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Die Zeit

Zeit

 

 

by Dark Sephiroth & Detail

 

 

Die Zeit verging schnell, rannte geradezu. In den einen Moment war man noch zwanzig und im nächsten schon fünfunddreißig Jahre alt und vom Markt.

 

Nicht etwa, weil man glücklich vergeben war, sondern einfach, weil man keinen abbekommen hatte und für die Übrigen schon zu alt war.

 

Doch im Grunde hatte ich es gut. Reich geerbt von einem Onkel, war ich in Frührente gegangen und hatte mir ein großes Haus gekauft. Da ich nicht alleine sein wollte, vermietete ich die Zimmer, in der oberen Etage, als WG.

 

Die untere Etage bewohnte ich, wobei allerdings die Küche und auch das Wohnzimmer als Gemeinschaftsräume genutzt wurden. Aufgrund dessen, dass sich oben nur ein kleines Duschbad befand, nutzten die Bewohner auch das untere Bad mit.

 

Meistens wohnten hier Studenten, die froh über eine günstige Bleibe waren.

 

Außerdem setzte ich mich für die Aids-Hilfe ein und half Jugendlichen von der Straße auf den richtigen Weg. Weshalb auch schon mal jemand anderes ein Zimmer bewohnte.

 

Ich war die gute Seele des Hauses und für jeden da, hatte einfach immer ein Ohr offen für deren Probleme. Zusätzlich kümmerte ich mich um den kompletten Haushalt, die Wäsche und kochte für alle.

 

Kurz gesagt, ein Mädchen für alles.

 

*-*-*

 

Seit Stunden saß ich jetzt schon im Flugzeug von Japan nach Deutschland und hing meinen Gedanken nach.

 

Wie traurig meine Eltern und meine Schwester gewesen waren, als ich abreiste. Vor ein paar Monaten hatte ich, als Klassenbester, ein Stipendium bekommen. Natürlich hatte ich mich sehr gefreut und war, genau wie meine Familie, sehr stolz auf mich.

 

In meinem Gastland Deutschland wollte ich noch etwas besser die deutsche Sprache lernen, mich mit meinen deutschen Freunden treffen und natürlich dort auch arbeiten und die Kultur besser kennen lernen.

 

Drei Jahre würde ich in diesem Land verbringen und würde dann wieder in meine Heimat zurück fliegen. Selbstverständlich würde ich auch zwischen durch immer wieder mal nach Hause fliegen, da ich mir sicher war, dass ich schnell Heimweh bekommen und meine Familie vermissen würde.

 

Mit meinen zwanzig Jahren war ich, nach japanischem Recht, noch nicht volljährig, aber in Deutschland wäre ich das eben schon. Denn in Japan war man erst mit fünfundzwanzig Jahren volljährig.

 

Einer meiner deutschen Freunde hatte mir schon ein Zimmer besorgt und würde mich am Flughafen abholen. Ich war schon sehr aufgeregt, denn ich war ja noch nie in Deutschland und würde meinen Freund Peer zum ersten Mal sehen.

 

Nur noch eine Stunde, dann wäre es soweit.

 

Ein Bild hatten wir uns gegenseitig zugesandt, so dass wir uns erkennen konnten... was trotzdem sicher nicht einfach wäre... da Flughäfen ja allgemein sehr groß sind.

 

*-*-*

 

Es war noch früh am Morgen, als ich Aufstand. Einen Wecker brauchte ich nicht, denn meine innere Uhr weckte mich rechtzeitig.

 

Zuerst ging ich ins Bad, wo ich meine Morgentoilette erledigte. Kurz schauten mich meine dunkelbraunen Augen im Spiegel an, der Kamm kämmte über die kurzen, braunen Haare und den Bart ließ ich heute mal stehen.

 

Jeden Tag rasierte ich mich sowieso nicht.

 

Anschließend kleidete ich mich locker in T-Shirt und Jeans, nichts besonderes, wie immer eben. Meine eher normale, aber große Statur wurde so ein wenig nett umschmeichelt.

 

Dann machte ich mich daran Kaffee aufzusetzen und die Frühstücksdosen meiner Schützlinge zu füllen. Ich fühlte mich keineswegs ausgenutzt, sondern machte es gerne.

 

Es war sozusagen meine Lebensaufgabe geworden.

 

*-*-*

 

Schneller als erwartet hatte das Flugzeug das Ziel erreicht und ich verließ, mit den anderen Passagieren das Flugzeug.

 

Durch den etwas längeren Tunnel erreichte ich den riesigen Flughafen und schaute mich etwas verloren um. Irgendwen ansprechen konnte ich nicht, da ich nur wenig Deutsch verstand, geschweige denn sprechen konnte.

 

Ich hatte eben nur das Glück, dass Peer sehr gut Japanisch sprach und verstand.

 

Es dauerte eine Weile und ich irrte etwas herum, als ich auch schon ein großes Schild sah, auf dem mein Name in Schriftzeichen geschrieben stand. Das musste Peer sein.

 

Ich ging direkt auf ihn zu und wir schauten uns erst mal nur an. Dann lächelten wir und umarmten uns sacht.

 

Wir begrüßten uns natürlich in meiner Sprache und Peer verklickerte mir, was wir jetzt tun und wohin er mich bringen würde.

 

Ich war schon sehr aufgeregt... die vielen fremden Leute hier und das fremde Land... oh je... das würde schwierig werden.

 

Gemeinsam fuhren wir mit der U-Bahn und Peer erklärte und zeigte mir alles, während wir zu der "Herberge" fuhren.

 

Diese hatten wir etwa eine Stunde später erreicht und Peer holte den Schlüssel aus der Tasche und schloss die Tür auf.

 

Dann ging er mit mir, wie er mir erklärte zu dem Besitzer des Hauses und sagte etwas zu ihm, was ich kaum bis gar nicht verstand.

 

*-*-*

 

Nachdem alle Brote geschmiert waren, setzte ich mich hin und trank meinen Becher Kaffee, wobei ich in aller Ruhe eine rauchte.

 

Es war noch ruhig im Haus, als Peer mit unserem neuen Mitbewohner ankam. Natürlich freute ich mich auf das neue Gesicht.

 

Da ich Peer heute morgen noch nicht gesehen hatte, er war vor meinem Aufstehen zum Flughafen gefahren, umarmte ich ihn kurz zur Begrüßung.

 

Außerdem lächelte ich beide freundlich an.

 

''Na, hast du ihn gefunden'', scherzte ich ein wenig mit Peer.

 

Dabei wusste ich nicht einmal, ob man sich in Japan zur Begrüßung die Hand gab.

 

''Freut mich dich kennenzulernen, mein Name ist Kai'', sagte ich dann zu unserem Gast und schaute natürlich rüber zu Peer, weil dieser Übersetzen musste.

 

Dabei machte er sich richtig gut. Er war sowieso ein ganz lieber und ich freute mich, dass er endlich seinen Freund aus Japan hier hatte. So blühte er mal richtig auf.

 

*-*-*

 

Ein wenig hatte ich mich hier umgesehen, dann sprachen Kai, wie er sich mir vorgestellt und mir Peer übersetzt hatte, miteinander.

 

Ich sagte Peer dann was er Kai sagen sollte und er tat es:

 

"Ja, dank des Schildes hab ich ihn gefunden. Sein Name ist Ryu, was übersetzt Drache heißt. Er spricht noch nicht so gut Deutsch, gibt sich aber Mühe und will es hier ja lernen.", sprach Peer zu Kai, während meine Augen herum wanderten.

 

Ja, es war hier sehr viel anders, als in Japan und auch die Begrüßung war anders, aber daran würde ich mich wohl gewöhnen müssen.

 

"Ach ja,", meinte Peer noch zu Kai erklärend: "in Japan begrüßt man sich mit einer kurzen Verbeugung.... aber Ryu wird sich auch an andere Begrüßungen gewöhnen müssen... da er ja jetzt für drei Jahre hier bleibt... und dann wieder zurück muss. Vielleicht zeige ich ihm erst mal sein Zimmer, oder was meinst du?"

 

*-*-*

 

''Sicher, nur zu. Rauf mit euch. Die Anderen schlafen noch, müssten aber auch gleich wach werden'', antwortete ich Peer.

 

Mit die Anderen meinte ich Sven und Mike, die ebenfalls hier wohnten. Sie waren seit etwa einem halben Jahr ein Paar und ihre Beziehung ging rauf und runter.

 

Gestern Abend hatten sie sich etwas in die Haare bekommen und seit langem mal getrennt voneinander geschlafen. Bisher hatte ich sie zufrieden gelassen und würde nur meinen Rat beisteuern, falls sie nicht von alleine wieder zueinanderfinden.

 

Ich holte noch einen Schlüssel vom Schlüsselbrett, damit Ryu auch seinen eigenen Haustürschlüssel hatte.

 

''Du sagst ihm doch, dass er das Zimmer so umrenovieren darf, wie es ihm gefällt. Falls er etwas braucht, unterstütze ich ihn gerne. Ist ja schließlich mein Haus und ich habe auch etwas davon, wenn es hier hübsch ist'', sagte ich noch zu Peer, bevor die zwei nach oben gingen.

 

*-*-*

 

Nachdem die Beiden etwas besprochen hatten und Peer meinte, dass er mir jetzt mein Zimmer zeigen würde... mir auch den Schlüssel von Kai gab und mir noch einiges erklärte, holte ich ein kleines Geschenk heraus und übergab es an Kai, mit einer kurzen Verbeugung und einem Lächeln.

 

Peer erklärte ihm dann noch etwas dazu, da er sich ja gut auskannte.

 

"Kai, Ryu übergibt dir das Geschenk, weil es in Japan auch so üblich ist, wenn man das Haus eines anderen belagert, ihm ein Geschenk, als Dank, mitzubringen."

 

Anschließend waren wir hoch gegangen und Peer redet mit mir und erklärte mir noch einige Sachen, die wohl Kai ihn gebeten hatte mir zu sagen.

 

Das Zimmer erreicht, betraten wir es und ich schaute mich um. Herrje... es war fremd und ich würde mich tatsächlich erst daran gewöhnen müssen, aber wenn ich es dekorieren konnte, wie ich wollte... dann würde mir hier sicher vieles einfallen.

 

Ich stellte den Koffer ab und testete das Bett, wo ich mich erst mal drauf fallen ließ. Ja, es war weich... etwas zu weich vielleicht, aber es war okay so.

 

Peer redete wie ein Wasserfall mit mir und ich freute mich, dass ich hier jemanden hatte, der mit mir in meiner Muttersprache sprechen konnte.

 

*-*-*

 

Natürlich hatte ich mich freudig für das Geschenk bedankt und als die Beiden nach oben gegangen waren, öffnete ich es.

 

Wie höflich die Japaner doch waren und es freute mich, wie gut Peer sich um Ryu kümmerte.

 

Unterdessen war auch Mike wach geworden und da er ein ausgesprochener Morgenmuffel war, winkte er Peer und Ryu nur kurz zu, bevor er ins Bad unter die Dusche verschwand.

 

Von Sven war noch nichts zu hören.

 

Nach der Dusche zog Mike sich an und kam runter zu mir. Auch mir winkte er nur kurz zu und nahm sich erst mal einen Kaffee.

 

Müde und mit angezogenen Knien setzte er sich auf die Eckbank, hielt seinen Kaffee umklammert, als würde er frieren und träumte vor sich hin.

 

Mittlerweile kannte ich meine Schützlinge und liebte sie mit alle ihren Macken.

 

Auch ich gönnte mir noch einen Kaffee und rauchte erneut eine Zigarette.

 

*-*-*

 

Okay, da war noch ein Mitbewohner und Peer erklärte mir wer er war und was los war... in kurzen Zügen.

 

Ich nickte nur, doch kümmerte es mich nicht so sonderlich, denn ich kannte diese Leute noch nicht so gut und konnte mir kaum ein Urteil bilden.

 

Peer ließ mich dann erst mal allein und meinte, im Hinausgehen, dass wir nachher noch etwas Deutsch üben würde... ich willigte freudig ein, denn das wollte ich ja ohnehin. Dann schloss sich die Tür und ich begann meinen Koffer auszupacken und alles sehr ordentlich einzuräumen. Meinen Plüschdrachen, der mich auf jede Reise begleitete und mein Glücksdrache war, den ich von meiner Schwester bekommen hatte, setzte ich auf das Bett.

 

Anschließend ging ich zum Fenster schaute hinaus und fand die Gegend gar nicht mal so schlecht. Aber jetzt war ich einfach nur müde und packte mich aufs Bett, um mich etwas auszuruhen.

 

*~*

 

Peer war wieder runter und in die Küche gegangen, wo er sich einen Kaffee nahm und sich auf einen Stuhl setzte. Mike ließ er in Ruhe... kannte er ihn doch gut genug und schaute stattdessen zu Kai.

 

"Und was hältst du von Ryu?", begann Peer das Gespräch mit Kai... er war verständlicherweise neugierig...

 

*-*-*

 

''Dein Freund scheint ein sehr netter junger Mann zu sein. Was ich so auf den ersten Blick beurteilen kann. Wir werden schon dafür sorgen, dass er sich hier gut einlebt'', antwortete ich Peer.

 

Oben war jetzt wieder die Dusche zu hören, was mir sagte, dass nun auch Sven hoch war. Mike, der noch immer etwas müde zu sein schien, packte seine Brotdose ein und verabschiedete sich.

 

Viel früher als sonst verließ er das Haus, was wohl auf Grund des Streites vom Vorabend her so war.

 

Wenig später erschien unser Sunnyboy Sven in der Küche, der mit einem heute nicht ganz so strahlenden Lächeln uns einen 'Guten Morgen' wünschte.

 

*-*-*

 

Peer nickte verständig, nachdem Kai ihm seine Frage beantwortet hatte.

 

"Ja, er ist sehr nett und höflich. Japaner legen sehr viel Wert auf Höflichkeit, aber lass dich niemals von seinem Lächeln beirren. Japaner lächeln auch, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie jemanden nicht mögen, weil sie eben sehr harmoniebedürftig sind.

 

Zudem solltest du wissen, dass er in seinem Land, mit seinen zwanzig Jahren, noch nicht einmal volljährig ist. Dort ist man erst mit fünfundzwanzig Jahren volljährig.

 

Hoffentlich bekommt er nicht noch Heimweh. Na ja, mal sehen, wie wir ihn hier integrieren. Notfalls muss er eben öfter nach Japan zurückfliegen. Problem ist nur, dass Japaner auch stur wie Esel sind und er niemals zugeben wird, wenn er Heimweh hat.", erklärte Peer Kai in aller Ausführlichkeit.

 

Dann begrüßte er auch Sven, als dieser in die Küche kam und nur kurz grüßte.

 

"Guten Morgen, Sven."

 

*~*

 

In der Zwischenzeit hatte ich mich ein wenig erholt, stand wieder auf und schaute mich in meinem Zimmer um... machte Pläne, wie und was ich hier denn umgestalten würde.

 

Später verließ ich mein Zimmer, in Begleitung meines Übersetzungscomputers, schloss hinter mir die Tür und ging hinunter in die Küche, wo ich Stimmen hörte.

 

Ich nickte in die Runde und setzte mich zu Peer.

 

"Koohii o kudasai?", fragte ich Peer auf Japanisch und er schaute mich an und grinste:

 

"Wie heißt das?", forderte er mich heraus.

 

Etwas verlegen schaute ich erst in die Runde, dann schaute ich Peer an:

 

"Kann... ich... Kaffee bitte... trinken?", stammelte ich.

 

"Ja, du darfst einen Kaffee trinken. Außerdem heißt das: Darf ich bitte einen Kaffee trinken? Oder... Könnte ich bitte einen Kaffee bekommen? Alles klar?!", belehrte mich Peer und ich versuchte es mir zu merken.

 

Peer stand dann auf und erklärte mir, teils in meiner, teils in seiner Sprache:

 

"Hier steht der Kaffee und dort stehen die Tassen, da kannst du dir dann einen Kaffee nehmen. Wenn es dir aber lieber ist, kannst du auch gern vorher fragen."

 

Ich nickte verständig, klappte meinen Übersetzungscomputer auf und schrieb alles hinein. Peer stellte mir dann den Kaffee hin und ich bedankte mich mit einem: "Arigatou gozaimashita.", was Peer wieder grinsen ließ und ich mich schnell verbesserte: "Danke schön."

 

"Na, du lernst das schon noch.", machte Peer mir Mut, sprach nun aber wieder in meiner Sprache, und setzte sich dann zu mir.

 

Dann nahm ich einen Schluck Kaffee und nickte anerkennend...

 

*-*-*

 

Sven hatte sich ein Glas Saft genommen und sich ebenfalls zu uns gesetzt. Er lächelte Ryu an, streckte ihm seine Hand entgegen und sagte: ''Ich bin Sven.''

 

Dabei zwinkerte er kurz, wie er es häufig machte. Seine blonden halblangen Haare hingen ihm wie immer ein wenig ins Gesicht und verdeckten eines, seiner hellblauen Augen ein wenig. Dazu besaß er einen schlanken, aber leicht durchtrainierten, braungebrannten Körper, den er durchaus zeigen konnte.

 

Doch auch wenn er lächelte, wusste ich genau, wie angegriffen er wegen des Streites mit Mike war. Denn er war der ruhigere, empfindlichere von den Beiden und nahm sich alles schnell zu Herzen. Trotzdem sorgte er immer und überall für gute Laune, einfach durch seine Ausstrahlung.

 

Seit gut zwei Jahren wohnte er jetzt hier und studierte fleißig, weil er Arzt werden wollte.

 

Mike war hingegen mein Sorgenkind und ein richtiger Draufgänger. Ich hatte ihn vor einem Jahr von der Straße aufgelesen und er hatte schon so einiges durch gemacht.

 

Leider machte er immer noch ab und zu Ärger, obwohl er jetzt eine Abendschule besuchte, wo er seinen Abschluss nachholte und eine Ausbildung in einer Lackziererei abgefangen hatte.

 

Mit seinen rabenschwarzen Haaren und den grünen Augen, war auch er ein Blickfang. Dazu wirkte er auf den ersten Blick krank und dürr, was aber nicht der Fall war, da er viel trainierte.

 

Im Grunde waren sie extrem unterschiedlich, wie Hund und Katze, zogen sich aber dennoch magisch an.

 

In aller Ruhe hatte ich Ryu und Peer zugehört und ich fand es richtig süß, wie unser Neuling sich anstellte. Sicher würde er alles noch lernen und Peer war ein recht guter Lehrer.

 

Nachdem auch Sven seinen Saft ausgetrunken und eine Kleinigkeit gegessen hatte, verabschiedete er sich von uns, da er zur Uni musste.

 

Ich hingegen räumte den Geschirrspüler aus und wieder ein, damit ich diesen anstellen konnte. Dann ließ ich Peer und Ryu ein wenig alleine und machte mich daran, die Wäsche zu sortieren, zu waschen und die trockene Wäsche zu bügeln.

 

Es gab eben immer etwas zu tun.

 

*-*-*

 

Auch ich nickte Sven zu und erwiderte, mich auf die Sprache konzentrierend:

 

"Ich bin Ryu. Ich freue mich... dich kennen zu lernen." und lächelte.

 

Peer nickte mir zu und meinte: "Hey, das war schon sehr gut." und bekam dafür von mir auch ein Lächeln.

 

Nachdem nun Sven weg war und auch Kai seiner Arbeit nachging, widmete sich Peer mir zu und lehrte mich deutsch zu reden.

 

Für mich war es sehr schwierig und teilweise verwirrend. Immer wieder ging er mit mir die Worte und Sätze durch.

 

So langsam begriff ich und sprach ihm immer wieder alles nach.

 

Nach zwei Stunden beendeten wir die "Deutschstunde" und Peer fragte mich:

 

"Was ist, kommst du mit? Ich würde dir gern die Stadt zeigen und wie wir hier leben."

 

"Sehr gern, dankeschön, Peer."

 

"Man, jetzt hör auf, dich ständig zu bedanken.", meinte Peer und lachte: "Los komm."

 

Wir standen dann auf und verließen irgendwann das Haus, nachdem mein Freund, Kai Bescheid gesagt hatte, dass wir rausgehen würden und er mir hier alles zeigen wollte.

 

So gingen wir durch die Stadt und mein Freund zeigte mir dies und jenes, erklärte mir alles und lehrte mich weiterhin die Sprache.

 

Zwischendurch gingen wir etwas essen und trinken. Erst sehr spät, erreichten wir das Haus wieder und ich war total erledigt.

 

*-*-*

 

Als ich mit der Wäsche fertig war, machte auch ich mich startklar. Die Aids-Hilfe wartete bereits, wo ich ein paar Telefonate vom Sorgentelefon übernahm.

 

Außerdem beantwortete ich einige Mails und klönte noch ein bisschen mit meinen Kollegen.

 

Gegen Nachmittag war ich wieder zu Hause, wo ich noch eben durch saugte und wischte, bevor meine Schützlinge wieder eintrudeln würden. Hier und da, räumte ich noch die Zimmer auf und begann dann das Abendessen vorzubereiten.

 

Wir aßen grundsätzlich Abends warm und ich bereitete meistens etwas, was man auch wieder aufwärmen konnte, da ja nicht immer alle zur selben Zeit da waren und Hunger hatten.

 

Sven war der erste, der nach Hause kam und sein sonst so strahlendes Lächeln, wirkte stark aufgesetzt.

 

''Na, wie war dein Tag?'', begrüßte ich ihn.

 

Er zuckte nur mit den Schulten, drückte mich kurz zur Begrüßung und setzte sich an den Tisch. Ich holte zwei Gläser aus dem Schrank und schenkte Saft ein.

 

Das Essen musste noch ein wenig braten, weshalb ich es auf kleiner Stufe stellte und Sven anschaute.

 

''Na, komm'', sagte ich zu ihm und nahm die Gläser mit rüber in die Stube, wo wir uns auf die Couch setzten.

 

''Willst du rüber reden?'', sprach ich Sven nun direkt drauf an.

 

''Mike ist ein Idiot'', sprudelte es direkt aus ihm heraus.

 

Ich trank einen Schluck und überlegte kurz, da aber nichts weiter kam, hakte ich nach.

 

''Warum ist er ein Idiot?'', fragte ich.

 

''Er nimmt keine Rücksicht auf meine Gefühle. Immer geht es nur um ihn'', kam es dann von Sven.

 

''Verstehe. Aber du kennst Mike doch und solltest wissen, was für ein Holzkopf er ist. Du musst ihm schon sagen, wenn dir etwas missfällt. Schließlich kann er nicht in deinen Kopf reinschauen. Außerdem ist er ein absoluter Ich-Mensch'', riet ich Sven und nahm ihn in den Arm.

 

Seufzend atmete er tief aus und kuschelte sich an mich.

 

''Aber ich kann ihn doch nicht jede Kleinigkeit erklären und auf die Nase binden. Ein Bisschen muss da auch von ihm kommen'', machte sich Sven Luft.

 

''Ihr solltet nochmal in Ruhe reden, sobald ihr Beide euch beruhigt habt. So ist es jedenfalls kein Zustand. Zumal ich Angst habe, dass Mike wieder Mist baut'', sagte ich dann offen.

 

*-*-*

 

Wir hatten das Haus wieder erreicht und betraten es. Während Peer in die Küche ging, ging ich in mein Zimmer und schloss die Tür von innen.

 

Jetzt brauchte ich erst mal eine Pause, denn ich war total fertig und wollte nur noch meine Ruhe.

 

So nahm ich mir zunächst meine Pflegesachen, suchte das Bad auf, das ich abschloss, dann duschte und pflegte ich mich. Anschließend, ging ich, mit einem Badetuch bekleidet, wieder in mein Zimmer, wo ich in den Kimono schlüpfte. Es war ein sehr bequemes Kleidungsstück, das ich sehr gern trug.

 

Mit allem fertig, legte ich mich auf das Bett, deckte mich mit einer leichten Decke zu, nahm meinen Drachen in die Arme, schloss die Augen und schlief erschöpft ein.

 

*~*

 

Peer war derweil in der Küche angekommen, setzte sich und hörte nur nebenbei mit an, worüber sich Kai und Sven unterhielten, aber er hielt sich da raus, denn ihn ging es nichts an. Er mochte die Zwei zwar, doch hielt er sich aus Beziehungsdingen heraus, denn er verstand nun mal nichts davon.

 

So trank er nur einen Kaffee... Peer trank eben gern Kaffee, war schon beinahe ein Kaffeejunkie. Ohne Kaffee konnte er nicht überleben. Er brauchte den Kaffee, wie ein Vampir das Blut.

 

Peer war ohnehin sehr hellhäutig... eben einem Vampir gleich. Er musste die Sonne weitgehend meiden, da er schnell einen Sonnenbrand bekam. Seine mittellangen schwarzen Haare, die sein hübsches Gesicht sanft umschmeichelten und seine blauen Augen besser zur Geltung kommen ließen, passten perfekt zu seinem Vampiraussehen.

 

Jedoch was keiner von ihnen hier wusste war, dass Peer an einer schlimmen Krankheit litt, von der er erst vor drei Tagen erfahren hatte... Peer litt an Leukämie... Blutkrebs. Die Ärzte gaben ihm noch genau ein halbes Jahr. Denn es war leider schon im fortgeschrittenem Stadium, so dass keine Chemotherapie mehr möglich war.

 

Er ließ sich jedoch nichts anmerken, würde sich weiter um Ryu kümmern, solange es ihm möglich war und hoffte, dass er nicht im Krankenhaus sterben musste.

 

Doch er dachte nicht drüber nach, wollte noch seinen Spaß haben ...solange es eben ging.

 

*-*-*

 

Als Peer und Ryu zurückgekommen waren, gingen Sven und ich wieder in die Küche.

 

''Ich kann aber auch nichts dagegen machen, wenn Mike Mist baut'', hörte ich Sven sagen.

 

Daraufhin nickte ich und kümmerte mich kurz ums Essen.

 

''Das weiß ich doch. Nur, war er ruhiger, wo ihr glücklich zusammen wart'', sprach ich ruhig, wobei ich Sven keine Schuldgefühle eintrichtern wollte, sondern nur meine Angst erklären wollte.

 

''Wie sieht es aus, wollt ihr gleich Essen? Leistet ihr mir Gesellschaft?'', fragte ich dann die Zwei, ''Was ist mit Ryu? Möchte er mitessen?'', wollte ich dann von Peer wissen.

 

Mein Blick fiel kurz auf die Uhr und ich musste an Mike denken, der spät dran war. Hoffentlich machte mein Sorgenkind keinen Ärger.

 

*-*-*

 

Peer hörte nur weiter zu, nickte aber auf Kais Frage hin.

 

"Ja, ich hab Hunger. Aber Ryu wird müde sein, denke ich, er sah ziemlich fertig aus.", erwiderte Peer.

 

"Er wollte sich hinlegen.", fügte Peer hinzu, mischte sich aber auch weiterhin nicht in Svens Angelegenheiten ein... es ging ihn schlicht und ergreifend nichts an.

 

Dann jedoch machte er sich schon Sorgen um Ryu. Wer würde sich denn um ihn kümmern, wenn er... nun ja...? Deshalb wand er sich an Kai:

 

"Kai, ich muss mit dir reden.", Peer schluckte und sprach dann weiter: "Kai, ich... möchte, dass du dich vermehrt um Ryu kümmerst... bitte. Ich habe vor drei Tagen erfahren, dass ich Leukämie habe und die Ärzte geben mir noch ein halbes Jahr... Chemotherapie geht nicht mehr... es ist im Endstadium. Ich werde mich dann nicht mehr um Ryu kümmern können.", erzählte Peer Kai sachlich.

 

*-*-*

Vor Schreck hätte ich beinahe den Löffel fallen gelassen, mit dem ich zuvor das Essen umgerührt hatte. Ich hatte etwas geahnt, dass Peer irgendetwas bewegte, doch damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet.

 

Auch hatte ich nicht nachgebohrt, weil Peer immer erst alles mit sich selbst ausmachte.

 

Sven konnte man den Schrecken ebenfalls ansehen.

 

Einmal atmete ich tief durch und nahm Peer dann fest in den Arm. Zu viele Freunde hatte ich schon verloren und auch Peer war ein guter Freund geworden. Niemanden wünscht man so etwas.

 

Mit den Tränen kämpfend, strich ich Peer liebevoll über den Rücken.

 

''Sicher kümmere ich mich um Ryu und auch um dich werde ich mich kümmern. Wenn du noch mehr Wünsche hast, dann nenne sie bitte. Alles, was in meiner Macht steht, werde ich für dich tun'', sprach ich dann sehr traurig.

 

Gerade jetzt, wo alles so gut bei Peer lief und er so aufblühte mit Ryu. Es machte mich unsagbar traurig und dennoch versuchte ich, wie eben immer, stark zu sein.

 

Anders hingegen Sven, der doch tatsächlich losheulte, weil er damit nun gar nicht umgehen konnte.

 

*-*-*

 

Peer lehnte sich an Kai und genoss es gestreichelt zu werden.

 

Dann jedoch nickte er und sprach seinen Wunsch aus:

 

"Kai, ich... möchte bitte nicht in einem Krankenhaus sterben. Bitte... egal was ist und wie schlecht es mir irgendwann gehen wird... bring mich bitte nicht ins Krankenhaus. Ich möchte im Kreise meiner Freunde sterben und nicht an irgendwelche Maschinen angeschlossen sein."

 

Sacht löste er sich von Kai, schaute ihn noch einmal lieb an, dann ging er zu Sven, er hatte gehört, dass dieser weinte. Er setzte sich neben ihn und nahm ihn in die Arme.

 

"Schhh... ist ja gut, nicht weinen. Es tut mir leid, dass du das jetzt mitanhören musstest, wo du doch genug andere Probleme hast. Bitte, nicht traurig sein.", versuchte Peer Sven zu beruhigen und zu trösten.

 

Er wusste, dass ihm noch ein sehr schwerer Gang bevor stand... Ryu. Er würde es ihm auch sagen müssen und er wusste nicht, wie sein Freund reagieren würde.

 

Aber noch lebte er und noch war er da und freute sich des Lebens.

 

"Hey, nun macht nicht so ein Gesicht. Ich lebe noch und nun lasst uns was essen, ich sterbe gleich vor Hunger. Lasst uns Spaß haben... okay.", sprach er lachend.

 

*-*-*

 

''Diesen Wunsch kann ich dir erfüllen'', hatte ich Peer versprochen. Denn das war für mich gar kein Problem, da ich gelernter Pfleger war.

 

Dann legte sich aber ein Lächeln auf mein Gesicht, weil Peer immer nur an Andere dachte, als an sich selbst.

 

Sven ließ sich ein wenig von ihm trösten und beruhigte sich wieder.

 

''Werden wir'', sagte ich und stellte das Essen auf den Tisch, ''Und wir werden noch viele schöne Tage erleben.''

 

Auch Teller, Besteck und etwas zu Trinken stellte ich auf den Tisch.

 

''Weiß Ryu es denn schon?'', wollte ich dann wissen, als wir mit dem Essen begannen.

 

''Ich hatte die ganze Zeit geahnt, dass etwas ist. Doch mit so was, habe selbst ich nicht gerechnet'', musste ich dann loswerden.

 

Ach Peer. Mein Peer, so ein Ende hätte ich dir niemals gewünscht.

 

Gedanklich machte ich mir aber auch andere Gedanken. Wie viele Ärzte er um Rat gefragt hatte. Ob sich andere Fachleute aus größeren Städten sich das nochmal ansehen sollten.

 

Es war immer gut, mehr als einen Arzt um Rat zu fragen.

 

*-*-*

 

Auch Peer begann zu essen und trank auch was. Kais Frage beantwortete er aber auch:

 

"Nein Ryu weiß es noch nicht. Aber ich werde es ihm bald sagen.... müssen.", lächelte und sprach weiter: "Und wie viel Spaß wir noch haben werden. Ich will alles noch genießen... so lange es geht. Mach dir keine Sorgen, Kai. Ich komm ganz gut damit klar. Dass ich erst mal nichts gesagt hab... na ja, ich musste selbst damit klarkommen... und jetzt komme ich gut klar damit." und aß, mit gesundem Appetit weiter.

 

"Wow, das schmeckt echt lecker... du hast dir viel Mühe gegeben. Danke Kai.", lobte er das Essen anerkennend.

 

So war er nun mal. Lebenslustig, dachte nicht an sich und konnte trotz schlechter Nachrichten, die zudem ihn betrafen, noch scherzen und andere trösten... einfach für seine Freunde da sein.

 

"Was machen wir, nach dem essen?", wollte er dann, noch immer lächelnd, wissen.

 

*-*-*

 

''Schön, dass es dir schmeckt'', freute ich mich und schaute abermals zur Uhr.

 

Sven schaute auf sein Handy, nun auch zum tausendsten Mal.

 

''Ich befürchte wir werden schauen, wo Mike sich herumtreibt... Oder aber ihr könntet auch einen Film schauen oder ein Spiel spielen und ich suche Mike'', sagte ich, da ich Svens Reaktion schon sah.

 

Er war noch nicht soweit mit Mike zu reden.

 

Doch ich konnte Mike nicht schon wieder Dummheiten machen lassen. Sicher wusste ich schon, wo ich suchen musste, um ihn zu finden.

 

*-*-*

 

Nachdem Peer fertig war mit essen, schaute er erst Kai, dann Sven mit leuchtenden Augen an.

 

"Okay, schauen wir einen Film, ja.", bat er Sven und schaute dann wieder Kai an: "Oder soll ich dir helfen, beim suchen?"

 

Peer schien alles auf einmal machen zu wollen, war einfach nicht kleinzukriegen... wollte einfach für alle seine Freunde da sein.

 

"Wir können auch erst hier aufräumen und dann einen Film anschauen.", kam der nächste Vorschlag von ihm, wobei er schon recht hibbelig auf seinem Stuhl herum rutschte... als hätte er Hummeln in seinem Po.

 

Abwechselnd schaute er mal zu Sven und mal zu Kai... ihre Gesichter schauten traurig und besorgt drein... dann schwieg er und senkte seinen Blick.

 

Er wusste, dass es jetzt unangebracht war, dass er Spaß haben wollte... beide aufzuheitern versuchte.

 

Deshalb stand er jetzt auf, räumte seinen Teller in die Spülmaschine und versuchte sich nützlich zu machen.

 

*-*-*

 

''Es wäre gut, wenn ihr aufräumt. Das würde mir helfen und dann schaut ihr einen Film. Ich komme schon klar'', sagte ich und übergab somit Sven in Peers Obhut.

 

Dann stand ich auf, zog Schuhe und Jacke an und verließ das Haus.

 

Mit meinem Wagen fuhr ich einige Orte ab, an denen ich Mike vermutete, doch irgendwie ohne Erfolg.

 

Auch schaute ich bei der Polizei vorbei, weil ich mir einfach Sorgen machte. Ein befreundeter Polizist in meinem Alter grinste mich an, als ich reinkam.

 

''Hey, lange nicht gesehen'', begrüßte er mich.

 

''Hallo. Ja, zur Zeit sind alle brav. Hoffe ich zumindest'', sagte ich.

 

''Suchst du Jemanden?'', wollte er wissen.

 

''Mike Koch. Ist er zufällig hier?'', fragte ich.

 

''Nein, da kann ich dir nicht weiterhelfen. Soll ich die Krankenhäuser für dich anrufen?'', kam es hilfsbereit und ich stimmte dem zu.

 

Doch auch da hatten wir keinen Erfolg. Im Grunde war es gut, aber Mike war immer noch verschollen.

 

*-*-*

 

Eifrig räumten Peer und Sven alles auf. Peer wischte auch den Tisch ab und Sven schaltete dann die Spülmaschine ein.

 

Nachdem sie gemeinsam alles aufgeräumt hatten, gingen sie ins Wohnzimmer, wo sie sich einen Film aussuchten.

 

Peer jedoch wand sich an Sven und fragte ihn:

 

"Wollen wir wirklich einen Film anschauen, oder magst du lieber mit mir reden? Ich höre dir auch gern zu... vielleicht hilft es dir."

 

Sven tat ihm leid, denn auch Peer wusste, dass er es bei Mike nicht gerade leicht hatte. Wenn er könnte, würde er ihm die Sorgen abnehmen... aber so konnte er nur zuhören und versuchen für ihn da zu sein.

 

Ein wenig trat er an ihn heran und strich ihm sanft über den Rücken.

 

"Ich bin da, wenn du reden magst und mich brauchst.", flüsterte er ihm hilfsbereit zu.

 

*-*-*

 

''Danke, das ist lieb'', hatte Sven geantwortet und lächelte Peer an, ''Aber ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Mike ist eben anstrengend, aber das weißt du ja selber.

 

Schließlich wohnen wir schon eine Weile unter einem Dach.

 

Wenn er nur nicht immer so Ich-bezogen wäre...''

 

Sven wusste, dass er mit Mike reden müsste, nur war er einfach noch nicht soweit.

 

Tränen rannen über seine Wangen und er wusste sich kaum zu helfen. Wischte diese immer wieder fort, doch es kamen neue.

 

*~*

 

Ich hatte unterdessen die Polizeistation verlassen und war nochmal einige Orte abgefahren, doch von Mike fehlte jede Spur.

 

Also hielt ich an und telefonierte rum, ob ihm jemand gesehen hatte, konnte ich doch nicht ahnen, dass er schon auf den Weg nach Hause war und einfach nur länger gearbeitet hatte.

 

*-*-*

 

"Schhh... ist ja gut, ich weiß, dass er anstrengend ist.", flüsterte Peer und nahm Sven lieb in die Arme, da er gesehen hatte, dass dieser weinte.

 

Es tat ihm richtig im Herzen weh, Sven weinen zu sehen.

 

"Ich verstehe dich und du kannst echt immer zu mir kommen, wenn dich etwas bedrückt.", fügte Peer mitfühlend hinzu, ließ Sven aber auch nicht los, strich sanft über dessen Rücken.

 

*~*

 

Inzwischen war ich erwacht, weil ich Stimmen gehört hatte. So stand ich auf, verließ mein Zimmer und ging hinunter.

 

Hmm... in der Küche war niemand... so ging ich langsam weiter und sah Peer und Sven im Wohnzimmer stehen... und dass Peer Sven umarmte.

 

Ob er Kummer hatte?

 

Ich räusperte mich und ging auf beide zu.

 

"Was ist denn los?", fragte ich Peer in meiner Sprache, doch Peer winkte nur ab... wollte anscheinend nicht reden.

 

Also zuckte ich mit den Schultern und ging wieder in mein Zimmer, wo ich mich aufs Bett setzte.

 

*-*-*

 

Sven versuchte sich zu beruhigen und hielt sich krampfhaft an Peer fest. Nur nebenbei hatte er mitbekommen, dass Ryu da gewesen war.

 

''Es tut mir leid'', schluchzte er, ''Meine Sorgen sind so klein gegen deine. Wie kannst du nur so stark sein?''

 

Er schmiegte sich richtig an Peer, weil dieser ihm so leid tat.

 

Ausgerechnet in diesem Augenblick kam Mike nach Hause und stand mit offenem Mund in der Wohnzimmertür.

 

''Da streiten wir und du wirfst dich gleich dem Nächstbesten an dem Hals'', machte er sich bemerkbar.

 

''Was?... Nein..'', versuchte Sven die Situation zu erklären, doch Mike winkte ab.

 

''Ach, mach was du willst'', kam es von ihm und er ging hoch ins Bad, wo er erst mal heiß duschte.

 

*~*

 

Nachdem ich schlauer Weise Mikes Chef angerufen hatte, fuhr auch ich nach Hause, weil ich erfahren hatte, dass Mike gerade erst Feierabend gemacht hatte.

 

*-*-*

 

Erschrocken und traurig zugleich stellte Peer fest, dass er Sven nun noch mehr Ärger bereitet hatte, anstatt ihm zu helfen, nachdem er Mikes Worte gehört hatte.

 

VERDAMMT!

 

"Ich... es tut mir leid... ich... wollte dir nicht noch mehr Ärger bereiten.", flüsterte Peer und ließ Sven los.

 

"Soll ich mal mit Mike reden? Ich mein, ich will doch nicht, dass du Ärger mit ihm hast und ihr euch wieder streitet.", versuchte sich Peer bei Sven zu entschuldigen.

 

Erst jetzt wurde ihm richtig bewusst, dass er nicht einmal dreiundzwanzig Jahre alt werden würde. Dass sein Leben schon so bald vorbei wäre.

 

Tränen rannen nun aus seinen Augen, über seine Wangen... noch einmal strich er sanft über Svens Rücken, dann aber rannte er nach oben in sein Zimmer, schloss die Tür und warf sich, schluchzend weinend, auf sein Bett.

 

Noch immer weinend verkroch er sich unter die Decke, rollte sich, wie ein Kätzchen ein, was einfach für ihn war, da er sehr schlank war, und weinte weiter.

 

Alles schlug nun auf ihn ein. Er hatte Sven noch mehr Ärger bereitet, bald würde er sterben und er musste es noch Ryu beibringen...

 

*~*

 

Von meinem Zimmere aus hörte ich, dass Peer in seinem Zimmer zu sein schien und weinte. Also verließ ich mein Zimmer, ging rüber und klopfte kurz an, bevor ich sein Zimmer betrat.

 

Leise ging ich auf sein Bett zu, setzte mich drauf und strich über die Decke, unter die er sich versteckt hatte.

 

Vorsichtig deckte ich ihn auf und streichelte über seinen Rücken.

 

"Hey, was ist denn los, hm?", fragte ich ihn in meiner Sprache.

 

Zunächst reagierte er nicht, weinte und weinte... schien sich kaum beruhigen zu können. Sanft hob ich ihn ein wenig an, zog ihn in meine Arme und drückte ihn tröstend an mich.

 

"Schhh... ist gut... ich bin da.", flüsterte ich ihm ruhig zu, während ich versuchte ihn zu beruhigen.

 

Erst eine ganze Weile später versiegten seine Tränen langsam und er begann mir zu erzählen, was ihn so sehr bedrückte.

 

Fassungslos schaute ich ihn an, konnte und wollte nicht glauben, dass mein Freund... nein... nein... das würde ich nicht zulassen.

 

"Hör mal, Peer, nein, du wirst mir nicht sterben. Das lasse ich nicht zu. Vielleicht können sie dir hier nicht helfen... aber ich werde gleich meine Eltern in Japan anrufen und da fliegst du dann hin und glaub mir, die dortigen Ärzte werden und können dir helfen.

 

Ich will meinen Freund nicht verlieren. Außerdem werden sich meine Eltern dann auch um dich kümmern... du wirst also nicht allein dort sein."

 

"Aber... ich will nicht im Krankenhaus sterben... bitte...", flehte mich Peer an.

 

"Wie ich schon sagte... du wirst nicht sterben. Hörst du?! Gleich morgen oder übermorgen fliegst du nach Japan und wenn du wieder gesund bist, kommst du hierher zurück. Okay."

 

"Ryu...", schluchzte mein Freund und schmiegte sich an mich, während ich ihn tröstend, sanft streichelte.

 

*-*-*

 

Sven hatte Peer folgen wollen, auch soviel zu sagen gehabt, doch regte sich nichts bei ihm. Wie Mike reagiert hatte, ließ ihn kalt. Es tat ihm nur weh, wie Peer geweint hatte.

 

Gerade als er sich dazu durchgerungen hatte, hinauf zu gehen, betrat Ryu Peers Zimmer.

 

Er würde ihn doch viel besser trösten können, dachte sich Sven und ging nun ebenfalls auf sein Zimmer, wo er sich Musik anmachte. Dann setzte er sich an seinen Schreibtisch und lernte, wie fast immer.

 

Irgendwie versuchte er alles auszublenden und sich einfach ins lernen hineinzusteigern.

 

Mike ließ sich richtig viel Zeit im Bad und ging anschließend in sein Zimmer, wo er sich umzog.

 

Gerade als ich nach Hause kam, sauste Mike an mir vorbei.

 

''Hey'', sagte ich zu ihm, ''Du warst spät... und jetzt willst du noch weg?''

 

''Muss ich mich immer rechtfertigen, wenn ich weggehe?'', machte er mich an und ich ahnte, dass irgendetwas vorgefallen sein musste.

 

''Ich will nur rüber zu einem Freund und etwas Trinken gehen'', kam es dann von ihm.

 

''Mach mir bitte keinen Ärger, Mike. Gerade bist du auf dem richtigen Weg'', hörte ich mich sagen.

 

''Wenn es dich beruhigt, ich gehe zu Alex, okay'', sagte Mike dann zu mir und ich nickte, ließ ihn gehen.

 

Alex war ein feiner Kerl und wohnte nur ein paar Straßen weiter, war auch ein paar Jährchen älter und anständig. So schnell würde Mike da nicht auf dumme Gedanken kommen, dafür würde Alex schon Sorgen.

 

Nachdem Mike gegangen war, ging ich die Treppe rauf und wusste erst gar nicht, an wessen Zimmer ich nun klopfen sollte.

 

Beschloss dann aber zuerst nach Sven zu sehen.

 

''Hi'', begrüßte er mich und schaute von den Büchern auf.

 

''Hi, Mike ist gerade an mir vorbei, wie von einer Tarantel gestochen'', eröffnete ich direkt mein Anliegen.

 

''Ist mir egal. Soll er machen was er will. Sicher ist er wieder mal zu Alex. Hab ich recht?'', hörte ich Sven kalt sagen.

 

Ich betrat das Zimmer und schloss hinter mir die Tür. Die Musik drehte ich etwas lauter und setzte mich auf einen Sitzball direkt neben Sven.

 

Intensiv schaute ich ihn in die Augen, versuchte zu verstehen, was in ihm vor sich ging.

 

''Mike ist dir schon lange egal, habe ich recht?'', fragte ich dann.

 

*-*-*

 

Eine ganze Zeit lang hatte ich meinen Freund nun schon getröstet bis er sich endlich beruhigte und nickend einwilligte.

 

"Wir kriegen das gemeinsam hin, okay. Ich rufe jetzt meine Eltern an, dann buchen wir den Flug und dann wird alles gut."

 

Wieder nickte Peer, holte ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sich die Tränen ab.

 

Erst als sich Peer wirklich beruhigt hatte, nahm ich mein Handy, wählte die Nummer meiner Eltern und rief sie an.

 

Sofort begriffen sie wie ernst die Lage war und versprachen zu helfen wo sie konnten. Ich war erleichtert, denn ich wusste, dass mein Freund gesund werden würde... wollte die Hoffnung einfach nicht aufgeben.

 

Anschließend setzten wir uns an den PC und buchten den Flug zu übermorgen für ihn. Den Flug bezahlte ich, was für mich selbstverständlich war. Für Peer war mir nichts zu teuer.

 

Jetzt, ja jetzt würde alles gut und Peer gesund werden.

 

"Komm, ich helfe dir packen."

 

"Wow... du gibst echt nicht auf, hm.", meinte Peer und lächelte schon wieder.

 

"Ja, so will ich dich sehen. Und nein, ich gebe niemals auf... erst recht gebe ich meine Freunde nicht auf.", erwiderte ich.

 

Was sich draußen abspielte, bekam ich nicht mit. Mein Freund war mir wichtiger.

 

*-*-*

 

Sven schwieg und konnte meinen Blick nicht stand halten.

 

''Okay. Du musst nichts dazu sagen. Ich bekomme eben mehr mit, als ihr denkt'', sagte ich zu Sven und wollte gerade wieder aufstehen, um nach Peer zu sehen, als Sven sich nun doch zu Wort meldete.

 

''Bekommst du auch mit, was zwischen Mike und Alex abgeht?'', hörte ich ihn sagen.

 

''Alex und Mike... niemals! Das hätte Alex mir erzählt'', wetterte ich dagegen.

 

Hätte er doch, oder? Unsicherheit machte sich breit und der Gedanke, wie oft Mike bei Alex war, wurde allgegenwärtig.

 

''Klar, sicher'', lächelte Sven. Dabei dachte ich immer, alles mitzubekommen, was hier abging.

 

''Was ist mit Peer, ist er in seinem Zimmer?'', fragte ich dann.

 

''Ja... und Ryu ist bei ihm'', kam es bedrückt von Sven.

 

''Dann wollen wir mal schauen, wie es ihm geht. Da gibt es nämlich noch etwas, was ich mit ihm besprechen muss. Denn ich denke durchaus, er sollte noch andere Ärzte um Rat fragen und sich nicht gleich aufgeben'', erklärte ich Sven und sah mit einem Mal wieder ein Strahlen in seinem Gesicht.

 

Als ich dann aufstand, kam er mit mir und wir gingen zusammen zu Peers Zimmer, wo wir anklopften.

 

*-*-*

 

Gerade waren wir noch mit dem Packen des Koffers beschäftigt, als es an der Tür klopfte.

 

"Soll ich aufmachen... oder magst du?", fragte ich meinen Freund.

 

"Öffne du mal bitte die Tür.", bat mich Peer.

 

Ich nickte, ging an die Tür und öffnete diese.

 

Kai und Sven standen davor. Ich schaute sie lächelnd an, dann meinte ich zu Peer:

 

"Ich bin dann mal wieder in meinem Zimmer."

 

"Arigatou Ryu-chan."

 

"Douitashimashite, Peer-chan."

 

Dann verließ ich das Zimmer und ging in mein Zimmer.

 

*~*

 

"Kommt ruhig rein, ihr Beiden.", bat Peer und packte weiter seinen Koffer.

 

"Tja, wie ihr seht packe ich, denn ich werde übermorgen nach Japan fliegen. Der Flug ist schon gebucht und Ryus Eltern werden sich dann um mich kümmern. Sie werden auch die Kosten übernehmen. Sie meinten auch, dass die Ärzte dort mir sicher helfen können. Ich weiß nicht wie lange es dauern wird, aber, wenn ich wieder okay bin, komme ich zurück und dann feiern wir eine fette Party.", erklärte er Kai und Sven, mit einem strahlenden Lächeln.

 

Dann jedoch ließ er erst mal wieder von allem ab und wand sich an Sven:

 

"Sven, es tut mir leid, wenn ich dir noch mehr Ärgern bereitet haben sollte, das wollte ich nicht. Ich... wollte dir nur beistehen und dich trösten. Bitte, verzeih mir." und schaute Sven dabei lieb an.

 

Sich noch einmal an Kai wendend, bat er ihn:

 

"Würdest du dich dann bitte um Ryu kümmern? Er will auch versuchen, so gut wie möglich mit dir deutsch zu sprechen... auch wenn es ihm nicht ganz leicht fallen wird. Bitte, Kai." und schaute Kai bittend in die Augen.

 

*-*-*

 

Verwundert schaute ich drein und hörte mir alles an. Da waren die Zwei mir doch glatt zuvor gekommen. Immerhin hätte ich Peer so was auch geraten.

 

Natürlich hatte Sven mit den Tränen zu kämpfen, als er das hörte und es war nur verständlich.

 

''Schon gut...'', kam es von ihm und am Liebsten hätte ich ihn in die Seite gepiekst, damit er aus sich rauskommt.

 

Doch dann wandte Peer sich schon an mich und ich musste lächeln.

 

''Natürlich werde ich mich um Ryu kümmern. Zur Not verständigen wir uns mit Händen und Füßen. Wäre ja nicht das erste Mal für mich. Mach dir mal keine Sorgen. Ryu ist bei mir gut aufgehoben'', versuchte ich Peer zu beruhigen.

 

''Aber vielleicht solltest du auch nicht alleine reisen. Immerhin wirst du auch seelischen Halt brauchen. Wir wäre es, wenn Sven dich begleitet'', kam es mir in den Sinn und ich konnte Svens Gesichtszüge entgleiten sehen, ''Er ist sehr gut in seinem Studium und weiter als die Anderen, da wird es sicherlich mit der heutigen Technik kein Problem sein, von Japan aus das Studium fortzusetzen.''

 

Kurz schaute ich Sven an, dann wieder Peer und da unser Sonnyboy gerade irgendwie abwesend zu sein schien, übernahm ich weiter das Ruder.

 

''Zwar sollte Sven vorher noch einmal mit Mike in Ruhe reden, auch wenn es so oder so vorbei ist, aber mir wäre es wohler, wenn du nicht alleine reist, Peer'', wand ich mich dann bitten an mein Gegenüber.

 

*-*-*

 

"Vorbei?! Aber... warum denn? Nur weil...", antwortete Peer und Tränen traten ihm in die Augen, weil er dachte es wäre seine Schuld.

 

Er hielt sich die Hände vors Gesicht und weinte. Das hatte er doch nicht gewollt.

 

Schnell wischte er sich jedoch die Tränen weg und stammelte:

 

"A-aber.... ich... fliege doch schon... ü-übermorgen.... ich... es tut mir so leid...", setzte sich dann auf sein Bett und schluchzte.

 

Peer begriff irgendwie gerade nicht was hier abging. Warum ihn Sven begleiten sollte... zumal er ja kein kleines Kind mehr war.

 

Was, zum Geier, ging hier ab? Warum wollte Kai unbedingt, dass Sven ihn begleitete? Wo Sven doch schon mit sich und seiner... hmm... ja... Beziehung schon genug zu tun hatte... der Arme... das konnte Peer doch unmöglich annehmen.

 

"D-das kann ich... doch... unmöglich a-annehmen... Sven hat doch genug zu tun. Sein Studium... seine... Beziehung... nein, das geht nicht... das k-kann ich nicht a-annehmen. Sven tut mir so leid... er muss doch schon genug durchmachen. Das kann ich ihm nicht antun.", stotterte Peer gedankenverloren vor sich hin, während ihm wieder die Tränen übers Gesicht liefen.

 

Sein gutes Herz weigerte sich Sven noch mehr Leid zuzufügen.

 

*-*-*

 

Jetzt endlich wachte Sven auf, als er Peer weinen sah und ich hielt mich ein wenig zurück.

 

Er setzte sich zu Peer aufs Bett und tröstete diesen.

 

''Alles ist gut Peer. Bitte lass mich dich begleiten. Das mit Mike ist schon länger nicht mehr so, wie es schien. Ständig ist er bei Alex und ich weiß schon seit einer Weile, dass etwas zwischen den Beiden läuft. Es ist also nicht deine Schuld.

 

Ich bräuchte wirklich eine Auszeit und möchte einfach gerne hier raus.

 

Bestimmt bekomme auch ich noch ein Flugticket. Vielleicht können wir nicht nebeneinander sitzen. Aber das ist auch egal.

 

Kai hat schon recht damit, was er meint. Du musst es nicht alleine durchstehen. Bitte, lass mich dich begleiten'', sprach Sven.

 

In Ruhe wartete ich ab, was passieren würde.

 

*-*-*

 

Langsam beruhigte sich Peer wieder und hörte zu was Sven sagte, nickte verstehend.

 

"Okay...... ist okay.", stammelte er schluchzend.

 

Wenn er es denn so wollte... na dann und wenn es ihm half... umso besser. Peer ahnte nicht was los war. Ihm war nur wichtig, dass es Sven dabei gut ging... alles andere war vollkommen unwichtig für ihn... auch er selbst.

 

"Ich... verstehe dich... wenn es dir damit dann besser geht... ist es okay.", willigte er ein und schaute Sven lieb an.

 

"Ja, also dann werd ich mal weiter packen.", meinte er, stand auf wischte sich die Tränen ab und strich noch mal sanft über Svens Rücken... lächelnd.

 

Auch Kai lächelte er dankbar an.

 

Dann packte er weiter und überlegte was er noch brauchen würde.

 

*-*-*

 

Erleichtert wirkte Sven und fragte dann noch wegen des Fluges nach, damit er auch buchen konnte. Nachdem er dann tatsächlich auch noch ein Ticket mit etwas Glück bekommen hatte, begann auch er zu packen.

 

Herrje würde es hier ruhig werden.

 

''Ich bin froh, dass ihr zusammen sein werdet. Du wirst lachen, aber ich wollte gerade mit dir darüber reden, dass es noch andere Ärzte gibt und andere Meinungen. Hoffentlich können sie dir dort helfen, Peer'', sprach ich ruhig.

 

Dabei half ich ihm ein wenig, auszusuchen, was er noch brauchen könnte in Japan. Alles was er die Tage hier noch benötigen würde, legten wir auf einen Stapel, damit er es dann später nichts vergessen würde.

 

Nebenbei, suchte ich noch die Kleidung aus dem frisch gebügelten Stapel heraus und brachte sie Peer und auch Sven.

 

Nachdem Peer soweit alles zusammen hatte, half ich auch Sven noch, der ziemlich nervös zu sein schien.

 

''Ich bin noch nie geflogen'', verriet er mir, ''Außerdem muss ich noch mit der Uni sprechen.''

 

''Das wird schon glatt gehen. Entweder wirst du dein Studium übers Internet fortsetzen können, oder aber eine Pause einlegen. Was vielleicht gar nicht so schlecht wäre, denn dann kannst du dich voll und ganz um Peer kümmern', sagte ich und zwinkerte Sven zu.

 

*-*-*

 

Peer bedankte sich sich bei Kai für dessen Hilfe, so war alles sehr viel schneller gegangen und jetzt freute er sich direkt auf sein Traumland, auch wenn der Anlass nicht gerade der beste war.

 

"Du wolltest mir das auch vorschlagen... hmm... ihr habt euch abgesprochen... gibs zu, Kai.", scherzte Peer mit Kai und lachte.

 

"Ich werd noch schnell Ryu Bescheid sagen müssen, denn er muss ja seinen Eltern Bescheid sagen, dass Sven mitkommt... weil ich ja so lange bei ihnen wohnen werde.", gab er noch zu bedenken.

 

Als Kai dann Sven half ging er zu seinem Freund Ryu.

 

"Ryu, könntest du bitte deinen Eltern Bescheid sagen, dass ich nicht allein komme? Sven möchte mich gern begleiten, weil er hier mal raus will."

 

*~*

 

Ich hörte mir an was sich Peer wünschte und nickte.

 

"Na klar, mach ich gleich. Sie werden nichts dagegen haben. Aber du musst ihm dann auch mit den Sitten meines Landes bekannt machen."

 

"Sicher, ich werde ihm alles erklären, kein Thema. Du kennst mich doch."

 

"Ja und meine Eltern mögen dich sehr, das weißt du."

 

Ich zog Peer an mich heran und drückte ihn an mich.

 

"Alles wird gut. Wir sind Freunde und Freunde helfen einander. Ich bin sehr gern für dich da, so wie du immer für mich da warst, wenn ich reden wollte. Du bist eine gute Seele und ich bin stolz dich meinen Freund nennen zu dürfen."

 

"Danke Ryu. Du bist auch ein Schatz und ich bin auch sehr stolz dein Freund sein zu dürfen."

 

Minutenlang lagen wir uns noch in den Armen, dann lösten wir uns voneinander und ich rief meine Eltern an, erklärte ihnen die Lage und sie verstanden es... willigten ein.

 

Peer strahlte übers ganze Gesicht, als er es mitgehört hatte.

 

Dann gingen wir runter in die Küche und tranken noch einen Kaffee wobei wir uns miteinander unterhielten... in deutsch natürlich... damit ich es gleich noch lernen konnte.

 

*-*-*

 

Auch ich hatte mit Peer lachen müssen, auf dessen Aussage hin und freute mich noch einmal den alten Peer so froh sehen zu dürfen. Innerlich bangte ich natürlich, ob alles gut gehen würde.

 

Als Sven gerade ein paar Sachen aus dem Bad holte, die er schon mal einpacken wollte, hatte er freie Sicht darauf, wie Peer und Ryu sich in den Armen lagen. Etwas enttäuscht kam er wieder in sein Zimmer, wo ich gerade die Sachen einpackte.

 

''Vielleicht sollte ich doch hier bleiben'', sprach er unsicher.

 

''Was? Wieso denn das? Du weißt nicht, wie lange er noch zu leben hat und ob ihm die Ärzte helfen können...'', hörte ich mich sagen. Kam aber nicht dazu weiterzusprechen.

 

''Ryu und Peer lagen sich gerade sehr lange in den Armen'', seufzte Sven.

 

''Sie sind Freunde'', sagte ich und war mir nicht wirklich sicher, was man bei der Aussage durchaus merkte.

 

''Fahr mit ihm. Nur so wirst du es herausfinden'', kam es dann von mir und Sven strahlte mich an.

 

''Das ist mein Sonnyboy'', lachte ich und klopfte ihm auf die Schulter.

 

''Der Sonnyboy wird dann mal rüber zu Alex gehen und mit Mike reden'', lächelte Sven mich entschlossen an.

 

Dann ging er runter, zog sich Jacke und Schuhe an. Zwar hörte er Ryu und Peer in der Küche, wagte es aber nicht einen Blick zu riskieren, sondern ging so rüber zu Alex, um mit Mike in Ruhe zu reden.

 

Nachdem ich mit dem Koffer soweit fertig war, ging auch ich runter in die Küche.

 

''Na, gibt es noch Kaffee? Oder habt ihr schon alles ausgetrunken?'', scherzte ich und wand mich direkt an Ryu, ''Wir zwei kommen schon klar, oder? Wenn du etwas nicht verstehst, sag es mir einfach.''

 

Dabei versuchte ich deutlich zu sprechen, damit es Ryu einfacher hatte.

 

*-*-*

 

Gerade waren wir noch in unser Gespräch vertieft, als Kai die Küche betrat und nach Kaffee fragte.

 

Peer lachte und meinte: "Ja, ein Tröpfchen Kaffee ist sicherlich noch da." und lachte dabei.

 

Dann schwieg er, als Kai mich ansprach.

 

Ich versuchte zu verstehen, was Kai sagte und schaute zu Peer, der mich nur angrinste.

 

"Na, komm schon, du kannst das doch. Keine Angst, Kai reißt dir nicht den Kopf ab."

 

Dann schaute ich zu Kai und nickte.

 

"Ja... ich... habe dich... verstanden.", gab mir dabei richtig Mühe, denn Kai hatte wirklich sehr deutlich gesprochen, so dass es leicht für mich war.

 

Peer lachte und lobte mich:

 

"Hey, du machst das sehr gut."

 

"Ich gebe mir... Mühe.", erwiderte ich ruhig und ließ meinen Blick dabei mal zu Peer und mal zu Kai schweifen.

 

Sicher wusste ich, dass es nicht leicht werden würde... ohne Peer, aber in der Schule würde ich es ja auch ohne ihn klarkommen müssen und Kai schien sehr nett zu sein. Irgendwie würden wir sicher miteinander klar kommen.

 

"Und ist Sven auch soweit fertig?", fragte Peer Kai: "Irgendwie freue ich mich schon auf mein Traumland... wenn bloß der Anlass nicht so... na ja... unschön wäre.", fügte er hinzu.

 

*-*-*

 

''Du machst das schon richtig gut'', lobte ich Ryu ebenfalls und fand es irgendwie süß, wie er manche Wörter aussprach. Anders eben, aber schon sehr gut und deutlich.

 

''Ja, Sven hat soweit alles zusammen. Morgen will er mit der Uni sprechen und jetzt ist er rüber zu Alex, damit er mit Mike alles klärt. Immerhin wollte er schon einen Schlussstrich ziehen. So ist es nichts halbes und nichts ganzes.

 

Außerdem bieten sich dann auch ganz neue Möglichkeiten für ihn'', erklärte ich.

 

Anschließend nahm ich meinen Becher und wollte ihn mit Kaffee füllen. Tatsächlich gab es nur noch eine halbe Tasse und obwohl ich mir das Lachen verkneifen musste, schaute ich Peer verblüfft an.

 

Nachdem ich dann gelacht hatte, weil er mit dem Kaffee recht gehabt hatte, setzte ich neuen auf, der dann durchlief.

 

So trank ich erst mal den halben Becher, wobei ich mich an den Tisch setzte.

 

*-*-*

 

"Dankeschön", sagte ich zu Kai und lächelte ihn an.

 

Peer begann zu kichern, als Kai wirklich nur noch eine halbe Tasse Kaffee abbekam und auch ich musste mir ein Lachen wirklich verkneifen.

 

"Was für neue Möglichkeiten hat Sven denn jetzt... ich mein, dadurch, dass er sich jetzt wohl von Mike trennen will? Hat er schon was neues in Aussicht oder wie darf ich das verstehen? Irgendwie steige ich da nicht hinter.", meinte Peer und schaute Kai skeptisch und sehr misstrauisch an.

 

Derweil nahm ich meinen Übersetzungscomputer zur Hand und übte noch etwas, trank nebenbei meinen Kaffee und hörte nur halb was sich die beiden da unterhielten.

 

"Ich mein, wenn Sven schon was neues In Aussicht hat, sollte er dann nicht besser hier bleiben?", fügte Peer fragend hinzu, konnte sich einfach keinen Reim auf das alles machen.

 

*-*-*

 

Ach herrje, jetzt hatte ich Peer ganz schön verwirrt und wohl zu viel verraten. Dabei sollte unser Sonnyboy das doch selber machen. Wie kam ich da nur wieder raus?

 

Kurz lachte ich, weil Peer sich ganz schön Gedanken machte, wie immer eben.

 

''Angenommen Sven würde jetzt mit dir mitgehen, ohne sich von Mike zu trennen. Das wäre doch ganz schön kompliziert. Wenn er jetzt reinen Tisch macht, wobei sich bei Mike sowieso schon etwas mit Alex anbahnte, ist es für Sven doch auch einfacher etwas neues zu beginnen.

 

Ob er etwas neues in Aussicht hat, kann ich dir nicht sagen. Aber, wenn er bleiben wollte, würde er das tun, richtig.

 

Mach dir mal nicht so viele Gedanken...'', versuchte ich meinen Hals aus der Schlinge zu ziehen.

 

Nebenbei beobachtete ich Ryu ein wenig, wie er eifrig übte.

 

*-*-*

 

So ganz wurde Peer nicht schlau aus Kais Gedanken, die er ihm mitteilte.

 

"Sorry, da muss ich echt passen. Ich verstehe es einfach nicht. Ich mein, klar, verstehe ich, dass er sich von Mike trennen will, weil es eben nicht mehr so gut läuft, oder was auch immer... oder weil Mike was mit Alex hat... das verstehe ich... aber warum muss er dann ausgerechnet mit mir mitkommen?

 

Ich mein, sollte er sich dann nicht lieber seinem Studium widmen?

 

Na ja, sei es drum. Sven ist alt genug und muss selbst wissen was er tut.", gab Peer Kai zu verstehen.

 

Peer wurde nun nachdenklich, schaute in seine Tasse grübelte, trotzdem Kai meinte, dass er sich keine Gedanken machen sollte.

 

Als ob die ganze Situation für ihn nicht schon schwer genug wäre... machte er sich nun auch noch um seine Freunde Gedanken.

 

Irgendwie wurde es ihm zu viel und er war schon wieder den Tränen nahe... hielt sie aber zurück... schickte seinen Blick dann lieber zu Ryu, der so fleißig am Lernen war... lächelte ihn an, obwohl der es nicht sehen konnte.

 

*-*-*

 

''Vielleicht möchte er eben einfach gerne mit dir mitkommen. Wenn ich hier nicht soviel zu tun hätte, würde ich mich auch noch in deinen Koffer quetschen'', lachte ich, merkte aber, dass es Peer alles sehr nahe ging.

 

Also rückte ich näher an ihn heran und nahm ihn in den Arm, hielt ihn fest.

 

Liebevoll streichelte ich über seinen Rücken und kraulte ihm kurz den Kopf. Dann wischte ich mit der Hand über seine Stirn und seine Wange.

 

''Alles wird gut, Peer. Du wirst sehen, es wird dir gut tun, wenn Sven bei dir ist und ihm wird es gut tun, dich unterstützen zu können'', versuchte ich ihn aufzumuntern.

 

Verdammter Mist aber auch. Ich konnte ihm doch unmöglich sagen, was Sache war. Dass musste Sven schon selber erledigen. Nur wo blieb er solange?

 

*-*-*

 

"Ist schon gut. Ich verstehe das. Alles gut.", erwiderte Peer, schmiegte sich an Kai und ließ sich von ihm streicheln, während ihm nun doch die Tränen kamen und er schluchzend weinte.

 

Es war so viel... seine Krankheit, die Reise... seine Gedanken um seine Freunde... nicht zu wissen, was kommen würde... so dass ihm plötzlich schwindelig wurde, kurz darauf wurde ihm schwarz vor Augen und er wurde in Kais Armen ohnmächtig... hing nun in den Armen seines Freundes.

 

Zu viel Aufregung und dann die Krankheit dazu.

 

Ich schaute kurz auf und wurde kreidebleich.

 

"PEER! NEIN!", rief ich leicht erschrocken, als ich ihn so in Kais Armen hängen sah.

 

Sogleich stand ich auf und ging auf die beiden zu... strich über den Kopf meines Freundes. Sein Gesicht war noch bleicher, als ohnehin schon und er fühlte sich heiß an seiner Stirn an... die mit Schweiß bedeckt war.

 

"Wir müssen ihn hinlegen.", sagte ich leise zu Kai... machte mir ernsthafte Sorgen um meinen Freund.

 

*-*-*

 

Plötzlich wurde Peer ohnmächtig und als Ryu über Peers Stirn strich, bemerkte ich erst, wie heiß er war.

 

Sofort hob ich Peer hoch und brachte ihn in mein Zimmer, wo ich ihn aufs Bett legte. Ich deckte ihn zu und holte das Fieberthermometer. Gleich würden wir mehr wissen.

 

''Hoffentlich ist es nur die Aufregung, und dass ihm alles zu viel geworden ist. Nicht, dass seine Krankheit schon so schlimm ist. So können wir ihn unmöglich nach Japan fliegen lassen'', sprach ich und war mir nicht sicher, ob Ryu alles verstanden hatte.

 

Dann ging endlich die Haustür und Sven war wieder da.

 

Erschrocken schaute er von Flur aus in mein Zimmer.

 

''Was ist mit Peer?'', kam es ängstlich von ihm und er eilte direkt herbei, setzte sich zu ihm aufs Bett.

 

''Das wissen wir noch nicht wirklich. Vielleicht ist es besser, wenn ich einen befreundeten Arzt herrufe...'', sprach ich und strich Peer über die Stirn.

 

Dann maß ich bei ihm Fieber und hoffte sehr, es würde nicht zu hoch sein.

 

*-*-*

 

Etwas später erwachte Peer und schaute sich langsam um.

 

Da waren sie alle... Kai, Ryu und Sven. Er lächelte sanft.

 

"Ich hab Durst... kann ich bitte was trinken?", fragte er leise, dann kicherte er gequält und scherzte:

 

"Ihr seid so lieb, wisst ihr das. Ich lebe noch... keine Sorge... so schnell werdet ihr mich nicht los." und lachte dabei, obwohl ihm die Tränen wieder an seinem Gesicht herab liefen und auf das Kissen tropften.

 

*~*

 

Als Peer nach etwas zu Trinken fragte lief ich sogleich in die Küche holte ein Glas aus dem Schrank und füllte Wasser hinein, dann ging ich zurück ins Zimmer, beugte mich zu Peer herab, hielt seinen Kopf ein wenig hoch und hielt ihm das Glas an seinen Mund, so dass er trinken konnte.

 

"Trink, mein Freund. Alles gut."

 

Ich hatte nur ein wenig verstanden was Kai gesagt hatte, so antwortete ich ihm:

 

"Aber wir müssen es versuchen... ich bin nicht bereit meinen Freund aufzugeben. Und wenn man ihm dort helfen kann, dann sollte er fliegen und zwar schnell.", dabei hatte ich mir jetzt wirklich alle Mühe, beim Sprechen, gegeben.

 

Als ich Sven sah, wie er in das Zimmer gestürmt war... so voller Sorge um Peer, sich sogleich zu ihm auf das Bett setzte... machte es bei mir Klick und ich erinnerte mich Bruchstückhaft an das Gespräch der beiden in der Küche.

 

Peer war der Angebetete von Sven und schien weder was davon zu wissen noch zu ahnen. Deshalb hatte Sven unter seine Beziehung einen Schlussstrich gezogen... er wollte mir Peer zusammen sein... hatte sich offensichtlich in ihn verliebt.

 

Die Beiden würden gut zusammen passen... ich musste unweigerlich grinsen bei dem Gedanken. Aber ich würde natürlich auch meinen Mund halten, das sollten die Beiden mal schön untereinander ausmachen... das ging mich nichts an.

 

*~*

 

~ Eine Woche später ~

 

Entgegen aller Befürchtungen erholte sich Peer wieder einigermaßen, hatte auch kein hohes Fieber und trat so die Reise an.

 

Nachdem sich Sven und Peer von Kai und Ryu verabschiedet hatten fuhren sie mit dem Taxi zum Flughafen, checkten ein und Peer musste dann Sven noch beruhigen, weil dieser ja noch nie geflogen war.

 

Er lenkte ihn einfach ab, indem er ihm sehr geduldig, alles mögliche über die Sitten und Gebräuche dieses Landes erzählte, ihm auch ein paar Worte Japanisch beibrachte. Nach dem Boarding setzten sie sich auf ihre Plätze und hatten Glück, dass sie zusammen sitzen durften, weil jemand bereit war mit ihnen die Plätze zu tauschen.

 

Peer ließ Sven nicht nachdenken und auch keine Zeit Angst zu haben, denn er plapperte wie ein Wasserfall. Er wollte nicht, dass Sven Angst hatte, so fielen ihm immer neue Themen ein.

 

Auch ermahnte er Sven Japanern niemals die Hand geben zu wollen, sondern sich immer brav zu verbeugen... da diese es sonst als grob unhöflich ansehen würden.

 

Achtzehn Stunden später und nach einem Zwischenstopp, erreichten sie japanischen Boden und wurden vom Flughafen von Mariko und Yoshi Yamato, Ryus Eltern, begrüßt und abgeholt.

 

Peer hatte ihnen Sven vorgestellt und ihm auch Ryus Eltern vorgestellt.Anschließend waren sie, mit dem Auto, nach Hause gefahren.

 

Dort angekommen wurden ihnen ihr Zimmer gezeigt und Peer hatte selbstverständlich ein Geschenk für die Eltern mitgebracht, wie es eben Sitte war... das wusste er ja.

 

Nun lag Peer seit drei Tagen im Krankenhaus, wo man ihn erst untersucht hatte und dann mit der Behandlung begann, nachdem man ihn aufgeklärt hatte.

 

Peer war sehr froh darüber, dass er die japanische Sprache so gut gelernt hatte, dass er die Ärzte dort, ohne Probleme, verstehen konnte.

 

 

Unter der Chemotherapie ging es Peer zeitweise so schlecht, dass er sich wünschte doch lieber zu sterben... so wie er sich teilweise quälte... doch wenn es ihm dann wieder besser ging, kam auch sein Lebenswille wieder.

 

Die dortigen Ärzte erwogen auch eine Stammzellentherapie, die Peer vielleicht besser vertragen würde.

 

*-*-*

 

Es war gar nicht so leicht für mich Peer und Sven gehen zu lassen. Den Flug hatten Beide sehr gut überstanden und Sven hatte dank Peers Ablenkung keine Angst gehabt.

 

Zum Glück schrieb Sven mir jeden Tag eine Mail, wie es Peer erging. Was mich natürlich stark beruhigte, da die Ärzte dort ihn nicht aufgaben, sondern an ihm arbeiteten.

 

Erst wollte Sven eine Pause mit seinem Studium machen, hielt es dann aber doch nicht aus, da Peer teilweise Stundenlang schlief. Also hielt er übers Internet Kontakt zu seiner Uni mit den Professoren und führte so sein Studium fort.

 

Dennoch verbrachte er jede freie Minute bei Peer und saß oft Stundenlang an dessen Bett.

 

Er verhielt sich höflich allen Gegenüber, vor allem Ryus Eltern, da er ihnen dankbar war, wie freundlich sie sie aufgenommen hatten.

 

Auch übte er sich in der fremden Sprache und den Bräuchen.

 

Wie schon so oft, hatte er seinen Laptop auf dem Tisch im Zimmer stehen, saß davor und tippte fleißig vor sich hin. Peer war mal wieder vor Erschöpfung am Schlafen und Sven wartete geduldig, dass sein Freund erwachen würde.

 

Wenn sie auch nur wenige Minuten miteinander hatten, so genoss er diese immer sehr und versuchte jetzt Peer von allem abzulenken.

 

*~*

 

Es war bereits Mittag und ich war spät dran. Das Einkaufen hatte länger gedauert, als erwartet. Endlich kam ich Zuhause an und räumte die Sachen eilig weg.

 

Dann machte ich mich daran, das Gemüse zu schneiden und somit das Essen vorzubereiten.

 

Mike war vor zwei Tagen zu Alex gezogen und ich war mit Ryu ganz alleine hier. Irgendwie herrschte eine komische Spannung zwischen uns, auch wenn wir uns super verstanden.

 

Vielleicht war ich auch einfach nur nervös mit ihm alleine zu sein, da er wirklich niedlich war. Im Grunde aber zu jung für mich und ich versuchte diesen Gedanken mir gleich aus dem Kopf zu schlagen.

 

Schließlich hatte ich Peer versprochen mich um Ryu zu kümmern und er hatte damit sicherlich nicht so etwas gemeint.

 

*-*-*

 

Nach Peers und Svens Abreise hatte ich mich stark in mich zurückgezogen, verkrümelte mich jetzt immer öfter in mein Zimmer und versuchte mich aufs Lernen zu konzentrieren. Auf der Uni hatte ich mich auch schon angemeldet und besuchte diese nun täglich.

 

Zu lernen hatte ich sehr viel, so dass mir kaum Zeit für irgendetwas anderes blieb. Via Internet blieb ich aber ständig mit meinen Eltern in Kontakt die mir berichteten wie es Peer ging.

 

Es freute mich, dass die Ärzte doch noch etwas für ihn tun konnten... hatte ich es doch gewusst.

 

Heute kam ich etwas früher von der Uni, denn es war Freitag und wir hatten einige Blöcke Ausfall. So ging ich heim und begrüßte Kai kurz, der in der Küche stand.

 

"Hallo... ich bin, wieder da.", danach verzog ich mich gleich wieder in mein Zimmer, wo ich mich sofort über die Hausaufgaben hermachte und wie bescheuert lernte.

 

Da ich sehr sensibel war, spürte ich natürlich die Spannung zwischen uns, doch tat ich es als normal ab, da wir ja fremden Kulturen angehörten, auch wenn wir uns wirklich super verstanden.

 

Peer fehlte mir unglaublich. Ich fühlte mich allein, trotzdem Kai da war, und versuchte dies mit dem Lernen zu kompensieren.

 

Zudem kam dann noch das Heimweh... die fremden Leute... so dass sich mir schon ab und zu, wenn ich allein war, die Tränen übers Gesicht liefen, wogegen ich nichts tun konnte.

 

*~*

 

Peer erwachte, nachdem er ein paar Stunden geschlafen hatte, und schaute sich um. Ihm ging es, wegen der Nebenwirkungen, nicht so gut, doch das ließ er sich nicht anmerken.

 

Dann sah er auch schon, dass Sven in seinem Zimmer saß und sprach ihn leise an:

 

"Hallo Sven.", lächelte aufmunternd, obwohl ihm die Tränen von allein aus den Augen liefen und er nichts dagegen tun konnte.

 

"Alles gut bei dir?", wollte Peer wissen, stand auf und ging auf seinen Freund zu, dem er lieb den Rücken streichelte und ihm ein liebevolles Lächeln schenkte.

 

*-*-*

 

''Hallo, schön dass du da wieder da bist. Das Essen braucht noch einen Moment. Ich rufe dich, wenn es fertig ist'', hatte ich Ryu begrüßt und dabei angelächelt.

 

Nachdem er hochgegangen war, seufzte ich ein wenig und machte mich weiter daran, das Essen zuzubereiten.

 

Sicher wusste ich, wie viel Ryu lernen musste, aber heute wollte ich ihn mal ein wenig von der Stadt zeigen. Er musste auch mal rauskommen, auch wenn er vermutlich nicht wollte.

 

Als dann alles fertig war und ich den Tisch gedeckt hatte, ging ich zur Treppe und rief hoch:

 

''Ryu... Essen ist fertig.''

 

*~*

 

''Hallo Peer. Konntest du gut schlafen?'', hatte Sven, Peer ebenfalls begrüßt.

 

Er genoss die Hand auf seinen Rücken, doch als er die Tränen sah, stand er auf und nahm ein Taschentuch zur Hand, womit er liebevoll die Tränen fort wischte.

 

''Bei mir ist alles gut und wie geht es dir heute? Magst du vielleicht mal ein bisschen raus? Wenn du nicht die Kraft dazu hast, kann ich dich auch in einem Rollstuhl fahren. Das würde mir nichts ausmachen...'', sprach Sven.

 

Doch war er sich gar nicht sicher, ob Peer danach war rauszugehen. Ihm tat es so weh, Peer so zu sehen. Obgleich er nichts tun konnte, außer versuchen ihn ein wenig abzulenken.

 

*-*-*

 

"Klar, konnte ich gut schlafen.", erwiderte Peer und genoss es irgendwie, dass Sven ihm die Tränen wegwischte.

 

Auf Svens Frage hin antwortete er:

 

"Okay, gehen wir... Rollstuhl... ach was, ich könnte doch schon wieder Bäume ausreißen.", und versuchte so gut wie möglich zu lächeln.

 

Aber dann brach es aus ihm heraus und er klammerte sich an Sven: "Mir geht’s nicht gut... ich kann nicht mehr.", wobei er schluchzend weinte.

 

*~*

 

"Ich bin gleich da.", hatte ich zurückgerufen... ob er es gehört hatte, keinen Plan, aber ich stand dann auf, verließ mein Zimmer und ging in die Küche zu Kai.

 

Wortlos setzte ich mich an den Tisch, schaute auf den Tisch und nickte anerkennend: "Das sieht toll aus.", lobte ich Kai, hatte aber irgendwie keinen Hunger, auch wenn es wirklich lecker aussah.

 

Doch nahm ich mir ein wenig was zu Essen, tat es auf den Teller und schaute es zunächst nur an. Dann nahm ich mir etwas zu Trinken und nahm direkt einen Schluck.

 

*-*-*

 

Jetzt hatte auch Sven mit den Tränen zu kämpfen und versuchte aber für sie Beide stark zu sein. Liebevoll nahm er Peer in den Arm und hielt ihn sanft an sich gedrückt.

 

Seine Hände strichen gleich mäßig über dessen Rücken und mit ruhiger Stimme sprach Sven zu Peer: ''Ich weiß, dass es dir nicht gut geht. Aber du darfst nicht aufgeben. Bitte.''

 

Der Sonnyboy lächelte Peer mit einem strahlenden Lächeln an, wie er es schon lange nicht mehr getan hatte.

 

''Kämpfe Peer! Lass mich dir halt geben und dich stützen. Dich aufmuntern und ablenken. Gemeinsam schaffen wir das'', sagte er dann zu seinem Freund und zog ein neues Taschentuch aus der Packung, womit er sanft die Tränen zu trocknen versuchte.

 

''Wir müssen nicht rausgehen, könnten uns es auch hier gemütlich machen'', schlug er dann vor und nahm Peer hoch auf den Arm. Vorsichtig trug er ihn zum Bett zurück und legte ihn darauf. Anschließend rutschte er zu ihm und legte seinen Kopf direkt neben den von Peer, auf das Kissen.

 

Dann tupfte er erneut die restlichen Tränen liebevoll weg.

 

*~*

 

Misstrauisch schaute ich Ryu zu, wie er sich Essen auftat, aber nicht begann zu Essen.

 

''Okay Kleiner. Wir sind unter uns, also kannst du mir auch sagen, was los ist. Irgendetwas bedrückt dich doch'', sagte ich zu ihm.

 

Dann legte ich meine Hand auf die Seine und schaute ihn lieb an.

 

*-*-*

 

Eine Weile schaute ich noch auf den Teller, versuchte zu verstehen, was Kai sprach und suchte dann die Worte, mit denen ich ihm antworten konnte.

 

Ich schaute ihn an und erwiderte, auf seine Frage:

 

"Ich... habe Heimweh... meine Eltern, meine Schwester und Peer fehlen mir. Ich fühle mich hier allein und einsam... trotzdem du da bist.", machte ich mir nun Luft, aber ruhig und friedlich... nicht aufbrausend.

 

Dann schaute ich auf seine Hand, die auf meiner lag. Warum hatte er mich Kleiner genannt? Weil ich jünger war als er?... hmm...

 

*~*

 

"Danke Sven.", bedankte sich Peer bei seinem Freund und versuchte nicht mehr zu weinen, schenkte Sven wieder ein Lächeln... ein dankbares, liebevolles Lächeln.

 

"Du bist total lieb... weißt du das.", flüsterte Peer seinem Freund zu, hob seine Hand ein wenig und streichelte sanft über Svens rechte Wange.

 

Dann kam aber schon ein Arzt ins Zimmer und sprach mit Peer... erklärte ihm einiges.

 

Peer nickte verstehend und freute sich.

 

Der Arzt verließ das Zimmer wieder und Peer erklärte Sven was los war.

 

"Also meine Werte haben sich schon gebessert, aber sie wollen jetzt doch lieber Stammzellentherapie machen, weil mir die Nebenwirkungen zu sehr zu schaffen machen. Danach sollte es mir besser gehen.", und grinste Sven an.

 

"Ich würde mich jetzt noch etwas ausruhen und dann können wir ja rausgehen, okay.... und der Rollstuhl wäre vielleicht doch nicht so schlecht.", bat Peer Sven mit wieder strahlenden Augen.

 

*-*-*

 

Wie sehr Sven, Peers Hand auf seiner Wange genossen hatte und dessen Worte waren wie Balsam für sein Herz. Doch dann ging die Tür auf und ein Arzt kam herein.

 

Etwas verlegen stand Sven wieder auf, da es sich ja wohl so gehörte. Der Besuch im Bett des Kranken, wo käme man denn dahin.

 

Geduldig wartete er ab, bis der Arzt weg war und ihm Peer alles erklärte. Auch er lächelte nun wieder.

 

''Wenn es hilft und es dir dann besser geht, ist es okay. Möchtest du, dass ich dir irgendetwas hole? Oder soll ich dich alleine lassen und später wiederkommen?'', wollte er dann wissen. Immerhin wollte Sven, Peer alles so angenehm wie möglich machen.

 

Außerdem freute er sich über die Einsicht seines Freundes, wegen des Rollstuhls.

 

*~*

 

''Das verstehe ich sehr sehr gut'', sagte ich zu Ryu, ''Aber du tust keinem etwas gutes, wenn du nicht ordentlich isst. Was hältst du davon, wenn ich dir später ein wenig die Stadt zeige? Vielleicht solltest du einfach ein bisschen raus kommen.''

 

Heimweh tat immer weh, aber Ryu war noch nicht lange hier und ich hoffte sehr, dass es nachlassen würde, wenn er sich erst mal richtig eingelebt hatte.

 

*-*-*

 

"Kannst du bitte einfach hier bleiben? Ich brauche nichts weiter als einen guten Freund an meiner Seite. Trotzdem danke, Sven.", antwortete Peer und schloss ein wenig die Augen, nachdem er Svens Hand in die seine genommen hatte.

 

Es tat ihm gut, dass er nicht allein war.

 

Natürlich freute er sich auch immer wieder, wenn Ryus Eltern ihn besuchten und sich nach seinem Befinden erkundigten.

 

*~*

 

Konzentriert hörte ich zu was Kai sagte und versuchte es zu verstehen.

 

"Okay, gehen wir später uns alles ansehen.", sprach ich und begann langsam zu essen... nickte anerkennend, weil es wirklich gut schmeckte.

 

Auch trank ich immer wieder einen Schluck.

 

Anschließend stand ich auf und meinte zu Kai:

 

"Wenn du jetzt nicht unbedingt meine Hilfe brauchst... würde ich jetzt gern noch lernen gehen."... schaute ihn ausdruckslos an.

 

*-*-*

 

''Sicher bleibe ich gerne hier'', sprach Sven, setzte sich zu Peer und genoss es, dass dieser seine Hand hielt.

 

Sein Herz schien wie wild zu pochen in seiner Brust und er meinte, Peer müsste es doch hören. Aber Peer hatte die Augen bereits geschlossen und lag so friedlich da, was Sven lächeln ließ.

 

Also blieb er ruhig sitzen und horchte in die Stille des Zimmers hinein.

 

*~*

 

Auch ich begann zu Essen und trank nebenbei etwas. Als Ryu fertig war und aufstand, nickte ich natürlich auf seine Frage hin.

 

''Geh ruhig lernen und sag einfach Bescheid, wenn du los möchtest'', bat ich ihn.

 

Dabei wünschte ich sehr, mehr für ihn tun zu können. Immerhin hatte ich es Peer versprochen und hoffte sehr, dass ihm der Nachmittag gefallen würde.

 

*-*-*

 

Kai zunickend verschwand ich aus der Küche und ging hoch in mein Zimmer, wo ich mich gleich an meinen Schreibtisch setzte und zu lernen begann.

 

So vergaß ich alles um mich herum... lernte und lernte und lernte... konnte nicht aufhören, wollte ich doch was erreichen... war eben sehr zielstrebig.

 

Außerdem konnte ich so das Heimweh verdrängen.

 

*~*

 

Nur noch ein wenig hatte Peer die Augen geschlossen, dann öffnete er sie wieder und schaute Sven an.

 

"Also, von mir aus können wir.", meinte er und setzte sich langsam auf.

 

Jetzt wollte er schnell wieder gesund werden, um bald wieder heim zu können, denn er vermisste Kai und Ryu sehr... auch wenn Sven da war und ihn abzulenken versuchte... so fühlte er sich doch irgendwie... hmm...

 

*-*-*

 

Ich hatte mich um den Abwasch gekümmert und noch ein wenig was erledigt. Die Zeit verging, aber von Ryu war nichts zu hören, weshalb ich beschloss rauf zu gehen.

 

Etwas zaghaft klopfte ich an Ryus Zimmertür und war nun aus irgendeinem Grund etwas nervös.

 

*~*

 

''Gerne'', sprach Sven, stand auf, löste sich sacht von Peers Hand und ging einen Rollstuhl holen.

 

Draußen war es herrliches Wetter und er hoffte sehr, dass Peer es genießen würde.

 

''Brauchst du noch etwas? Eine Jacke vielleicht?'', fragte er dann, als er seine Jacke nahm, die er vorsichtshalber mitnehmen wollte.

 

*-*-*

 

"Ja, die Jacke wäre gut.", meinte Peer zu Sven, nachdem er im Rollstuhl saß.

 

Er freute sich schon sehr aufs rausgehen und endlich mal wieder frische Luft zu schnappen.

 

Nachdem er seine Jacke auf dem Schoß hatte, denn anziehen wollte er die noch nicht, ließ er sich von Sven hinausfahren.

 

*~*

 

Noch immer saß ich am Schreibtisch und war am lernen... hatte alles weitgehend vergessen und ausgeblendet, als ich es plötzlich an meiner Tür klopfen hörte.

 

Zunächst war ich etwas erschrocken zusammen gezuckt, doch dann stand ich auf, ging an die Tür und öffnete diese.

 

"Hallo Kai... bitte, komm rein.", sprach ich gedankenverloren vor mich hin, schaute ihn aber trotzdem an.

 

*-*-*

 

Sven schob Peer aus dem Krankenhaus raus, in den nahegelegenen Park, wo es herrlich war. Die Vögel zwitscherten und die Blumen blühten.

 

Es roch nach Frühling und war herrlich sonnig.

 

''Ich soll dich schön von Kai und Ryu grüßen. Kai hat mir eine Mail geschrieben. Ihnen geht es gut, nur Ryu scheint sich in die Bücher zu vertiefen'', erzählte Sven mit einem Lächeln auf dem Gesicht, während er den Rollstuhl schob.

 

''Halt dich gut fest'', sagte er, als sie an einen kleinen Hügel kamen.

 

Mit aller Kraft rannte er, den Rollstuhl vor sich herschiebend den Hügel hoch. Als sie oben ankamen, hielt er kurz inne und schaute sich um.

 

''Da vorne, unter dem Baum ist es schön, da fahr ich dich jetzt hin'', warnte er Peer vor, da es nun Bergab gehen würde.

 

''Fertig?'', fragte er lachend und hielt sich am Rollstuhl fest, bevor er die Füße auf den selben stellte und mit Peer zusammen lachend den Hügel hinunter sauste.

 

*~*

 

''Hallo Ryu. Kann es sein, dass du die Zeit vergessen hast? Vor lauter lernen?'', begrüßte ich Ryu und schmunzelte ihn an.

 

Dann betrat ich sein Zimmer und schaute mich um.

 

''Was hältst du davon, wenn wir dein Zimmer in einer anderen Farbe streichen und vielleicht auch ein paar Bilder aufhängen? Wir könnten später etwas kaufen gehen. Hast du Lust?

 

Du kannst doch nicht nur lernen'', schlug ich vor und schaute dabei in Ryus schöne Augen.

 

Irgendwie musste ich ihn einfach aufmuntern.

 

*-*-*

 

Hmm... tatsächlich hatte ich die Zeit vollkommen vergessen, als Kai mich daran erinnerte.

 

"Sorry, ja, ich hab die Zeit vergessen. Ich muss lernen, sonst bekomme ich das alles nicht in meinen Kopf.", erwiderte ich und folgte seinem Blick, hörte was er vorschlug.

 

Doch schüttelte ich, auf seine Worte hin, den Kopf:

 

"Höre mir bitte zu, Kai. Du bist wirklich sehr nett und ich weiß zu schätzen, dass du dich um mich kümmerst... aber... ich... will wieder nach Hause. Ich kann hier nicht bleiben. Mir fehlen meine Eltern... mein Land... einfach alles.

 

Ich lerne und lerne... und doch schaffe ich es nicht, alles auszublenden. Ich werde gleich nächste Woche wieder heim fliegen.", dann setzte ich mich auf das Bett und ließ meinen Oberkörper verzweifelt nach vorn fallen, mich mit den Ellenbogen auf den Beinen abstützend.

 

*~*

 

Es war so toll für Peer, endlich frische Luft zu spüren... die Wärme der Sonne auf der Haut zu fühlen und dann noch so viel Spaß mit Sven zu haben.

 

Es beruhigte ihn, dass es Ryu und Kai gut ging, dennoch machte er sich Sorgen um Ryu... er würde so nicht durchhalten... würde wohl bald nach Hause fliegen... armer Kai... er wäre ja dann allein...

 

Boah, erst bergauf, dann bergab... Peer musste sich wirklich richtig festhalten, aber er lachte laut auf, bei dem was Sven hier mit ihm veranstaltete... es machte ihm Spaß und war eine willkommene Ablenkung.

 

Zudem war die Gegend hier so wundervoll, auch die Luft roch ganz anders... einfach nur... nicht mit Worten zu beschreiben.

 

*-*-*

 

Ein wenig enttäuscht über Ryus Reaktion, nickte ich verstehend.

 

''Sicher, das hatte ich mir schon gedacht. Zwar hatte ich gehofft dich ablenken zu können, aber darin bin ich wohl nicht gut oder einfach nicht der Richtige'', sprach ich, versuchte aber nicht traurig zu wirken.

 

Mikes Zimmer stand leer und wartete auf einen neuen Schützling. Dann würde ich mich eben drauf konzentrieren.

 

Mir tat es nur Leid, um mein Versprechen Peer gegenüber.

 

Verzeih, Peer, aber ich habe in der Hinsicht versagt!

 

*~*

 

Endlich kamen Sven und Peer unten am Baum an und Sven konnte gar nicht anders und strahlte Peer an.

 

''Na komm, ich helf dir hoch, ja'', sagte er und stützte seinen Freund, damit sie unter dem Baum platz nehmen konnten.

 

''Soll ich uns ein Eis holen? Magst du? Oder sollen wir lieber nur hier sitzen?'', fragte Sven, Peer und nahm dessen Hand liebevoll in seine.

 

Es fühlte sich für ihn so toll an und er würde am Liebsten die Zeit anhalten, wenn er könnte.

 

*-*-*

 

"Es tut mir leid, Kai. Ich... hätte das nicht sagen sollen... verzeih mir.", flüsterte ich vor mich hin.

 

Traurig stand ich auf, ging ans Fenster und schaute hinaus... nachdenklich. Kai gab sich wirklich alle Mühe... ihn zu enttäuschen, wäre unfair.

 

"Also gut, gehen wir raus.", sprach ich leise vor mich hin... noch immer aus dem Fenster schauend.

 

*~*

 

"Nein, ich möchte jetzt kein Eis... bleib bitte einfach hier bei mir... bitte.", erwiderte Peer und schaute Sven lieb an.

 

Widerstandslos ließ er sich auf den Boden setzen, half Sven auch, so gut es ging, damit dieser nicht die ganze Arbeit hatte.

 

Er lehnte sich an den Baum an, genoss die frische Luft und schloss einen Moment die Augen. Schön war es hier... da musste er doch gesund werden... oder.

 

Zumal sich Sven so liebevoll um ihn kümmerte.

 

"Danke, dass du da bist.", sprach Peer dankbar zu Sven.

 

*-*-*

 

Ich atmete tief durch und gab mir einen Ruck, trat ganz dicht an Ryu heran und umarmte ihn von hinten. Keine Ahnung, wie er darauf reagieren würde und was genau ich damit bezwecken wollte.

 

Er war niedlich, keine Frage und zog mich auch ein wenig an. Doch wollte ich ihn jetzt erst mal trösten und ihm Halt geben.

 

*~*

 

Wo Peer sich so, mit geschlossenen Augen an den Baum anlehnte, konnte Sven nicht anders.

 

Kurz leckte er sich über die Lippen, presste diese auf einander und küsste Peer dann einfach.

 

Nur kurz, aber dafür sehr zärtlich. Verlegen schaute er anschließend zu Boden und wäre am liebsten fortgerannt, hätte sich nun doch gerne ein Eis geholt, nur, um nicht Rede und Antwort zu stehen.

 

Vorsichtig, geradezu zaghaft, schaute er von unten hoch zu Peer. Beinahe, wie ein scheues Reh, was sich vor dem Jäger fürchtete.

 

*-*-*

 

Eben hatte sich Peer völlig entspannt, genoss die frische Luft, die schöne Gegend, als er plötzlich etwas spürte und die Augen sogleich öffnete.

 

Sven... hatte er ihn wirklich... geküsst?

 

Jetzt... ja, jetzt dämmerte es ihm langsam... jetzt ahnte er was mit Sven los war, warum dieser unbedingt hatte mitkommen wollen und warum er sich von Mike getrennt hatte.

 

Er grinste Sven an, der ihn von unten hoch anschaute... was total lieb und süß aussah.

 

"Das hat sich so schön angefühlt... war aber... entschieden zu kurz. Kannst das bitte noch mal tun? Und dann wüsste ich bitte gern, warum... warum du mich unbedingt begleiten wolltest.", flüsterte Peer Sven zu, legte seine Hand auf die von Sven und strich sanft darüber, während er ihn sanft in die Augen schaute.

 

*~*

 

Noch immer in Gedanken spürte ich, wie mich zwei Arme umschlangen und ich drehte mich um... schaute fragend in Kais Augen.

 

Doch sagen konnte ich erst mal nichts... es fühlte sich fremd an... nicht so, wie wenn meine Eltern oder meine Schwester mich umarmten.

 

"Schon gut, es tut mir leid... wirklich... ich wollte dich... nicht enttäuschen.", flüsterte ich ihm leise zu... senkte dann aber meinen Blick.

 

*-*-*

 

Sven begann wieder zu strahlen und so hatte er lange nicht gelächelt. Sofort legte er erneut seine Lippen auf die von Peer und küsste ihn liebevoll.

 

Kurz berührte seine Nase, die von Peer, als er sich von dem längeren Kuss löste.

 

''Ich... bin schon eine ganze Weile in dich verliebt'', erklärte er dann und lächelte verlegen.

 

Endlich war es raus und er fühlte sich gut dabei, weil Peer ihn nicht abgewiesen hatte.

 

*~*

 

Sanft legte ich meine Hand an Ryus Kinn und zog seinen Kopf lieb nach oben.

 

''Alles okay. Du hast mich nicht enttäuscht. Wirklich. Nur wäre es schön, wenn du noch ein wenig bleiben würdest. Aber nur, wenn du es auch kannst.

 

Ich werde mir mehr Mühe geben, dich abzulenken, wenn du mich lässt'', sagte ich und kratzte mich verlegen am Hinterkopf, weil ich irgendwie versaute Gedanken dabei im Kopf hatte.

 

Zum Glück konnte Ryu meine Gedanken nicht lesen. Wusste ich doch nicht, wie er das finden würde.

 

*-*-*

 

Nur zu gern erwiderte Peer den langen Kuss von Sven und hörte ruhig zu, was dieser ihm sagte.

 

"Das habe ich mir eben auch gedacht.", antwortete Peer und hielt Svens Blick mit dem seinen gefangen: "Ich glaube... ich habe mich auch in dich verliebt und könnte mir vorstellen... mit dir zusammen zu sein.", dabei lächelte er Sven voller Liebe an... sah auch dessen strahlendes Lächeln, das ihn nicht losließ.

 

Dann beugte er sich zu Sven und legte seine Lippen sanft auf die seinen, küsste ihn erst sanft-zärtlich, dann leidenschaftlich...

 

Wie? Es ging ihm schlecht? Quatsch, wer sagte denn so was?

 

Im Moment ging es ihm mehr als gut...

 

*~*

 

Ich spürte Kais Hand an meinem Kinn und wie er meinen Kopf hob... ich ihm in die Augen schauen musste.

 

Aufmerksam hörte ich seinen Worten zu und konnte erst mal wieder nichts anderes tun, als zu nicken.

 

"Gut, ich... bleibe und werde versuchen dich nicht zu enttäuschen. Danke, dass du... für mich... da bist.", sagte ich leise zu Kai und versuchte ihm ein Lächeln zu schenken, was mir gerade jetzt irgendwie sehr schwer fiel.

 

Da war etwas in Kais Blick, das ich nicht zu deuten wusste.

 

*-*-*

Jetzt strahlte Sven erst recht und erwiderte nur zu gerne den Kuss von Peer. Natürlich übertrieb er es nicht, da sie ja auch in einem Park saßen und er nicht mal wusste, wie man so was hier in Japan finden würde.

 

Doch konnte er den warmen Lippen und der heißen Zunge von Peer kaum widerstehen. So lange hatte er sich danach verzehrt.

 

Erst eine ganze Zeit später, löste sich Sven von Peer.

 

''Ich glaube, wir sollten langsam zurück, sonst bekommst du kein Abendbrot mehr'', lachte Sven, Peer an. Auch wenn er noch ewig so hätte weitermachen können.

 

*~*

 

''Bitte Ryu. Du enttäuscht mich nicht, nur weil du Heimweh hast'', sagte ich zu Ryu.

 

''Na, dann komm, lass uns ein wenig rausgehen. Das wird uns Beiden gut tun'', kam es dann von mir und ich legte kurz den Arm um Ryu. Er fühlte sich wirklich gut an und sah dazu auch noch so gut aus.

 

Ob Peer es mir übel nehmen würde, wenn ich Ryu vernasche? Wenn ich mein Glück bei ihm versuchen würde?

 

*-*-*

 

"Ach herrje... ja, mein Abendbrot... will ich ja um keinen Preis verpassen.", kicherte Peer los und konnte sich kaum noch halten.

 

Langsam erhob er sich, setzte sich in den Rollstuhl und versuchte so schon mal allein den Rollstuhl zu lenken und sich damit fortzubewegen.

 

Sven sollte nicht so viel Arbeit mit ihm haben, das wollte Peer nicht... auch wenn Sven ihm versichert hatte, dass er es gern tat, so wollte er es dennoch nicht ausnutzen.

 

Das gehörte sich, seiner Meinung nach, nicht.

 

Sven bekam noch ein liebevolles Lächeln, dann rollte er langsam mit Sven zurück.

 

*~*

 

Ich nickte nur verständig, ließ es mir auch gefallen, dass er seinen Arm um mich legte, was hier wohl Freunde untereinander gern taten, soweit ich von Peer wusste.

 

Also dachte ich mir nichts dabei und ging mit Kai mit.

 

Vielleicht sollte ich mir wirklich keine Gedanken mehr machen, und einfach alles auf mich zukommen lassen. Kai war nett und freundlich und er kümmerte sich ein wenig um mich, was konnte ich mehr erwarten...

 

Im Flur angekommen zog ich mir die Jacke und auch Schuhe an und wartete dann auf Kai.

 

Ich war schon sehr gespannt, was mich erwartete.

 

"Also, ich wäre dann soweit.", sagte ich zu Kai, mit einem sanften Lächeln.

 

*-*-*

 

Als Sven und Peer in der Klinik ankamen, brachte Sven den Rollstuhl wieder weg und setzte sich zu Peer aufs Bett. Es fühlte sich unglaublich toll für ihn an, endlich mit Peer zusammen zu sein.

 

Seine Hand legte sich auf Peers und erneut küsste er ihn.

 

Dieses mal aber nur kurz, weil die Tür aufging und tatsächlich schon das Essen kam. Etwas verlegen stand Sven auf, damit sie für Peer alles herrichten konnten.

 

Ein wenig merkte er nun schon die Röte in sein Gesicht steigen, da er ausgeblendet hatte, dass sie in einem Krankenhaus waren.

 

''Darf ich dir noch Gesellschaft leisten? Ich kann auch später essen. Obwohl Ryus Eltern sicher mit dem Essen auf mich warten'', kam es dann von ihm und er war hin und hergerissen zu gehen oder zu bleiben.

 

*~*

 

Auch ich zog mir Jacke und Schuhe an, bevor ich mit Ryu das Haus verließ. Wir fuhren mit meinem Wagen in die Stadt, wo ich Ryu die Bücherei zeigte, da ich stark vermutete, eventuell auch fürs Studium, könnte ihm das interessieren.

 

''Wir können dir auch einen Leihausweis machen lassen, wenn du möchtest'', bot ich ihm an.

 

Danach stand ich ein wenig in der Luft, da ich so gar nicht wusste, wofür Ryu sich interessierte. Also lud ich ihn erst mal zu einem Kaffee ein.

 

In dem Café, wo wir uns hinsetzten, hatten wir eine gute Sicht, auf viele Geschäfte.

 

''Hier kannst du alles mögliche einkaufen. Wenn du möchtest zeige ich dir nachher welcher Bus hierher fährt, dann bist du unabhängiger'', sagte ich zu Ryu.

 

Dabei wusste ich nicht mal, was Peer ihm schon alles gezeigt hatte.

 

''Wofür interessierst du dich noch so? Was möchtest du sehen? Oder sollen wir doch wegen Tapeten schauen gehen'', zwinkerte ich Ryu zu.

 

''Wenn ich zu schnell spreche, dann sage es bitte'', kam es dann noch von mir, da ich das Gefühl hatte, zu viel zu reden.

 

*-*-*

 

Ohne mich zu schämen, als die Schwester das Essen brachte, legte Peer seine Hand liebevoll auf Svens Wange und strich sacht drüber, nachdem er den Kuss erwidert hatte.

 

"Geh nur... es wäre unhöflich würdest du zu spät zum Abendbrot bei Mariko und Yoshi sein. So etwas mögen sie hier nicht. Wir sehen uns dann morgen wieder, okay. Ich liebe dich.", sprach Peer mit einem sanften Lächeln zu Sven.

 

Dann ließ er sich noch den Tropf, mit dieser Chemotherapie anlegen... der letzte, denn morgen wollten sie mit der anderen Therapie beginnen und begann ein wenig zu essen.

 

*~*

 

Mit Staunen war ich mit Kai mitgegangen und hatte mir alles zeigen und erklären lassen. Es war schön, ihm zuzuhören, auch wenn ich teilweise nur die Hälfte von dem verstand, was er mir erzählte und erklärte.

 

"Ein bisschen langsamer wäre gut, danke Kai.", bat ich ihn und meine Augen begann zu strahlen, als wir in die Bibliothek kamen und er mir anbot einen Leihausweis ausstellen zu lassen.

 

"Ich mag Bücher gern und ich hätte gern einen Leihausweis, wenn das okay ist.", sprach ich langsam zu Kai und freute mich.

 

Nach einer Weile saßen wir in einem Café und ich trank einen Cappu, hörte auch weiter zu was Kai erzählte, musste mich aber mächtig anstrengen, um mitzukommen.

 

"Also, neue Tapeten sind eigentlich nicht notwendig, aber ein paar Bilder wären schön und neue Möbel würde ich mir gern kaufen. Keine Sorge, die brauchst du nicht zu bezahlen.

 

Nun, was mich interessiert... Lesen, Lernen, Musik, Anime und Manga.", fügte ich hinzu.

 

Ich wollte mir ein japanisches Zimmer machen, so würde ich mich vielleicht gleich sehr viel wohler fühlen.

 

*-*-*

 

''Ich liebe dich auch. Bis Morgen'', hatte Sven noch gesagt und Peer geküsst, bevor er zu Ryus Eltern gegangen war, um dort Abendbrot zu Essen.

 

Nur ungern ließ er Peer zurück, wie jeden Tag, doch heute vermisste er ihn noch mehr.

 

Aber er wollte auch höflich sein, verständigte sich mit Händen und Füßen, damit Ryus Eltern auch erfuhren, was bei Peer im Krankenhaus vor sich ging. Dass sie zwei jetzt ein Paar waren, verschwieg er lieber erst mal.

 

*~*

 

Natürlich bekam Ryu einen Ausweis für die Bibliothek und ich versuchte langsamer zu reden.

 

''Okay. Dann gehen wir gleich mal wegen Bilder und Möbel schauen'', lächelte ich Ryu an und merkte, wie er aufblühte.

 

Außerdem lag auf dem Weg noch ein sehr guter Second-Hand-Laden für Bücher, Manga und Anime, den ich Ryu ebenfalls zeigen wollte.

 

Es war schön ihn so fröhlich zu sehen und mein Herz machte einen Sprung bei diesem bezaubernden Lächeln. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt meinen, dass ich dabei wäre, mich in Ryu zu verlieben. Herrje...

 

*-*-*

 

Von seinem Abendessen hatte er nicht einmal die Hälfte essen können, denn schon waren da wieder die Nebenwirkungen der Chemotherapie und er musste sich übergeben.

 

Er war schon froh, dass Sven das jetzt nicht mitbekommen hatte, sonst hätte sich sein Liebster bloß Sorgen gemacht und das wollte Peer nicht. So klingelte er nur nach der Schwester und erklärte ihr was los sei.

 

Die Schwester verständigte sogleich die Ärzte, die ihm den Tropf abnahmen und ihn für die andere Therapie vorbereiteten... die sie gleich durchzuführen gedachten.

 

So hatte es keinen Sinn, Peer würde sich nur unnötig quälen, was für einen Schwerkranken, wie Peer, schlimme Folgen haben konnte.

 

Seine Werte hatten sich ja glücklicherweise so verbessert, dass sie es jetzt wagen konnten.

 

Noch in dieser Nacht bekam er die andere Therapie verabreicht, was schon etwas dauerte, aber funktionieren musste... sonst... wäre Peer nicht mehr zu retten.

 

Es musste jetzt einfach funktionieren... es musste...

 

Erst gegen Morgen schlief Peer in einem Zimmer, auf der Intensivstation, auf die man ihn verlegt hatte, ein. Vorläufig durfte er keinen Kontakt zu Besuchern haben... bis man wirklich wusste, dass die Therapie wirkte.

 

Wenn Peer Glück hätte, hätte er es so dann bald hinter sich und den Krebs besiegt. Jedoch hieß es nun... abwarten...

 

*~*

 

Mit strahlenden Augen und einem ebenso strahlenden Lächeln, mit dem ich Kai bedachte, hörte ich was Kai sagte und freute mich schon riesig.

 

Nachdem Kaffeetrinken machten wir uns auf in die besagten Geschäfte und ich fand alles was ich brauchte und mir wünschte.

 

So kaufte ich mir ein paar japanische Bilder, mit Landschaften und Sängern drauf, einen riesigen Fächer, Bambuspflanzen, ein Futonbett, einen kleinen Tisch und Sitzkissen und einen wunderschönen japanischen Schrank mit supertollen Motiven drauf. Aber auch japanische Bettwäsche kaufte ich und bezahlte alles selbstverständlich selbst.

 

Wie man mir sagte, würde alles am nächsten Tag geliefert werden, woraufhin ich mich bedankte.

 

Danach inspizierte ich den Second-Hand-Laden, wo ich mir verschiedene Manga kaufte.... einige waren doch tatsächlich in Japanisch verfasst und einige in Deutsch.

 

Ich freute mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. So war ich tatsächlich abgelenkt und dachte erst einmal nicht mehr an Daheim.

 

*-*-*

 

Sven hatte sich nach dem Abendessen in sein Zimmer zurückgezogen und Kai noch eine Mail geschickt, indem das Hauptthema war, dass er jetzt mit Peer zusammen war.

 

Unendlich glücklich schlief er ein und erwachte genauso strahlend am nächsten Morgen. Dazu schien noch die Sonne und das Frühstück schmeckte gleich doppelt so gut.

 

Wie jeden Tag verabschiedete er sich von Ryus Eltern, um den Tag im Krankenhaus zu verbringen. Er wollte wie immer erst zum Abendessen wieder da sein. Dabei war er aber jedes mal höflich und stets dankbar, weil er hier wohnen durfte.

 

Im Krankenhaus angekommen, betrat er sogleich Peers Zimmer, was zu seinem schrecken leer stand. Wie versteinert stand er da, hatte schon mit den Tränen zu kämpfen, als auf einmal eine Schwester hinter ihm stand.

 

Mit Händen und Füßen versuchte sie sich mit ihm zu verständigen, was in Sven jetziger Situation total nach hinten losging. Nachdem auch eine weiter Schwester nichts erreichte, schickte man nach einem Arzt, der ein paar Brocken Deutsch konnte und endlich alles aufklärte.

 

Zu Peer ins Zimmer durfte Sven erst mal nicht, aber er schaute lange durch die Scheibe zur Intensivstation und konnte mit Mühe und Not das Zimmer sehen, indem sein Angebeteter lag.

 

Was, wenn Peer es nicht schaffen würde? Dann hätte er ihn gestern zum ersten und zum letzten Mal geküsst. Sven könnte sich Ohrfeigen nicht eher zu seinen Gefühlen gestanden zu haben. Nur weil er Angst hatte abgewiesen zu werden.

 

*~*

 

Wie sehr es mich freute Ryu aufblühen zu sehen. Es machte ihn noch viel süßer und langsam lernte ich ihn auch besser kennen. Zu dem die Schmetterlinge in meinem Bauch zahlreicher wurden und ich mich arg zusammenreißen musste.

 

Nachdem wir alles besorgt hatten, zeigte ich Ryu noch etwas ganz wichtiges – einen Telefonshop. In diesem konnte er für wenig Geld nach Hause telefonieren. Irgendwie hatten die günstige Tarife und boten es somit auch günstiger an, als wenn man von Zuhause anrufen würde.

 

*-*-*

 

 

~ Ein halbes Jahr später ~

 

 

Wie durch ein Wunder hatte es Peer doch geschafft. Er hatte den Krebs tatsächlich besiegt. Seine Werte waren normal und sehr gut und er war nun schon seit einem Monat wieder aus dem Krankenhaus heraus.

 

Da sich Peer aber noch erholen musste, blieb er mit Sven erst mal noch bei Ryus Eltern wohnen. Einmal die Woche musste er noch ins Krankenhaus, zur Untersuchung, aber es blieb dabei... er hatte es geschafft.

 

Peer sah jetzt auch viel besser aus. Sein ehemals blasses Gesicht hatte etwas Farbe bekommen, auch hatte er etwas zugenommen, nicht zu viel, aber er sah jetzt wieder wie ein gesunder junger Mann aus.

 

Die große Krise war vorbei, endlich konnte er seine Liebe zu Sven genießen.

 

Der größte Dank gebührte allerdings Ryu, seinen Eltern und den sehr guten Ärzten, die ihm das alles erst ermöglicht hatten.

 

Ohne sie alle, wäre Peer jetzt tot, aber er lebte und freute sich auf eine gemeinsame Zukunft mit Sven, den er mehr als alles andere auf der Welt liebte und der die ganze Zeit über immer für ihn da gewesen war... ihm beigestanden hatte.

 

Nur noch ein paar Tage, dann würden beide wieder nach Deutschland fliegen...

 

*~*

 

Auch ich wusste inzwischen von meinen Eltern, dass Peer es geschafft hatte und freute mich riesig, dass es meinem Freund wieder gut ging.

 

Zwischenzeitlich hatte ich doch sehr gut hier eingelebt und schon sehr viel lernen können. Mein Deutsch verbesserte sich immer mehr und auch mit Kai kam ich weiterhin gut aus.

 

Allerdings stieg ich noch immer nicht dahinter, warum Kai mich mit diesen seltsamen Blicken anschaute.

 

Mein Zimmer war nun vollständig im japanischen Stil eingerichtet und ich fühlte mich hier tatsächlich wie zuhause. Kais Hilfe hatte ich dankbar angenommen und ging nun zum Telefonieren immer in den Telefonshop.

 

In der Stadt kannte ich mich mittlerweile sehr gut aus, was ich nur Kai verdankte.

 

Auf der Uni kam ich weitgehend gut mit allen aus und mal wieder war ich einer der Besten... mit sehr guten Noten. Dafür lernte ich auch beinahe jede freie Minute, was mir großen Spaß machte.

 

Natürlich verbrachte ich auch etwas Zeit mit Kai oder las zwischendurch Manga... aber eben die meiste Zeit, saß ich an meinem Schreibtisch und lernte.

 

*-*-*

 

''Eigentlich schade, dass wir bald abreisen'', kam es von Sven, der liebevoll über Peers nackten Oberkörper streichelte.

 

''Obwohl ich mich sehr auf Zuhause freue, werde ich es hier auch vermissen irgendwie'', lächelte er seinen Angebeteten an, während sie zusammen im Bett lagen.

 

*~*

 

Die Zeit verging wie im Flug und ich bereitete alles für die Ankunft der Beiden vor. Die Zimmer hatte ich von oben bis unten gesäubert und die Betten frisch bezogen.

 

Jetzt schrieb ich erst mal die Einkaufsliste, da ich genau wusste, was die Zwei gerne aßen und worüber sie sich freuen würden.

 

Mit Ryu kam ich blendend aus, vielleicht sogar zu gut. Meine Schmetterlinge hatten sich in eine richtige Liebe verwandelt und ich wusste nicht, wie ich es Ryu beibringen sollte.

 

Oder, ob ich das überhaupt wollte. Vielleicht wäre es besser zu schweigen, zu viel sprach dagegen und ich war mir sicher, dass Ryu in mir nur einen Freund sah.

 

Es war, als wäre da eine Mauer, die ich nicht überqueren konnte.

 

Dabei himmelte ich ihn geradezu an und ich merkte nicht mal, dass ich ihn oft mit meinen Blicken beinahe auszog.

 

*-*-*

 

Während Peer das sanfte Streicheln seines Schatzes genoss hörte er auch, was dieser sagte und antwortete, wie immer scherzend... nein, er hatte sich kein Stück geändert:

 

"Wir können auch gern hier bleiben. Japan ist eh mein Traumland und das bisschen Japanisch bringen wir dir auch noch bei..." und kicherte dann einfach los.

 

Eigentlich war es ja gar nicht mal so unrichtig... Peer würde tatsächlich viel lieber hier bleiben, doch konnte und würde er das Sven nicht antun... und Kai wäre, mich Sicherheit, auch ziemlich traurig. Peer wusste das und beließ es dabei, dass es eben als Scherz gemeint war.

 

Er drehte sich zu Sven um und streichelte ihn ebenfalls, es war schön, dass sie beide so beieinander lagen und ihre Zweisamkeit genießen konnten.

 

*~*

 

Da ich wusste, dass Peer und Sven bald wieder hier wären, hatte ich ein Geschenk für die Beiden besorgt, denn ich freute mich schon sehr auf ihre Rückkehr, insbesondere freute ich mich auf Peer, der endlich gesund war.

 

Ich hatte es gewusst, dass man ihm dort helfen und ihn heilen konnte. Dafür hatte ich gern das Geld ausgegeben. Für meinen Freund würde ich das immer wieder tun.

 

Auch Kai bemühte sich sehr, alles für die Rückkehr der Beiden vorzubereiten, wobei ich ihm half, wenn ich Zeit hatte.

 

Nur seine Blicke... konnte ich nicht deuten und wollte ihn nun endlich drauf ansprechen, denn ich hatte mir das jetzt schon lange genug, seit einem halben Jahr mit angeschaut und jetzt wollte ich ihn einfach zur Rede stellen.

 

So suchte und fand ich Kai, stellte mich ihm entgegen und sprach ihn an:

 

"Kai, ich würde gern mal mit dir reden, wenn es möglich ist.", ich machte eine Pause und holte tief Luft, ehe ich weitersprach: "Was ist mit dir los? Was sind das für Blicke, die du mir ständig zuwirfst? Ich verstehe das nicht und bitte dich, es mir zu erklären.", dabei schaute ich Kai streng, aber auch sanft in die Augen.

 

Als Vollblutjapaner war ich ja sehr stur und hartnäckig, so dass ich sicher nicht eher nachgeben würde, bis ich eine vernünftige und vor allem logische Antwort von ihm erhalten hätte.

 

Es gab eben nur zwei Möglichkeiten... entweder er sagte mir endlich was mit ihm los war und redete mit mir, oder aber... ich würde ihm für die nächsten zweieinhalb Jahre aus dem Wege gehen und mir eventuell eine andere Bleibe suchen müssen.

 

Denn so wollte ich auf gar keinen Fall weiter machen.

 

*-*-*

 

Sven wusste natürlich, dass Peer es nicht nur als Scherz gemeint hatte. Doch beließ er es dabei und genoss mit ihm die verbleibende Zeit in Japan.

 

*~*

 

Auf einmal stand Ryu vor mir und verlangte auch noch, dass ich ihm erklärte, wieso ich ihn immer so anschaute.

 

Ich seufzte und wusste, ich musste es ihm sagen.

 

''Weißt du Ryu... Anfangs waren es nur Schmetterlinge in meinem Bauch... Aber mittlerweile muss ich zugeben... Ich hab mich ganz schön in dich verliebt!...

 

Verzeih mir, aber ich kann ja nichts dafür.

 

Natürlich verstehe ich, wenn du jetzt Abstand willst. Nur sollst du wissen, ich würde nichts tun, was du nicht willst...'', sprach ich vor mich hin.

 

Meine Chancen rechnete ich sehr schlecht aus...

 

*-*-*

 

Irgendwie musste ich gerade hart schlucken... hatte Kai das gerade eben wirklich gesagt?

 

Mit großen Augen schaute ich mein Gegenüber an, wusste gerade nicht was ich dazu... zu diesem Geständnis sagen sollte.

 

"Du... hast... ähm... sorry, ich weiß gerade nicht was ich sagen soll. Weil... ich damit nicht gerechnet habe.

 

Zu verzeihen habe ich dir nichts... warum auch? Und Abstand... möchte ich auch nicht. Ich mag dich wirklich echt... au man, ich komm mir gerade so dumm vor... weil ich nicht weiß... wie ich auf dein Geständnis ...dieses wirklich ...süße Liebesgeständnis... reagieren soll.

 

Ich war wohl sehr blind... dass ich das nicht gesehen habe.

 

Vielleicht sollte ich dich wohl eher um... Verzeihung bitten...", stotterte ich und stammelte ich mir zusammen... so irgendwie vor mich her, während sich meine Wangen in ein leichtes Rot färbten und sich mein Blick ganz plötzlich senkte.

 

*-*-*

 

Jetzt wusste ich nicht was ich sagen sollte. Ryu reagierte so verdammt niedlich, dass ich mich richtig zusammenreißen musste.

 

Eine ganze Weile starrte ich ihn einfach nur an, wie er errötete und seinen Blick senkte.

 

''Du bist eben einfach süß, da konnte ich nicht anders. Aber wieso musst du mich um Verzeihung bitten?'', wollte ich dann wissen.

 

''Weil du nichts bemerkt hast? Ich habe es ja auch sehr gut versteckt...'', fügte ich dann hinzu.

 

So gerne wollte ich einen Schritt auf ihn zumachen, doch was dann? Wollte er das überhaupt?

 

*-*-*

 

"Weil ich doch nur am lernen war und nicht merkte... das heißt so ganz richtig ist das ja nicht... ich hab schon gemerkt und gesehen, wie du mich andauernd angeschaut hast... aber ich konnte es nicht deuten."

 

Was sollte ich denn jetzt tun?

 

Die Unsicherheit hatte mich erfasst, was ich von mir so gar nicht gewohnt war, doch jetzt und hier... kam ich mir so hilflos vor... so... wusste ich nicht was ich tun konnte, sollte... oder wollte...

 

Den Fußboden mit meinen Blicken fixierend, schien es als suchte ich dort nach Antworten oder einer Lösung, was ich jetzt tun konnte.

 

Mein Herz setzte plötzlich einen Schlag aus, um dann sehr heftig weiter zu schlagen... mein Blick heftete sich nun an Kais Augen... hielt diese gefangen... als wollte ich darin etwas sehen... doch schien ich mich nur in seinen Augen zu verlieren... wenn ich nicht aufpasste.

 

*-*-*

 

Dieser Blick mit dem Ryu mich anschaute, herrje...

 

''Das ist alles okay. Weil das Lernen doch auch sehr wichtig ist für dich...'', sprach ich und blickte ihm weiter in die Augen, ''Was... Was denkst du denn jetzt?''

 

Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, ihn verlegen gemacht zu haben.

 

Dabei kam ich mir gerade wie ein Anfänger vor, dabei hatte ich eigentlich doch genügend Erfahrung. Mensch Kai, gib dir einen Ruck, verdammt nochmal!

 

Nein, so war ich aber nicht. Nie war ich ein Draufgänger gewesen oder hatte Männer aufgerissen. Es hatte sich meistens ergeben und jetzt stand ich da und wusste nicht ein, noch aus.

 

Sven hatte sich auch getraut und ich? Hmm...

 

*-*-*

 

Gute Frage... was dachte ich jetzt?

 

"Was ich denke? Ich weiß nicht... was ich denken... oder tun soll... ich... weiß nicht... bin mir so unsicher.... irgendwie... verwirrt.

 

Ich... verzeih mir... ich hätte dich nicht fragen... oder zur Rede stellen sollen... es tut mir leid... ich..."

 

Toll, das hast du echt toll gemacht, Ryu Yamato... du bist so ein Volltrottel!

 

Mir war meine Reaktion plötzlich so peinlich, dass ich mich umdrehte und hoch in mein Zimmer rannte, wo ich mich bäuchlings auf Bett warf und ...warum auch immer... losheulte...

 

Ich war doch so ein Vollidiot!

 

VERDAMMT!

 

*-*-*

 

Jetzt steckte ein dicker Kloß in meinem Hals und ich versuchte wie blöd zu schlucken, doch er ging nicht weg. Seufzend setzte ich mich wieder an den Tisch und versuchte den Einkaufszettel weiter zu schreiben.

 

Hoffentlich wollte Ryu wirklich nicht ausziehen und ließ sich von mir nicht alles verderben, von mir und meinen Gefühlen. Warum hatte ich es ihm auch gesagt. Hätte ich ihn doch lieber angelogen.

 

Nur darin war ich nicht wirklich gut und auch tat ich es einfach nicht gerne.

 

Ein paar Tränen musste ich wegwischen und versuchte mich zu konzentrieren. Hatte ich jetzt alles aufgeschrieben?

 

Mist... Sollte ich hochgehen? Oder jetzt einkaufen gehen?

 

Ich wollte Ryu nicht verwirren. Ach wären Peer und Sven doch schon da. Peer würde Ryu sicher halt geben können.

 

*-*-*

 

Warum war ich nur hierher gekommen?

 

Mehr denn je wollte ich wieder heim... ich hatte mich benommen, wie ein Idiot.

 

Aber ich hatte doch damit nicht gerechnet. Was sollte ich denn tun... immer wieder stellte ich mir diese Frage und fand doch keine Antwort darauf.

 

Eines stand fest, Kai hatte ich nun doch enttäuscht und so blieb mir keine andere Möglichkeit... ich würde meinen Aufenthalt hier abbrechen und wieder heim fliegen... ich hätte hier gar nicht erst herkommen dürfen.

 

Weinend stand ich auf, ging zunächst ans Fenster und schaute hinaus. Dann nickte ich mir selbst zu, ging zu meinem Schrank und holte meine Sachen heraus. Dann schnappte ich mir meinen Koffer und packte, nebenbei buchte ich für den nächsten Tag einen Flug nach Hause...

 

Nie wieder würde ich mich irgendwo sehen lassen... konnte ich doch eh nur alle enttäuschen...

 

*-*-*

 

Nachdem von oben immer noch nichts kam, stand ich nun doch auf. Unsicher ging ich die Treppe hinauf und klopfte an Ryus Tür.

 

Nachdem er mich hereingebeten hatte, betrat ich sein Zimmer und sah, dass er packte.

 

''Du willst fort?'', fragte ich und musste die Tränen hinunterschlucken, die hochkamen, ''Ryu, bitte, bleib. Ich bekomme meine Gefühle in den Griff, lass es dich nicht mal merken. Das verspreche ich dir...''

 

Aber vielleicht wäre es besser, wenn er gehen würde. Dann würde es nicht so weh tun.

 

*-*-*

 

Schluchzend weinte ich vor mich hin, während ich packte, als plötzlich Kai in meinem Zimmer stand und mir etwas sagte.

 

"VERDAMMT! HÖR AUF DAMIT! DAS HAT DOCH NICHTS DAMIT ZU TUN, DASS DU MIR DEINE GEFÜHLE GESTANDEN HAST.... ICH BIN EIN VOLLIDIOT! VERSTEHST DU DAS?!", machte ich mir nun sehr verzweifelt, aber heftig Luft.

 

Dann ließ ich mich einfach vor meinem Bett zu Boden gleiten und weinte einfach nur noch.... zog die Knie an meinen Körper heran.

 

*-*-*

 

''Hey! Nein... Du bist kein Vollidiot'', sagte ich zu Ryu, hockte mich zu ihm und nahm ihn einfach in die Arme. Ganz liebevoll hielt ich ihn und streichelte über seinen Rücken.

 

''Warum solltest du ein Vollidiot sein? Na ja, selbst wenn, dann bin ich auch einer und darüber hinaus, liebe ich eben einen Vollidioten'', kam es von mir, wobei ich Ryu immer noch hielt.

 

Es fühlte sich so wahnsinnig gut an und mein Herz raste. Warum musste er auch so verdammt süß sein?

 

Verzweifelt suchte ich dann nach einem Taschentuch, doch hatte ich keines bei mir. Weshalb ich dann die Tränen mit meinen Fingern versuchte zu trocknen.

 

Am Liebsten hätte ich jede einzelne weg geküsst, weil es mir das Herz brach, ihn so zu sehen.

 

*-*-*

 

Nun konnte ich nicht mehr anders, als mich Kai so lieb in den Armen hielt, lehnte mich an ihn... hielt mich an ihm fest und weinte ungehemmt weiter.

 

Jetzt kam alles raus was mich bewegte... Peer, der wieder gesund war und bald wieder hier wäre, meine Eltern, meine Schwester und meine Heimat, die ich stark vermisste und zu guter Letzt nun auch noch Kais Geständnis.

 

Bald wurde aus den vielen Tränen nur noch ein Schluchzen, dann kuschelte ich mich an ihn, hielt ihn aber noch immer fest.... als hätte ich Angst er könnte jeden Moment verschwinden.

 

Dann aber hob ich meinen Kopf ein wenig, schaute Kai tief in die Augen... fragend... sanft... abwartend... ja, sehnsuchtsvoll....

 

*-*-*

 

Die ganze Zeit über hatte ich Ryu festgehalten und sanft gestreichelt. Als er mich jetzt so ansah, musste ich hart schlucken. Sollte ich? Durfte ich wirklich?

 

Langsam näherte mein Gesicht sich dem seinen und dann küsste ich Ryu einfach.

 

Ganz Vorsichtig, aus Angst, ich könnte ihn, wie einen Ballon platzen lassen. Trotzdem steckte ich sehr viel Gefühl in diesen Kuss, während ich seine Nähe genoss und nicht gedachte ihn loszulassen.

 

Wie konnte er mir nur so den Kopf verdrehen?

 

*-*-*

 

Wie ein scheues Reh schaute ich Kai an, der irgendwie unsicher zu sein schien... aber dann sah ich, wie sein Gesicht dem meinem immer näher kam und spürte dann auch schon seine Lippen auf den meinen.

 

Ich konnte richtig spüren, wie viel Gefühl und Liebe in dem Kuss lag, den ich nur sehr zaghaft erwiderte... so als könnte ich etwas falsch machen.

 

Dann schlossen sich meine Augen und ich schmiegte mich an, genoss wie er mich hielt, mich nicht mehr loslassen wollte... diese Zweisamkeit.

 

Währenddessen machten sich, zum ersten Mal in meinem Leben, Gefühle in meinem Bauch breit, die sich toll anfühlten und doch so unbekannt für mich waren.

 

Konnte es sein... konnte es wirklich sein, dass ich für Kai Gefühle entwickelte... fühlte sich so Liebe an? Auf jeden Fall fühlte es sich mehr als gut an. Alles andere um mich herum blendete ich einfach aus... genoss jetzt einfach was ich fühlte.

 

*-*-*

 

Wie gut es sich anfühlte, zumal Ryu den Kuss zu erwidern schien.

 

Ganz sanft löste ich mich, lächelte Ryu an, streichelte sanft mit der Hand über seine Brust, um ihn dann noch einmal zu küssen.

 

Meine Hände schienen zu zittern und trotzdem machte ich weiter, weil auch keine Gegenwehr kam. Als ich dann erneut den Kuss unterbrach und Ryu anschaute, wusste ich im ersten Moment nicht, was ich sagen sollte.

 

''Alles okay?'', wollte ich dann von ihm wissen, da ich ihn ja ein wenig überrumpelt hatte, obwohl ich versprochen hatte, nichts zu tun.

 

Aber mein Herz schrie danach und wollte Ryu nahe sein.

 

Etwas verlegen war ich nun, da er so in meinen Armen lag und ich regelrecht über ihn hergefallen war. Obwohl ich mich ja noch zurückhielt.

 

*-*-*

 

Wieder spürte ich seine tollen weichen Lippen auf den meinen und erwiderte seinen Kuss abermals. Seine Hand, die meine Brust streichelte, fühlte sich toll an und ich entspannte mich merklich.

 

Auf seine Frage antwortete ich ihm: "Ja... alles gut..." und genoss seine Nähe zunehmend.

 

Auch sein Lächeln, das er mir schenkte, erwiderte ich nur allzu gern, schmiegte und kuschelte mich richtig an ihn, hielt ihn fest, damit er nur nicht etwa verschwinden konnte.

 

Meine Hände begannen seinen Körper zärtlich streichelnd zu erforschen und es fühlte sich gut an, was ich spürte.

 

Ein wenig unsicher fühlte ich mich, aber ich konnte einfach nicht aufhören ihn zu berühren und zu streicheln... er hatte eben einen tollen Körper.

 

*-*-*

 

''Heißt das, du willst es mit mir versuchen?'', fragte ich Ryu und schaute ihm dabei tief in die Augen.

 

Mein Herz raste und ein Lächeln lag immer noch auf meinen Lippen.

 

''Ich liebe dich'', sprach ich, ''Magst du versuchen, mich lieben zu lernen?''

 

Liebevoll schaute ich Ryu an und war gespannt auf seine Antwort.

 

*-*-*

 

Auf Kais Frage nickte ich zunächst nur lächelnd.

 

Dann antwortete ich aber: "Ja, ich würde es gern mit dir versuchen und ja... ich würde gern lernen dich zu lieben."

 

Es war das was ich fühlte und wollte es ihm auch sagen … und genauso sagte ich es ihm auch.

 

Sacht hob ich meine Hand und streichelte liebevoll – sanft über seine rechte Wange und lächelte, ihm in die Augen schauend, noch immer an.

 

*-*-*

 

 

Kai und Ryu wurden ein Paar, wobei Ryu lernte Kai zu lieben. Dabei fiel es ihm nicht schwer, so wie Kai ihn auf Händen trug.

 

Auch besuchten sie regelmäßig Ryus Eltern und nachdem Ryu die Schule beendet hatte, blieben sie mal ein halbe Jahr dort und dann wieder ein halbes Jahr in Deutschland.

 

Peer und Sven blieben auch zusammen und machten sehr oft Urlaub in Japan. Sie bewohnten nach einem kleinen Umbau die obere Haushälfte und blieben somit auch mit Kai und Ryu befreundet.

 

 

~Ende~