf diese Weise seine Hände hielt, oder?

 

*-*-*

 

Genau das hatte ich mir gedacht.... ja, es mir schon beinahe gewünscht... Nils machte den Anfang, er überwand den Abstand zwischen uns und kam mir näher... und noch näher... fast schon Kussnähe... oh je... und nun...?

 

Wie würde... sollte ich reagieren. Ich würde ihn sicher gewähren lassen, soviel wusste ich, denn auch wenn ich null Erfahrungen und mich noch niemals verliebt hatte, so wollte ich dies hier... unbedingt.

 

So erhob ich mich ein wenig und kam Nils mit meinem Gesicht, sozusagen entgegen, als Zeichen, dass ich es wollte und ihn nicht ablehnte... es mich zudem keineswegs erschreckte.

 

Er zögerte kurz und ich wusste warum... aber, als Zeichen, dass ich mehr wollte, überwand ich auch das letzte bisschen Abstand zwischen uns und legte meine Lippen, sanft... wie ein Hauch... auf seine Lippen... meine Augen genießend schließend.

 

Mein Herz überschlug sich fast, bei diesen tollen, weichen Lippen und ich war schon ein wenig aufgeregt.... etwas nervös... wusste ich doch nicht, ob ich gerade hier einen Fehler beging... vielleicht wollte Nils nur einen Scherz machen... und ich... nein.... das konnte nicht sein. Es war sicher richtig, denn es fühlte sich richtig an... es fühlte sich einfach toll an...

 

...mehr.... ich wollte mehr davon... Nils....

 

*-*-*

 

Jeromes Lippen fanden die Meinen und ich seufzte leise in den Kuss hinein. Genau das wollte ich und so legte ich zaghaft eine Hand in Jeromes Nacken, damit er ja nicht sein Tun beendete.

 

Langsam intensivierte ich den Kuss und schmeckte mehr von dem Kleinen. Ich musste zugeben, dass er mehr als gut schmeckte und mich anspornte weiter zu gehen.

 

Meine Zunge stippte immer wieder gegen seine Lippen, als wollte sie ein Loch hineinbohren. Unterdessen streichelte meine Hand, die immer noch die Seine hielt, hingebungsvoll über diese.

 

Alles um mich herum schien sich zu drehen und egal wie schwindelig mir wurde, ich wollte partout nicht aus dem Karussell aussteigen. Im Gegenteil griff ich Halt suchend um mich. Fand allerdings nur meinen Kusspartner, den ich nun umarmte und zu mir auf den Schoß zog.

 

*-*-*

 

Tatsächlich schien Nils es genauso gewollt zu haben, wie ich, somit hatte ich also keine Fehler begangen, was mich freute und anspornte auf Nils Kuss einzugehen.

 

Meinen Mund öffnete ich noch etwas zaghaft, kannte ich mich doch nicht aus, und hieß Nils Zunge mit Meiner willkommen, spielte mit seiner Zunge... zögerlich, aber es machte Spaß und ich wollte noch immer mehr.

 

Als ich mich schließlich auf Nils Schoß wiederfand, wollte ich mich erst recht nicht von ihm lösen, vergaß seltsamerweise auch das Atmen nicht, so dass der Kuss wohl ewig so weiter gehen konnte.

 

Meine Arme, schlang ich zärtlich um seinen Hals, wobei meine Unterarme auf seinen Schultern Platz fanden.

 

Genießend schloss ich die Augen, während sich in meinem Inneren Gefühle ausbreiteten, die ich nicht kannte, aber als wunderschön empfand und deswegen nicht mal im Traum daran dachte den Kuss zu lösen.

 

Das musste es sein... ich hatte mich in Nils verknallt...

 

*-*-*

 

Brummend intensivierte ich den Kuss ebenfalls und schmiegte mich an Jerome. Es fühlte sich himmlisch an und ich wusste nicht wie mir geschah. Die Zeit schien still zu stehen und doch verging sie, während wir dieses Spiel fortführten.

 

Erst nach einer Ewigkeit, die mir nicht so vor kam, räusperte sich jemand leise.

 

Mit hochrotem Kopf schaute ich zum Türrahmen rüber, ließ aber den Kleinen dabei nicht los. Lillie stand dort und lächelte uns an.

 

''Ich störe euch zwei ja nur ungern, würde aber gerne einen Kaffee machen...'', begann sie verlegen.

 

Tatsächlich war es bereits morgen und um uns herum war es längst heller geworden. Etwas benommen schaute ich Jerome an, nickte Lillie dann aber zu. Ungern wollte ich mich von dem Kleinen lösen. Doch schien es komisch zu sein, hier so innig mit ihm zu sitzen.

 

Während Lillie rüberging und die Kaffeemaschine befüllte, sprach sie weiter: ''Außerdem bekommen wir bald Besuch. Meine Kameras haben Jemanden gezeigt, der auf dem Weg hierher ist.''

 

Unsicherheit machte sich bei mir breit und ich schob Jerome nun doch sanft von mir. Hauchte ihm noch einen Kuss in den Nacken, da Lillie uns sowieso den Rücken zudrehte.

 

''Wo kann ich sehen, wer kommt?'', wollte ich wissen.

 

Lillie drehte sich zu uns um, immer noch etwas verlegen: ''Komm, ich zeig es dir.''

 

Ich folgte ihr und konnte kurze Zeit später sehen, wer da kam. Im Gegensatz zu mir, war er durchaus bekannt. Nur warum zeigte er ganz offen, dass er auf den Weg hierher war? Genau wie ich, war er ein Auftragskiller und zwar der Beste.

 

Er machte keine Fehler und es hatte einen Grund warum er sich zeigte. Scheinbar wollte er sichergehen, dass ich ihn sah. Ob es mir nun gefiel oder nicht, ich musste mit ihm sprechen.

 

*-*-*

 

Ich hatte nicht mitbekommen, wie schnell die Zeit verging, erst als ich ein Räuspern hörte und die Augen öffnete, sah ich, dass es bereits heller geworden war.

 

Mich störte es nicht, dass Lillie uns so sah. Aber Nils schien es schon etwas zu stören, zudem wir wohl irgendwie "Besuch" bekommen würden, wie Lillie meinte. Doch was nun? War ich noch immer in Gefahr oder gar Nils?

 

Um mich wäre es nicht schade... aber Nils... nein, das würde ich niemals zulassen.

 

Aber nun hieß es für mich mal wieder, erst mal abwarten, meine rosarote Brille abzunehmen und wieder in die Realität zurückzukehren.

 

Lillie war mit Nils fortgegangen, um ihm etwas zu zeigen, während ich hier verloren in der Küche stand, nicht wissen, was nun werden würde.

 

Doch Tränen gab ich mich nicht hin, immerhin hatte ich gerade meine ersten Erfahrungen in Sachen Liebe gemacht... eine tolle Erfahrung, die mir sicher ewig im Gedächtnis bleiben würde.

 

Jetzt stellte sich mir auch wieder die Frage, wann ich nach Hause zurück könnte, was auch Nils und mir werden würde... oder müssten wir nun ewig auf der Flucht sein?

 

So viele Fragen... aber keine Antworten...

 

*-*-*

 

Lillie ging zurück in die Küche und ich atmete noch einmal tief durch, bevor ich ihr folgte.

 

''Ich werde mir dann mal etwas anziehen...'', sprach ich etwas abseits und ging nach oben.

 

Dort angekommen zog ich mir etwas an und bereitete mich innerlich auf unseren Besuch vor. Anschließend ging ich wieder nach unten, wo ich mir einen Kaffee einschenkte.

 

''Auch einen?'', fragte ich Jerome.

 

Ob ich wollte oder nicht, ich musste mit ihm reden über den Mann, der bald hier sein würde.

 

''Hör zu'', meinte ich, nahm Jerome an die Hand und setzte mich mit ihm an den Küchentisch, ''Der Besuch, von dem Lillie eben sprach ist ein Auftragskiller, genau wie ich einer war. Er ist der Beste und tut nichts ohne triftigen Grund.

 

Da er sich nicht versteckt, sondern ganz offen hierher auf den Weg ist, nehme ich an, er weiß ganz genau, dass wir hier sind. Ich vermute oder hoffe, er ist keine Gefahr und will aus irgendeinem Grund mit mir reden.

 

Sicher könnten wir uns verstecken, wo er uns mit Sicherheit finden würde. Oder aber wir laufen davon und er würde uns bestimmt irgendwann auch finden. Naja, oder aber ich rede mit ihm.

 

Weißt du... Ich bin mir sicher, wir haben keine Spuren hinterlassen. Er ist einfach zu gut und weiß ganz genau, wo er suchen muss...''

 

Hoffentlich machte ich dem Kleinen nicht allzu viel Angst mit dem, was ich hier sagte. Jedoch wollte ich keine Geheimnisse vor ihm haben.

 

*-*-*

 

Von Nils hatte ich mich an die Hand nehmen und an den Tisch setzen lassen, doch Kaffee wollte ich keinen und schüttelte deswegen den Kopf, dafür hörte ich Nils Worte und nickte nur.

 

Es war also nichts vorbei... zumindest noch nicht... wenn es denn jemals vorbei wäre.

 

"Aber... ich versteh das nicht. Warum das alles... warum? Warum darf ich nicht glücklich sein? Was habe ich denn getan?", fragte ich zwar ruhig... aber leise schluchzend: "Oder.... hat der es etwa auf dich abgesehen?", musste ich fragend hinzufügen.

 

Mit dicken Tränen in den Augen flüsterte ich: "Dann erschieß mich einfach. Ich bin dann zwar tot aber wenigstens hast du dann deinen Auftrag erledigt und bist nicht mehr in Gefahr. Ich will nicht, dass dir was passiert. Ich hab nur Angst um dich, denn um mich ist es nicht schade."

 

Nach diesen Worten schaute ich Nils flehend an... wollte nur noch, dass alles ein Ende hätte und endlich wieder Frieden herrschte.

 

Das war alles zu viel für mich... ich hielt es irgendwie nicht mehr aus.

 

Wer konnte denn schon wissen, ob nicht irgendwann noch irgendwelche Vollidioten es auf uns oder nur auf mich oder Nils abgesehen hätten? Mein Tod wäre für Nils also ein Segen.

 

*-*-*

 

Die Worte, die ich von Jerome hörte, ließen mich direkt heftig den Kopf schütteln.

 

''NEIN!'', kam es entschieden von mir, ''Dann wäre ich auch nicht mehr glücklich. Bitte lass mich mit ihm reden. Ich habe da so ein Gefühl... Weißt du, ich rede eher selten darüber, weil man mich womöglich für verrückt erklären würde. Manchmal in bestimmten Situationen habe ich Visionen und sehe Dinge, die passieren werden.

 

Vielleicht mache ich mich hier gerade zum Deppen und du glaubst mir kein Wort... Aber ich habe dich gesehen... glücklich und in der Zukunft. Du warst definitiv nicht alleine, denn heute werde ich nicht sterben.

 

Vertrau mir bitte und wenn du möchtest, begleite mich nach draußen. Denn ich bin mir sicher, dass es einen Grund hat, warum der Mann hierher kommt.''

 

Unterdessen hörte ich einen Wagen auf den Hof fahren und Lillie ging hinaus. Also war er bereits da und ich hoffte sehr, dass ich mich nicht irrte.

 

Ich beugte mich vor und küsste Jerome sanft.

 

Dann konnte ich es nicht lassen, musste ihn ein wenig ablenken und flüsterte in sein Ohr: ''Lass mich dir noch mehr schöne Dinge zeigen.''

 

Dabei streiften meine Lippen sein Ohrläppchen und meine eine Hand legte sich auf seinen Oberschenkel.

 

Genau in diesem Moment hatte ich eine wunderschöne Vision. Wir lagen zusammen und liebten uns innig. Trotzdem waren Visionen beeinflussbar, indem wie man handelte und sich entschied.

 

Trotzdem würde ich lieber mit Jerome zusammen sterben, als alleine zu bleiben. Dessen war ich mir sicher.

 

*-*-*

 

Liebte mich Nils so sehr, dass er nicht wollte, dass ich sterben würde. Er schien sehr entschieden und wie Nils meinte, wäre auch er dann nicht glücklich. Ich hatte mich also nicht geirrt. Er war auch in mich verliebt... vielleicht genauso sehr wie ich in ihn.

 

"Ich glaube dir", erwiderte ich: "Und ja, ich würde gern mitkommen."

 

Sicher, Nils meinte es gut und versuchte mich abzulenken, doch konnte dies jetzt leider keine Wirkung zeigen, auch wenn der Kuss, den ich erwidert hatte, noch so toll schmeckte, zu angespannt war ich und machte mir zu viele Sorgen um Nils.

 

"Lass uns daran denken, wenn alles vorbei ist und ich... wieder daheim bin...", fügte ich leise hinzu, doch streichelte ich sanft Nils rechte Wange und nickte ihm liebevoll zu.

 

Dann hörte auch ich schon ein Auto näher kommen und versuchte alles, um mich zu beruhigen und gelassen zu bleiben. Denn allein, das war Fakt, würde ich Nils nicht hinaus gehen lassen.

 

Lieber starb ich für ihn einen Heldentod... auch meine Nerven waren mir gerade völlig egal.

 

"Gehen wir...", flüsterte ich, so ruhig ich es vermochte.

 

*-*-*

 

Als ich mit Jerome an der Hand hinaustrat, sah ich wie Lillie bereits am Wagen stand und mit einem Mann redete, der locker doppelt so alt wie ich war.

 

Er grinste breit, als er mich erblickte und nickte. Die Hände hielt er in die Luft und drehte sich einmal um sich selbst.

 

''Unbewaffnet'', flüsterte ich dem Kleinen zu.

 

Ich hingegen hatte eine Schusswaffe bei mir, die man so aber nicht sah. Ob er auch eine bei sich trug, die nicht sichtbar war?

 

''Flink Schatten'', sprach er, während er langsam auf uns zukam.

 

''The Gun'', grüßte ich ihn unter seinen Szenenamen.

 

''Das ist nah genug'', stoppte ich ihn und schob mich ein wenig vor Jerome.

 

''Weder den Jungen, noch dich will ich töten!'', versicherte er mir, ''Schon die Medien verfolgt?... Nicht?... Viktor ist tot!''

 

Bei diesen Worten stockte ich und konnte sehen, wie Lillie an ihrem Handy zu Gange war.

 

''Ich habe ihn erschossen'', fügte The Gun hinzu.

 

''Warum und was ist mit Louise?'', wollte ich wissen.

 

Lillies Gesichtsausdruck verriet mir, dass er recht hatte.

 

''Die soll von ihren eigenen Leuten gerichtet worden sein!'', hörte ich ihre sanfte Stimme.

 

The Gun grinste breit und lächelte Lillie an.

 

''Weißt du, ich bin nicht mehr der Jüngste und wollte sowieso in den Ruhestand. Jemanden zu töten, der es mehr als verdient hat, schien mir ein gutes Ende zu sein'', meinte der Besucher.

 

''Nun, ich weiß nicht, was ihr macht, aber ich werde vorerst Urlaub machen. Die Gefahr ist gebannt, euch steht die Welt offen'', lachte The Gun und er ging zu Lillie hinüber.

 

''Wie wäre es, schöne Frau mit einem Urlaub ihrer Wahl? Immer nur Öl und schwere Maschinen ist doch auf Dauer langweilig, oder?'', mit diesen Worten, hörte ich ein albernes Kichern von Lillie und konnte erahnen, dass sie diesen Vorschlag gerne annahm.

 

Allerdings fühlte ich mich etwas wie überfahren... es sollte alles gut sein und wir konnten hingehen wohin wir wollten.

 

''Was würdest du jetzt am Liebsten machen?'', wand ich mich etwas perplex an meinem Kleinen, wobei ich sanft seine Hand drückte und mit dem Daumen über seine Hand strich.

 

*-*-*

 

Nils hatte mich tatsächlich mitgenommen, dann folgte ein Gespräch, in dessen Verlauf vieles zutage kam und sich Nils etwas vor mich schob, mich beschützte.

 

Sicher, ich war irgendwie erleichtert, doch wusste ich auch, dass ich diese Sache hier nicht ohne professionelle Hilfe überstehen würde, trotz aller Liebe, die ich für Nils empfand.

 

Es ging nun alles ziemlich schnell und ich verstand auch alles, was gesagt worden war., doch konnte ich wirklich erleichtert sein? Dieser Auftragskiller wollte wohl aufhören, wenn ich das richtig verstand und baggerte nun Lillie an, die nicht abgeneigt zu sein schien.

 

Als Nils schließlich an mich wandte, schaute ich ihn an... nicht so wirklich wissend, was ich antworten sollte.

 

Doch schaltete ich meinen Kopf erst mal wieder ein und antwortete leise:

 

"Erst mal möchte ich nach Hause und dann in eine Klinik... ich kann nicht mehr... sorry...", war alles, bevor ich mich weinend in Nils Arme fallen ließ.

 

*-*-*

 

''Ist okay! Wird alles erledigt. Lass dich einfach fallen und mich machen!'', gab ich von mir.

 

Wäre es eine andere Situation, hätte ich sicher zweideutig gedacht, aber so streichelte ich erst mal tröstend über Jeromes Rücken, gab ihm einen Moment.

 

Schließlich ging ich mit ihm ins Haus, wo ich unsere Sachen holte. Etwas zu Trinken nahm ich uns noch mit, bevor ich mich mit meinem Kleinen auf den Weg zum Wagen machte. Den deckte ich von der Plane ab und packte alles in den Kofferraum. Natürlich bis auf Jerome.

 

Mit ihm verabschiedete ich mich noch von Lillie und dankte ihr für ihre Gastfreundschaft. Auch The Gun schüttelte ich noch die Hand und dankte ihm. Irgendwie hatte ich es nun ziemlich eilig und sah zu, dass Jerome auf dem Beifahrersitz platz nahm.

 

Dann startete ich den Wagen und fuhr uns zu seinem Zuhause. Ob es zukünftig auch meines werden würde, würde sich zeigen. Immerhin hatte ich keines mehr und würde nur zu gerne an seiner Seite verweilen.

 

Die Fahrt kam mir ungewollt lang vor und so nutzte ich die Gelegenheit, um die neue Situation zu klären.

 

''Ähm, ich weiß ja nicht wie das jetzt ist... aber ich bräuchte einen Platz zum Schlafen. In mein altes Leben kann und will ich nicht zurück, weshalb meine alte Wohnung definitiv nicht in Frage kommt...'', fing ich irgendwie an.

 

Schließlich konnte ich mich nicht einfach einladen bei ihm zu bleiben und bei ihm zu wohnen, oder etwa doch?

 

''Zumindest würde ich gerne bei dir bleiben, auch wenn wir es scheinbar alles überstanden haben. Irgendwie kann ich das kaum glauben... es kommt mir noch alles wie in einem Traum vor'', sprach ich weiter, musste mich aber auf die Straße konzentrieren.

 

Dabei nahm ich aber liebevoll Jeromes Hand und drückte diese.

 

*-*-*

 

Wie gut es getan hatte, als mich Nils so sanft streichelte. Ja, ich hatte diesen Moment einfach gebraucht.

 

Nachdem wir uns schließlich voneinander gelöst hatten, ging es abermals sehr schnell. Nils hatte unsere Sachen verstaut und wir hatten uns von den Beiden anderen verabschiedet, erst dann nahmen wir in meinem Auto platz und Nils fuhr mich nun nach Hause.

 

Ich hatte jetzt nichts dagegen, denn ich war einfach fertig und hätte mich jetzt so eh nicht aufs Fahren konzentrieren können. Ansonsten fuhr aber nur ich diesen Wagen, der einst ein Geschenk meiner Eltern an mich war und von dem ich mich deswegen niemals trennen würde.

 

Auf der Fahrt nach Hause, die ich vorerst schweigend genoss, begann Nils zu reden und ich hörte ihm still zu.

 

Dann nickte ich verstehend und antwortete:

 

"Ich bin froh, dass du davon redest, denn ich möchte dich sehr wohl in meiner Nähe haben und freu mich, dass du bei mir bleiben magst.", wobei ich seine Hand auf der meinen spürte, die diese drückte.

 

Ich schaute ihn sanft und liebevoll an... mich nun auf eine wundervolle Zukunft freuend.

 

"Ich... ich hab mich... in dich... verliebt....", musste ich ganz plötzlich loswerden, während ich Nils weiterhin anschaute.

 

Nach etwa einer Stunde Fahrt, hatten wir mein Haus endlich erreicht, doch so wie es hier draußen schon aussah... ahnte ich direkt, dass es innen wohl nicht viel besser aussehen würde.

 

Mein Gärtner lag tot auf dem Rasen, was mich innerlich schockierte, doch nach außen hin blieb ich gelassen... sagte nichts mehr.

 

Hatten sie hier also gewütet.... toll...

 

Etwas zu sagen fiel mir schwer, deshalb schwieg ich, stieg aus und ging auf mein Haus zu.

 

Langsam öffnete ich die Tür, nachdem ich diese aufgeschlossen hatte.

 

Natürlich begann ich mich sogleich hier umzusehen und konnte nicht fassen, was man mit meinen Leuten getan hatte.... Paolo lag hier auch irgendwo herum.... schlimm zugerichtet.

 

Ich war erschrocken und fassungslos, doch Tränen wollten sich nicht einstellen... jetzt wollte ich mich nur noch fertig machen und ab in eine Klinik. Doch würde ich diese Leute zunächst abholen, beerdigen und mein Haus säubern lassen.

 

Erst dann könnte ich mich in eine Klinik begeben.

 

Sicher, Nils könnte das auch für mich erledigen, doch war er mein Partner, in den ich mich verliebt hatte und nicht mein Butler.

 

*-*-*

 

Jeromes Worte gingen mir durch und durch und mir wurde ganz warm ums Herz. Er wollte mich bei sich haben und hatte sich in mich verliebt. Mit einem Lächeln antwortete ich ihm, wusste ich meine eigenen Gefühle nicht zu beschreiben.

 

Nie hatte ich Jemanden so nah an mich heran gelassen. Alle stets auf Abstand gehalten. Aber das war nun vorbei. Mein Kleiner war nun bei mir und ich bei ihm. Wir hatten eine Zukunft.

 

''Du bist mir auch sehr wichtig'', gab ich von mir, damit ich überhaupt etwas erwiderte.

 

Sicher ahnte ich, dass es nicht das war, was Jerome hören wollte, doch mehr ging gerade nicht.

 

Das Haus erreichten wir nun auch endlich und der Anblick schockierte mich nicht. Immerhin hatte ich es in einer Vision gesehen. Trotzdem versuchte ich Jerome so gut es ging beizustehen. Obwohl ich ahnte, dass das alles ihn sehr mitnehmen würde, wusste ich auch, dass ich es nicht vor ihm verheimlichen hätte können.

 

Was ich tun konnte, war ihm beizustehen, während er die Polizei rief, sich darum kümmerte die Angehörigen zu verständigen. Die Leichen wurden weggebracht, nachdem alles festgehalten wurde. Alles zog sich in die Länge, bis die Spurensicherung durch war.

 

Wir waren abwesend gewesen, einfach im Urlaub und als wir zurückgekommen sind, hatten wir das so vorgefunden. Mehr brauchten wir der Polizei nicht zu erzählen.

 

Noch während die Polizei dabei war die restlichen Spuren zu sichern, brachte ich meinen Kleinen in eine Klinik. Um den Rest würde ich mich kümmern, versicherte ich ihm. Den Ärzten könnte er schließlich alles anvertrauen, die mussten, dank ihrer Schweigepflicht, schweigen.

 

Ein langer Weg lag vor uns und doch war ich bereit den mit meinem Kleinen zu gehen. Natürlich musste ich schwören, ihn regelmäßig zu besuchen. Was ich auch vorhatte. Wie sollte ich ohne ihn denn sein?

 

Erst als ich Jerome in guten Händen wusste, fuhr ich zurück zum Haus, was jetzt auch mein Zuhause werden würde. Im Garten schlug ich vorerst mein Lager auf, selbstverständlich weit genug entfernt von dem Gärtner. Nachdem dann die Polizei fertig war, was ein paar Tage in Anspruch nahm, ließ ich alles zu einer gründlichen Säuberung veranlassen.

 

Auch dies dauerte einige Tage. Doch lenkte ich mich ab, indem ich Jerome regelmäßig besuchte, ihn immer mehr von mir offenbarte und mich um den Garten kümmerte. Ob Jerome neues Personal einstellen wollte, wusste ich nicht. Es würde auch so gehen, da wir beide mehr als genug Geld zur Verfügung hatten und ich nun Zeit ohne Ende hatte.

 

Mein Geld, was ich immer zur Seite gepackt hatte, würde mir gute Dienste leisten und selbst wenn ich in Saus und Braus leben würde, wäre es genug bis ich alt und grau wäre.

 

Jetzt wo es ruhiger wurde, waren meine Visionen wieder weniger geworden. Ab und an waren da mal Bildfetzen. Eine Hochzeit... eine intime Nacht... gemeinsames Lachen... Glücklich sein...

 

Hoffentlich traf das nicht nur auf mich zu, sondern auch auf Jerome. Denn er würde alles gewiss nie ganz verarbeiten können. Ein kleiner Teil würde immer da sein und die Erinnerungen konnte ihm leider auch keiner nehmen.

 

*-*-*

 

Froh darüber, dass sich nun Nils um alles kümmern würde, ließ ich mich von ihm freiwillig in eine Privatklinik bringen, wo ich ihm das Versprechen abringen konnte, dass er mich ja regelmäßig besuchte.

 

Es war schön hier, denn allein die Gegend wirkte schon beruhigend auf mich. Viel Grün, Natur, Vogelgesang, Wald und Wiesen... kein Lärm... nur Ruhe.

 

Die Ärzte und Schwestern waren auch sehr freundlich und nett zu mir, auch bekam ich ein tolles Zimmer, mit allem drum und dran, zugewiesen, wo ich mich einrichten konnte, wie ich wollte.

 

Nun brach aber wieder eine etwas schwierigere Zeit an, denn die Sitzungen waren auch nicht ganz ohne, wenn alles wieder hochgeholt und aufgewärmt wurde. Mich machte das alles fertig und ich durchlebte alles quasi noch einmal, nur dass ich mich jetzt in Sicherheit befand und mein Leben eben nicht mehr in Gefahr war.

 

In den nächsten acht Wochen verarbeitete ich endlich auch den Tod meiner Eltern, von Joulie und auch von Paolo und meinem Personal.

 

Es war eine sehr schwere Zeit für mich, doch freute ich mich immer wieder, wenn Nils zu Besuch kam und mir vieles von sich erzählte, aber auch wie es zuhause weiter ging und ich ihm dafür auch von mir noch so einiges anvertraute.

 

So ganz langsam ging es mir immer besser und ich konnte mit allem sehr gut umgehen... hatte auch alles gut verarbeitet und mir nur noch eines fehlte... dass Nils mir sagte, dass er mich auch liebte.

 

Aber ich hatte Geduld, würde ihn nicht drängen, sondern abwarten, denn immerhin war ich ihm wichtig, das hatte er doch damals gesagt, auf der Fahrt nach Hause und bevor ich mich hatte von ihm hierher bringen lassen.

 

Die Welt sah ich nun wieder mit ganz anderen Augen. Ich hatte keine Depressionen mehr, keine Angst, keine Panik und ich wollte gewiss auch nicht sterben, so dass ich nun bereit war in ein neues, besseres Leben, gemeinsam mit Nils, zu starten.

 

Ich hatte ihm schon geschrieben, dass ich morgen abgeholt werden könnte und mich auf ihn freuen würde. Auch hatte ich ihm geschrieben, wie sehr ich ihn liebte.

 

Nur noch ein einziges Gespräch, dann war ich endlich fertig... gefestigt war ich sowieso schon. So schnell würde mich nun nichts mehr aus der Bahn werfen.

 

Sicher konnte mir niemand meine Erinnerungen nehmen, aber ich kam damit sehr gut klar. Nun konnte die Zukunft kommen....

 

*-*-*

 

Was weiter passierte:

 

Nachdem Nils seinen Kleinen aus der Klinik abgeholt hatte, waren sie gemeinsam nach Hause gefahren und widmeten sich nun dem gemeinsamen kennen lernen und lernten sich so auch lieben, allerdings erst mal ohne richtigen Sex, das hoben sie sich für später auf, wenn sie beide bereit wären.

 

Jerome hatte sich super erholt und stellte irgendwann neues Personal ein. Er war es eben nicht gewohnt irgendwas selbst zu machen und Nils war ja eben auch kein Diener, also war es so der beste Weg.

 

Dafür reisten Nils und Jerome viel und oft in der Welt herum. Bei einer dieser Reisen machte Nils, dem mittlerweile achtzehnjährigen, Jerome einen Heiratsantrag, den dieser natürlich annahm... ja sagte und dabei direkt ein bisschen rot geworden war.

 

So geschah alles wie es Nils in seiner Vision gesehen hatte. Beide heirateten irgendwann, verbrachten dann ihre erste Liebesnacht miteinander und wurden sehr glücklich zusammen.

 

Ja, sie konnten auch zusammen lachen und weinen... machten beinahe alles gemeinsam. Sicher, es gab auch ab und zu Streit zwischen ihnen, aber die Versöhnung hernach war dann immer wieder sehr schön.

 

Beide liebten sich abgöttisch und trennten sich niemals.

 

 

~ ENDE ~