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Psychiatrie der Vamps

Psychiatrie der Vamps

 

 

by Dark Sephiroth & Detail

 

 

 

''Er ist noch ziemlich jung und unerfahren'', hörte ich eine sehr männliche Stimme über mich sagen.

 

Langsam kam ich zu mir und schaute mich um. Sie hatten mich an Händen und Füßen gefesselt, mit irgendetwas, was mich ganz schön in Schach hielt.

 

Mit dem Kopf schüttelte ich meine halblangen dunklen Haare beiseite und schaute meine Peiniger mit meinen hellgrünen Augen an. Sie waren zu dritt und Mitte bis Ende zwanzig.

 

Ich war gerade mal achtzehn und erst seit kurzem ein Vampir. An mein voriges Leben konnte ich mich nicht erinnern. Seit ein paar Tagen irrte ich durch die Stadt, getrieben vom Blutdurst.

 

''Ach, schau Clemens, er ist wach'', kam es von einem von ihnen, ''Lass uns ein wenig mit ihm spielen, bitte, er ist so niedlich!''

 

Unbeholfen fauchte ich, da mir der Typ zu nahe kam. Doch ich konnte auch nicht weg und die Fesseln ließen sich nicht lösen. Desto mehr ich an ihnen zerrte, umso strammer wurden sie.

 

''Nein!'', kam es nun von diesem Clemens, ''Wir warten wie abgemacht auf den Boss!''

 

Dann gingen zwei von ihnen nach draußen und ich blieb mit diesen komischen Kerl alleine. Kurz konnte ich sehen, dass es bald hell werden würde. Langsam wurde ich unruhig. Was hatten die mit mir vor?

 

Gierig leckte sich der Kerl über die Lippen und kam mir erneut gefährlich nahe.

 

''Zu schade'', hörte ich ihn sagen.

 

Im nächsten Moment ging die Tür auf und ein Mann kam herein, der groß und stark zu sein schien, aber auch sehr elegant gekleidet war. Seine Haare waren kurz und dunkel und seine Augen braun.

 

''Ach, da haben wir ihn ja. Sehr schön. Bringt ihn bitte ins Auto'', sprach er ganz ruhig und die Typen hoben mich hoch.

 

Nach wehren war mir jetzt gar nicht mehr. So als hätte mich der Mann unter Hypnose gesetzt. Vorsichtig setzten sie mich in einen großen Wagen, der abgedunkelte Scheiben hatte und dieser Clemens machte mir die Fesseln los.

 

''Dann machs mal gut'', sprach er und verabschiedete sich.

 

Die Türen wurden geschlossen, der Mann saß mir gegenüber, wobei ich noch auf dem Boden kauerte und er auf den Sitz saß. Der Wagen setzte sich in Bewegung und ich konnte sehen, wie die Sonne aufging.

 

Erschrocken wich ich zurück.

 

''Keine Angst, die Scheiben sind extra dafür gemacht. Ich heiße Armin Primo und wie ist dein Name?'', vernahm ich erneut diese sanfte Stimme.

 

Dennoch antwortete ich nicht, sondern setzte mich neugierig auf. Ich wollte alles sehen und zappte ungeduldig von einer Sitzseite zur Anderen.

 

''Dir wird nichts geschehen...'', fügte Armin noch hinzu.

 

Eine Weile später kamen wir an unserem Ziel an, ein großes Gebäude, was komplett abgedunkelte Scheiben besaß. Durch eine Garage gelangten wir ins Innere, wobei ich eher schüchtern war, noch immer nichts sagte und nicht recht wusste, ob ich wirklich aussteigen wollte.

 

Noch während ich in der Garage war, hörte ich, wie Armin mit einem Buttler redete.

 

''Willkommen zurück. Lief alles zu ihrer Zufriedenheit?'', begrüßte ihn der Buttler.

 

''Hallo James. Ja, er ist noch etwas schüchtern und redet nicht. Aber dementsprechend ruhig hat er sich auch verhalten. Schlafen schon alle?'', hörte ich Armin sagen, wobei ich einen Blick in die Lobby riskierte.

 

Der Buttler James war schon älter, aber er schien recht fit zu sein. Er war ebenfalls recht klein, hatte weiße Haare und blaue Augen. Beide hatten absolut keine Angst vor mir, was mich wunderte, kannte ich es von Menschen doch anders.

 

''Na ja, nicht alle, Sir'', meinte James mit einem wissenden Grinsen und Armin nickte.

 

Dann schaute er zu mir rüber: ''Komm ruhig herein.''

 

Als er die große Treppe hoch ging, entschied ich mich ihm zu folgen. Was hatte ich auch zu verlieren? Immerhin schien er eine magische Anziehung auf mich zu haben.

 

Gerade waren wir oben angekommen, da stürmte ein junger Vampir auf Armin zu und umarmte ihn.

Dieser war etwas größer als ich und etwas älter, hatte blonde lange Haare und stechend blaue Augen.

 

Erschrocken blieb ich auf der Treppe stehen und schaute den Beiden zu, wie vertraut sie miteinander umgingen.

 

''Hey, langsam, mein Kleiner. Nicht beißen. Sei lieb'', ermahnte Armin den Vampir, ''Da du noch wach bist, kannst du mir einen Gefallen tun. Unser Neuzugang mag nicht reden. Vielleicht zeigst du ihm alles? Womöglich ist ihm seinesgleichen lieber.''

 

Sanft küsste Armin den Vampir auf die Stirn, bevor er Herzhaft gähnte. Noch einmal schaute er mich an, bevor er den langen Gang entlang ging und hinter einer großen Tür verschwand.

 

*-*-*

 

Eine ganze Weile schon war ich einem Typen auf den Fersen, der offensichtlich auf Vampire Jagd machte und diese irgendwie bei sich unter brachte.

 

Sicher, sie konnten schon zu einer ziemlichen Plage werden... nein, sie waren teilweise eine Plage, wenn man immer wieder blutleere Leichen auf den Straßen vorfand. Aber musste man sie deswegen gleich, einem nach dem anderen, entführen?

 

Da war ich ganz anderer Meinung!

 

Ich mochte Vampire sehr und einer lebte sogar bei mir in meinem Haus und ich fand, dass es Unrecht war, Vampire zu entführen... warum und aus welchem Grund auch immer. Aufgrund dieser Entführungen hatte ich meinen kleinen Freund gebeten das Haus nicht ohne mich zu verlassen, denn ich fürchtete, dass man ihn dann auch entführen könnte... und es sehr wahrscheinlich auch würde. Nur ich konnte ihn notfalls beschützen, weswegen wir Tagsüber nur gemeinsam das Haus verließen.

 

Das Anwesen dieses Millionärs hatte ich längst entdeckt, doch kam ich dort so nicht hinein.

 

Toll, sie hatten es als psychiatrische Anstalt getarnt... komisch war nur, dass diese sogenannte Anstalt dunkle Fenster hatte.

 

Ja, ja... ich war schon lange hinter Armin Primo her, war er doch einst ein guter Freund von mir gewesen... bis... ja, bis er sich dieser Jagd auf Vampire verschrieben hatte... au man... so hatte ich ihm damals die Freundschaft von jetzt auf gleich gekündigt.

 

Ob Armin wusste, dass auch ich einen Vampir beherbergte... wusste ich nicht so genau, aber ich wusste genau, dass er es sich nicht wagen würde mein Haus zu stürmen und Lance zu entführen... töten würde ich ihn dafür.

 

Ja, ich liebte Lance über alles, der ein Vampir mittleren Alters war, schon so einige Metamorphosen durchgemacht hatte und so auch gegen das Sonnenlicht immun war. Ab und zu ließ ich ihn sogar von mir trinken. Dabei war er immer sehr sanft und zärtlich... verführte mich dabei auch gleichzeitig, so dass ich immer voll auf meine Kosten kam.

 

Er war ein grandioser Liebhaber, den ich um nichts in der Welt missen wollte und für den ich mein Leben geben würde.

 

Mein Name war Eric White. Ich war, wie Armin, ein Millionär und spionierte privat ganz gern anderen hinterher.... insbesondere Armin, der ganz oben auf meiner Liste stand.

 

Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht heraus zu bekommen was bei Armin vor sich ging und die entführten Vampire gegebenenfalls zu befreien... wenn es denn notwendig werden sollte.

 

*-*-*

 

Jetzt kam dieser Vampir auf mich zu und strahlte mich an. Unweigerlich blieb ich wie angewurzelt stehen, wusste ich doch nicht, was hier vor sich ging.

 

''Ich bin Rais und wie heißt du?'', fragte er mich, wobei er direkt vor mir stehen geblieben war.

 

Rais, also... nur konnte ich ihm auf seine Frage hin keine Antwort geben. So zuckte ich nur mit den Schulter und wäre am liebsten geflüchtet.

 

''Hab keine Angst, du bist hier in Sicherheit. Armin schenkt uns ein sicheres Zuhause, indem wir Blut bekommen, soviel wir wollen, ohne dabei einen Menschen zu töten...'', erklärte mir Rais.

 

Er schien ebenfalls recht jung zu sein, vielleicht zwanzig und seine beinahe schwarzen Augen standen im extremen Kontrast zu seinen lichtblonden Haaren. Etwas größer war er, als ich, was keine Kunst war, da ich wirklich klein war mit meinen 1,65 m. Außerdem war er viel kräftiger als ich, was ebenfalls nicht schwer war, weil ich sehr mager war.

 

''Na komm, ich zeig dir erst mal dein Zimmer'', meinte er dann und ging voraus.

 

Ich atmete tief durch und folgte Rais dann, wieder mit dem Gedanken, nichts verlieren zu können. Trotzdem schwieg ich weiterhin, weil ich mir so unsicher war und Niemanden kannte.

 

''Hier! Das ist dein Reich. Meins liegt direkt gegenüber, wenn was ist. Du bist jederzeit willkommen'', grinste Rais übers ganze Gesicht und ich starrte ihn unglaubwürdig an, als wir durch die Zimmertür traten.

 

Alles war so sauber und schick eingerichtet.

 

''Es gibt nur wenige Regeln. Du darfst keine Menschen mit herbringen, die du töten möchtest. Denn genau deshalb sind wir hier, damit wir keine Menschen mehr töten. Außerdem nicht mit Blut kleckern. Wer kleckert, muss es auch selber sauber machen und glaube mir, Blut ist schwer zu entfernen... Ich weiß wovon ich Rede'', hörte ich Rais weiter sagen.

 

Seine offene Art sollte es mir leicht machen, ihm zu vertrauen und dennoch blieb ich skeptisch.

 

''Wenn ich darf, würde ich dich gerne berühren und deine Gedanken lesen. Dann würde ich auch wissen, was du die letzten Tage durchgemacht hast...'', schlug Rais vor.

 

Nach kurzem zögern, willigte ich ein und Rais berührte meinen Arm. Es war als durchzuckte ihn ein Blitz und dann ließ er mich wieder los.

 

''Wow, du bist ja erst wenige Tage alt... Deswegen, verstehe. Mach dir keine Gedanken, die Typen, die uns fangen sind nicht gerade sanft. Aber sie haben auch schon extreme Gegenwehr gehabt. Dir steht es natürlich frei zu bleiben. Aber nimm dir etwas Zeit, davon hast du wahrlich mehr als genug und schaue es dir erst einmal hier alles an, bitte.

 

Achja, einen Namen darfst du dir dann auch aussuchen, da dein Schöpfer dich so im Stich gelassen hast. Hast du irgendeine Idee?'', gab mir Rais den Ratschlag und schaute mich fragend an.

 

''Samir'', wahren meine ersten Worte.

 

Armin hatte sich unterdessen schlafen gelegt, auch wenn er nicht sofort einschlafen konnte. Seine Gedanken fuhren Achterbahn und er brauchte einer Weile um runterzufahren.

 

*-*-*

 

"Liebling, ich bin wieder da! Lance, wo bist du, mein Hübscher?!", rief ich meinen Schatz, als ich von einem meiner Informanten, nach Hause zurückkehrte und mein Haus betrat.

 

Da sich Lance aber nicht meldete und meine empfindliche Nase einen sehr intensiven Geruch von.... ja... von Blut wahrnahm, der in der Luft hing, wusste ich was passiert sein musste und brauchte dem Geruch nur folgen.

 

So führte mich der Geruch in die Küche, wo ich auch schon das Desaster sehen konnte.

 

"Lance... was hast du denn nun wieder angestellt, hm?! Was soll das... verdammt noch mal?!", blaffte ich Lance an, der auf einem Stuhl in der Küche saß... vor der blutleeren Leiche unseres Butlers, den wir erst vor wenigen Wochen eingestellt hatten.

 

"Ich... hatte Hunger und konnte mich nicht mehr beherrschen... verzeih mir... bitte", kam es schuldbewusst vom meinem Schatz.

 

"Ja, ja, schon gut. Aber, das hier war nun schon der zehnte Butler... noch einen werde ich nicht einstellen und so werden wir alles allein tun müssen... nur weil du dich nicht beherrschen kannst... verdammt.... so kann das echt nicht weiter gehen!", musste ich dennoch loswerden.

 

Tja, es war nun tatsächlich schon der zehnte Butler, der Lance zum Opfer gefallen war, seit ich Lance bei mir aufgenommen und mich in ihn verliebt hatte.

 

"Es tut mir leid", murmelte er, mit gesenktem Kopf, vor sich hin.

 

"Das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Los, komm, hilf mir mal, wir müssen ihn begraben", gab ich resignierend von mir.

 

Ich wusste, dass Lance sehr blutrünstig war und sich kaum bis gar nicht zusammenreißen konnte und doch liebte ich ihn... für andere wahrscheinlich unbegreiflich... zumal ich nicht mal wusste, ob er mich auch so liebte, wie ich ihn... oder ob er nur, wegen des tollen Lebens, das ich ihm bot, bei mir war.

 

Dass ich noch am Leben war, verdankte ich einzig und allein der Tatsache, dass ich mich mit einem geweihten Silberkreuz schützte, das ich nur abnahm, wenn wir uns liebten und ich ihm erlaubte, von mir zu trinken. Das Kreuz hatte ich dennoch immer in Griffnähe... außerdem hatte Lance Respekt vor mir, denn er wusste genau, dass ich mir von ihm nichts gefallen ließ. Immerhin hatte ich es ihm schon etliche Male bewiesen, dass er gegen mich nicht ankam.

 

Gemeinsam trugen wir den Toten aus dem Haus und begruben ihn hinter dem Haus. Die Arbeit ließ ich natürlich Lance tun, denn er hatte es immerhin verschuldet und auch die Blutspritzer in der Küche würde er wegwischen müssen.

 

Vielleicht lernte er es so...

 

Mir tat es leid um den Butler, der eine wirklich gute Seele gewesen war. Nein, noch einen Butler würde ich wirklich nicht einstellen... das konnte ich nicht verantworten und hätte nach dem zweiten Butler, damals schon keinen mehr einstellen dürfen.

 

Den Rest des Tages ging ich Lance aus dem Wege und sprach kein Wort mehr mit ihm, auch ließ ich ihn nicht mehr an mich heran. Ja, ich war echt sauer auf ihn.

 

Ich mein, ich versorgte ihn regelmäßig mit Blutkonserven, die ich auch erwärmte, wenn er wollte.... ließ ihn von mir trinken... und dann so was... nein, das war jetzt genug und einmal zu viel...

 

*-*-*

 

''Gut, Samir. Das ist ein schöner Name. Du hast sicher Hunger'', meinte Rais, ''Ich werde James bitten, etwas Blut aufzuwärmen.''

 

Er verschwand und kam kurze Zeit später mit Blut wieder. Das schlang ich gierig runter, da ich meinen Blutdurst noch nicht wirklich unter Kontrolle hatte. Ein wenig erschrak ich über mich selbst.

 

''Alles gut'', beruhigte mich Rais, ''Das ist ganz normal. Jetzt ruhe dich aus. Sobald du wieder wach wirst, bin ich da, versprochen.''

 

Rais war so nett und auch Armin schien lieb zu sein. Sich in ein Bett zu legen, war komisch und neu, da ich ja keine Erinnerungen hatte an mein vorheriges Leben.

 

Kaum hatte mein Körper die Matratze berührt und den angenehmen Geruch von frisch gewaschener Wäsche vernommen, schlossen sich meine Augen. Ich hörte noch die Tür, wie sie von Rais geschlossen wurde, da er rüber in sein Zimmer ging, dann schlief ich ein und verschlief den Tag.

 

Armin stand noch vor Einbruch der Nacht auf, wie fast immer. Allen Vampiren, die er beherbergte, traute er nicht. Durchaus waren schwarze Schafe dabei und er war deshalb immer bewaffnet, genauso wie der Buttler James und auch die Anderen, die für ihn arbeiteten.

 

Trauen konnte man hier Niemanden.

 

*-*-*

 

Erschöpft und traurig ging ich in mein Kaminzimmer und setzte mich in einen Sessel, der am Kamin stand.

 

Von Lance wollte ich im Augenblick nichts mehr wissen. Er war mir derzeit regelrecht egal geworden und ich dachte sogar daran ihn weg zu schicken und die "Jagd" nach Armin und meine Recherchen aufzugeben.

 

Einmal zu viel hatte mich Lance enttäuscht und so schnell konnte ich ihm deswegen nicht mehr verzeihen.

 

Es klopfte und ich hörte wie sich die Tür öffnete. Ohne mich umzudrehen, sprach ich ruhig, aber drohend:

 

"Verzieh dich... mach dass du Land gewinnst... ich will dich hier nicht mehr sehen... raus!", langsam stand ich auf, drehte mich zu ihm um und sprach weiter: "Pack deine Sachen und verschwinde aus meinem Haus... hau ab!", böse schaute ich Lance an, der mich traurig und schuldbewusst anschaute.

 

Aber ich ließ mich nicht mehr erweichen.

 

"Verschwinde... ich will dich nicht mehr sehen und auch mit dir nichts mehr zu tun haben!"

 

Lance verließ das Zimmer, hinter sich die Tür schließend, während ich mich wieder an den Kamin setzte.

 

*~*

 

Wie von Eric befohlen, verließ Lance das Haus... ohne etwas mitzunehmen... traurig und allein streifte er nun durch die Stadt... wissend, dass er einen großen Fehler gemacht hatte.

 

*-*-*

 

Während ich noch immer schlief, hatte Armin geduscht und gegessen. Dann kam ein Anruf von Clemens.

 

''Wir verfolgen einen scheinbar sehr starken Vampir. Die Sonne scheint noch und er spaziert hier einfach herum'', hörte man Clemens sagen.

 

''Seid vorsichtig. Wenn er wirklich soviel Macht hat, wird er euch bemerkt haben. Geht auf Nummer Sicher und meldet euch'', meinte Armin ruhig.

 

Er hatte eine sehr ruhige Art, die beruhigend wirkte und dennoch war er jetzt sehr unruhig. Einen starken Vampir hatten sie bisher nur einmal und dabei waren sechs Männer drauf gegangen. Er blieb unweigerlich zwei Tage, bis sie ihn von seinen Fesseln lösten und er einfach verschwand.

 

Sie hatten alles versucht ihn zum Bleiben zu überreden, vergeblich.

 

Jetzt lösten sie die Fesseln immer direkt wieder. Wer nicht bleiben wollte, wurde nicht dazu gezwungen.

 

Also machten Clemens und seine beiden Jungs sich daran, Lance aufzulauern. Wie schon dutzende Male und trotzdem mit der nötigen Vorsicht.

 

Wie immer schnell und skrupellos überwältigten sie den Vampir.

 

*-*-*

 

Noch immer tieftraurig ging Lance die Straßen entlang, als er spürte, dass er verfolgt wurde.

 

Na toll... genau wie Eric es immer gesagt hatte...., dachte er noch dann wurde er auch schon überwältigt, doch ließ er sich nicht so einfach gefangen nehmen. Denn da er schon einige Jährchen auf dem Buckel hatte und durch mehrere Metamorphosen gegangen war, war er auch unglaublich stark... zudem hatte ihm Eric auch so einiges beigebracht, so dass er sich nun sehr gut zur Wehr setzen konnte.

 

Die Fesseln zerriss er, als wären es dünne Fädchen. Anschließend überwältigte er die Männer, die ihm aufgelauert hatten und tötete sie... ohne sich jedoch an ihrem Blut zu laben.

 

Nachdem Eric ihn weggeschickt hatte, wollte er nicht mehr trinken... sein Bluthunger schien wie weggeblasen zu sein... als hätte wer einen Schalter umgelegt.

 

*~*

 

Nachdem ich mich einigermaßen erholt hatte, schnappte ich mir meine Jacke und die Autoschlüssel und verließ ebenfalls mein Haus, setzte mich in meinen Wagen und fuhr einfach der Nase nach... irgendwohin.... nachdenken wollte ich... doch was ich dann sah... nein, das konnte ich nun auch nicht zulassen... oder doch.

 

Jedoch, als ich meinen Wagen eben verlassen wollte... hatte sich das Problem auch schon gelöst... Lance hatte die Männer getötet.

 

Nun, ich verstand es nur zu gut... mich erstaunte jedoch, dass Lance sie nicht aussaugte... sondern traurig weiter ging... irgendwie tat er mir schon wieder leid. Aber er hatte mich einmal zu oft enttäuscht...

 

*-*-*

 

Als ich erwachte, schreckte ich hoch und dann erschien auch schon Rais bei mir und setzte sich auf mein Bett.

 

''Alles gut. Du bist hier in Sicherheit'', sprach er zu mir.

 

Die Sonne ging langsam unter und ich nickte zustimmend.

 

''Lass mich dich ein wenig herumführen und ein paar anderen vorstellen, wenn du magst'', meinte er dann.

 

''Ich... kann ich lieber noch ein bisschen alleine bleiben'', bat ich Rais und er schien mich zu verstehen.

 

''Okay. Wenn etwas ist, ruf mich einfach'', kam es noch von ihm, bevor er verschwand.

 

Ruhig legte ich mich wieder zurück und starrte an die Zimmerdecke.

 

Armin war unterdessen sehr unruhig geworden, da er von seinen Männern noch immer nichts gehört hatte. Unruhig ging er im Zimmer auf und ab, als James klopfte.

 

''Sir'', hörte man ihn.

 

''Nicht jetzt, James'', kam es etwas schroff von Armin.

 

''Bitte, Sir, das sollten sie sich ansehen. Kanal 4'', blieb James hartnäckig.

 

Dann schaltete Armin den Fernseher ein und musste sehen, wie seine Leute auf offener Straße hingerichtet worden waren. Scheinbar war dieser Vampir stärker gewesen, als erwartet.

 

James brachte einen Tee und stellte diesen auf den Schreibtisch.

 

''Der Eine oder Andere von ihnen hat es sicherlich nicht anders verdient'', sprach er dann.

 

''Clemens war in Ordnung. Einer der Wenigen... Setzt bitte eine Anzeige in die Zeitung. Wir brauchen dringend starke Leute. Außerdem erneut eine verschlüsselte Botschaft für die Vampire. Vielleicht liest es ja doch mal Jemand und kommt von alleine hierher.

 

Auf Dauer ist es so keine Lösung'', meinte Armin.

 

''Was erwarten sie, Sir? So etwas wie eine Einladung für Vampire'', hakte James nach.

 

''Warum nicht? Die Menschen glauben sowieso nicht an sie. Alle werden es für einen Scherz halten'', stimmte Armin zu.

 

Als die Sonne untergegangen war, hielt ich es nicht mehr aus und verließ das Gebäude. Immerhin stand es mir frei zu gehen, wann ich wollte. Obwohl ich bestimmt zurückkehren würde, denn wer konnte bei kostenlosem Essen und einen sicherem Bett schon widerstehen.

 

Langsam und etwas unsicher strich ich durch die Straßen und genoss die frische Luft, die diese klare Nacht einem schenkte.

 

*-*-*

 

Erst jetzt, da ich gesehen hatte, was Lance tun konnte, welche Kräfte in ihm steckten... wusste ich, wie sehr ich mich doch in ihm die ganze Zeit über getäuscht hatte.

 

Gut, ich würde mich auch nicht einfach so gefangen nehmen lassen... aber gleich so zu reagieren... nein, das war so auch nicht okay und so fasste ich einen Entschluss, den ich hoffentlich nicht bereuen würde...

 

Noch immer in meinem Auto sitzend, schnappte ich mir das Handy und suchte eine bestimmte Nummer heraus, die ich all die Jahre nie gelöscht hatte...

 

Es klingelte in der Leitung und ich hoffte, dass Armin dran gehen und mit mir reden würde.

 

Natürlich könnte ich Lance auch persönlich bei ihm abliefern... aber ...bei aller Liebe, das konnte ich nun wirklich nicht tun, denn irgendwie schlug mein Herz noch immer für ihn.

 

Ich würde mich hoffentlich mit Armin treffen können und ihm eine Waffe geben... gegen die Lance nicht immun... auf die er im Gegenteil... sehr empfindlich reagierte und die ihn bannen würde. Tränen liefen schon aus meinen Augen, bei diesem Gedanken... auch als ich sah wie traurig mein Lance davon ging... aber so konnte es nicht weiter gehen.

 

Inzwischen hörte ich im Autoradio auch schon die Meldung und ich wusste genau, dass Armin dies sicher auch schon gehört oder gesehen hatte... so würde uns dieser Fall vielleicht doch wieder ein wenig näher bringen...

 

*-*-*

 

Noch immer unsicher durchstreifte ich die Stadt, mit der nötigen Vorsicht und trotzdem tat es mir unheimlich gut. Hatte ich wirklich soviel Glück gehabt? Allein hätte ich es unmöglich geschafft.

 

Jetzt schien ich Freunde gefunden zu haben, aber es fiel mir schwer denen blind zu vertrauen.

 

Sicherlich würde ich ein paar Tage brauchen, bis ich mir wirklich öffnen könnte.

 

Als ich nach einer Weile wieder zurückkehrte, war in dem großen Gebäude eine Menge los. Blicke trafen mich von Vampiren, die ich nicht kannte. Manche standen in Gruppen zusammen, andere wiederum waren lieber für sich.

 

Es war laut und ausgelassen, ganz anders als im Vergleich zum Tage.

 

Ich verspürte Hunger und fragte mich, ob ich den Buttler einfach fragen könnte. Nur traute ich mich nicht wirklich.

 

So ging ich auf mein Zimmer und versuchte mich zu beruhigen. Erst als ich es nicht mehr aushielt, rief ich nach Rais, der direkt erschien.

 

''Da bist du ja wieder. Irgendwie hatte ich schon Angst, du würdest nicht wiederkommen'', lächelte er mich an.

 

Dabei merkte ich, dass etwas schlimmes passiert sein musste und Rais erzählte es mir auch direkt.

 

''Du hast Hunger nicht wahr?'', kam es anschließend von ihm.

 

''Und wie'', hörte ich mich verlegen sagen.

 

''Lass mich dir jetzt alles zeigen. Wir fangen mit der Küche an, wo du dich auch selber bedienen darfst. Nur musst du dann auch wieder aufräumen'', hörte ich Rais erklären.

 

Er zeigte mir dann die Küche und wo ich alles fand. Versteckt natürlich, falls mal jemand schauen kommen würde. James trafen wir auch und noch andere Bedienstete. Jedoch waren es wenige, die hier direkt arbeiteten. Einfach aus Sicherheitsgründen.

 

Auch die anderen Räumlichkeiten waren mehr zum Schein.

 

Nachdem ich mich gestärkt hatte, ging es mir viel besser und Rais wollte mich am liebsten Anderen vorstellen. Aber ich lehnte erneut ab. Irgendwie war ich noch nicht so weit. Also ging ich wieder auf mein Zimmer.

 

''Denk dir nichts dabei, wenn sie schauen. Das ist ganz normal, wenn jemand neu ist'', hörte ich Rais noch sagen, bevor ich meine Zimmertüren schloss.

 

Unterdessen hatte Armin den Fernseher ausgeschaltet und war dabei seinen Tee zu Trinken. Seine Räumlichkeiten waren etwas abgegrenzt von dem Rest des Gebäudes. Einerseits aus Sicherheitsgründen und andererseits wegen seiner Privatsphäre.

 

Als sein Handy ging, nahm er es in die Hand und musste kräftig schlucken. Die Nummer kannte er zu gut und es riss alte Wunden auf. Einen Moment zögerte er, gönnte sich noch einen Schluck Tee und nahm dann das Gespräch an.

 

Mit seiner männlich markanten Stimme sprach er: ''Hallo Eric. Lange nichts von dir gehört. Wie komme ich zu dem Vergnügen?''

 

Dabei schluckte er seinen Schmerz runter und lauschte auf das, was kommen würde.

 

*-*-*

 

Mein Handy ans Ohr haltend wartete ich hoffend, dass Armin das Gespräch annehmen würde, während es in der Leitung läutete.

 

Dann endlich hörte ich auch schon seine Stimme und in mir kamen alle Erinnerungen von damals wieder hoch... spielten sich in meinem Kopf ab wie ein Film.

 

Nur einen Augenblick brauchte ich ehe ich antworten konnte.

 

"Hallo Armin. Es ist schön dich zu hören", begrüßte ich ihn: "Bitte höre mir einen Moment zu... es ist sehr wichtig. Erst mal wollte ich dir sagen, dass es mir sehr leid tut, wie ich mich damals benommen habe und bitte dich um Verzeihung.

 

Aber das ist noch nicht alles, weswegen ich dich anrufe. Es geht um einen Vampir, der deine Männer getötet hat. Ich habe etwas, das es dir erleichtern würde ihn zu fangen und würde mich gern mit dir treffen. Gern komme ich auch zu dir, wenn es dir recht ist", erklärte ich Armin kurz und knapp.

 

Anschließend wartete ich geduldig ab, was Armin dazu sagen würde... ob er mich überhaupt sehen und mit mir sprechen wollte. Na gut, vielleicht war es auch ein zaghafter Versuch unsere Freundschaft wieder aufleben zu lassen und... nun ja... es würde sich wohl erst langsam zeigen was uns noch verband.

 

*~*

 

In der Zwischenzeit war Lance irgendwo ...in einer öden, sehr herunter gekommenen Gegend angekommen. Diese Gegend war nicht sein Milieu, aber er wusste, dass er Eric sehr enttäuscht hatte und wollte hier, für seine Taten büßen.

 

So setzte er sich irgendwo in eine verlassene Ecke... kauerte sich weinend... zitternd hinein und weigerte sich auch nur noch einen Tropfen Blut zu sich zu nehmen. So würde er immer schwächer werden, dann würde sein Körper bald einfallen und schließlich würde er sich auflösen.... wenn ihn nicht vorher noch wer angreifen und töten würde.

 

Er vermisste sein Zuhause... menschliche... liebevolle Wärme und er vermisste vor allem Eric sehr und würde sich wohl nie verzeihen, dass er ihn so sehr enttäuscht hatte.

 

*-*-*

 

Armin hörte Eric in aller Ruhe zu und musste einen Moment nachdenken.

 

''Bitte, lass uns das nicht am Telefon besprechen. Gerne kannst du herkommen und dich selbst davon überzeugen, wieviel Erfolg ich damit habe, hier den Vampiren Unterschlupf zu gewähren'', meinte er dann und spürte sie sein Herz schneller schlug.

 

Kurz schaute er in seinen Terminplan und überlegte.

 

''Passt es dir jetzt gleich? Später werde ich sicherlich alle Hände voll zu tun haben, den Familien meiner Männern Trost zu spenden und eine Entschädigung zukommen zu lassen'', wollte er dann wissen.

 

Währenddessen hatte ich eine Weile in meinem Zimmer verbracht und langweilte mich ein bisschen. Also verließ ich es wieder und schaute mich um. So führte mich meine Neugierde zu den Teil, indem ich Armin hatte verschwinden sehen.

 

''Junger Mann, dort ist der Zutritt verboten'', hörte ich James hinter mir und ich zuckte erschrocken zusammen.

 

''Samir'', stellte ich mich vor und James nickte.

 

''Gut, Samir. Möchtest du zu Herrn Primo?'', fragte er mich und ich nickte.

 

''Ich werde schauen, ob der Sir Zeit hat. Warte hier'', sagte James zu mir und verschwand hinter der großen Tür.

 

Hilflos kam ich mir vor, da ich noch keine Fähigkeiten entwickelt hatte und ich wusste auch nicht wirklich, ob ich hier her gehörte.

 

*-*-*

 

Geduldig hörte ich Armin zu, nickte... obgleich er es ja nicht sehen konnte... und gab dann von mir:

 

"Natürlich habe ich jetzt Zeit. Ich werde in einer viertel Stunde bei dir sein und dann reden wir in Ruhe über alles, okay."

 

Irgendwie hatte ich gerade ein sehr seltsames Gefühl, mein Herz raste... aus mir unerfindlichen Gründen und ich brauchte schon einen Moment um mich zu fangen.

 

Ich musste gerade an Lance denken und was ich zu tun gedachte und doch war ich bereit mir alles anzuschauen, was Armin bereit war mir zu zeigen... vielleicht wäre es ja so das Beste und.... nun ja, vielleicht konnte ich mich ja auch dazu durchringen... bei ihm mitzumachen... denn unbedingt viel zu tun hatte ich ohnehin nicht.

 

Andererseits... würde ich es wirklich fertig bringen Lance′s Nähe weiterhin zu ertragen... ihn womöglich leiden zu sehen, wusste ich doch, wie sehr er die Freiheit liebte... aber vielleicht wäre es ja auch gar nicht so schlecht. Ich würde es mir gleich auf jeden Fall anschauen... und dann entscheiden.

 

So fuhr ich auf dem schnellsten Wege zum Anwesen von Armin, parkte den Wagen, stieg aus und läutete an der Tür... wartend dass ich eingelassen werden würde.

 

*-*-*

 

''Fein, dann bis gleich'', meinte Armin, bevor er auflegte.

 

Dann kam James auch schon herein.

 

''Der junge Vampir würde sie gerne sehen. Ist es okay, wenn ich ihn hereinlasse?'', fragte er.

 

''Ja, ich denke, das geht klar. Er stellt keine Gefahr dar. Lass ihn bitte herein... und... Eric wird gleich herkommen. Eben hat er mich angerufen, wegen des Unglücks unserer Männern. Scheinbar kennt er den Vampir, der das war und wir sollen ihn hier aufnehmen'', sprach Armin ruhig, ''Bring ihn bitte direkt her und mach uns einen Tee. Du weißt ja, wie er ihn gerne hat.''

 

''Sir, wenn sie erlauben...'', begann James, ''Denken sie, es ist ratsam einen so starken Vampir hier unterzubringen?''

 

''Eigentlich habe ich genauso Zweifel. Aber irgendetwas in mir, sagt mir, dass es vielleicht einfacher wäre, wenn wir eine Art Leitvampir hätten. Du weißt selber, wie viel Unruhe hier herrscht und vermutlich planen sie etwas'', meinte Armin.

 

James nickte zustimmend: ''Sir, sie werden das schon machen.''

 

Dann hörte ich endlich Schritte und James ließ mich hinein.

 

''Der Sir erwartet dich weiter hinten rechts im Arbeitszimmer'', meinte er und ging den Tee zubereiten.

 

Langsam ging ich den Flur entlang und blieb dann in der Tür stehen.

 

''Schön dich zu sehen'', lächelte Armin mich an, ''Magst du mir jetzt deinen Namen verraten?''

 

''Ich dachte Rais hätte den dir schon längst gesagt'', kam es erstaunt von mir.

 

''Rais... Nein, ich habe ihn heute noch nicht gesehen.''

 

''Samir... Samir möchte ich heißen'', sagte ich dann.

 

''Schöner Name'', lächelte Armin erneut.

 

''Kann ich irgendetwas für dich tun?'', wollte er dann von mir wissen.

 

''Ich habe irgendwie das Gefühl nicht hierher zu gehören. Rais ist zwar sehr nett, aber ich fühle mich nicht wie Zuhause'', meinte ich ganz offen.

 

''Verstehe. Warum leistest du mir nicht ein wenig Gesellschaft. Gleich kommt Besuch und ich werde ihm alles hier zeigen. Verlange nicht zu viel auf einmal von dir, denn immerhin bist du erst seit gestern hier'', versuchte mich Armin zu beruhigen.

 

''Okay. Stören will ich aber nicht'', kam es dann noch von mir.

 

Dann hörte ich auch schon die Klingel.

 

James öffnete die Tür und begrüßte Eric.

 

''Schön sie zu sehen Herr White'', begrüßte er Eric, ''Bitte folgen sie mir und lassen sie sich nicht irritieren, von den hier Anwesenden.

 

Natürlich freute James sich, Eric wiederzusehen und konnte dies auch kaum verstecken.

 

Hier und da waren immer noch Vampire unterwegs und schauten den Besuch neugierig an, Dennoch verhielten sie sich, wie Menschen und ließen sich nichts anmerken.

 

Durch die Lobby hindurch, die Treppe hinauf und dann den langen Flur entlang, gingen sie, bis hin zur großen Tür, hinter der sich Armins Räumlichkeiten befanden.

 

''Sir, ihr Besuch ist da'', meinte James, als sie die Räume betraten und in das Arbeitszimmer kamen, ''Ich werde dann gleich den Tee bringen und ein Glas Traubensaft.''

 

Erstaunt starrte ich James an und nickte dann aber, als ich es verstand, was James meinte.

 

''Eric, schön dass du so schnell kommen konntest'', strahlte Armin und umarmte seinen Freund kurz.

 

''Danke James'', bedankte er sich bei dem Buttler und zeigte dann auf mich, ''Das ist Samir, unser jüngster hier und auch unser neuster Patient. Stört es dich, wenn er uns Gesellschaft leistet?''

 

''Ich kann auch später wiederkommen'', platzte es mir heraus, da ich das Gefühl hatte irgendwie zu stören.

 

*-*-*

 

Mein Herz begann förmlich zu rasen, als ich Schritte hörte, doch riss ich mich zusammen und wartete ab. Dann sah ich auch schon ein bekanntes Gesicht... den Butler James... eine wirklich gute Seele... ich mochte ihn schon immer sehr.

 

"Hallo James, ich freue mich auch sie zu sehen", begrüßte ich den Butler und folgte ihm... schaute mich währenddessen etwas hier um, sah auch einige Vampire... Herrje... Lance würde sich hier sicher wie ein König vorkommen... oh je... aber vielleicht würde er es ja doch genießen.

 

Endlich erreichten wir Armins Räumlichkeiten und James brachte mich hinein. Leider musste ich feststellen, dass wir nicht allein waren.

 

"Armin, ich freue mich sehr, dich wieder zu sehen", begrüßte ich Armin, der mich förmlich anstrahlte, mit liebevoller, sehr sanfter Stimme und mein Herz raste noch immer, machte Freudensprünge, als er mich kurz umarmte. Auch ich umarmte ihn, sanft und etwas länger, als wollte ich ihn gar nicht mehr loslassen.

 

Doch schüttelte ich kurz den Kopf, als er mich fragte ob es mich stören würde, dass Samir... wie sich der Junge nannte, dabei bliebe, doch wollte dieser anscheinend nicht stören.

 

Ich wollte aber auch nicht gleich alles wieder zerstören und hielt mich mit meiner Meinung erst einmal zurück. Stattdessen begrüßte ich den Kleinen ebenfalls: "Hallo Samir", und lächelte ihn lieb an.

 

"Armin", begann ich: "… es ist sehr wichtig, was wir zu besprechen haben und ich will auch nicht lange drumherum reden", sprach ich weiter, hob meine Hände, fasste an meinen Hals und nahm das geweihte Silberkreuz ab, das ich Armin sogleich zeigte.

 

"Gegen dieses Kreuz und nur dagegen reagiert Lance sehr empfindlich, du kannst ihn damit bannen. Es ist ein geweihtes Silberkreuz. Ich kenne Lance sehr gut... er... war... mein Geliebter...", erklärte ich Armin und Tränen der Traurigkeit rannen aus meinen Augen über meine Wangen.

 

"Glaub mir, ich tue das hier nicht gern... es tut mir sehr weh, aber ich kann ihm auch nicht mehr alles durchgehen lassen. Er hat zehn Butler von mir getötet, obgleich er regelmäßig Blut von mir bekam... ich ihn sogar von mir trinken ließ... aber... er hat mich einmal zu oft enttäuscht und er ist unglaublich stark und nur dieses Kreuz vermag ihn zu bändigen.

 

Ich selbst kann ihn nicht herbringen... es würde mir zu weh tun... Bitte... versteh das...", sprach ich weinend weiter, hielt die Hände vor mein Gesicht... vergrub dieses darin und weinte einfach nur noch bitterlich.

 

*-*-*

 

Kurz nickte ich Eric zu, als er mich begrüßte, doch seine Worte nahmen mich mit und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, als er auch noch zu weinen begann.

 

Zum ersten Mal machten sich meine Kräfte bemerkbar, da ich mich weg wünschte. Mit einem Mal tauchte ich in meinem Zimmer auf und war recht froh darüber.

 

Armin hatte es ebenfalls bemerkt, dass ich verschwunden war, doch konnte er sich jetzt nicht darum kümmern. Vielleicht wäre es besser, wenn die Zwei doch alleine wären. Zwischenzeitlich brachte James kurz leise den Tee und Armin hatte Eric einen Platz angeboten.

 

In Ruhe hatte er ihm zugehört und legte nun sanft den Arm um seinen Freund. Leise zog James die Tür hinter sich zu, damit sie wirklich keiner stören würde.

 

''Sch... beruhige dich. Es wird alles gut. Wir bekommen das hin'', sprach er mit seiner ruhigen Art, obgleich ihm die Worte, dass Lance Erics Geliebter war, mehr schmerzten, als sie dürften.

 

Einen Moment hielt er inne und streichelte über Erics Rücken. Dann nahm er dessen Tasse und reichte sie ihm.

 

''Trink ein bisschen, dann wird es dir besser gehen'', fügte er hinzu und atmete tief durch.

 

''Lance muss wirklich sehr stark sein. Bevor er meine Leute getötet hat, habe ich noch mit denen telefoniert und ihnen zur Vorsicht geraten. Unsere Fesseln sind extra für Vampire ausgelegt, doch Lance hat sie einfach zerrissen.

 

Ich möchte ihm hier wirklich gerne Unterschlupf gewähren, doch die Tatsache, dass er scheinbar seinen Blutdurst nicht unter Kontrolle hat und Personal angreift, gibt mir zu denken.

 

Weißt du Eric, scheinbar denkst du, es handelt sich hier um eine Art Gefängnis. Aber das ist es nicht. Die Vampire hier sind frei und können gehen und kommen wie sie wollen. Sie dürfen nur keine Menschen töten, wenn sie diesen Schutz hier wollen. Blut gibt es mehr als genug, von den vielen Blutspendenaktionen, die ich organisiere.

 

Hier sind sie sicher und keiner stellt Fragen, warum sie so verrückt sind oder blass. Außerdem halte ich sie so davon ab, Menschen zu töten. Wer gegen die Regeln verstößt, bekommt eine Abmahnung und beim nächsten Verstoß, muss der Vampir gehen.

 

Denkst du, wir bekommen Lance gebändigt?'', sprach Armin und machte eine kurze Pause.

 

''Etwas in mir möchte es auf jeden Fall versuchen. Denn sicher ist es hier für mich nicht. Ich weiß genau, dass sich einige Vampire gegen mich verschworen haben, die hier wohnen. Vielleicht würde Ruhe einkehren, wenn sie einen starken Leitvampir hätten, der auf unserer Seite ist.

 

Außerdem würden es Neuzugänge, die Unerfahren sind, wie Samir, bestimmt leichter haben'', fügte er dann hinzu und schwieg erneut.

 

''Warum lassen wir es nicht einfach drauf ankommen. Den Gefallen mich um ihn zu kümmern, möchte ich dir gerne tun. Gerade weil es dir so wichtig ist. Lance muss sowieso freiwillig entscheiden, ob er bleiben möchte. Den Fehler habe ich einmal gemacht, jemanden hier gegen seinen Willen zu halten. Das machte ich nie wieder'', beendete Armin seine Gedanken.

 

''Weißt du, wo er jetzt ist? Kannst du Kontakt zu ihm aufnehmen?''

 

*-*-*

 

Da ich nicht wie eine Heulsuse dastehen wollte, hörte ich auf zu weinen, nahm auch die Hände von meinem Gesicht, holte das Taschentuch aus meiner Jackentasche und wischte mir die restlichen Tränen ab.

 

"Sorry, ich sollte mich nicht so gehen lassen", murmelte ich leise vor mich hin, als dann der Kleine verschwand... einfach so verschwand... wunderte es mich gar nicht, denn ich wusste ja, dass Vampire sehr spezielle Kräfte haben konnten.

 

So setzte ich mich auf den angebotenen Platz und hörte Armin zu, während ich ihn mit großen Augen anschaute und ab und zu verstehend nickte.

 

Die Tasse Tee nahm ich dankend entgegen und trank direkt einen kleinen Schluck.... stellte die Tasse anschließend auf den Tisch zurück.

 

Was Armin mir erklärte verwunderte und erstaunte mich zugleich und ich hatte es sehr genossen, als er über meinen Rücken strich... hatte sogar kurz die Augen genießend geschlossen.

 

"Ich verstehe, was du mir erklärt hast und ich danke dir. Wo sich Lance derzeit aufhält weiß ich leider nicht, aber ich kann gedanklich mit ihm in Kontakt treten und vielleicht brauchen wir das hier....", ich zeigte auf das Kreuz: "….ja doch nicht. Ich mein, ich würde dir das Kreuz schon hier lassen, denn nur so kannst du ihn bändigen, wenn er es denn mal wieder im Kopf kriegt."

 

Eine kurze Pause legte ich ein, starrte vor mich hin und schaute anschließend Armin an.

 

"Ja, also, ich werde dann mal Kontakt zu ihm aufnehmen und versuchen, dass er freiwillig hier erscheint... wenn es noch nicht zu spät ist.

 

Er ist mir sehr wichtig, aber ich habe mich von ihm getrennt, denn so kann es nicht weiter gehen. Ich würde dir auch gern... wenn du es möchtest... helfend zur Seite stehen, dann müsstest du nicht alles allein bewältigen", gab ich noch kurz von mir, bevor ich die Augen schloss und versuchte zu Lance Kontakt aufzunehmen.

 

Lance? Lance, kannst du mich hören?

 

*~*

 

Noch immer kauerte Lance in dieser Ecke und weinte, nicht bereit auch nur noch einen Tropfen Blut zu sich zu nehmen... sich lieber zu vernichten... sich dessen bewusst, dass er seinen Eric so sehr enttäuscht hatte, als er dessen Stimme in seinem Kopf vernahm und ihm antwortete.

 

Ja, ich kann dich hören, Eric. Es tut mir so unglaublich leid, dass ich dich enttäuscht habe... bitte... bitte... verzeih mir doch... bitte.

 

*~*

 

Ich hörte seine Worte und wieder liefen mir, ungewollt die Tränen über meine Wangen.

 

Ich verzeihe dir, Lance, aber das mit uns... ist vorbei... endgültig. Bitte, versteh das. Ich möchte dich aber dennoch um etwas bitten und höre mir bitte einen Moment zu.

 

Ich habe dir doch mal von Armin erzählt und dir auch dessen Anwesen gezeigt. Ich bitte dich nun hierher zu kommen, denn ich habe mich mit Armin unterhalten und er würde dir hier ein Zuhause geben, du könntest auch, aufgrund deiner Stärke, zum Leitvampir werden. Hier würdest du mit Nahrung versorgt werden und könntest unter deinesgleichen leben.

 

Auch wärst du frei und könntest gehen wohin du magst... nur eines dürftest du niemals mehr tun... Menschen töten.

 

Bitte, komm hierher... ich würde auch auf dich hier warten... oder aber ich komme dich abholen... ganz wie du magst.

 

Eine Weile herrschte Stille, als würde Lance überlegen, dann hörte ich seine Antwort.

 

Okay, Eric... ich bin bereit es mir zumindest anzuschauen und... würde mich freuen, wenn du mich abholen könntest. Ich verstehe auch, dass... du dich... von mir getrennt hast... ich habe es nicht anders verdient... so sehr wie ich dich enttäuscht habe... wo du immer so gut zu mir warst... es tut mir so leid.

 

Seine traurige Antwort hörte ich, doch war ich froh, dass er es zumindest versuchen wollte und würde mich gleich aufmachen, um ihn abzuholen.

 

Lance, nein, du musst für nichts büßen, du bist nur deiner Natur gefolgt... alles gut. Ich komme dich jetzt abholen, bitte sag mir wo du bist.

 

Noch einen Augenblick musste ich warten, dann sagte mir Lance wo er sich aufhielt und ich nickte kurz... brach den Kontakt ab, nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, um mich gleich auf den Weg zu machen.

 

Kurz erklärte ich Armin alles und stand dann auf.

 

"Ich werde Lance jetzt abholen und ihn hierher bringen, er ist bereit es sich zumindest anzuschauen. Wir sehen uns dann gleich wieder... und... danke... ich danke dir, dass du mir hilfst", sprach ich dankbar zu Armin und lächelte ihn sanft... sehr liebevoll an, während ich mir noch eine Träne von der Wange wischte.

 

*-*-*

 

In Ruhe hatte Armin Eric zugehört, dann gewartet, bis er mit Lance gedanklich Kontakt aufgenommen hatte und damit fertig war.

 

''Ich würde mich freuen, wenn du mich unterstützt und ich helfe dir sehr gerne'', sprach er, wobei er sich freute, dass es zwischen dem Vampir und Eric aus zu sein schien.

 

''Wein jetzt nicht mehr. Alles wird gut, das verspreche ich dir'', fügte er hinzu und strich liebevoll die Träne von Erics Wange. Auch er lächelte sanft und spürte, wie sein Herz schneller schlug, wenn er seinen Freund in die Augen sah.

 

''Pass bitte auf dich auf, ja'', sagte Armin dann noch, da er sich Sorgen machte.

 

Währenddessen versuchte ich mich zu beschäftigen. Leise strich ich durchs Gebäude und versuchte den neugierigen Blicken auszuweichen. Es war komisch und ich fühlte mich wie auf dem Präsentierteller.

 

Warum nur waren alle so? So fühlte ich mich unwohl und wollte am Liebsten gehen.

 

Als ich in der Küche ankam, war James gerade dabei etwas Blut zuzubereiten. Das roch so gut, dass es mich regelrecht anlockte.

 

''Hallo Samir, möchtest du auch etwas?'', fragte James mich.

 

Ich nickte: ''Sehr gerne.''

 

James füllte alles in Weingläser und reichte mir eines davon. Die Anderen brachte er in den Nebenraum. Als er wiederkam, hatte ich mein Glas schon leer.

 

''Noch mehr?'', fragte der Buttler grinsend.

 

''Wenn es keine Umstände macht...'', grinste ich zurück.

 

''Sicher nicht...'', stimmte er zu und machte sich an die Arbeit, ''Die Kunst besteht darin, es nur ein wenig zu erwärmen, sonst gerinnt es.''

 

''Verstehe'', meinte ich und ließ mir zeigen, wie man es am Besten machte.

 

''Was haben Armin... Also Herr Primo und dieser Eric eigentlich zu besprechen?'', wollte ich wissen.

 

''Sie planen einen starken Vampir hier einziehen zu lassen'', erklärte James mir, während er mir ein neues Glas füllte, was ich ebenfalls leerte. Das tat so gut und schmeckte köstlich. Genießend leckte ich mir über die Lippen.

 

Während James aufräumte und ich ihm ein Wenig zur Hand ging, unterhielten wir uns noch über diesen Vampir und das, was James wusste.

 

Es tat gut mit ihm zu reden und ich wurde neugierig auf den Vampir. Obgleich mich hier die Anderen nicht interessierten und auch Rais eher lästig erschien, wollte ich den Neuzugang kennenlernen.

 

Wenn er mich denn ließe.

 

*-*-*

 

"Sehr gern werde ich dich unterstützen und danke dir für deine Hilfe.", antwortete ich sanft: "Natürlich passe ich auf mich auf... mach dir keine Sorgen", fügte ich hinzu und lächelte Armin an.

 

Als er dann eine Träne aus meinem Gesicht strich... so sanft und liebevoll wurde ich doch tatsächlich rot... spürte die Wärme in meine Wangen steigen... herrje... auch das noch....

 

Schnell verabschiedete ich mich deswegen von meinem Freund, denn mir war es nun schon ein wenig unangenehm, dass ich so errötet war... was musste Armin denn nun von mir denken... au man... und das passierte mir... auch gerechnet mir... man, man, man!

 

Das Anwesen hatte ich bald schon verlassen, was schon beinahe fluchtartig geschah, sprang in mein Auto und raste davon.

 

Unterwegs... auf dem Weg zu Lance atmete ich tief durch und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Was, verdammt noch mal, war denn nur los mit mir....?!

 

Eine halbe Stunde später erreichte ich den Ort an dem sich Lance aufhielt und stieg aus.

 

Langsam ging ich auf Lance zu und sah ihn an.

 

"Na du... hast du dich hier versteckt, hm?", begrüßte ich den Vampir, der mir sogleich ansah, dass etwas nicht mit mir stimmte.

 

"Hast du dich neu verliebt, Eric?", wollte Lance direkt wissen und ich schaute ihn überrascht an.

 

"Ähm... ich... weiß nicht... ich...", stammelte ich stotternd, was Lance lachen ließ und er nur trocken meinte: "Lass uns fahren... damit ich endlich mein neues Zuhause kennen lernen kann und du zu deinem... Angebeteten kommst..."

 

Ich schaute Lance kurz an, senkte dann aber meinen Blick und ging so mit ihm zum Auto, in das wir einstiegen und zum Anwesen fuhren, das wir wiederum eine halbe Stunde später erreichten.

 

Während der Fahrt hatten wir geschwiegen... so als hätten wir uns nichts mehr zu sagen... kaum zu glauben, dass ich vor kurzem noch mein Leben für ihn gegeben hätte.

 

Gemeinsam mit Lance ging ich zum Gebäude und läutete... geduldig wartend...

 

*-*-*

 

Als es läutete, zuckte ich zusammen und folgte James mit etwas Abstand. Ich wollte nicht wie die Anderen starren, aber einen Blick riskieren.

 

James öffnete die Tür und Armin kam die Treppe hinunter.

 

''Herr White. Erneut bin ich sehr erfreut'', lächelte James und ließ ihn, sowie den Vampir eintreten.

 

''James'', stellte sich der Buttler vor und zeigte auf Armin, der mittlerweile unten angekommen war, ''Herr Armin Primo.''

 

Während ein paar anwesende Vampire starrten, schaute ich eher schüchtern und senkte immer wieder meinen Blick. Der Vampir mit dem Eric hereinkam, war ganz Anders und er hatte eine starke Aura. Verlegen machte mich das, wo ich doch ein so kleiner Vampir war, im Gegensatz zu ihm.

 

''Hallo Lance'', begann Armin, ''Schön dich kennenzulernen und ich muss gestehen, dass es das erste Mal ist, dass ein Vampir freiwillig hierher kommt. Bitte nimm dir ein paar Tage Zeit, die du in deinen langen Leben sicher entbehren kannst und schau es dir hier in Ruhe an.

 

Entscheide dann selbst, ob du bleiben möchtest. Es steht dir frei.

 

Nur zwei Regeln gibt es! Keine Menschen töten und wenn du dir Blut warm machst, musst du auch sauber machen.

 

Was meinst du? Darf ich dir alles zeigen?''

 

Neugierig und erwartungsvoll schaute ich den schönen großen Vampir an. Wie würde er sich entscheiden?

 

*-*-*

 

Erneute begrüßte auch ich den Butler, sehr nett und freundlich: "Mich freut es auch, sie wiederzusehen, James", dann hielt ich mich allerdings zurück, als Armin hier erschien und auch Samir da war, der sehr schüchtern zu sein schien.

 

Lance hörte sich alles an, nickte verständig und antwortete dann, nachdem er die Anwesenden ebenfalls begrüßt hatte, denn unhöflich war er ja nun nicht:

 

"Ich bin sehr erfreut sie alle hier kennen zu lernen. Nun, sie haben es wohl Eric zu verdanken, dass ich freiwillig hier bin. Die Regeln habe ich verstanden und zur Kenntnis genommen. Keine Sorge, ich töte keine Menschen mehr... ich... werde wohl nie wieder Blut trinken.

 

Zu sehr habe ich Eric enttäuscht und werde mir das wohl nie verzeihen können.

 

Ich werde mir hier gern alles anschauen und bleiben werde ich wohl auch... und dann bitte ich nur um ein Zimmer, wohin ich mich zurückziehen kann."

 

Er schaute sich nicht großartig um und es schien... als wäre er nur hier um zu sterben... sich aufzulösen. So seltsam und eigenartig war er... es machte mir Angst... seine Worte waren da ja auch mehr als eindeutig... er wollte sterben.

 

Entsetzt starrte ich Lance an... unfähig etwas zu sagen... ihn von dem abzuhalten, was er plante... aber es kam kein Wort aus meinem Munde... starrte ihn stattdessen nur an... kopfschüttelnd...

 

*-*-*

 

Eben genauso starr wie Eric, schienen Armin und James zu sein. Keiner hatte mit so einer Antwort gerechnet und mich erschreckte es auch.

 

''Aber, wenn du kein Blut zu dir nimmst, wirst du dich doch auflösen...'', meldete ich mich zu Wort und machte einen Schritt nach vorne.

 

Die anderen Vampire starrten und tuschelte miteinander. Unsicherheit machte sich bei mir breit, weil ich mich einem so starken Vampir entgegenstellte.

 

Ich fühlte seinen Schmerz und konnte mit ihm fühlen, da auch ich allein war. Es verband uns irgendwie.

 

''Blut gibt es hier mehr als genug. Du musst keine Menschen töten, um zu überleben. Komm, ich zeige es dir'', kam es von mir mit einer kindlichen Art.

 

Wieder machte ich ein paar Schritte auf Lance zu und zögerte. Jetzt stand ich direkt vor ihm und merkte erst mal wie groß er war. Kurz schluckte ich und musste mich überwinden. Doch dann griff ich nach seiner Hand.

 

''Komm... Komm mit mir'', bat ich ihn und lächelte etwas.

 

Armin schaute Eric an und nickte zustimmend, hoffnungsvoll. War Samir die Lösung für dieses Problem oder würde Lance ihn abweisen?

 

*-*-*

 

Lance hörte dem kleinen, sehr viel jüngeren Vampir, namens Samir zu und schaute ihn ausdruckslos an.

 

"Ich weiß, dass ich mich dann auflösen werde.... genau das beabsichtige ich auch...", antwortete Lance... ging etwas zurück, als sich Samir ihm näherte und ihm noch näher kam.

 

Tränen rannen aus seinen Augen, als er kurz zu Eric schaute... dann erst senkte er seinen Blick.

 

Er zuckte direkt zurück, als Samir nach seiner Hand griff: "Bitte... nicht... anfassen... ich komme auch so mit dir mit...", bat er tonlos... er wollte kein Blut mehr trinken... er wollte einfach nicht, denn er konnte es nicht verwinden, dass er Eric enttäuscht und dieser sich von ihm getrennt hatte... zudem schien Eric sich neu verliebt zu haben und das tat Lance verdammt weh.

 

Nun trat auch ich einen Schritt auf Lance zu, nachdem ich Armins Blick und sein Nicken erwidert hatte.

 

"Lance, bitte... ich habe es dir vergeben.... nun musst du dir nur noch selbst vergeben. Bitte... tu dir das nicht an und geh mit Samir mit, lass dir alles zeigen und versuche dich hier einzuleben. Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt und ich möchte, dass du glücklich wirst... was aus mir wird ist nicht wichtig... du bist es, der wichtig ist. Ich habe dich weiterhin sehr gern... und genau deswegen wünsche ich dir, dass du glücklich wirst.", mit diesen Worten ging auch ich auf Lance zu, lächelte ihn an und streichelte sanft seine Wange.

 

"Alles gut, okay."

 

Lance nickte nur, dann ging er mit Samir mit und ich senkte meinen Kopf, nachdem ich beiden noch etwas nachgesehen hatte.

 

Mir war gerade nach heulen zumute, doch unterdrückte ich es gekonnt.... versuchte den Kloß in meinem Hals herunter zu schlucken...

 

*-*-*

 

Ich zuckte ebenfalls zurück und ließ von Lance Hand ab. Er tat mir so sehr leid und ich wollte ihm so gerne helfen. Nun kam er wenigstens mit mir mit und ich zeigte ihm die Küche und wo die Blutkonserven versteckt waren.

 

''Eben hat mir James erst gezeigt, wie man es erwärmt'', hörte ich mich etwas nervös sagen und begann dabei etwas Blut zu erwärmen.

 

Ob Lance trinken würde? Ein Versuch war es definitiv wert und ich wollte es versuchen.

 

Nur ein bisschen erwärmte ich das Blut und es roch verführerisch. Dann goss ich es in zwei Weingläser und schaute Lance erwartungsvoll an.

 

Wo sich sein Zimmer befand, würde ich Armin noch fragen müssen.

 

Währenddessen in der Lobby, machte sich Armin etwas Luft: ''Genug gegafft, treibt euch woanders rum'', kam es von ihm, an die Vampire gerichtet. Diese verschwanden widerwillig und er ging rüber zu Eric, um den Arm um ihn zu legen.

 

Auch James ging, da er noch etwas zu tun hatte.

 

''Alles gut bei dir?'', wollte Armin von Eric wissen.

 

Sicher machte er sich auch Sorgen um Lance und um Samir, der aus sich rauskam. Außerdem wunderte er sich, wo Rais steckte, der doch sonst auch immer alles mitbekommen wollte.

 

*-*-*

 

Ich schaute Armin an und nickte kurz: "Ja, alles gut... ich... es ist nur... bis vor kurzem... hätte ich mein Leben für Lance gegeben und nun... habe ich niemanden mehr... bin einfach nur noch ...allein... Na ja, was solls... da muss ich eben durch...", gab ich gedankenversunken von mir... versuchte Armin anzulächeln... was mir aber nur mäßig gelang.

 

Aber auch Armin schien sich Sorgen zu machen, so wie er die Vampire auf einmal angemacht hatte.

 

Ich lehnte mich gegen eine Wand und atmete seufzend aus.

 

*~*

 

Die Küche erreicht, schaute Lance Samir nur teilnahmslos zu, hörte was der Kleine ihm erzählte und spürte dessen Nervosität, doch verstand er nicht warum der Kleine so nervös war, wo er – Lance – ihm doch gar nichts getan hatte.

 

Das Blut roch auch für Lance sehr verlockend, doch nahm er sich zusammen, was gar nicht so einfach für ihn war.

 

Als Samir ihn so erwartungsvoll anschaute... ihm das Glas hinhielt, huschte tatsächlich ein Lächeln über das Gesicht des Vampirs und er nahm das Glas nickend entgegen.

 

"Danke", flüsterte er Samir zu, schaute dann kurz das Glas an... roch an dem Blut, setzte das Glas an und trank es leer.

 

Anerkennend nickte er und wieder lächelte er Samir an.... es schien wohl langsam zur Gewohnheit zu werden.... seltsam...

 

*-*-*

 

''Du bist nicht allein'', meinte Armin zu Eric und legte sanft den Arm um ihn.

 

''Wenn du es zulässt... bist du nicht allein'', kam es von ihm und er lächelte Eric sanft an.

 

Schon beinahe zu ruhig war es jetzt in der Lobby und Armin fühlte sich unwohl.

 

''Lass uns nach den Beiden schauen. Lance wollte doch sein Zimmer sehen'', meinte er dann und ging Richtung Küche vor.

 

Ich musste ebenfalls lächeln, als Lance das Glas leerte. Es freute mich sehr, dass sich der Vampir dazu durchgerungen hatte.

 

''Euch Beiden scheint es ja Bestens zu gehen'', hörte ich plötzlich Armin sagen, der im Türrahmen stand.

 

''Möchtest du jetzt dein Zimmer sehen?'', wollte er von Lance wissen.

 

*-*-*

 

Dankbar nickte ich Armin zu, der so liebe und sanfte Worte an mich richtete, genoss auch seinen Arm, den er um mich gelegt hatte. Sanft lächelte ich Armin an, nickte zustimmend auf seinen Vorschlag nach den Beiden schauen zu gehen und ging mit ihm.

 

Die Küche erreicht, hielt ich mich zurück, sah aber, dass Lance Samir anlächelte und umgekehrt... nun würde ich Lance tatsächlich verlieren... es war ja eh vorbei mit uns und ich musste damit klarkommen.

 

Nachdem Armin Lance angesprochen hatte, hatte er sich zu ihm umgedreht, sah auch mich kurz, aber sehr seltsam an, wandte sich dann aber Armin zu und antwortete:

 

"Ja, klar, gerne. Gehen wir", schaute Samir an und fragte ihn: "Kommst du mit?", und lächelte den kleinen Vampir an.

 

Trotzdem wir getrennt waren, spürte ich eine leichte Eifersucht in mir aufsteigen, die ich nur knapp unterdrücken konnte. Aber ich wollte Armin doch helfen und vielleicht würde ich auch noch etwas Zeit für mich haben, um mich selbst zu finden... mich mit der Trennung, die ich ja selbst gewollt hatte, abfinden und Lance glücklich werden lassen.

 

Tja, und vielleicht... würde ich ja irgendwann auch mein Glück finden, denn zur Zeit fühlte ich mich, trotz Armins liebevollem Zuspruch... seiner sanften Worte... allein und einsam.

 

*-*-*

 

Armin nickte zustimmend und schaute kurz zu Eric, der scheinbar mit dieser neuen Situation überfordert war.

 

''Wartest du in meinen Zimmern auf mich?'', bat er ihn deshalb.

 

Irgendwie hielt er es für besser, wenn Eric etwas Ruhe bekam und in seinen abgegrenzten Zimmern war dieser sicher.

 

Langsam ging Armin voraus, auch wenn er wartete, dass alle mitkamen, die mit wollten.

 

''Gerne'', kam es freudig von mir, womit ich Lance Frage beantwortete.

 

Er zog mich magisch an und gab mir das Gefühl, das mir bisher hier gefehlt hatte. Also ging ich langsam neben ihm her, Armin folgend. Auf Eric achtete ich weniger, da ich nur Augen für diesen scheinbar makellosen Vampir hatte.

 

In der Lobby war es ruhig, vielleicht zu ruhig und dennoch hörte ich die anderen Vampire, obgleich ich sie nicht sah. Sie tuschelten und ich konnte sie nicht genau verstehen.

 

Sicher spürten sie Lance Kraft und wussten nicht, wie sie ihn einschätzen sollten.

 

Die Treppe ging es hinauf, in Richtung meines Zimmers. Direkt daneben hielten wir und Armin öffnete die Tür.

 

''Hier haben wir dein Zimmer. Fühl dich wie zu Hause und wenn du etwas brauchst, lass es mich wissen. Samir ist übrigens auch erst seit gestern hier, aber ich denke, bei deinen Kräften weißt du alles schon längst und ich kann mir weitere Worte sparen'', hörte ich Armin sagen und wurde nun ein Wenig verlegen.

 

*-*-*

 

Dankbar nickte ich Armin zu, gab aber nichts weiter von mir... schwieg besser.

 

Ein Stück ging ich noch mit allen mit, dann ging ich in die, von Armin angegebenen, Räume. Die Tür schloss ich und schaute mich ein wenig um... setzen konnte und wollte ich mich nicht... zu unruhig war ich... zu sehr nahm mich das alles mit und doch... hatte ich es, verdammt noch mal, so gewollt.

 

*~*

 

Lance ging mit Armin mit und freute sich gedanklich, dass Samir ihn begleitete. Seine Enttäuschung, die er Eric gegenüber nun ebenfalls empfand, überspielte er gekonnt... die Macht hierzu hatte er ja.

 

Aber er hörte auch die anderen Vampire tuscheln und reden... wusste was sie dachten, doch kümmerte er sich erst einmal nicht darum. Zu gegebener Zeit würde er sich darum kümmern, oder eben abwarten, bis Armin etwas sagte.

 

Das Zimmer erreicht, schaute sich Lance hier genau um, nickte Armin lächelnd zu.

 

"Danke, das ist ein schönes Zimmer, Armin. Ich brauche nichts, danke. Aber du solltest dich in Acht nehmen... die anderen Vampire sind irgendwie unzufrieden... leider kann ich dir nicht sagen wer diejenigen sind... dies wird sich sicher bald heraus stellen", dann schaute er Samir grinsend an:

 

"Ja, ich weiß, dass der Kleine erst seit gestern hier ist und auch seine bewundernden Blicke, mir gegenüber sind mir nicht entgangen", wand sich damit auch an Samir: "Ich weiß, was du fühlst, aber ich bin noch zu sehr gekränkt und verletzt und werde Zeit brauchen, okay."

 

Sanft lächelte Lance Samir an, hob seine Hand und wuschelte dem jüngeren Vampir, der so verlegen zu sein schien, liebevoll durch die Haare.

 

*-*-*

 

Armin schaute Lance an und hörte dessen Worte. Dabei schaute er zu, wie liebevoll er mit mir umging und meinte dann.

 

''Ich weiß, Lance. Sie führen etwas im Schilde und das schon seit längerem. Sicher fühle ich mich nicht wirklich und ich hoffe sehr, es wird sich mit deiner Anwesenheit hier ändern. Sofern du überhaupt bleiben möchtest. Aber lass dir Zeit, du hast genug davon... mehr als ich...'', sprach er ruhig und ging dann langsam auf die großen Türen zu, hinter denen Eric bereits verschwunden war.

 

Die Türen öffneten sich und Armin lächelte uns noch zu, bevor er hinter ihnen verschwand.

 

''Also... ich ähm...'', stammelte ich, nicht wissend, was ich sagen sollte.

 

Er wusste, wie ich fühlte und er brauchte Zeit. Verstehen tat ich dies schon aber warum wusste ich nicht. Erwartungsvoll und dennoch schüchtern schaute ich ihn an, genoss seine Berührung, wie er mir durchs Haar wuschelte.

 

Nach jedem Strohhalm greifend, erwischte ich mich bei vielen Gedanken. Was durfte sein, was konnte ich erwarten? Warum fühlte ich mich bei Lance so wohl? Wo es hier doch so viele Vampire gab.

 

Währenddessen hatte Armin seine Räume betreten und schaute Eric an, der in einem Zimmer stand und sich umsah. Ein Bisschen träumte Armin vor sich hin und schaute Eric an.

 

''Kann ich dich irgendwie auf andere Gedanken bringen?'', kam es dann von ihm.

 

*-*-*

 

"Alles gut, mein Kleiner. Sag jetzt bitte erst mal nichts, okay. Weißt du, Eric und ich waren lange zusammen... bis er sich gestern von mir trennte... weil ich wieder einen seiner Butler tötete. Ich habe Eric sehr geliebt... wirklich und nun ist es vorbei... einfach so vorbei.

 

Ich werde damit erst mal klarkommen müssen, denn mir tut es sehr weh. Aber du könntest mir ein guter Freund werden... wenn du magst, immerhin bist du total süß und niedlich", sprach Lance zu Samir, der ihn gerade mehr als niedlich anschaute und Lance wiederum ein Lächeln entlockte.

 

"Wäre es okay für dich, wenn ich dich bitte, mich ein wenig allein zu lassen... bitte.", bat Lance seinen kleinen Freund und sah ihn auch genauso an... liebevoll bittend.

 

*~*

 

Unruhig hatte ich auf Armin gewartet, doch gab ich mich keinen Tränen hin, als ich hier für einen Augenblick allein war.

 

Als, nach einer Weile, Armin das Zimmer betrat, schaute ich mich noch immer um, erschrak mich beinahe ein wenig, als sich die Tür öffnete.

 

"Nein, lass nur, alles gut... ich komme schon klar. Danke Armin, für alles... du bist echt ein... Freund.", gab ich zur Antwort, versuchte alles um mich irgendwie abzulenken... blickte Armin an und sah, dass er mich sehr verträumt anschaute.

 

"Armin....? Was ist denn mit dir? Denkst du über etwas nach oder träumst du?", wollte ich dann fragend, von meinem Freund wissen.

 

*-*-*

 

''Sicher kann ich... werde ich dich allein lassen'', sagte ich und ging rüber zu meinem Zimmer. Langsam in Zeitlupe öffnete ich die Tür und ging hinein. Hinter mir fiel die Tür ins Schloss und ich war erneut allein.

 

Was hatte ich mir auch dabei gedacht. Lance war verletzt, was jetzt auch Erics Verhalten erklärte. Nur passte Armin hier nicht rein oder doch?

 

War er jetzt etwa mit Eric zusammen? Zu gerne würde ich meine Vampirinstinkte schärfen und versuchte mich zu konzentrieren.

 

Irgendetwas musste ich doch können, oder nicht?

 

Dann sah ich plötzlich Rais vor meinen inneren Augen, wie er durch das Haus schlich. Oder kam es mir etwa nur so vor? Es machte mir Angst und auch das Getuschel der Anderen war in meinem Kopf, obwohl ich immer noch nichts genaueres verstand.

 

Ich wurde unruhig und fühlte mich unwohl hier so allein.

 

In der Zwischenzeit schreckte Armin zusammen, als er Erics Aussage hörte.

 

''Entschuldige bitte. Vermutlich hatte ich einfach eine andere Antwort erhofft'', sprach er ruhig und ging etwas auf Eric zu, ''Magst du noch einen Tee? Oder lieber etwas anderes? Bald gehen die Vampire zur Ruhe. Vielleicht magst du noch bleiben oder lieber alleine sein?''

 

Armin blieb direkt vor Eric stehen und nahm ihn dann einfach in die Arme, als meinte er, dieser hätte das jetzt einfach nötig. Immerhin hatten Eric und Lance so was wie eine Beziehung gehabt und sich getrennt.

 

War so was möglich zwischen einem Mensch und einem Vampir? Scheinbar und es schien genauso schmerzhaft zu sein, wenn es endete. Sehnsüchtig schmiegte Armin sich ein Wenig an seinen Freund, aber auch darauf bedacht, ihn zu nichts zu zwingen.

 

*-*-*

 

Tatsächlich kam Samir der Bitte von Lance nach und ließ ihn allein. Natürlich wusste, der Vampir auch, dass Samir dies nicht unbedingt gern tat, aber er brauchte jetzt einfach etwas Abstand.

 

Erst jetzt, da er allein war, legte er sich bäuchlings auf das Bett und weinte wieder. Wie sehr schmerzte ihn diese Trennung, wie sehr sehnte er sich nach Erics Berührungen... glaubte er doch noch immer, diese auf seiner Haut zu spüren... wie sehr wünschte er sich die Zeit zurückdrehen zu können und den Butler nicht zu töten.

 

Entgegen dessen, was er seine Umwelt sehen ließ, war er tieftraurig... überspielte alles nur.

 

Nach einer Weile hörte er auf zu weinen, denn er spürte, dass sich Samir nicht wohl fühlte und nahm gedanklich zu ihm Kontakt auf.

 

Samir, wenn du magst, kannst du gern wieder zu mir kommen... oder ich komme zu dir... wenn dir das lieber ist... hab keine Angst... ich beschütze dich.

 

*~*

 

"Es tut mir leid... ich... welche Antwort hattest du denn erwartet?", wollte ich von Armin wissen: "Nein, danke... ich möchte jetzt keinen Tee", lehnte ich, gleich darauf dankend das Angebot ab.

 

Dann sah ich auch schon Armin auf mich zukommen, spürte, wie er sich an mich lehnte... mich gleichzeitig in die Arme nahm. Auch ich nahm ihn in die Arme, strich sanft über seinen Rücken und hielt ihn einfach nur fest.

 

"Wenn du magst, bleibe ich gern noch etwas", flüsterte ich Armin zu: "Denn ...allein möchte ich jetzt nicht sein."

 

Was war nur mit Armin los? War es das, was ich dachte... wollte er... mich... hatte er sich in mich verliebt... war er vielleicht schon viel länger in mich verliebt... hatte er es eventuell nur nicht sagen können... es sich nicht getraut...?

 

Fragen über Fragen stellte ich mir, während wir hier standen und uns in den Armen lagen.

 

*-*-*

 

Gerade als ich drauf und dran war, das Haus zu verlassen, obwohl es bald Tag werden würde, hörte ich Lance in meinem Kopf. Wie erleichtert ich war und ich wollte ihm antworten, nur wusste ich nicht was.

 

Alles um mich herum war gerade ziemlich viel für mich. So viele neue Eindrücke und dann die Entwicklung meiner Kräfte.

 

Gerne wollte ich rüber gehen und drehte mich Richtung Tür, als Rais vor mir erschien.

 

''Du hast nicht direkt nach mir gerufen, aber dir scheint es nicht gut zu gehen. Brauchst du etwas?'', kam es besorgt von ihm.

 

Sicher, er hatte mir angeboten, ich sollte nach ihm rufen, wenn etwas wäre. Nur irgendwie war mir gar nicht nach seiner Anwesenheit.

 

Mittlerweile hatte Armin auch begannen Erics Rücken sanft zu streicheln und genoss dessen Nähe.

 

''Das ist schön'', seufzte er leise, ''Es wäre toll, wenn du noch bleiben würdest. Lass uns einfach einen Moment so stehen, bitte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal jemanden umarmt habe.''

 

Armin war eben ein sehr ruhiger Typ und nahm sich selten raus, auf Jemanden in Sachen Liebe und Zärtlichkeit zuzugehen. Nur war alles so angespannt, traurig und freudig zugleich. Endlich waren die Zwei wieder Freunde und näherten sich an, mehr als erwartet und dennoch waren sie vermutlich nicht nur unter Freunden.

 

Langsamer wurde Armins streicheln und er hielt Eric einfach nur. Sie waren Beide in etwa gleich groß und ihre Köpfe lagen dicht beieinander. Einen Moment später realisierte Armin erst mal, was er hier tat.

 

Aber Eric ließ es zu und gewiss nicht nur, weil er getröstet werden wollte, oder?

 

*-*-*

 

Lance wunderte sich, dass Samir weder antwortete, noch zu ihm kam, wo er ihn doch so offensichtlich bewunderte. Irgendwas war doch da, dachte sich Lance und klinkte sich in Samirs Gedanken ein.

 

Was er sehen konnte erfreute ihn ganz und gar nicht, so dass er sein Zimmer verließ und zu Samirs Zimmer ging. Ohne vorher anzuklopfen, öffnete er die Tür und sah dann auch schon Rais vor Samir stehen.

 

"Was ist hier los und was, zum Geier, suchst du hier?!", blaffte er Rais gleich mal an, ließ auch ein wenig seine Macht spüren, indem er ihn, mit seinen Blicken, bannte, die schon fast hypnotisch wirkten.

 

"Lass Samir in Ruhe, klar!", forderte der mächtige Vampir von Rais und demonstrierte ihm seine Macht, indem er in dessen Gedanken eindrang....

 

*~*

 

Auf Armins Antwort hin, nickte ich nur leicht... schwieg jetzt einfach nur und blieb mit ihm so hier stehen... offensichtlich genoss er es genauso wie ich.

 

Wenn meine Gedanken richtig waren, würde ich mich denn wirklich auf eine eventuell neue ...Liebe... einlassen können? Im Moment tat mir die Trennung von Lance noch sehr weh und ich würde ein wenig Zeit brauchen, um alles zu verarbeiten.

 

Aber ich war mir sicher, dass mit der Zeit alles gut werden würde und ich mich vielleicht doch auf Armin einlassen könnte. Immerhin war er ein attraktiver Mann und ich würde ihn definitiv nicht von der Bettkante stoßen, zumindest wirkte er sehr anziehend auf mich.

 

Meinen Kopf lehnte ich leicht an den seinen, wie ein Schmusekater... ganz sanft, beinahe zärtlich, während ich ihn liebevoll weiter streichelte.

 

Jedes Wort wäre nun erst einmal zu viel... die Ruhe zwischen uns tat mir gut, so auch, dass er mich in seinen Armen hielt.

 

*-*-*

 

Erschrocken richtete sich mein Blick auf die Zimmertür, die aufflog und durch die Lance kam. Was ging denn jetzt hier ab? Hatte ich etwas nicht mitbekommen? Waren meine Gedanken so offensichtlich gewesen.

 

Rais wehrte sich nicht gegen Lance starke Macht, sondern ließ diesen gewähren. Gebändigt von dessen Blick, legte sich nur ein sanftes Lächeln auf sein Gesicht.

 

''Immer mit der Ruhe... Lance, richtig. Ich bin Rais, ein Freund von Samir und ich war Armins erster Vampir, der hier einzog. Niemanden möchte ich böses, sondern lediglich helfen... Trost spenden, wenn du verstehst.

 

Sollte Samir meine Anwesenheit nicht wünschen, gehe ich selbstverständlich'', sprach Rais ohne Schwierigkeiten.

 

Kurz schaute er zu mir rüber, wobei ihm dies schon schwer fiel. Lance Macht war groß und auch für mich deutlich spürbar. Langsam ging ich auf Lance zu, blieb dann aber doch stehen.

 

''Jetzt ist er ja nicht mehr allein, weshalb ich auch gehen kann. Nur solltest du es dir gut überlegen, ob ein solch starker Vampir, wirklich in einen Käfig eingesperrt gehört. Du und auch dein Menschenfreund gehören nicht in diese Welt'', kam es weiter von Rais.

 

Dabei richtete er wieder seinen Blick zu Lance und mich erschauderten dessen Worte.

 

Die Angst Lance wieder zu verlieren, wo ich gerade ihm so blind von Anfang an vertraute, wuchs. Rais hingegen zeigte keine Angst, aber durchaus erwies er Lance den nötigen Respekt. Vielleicht aber auch nur, um ihn nicht noch wütender zu machen.

 

Er verbeugte sich sogar leicht vor ihm und als sein Blick mich erneut traf, ging ich direkt auf Lance zu, blieb neben ihm stehen. Jetzt war ich es, der mittels Gedanken mit ihm sprach.

 

''Danke. Du hast wohl gewusst, dass ich lieber dich bei mir haben wollte, anstelle von Rais.''

 

Währenddessen schien die Zeit still zu stehen bei Armin, denn er genoss es einfach nur, so mit Eric dazustehen und wollte ihn nicht vorschnell loslassen. Von dem, was im Haus sonst noch so passierte, bekam er nichts mit.

 

*-*-*

 

Käfig!? Eingesperrt!? Hatte Lance etwas verpasst... war ihm nicht gesagt worden, dass er hier nicht eingesperrt wäre, dass er ebenso gut auch wieder gehen könnte? Bei Rais Worten, kamen Lance starke Zweifel, ob er tatsächlich hierher gehörte... ob er nicht doch besser gehen sollte.

 

Aber vielleicht wollte Rais ja auch nur Unfrieden stiften und ihn – Lance – aus dem Weg haben, zudem er ja wohl spürte, wie mächtig Lance war. Vielleicht wäre er ihm ja im Wege.

 

Ohne auf Rais Worte einzugehen, sprach Lance drohend zu diesem:

 

"Raus hier... sofort... verschwinde, bevor ich mich vergesse!", wobei es ihm egal war, ob sich Rais vor ihm leicht verneigte oder eben nicht.

 

Zu Samir gewandt, sprach er gedanklich:

 

Schon gut, nichts zu danken.

 

*~*

 

Wie ich hier so mit Armin stand empfing ich, eigentlich unwillentlich, Lance Gedankengänge und löste mich sanft von Armin.

 

Liebevoll schaute ich meinem Freund in die Augen und fragte ihn ruhig:

 

"Armin, ich habe gerade Lance Gedanken empfangen... Rais hat damit auch was zu tun, der sagte ihm, dass ein mächtiger Vampir wie Lance und sein menschlicher Freund, also ich, nicht in diese Welt gehören. Auch gab er ihm wohl zu Bedenken, ob er, als starker Vampir, wirklich in einen Käfig eingesperrt gehört...

 

Armin, was ist da dran? Wird er hier wirklich nicht eingesperrt... oder... hat Rais Lance belogen und will ihn aus dem Wege haben. Lance ist wegen der Sache echt verunsichert.

 

Bitte, Armin, sprich mit mir."

 

*-*-*

 

Rais verließ das Zimmer, mit einem Lächeln und nickte mir noch kurz zu. Die Tür schloss er hinter sich und ich schaute Lance an. Sicher hatte ich erwartet, dass er auch anders sein könnte, aber es selber zu erleben, erschreckte mich etwas.

 

Vielleicht aber auch nur, weil ich mein inneres Tier nicht kannte.

 

Sanft legte ich eine Hand an Lance Brust und fühlte mich jetzt wieder geborgen. Warum nur hatte Rais das gesagt?

 

''Bisher kam es mir hier nicht wie ein Käfig vor. Vielleicht ist Rais eifersüchtig?'', sprach ich offen zu Lance.

 

In der Zwischenzeit hatte Armin, Erics Worte vernommen und schaute diesen unglaubwürdig an.

 

''Rais soll mit denen unter einer Decke stecken?'', sprach er und ließ Eric sanft los, ''Das kann ich nicht glauben. Bist du dir sicher...

 

Das hier ist kein Gefängnis und wird es nie sein.

 

Vielleicht hat er Angst. Ansonsten kann ich es mir nicht erklären. Ich vertraue ihm, er ist für mich, wie ein eigenes Kind...''

 

Armin hatte daran zu knabbern und setzte sich in einen Sessel. Was, wenn er sich in Rais getäuscht hätte?

 

*-*-*

 

Nachdenklich schaute Lance Samir an, hörte was er sagte und nickte kurz.

 

"Sorry, ich wollte nicht so ausrasten. Aber... Rais hat etwas an sich, womit ich nicht klar komme. Na gut, wenn er nur eifersüchtig ist... ist es aber sein Problem... nicht meines. Vor allem würde mich interessieren auf wen er eifersüchtig ist... wenn denn daran etwas sein sollte.

 

Ich sehe es hier auch nicht als Gefängnis an... aber... nun ja, meine Zweifel hatte ich eben schon, wenn ich ehrlich sein soll", antwortete Lance, nun wieder mit sehr ruhiger Stimme.

 

Samirs Hand auf seiner Brust... fühlte sich seltsam an... und doch so vertraut... als würde Eric ihn berühren. Aber Lance war noch nicht soweit, um sich anderweitig zu orientieren... außer vielleicht eine Freundschaft aufzubauen.

 

*~*

 

"Ich weiß es nicht genau, vielleicht hast du ja Recht und er hat nur Angst, dass er nicht mehr die Zuneigung von dir bekommt, wie bisher. Ich wollte dir jetzt wirklich nicht weh tun... bitte, verzeih mir. Es tut mir leid", erwiderte ich sanft, ging auf Armin zu, der sich in einen Sessel gesetzt hatte, kniete mich vor ihm hin und schaute ihn an.

 

"Hey... alles gut, ich vertraue dir. Bitte, sieh mich an. Ich habe dich echt gern und freue mich, dass unsere Freundschaft wieder aufgelebt ist. Das bedeutet mir wirklich sehr viel", fügte ich hinzu und strich dabei sanft über seine Hände und sein rechtes Knie.

 

*-*-*

 

''Naja, im Grunde bin ich doch auch erst seit gestern hier und Rais schien sehr nett zu sein. Was ist, wenn er Recht hat und es hier eine Art Gefängnis ist. Vielleicht hättest du nachhaken sollen, anstatt ihn wegzuschicken'', wand ich ein, ''Du musst dich nicht entschuldigen. Vielleicht hätte ich ihn nicht so sehr weg wünschen und dir lieber antworten sollen...''

 

Bisher schien hier alles zu perfekt zu sein. Doch Rais hatte sich seltsam verhalten.

 

Meine Hand nahm ich wieder fort, wollte Lance nicht bedrängen. Seine Nähe tat mir gut und ich wollte von ihm lernen.

 

''Es tut gut, dass du für mich da bist. Bisher hatte ich Niemanden...'', sagte ich, obwohl ich ahnte, dass Lance dies bereits wusste.

 

''Das mit der Eifersucht war nur eine Vermutung... Ich lerne ja erst meine Kräfte zu beherrschen. Was denkst du wirklich über ihn...'', wollte ich von Lance wissen.

 

Währenddessen ein paar Räume weiter, schaute Armin liebevoll zu Eric runter.

 

''Herrje, Eric, bitte steh auf. Du machst mich verlegen'', lächelte dieser seinen Freund an und genoss es gleichzeitig, wie Eric da kniete, sein Knie berührte und sich darüber freute, dass sie sich wieder annäherten.

 

''Mir geht es doch ganz genauso. Ich habe dich sehr vermisst, weißt du'', sagte Armin sanft und begann dann doch zu zweifeln, ''Was, wenn du Recht hast und Rais... Nein, das kann einfach nicht sein. Ich kann es mir nicht vorstellen. Er war der Erste hier und hat immer auf mich gewartet, wenn alle anderen noch schliefen.

 

Vielleicht sollte ich einfach mit ihm reden.''

 

Unsicherheit hatte sich in Armin breit gemacht, da die Worte nicht zu Rais passten.

 

*-*-*

 

Ich stand natürlich nicht auf, vielmehr schaute ich meinen Freund weiterhin an und lauschte seinen Worten, während ich es schon genoss, dass er etwas verlegen war, weil ich hier kniete.

 

"Auch ich habe dich sehr vermisst... mehr als ich es mir eingestehen wollte... oder konnte. Du musst auch nicht verlegen sein, nur weil ich hier vor dir knie. Wenn du dich hier unwohl fühlst... möchte ich dir jetzt und hier einen Vorschlag machen, den du gern annehmen kannst... oder es dir zumindest durch den Kopf gehen lässt.

 

Was hältst du davon, wenn du zu mir ziehen würdest, denn wie du weißt, habe ich ein schönes großes Anwesen. Ab und zu könnten wir zusammen hier nach dem Rechten schauen... natürlich könnte auch James mitkommen. Überlege es dir wenigstens, okay", schlug ich meinem Freund bittend vor.

 

Es wäre doch zumindest eine Alternative, zumal ich ihm meine Hilfe ohnehin angeboten hatte.

 

"Aber du solltest schon mit Rais reden, vielleicht gibt es für seine Worte und sein Verhalten eine einfache Erklärung."

 

*~*

 

Mit wachsender Unruhe hörte sich Lance an, was Samir meinte... hörte auch dessen Zweifel und Bedenken und wusste nun auch, dass er etwas überreagiert hatte... hätte er Rais doch erst mal ausfragen sollen... verdammt... er war doch so ein Vollidiot...!

 

"Ich weiß um deine Empfindungen, mir gegenüber, leider kann ich diese noch nicht so wirklich erwidern. Bitte, gib mir Zeit und lass uns Freunde sein, okay. Wenn du magst können wir auch zusammen abhauen... heute Nacht noch... dann suchen wir uns ein tolles Zuhause. Ich mein, bevor sie uns hier doch noch einsperren... irgendwie... sorry... fällt es mir schwer noch irgendwem zu vertrauen... außer dir.", meinte Lance zu Samir

 

*-*-*

 

Kurz überlegte Armin, als er Erics Worte vernahm und nickte dann: ''Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen. Zumindest hört es sich schon mal sehr verlockend an.''

 

Dann legte er seine Hand auf Erics und strich sanft darüber. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen und er schaute Eric in die Augen.

 

''Na ja, dann werde ich mal schauen, wo Rais steckt'', meinte er nach einen Moment und erhob sich langsam. Dabei reichte er Eric die Hand, um ihm aufzuhelfen.

 

Er musste sich gerade stark beherrschen, Eric nicht einfach so zu küssen. Die Situation war so schön und es stimmte alles. Dennoch wusste er genau, dass sein Freund noch Zeit brauchte und wollte ihm diese lassen.

 

Noch einmal schaute er in Erics schöne Augen, bevor er die Räumlichkeiten verließ und auf den Flur hinaustrat.

 

''Rais?...'', rief er, wie immer, wenn er den Vampir sehen wollte.

 

Doch nichts geschah.

 

''Rais!'', kam es etwas lauter und erneut erschien dieser nicht, ''RAIS... VERDAMMT...Wo steckst du?''

 

Armin war jetzt ziemlich laut, so dass man ihn durchaus durchs halbe Gebäude hören konnte und ein Vampir würde ihn gewiss durchs ganze vernehmen.

 

Noch bevor ich Lance eine Antwort geben konnte, hörte ich Armin da draußen herumschreien. Nur wollte ich meinen Freund nicht nochmal ohne Antwort so stehen lassen.

 

''Ich gehe mit dir wohin du willst und warte geduldig, bis du soweit bist'', sprach ich leise, wenn auch die Traurigkeit mit von der Partie war.

 

Das war es also, was in mir vor sich ging. Lance hatte unbekannte Gefühle in mir hervorgerufen und dabei wusste ich nicht mal in wieweit ich in so etwas als Mensch Erfahrungen gemacht hatte.

 

Kurz schaute ich Lance an, bevor ich meine Zimmertür öffnete und Armin mich ansah.

 

''Samir... Hast du Rais gesehen? Normalerweise kommt er, sobald ich ihn rufe...'', hörte ich ihn besorgt sagen.

 

''Er... Er war eben noch hier und... Ich wollte ihn nicht hier haben, deshalb hat Lance ihn weggeschickt'', sprach ich kleinlaut.

 

''Hmm... RAIS?'', hörte ich Armin erneut rufen.

 

Erneut geschah nichts...

 

*-*-*

 

Die helfende Hand, meines Freundes, nahm ich dankend an und erhob mich ebenfalls. Mich freute es, dass er zumindest über mein Angebot nachdenken wollte.

 

Er wäre so zumindest in Sicherheit und nach den Vampiren schauen könnte er so auch allemal.

 

Wow, was für tolle Augen mein Freund hatte... das war mir vorher nie so aufgefallen... und dann dieses Lächeln dazu... au man, so würde ich ihm wohl kaum lange widerstehen können.

 

Nickend stimmte ich Armin zu, als er meinte jetzt nach Rais zu suchen und folgte ihm langsam. Allerdings erschrak ich mich schon etwas, als er anfing laut zu werden und hielt mir, wie automatisch, die Ohren zu.

 

Aber dieser Vampir erschien nicht und so folgte ich meinem Freund weiter, bis wir ein Zimmer erreichten, das offensichtlich Samirs Zimmer war, da dieser eben die Tür öffnete.

 

Ich schaute zu Lance, der neben Samir stand und irgendwie was damit zu tun hatte, dass Rais nicht auffindbar war, oder eben nicht erschien.

 

Ich lauschte dem Gespräch, spürte auch Armins Sorge, hörte wie er abermals nach Rais rief, der aber auch weiterhin wie verschollen zu sein schien.

 

"Lance... weißt du etwas... weißt du wo sich Rais aufhält?"

 

"Ach ja.... Eric...", hörte ich Lance langgezogen sagen: "...jetzt braucht ihr wohl meine Hilfe was... aber, erst lässt du mich fallen... ich werde euch nur jetzt und ein einziges Mal helfen, indem ich euch einen Rat gebe... verschwindet von hier. Rais hat sich mit den anderen zusammen getan. Sie werden euch töten, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen.

 

Also... geht, wenn euch euer Leben lieb ist. Ich werde jetzt mit Samir ebenfalls von hier verschwinden und in mein altes Schloss zurückkehren, das ich all die Jahre über sorgfältig gepflegt habe, wenn du nicht da warst."

 

Ungläubig schaute ich Lance an, der sich nun doch sehr verändert hatte... zumindest was sein Wesen und seine Einstellung anging.

 

"Ja, du brauchst mich nicht so anzuschauen... ich habe keine Angst mehr vor dir und deinem ...Kreuz... auch dagegen bin ich inzwischen immun. Es kann mir nichts mehr anhaben."

 

"Aber du hast doch... du... ich...", stammelte ich leicht erschrocken.

 

"Ich habe gar nichts... ich habe nur so getan, als ob... oder glaubst du wirklich, dass so ein mächtiger Vampir, wie ich, sich von einem geweihten Kreuz bändigen lässt. Herrje, wie naiv bist du eigentlich?!"

 

Ob der Worte von Lance wich ich entsetzt zurück, schüttelte den Kopf... konnte es nicht fassen.

 

Ein böses Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen, als er mir in die Augen schaute und weitersprach:

 

"Keine Angst, ich tue dir und deinem Freund schon nichts, aber seid auf der Hut, wenn ihr mir noch einmal unter die Finger kommt, kann ich für nichts mehr garantieren und nun geht... verschwindet, denn allzu lange werde ich die Anderen nicht mehr aufhalten können.", dabei wirkte er so ruhig und doch so bedrohlich.

 

"Armin, komm... gehen wir... ich will hier nur noch weg.", sprach ich etwas unruhig zu meinem Freund, der offensichtlich noch immer mit Rais sprechen wollte.

 

Dann hörte ich Lance mit Samir reden:

 

"Komm, mein Kleiner... gehen wir." und hielt ihm seine Hand hin.

 

Lance hatte Samirs Worte vernommen und war ihm sehr dankbar dafür, dass er so verständnisvoll war. Sie würden zueinander finden, dessen war er sich sicher...

 

*-*-*

 

Was Lance da von sich gab, konnte Armin einfach nicht glauben, wollte es nicht wahrhaben. Dennoch würde er mit Eric mitgehen, weil er nicht wollte, dass dieser sich hier unwohl fühlte.

 

Ich hingegen schien im siebten Himmel zu sein und als Lance seine Hand nach mir ausstreckte, wollte ich diese nehmen. Doch es kam ein kräftiger Windhauch, der mich zusammenzucken ließ.

 

''Recht hat er, mit dem, was er sagt'', hörte ich Rais Stimme und er war direkt neben Eric erschienen.

 

Eine Gänsehaut machte sich über meinen Körper breit und als ich in die andere Richtung schaute, sah ich noch mehr Vampire.

 

''Rais?'', kam es unglaubwürdig von Armin und er schüttelte den Kopf.

 

''Also... ist es wahr? Wieso... warum ausgerechnet du? Habe ich dir nicht alles gegeben?'', fügte Armin hinzu und man merkte, wie sehr es ihm schmerzte. Mich zerriss dieses Gefühl beinahe.

 

''Nein!'', zischte dieser und packte Eric grob am Arm, ''Du hast doch nie genug bekommen! Immer wolltest du noch mehr Vampire. Hättest du mich als einzigen beherbergt, wäre alles in bester Ordnung gewesen.

 

Aber du bekamst den Hals ja nicht voll und für mich blieb keine Zeit mehr. Ich musste sehen, wo ich blieb, mit meines Gleichen.''

 

Dann ließ er Eric wieder los und schubste ihn weg.

 

''Und jetzt dieser Mensch. Wie lachhaft! Er liebt Lance, Lance liebt ihn und Samir liebt Lance und du liebst Eric. Ihr seid doch alle verrückt. Wir sind nicht wie ihr und wollen keine Almosen, sondern wieder Menschen töten'', fauchte Rais.

 

''Keiner zwingt euch zu bleiben'', kam es ruhig von Armin und er nahm Erics Hand.

 

''Vielleicht irrst du dich ja mit dem, was du vermutest'', fügte er hinzu und schaute zu uns rüber.

 

Wie auf Stichwort reagierte ich und flüchtete mich in Lance Arme. Meine Worte von eben hallten in meinem Kopf nach: Ich gehe mit dir wohin du willst!

 

Rais schien gerade nicht klar denken zu können und wunderte sich sehr.

 

''Ach, macht doch, was ihr wollt. Aber glaub nicht, dass wir uns einem Vampir wie Lance beugen'', kam es nun zornig von Rais und er fletschte die Zähne.

 

''Das müsst ihr auch nicht'', meinte Armin und rief nach vier weiteren Vampiren, die nach und nach erschienen.

 

''Ich habe dir vertraut, Rais. Aber ich wusste, dass hier etwas läuft. Das hier sind neutrale Vampire, die sich aus allem herausgehalten haben. Durch beobachten, weiß ich dieses'', erklärte Armin.

 

''Hoffentlich hast du einen Grund mich zu wecken'', brummte einer von ihnen, der scheinbar schon geschlafen hatte und mürrisch dreinblickte.

 

*-*-*

 

Während ich die Szene nunmehr ängstlich beobachtete und spürte, dass Armin meine Hand nahm, nachdem Rais mich losgelassen und von sich gestoßen hatte, lachte Lance dämonisch auf... etwas, das ich so von ihm nicht kannte.

 

Samir hatte sich in Lance Arme geflüchtet, der ihn dann in seine Arme nahm.

 

"Wie man sich doch irren kann... ich liebe Eric nicht... ich habe ihn eigentlich nie geliebt... wollte immer nur sein Blut, das er mir ja freiwillig gab... aber wie sagt man doch so schön... irren ist vampirisch... oder doch menschlich. Ich hatte ohnehin vor zu gehen und Samir werde ich mit mir nehmen.

 

Tze... wie kann man sich als Vampir nur so erniedrigen... wie du, sich zu Eifersucht hinreißen lassen... wie verabscheuungswürdig! Mit Vampiren, wie euch, würde ich mich niemals abgeben... in einer Million Jahre nicht.", sprach Lance und verbarg seine wirklichen Gefühle perfekt, so dass nicht einmal mehr ich spüren konnte was er dachte und wie er sich gerade fühlte.

 

Mir fiel bei seinen Worten allerdings nun nichts mehr ein und ich wollte nur noch weg von hier, als Armin diese anderen Vampire rief, die dann auch schon erschienen.

 

Das alles schaute ich mir mit gemischten Gefühlen an, hörte was gesprochen wurde und wollte nur noch weg von hier. Lance Worte und sein Verhalten... Rais Worte und Taten... nein, das alles war zu viel für mich... konnte das alles nicht glauben.

 

Tränen rannen über meine Wangen... glaubte mich im falschen Film...

 

Lance lachte noch einmal auf, dann verschwand er, mit Samir... um wohl in seinem Schloss wieder zu erscheinen... was ja logisch wäre... hatte er es doch gesagt.

 

Ich krallte mich währenddessen an Armins Hand fest... als bräuchte ich jetzt dringend Halt...

 

*-*-*

 

Eigentlich hatte Armin gehofft, Lance würde ihnen beistehen. Doch er schien sehr verletzt zu sein. Auch Armin drückte Erics Hand und wollte am Liebsten alle dem entfliehen.

 

Leider sah er jetzt keinen Ausweg, denn sie waren mitten drin.

 

Der Vampir, der eben noch gebrummt hatte, schien jetzt die Lage zu realisieren und gerade, als Rais sich auf Armin und Eric stürzen wollte, hörte man einen Schuss und Rais ging zu Boden.

 

Noch Eric an der Hand haltend, ging Armin auf die Knie, drehte Rais sacht um.

 

''Bastard'', zischte Rais, ''Wir hätten ihn erst ausschalten sollen.''

 

Dann verschwand er. Allerdings war er nicht tot, denn sein Herz war knapp verfehlt worden und er würde sich hier wohl nicht mehr blicken lassen. Auch die anderen Vampire, die sich gegen Armin auflehnen wollten, verließen das Schloss.

 

Armins Blick richtete sich in die Richtung, aus der, der Schuss kam. Da stand James mit einem Gewehr in einen Morgenmantel gehüllt und in Pantoffeln.

 

''Man gut, dass ich mir noch einen Umtrunk genehmigen wollte'', meinte er trocken.

 

''Danke'', brach es aus Armin heraus, ''Danke euch allen.''

 

''Du machst alles richtig, Armin. Lass dir von so einem Rotzbengel nicht die Laune verderben. Vampire sind Meister in der Täuschung...'', sprach einer der Vampire und dann verschwanden auch sie, um sich wieder zur Ruhe zu legen, da der Tag anbrach.

 

''Ich will hier nur noch weg'', heulte Armin ziemlich fertig los, ''James... bitte begleite uns... Die Vampire kommen vorerst klar.''

 

''Wenn sie es wünschen. Sie sehen, ich komme auch klar. Besser, als sie, scheinbar'', antwortete der Buttler.

 

''Erschreckend, aber wahr'', konnte Armin nur noch erwidern.

 

Endlich waren wir dem entkommen und ich tauchte mit Lance in seinem Schloss auf. Er konnte mir nichts vormachen, auch wenn er seine Gefühle noch so gut versteckt hatte. Jetzt kam ich schon sehr viel besser mit seinem Wesen klar und es machte mir keine Angst mehr.

 

''Ist es okay, wenn ich dich tröste und deine Wunden lecke. Lass mich dich dazu bringen, ihn voll und ganz zu vergessen'', sprach ich zu Lance, obwohl ich genau wusste, dass das unmöglich war.

 

Der Gedanke, dass Lance nur noch an mich denken würde, reizte mich sehr.

 

*-*-*

 

Bei den ganzen Ereignissen, die hier gerade geschahen, war ich wirklich froh, dass Armin meine Hand ebenfalls fest hielt, sonst hätte ich womöglich Reißaus genommen. Die ganze Sache nahm mich sehr mit und als dann auch noch ein Schuss fiel, gerade als sich die Lage für uns zu verschlimmern schien. Rais ging zu Boden und verschwand... ebenso die anderen Vampire.

 

Gedanklich dankte auch ich dem Butler, der mir gerade wie ein Engel vorkam und uns rettete.

 

"Ich will auch nur noch hier weg... bitte... ich kann nicht mehr", stammelte ich leise vor mich hin... Armin festhaltend... ihn ein wenig stützend... denn auch er schien ziemlich fertig zu sein. Meine Nerven flatterten und ich wusste nicht, ob ich jemals wieder etwas mit Vampiren zu tun haben wollte.

 

*~*

 

Zufrieden stellte Lance fest, dass er nichts von seiner Macht verloren hatte und mit Samir in seinem Schloss gelandet war. Sacht ließ er Samir los und musste dann auch schon spüren und hören, was der kleine Vampir fühlte und gleich darauf sagte.

 

"Mich trösten... warum? Ich habe keine Wunden... die... geleckt werden müssten. Außerdem habe ich Eric schon längst vergessen... wie ich schon sagte... ich habe ihn eh nie geliebt... nur sein Blut eben", erwiderte Lance, mit seiner angenehm sanften, ruhigen Stimme, und wunderte sich schon, warum der Kleine so ganz genau wusste, wie es ihm ging, dass er sehr verletzt war.

 

Ließen seine Kräfte etwa doch schon nach?

 

Doch wandte er sein Gesicht nun doch ab, wollte sich seiner Tränen erwehren... umsonst... jetzt liefen sie ihm einfach so übers Gesicht... er konnte es nicht mehr kontrollieren...

 

….Lance litt... nun doch noch etwas... wollte aber nicht, dass sich der Kleine Sorgen machen musste.

 

*-*-*

 

Armin nickte und richtete sich auf, Erics Hand immer noch haltend.

 

''Gut, James. Meine Handynummer hast du, sollte etwas sein'', sprach er, versucht ruhig zu klingen, aber seine Stimme bebte.

 

''Komm'', meinte er zu Eric und verließ fluchtartig mit ihm das Gebäude.

 

Mitnehmen wollte er erst mal nichts, er würde sich auch so helfen können erst mal. Nur weg hier und in Sicherheit wollte er sein.

 

In Lance Schloss hingegen, kuschelte ich mich an Lance.

 

''Ist schon gut. Du brauchst es nicht zugeben. Ich verstehe dich und du hättest sicherlich jeden täuschen können. Aber ich weiß, dass es nicht so ist'', meinte ich, ließ Lance dann aber doch wieder los.

 

Er wollte nicht weinen und das respektierte ich, auch dass er nicht drüber reden wollte. Wenn es an der Zeit wäre, würde er das Wort schon erheben.

 

''Es ist voll schön hier. Darf ich mich umsehen? Zeigst du mir alles?'', kam es dann aufgeregt und ablenkend von mir.

 

''Leben wir ab jetzt hier? Dann musst du mir aber zeigen wie man jagd, fürchte ich. Denn mein Schöpfer hat mich erschaffen und zurückgelassen. Keine Ahnung wer er war und wie stark er war'', plapperte ich weiter und machte mir nun doch Gedanken, ob ich für einen so großartigen Vampir nicht nur eine Last sein würde.

 

*-*-*

 

Verdammt, dieser kleine Vampir schien genau zu wissen, was mit Lance los war und er war spitze darin ihn ablenken zu wollen.

 

Lance ließ sich drauf ein und lächelte den Kleinen an.

 

"Es freut mich, dass es dir hier so gut gefällt und ja, wir leben ab jetzt hier... wenn es okay für dich ist. Natürlich werde ich dir alles zeigen, was du wissen musst und auch hier werde ich dir gern alles zeigen... mein Kleiner", erwiderte Lance und zog Samir zu sich heran: "Komm, mal her:", fügte er hinzu und nahm Samir dann sanft und zärtlich in die Arme, drückte ihn lieb an sich und legte seinen Kopf nur ganz leicht auf den von Samir, streichelte dessen Haare, währenddessen.

 

"Es wird für mich erst mal nicht ganz einfach werden, aber... zusammen haben wir beide eine Chance.... du hast zumindest eine Chance verdient. Und ich denke, mit der Zeit... werde ich sicher lernen... dich zu lieben. Du hast immerhin alles Glück der Welt verdient... mein Kleiner", flüsterte Lance dem jungen Vampir zu.

 

*~*

 

Wie froh war ich, als wir endlich das Gebäude verließen... wenn auch fluchtartig... aber auch ich hatte mich noch von James verabschiedet... wie es sich eben gehörte.

 

Draußen angekommen, lief ich, mit Armin schnell zu meinem Wagen, schloss die Türen auf und ließ erst Armin einsteigen, um mich anschließend auf den Fahrersitz zu setzen und erst mal tief Luft zu holen.

 

"Das war knapp....", gab ich von mir, bevor ich den Motor startete, aufs Gaspedal trat und mit meinem Freund davon raste... einfach nur noch Heim wollte.

 

*-*-*

 

Leise brummte ich, als Lance mich so hielt. Alles fühlte sich an, wie in einem Traum und ich konnte nur breit Grinsen. Auch wenn mich Lance Herzschmerz ebenfalls traurig machte.

 

Ich war bereit für ein Leben mit ihm und wollte alles von ihm lernen. Es freute mich sehr, dass er versuchen wollte, mich zu lieben.

 

Liebevoll schmiegte ich mich an ihn und genoss es in vollen Zügen. Auch wie er meine Haare streichelte fühlte sich toll an.

 

In Erics Wagen angekommen, atmete Armin ebenfalls tief durch und war froh, als dieser den Wagen startete.

 

''Die ganze Zeit über wusste ich, dass sie etwas im Schilde führen und habe dich damit in Gefahr gebracht. Das verzeihe ich mir nie'', sprach er schuldbewusst und lehnte seinen Kopf in die eine Hand.

 

*-*-*

 

Das Schweigen und die Ruhe taten Lance gut, auch dass sich Samir so sanft an ihn lehnte tat ihm gut und er genoss es schon irgendwie.

 

Er mochte den Kleinen, der so ein sonniges Gemüt zu haben schien und ihm in so kurzer Zeit so sehr ans Herz gewachsen war... ihm so wichtig geworden war... herrje...

 

Ein wenig später löste sich Lance sacht von Samir, lächelte ihn an und fragte ihn:

 

"Was hältst du davon, wenn ich dir hier erst mal alles zeige und wir anschließend jagen gehen, hm?", dabei strich er noch einmal liebevoll über Samirs Haare und dessen rechte Wange.

 

*~*

 

Während der Fahrt zu mir nach Hause, hörte ich Armins Worte und es tat mir leid, dass er sich jetzt solche Vorwürfe machte.

 

"Armin...", antwortete ich deswegen: "...bitte, du hast mich in gar nichts hineingezogen. Ich habe mich an dich gewandt ...außerdem wollte ich unsere Freundschaft wieder aufleben lassen, weil du mir gefehlt hast... weil ich dich vermisst habe. Es gibt nichts, das du dir verzeihen müsstest."

 

Natürlich konnte ich meinen Freund nun nicht direkt anschauen, da ich mich auf den Verkehr konzentrieren musste, doch hoffte ich, dass er verstanden hätte, was ich ihm zu sagen versuchte.

 

Eine halbe Stunde später hatten wir mein Anwesen erreicht und ich parkte meinen Wagen in der Garage. Nachdem ich ausgestiegen war, ließ ich auch Armin aussteigen und lotste ihn ins Haus hinein.

 

"Ich mach uns erst mal einen Tee, okay. Dann können wir uns etwas erholen, von den ganzen Ereignissen. Oder möchtest du was anderes...", schlug ich Armin vor.

 

*-*-*

 

Ich schloss kurz die Augen, als Lance meine Wange berührte und nickte dann zustimmend.

 

''Das hört sich gut an'', versicherte ich ihm, da sich mein Blutdurst sowieso langsam meldete.

 

Das einzige Problem bei dem Ganzen war wohl, dass es bereits Tag war und ich bisher die Sonne gemieden hatte. Normalerweise war die Sonne ja auch Gift für Vampire, nur Lance konnte eben bereits ihrer trotzen und ich bewunderte ihn dafür.

 

Während der Autofahrt zwischen Eric und Armin, hatte Armin seinen Freund ruhig zugehört, bevor er antwortete: ''Verzeih, es war alles etwas viel.''

 

Dann schwieg er, bis sie angekommen waren. Eric hatte es schön und Armin fühlte sich gleich sicher und geborgen.

 

Als er dessen Worte hörte, merkte er erst, wie sehr er sich nach Ruhe sehnte. Langsam ging er auf seinen Freund zu, umarmte diesen, lehnte seinen Kopf an den seinen und meinte:

 

''Ein Bisschen hiervon wäre noch toll. Mehr brauche ich nicht.''

 

Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, bevor er Eric wieder losließ, damit dieser den Tee zubereiten konnte.

 

''Kann ich dir helfen?'', fragte er hilfsbereit und folgte seinen Freund in die Küche.

 

Hier hatte Eric also mit Lance gelebt und hier sollte jetzt er mit ihm leben. Ein komisches Gefühl war das und dennoch genau das, wonach sich Armin sehnte, nach Eric.

 

*-*-*

 

"Okay, dann machen wir das so. Aber bevor wir raus gehen, um zu jagen, solltest du vielleicht mein Blut trinken, dann bist du ebenfalls vor der Sonne geschützt, die dir dann nichts mehr anhaben kann. Sieh es als Geschenk von mir an dich an", sprach Lance zu dem jungen Vampir.

 

Liebevoll, aber auch ein wenig herausfordernd, schaute Lance Samir an... abwartend ob der Kleine sein Angebot annehmen würde.

 

Um Samir ein wenig zu provozieren und ihm zu zeigen, dass es ihm sehr ernst war, strich er seine langen Haare beiseite, legte somit seinen Hals frei und neigte seinen Kopf etwas zur Seite.

 

*~*

 

Ich hatte meinen Freund verstanden, denn auch mir war alles zu viel geworden... die ganze Sache nahm mich wirklich sehr mit. Doch hoffte ich jetzt auf eine bessere ...schönere Zukunft mit meinem Freund... mit Armin... als Freund oder auch... nun ja... als... Geliebten. Das würde wohl die Zeit zeigen... was aus uns werden und ob wir zusammen kommen würden.

 

Gerade wollte ich mich die Küche begeben, um den Tee zuzubereiten, als Armin auf mich zu kam und mich umarmte. Seine Worte... ließen mich innerlich grinsen, aber ich gewährte ihm die Umarmung... erwiderte diese sogar.

 

"Ja, das hier fühlt sich gut an.", flüsterte ich ihm ins Ohr, bevor er mich los ließ und ich mich, mit den Worten: "Nein, du brauchst mir nicht zu helfen, das schaffe ich schon. Warte bitte einfach hier und mach es dir gemütlich, wenn du magst. Fühl dich wie zuhause", dann doch auf den Weg in die Küche machte.

 

Jedoch war mir Armin dann doch in die Küche gefolgt, wo ich mich sogleich an die Arbeit machte und uns einen Tee zubereitete.

 

*-*-*

 

Ich musste hart schlucken und glaubte erst an einen Scherz von Lance. Doch als er seinen Hals freilegte, merkte ich, wie ernst es ihm war.

 

So wäre alles einfacher und wir müssten uns um die Sonne keine Gedanken mehr machen.

 

Langsam ging ich auf ihn zu und stellte mich auf Zehenspitzen, meine Hände legten sich auf Lance Schulter, um ihn an mich heran und ein wenig hinunter zu ziehen.

 

Nervosität machte sich bei mir breit, da ich so was noch nie gemacht hatte. Ein paar Tage nach meiner Auferstehung war ich umhergeirrt, bevor mich Armins Leute geschnappt hatten und dort gab es Blut in Gläsern.

 

Wie von selbst kamen meine Fangzähne zum Vorschein und ich zuckte leicht zurück. Erschrocken vor mir selbst und faszieniert. Mit den Fingern und anschließend mit der Zunge ertastete ich meine Zähne und stellte fest, wie spitz sie waren.

 

Erneut nahm ich Anlauf und setzte sie an Lance Hals an. Zitterte ich etwa dabei? Zaghaft bohrte ich sie in seinen Hals und leckte das Blut mit der Zunge auf, das aus den Löchern kam. Ich wusste nicht, ob ich sie weit genug hineingebohrt hatte oder ob ich eher saugen sollte.

 

Meine Hände waren ganz feucht und zitterten leicht. Immerhin wollte ich Lance keinen Schaden zufügen. Dennoch schmeckte das Blut viel besser, als das bei Armin und ich spürte ungeahnte Kräfte in mir hochsteigen mit jeden neuen Tropfen, den ich zu mir nahm.

 

Währenddessen beobachtete Armin in aller Ruhe, wie Eric für sie Tee bereitete. Als der fertig war, ging er zurück ins Wohnzimmer, wo er sich auf die Couch setzte und sich zurücklehnte. Für einen Moment lehnte er seinen Kopf an und schloss die Augen.

 

*-*-*

 

Zufrieden lächelte Lance, denn er hatte gewusst, dass sich der Kleine ganz sicher provozieren lassen würde... nun es hatte ja wohl ganz gut funktioniert.

 

Genießend schloss er die Augen, als er Samirs Zähne in seinem Hals spürte... spürte, wie das Blut seinen Körper verließ und er seinen Freund währenddessen in den Armen hielt.

 

Noch ein wenig ließ Lance Samir von sich trinken, erst nach einer Weile löste sich Lance von Samir und fühlte, wie viel stärker der Kleine wurde. Aber würde er denn auch mit seinen neuen Kräften umzugehen wissen?

 

Die Wunde an seinem Hals schloss sich sogleich wieder. Da Lance so stark und sehr mächtig war, konnte ihm nicht viel passieren und er fühlte sich gut, trotzdem er Samir hatte von sich trinken lassen.

 

"Und... war doch gar nicht so schlimm, hm. Wie fühlst du dich, mein Kleiner?", sprach Lance seinen Freund an.

 

*~*

 

Der Tee war fertig und ich stellte alles auf ein Tablett... Zucker, zwei Tassen, Löffel, auch ein paar Kekse und die Kanne.

 

Mit alledem ging ich zurück ins Wohnzimmer, wo ich auch schon auf Armin traf, der sich entspannt zurückgelehnt hatte. Ruhig verhielt ich mich, da ich ihn auf keinen Fall stören wollte, und stellte leise das Tablett und alles andere auf den Tisch.

 

Erst dann setzte ich mich zu ihm auf die Couch, sah meinen Freund an, legte meinen Arm um ihn und zog ihn sanft an mich heran, lehnte seinen Kopf an meine Schulter und streichelte ihn.

 

Der arme Kerl, er musste doch total fertig sein... verraten hatten sie ihn, und das obgleich er nur hatte helfen wollen.

 

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Durch und durch ging mir Lance Blut. Als er mich dann von ihm löste, schaute ich zu, wie schnell sich seine Wunde schloss.

 

''Es war fantastisch!'', gab ich von mir und leckte mir über die Lippen, ''Ich fühle mich viel stärker, aber noch unsicher.''

 

Mit einem Mal schien alles so klar zu sein und ich hörte Dinge, ich ich vorher nicht vernahm. Auch sah alles ganz anders aus, wirkte anders auf mich. Langsam ging ich zu einem Fenster und schob die Vorhänge beiseite. Schließlich wollte ich es testen. Noch mit etwas Angst und zögernd streckte ich meine Hand in die Sonne.

 

Es war warm und angenehm, brannte aber nicht und die Sonne hinterließ auch keine Narben.

 

Voller Freude lächelte ich Lance an.

 

Währenddessen genoss Armin es von Eric gehalten zu werden. Sein Herz schien zu rasen und er hielt sich an seinen Freund fest, als müsste dieser ihn vor dem Ertrinken retten.

 

Er gab ihm den Halt, den er jetzt am Meisten brauchte.

 

Noch eine Weile ließ er seine Augen geschlossen, bevor er seinen Freund anschaute. Für ihn könnte die Zeit stillstehen, denn er brauchte nichts anderes mehr.

 

''Warum ist mir das alles nicht vorher bewusst geworden. Wir hätten uns soviel erspart. Alles was geschehen ist, tut mir so unsagbar leid und ich möchte die Vergangenheit vergessen'', sprach er und streichelte sanft über Erics Wange.

 

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Ohne noch etwas zu erwidern schaute Lance Samir zu, wie er sich freute... hörte diese Worte der Freude auch aus dessen Mund... ja, Samir schien wirklich begeistert zu sein.

 

Da hatte Lance wohl doch mal etwas Gutes getan.

 

Dass Samir seine neue Fähigkeit sogleich am Fenster ausprobieren musste, hatte Lance gewusst, war es ihm doch einst auch nicht so sehr viel anders ergangen.

 

Ein liebevolles Lächeln legte sich auf seine Lippen... und mit einem Mal konnte er sich nun doch vorstellen, mit Samir eine Beziehung einzugehen und ihn zu lieben.

 

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"Schhh... alles gut, du musst dir keine Vorwürfe machen. Nun ist ja alles gut", flüsterte ich meinem Freund zu, ließ ihn aber nicht los.

 

Schön fühlte es sich an, wie Armin meine Wange streichelte... so liebevoll und sanft... dass ich die Augen genießend schloss.

 

Würde nun endlich alles gut werden? Würde es für uns nun endlich eine neue... schönere Zukunft geben...?

 

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Ja, das würde es.

 

Denn Armin und Eric blieben bei Eric wohnen und leiteten gemeinsam die Psychatrie von dort aus. James unterstütze sie so lange er lebte dabei.

 

Die Beiden fanden letzten Ende zueinander und liebten sich mehr als Eric und Lance es je getan hatten. Sie wurden glücklich miteinander und sahen die Beiden Vampire vorerst nicht wieder. Sicher verschwendeten sie mal einen Gedanken an die Zwei, das war es aber auch schon.

 

In der Psychatrie blieb es nach diesem Vorfall ruhig und es gab keinen Übergriff mehr.

 

Lance und Samir wurden ebenfalls ein Liebespaar und sie fanden schell zueinander. Auch lernte Samir schnell so gut und stark zu werden sie Lance. Sie löschten gemeinsam viele Menschen aus, schufen aber keine weiteren Vampire.

 

Eine innige Liebe zwischen ihnen ließ sie glücklich werden und ihr leben so leben, wie sie es wollten, ohne Grenzen.

 

Nachdem Armin in den Ruhestand getreten war, wurde die Psychatrie geschlossen und die Vampire gingen ihre Wege. Eric und Armin hatten sich ein Häuschen gekauft und genossen den Ruhestand, bis ihre Zeit gekommen war.

 

An jenem Abend sahen sie ihre ehemaligen Freude ein letztes Mal wieder. Es war ein schöner Abend mit einem blutroten Sonnenuntergang, wo Armin und Eric gemeinsam alt geworden, auf der Terrasse ihres Haues saßen.

 

''Ich wusste, dass du kommen würdest', waren Erics Worte an Lance.

 

Eric und Armin waren froh, dass sie gemeinsam die Welt verlassen durften und nicht ohne einander sein brauchten.

 

~ENDE~