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6. Türchen

6. Türchen / Nikolaus / 2. Advent

 

Seit diesem gewaltigen Sprung ins kalte Wasser, bei dem sich unser ganzes Leben von heute auf morgen spontan geändert hatte, war nunmehr schon eine Woche vergangen. Meine Mutter hatte es wahr gemacht und blieb in der Villa in Spanien, während ich mich, in der Zwischenzeit, mit der Firma beschäftigte und dort eingearbeitet wurde.

 

Es war schon ein sehr seltsames Gefühl vom Lehrling, in einer Autowerkstatt, die Leiter hoch zu fallen... und nun... der Chef einer Modefirma zu sein.

 

Ich musste mich natürlich erst an das alles hier gewöhnen und es war mit Sicherheit nicht einfach. Das fremde Land, die fremden Leute... irgendwie keine Freunde und somit sehr einsam.

 

Mit Celine hatte ich inzwischen telefoniert und ihr alles erklärt, doch sie meinte, dass sie vorerst dort bleiben würde und ihre Ausbildung abschließen wollte. Nun gut, ich verstand es und war natürlich einverstanden, doch ahnte ich, dass eine sogenannte Fernbeziehung, die es ja nun werden würde, auf Dauer nicht gut gehen konnte... oder... vielleicht doch...? Das würde sich bestimmt, im Laufe der Zeit, herausstellen.

 

Nun war ich allein... ganz auf mich gestellt... und doch, kam ich irgendwie klar. Sicher, mir fehlten meine Mutter, Celine... und... irgendwie auch Felix, obgleich ich das alles noch immer nicht so wirklich verwunden hatte, was zwischen ihm und meiner Mutter abgegangen war... diese Heimlichkeit und... nicht zu vergessen, das Wissen um seine Gefühle zu mir... etwas, das ich auch nicht so einfach vergessen konnte.

 

Einigermaßen hatte ich mich hier schon eingelebt, meiner Mutter hatte ich ihre Sachen und etwas Geld bringen lassen, so dass sie erst mal zurecht kommen würde.

 

Momentan saß ich zuhause in meinem Wohnzimmer und schob sozusagen eine ruhige Kugel. In meinem Wohnzimmer saß ich, brütete über den Unterlagen, die man mir, in der Firma gegeben hatte und die ich durchgehen musste.

 

Inzwischen hatte sich leider heraus gestellt, dass die Firma Bambrosi Mode... also die Firma der Eltern meines besten Freundes, in Konkurrenz zu Farini Fashion, der Firma meines Onkels... sprich, meiner Firma... stand.

 

Tja, was nun? Ich kannte natürlich auch Felix′ Eltern, die eigentlich ganz nett waren, doch wenn ihre Firma zu meiner nun-Firma in Konkurrenz stand, dann würde ich auch mit allen Mitteln gegen sie arbeiten, so wie es mein Onkel offensichtlich auch getan hatte. Zudem hatte ich ganz offensichtlich ein super Team... ein sogenanntes Dream-Team, das für mich bzw. die Firma arbeitete.

 

Meiner Mutter hatte ich davon auch erzählt und sie war genau der selben Meinung wie ich... bloß nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

 

Ob das wohl unsere Freundschaft zerstören würde? Immerhin sollte Felix ja die Firma seiner Eltern irgendwann einmal übernehmen.

 

Jetzt ließ ich erst mal alles stehen und liegen und rief meinen Freund an, denn nun wollte ich mein Vorhaben in die Tat umsetzen, mich mit ihm treffen und ihm sein Geld zurückgeben.

 

So suchte ich seine Nummer aus dem Handy heraus, drückte auf die grüne Taste und hielt das Handy an mein Ohr... es klingelte...

 

*-*-*

 

Eine Woche war vergangen und in dieser Zeit war so vieles passiert. Ich war jetzt mit Manuel zusammen und hatte meine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht, nun auch bewusst und nüchtern. Allerdings waren wir bisher nicht den letzten entscheidenden Schritt gegangen, da ich mich noch sträubte.

 

Ich liebte Manuel nicht, so toll er auch war und so sehr ich mich auch anstrengte. Mein Herz wollte nicht auf mich hören und nicht den richtigen, einfachen Weg gehen. Es fühlte sich falsch an, mit Manuel zu schlafen und dabei an meinen besten Freund zu denken.

 

Die Fotos hatte ich noch zweimal machen müssen und nun war es doch ein anderes Model gewesen, was genommen worden war. Manuel hatte sich nicht dazu geäußert, aber er hatte ja auch unmissverständlich klar gemacht, was Sache war.

 

Nur konnte er sich anstrengen wie er wollte, er schaffte nicht dieses Strahlen in mein Gesicht, wie es Marc fertig brachte. Eben jenen vermisste ich sehr und seit er mit Celine zusammen war, gingen meine Aufträge den Bach runter.

 

Da ich heute wieder einmal nichts zu tun hatte und Marc auch nicht nerven wollte, wie ich es ihm versprochen hatte, so schwer es mir auch fiel, war ich zu meinen Eltern gefahren. Der Parkplatz der Firma wirkte ausgesprochen leer, worüber ich mir allerdings keine allzu großen Gedanken machte. Es waren Ferien und somit Urlaubszeit, da würde alles schon seine Gründe haben.

 

Die Sekretärin wirkte dagegen mit der Arbeit überfordert, weswegen ich auch so durch ging, in das Büro meiner Eltern. Dort traf ich allerdings nur meine Mutter an, die gerade irgendwelche Tabletten einnahm.

 

''Hallo Mama... alles okay bei dir?'', begrüßte ich sie deswegen besorgt.

 

Bei uns gab es jedoch selten eine herzliche Umarmung oder Küsse, weshalb ich vor ihrem großen Schreibtisch stehen blieb. Eine Schachtel für die Tabletten konnte ich nicht ausmachen und so glaubte ich ihr auch, als sie versicherte Kopfschmerzen zu haben.

 

''Ist Papa gar nicht da?'', wollte ich wissen und schaute mich nochmal in dem großen Raum um.

 

''Dein Vater fliegt heute ins Ausland, hast du den wichtigen Auftrag etwa schon vergessen?'', meinte sie sichtlich nervös und ich musste mir eingestehen mit meinen Problemen schon genug zu tun gehabt zu haben, als dass ich mir so etwas merken könnte.

 

Sicher, die Firma wollte auch versuchen Fuß zu fassen.

 

''Ach sicher, dass ist schon heute. Natürlich'', tat ich den Unschuldigen.

 

''Möchtest du sonst noch etwas? Ich habe nämlich noch viel zu tun'', sprach sie sichtlich erregt und ich verabschiedete mich von ihr.

 

Dabei war ihr Schreibtisch wie leergefegt und ich wusste nicht recht, was das sollte. Irgendwie fühlte ich mich immer noch einsam, obwohl ich einen Freund hatte und sonst auch einen großen Freundeskreis aufweisen konnte.

 

Marc fehlte mir, sehr sogar. Er hatte sich bisher nicht mehr gemeldet, weil er wohl viel zu tun hatte. Auch wusste ich noch immer nicht recht, was er jetzt alles geerbt hatte. Das Gefühl, was sich in meinem Magen ausbreitete, bei dem Gedanken, ihm von Manuel zu erzählen, gefiel mir gar nicht. Sicher, er würde es sicher begrüßen und hoffen endlich aus der Schusslinie zu sein.

 

Da würde ich wohl meine ganze schauspielerische Kunst spielen lassen müssen. Was blieb mir auch anderes übrig?

 

Aber das würde nicht am Telefon stattfinden, sondern hoffentlich bei einem Treffen, denn so langsam bekam ich Entzugserscheinungen und sah an jeder Hausecke Marc stehen.

 

Gerade wieder bei meinem Wagen angekommen, drehte ich mich noch einmal um. Es war viel zu menschenleer hier. Allerdings wurden meine Gedanken von meinem Handy abgelenkt und schon der Klingelton, der nur einen Anrufer ankündigte, ließ mich strahlen.

 

Trotzdem oder gerade deshalb, weil es wirklich klingelte, las ich den Namen zweimal, der dort abgebildet war.

 

Kurz schluckte ich und versuchte nicht zu euphorisch zu klingen.

 

''Hey Marc, schön, dass du anrufst. Wie geht’s dir? Wie ist das Wetter in England?'', begrüßte ich ihn, so normal, wie es mir möglich war.

 

*-*-*

 

Endlich nahm Felix das Gespräch an und meldete sich, während ich ihn ebenfalls begrüßte.

 

"Hey Felix, schön, dich zu hören.", freute ich mich irgendwie nun doch: "Mir geht’s gut, auch wenn ich zur Zeit sehr viel arbeiten und lernen muss... kaum Freizeit hab, aber ich komme damit sehr gut klar.

 

Das Wetter hier ist... wunderschön. Im Augenblick sitze ich im Wohnzimmer, meines Anwesens und hab eigentlich viel zu viel Arbeit. Jetzt wollte ich aber dich erst einmal anrufen... hab deswegen alles stehen und liegen lassen.", beantwortete ich Felix′ Frage.

 

"Und wie geht es dir so? Ist alles okay bei dir? Ach ja, was ich fragen wollte.... wann hast du denn Zeit, ich würde dich demnächst gern besuchen kommen... wenn es für dich okay ist.", bombardierte ich Felix mit meinen Fragen.

 

"Stell dir vor, Mama lebt jetzt in Spanien, in einer Villa, genau am Meer.", erzählte ich, meinem Freund begeistert.

 

Natürlich merkte ich nicht, was in ihm vorging... wusste so auch nicht, ob er Probleme hatte, doch hoffte ich schon, dass es ihm gut ging.

 

Meiner Mutter und mir ging es nun sehr gut und wir genossen unser anderes Leben in vollen Zügen. Täglich telefonierten wir und erzählten uns alles mögliche. Dennoch blieben wir weitgehend auf dem Teppich und verfielen eben nicht dem Kaufrausch, obgleich wir es uns schon hätten leisten können und die Versuchung, ab und an, sehr groß war.

 

Vieles musste ich bezahlen, die Mitarbeiter usw.... eben alles was dazu gehörte... und doch lief die Firma wie am Schnürchen... es war, für mich, wie ein wahr gewordener Traum.

 

Wir lebten einfach so weiter, wie bisher, nur eben, dass wir uns jetzt keine Sorgen mehr machen mussten.

 

Geduldig wartete ich, was Felix antworten würde...

 

*-*-*

 

Die Worte von Marc gingen mir runter wie Öl. Er freute sich auch mich zu hören. Trotzdem versuchte ich nicht zu viel da hinein zu interpretieren, denn immerhin stand alles klar. Wir waren Freunde, nicht mehr und nicht weniger, so schwer es mir auch fiel.

 

''Von zu viel Arbeit kann bei mir im Moment nicht die Rede sein. Ansonsten geht es mir ganz okay... will nicht klagen.

 

Aber ein Treffen hört sich da schon super an. Irgendwie vermisse ich es spontan zu dir rüber zufahren und mit dir zu quatschen. Wir sollten uns bald möglichst sehen. Es gibt da nämlich auch etwas, was ich nicht mit dir am Telefon besprechen möchte.

 

Außerdem muss ich doch mal allmählich wegen deines Erbes ins Bild gesetzt werden'', spielte ich alles etwas runter.

 

Mir ging es gut, jetzt wo ich seine Stimme hörte, aber das konnte ich ihm wohl unmöglich sagen. Auch nicht, wie sehr ich ihn vermisste, schon allein seinen Geruch. Marc fehlte mir sehr.

 

''Also Zeit habe ich im Moment viel. Die Aufträge lassen auf sich warten. Da richte ich mich ganz nach dir und deiner kostbaren Zeit'', fügte ich hinzu.

 

Wenn es nach mir ginge, jetzt auf der Stelle. Jedoch behielt ich auch das brav für mich.

 

''Echt, Babs in Spanien? Kann ich mir kaum vorstellen. Ich beneide dich ja schon, dass du in England bist'', hörte ich mich schwärmen.

 

''Also ist es jetzt endgültig, dass du dort bleibst und sie in Spanien? Nein, warte, sag nichts, lass uns das in Ruhe besprechen. Sag mir einfach wann ich dich vom Flughafen abholen soll? Oder passt es dir besser, wenn ich nach England komme?'', wurde ich nun doch ungeduldig.

 

Ich wollte ihn sehen und Zeit hatte ich wahrlich mehr als genug.

 

*-*-*