Details Dreams
Detailliert - Startseite

Blutiges Vermächtnis

Blutiges Vermächtnis

 

 

written by Detail and Dark Sephiroth

 

 

Die Charaktere in dieser Geschichte gehören uns nicht, wir haben sie uns, für die Geschichte, nur ausgeborgt. Das Copyright liegt bei Amy Hennig, Crystal Dynamics, Eidos und Silicon Knights.

 

Wir werden die Geschichte des Spiels nicht nachspielen bzw. nachschreiben, es soll eine für sich abgeschlossene Geschichte werden, in der vielleicht ein paar Kleinigkeiten aus der Gamestory vorkommen können, aber nicht müssen.

 

Die Charaktere werden wir hier, für die Story, eventuell ein klein wenig verändern.

 

Vampirfürst Kain ist nicht böse... nein, er ist das Böse selbst.

Seit seiner, mehr oder weniger freiwilligen, Verwandlung hat Kain schulterlange, weiße Haare und auch seine Hautfarbe ist nicht so sehr viel dunkler. Er ist groß und sehr schlank.

Kain fackelt nicht lange, wenn es darum geht Rache zu üben oder wahllos zu töten.

So was, wie Gefühle scheint er nicht zu kennen und auch Gnade scheint für ihn ein Fremdwort zu sein.

Nachdem er sich Nosgoth unter den Nagel gerissen hatte, erschuf er seine Statthalter. Der Erste von ihnen war ein Sarafan mit Namen Raziel.

 

Lieutenant Raziel ist zwar auch nicht gerade die Güte selbst, doch tötet er nicht wahllos alles was seinen Weg kreuzt.

Raziels Haare sind rabenschwarz und mittellang... nach hinten zu einem Zopf gebunden, sein Körper ist genauso hellhäutig wie der von Kain und er besitzt Flügel.

Kain fand das zwar nicht okay, aber dies eine Mal ließ er es Raziel durchgehen... warum... das weiß er aber irgendwie selbst nicht.

Eigentlich hätte er ja Raziel bestrafen müssen, aber dies eine Mal ließ er Gnade vor Recht ergehen, auch wenn es ihm nicht so recht passte und er ja fast schon neidisch auf Raziels Flügel war.

Wie konnte er nur...?!

 

*~*

 

Die Kämpfe, die Nosgoth erschüttert hatten, waren vorbei und Kain spielte sich nun als Herrscher auf. Seinen ″Thron″ hatte er auf den zerfallenen Säulen errichtet und sich Statthalter erschaffen, zu denen auch ich zählte.

 

Ich – Raziel – war der Erste unter seinen Statthaltern, die durch Kain, zu ″Brüdern″ geworden waren.

 

Nur ich hatte zudem Flügel, denn ich war bei der letzten Metamorphose meinem ″Herrn″ zuvor gekommen und hatte ihm diese Flügel präsentiert. Natürlich war er nicht begeistert davon gewesen... war sogar erzürnt darüber, aber dies eine Mal ließ er es durchgehen, was meinen ″Brüdern″ natürlich auch nicht passte.

 

Aber ich war nun mal der Erste und derjenige, dem anscheinend ein bisschen Verstand mitgegeben worden war....

 

*-*-*

 

Endlich war es vorbei mit den Kämpfen, obwohl ich es sicherlich ein wenig vermissen würde. Nun hatte ich meinen Thron auf den zerfallenen Säulen errichtet und fühlte mich mächtiger denn je.

 

Erhaben über alles und jeden zu herrschen, ich der Vampirfürst Kain. Mehr wollte ich jetzt nicht mehr.

 

Meine Statthalter, die ich erschaffen hatte, waren alle mir untertänig. Einzig die Sache mit Raziel ging mir nicht aus dem Kopf. Hatte er mich doch tatsächlich übertrumpft und bei seiner letzten Metamorphose Flügel bekommen. Wie mich das erzürnte und dennoch ließ ich ihn ungeschoren davonkommen.

 

Kaum eine Miene hatte ich verzogen, ihn ohne weitere Beachtung aus meinen Augen geschickt. Hätte ich nicht so reagiert, wäre es ihm sicherlich schlecht ergangen.

 

Doch in mir kochte es vor Wut und ich hatte Schwierigkeiten mich zu beruhigen. Wahrscheinlich würde ich meine Zähne erst mal in junges Fleisch bohren müssen, um ein wenig runter zu kommen.

 

*-*-*

 

Da hatte ich wohl gerade mal so Glück gehabt, als mich Kain fortgeschickt hatte... meinte, dass ich ihm aus den Augen gehen sollte.

 

Ich hatte mich umgedreht und war, mit einer gehörigen Portion Stolz, meines Weges gegangen.

 

Das Murren meiner Brüder hallte in meinen Ohren nach, doch konnte ich darüber nur lächeln. Tatsächlich hatte ich das Privileg meine Flügel behalten zu dürfen und nicht bestraft zu werden.

 

Nachdem ich nun schon eine ganze Weile gegangen war, probierte ich meine Flügel aus und erhob mich in die Luft.

 

Was für ein Gefühl... endlich fliegen zu können, etwas das nicht alle Vampire konnten... nur ich konnte es eben und war mächtig stolz drauf.

 

Dennoch wusste ich irgendwie, dass mir sicher noch etwas bevor stand. Kain hatte sich viel zu ruhig verhalten. Es war untypisch für ihn, aber vielleicht... würde er sich ja doch noch damit abfinden. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

Ein kleines Dorf hatte ich erreicht, landete und versteckte mich zunächst, würde zuschlagen, wenn die Gelegenheit günstig wäre... wollte ich doch nicht durch die Klinge eines Schwertes sterben müssen.

 

Einen kleinen ″Snack″ zur Feier des Tages wollte ich mir jetzt schon gönnen.

 

*-*-*

 

Es half alles nichts, so würde ich keine Ruhe finden. So stolz ich auch auf meinen Thron war, verließ ich ihn nun doch und auch den Thronsaal. Meines Weges gehend in Richtung des Dorfes, hielt ich mich bedeckt, damit ich nicht groß auffiel.

 

Auf der Suche nach einem willigen Opfer, dass meine Wut hoffentlich dämpfen würde.

 

In einer abgelegenen Gegend kam mir eine junge Frau entgegen, die sehr schnell lief. Immerhin war es schon dunkel und sie war alleine unterwegs. Ihre Angst konnte ich riechen und sie ließ meine Fangzähne erscheinen.

 

Langsam machte ich kehrt und folgte ihr unbemerkt. Erst als Niemand zu sehen war, schnappte ich sie von hinten und zog sie in eine dunkle Ecke.

 

Sie flehte und jammerte, ich sollte ihr nichts antun. Alles was sie bei sich hätte, wäre nur wenig Geld. Konnte sie doch nicht ahnen, dass ich keineswegs auf ihr Geld aus war.

 

Genug geplärrt und geplänkelt!

 

Ihre piepsige Stimme bohrte sich in meine Ohren und ich ließ ihre Angst noch mehr steigen, als ich ihr mein wahres ICH zeigte. Unbarmherzig bohrte ich nun meine Fangzähne in ihren zarten Hals, erstickte mit der Hand grob einen Laut aus ihrem Mund und begann blutdurstig zu Trinken.

 

*-*-*

 

Endlich, ein ziemlich kräftiger junger Mann kreuzte meinen Weg... ging an mir vorbei und ich schnappte blitzschnell zu.

 

Erschrocken hatte der Mann aufgeschrien, doch hatte ich ihn sehr schnell mundtot gemacht, ihn mit mir genommen und mich versteckt, dann labte ich mich an seinem Blut, ließ es mir schmecken und den Mann nicht allzu lange leiden.

 

Immerhin hatte ich heute was zu feiern... dass ich noch am ″Leben″ war und Kain übertroffen hatte, der sich wie ein Gott gebärdete.

 

Nun war ich besser als er, aber nicht mächtiger, immerhin hatte er noch den Soul Reaver... dieses Schwert, das einem mit seiner gewellten Klinge schon beim Anblick Angst einjagen konnte.

 

Ich jedoch hatte keinen Respekt mehr vor Kain, so wie meine ″Brüder″. Meist tat ich was ich wollte, hörte meist eben nicht auf das, was er sagte oder befahl.

 

Und jetzt... wo ich Flügel hatte... würde ich mich wohl bald absetzen und meinen eigenen Clan gründen... die Razielim. Schon lange hatte ich mich mit dem Gedanken getragen, doch nie eine Möglichkeit gefunden, jetzt hatte ich diese Möglichkeit, denn Kains Herrschaft ging mir gewaltig gegen den Strich.

 

*-*-*

 

Langsam und genüsslich trank ich mein Blut, ließ sich die Frau möglichst lange quälen und genoss ihre Angst in vollen Zügen. Danach fiel ihr toter Körper achtlos zu Boden und ich wischte mir mit dem Handrücken das Blut von den Lippen.

 

Jetzt ging es mir etwas besser und meine Wut schien zumindest erst mal vergessen. Auch meinen Hunger hatte ich erst mal gestillt und machte mich so langsam und unauffällig wieder auf den Weg zurück.

 

Es war ohnehin still geworden und schon spät. Kaum mehr ein Mensch war auf den Straßen unterwegs und die wenigsten, die es waren, wurden von uns ausgelöscht.

 

Erst jetzt wurde mir meine Macht richtig bewusst, denn ich hatte mit einem Mal alles erreicht und mir stand nichts mehr im Wege. Dennoch hatte ich das Gefühl, als gäbe es da eine Lücke, die noch nicht gefüllt worden war.

 

*-*-*

 

Jetzt, da ich endlich satt war, konnte ich mich daran machen, die Gründung der Razielim zu verfolgen und so langsam vorzubereiten, um mich alsbald von Kain zu lösen und nicht mehr direkt unter seiner Herrschaft stehen zu müssen.

 

Mit einigen dubiosen Versprechen hatte ich mir unter den Menschen ein paar ″Freunde″ geschaffen, doch waren sie noch nicht verwandelt, nein, sie halfen mir dabei eine Unterkunft zu suchen und mich gegen Kain und meine ″Brüder″ auflehnen zu können.

 

Diese ″Freunde″ suchte ich nun auf und beriet mit ihnen mein weiteres Vorgehen, natürlich waren sie sehr erstaunt darüber, dass ich jetzt Flügel hatte und so erzählte ich auch alles was sich zugetragen hatte, so auch, dass Kain mich nicht bestraft hatte.

 

Meine menschlichen ″Freunde″ wunderte dieses Verhalten schon, denn das war für Kain schon sehr untypisch... war er doch für seine Grausamkeit bekannt.

 

*-*-*

 

Eine Weile später hatte ich den Thronsaal wieder erreicht und musste daran denken, wie einfach alles wäre, könnte ich doch ebenfalls fliegen. Nun denn, es war nicht so und ich musste es akzeptieren.

 

Blieb mir keine andere Wahl, als es hinzunehmen.

 

Raziel, ausgerechnet Raziel. Hatte ich ihn doch als ersten auserkoren unter mir zu dienen. War ich nicht immer gut zu ihm gewesen und hatte ihn alles gegeben?

 

Ausgerechnet er musste mich übertrumpfen.

 

Die Frau hatte meine Wut nur vorerst gedämpft und ich brauchte eine neue Möglichkeit meinen Frust abzulassen. Einen Schrank fegte ich mit den Arm leer und wütete auch sonst ein wenig herum, bis es mir endlich besser ging.

 

Etwas musste geschehen, denn so würde ich keine Ruhe finden. Warum nur hatte ich Raziel nicht direkt bestraft? Dafür würde er noch bluten müssen, dass er meine Flügel trug. Standen sie denn nicht rechtmäßig mir zu?

 

Wo steckte er überhaupt? Trieb sich irgendwo herum. Immerhin hatte er meinen Willen befolgt und war mir aus den Augen gegangen.

 

Langsam beruhigte sich mein Atem und ich nahm auf den Thron platz. Für einen Moment lehnte ich meinen Kopf gegen die Lehne und schloss die Augen.

 

*-*-*

 

Mit meinen menschlichen ″Freunden″ hatte ich alles abgesprochen und würde irgendwann zurück zu Kain müssen... denn noch war ich nicht soweit, noch müsste ich mich ihm... zumindest teilweise... beugen.

 

Aber sollte ich ihm nicht aus den Augen gehen? Er selbst wollte es doch so... hmm.. aber nun so gar nicht mehr zurückzukehren... nein, das ging auch nicht, damit würde ich den Bogen dann wohl überspannen.

 

Meine ″Freunde″ gingen wieder ihrer Wege... keiner von denen würde allerdings überleben, wenn ich erst mal mächtig genug wäre. Dieser Gedanke zauberte mir ein böses Lächeln auf die Lippen.

 

Draußen erhob ich mich wieder in die Lüfte und flog zum Unterschlupf. Kurz vorher war ich gelandet, hatte meine Flügel eingezogen und schlich auf leisen Sohlen, mich ab und zu umschauend, ob keiner in der Nähe war, in den Unterschlupf.

 

Doch schon bald spürte ich SEINE Anwesenheit... im Saal und konnte es mir sparen leise hinein schleichen zu wollen. Seine Majestät Vampirfürst Kain saß auf dem Thron... nachdenklich schien er.

 

Ob er es schon verwunden hatte, dass ich ihn übertrumpfte?

 

*-*-*

 

Ruckartig öffnete ich meine Augen, als ich Raziels Anwesenheit spürte. Mit leisen Sohlen schlich er daher, bis er mich bemerkte. Schwer erhob sich meine Brust unter einem tiefen Atemzug, bevor ich stolz und elegant aufstand.

 

Ich verließ den Thron und begab mich in meine Gemächer. Auf dem Weg dorthin begegnete mir Zephon, dem ich Anweisungen gab, alles für den Tag vorzubereiten. Obgleich noch Zeit war und sein Gesicht in der Hinsicht Bände sprach.

 

''Ach ja... Schick Raziel zu mir'', fügte ich hinzu. Kühl und unnahbar, wie immer.

 

Sicherlich wusste dieser sowieso schon, dass ich ihn sehen wollte. Im Grunde konnte ich mir einen Boten sparen.

 

Die schwere Tür meines Zimmers öffnete sich allein durch Willenskraft und fiel eisern hinter mir ins Schloss, nachdem ich den Raum betreten hatte. Langsam machte sich die Müdigkeit nun schon bemerkbar.

 

Immerhin waren die letzten Monate die reinste Tortour gewesen. Kämpfe über Kämpfe und das nur mit einem einzigen Ziel. Nun endlich lagen die Säulen zerstört da und ich saß triumphierend auf ihnen.

 

Dennoch schien es nicht komplett, mein Puzzle. Es war nicht vollkommen... noch nicht.

 

Mein Schwert legte ich nun ab, an seinen Platz, wo es hingehörte, direkt neben meinem Bett auf eine große Kommode. Auch meine Armschienen legte ich daneben. Da ich obenherum sonst nichts trug, war ich nun Oberhalb entblößt und mein durchtrainierter Oberkörper stand im Vordergrund meiner selbst.

 

Kurz bürstete ich meine weißen, langen Haare, die ich nun offen trug und durch die meine gelben Augen nur noch mehr zu leuchten schienen.

 

*-*-*

 

Anscheinend wollte er nicht mit mir reden, denn er ignorierte mich gekonnt, wusste ich doch genau, dass er mich hatte spüren können.

 

Mir war dies allerdings vollkommen egal, ich machte mich auf den Weg in mein Quartier, um mich schlafen zu legen, als mir auch schon Zephon entgegen kam und mich sogleich ansprach:

 

''Raziel, du sollst zu Kain kommen'', gab er gehässig von sich: ''Jetzt wirst du dein blaues Wunder erleben, denn Kain war nicht unbedingt gut drauf'', konnte er sich nicht verkneifen zu sagen.

 

''Ja, ja...'', war alles was mir zu seinen Worten einfiel und machte mich, ohne Zephon weiter zu beachten, nun auf den Weg zu Kains Quartier.

 

Angst hatte ich keine... warum auch... aber ich war schon ein wenig angespannt, da ich nicht wusste, was Kain nun wieder von mir wollte.

 

Sein Quartier erreicht, klopfte ich an die Tür und wartete, dass ich eintreten durfte. Ein bisschen mulmig war mir jetzt schon zumute... nicht, dass er mich doch noch bestrafen wollte, konnte man doch nie wissen, was gerade in ihm vorging.

 

*-*-*

 

Noch bevor es an der Tür klopfte, konnte ich Raziel spüren. Dennoch ließ ich ihn klopfen, bevor ich die Tür mit meinen Willen öffnete, ohne ein Wort zu sagen, empfing ich meinen ersten Statthalter.

 

Den Gesichtsausdruck leer wie immer und meinen Geist vor ihm verschlossen, stand ich dennoch ohne Schwert und Armschienen irgendwie nackt vor ihm.

 

Er wirkte stolz und ohne Angst. Dennoch spürte ich seine Unruhe und genoss es am längeren Hebel zu sitzen. Sicherlich hätte ich Angst noch mehr genossen, aber genau deswegen hatte ich ihn doch auserwählt.

 

Raziel war anders und ließ sich nur schwer bändigen. Die anderen Statthalter folgten mir auf den Fuße und zögerten keine Sekunde meinen Anweisungen folge zu leisten. Hingegen Raziel überlegte erst und machte auch gerne sein eigenes Ding.

 

Nachdem er den Raum getreten hatte, schloss ich die Tür wieder, die schwer ins Schloss knallte, so dass es nur so hallte. Als müsste ich meine Stärke demonstrieren oder aber ich hoffte auf doch noch ein bisschen Angst seitens Raziel.

 

Demonstrativ schaute ich meinen Statthalter an und durchbohrte ihn mit meinem Blick, hielt ihn gefangen.

 

*-*-*

 

Die Tür öffnete sich, wie von Zauberhand... ja, was hatte ich denn auch erwartet... Kain eben... er musste seine Macht immer und immer wieder unter Beweis stellen, was mich wenig kümmerte... ich betrat das Zimmer und sah Kain auch schon da stehen... halbnackt.

 

Das laute Geräusch, als sich die Tür wieder schloss, ließ mich kalt, auch Kains kalter, durchbohrender Blick konnte mir nichts anhaben und mich ebenso wenig erschrecken... oder mir gar Angst einjagen.

 

Mit einem ebenso kalten, aber sehr trotzigem Blick schaute ich den Fürsten eine Weile einfach nur an, ehe ich sprach:

 

Du hast mich hierher befohlen. Hier bin ich... was willst du?!″, dabei wand ich meinen Blick kein bisschen von ihm ab... warum auch...

 

Ich kannte Kain gut genug, um zu wissen, dass er es jetzt sehr begrüßt hätte, wenn ich Angst zeigen würde, aber ich zeigte eben keine Angst. Vielmehr wurde ich in seiner Nähe immer sicherer, das mulmige Gefühl von vorhin war weg und ich wartete nun auf das, was mir Kain zu sagen hatte... oder eben nicht.

 

Meine Pläne hatte ich schon im Kopf und hielt daran fest. Schon bald würde ich seinen Clan verlassen und meinen eigenen gründen. Er hatte doch noch meine sogenannten Brüder... die ihm doch ohnehin folgten... was auch immer er wollte oder ihnen befahl.

 

Ich hingegen würde bald schon nie wieder tun was er wollte... wobei ich das sowieso nur dann tat, wenn mir gerade danach war.

 

Jedoch würde ich ihn nicht wegen der Flügel ansprechen, ihn somit reizen... obwohl es mir schon gefallen würde ihn zu reizen, ihn ein wenig zu ärgern. Aber für heute war es wohl genug.

 

*-*-*

 

Nichts anderes hatte ich von Raziel erwartet. Seine Worte waren so kühl wie mein Wesen und somit Musik in meinen Ohren. Es legte sich ein fieses breites Grinsen auf meine Lippen. Er übertrumpfte alles mit seiner Sicherheit.

 

Erhobenen Hauptes ging ich um ihn herum und betrachtete ihn genau.

 

''Ja, ich habe dich herbestellt'', begann ich mein Gespräch, schwieg danach aber vorerst.

 

Seinen ebenfalls muskulösen schönen Körper betrachtete ich, wobei mich die Flügel magisch anzogen. Die Hand ausstreckend, wollte ich sie berühren, fühlen, wie weich sie waren, zog meine Hand dann aber doch wieder zurück, als könnte ich mich an ihnen verbrennen.

 

Langsam ging ich wieder nach vorne und stand nun direkt vor ihm. Nur wenige Zentimeter war sein Gesicht von dem Meinen entfernt. Seine Haare schwarz wie die Nacht und seine Augen ebenso gelb wie Meine.

 

''Du weißt, dass du der Erste der Statthalter warst, den ich erschaffen habe'', begann ich und streckte die Hand nach seinem Gesicht aus.

 

''Ich habe dich nicht ohne guten Grund ausgewählt. Einzig und allein, weil du mir wichtig bist, dulde ich, dass du mich übertrumpft hast'', donnerte es aus mir heraus, wobei ich bei den letzten Worten mit den Zähnen knirschte.

 

Jetzt legte ich meine Hand an Raziels Kinn, schaute ihm tief in die Augen, als wollte ich meinen Worten den nötigen Nachdruck verleihen.

 

''Bist du stolz darauf?'', hörte ich meine mächtige Stimme durchs Zimmer hallen, wobei mein Daumen über Raziels Lippen fuhr.

 

*-*-*

 

Ruhig und gelassen hörte ich, was Kain zu sagen hatte, blieb auch still stehen, als er mich umrundete... seine Blicke dabei auf meinem Körper spürend.

 

Er schien noch immer nicht so wirklich damit klarzukommen, dass ich nun Flügel hatte... ihn gemeinerweise überholt hatte... wie ungehobelt von mir... also nein... wie konnte ich nur....

 

Als Kain nun wieder vor mir stand, seine Hand unter mein Kinn legte und mit dem Daumen über meine Lippen fuhr, zog ich meinen Kopf leicht zurück, bevor ich ihm zur Antwort gab:

 

''Ja, ich bin stolz darauf... sehr stolz und falls du es genau wissen willst... es tut mir nicht leid... kein bisschen'', dabei war ich noch immer sehr ruhig und selbstsicher... zeigte nicht ein mal eine Spur von Angst.

 

Seine donnernde Stimme kannte ich ja zu genüge, so dass er mir damit auch keine Angst einjagen konnte. Nur diese fast schon... ja... zärtliche Geste wie er, mit dem Daumen, über meine Lippen gefahren war... machte mich nachdenklich... ließ mich ein wenig zurückweichen.

 

''Alles, was du mir sagst, weiß ich schon, das ist nichts neues für mich. Was willst du noch?'', fügte ich kalt hinzu und schaute ihm dabei ohne Angst und Scheu in die Augen, dafür ebenso kalt, wie er sich gab.... sich wohl niemals ändern würde.

 

Das Einzige, was mir nun doch neu war... war die Tatsache, dass er meinte, ich sei ihm wichtig... diese Tatsache erstaunte mich nun doch sehr... ich zeigte es allerdings nicht.

 

Warum sollte ich ihm wichtig sein?

 

Er hatte doch seine anderen Statthalter... reichten sie ihm nicht...?

 

''Warum sollte ich wichtig für dich sein... ausgerechnet ich... wo ich doch nur selten deinen Befehlen gehorche? Du hast doch noch meine sogenannten Brüder... sie befolgen doch wenigstens was du sagst. Ich hingegen werde niemals allen deinen Befehlen folge leisten.'', sprach ich nun offen aus, was ich dachte.

 

*-*-*

 

Die Art und Weise wie er meiner Hand auswich, als ich mit dem Daumen über seinen Lippen streichelte, gefiel mir. Es war sein Wesen und genau das machte ihn aus. Ungezügelt und des eigenen Willens mächtig, gab er sich mir nicht vollkommen hin.

 

Das reizte mich nur noch mehr, genauso wie seine Ruhe, die er ausstrahlte. Seine Worte brannten sich in meine Seele und ich hatte keine andere Antwort erwartet. Unterwerfen würde er sich mir niemals voll und ganz. Er hatte seine Flügel wahrhaftig verdient.

 

''Genau deswegen bist du mir wichtig. Sonst würde ich womöglich noch den Boden unter den Füßen verlieren'', schmunzelte ich, wobei meine Finger erneut nach Raziels Lippen griffen.

 

Wie sehr ich es mochte, wenn er sich zierte und seinen Willen durchsetze. Er holte mich immer auf den Boden der Tatsachen zurück. Wenn er nicht wäre, würde ich schon längst Gott spielen und nicht einen Vampirfürsten.

 

Mein Gesicht kam dem Seinen nun gefährlich nahe, wobei ich böse kicherte.

 

''Du bist MEIN! Vergiss das nicht. ICH habe DICH erschaffen und zu dem gemacht, was du heute bist'', kam es dann lüstern über meine Lippen. Dabei fixierte ich Raziels Augen mit den Meinen.

 

*-*-*

 

Verdammt noch mal, was sollte das hier werden? Was bezweckte Kain mit seinen schmeichelnden Worten?!

 

Was wollte er denn von mir?

 

Irgendwie kam mir Kain gerade überhaupt nicht geheuer vor. Diese Aussagen und Andeutungen von ihm... ich verstand sie nicht.

 

Erst eine kurze Zeit später fand ich meine Stimme wieder:

"Was genau willst du von mir?! Im Übrigen, gehöre ICH weder DIR noch sonst jemand anderem... sondern nur MIR allein... vergiss DU das nicht!″, fauchte ich Kain nun sehr ungehalten an, sah aber auch sein fieses Grinsen, während ich einer erneuten Berührung seinerseits wiederum auswich.

 

Allein, wie er mich ansah... hätte mich zu damaligen Zeiten erschauern lassen... als ich noch ein Mensch war. Ja, natürlich, war mir sein Blick nun doch etwas unangenehm, auch wenn ich keine Angst hatte.

 

"Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe'', fügte ich kalt, ja beinahe eisig hinzu, dann drehte ich mich um, öffnete die Tür und verließ das Zimmer, ohne auch nur noch einen Blick oder ein einziges Wort an Kain zu richten.

 

Was dachte DER eigentlich wer er war?!

 

Schnell verließ ich den Unterschlupf wieder, denn irgendwie hatte mich nun doch eine gewisse Unruhe erfasst, mit der ich nicht klar kam.

 

Seine Worte... seine Gesten... was bitte sollte das alles?!

 

Draußen erhob ich mich in die Lüfte und flog davon... irgendwohin... nur weg von hier...

 

*-*-*

 

Sicher hatte Raziel recht, denn er war keine meiner Marionetten und das ließ er mich nun schmerzlich spüren. Sagen konnte ich nichts mehr und selbst wenn, wäre gewiss nichts Anständiges dabei heraus gekommen.

 

Ach Raziel!

 

Sehnsüchtig schaute ich ihm nach, ging zum Fenster rüber und schob die schweren Vorhänge mit meinen Gedanken beiseite. Immerhin konnte ich spüren, dass er fort wollte. So sah ich auch, wie wundervoll er seine Flügel ausbreitete und sich in die Lüfte erhob.

 

Nein, er gehörte mir nicht. Es stimmte schon. Doch genau das wollte ich. Nämlich dass er allein mir gehörte mit Haut und Haaren.

 

Erst als Raziel nicht mehr zu sehen war und ich auch seine Anwesenheit nicht mehr spürte, schloss ich die Vorhänge wieder.

 

Hätte ich ihm hinterher sollen? Mit Sicherheit wäre das zu viel des Guten gewesen und so ließ ich ihn und legte mich stattdessen auf mein Bett.

 

Stur starrte ich die Decke an und ließ meine Gedanken schweifen. Ich hatte alles erreicht und dennoch war da diese Leere in mir. Mein Leben schien nicht komplett zu sein und einzig allein Raziel war der Grund dafür.

 

Nur war er jetzt fort, mir einfach aus dem Weg gegangen.

 

Hasste er mich so sehr?

 

*-*-*

 

Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit geflogen war, landete ich und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Etwas stimmte doch mit Kain nicht.

 

Er schien beinahe Gefühle entwickelt zu haben... in welche Richtung auch immer, das wusste ich nicht. Denn er hatte mich nicht bestrafen wollen, weil das hätte er ja getan, wenn er gewollt hätte... aber diese Aussagen und Gesten von ihm, waren so fremdartig... so absolut untypisch für ihn.

 

Warum hatte er meine Lippen und mich überhaupt berührt... ja... gestreichelt?

 

Was sollte das... verdammt noch mal?!

 

So würde ich wohl keine Antwort bekommen, aber ihn daraufhin anzusprechen... ob das was bringen würde. Wohl eher nicht.

 

Aber was sollte ich tun?

 

Der Vampirfürst zeigte Gefühle? Konnte das echt wahr sein?

 

Mit einem Mal musste ich grinsen... das wäre doch mal was. Vielleicht konnte ich ihn damit ein wenig necken...

 

*-*-*

 

Raziels Worte gingen mir nichts aus dem Kopf und ich überlegte, was ich von ihm gewollt hatte. Er würde sich mir doch niemals vollständig unterordnen, genauso wie er nicht mein Eigentum war.

 

Müde legte ich meine Hände vors Gesicht und rieb mir die Augen. Anschließend legte ich einen Arm über die Augen und ließ diesen dort verweilen.

 

Eigentlich hatte ich noch Zeit und müsste noch nicht schlafen. Doch scheinbar hatte mich alles gewesene mehr mitgenommen, als ich zugeben wollte. Man konnte eben nicht immer stark sein und auch nicht immer gefühllos.

 

Hatte ich Raziel verärgert? Nein, im Grunde hatte er doch eine Art Priorität genommen, indem ich ihn verschont hatte. Nichtmal die kleinste Strafe hatte er bekommen. Das sah einem Vampirfürsten gar nicht ähnlich.

 

Obgleich ich todmüde war, fand ich keine Ruhe. Meine Gedanken kreisten weiter um Raziel.

 

*-*-*

 

Noch immer mit einem Grinsen im Gesicht, nahm ich nun doch den Weg zurück, aber jetzt lief ich ...flog eben nicht.

 

Ich würde so überlegen können, was ich tun oder sagen wollte. Dass etwas mit Kain nicht stimmen konnte war klar, nur was, das musste ich nun irgendwie herausfinden.

 

Nun gut, wenn er eben Gefühle zeigte, umso besser... vielleicht würde ihn das etwas... besser stehen, als diese Kälte, mit der er sämtliche Gefühle zu verdrängen suchte. Sicher, er musste so sein, denn sonst hätte ihm keiner je gehorcht oder wäre seinen Befehlen gefolgt.

 

Als Fürst musste er sich Respekt verschaffen, dass er damit bei mir aber auf taube Ohren stieß, mich sogar nicht einmal dafür bestrafte... rechnete ich ihm schon irgendwie hoch an.

 

Aber jetzt wollte ich einfach noch einmal in Ruhe und unvoreingenommen mit ihm reden und vielleicht öffnete er sich mir ja dann... möglich wäre es immerhin.

 

Also erhob ich mich doch wieder in die Lüfte und flog zur Unterkunft zurück. Dort gelandet betrat ich diese und schlug sogleich den Weg zu Kains Zimmer ein, wo ich an die Tür klopfte, wie es sich gehörte und darauf wartete, dass ich eintreten durfte.

 

*-*-*

 

Völlig in Gedanken hörte ich ein Klopfen und vernahm plötzlich Raziels Aura. Das war doch unmöglich. Hatte ich nicht einmal mitbekommen, dass er wieder zurück war.

 

Schläfrig brummte ich nur und öffnete die Tür willens meiner Gedanken. Meinen Arm noch immer auf meinen Augen ruhend und mich keinen Millimeter bewegend.

 

Er ging und kam auch, wie es ihm passte.

 

Innerlich musste ich breit darüber grinsen, da ich seinen ungebrochenen Willen liebte. Immer wieder zeigte er mir, ich könnte eben nicht alles beherrschen.

 

''Hmm'', brummte ich nur, nachdem er mein Zimmer betreten hatte und die Tür dieses Mal leise hinter ihm ins Schloss gefallen war.

 

Mein Mund fühlte sich trocken an und ich konnte es verfluchen mir nur einen Snack genehmigt zu haben. Wusste ich doch genau, wie viel Energie ich aufzuladen hatte.

 

*-*-*

 

Das Zimmer betretend sah ich Kain auf dem Bett liegen und ging langsam auf das Bett zu, doch setzte ich mich nicht zu ihm, blieb stehen, wollte ihm nicht zu nahe kommen.

 

"Hallo Kain. Ich denke... wir sollten reden. Geht es dir nicht gut... hast du... Sorgen?", stellte ich ihm meine Fragen, in der Hoffnung, dass er sich mir vielleicht doch anvertrauen würde.

 

Immerhin meinte er doch, dass ich ihm wichtig wäre, außerdem war ich doch seine "rechte Hand", also konnte er sich mir doch auch anvertrauen, oder.

 

"Weißt du,", begann ich ruhig zu reden: "...es gibt da ein paar Sachen, die ich nicht verstehe und mir wünschen würde, dass du sie mir erklärst. Zum Beispiel, warum du... mich berührt... meine Lippen gestreichelt hast... zudem kommt es mir so vor... nun ja, als würdest du... Gefühle zeigen... zumindest mir gegenüber. Warum, Kain, warum das alles?"

 

Nun hatte ich meine Gedanken ausgesprochen... alles ausgesprochen, was mich bewegte und ich von ihm wissen wollte.

 

Ruhig schaute ich ihn dabei an und konnte dabei gut erkennen, dass ihn etwas beschäftigte und er sich irgendwie zu quälen schien.

 

*-*-*

 

Ich spürte wie Raziel dicht neben dem Bett stand und hörte seine Stimme, seine Fragen an mich. Ruhig ließ ich meinen Arm von den Augen gleiten, öffnete langsam die Augen und schaute ihn an.

 

Erst jetzt richtete ich mich auf und setzte mich ganz genüsslich an die Bettkante. Dabei ließ ich Raziel nicht aus den Augen, als hätte ich Angst, er würde gleich wieder verschwinden.

 

So, er verstand mich nicht und ich zeigte also Gefühle. Seine Worte ließen mich grübeln und erst wusste ich nicht, was ich antworten sollte.

 

Also stand ich auf und ging auf ihn zu.

 

''Du wolltest es doch nicht, dass ich dich berühre und doch möchtest du wissen, warum ich das tat?'', konterte ich mit einer Gegenfrage.

 

''Vielleicht habe ich immer Gefühle dir gegenüber gezeigt und du hast es nur nie bemerkt'', brummte ich, ''Denkst du etwa ich bin weich geworden, nur weil ich dich nicht bestrafe? Möchtest du, dass ich dich bestrafe?''

 

Bei diesen Worten legte ich meine Hand an seine Brust, die hart wie Stein schien. Mein Blick ruhte auf ihm, aber keinesfalls böse, sondern eher ruhig. Mit der selben Ruhe, die er ausstrahlte und mit der er mir stets entgegenkam.

 

*-*-*

 

"Nein, ich möchte natürlich nicht bestraft werden und nein, ich denke nicht, dass du weich geworden bist.", beantwortete ich Kains Fragen, während ich seine Hand auf meiner Brust spürte, mich erst noch abwenden wollte, es dann aber zuließ, mich nicht bewegte.

 

"Natürlich möchte ich wissen, warum du das alles tust, aber wenn du nicht mit mir drüber reden magst, dann ist es gut, wirklich... ich verstehe das. Vielleicht habe ich mir lediglich Sorgen um dich gemacht... weil ich sah, wie bedrückt du wirktest... dich irgendwas quälte.

 

Aber gut, ich wollte dir nicht zu nahe treten."

 

Kain wollte anscheinend eben nicht mit mir reden, auch gut... dann eben nicht.

 

"Dann kann ich ja wieder gehen, denn offensichtlich habe ich mir ganz umsonst Gedanken um dich gemacht.", mit diesen Worten wand ich mich wieder von ihm ab und ging auf die Tür zu.

 

*-*-*

 

Tatsächlich hatte er meine Hand geduldet, war es ein Zeichen von Unterwerfung? Wohl kaum, eher Wunschdenken meinerseits. Seine Worte blieben jedoch an mir hängen. Er hatte sich Sorgen um mich gemacht und für einen Moment starrte ich meine Hand an, die eben noch an seiner Brust lag.

 

''Raziel'', hörte ich mich sagen, ''Warum bleibst du nicht einfach?''

 

Erst jetzt schaute ich auf und blickte zu ihm rüber voller Sehnsucht. Mussten wir denn unbedingt reden? Wollte er wirklich wissen, was in mir vor sich ging? Nun denn, wenn er so bleiben würde.

 

''Ohne dich, wäre ich ein Nichts. Ein Niemand! Ich wäre heute nicht da, wo ich jetzt stehe. Du hast mich übertrumpft, weil du besser bist und nicht so ein kalter Eisblock wie ich. Tatsächlich sollst du dir Sorgen um MICH machen? Habe ich so was überhaupt verdient?'', sprach ich leise vor mich hin.

 

Bleib bei mir, einfach hier und lass mich nicht allein. Denn der größte Fehler wäre, dich zu verlieren. Denn dann wäre ich nur noch der Schatten meiner Selbst.

 

*-*-*

 

Abrupt blieb ich stehen, als ich Kains Worte vernahm. Hatte ich das eben richtig gehört... hatte er mich wirklich gebeten zu bleiben?

 

Hatte er sich mir tatsächlich offenbart?

 

Unfassbar!

 

Das hätte ich niemals geglaubt... hätte man es mir erzählt.

 

Ich drehte mich um, nachdem ich seine Worte gehört hatte, die so viel Gefühl seinerseits bewiesen... dass ich hart schlucken musste.

 

Langsam ging wieder auf ihn zu, blieb mit etwas Abstand vor ihm stehen und schaute ihn mit einer Mischung aus Skepsis und Verwunderung an.

 

"Hör auf, dich fertig zu machen, bitte. Das alles hättest du auch ohne mich geschafft, glaub mir. Du bist wer und irgendwie kannst du auch stolz auf dich sein. Dass du ein Eisblock bist... nun ja... das musst du sein, denn sonst würde dir niemand gehorchen... niemand würde deinen Befehlen folgen, sie würden dir auf der Nase herum tanzen... so wie ich... teilweise.

 

Und... ja, du hast es verdient, dass ich mir um dich Gedanken mache.

 

Außerdem bin ich nicht besser als du. Okay, vielleicht bin ich nicht so kalt wie du, aber dafür könnte ich niemals ein Fürst sein... andere regieren... verstehst du, was ich meine?

 

Sicher, ich habe dir gezeigt, dass du nicht alles und jeden beherrschen kannst, aber irgendwie war ich auch immer gern deine... rechte Hand... und wir haben immer gut zusammen gearbeitet, oder."

 

Meine kleine Ansprache beendet schaute Kain an und sah etwas in seinen Augen... Sehnsucht... ja, es war Sehnsucht.

 

Aber ...wonach... oder nach wem?

 

Noch etwas mehr ging ich auf ihn zu, schaute ihm tief in die Augen und legte meine Hand auf seine Schulter.

 

"Wenn du magst... gut, dann bleibe ich noch etwas.", bot ich Kain an, nun, vielleicht ging es ihm so ja besser.

 

*-*-*

 

Nun musste ich grinsen, schloss kurz die Augen, wobei ich meinen Kopf sinken ließ, um anschließend zu Boden zu schauen. Aber nur kurz, denn als ich mein Wort an Raziel richtete, schaute ich ihn wieder an.

 

Seine Hand auf meiner Schulter wirkte freundschaftlich und nun hatte ich ein besseres Gefühl. Die Worte hatten sich gut angefühlt und mich aufgebaut. Gleich, was in mir war, nun fühlte es sich besser an.

 

''Vielleicht hast du recht... Du bist und bleibst meine rechte Hand, mein bester Mann! Egal was war...'', sprach ich mit zögern.

 

''Wir waren immer ein gutes Team und genau deshalb will ich nicht, dass etwas zwischen uns steht. Dann hast du mich eben übertrumpft. Ich gönne es dir, auch wenn ich zugeben muss, eifersüchtig zu sein. Genau deswegen, weil ich denke, du hast die Flügel verdient, kann und will ich dich nicht bestrafen.

 

Aber was denken die anderen Brüder von mir? Hörst du sie reden? Sie meinen, ich würde dadurch Schwäche zeigen. Werden sie mir noch ebenso folgen, wie vorher, wenn sie herausfinden, dass du nicht bestraft wurdest...'', gab ich meinen Gedanken freien Ausdruck.

 

Was, wenn wir nur so tun würden, als ob...

 

Raziel so nahe zu sein, brachte allerdings noch ganz andere Gefühle in mir an ihre Grenzen. Die ich aber nicht zum Vorschein kommen ließ. Immerhin waren wir uns eben erst näher gekommen, da wollte ich meinen Freund nicht gleich verscheuchen.

 

Freund... Ja, ich denke so was war Raziel nun für mich. Nicht nur ein Bruder, nicht nur ein Vertrauter, sondern ein Freund.

 

*-*-*

 

Grinsend schaute ich Kain an, während er zu mir sprach... lauschte seinen Worten, die nun ehrlich rüber kamen... nicht mehr so kalt.

 

Der große starke Kain zeigte tatsächlich Gefühle. So falsch war das also gar nicht, was meine "Brüder" dachten und miteinander sprachen. Dennoch mussten sie wahrlich nicht alles wissen... waren sie doch ohnehin nur hirnlose Marionetten.

 

"Sicher höre ich sie reden und ich weiß auch was sie denken, aber das kann dir doch egal sein... sie sind doch nur hirnlose Marionetten", sprach ich meine Gedanken aus.

 

"Wenn du willst, dann verbanne mich, als Bestrafung. Das dürfte sie dann zufriedenstellen, denke ich", schlug ich Kain vor, denn ich hatte ja sowieso schon den Gedanken meinen eigenen Clan zu gründen, so dass mir eine Verbannung kaum weh tun würde.

 

Jedoch musste Kain das ja nicht wissen. Zudem wusste ich nicht so wirklich was genau in ihm vorging, was er gerade dachte, dazu reichte meine Macht einfach noch nicht aus.

 

Seinen Worten zufolge fühlte er gerade so etwas wie Freundschaft für mich, ja auch ich sah ihn, in gewisser Weise, als Freund an. Jedoch würde ich nicht für ihn durchs Feuer gehen, dazu war einfach zu viel vorgefallen, das ich nicht vergessen konnte.

 

Allein, dass er mich verwandelt, mich zu einem Vampir... zu seinem Statthalter gemacht hatte... war einer der Gründe, weswegen ich ihn nur teilweise als Freund ansehen konnte.

 

Natürlich hatte ich ihm jetzt den Gefallen getan bei ihm zu bleiben, aber das sollte ja nicht zur Gewohnheit werden, immerhin wollte ich bald hier weg.

 

Dennoch wollte ich jetzt schon ehrlich zu ihm sein und klärte ihn über mein Vorhaben auf:

 

"Hör mal, Kain, ich... werde bald hier weggehen und meinen eigenen Clan gründen. Das ist nichts gegen dich und es hat auch nichts mit dir zu tun, aber ich hatte das schon lange vor.

 

Natürlich können wir, sofern du es auch möchtest, weiterhin Freunde sein und wenn du mal meine Hilfe brauchst werde ich auch für dich da sein, wenn dies meine Zeit erlaubt... aber ich muss das tun... es ist wie eine Bestimmung für mich."

 

Abwartend schaute ich Kain in die Augen und ließ meine Hand über seine Schulter streichen.

 

*-*-*

 

Im Grunde könnte es mir egal sein, was sie redeten und dennoch störte es mich irgendwie. Als Raziel vorschlug ihn zu verbannen, wusste ich gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Das wäre das letzte, was mir vorschweben würde.

 

Gerade war alles so harmonisch zwischen uns gewesen und dann holten mich seine Worte schneller in die Realität zurück, als mir lieb war. Ich spürte diese Kälte erneut in mir aufkommen und Raziels Hand auf meiner Schulter, schaute ich nun kühl an.

 

''Deine Bestimmung'', kam es ruppig von mir und mein Blick durchbohrte ihn ruckartig, wie ein Eiszapfen, ''Raziel... Glaubst du wirklich, ich habe dich zu meinem ersten Statthalter gemacht, damit zu fort gehst und deinen eigenen Clan gründest?

 

Eben sagtest du noch, wie gerne du meine rechte Hand seist und nun so was?''

 

Vor Wut begann ich zu schäumen und merkte dabei nicht das wesentliche. Es war nicht der Gedanke, dass Raziel sich mir nicht unterwerfen wollte oder gar eigene Wege in Erwägung zog. Nein, die Angst ihn nicht mehr an meiner Seite zu haben, beherrschte mich. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, war es in mir drinnen schon längst offensichtlich.

 

Mein Herz wollte Raziel um jeden Preis und ich würde es nicht dulden ihn gehen zu lassen.

 

Tief atmete ich durch und versuchte mich wieder zu beruhigen, wobei meine Stimme nun auch wieder einen lieblicheren Klang annahm.

 

''Raziel, deine Bestimmung ist es an meiner Seite zu herrschen. Wenn du es denn nur zulässt'', überkam es mich.

 

Meine eine Hand legte sich auf die, die auf meiner Schulter ruhte, während die Andere sich an Raziels Wange legte.

 

*-*-*

 

Ja, genau... so etwas ähnliches hatte ich mir schon gedacht... was hatte ich denn auch anderes erwartet... als solch eine Reaktion von Kain.

 

Gedanklich schüttelte ich den Kopf, blickte ihm aber noch immer in die Augen, deren Blick nun wieder eine eisige Kälte aufwiesen und mich förmlich durchbohrten... mich jedoch nicht ängstigen konnten.

 

Meine Hand lag zwar noch immer auf Kains Schulter, aber nunmehr widerwillig und am liebsten hätte ich ihm meine Hand nun entzogen, ließ es aber erst einmal sein.

 

Seine Worte flogen über mich hinweg und hinterließen eine Spur von Trotz in mir.

 

Dann schien er jedoch wieder etwas ruhiger zu werden und sein Ton schwang wieder um, als Kain erneut zu mir sprach... diese Stimmungsschwankungen verstand ich nun nicht wirklich.

 

Mit einem Mal klang er wieder so... gefühlvoll... gar nicht mehr kalt und diese Worte... hmm... was sollte ich davon nun halten... verstand sie nicht.

 

Meine Stirn legte sich in Falten... ungläubig... zweifelnd... nicht ahnend was genau er mir damit sagen wollte.

 

"Was willst du mir damit sagen? Ich verstehe deine Worte nicht", gab ich als Antwort von mir.

 

Alsdann spürte ich auch schon seine rechte Hand auf der Meinen, die noch immer auf seiner Schulter lag und die andere... legte sich auf meine Wange... ließ mich wiederum leicht zurück zucken.

 

"Was genau willst du von mir?", fragte ich Kain ruhig, aber noch immer skeptisch und zweifelnd.

 

"Du bist doch der alleinige Herrscher... warum soll ich denn nun plötzlich an deiner Seite... herrschen? Und... was sollte ich denn zulassen? Kain, ich verstehe nicht was du mir damit sagen willst.", brachte ich meine Bedenken zum Ausdruck.

 

*-*-*

 

Dass Raziel sitzen blieb, hätte ich nicht erwartet und doch zeigte es mir, dass ich ihm irgendwie wichtig war. Immerhin hatte er sich ja auch Sorgen um mich gemacht.

 

Ich konnte und wollte ihn nicht gehen lassen. War bereit ihm alles zu geben, wonach er sich sehnte.

 

''Na ja'', meinte ich dann, meine Hand langsam von seiner Wange lösend und zum Fenster schauend, ''Du willst fortgehen und musst dafür einen Grund haben. Ich könnte dir alles geben, wonach du dich sehnst, Raziel.''

 

Einen Moment machte ich eine Pause, sammelte meine Gedanken und spürte wie der Tag näher rückte. Dann schaute ich Raziel wieder an, sanft und mit Gefühl.

 

''Lass mich dir geben, wonach du dich am Meisten sehnst, Raziel... Das kann ich nicht, wenn du mich alleine lässt.'', bat ich ihn.

 

Erneut machte ich eine Pause und merkte wie ich mich in seinen Augen verlor.

 

''Es ist, weil du mir nie verzeihen konntest, dich zu dem gemacht zu haben, was du heute bist. Habe ich recht?...

 

Aber Raziel, wärst du heute nicht der, der du bist, was wärst du dann? All deine Kräfte und die Macht, das alles hast du nur bekommen, weil du ein Vampir bist... und deine Flügel...'', sprach ich, wobei ich es nicht lassen konnte und Raziels Flügel berührte.

 

Sie fühlten sich anders an, als ich erwartet hatte. Dennoch waren sie wunderschön und ein Seufzen konnte ich nicht unterdrücken.

 

*-*-*

 

Nun ließ mich Kain zwar los, doch sprach er nun Worte, die mich nachdenken ließen.

 

Sicher, er hatte schon in gewisser Weise recht, mit dem was er da von sich gab, aber was er noch sagte, ließ mich nun erst recht stutzig werden. Alles was er mir hier offenbarte hörte sich stark nach... ja... nach... herrje... Liebe an.

 

Konnte es sein, dass er sich... nein... vollkommen unmöglich. Kain und sich verliebt... niemals...?!

 

Aber alles, was er gesagt hatte, hörte sich eben genauso an, als hätte er sein Herz... herrje... an mich... verloren...

 

Nein, das konnte doch nicht wahr sein!

 

Nun auch noch die sanfte Berührung meiner Flügel... dazu sein Seufzen...

 

Rat – und sprachlos stand ich da, blickte Kain in die Augen, so wie er auch in die Meinen schaute... liebevoll... konnte das wirklich sein...

 

"Kain... ich... bin mir nicht sicher. Alles was du sagst... hört sich an... wie... als würdest du... nein, sag, mir, dass das nicht wahr ist. Es ist ein Scherz... richtig? Du hast dich nicht in mich... also... du hast dein Herz nicht an... mich... verloren... oder?", stammelte ich, senkte dann meinen Blick verlegen, fixierte den Boden mit meinen Augen, als sei dieser nun ganz besonders interessant.

 

Ich musste diesen Gedanken aus meinem Kopf streichen, versuchte mich wieder in den Griff zu kriegen und erwiderte ablenkend:

 

"Ja, es stimmt, es ist schon auch, weil du mich zu dem machtest, was ich jetzt bin... auch wenn ich zugeben muss, dass du recht hast. Ich hätte diese Macht nicht, keine Flügel... wäre als Mensch jetzt schon längst tot. Aber vielleicht hätte ich auch gern auf das alles verzichtet.

 

Nun, jetzt ist es ohnehin nicht mehr zu ändern und ich versuche das Beste daraus zu machen.

 

Aber sag, woher willst du wissen wonach ich mich sehne, hm?", gab ich, noch immer mit ruhiger Stimme, von mir, obwohl ich schon eine leichte Unruhe verspürte und wäre ich noch ein Mensch gewesen hätte mir das Herz wahrscheinlich bis zum Hals geschlagen und ich wäre vermutlich rot geworden.

 

Aber so blieb mir dieses "Elend" erspart und ich getraute mich stattdessen nicht einmal mehr Kain in die Augen zu sehen... weil der Boden ja so unheimlich interessant war.

 

*-*-*

 

Machte Raziel der Gedanke, dass ich für ihn Gefühle haben könnte, etwa verlegen.

 

Während er zu mir sprach, hörte ich auf seine Flügel zu streicheln, obgleich es mir sehr gefiel. Doch was sollte ich ihm antworten?

 

''Was wäre, wenn es so wäre? Der Vampirfürst Kain hat sich in seinen ersten Statthalter verliebt. Klingt ziemlich kitschig und unglaubwürdig, nicht wahr?'', kam es von mir und dabei schaute ich erneut aus dem Fenster.

 

Ruhig ging ich rüber und zog die schweren Vorhänge zu, da die Sonne bald aufgehen würde. Anschließend drehte ich mich zu Raziel um und musterte ihn. Es gab keinen Zweifel an seinen Worten.

 

''Genau deswegen habe ich dich ausgewählt, weil du mein Herz gestohlen hast'', meinte ich danach ganz offen.

 

Ich konnte den Blick nicht von ihm nehmen und ging auf ihn zu. Stand nun direkt vor ihm und legte sanft meine Hand unter sein Kinn. Natürlich würde ich ihn nicht zwingen mich anzuschauen. Allein die Geste sollte ihn dazu bringen.

 

Kein Druck und keine Befehle, denn das würde bei Raziel nur das Gegenteil hervorrufen.

 

''Natürlich weiß ich nicht, was du willst, aber ich würde alles dafür tun, dass du es bekommst'', fügte ich dann hinzu.

 

In mir spürte ich etwas, das zuvor nie da war. Es beherrschte mich die Angst. Angst Raziel zu verlieren. Denn das würde mich vermutlich umbringen.

 

*-*-*

 

Tatsächlich... der große Kain hatte sich in mich... oh Gott... verliebt und ich fand noch nicht einmal, dass es kitschig oder unglaubwürdig klang... wie der Vampirfürst meinte... und doch... ich konnte es nicht glauben...

 

Während Kain die schweren Vorhänge zuzog hatte ich ihm kurz nachgeschaut... dann aber wieder meinen Blick zu Boden gerichtet. Erst als ich weitere Worte seinerseits vernahm und dann seine Hand spürte, die sanft unter meinem Kinn lag... mich jedoch nicht zwang, hob ich meinen Blick wieder... langsam, blickte ihn von unten nach oben an... scheu... verlegen... bis meine Augen die Seinen wieder trafen und ich hart schlucken musste.

 

Der Vampirfürst meinte es offensichtlich ernst und hatte sein Herz tatsächlich an mich verloren... oder anders gesagt... ich hatte sein Herz unwissentlich erobert... ohne großartig etwas dafür getan zu haben.

 

"Ich... weiß nicht... was ich sagen soll. Du... du meinst das tatsächlich ernst, oder? Aber... aber... ich... ich... also...", stammelte ich vor mich hin: "...bin deiner doch... gar nicht würdig..."

 

Mit der Ruhe war es nun aber doch vorbei. Meine Unruhe wuchs von einem Moment auf den Nächsten... Nervosität machte sich in mir breit, während mich seine Augen gefangen hielten.

 

*-*-*

 

Wie niedlich Raziel war, wo er so nervös wurde und ich musste unweigerlich grinsen. Tatsächlich war mein Plan aufgegangen, dass er mich anschaute. So gut kannte ich ihn nun mittlerweile und es freute mich.

 

Sein Blick war himmlisch und ich konnte mich nicht losreißen.

 

''Dann wäre ich deiner erst recht nicht würdig. Immerhin hast du mich übertrumpft'', kam es gelassen von mir.

 

Meine Hand lag noch immer an seinen Kinn und vielleicht musste ich seine Nervosität einfach ein wenig ausnutzen und so strich mein Daumen erneut über seine Lippen.

 

Die waren so sinnlich und weich, wenn auch ebenso kalt wie die meinen. Dazu seine blasse weiße Haut und seine dunklen Haare. Alles an ihm schien perfekt geformt. Seinen Körper würde ich zu gerne unter meinen Fingern vibrieren lassen.

 

Bedrängen wollte ich ihn nicht, weswegen ich nun nicht noch näher kam. Auch wenn ich mich danach sehnte Raziel nahe zu sein.

 

Im Unterschlupf wurde es still, die Stimmen verstummten, alle anderen gingen schlafen, da die Sonne aufging. Ein neuer Tag brach an.

 

*-*-*

 

Wenn ich vorher noch Zweifel hatte, jetzt war ich mir sicher... Kain hatte sich offensichtlich Hals über Kopf in mich verliebt.

 

Aber... was nun?

 

Ich hörte abermals seine Worte, so ruhig... spürte seinen Daumen auf meinen Lippen... so sanft und sah seinen Blick auf mir ruhen... der gar nicht mehr so kalt war.

 

Meine Stimme hatte ich anscheinend verloren, denn ich konnte ihm so gar nicht antworten, starrte nur in seine Augen... jeden Moment Gott-weiß-was erwartend.

 

Trotz allem bewunderte ich ihn gerade. Er hatte sich verliebt... in mich verliebt und dennoch beherrschte er sich, bedrängte mich nicht.. ließ mir Zeit und hielt noch etwas Abstand.

 

"Ich.... brauche Zeit... ich weiß nicht was ich denken, noch was ich fühlen soll. In meinem Kopf herrscht das Chaos und ...ich würde mich jetzt gern... etwas hinlegen, denke ich ...ich... ich muss nachdenken.

 

Danke, dass du mich nicht bedrängst", sprach ich kleinlaut und noch immer verlegen, nachdem ich meine Stimme wieder gefunden hatte.

 

Ein sanftes, leichtes Lächeln umspielte meine Lippen nun, das ich Kain schenkte.

 

*-*-*

 

Damit hatte ich nun nicht gerechnet, obwohl ich es hätte wissen müssen.

 

''Sicher'', nickte ich und trat einen Schritt zurück, Raziel loslassend. Dennoch schenkte auch ich ihm ein Lächeln.

 

Was hatte ich auch erwartet? Dass er mir um den Hals fällt und sagt: Nimm mich Kain!?

 

Innerlich lachte ich mich aus und meine Angst wuchs, ihn zu verlieren. Wenn er wirklich gehen würde, was würde dann aus mir werden?

 

''Leg dich hin und ruhe dich aus. Es ist schon spät'', hörte ich mich sagen.

 

Sollte Raziel meine Liebe nicht erwidern und fort gehen wollen, würde ich ihn nicht zurückhalten. Doch wusste ich auch, dass meine Gefühle sich dann für immer verschließen würden. Meine Grausame Seite würde womöglich überhand nehmen.

 

*-*-*

 

Ach herrje... was sollte ich jetzt tun?

 

Kain tat mir mit einem Mal so unglaublich leid. So sehr ich ihn einst verabscheute... so sehr wollte ich ihn jetzt eigentlich nicht allein lassen, zudem er mich vorhin erst noch gebeten hatte hier zu bleiben.

 

Noch immer ein wenig zwischen Herz und Verstand schwankend, sprach ich schließlich:

 

"Wenn du magst... bleibe ich jetzt bei dir und ...wir legen uns zusammen hin. Irgendwie... mag ich jetzt gerade nicht allein sein."

 

Kain schien traurig zu sein und ich sah ihm direkt an, dass er Angst hatte... wovor auch immer. Vielleicht dachte er, dass er mich verlieren würde.

 

"Kain...", ich legte nun meinerseits die Hand an seine Wange: "...hab keine Angst. Du wirst mich nicht verlieren... versprochen. Selbst wenn ich meinen Clan gründen sollte... wirst du mich nicht verlieren. Wir sind doch ohnehin für die Ewigkeit miteinander verbunden.

 

Vielleicht schaffe ich es auch... dich lieben zu können", und streichelte seine Wange sanft.

 

Abwartend schaute ich Kain an. Was er jetzt wohl tun und sagen würde...?

 

*-*-*

 

Leise seufzte ich, als ich Raziels Finger an meiner Wange spürte. Dennoch schüttelte ich verneinend den Kopf.

 

''Raziel, es ist besser wenn du jetzt nicht bleibst. Ich weiß nicht wie lange ich mich unter Kontrolle hätte mit dir hier zu liegen'', sagte ich ehrlich.

 

''Nehme dir die Zeit, die du brauchst. Mein Angebot steht, dir alles zu geben, wonach dir strebt. Egal wofür du dich entscheiden wirst, du sollst wissen, dass ich alles für dich geben würde, sogar mein Leben'', fügte ich offen und ernst hinzu.

 

Dann öffnete ich die Tür mit meiner Willenskraft, weil es besser so war. Immerhin wollte ich Raziel zu nichts zwingen oder ihn gar überrumpeln.

 

Sehnsüchtig schaute ich ihn an und konnte es dann doch nicht lassen. Einen Schritt machte ich auf ihn zu, bevor ich frech mit einem vorherigen Grinsen, ihm einen Kuss auf die Lippen drückte.

 

Dabei zog ich ihn an mich und schaute ihm anschließend tief in die Augen.

 

''Schlaf gut und träum von mir'', neckte ich ihn forsch.

 

*-*-*

 

Hmm... also gut... ich musste also doch allein schlafen... und Traurigkeit legte sich in meinen Blick, erwiderte aber nichts zu dem was er sagte... nickte nur.

 

Nachdem Kain die Tür geöffnet hatte, ging ich langsam auf diese zu, drehte mich noch einmal um und sah seinen sehnsüchtigen Blick, dann ein freches Grinsen, und dass er auf mich zu kam.

 

Was er dann jedoch tat, würde ich so schnell wohl nicht vergessen.

 

Er kam doch tatsächlich auf mich zu und küsste mich, drückte mich an sich. Meine Augen weiteten sich, schauten ihn ungläubig an. Ich konnte den Kuss nicht so schnell erwidern, wie er geendet war und doch kribbelte es auf meinen Lippen, wie verrückt... wo mich Kains Lippen berührt hatten.

 

Ich sollte von ihm träumen? Warum, wenn ich doch hier bei ihm liegen konnte.

 

"Bitte...", antwortete ich leise... noch etwas neben mir: "...lass mich jetzt nicht allein", und bedachte ihn dann mit einem sehr traurigen Blick.

 

Dann jedoch löste ich mich langsam von ihm, senkte meinen Blick und verließ das Zimmer... traurig...

 

*-*-*

 

''Nein, warte... bleib'', hörte ich mich sagen, ohne weiter über die Konsequenzen nachzudenken. Raziels Gesicht schmerzte so sehr und ich konnte ihn unmöglich gehen lassen.

 

''Ich möchte dich nicht alleine lassen. In Ordnung, schlaf bei mir'', meinte ich dann und stand schon hinter ihm in der Tür.

 

Wie konnte er mir nur so den Kopf verdrehen und meine Gefühle zum Vorschein bringen. Meine Kälte war, wenn wir alleine waren, wie weggeblasen.

 

Jetzt sollten wir in einem Bett schlafen. Wie sollte ich die Nacht überstehen? Wobei er meinen Kuss nicht weggewischt hatte. So viele Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich schaute Raziel ruhig an.

 

*-*-*

 

Langsam drehte ich mich um, als ich diese ...seine Worte vernahm... konnte es kaum glauben. Ich durfte nun doch bleiben, musste nicht allein schlafen.

 

Ich nickte Kain zu, konnte mir auch ein Lächeln nicht verkneifen und blickte ihm sanft in die Augen.

 

"Danke", gab ich zur Antwort und betrat das Zimmer sogleich wieder... hinter mir die Tür schließend.

 

Wieder legte ich meine Hand auf seine Wange, strich sanft drüber und nahm ihn dann bei der Hand, um ihn zum Bett zu führen und mich zunächst nur drauf zu setzen.

 

Beinahe schon erwartungsvoll schaute ich Kain an, wusste ich doch nun, welche Wirkung ich auf ihn hatte und spielte eben diese Karten nun gezielt aus... ließ meinen Charme spielen.

 

Es stimmte ja auch, ich wollte im Moment tatsächlich nicht allein sein, sehnte mich gerade jetzt nach Nähe und Wärme.

 

*-*-*

 

Raziel schien es mit Absicht zu machen und seine Hand fühlte sich ungewohnt an, aber gut. Ich setzte mich neben ihn aufs Bett und sein Blick schien Bände zu sprechen.

 

Seine Hand, die meine Wange berührt hatte, war kalt und dennoch schien sie eine heiße Spur zu hinterlassen.

 

Erneut konnte ich es nicht lassen und legte meinen Arm um ihn. Abermals legten sich meine Lippen auf die Seinen. Diesmal löste ich den Kuss nicht direkt, sondern wartete ab.

 

Sanft ließ ich mich mit Raziel nach hinten in die Kissen fallen. Ob es in seinem Sinne war?

 

Ich wollte ihn nicht überrumpeln und dennoch schrie mein Körper danach. Immerhin musste ich darauf so lange warten und jetzt, wo ich mich ihm offenbart hatte und er bei mir bleiben wollte, wie sollte ich da noch widerstehen können?

 

*-*-*

 

Na endlich... Kain setzte sich zu mir, legte seinen Arm um mich und wieder küsste er mich... etwas länger diesmal, so dass ich endlich die Gelegenheit bekam den Kuss zu erwidern.

 

Was ich spürte... fühlte... ließ mich beinahe den Verstand verlieren. So hatte ich es mir wahrlich nicht vorgestellt... so toll fühlte es sich an.

 

Als er mich mit sich, nach hinten, in die Kissen zog, ließ ich es geschehen, wehrte mich nicht... legte stattdessen meine Hand an seinen Oberkörper, streichelte ihn... erforschte ihn... wollte seine Haut einfach fühlen und spüren.

 

Während ich kaum genug von seinen Küssen bekam, neckten meine Finger seine Brustwarzen, kniffen sacht hinein, um dann entschuldigend drüber zu streicheln. Aber auch von Kains Gesicht und seinen Haaren bekamen meine Finger nicht genug, streichelten sanft seine Wange und über seine Haare.

 

*-*-*

 

Wie im Rausch küsste ich Raziel, begann mit der Zunge um Einlass zu bitten. Seine Streicheleinheiten machten es nicht wirklich besser und so ahnte ich, dass es bei mir mit der Kontrolle wahrlich vorbei war.

 

Aber wollte er nicht Zeit haben? Nun lagen wir hier und ich hätte vor Glück platzen können. Das hier war besser, als der Sieg. Endlich schien mein Glück vollkommen und ich genoss es schnaubend in vollen Zügen.

 

Nun begannen auch meine Hände über Raziels Brust zu streicheln, über den Teil der nicht bedeckt war. Meine Erregung wuchs und drückte stark gegen meine Hose.

 

Wie sollte ich mich bei diesen tollen Körper und diesen heißen Typen beherrschen?

 

Knurrend signalisierte ich seine Spiele mit meiner Brustwarze und war kaum noch Herr meiner Lage.

 

Viele hatte ich schon verführt und mit so vielen Menschen gespielt. Doch das hier war anders und übertrumpfe alles. Sollte ich nun endlich die Befriedigung bekommen, nach der ich so lange schon lechzte?

 

*-*-*

 

Kains Küsse schmeckten nach mehr und so ließ ich mich gehen... ließ einfach alles geschehen, erwiderte seine Küsse und öffnete auch meinen Mund, um seine Zunge in meiner Mundhöhle willkommen zu heißen.

 

Es nicht erwarten könnend, forderte ich seine Zunge sogleich zu einem heißen Kampf heraus, den wohl keiner von uns gewinnen würde.

 

Seine Hände so kühl und doch so sanft, strichen über meinen Bauch, was diesen ein wenig zucken ließ, da ich dort etwas empfindlich war, dennoch fand ich unser kleines Spielchen bis hierher schon mal sehr heiß und erregend.

 

Kains Knurren zeigte mir, dass ich es durchaus richtig machte und so weiter machen konnte, was ich auch tat, nur etwas sanfter als vorher, denn wehtun wollte ich ihm ja nun auch nicht. Nun, auch wenn er es offensichtlich sehr genossen hatte.

 

Aber wie weit wollten wir eigentlich gehen?

 

Ob Kain wusste, dass ich... so etwas noch nie getan hatte?

 

Vielleicht sollte ich mich aber auch einfach fallen lassen, alles genießen und Kain vertrauen, immerhin schien er genau zu wissen, was er tat.

 

*-*-*

 

Genauso wie ich, schien Raziel das hier zu wollen, denn seine Zunge begrüßte die Meine stürmisch. Doch wurden seine Berührungen nun sanfter. Ob er Bedenken hatte?

 

Ungern löste ich mich von dem Kuss, zog Raziel ganz aufs Bett und legte mich dicht an ihn gekuschelt. Liebevoll hielt ich ihn in den Armen und schaute noch einmal in seine schönen Augen.

 

Dann küsste ich liebevoll seine Stirn und schmiegte meinen Kopf an den Seinen.

 

''Sei nicht enttäuscht. Zu gerne würde ich dich vernaschen, aber ich denke, es ist noch zu früh. Du solltest dir erst ganz sicher sein'', sagte ich ruhig, ''Aber glaube ja nicht, dass ich dich vorerst loslassen werde.''

 

Liebevoll streichelte ich über Raziels Rücken und hatte schon Mühe mich zurückzuhalten. Dennoch wollte ich ihn nicht überrumpeln und er sollte Zeit zum Nachdenken haben.

 

Immerhin hatte er so einen Vorgeschmack darauf bekommen, was ihm erwarten könnte und mein Verhalten sollte ihm zeigen, wie ernst es mir war.

 

Schließlich wollte ich nicht nur das Eine von ihm, sondern liebte ihn und wollte die Ewigkeit mit ihm teilen.

 

*-*-*

 

Ein klein wenig verwirrt war ich nun schon, als Kain so ganz plötzlich das Wort an mich richtete, wo es eben erst noch so heiß hergegangen war.

 

Dennoch verstand ich seine Worte sehr gut und nickte.

 

"Ich bin nicht enttäuscht, vielmehr verstehe ich was du sagst und danke dir, dass du mir Zeit lässt", gab ich Kain zur Antwort und lächelte ihn an.

 

Dabei streichelte ich seinen Kopf, den er an den Meinen schmiegte, sanft.

 

Ja, ich glaubte es ihm aufs Wort, dass er mich zu gern "vernascht" hätte. Aber so war es wirklich besser und ein bisschen Schlaf würde uns sicher beiden gut tun.

 

"Ich würde auch gar nicht wollen, dass du mich los lässt.", musste ich unbedingt noch loswerden, bevor ich mich an Kain kuschelte und die Augen schloss.

 

Die Geborgenheit, die ich in Kains Armen spürte, fühlte sich einmalig an und so dauerte es nicht lange, bis ich eingeschlafen war.

 

*-*-*

 

Wie froh ich war, dass Raziel mich verstand. Mit einem Mal schien alles so einfach zu sein, wo die Gedanken dafür so kompliziert waren. Sollte er wirklich endlich 'Mein' werden?

 

Sicher würde ich ihn nie besitzen, da hatte er schon recht. Aber irgendwo war es so, als würde er meins, wenn wir zusammen kämen.

 

Über seine Worte musste ich schmunzeln und bald darauf ging sein Atem so gleichmäßig und ruhig. Es war angenehm, wenn auch ungewohnt, so mit jemanden zu liegen. Dennoch genoss auch ich es in vollen Zügen.

 

Allerdings dauerte es bei mir, bis ich eingeschlafen war. Vermutlich war einfach alles zu viel gewesen.

 

Auch erwachte ich viel zu früh wieder und konnte somit Raziel noch ein wenig beim Schlafen zusehen. Wie lieb er aussah und so friedlich.

 

Dabei rief ich mir Erinnerungen hervor, wo das ganz anders war und ich erkannte ihn kaum wieder. Mich erkannte ich ebenfalls kaum wieder, so lieb und fürsorglich. Kaum zu glauben, dass so was in mir steckte.

 

Die Sonne ging unter und sanft streichelte ich durch Raziels Haar, über seine Flügel, konnte es nicht lassen und musterte seinen Körper. Dennoch hielt ich mich zurück, obgleich ich zu gerne jeden Zentimeter seiner Haut mit Küssen übersät hätte.

 

*-*-*

 

Ich hatte wunderbar geschlafen, so gut, wie schon seit langem nicht mehr, als ich in Kains Armen erwachte und in seine tollen Augen schaute.

 

Er sah mich so lieb an... ein Blick, den ich so von ihm kaum bis gar nicht kannte... spürte, wie Kain meine Haare streichelte und über meine Flügel, das in mir ein wohliges Gefühl erzeugte und ich ihn nun auch liebevoll anlächelte.

 

"Hey", begrüßte ich den Vampirfürsten: "Hast du auch so gut geschlafen? Also ich hab so gut geschlafen, wie schon lange nicht mehr. Das habe ich, ohne Zweifel, dir zu verdanken", meinte ich, hinzufügend, zu Kain, näherte mich ihm noch etwas und gab ihm einen sanften Kuss auf die tollen Lippen.

 

Noch etwas näher kuschelte ich mich an Kain heran und begann ihn, meinerseits nun auch zärtlich zu streicheln. Es fühlte sich richtig toll an, diese weiße, weiche Haut zu streicheln... diese zu berühren... sie überhaupt berühren zu dürfen... ein Privileg, das meine "Brüder" nicht hatten.

 

Dennoch... und trotz allem, würde ich mich Kain niemals unterwerfen... niemals wäre ich vollständig sein und würde ihm somit niemals gehören.

 

Mir allein gehörte ich und ich würde auch weiterhin tun was ich wollte... immerhin hatte ich einen eigenen, freien Willen und den gedachte ich mir zu bewahren.

 

*-*-*

 

''Hey'', begrüßte auch ich Raziel, als er die Augen aufschlug. Er hatte also gut geschlafen und verdankte dies mir?

 

''Für mich war es etwas ungewohnt, auch wenn ich die ganze Zeit nichts anderes wollte. Vielleicht habe ich aber auch nicht so gut geschlafen, weil die Zukunft noch so ungewiss ist.

 

Wenn du der Meinung bist, ich wäre der Grund für deinen erholsamen Schlaf, dann solltest du ab jetzt jede Nacht mit mir verbringen'', sprach ich und da war sie wieder, die Frage, die ich nicht aussprach.

 

Ich liebte Raziel und zweifelte nicht daran, doch konnte er meine Liebe erwidern? Den Kuss hatte ich nur zu gerne erwidert, aber war das schon alles oder durfte ich nach gestern auf mehr hoffen?

 

Sehnsüchtig schmiegte auch mich mich an ihn und legte meinen Kopf in seine Halsbeuge. Liebevoll glitten meine Lippen über Raziels Hals und meine Zunge schmeckte seine Haut. Genießerisch schloss ich die Augen, während meine Hände schon wieder frech wurden.

 

Kurz bevor ein hallendes Klopfen mein Tun unterbrach, spürte ich Zephons Anwesenheit im Flur vor der Tür. Was um Himmelswillen war jetzt denn los? Durfte man nicht mal in Ruhe wach werden unter so heißen Bedingungen?

 

*-*-*

 

"Da gewöhnst du dich schon dran, denn ich werde, ab jetzt, wenn du es wirklich magst, jede Nacht hier schlafen", antwortete ich und genoss dabei, wie er sich an mich schmiegte, fast wie ein Schmusekater... dachte ich und musste innerlich grinsen.

 

Kains Liebkosungen fühlten sich so richtig an... so ungewohnt und doch so schön... und dennoch wusste ich noch immer nicht was ich fühlen sollte, ob mein Herz wirklich schon ihm gehörte.

 

Sicher, ich hatte diese Nacht wunderbar geschlafen und auch die ersten Erfahrungen von gestern, waren nicht spurlos an mir vorbei gegangen... aber konnte ich mir deswegen schon sicher sein, dass ich ihn liebte?

 

Eine leichte Unsicherheit erfasste mich, zudem ich es ja auch nicht kannte und ein wenig Angst hatte etwas verkehrtes zu tun... dazu kam dann auch noch... diese ungewohnte Wärme, die Kain so plötzlich an den Tag legte.

 

Meine Gedankengänge wurden jäh gestört, als es an der Tür klopfte und ich auch schon Zephon von draußen hörte.

 

"Tja, das wars dann wohl erst mal. Ich denke, du solltest wieder deinen Pflichten nachkommen, für alles andere haben wir vielleicht später noch Zeit", sprach ich liebevoll zu Kain und küsste ihn noch einmal, bevor ich das Bett, mit einem Lächeln auf den Lippen, verließ.

 

*-*-*

 

Ich hätte Zephon töten mögen, riss mich aber am Riemen. Aus irgendeinem Grund schien es Raziel ganz recht zu sein und ich spürte seine Unsicherheit. Vielleicht war es besser so, sonst hätte ich mich wohl kaum bremsen können.

 

Also erhob auch ich mich und zog mich wie im Flug an, bevor ich zur Tür ging.

 

Zephon verbeugte sich, wie immer, doch ich sagte nichts. Den langen Flur vorausgehend, war ich gedanklich noch immer bei Raziel. Dennoch würde ich jetzt erst mal meinen Pflichten nachkommen.

 

Fast die ganze Nacht hatte ich zu tun und konnte zwischendurch mitbekommen, wie sie redeten. Es war also immer noch nicht vom Tisch, das Thema mit Raziels Flügeln.

 

Also versammelte ich alle und ließ meiner Wut freien Lauf.

 

''Hört mir genau zu, denn ich sage es nur einmal. In Zukunft dulde ich keine Reedereien über dieses Thema. Es ist allein meine Entscheidung und die habe ich getroffen. Ihr solltet euch lieber ein Beispiel nehmen an Raziel'', donnerte meine Stimme durch den Raum, wobei ich bei den letzten Worten an Raziels Erscheinung hängen blieb.

 

Damit war alles gesagt und meine Marionetten würden sich hüten noch einmal dieses Thema aufzugreifen. Was sie darüber dachten, war mir Einerlei.

 

''Jetzt geht mir aus den Augen'', schickte ich sie alle samt wieder fort. Denn nun hatte ich Hunger und wollte auf die Jagd, bevor der Tag anbrach.

 

*-*-*

 

Autsch, da war aber jemand ziemlich sauer und sehr gereizt, wie ich feststellen musste, als ich hörte, was er zu seinen Untergebenen sagte... wie donnernd seine Stimme nun wieder klang... ganz anders, als gestern oder heute Morgen... wo wir allein waren.

 

Aber ich wusste ja, dass er so sein und so reagieren musste, sonst würden die Vollidioten machen, was sie wollten und das ging nun wirklich nicht.

 

Sicher, ich nahm mir schon sehr vieles raus, was eigentlich auch nicht rechtens war, doch... ließ ich mich eben nicht wie einen Bauern lenken und folgte nur wenn es mir gerade in den Kram passte. Ansonsten... machte ich lieber mein eigenes Ding, was Kain nicht mehr zu stören schien... wie ich vernehmen konnte.

 

Sie alle sollten sich ein Beispiel an mir nehmen?

 

Armer Kain, das sollte er besser zurücknehmen, sonst würde ihm bald keiner mehr folgen.

 

Aber ich würde schon dafür sorgen, dass diese Trottel ihm folgten, auch wenn ich meinen eigenen Clan weiterhin vor Augen hatte.

 

Nachdem alle fort waren, schaute ich Kain an, lächelte kurz, aber liebevoll, dann verabschiedete ich mich von ihm:

 

"Also, ich bin dann mal weg, aber ich komme nachher wieder... keine Angst, so schnell wirst du mich nicht los", sprach ich und verließ den Unterschlupf anschließend... immerhin hatte ich genug zu tun.

 

*-*-*

 

Über Raziels Worte musste ich schmunzeln. Er zauberte mir tatsächlich ein Lächeln auf die Lippen. Zum Glück waren alle anderen bereits fort und es war nicht weiter schlimm. Natürlich freute ich mich auch darüber, dass er wiederkommen wollte, genauso wie darauf, dass er bei mir schlafen wollte.

 

Den ganzen Tag über konnte ich an nichts anderes denken und jetzt wollte ich nur noch schnell meinen Hunger stillen.

 

So eilte ich ins nahegelegene Dorf, um ein williges Opfer zu suchen.

 

Schnell hatte ich eine junge Frau ausfindig gemacht, die vor der Haustür saß und eine rauchte. Wusste sie denn nicht, wie gefährlich so was war? Rauchen und dann auch noch mitten in der Nacht.

 

Mit meinen Gedanken ergriff ich Besitz von ihr und lockte sie in eine Gasse. Dort fiel ich blutrünstig über sie her, wobei meine Hand fest auf ihren Mund drückte, um ihren Schmerzensschrei zu unterdrücken.

 

Danach genehmigte ich mir noch einen Mann, der ohnehin in den letzten Atemzügen lag und eine Frau, die auf den Weg zur Frühschicht war. Erst dann war mein Hunger gestillt und ich konnte wieder zurückgehen.

 

Vielleicht auch besser so, da der Morgen wieder mal in den Startlöchern stand. Was hatte ich auch so viel zu tun gehabt, dass ich das Essen ganz vergessen hatte. Nur Raziel hatte ich nicht vergessen, dem ich nun auch meine Gedanken widmete.

 

*-*-*

 

Die ganze Nacht war ich unterwegs gewesen, hatte auch nicht vergessen mich zu ernähren, wenn auch sehr widerwillig, aber es nutzte ja nichts... es musste eben sein.

 

Mit meinen menschlichen Bekannten hatte ich mich ebenfalls getroffen und ihnen fast berichtet, was vor sich ging. Sie rieten mir zwar, dass ich vorsichtig sein sollte, aber ich winkte nur ab, meinte, dass ich Kain gut genug kennen würde, um zu wissen, dass er es wirklich ernst meinte.

 

Denn es sprach schon einiges dafür.

 

Schließlich machten wir weiter mit den Vorbereitungen, für meinen eigenen Clan und besprachen noch das ein oder andere, das wichtig war.

 

Als es an der Zeit war zurückzukehren, verließ ich das Haus, des weit entfernten Dorfes, erhob mich in die Luft und flog nach Hause.

 

Den Unterschlupf erreicht traf ich auf Turel, der mich neidvoll anschaute.

 

"Hast du irgendein Problem?"

 

"Ja, du bist mein Problem. Nur weil du dich so anders verhältst und zudem Kains Liebling zu sein scheinst, müssen wir anderen darunter leiden und Kain lässt es uns spüren, dass wir nichts wert sind."

 

"Das ist doch kompletter Unsinn, den du da von dir gibst. Ich bin weder Kains Liebling, noch bin ich so sehr viel anders, als ihr."

 

"Oh doch, du bist anders, denn du hast das Privileg eigenständig handeln zu dürfen, wurdest noch nicht mal bestraft dafür, dass du Kain übertrumpft und Flügel bekommen hast. Nie tust du was er sagt... was er befielt und trotzdem duldet Kain es. Also erzähl mir keine Märchen!", ereiferte sich Turel, zu dem sich nun auch noch Dumah gesellte und ihm zustimmte.

 

"Ach, lasst mich doch in Ruhe! Vielleicht solltet ihr einfach mal über euer Tun und euer Verhalten nachdenken!", damit ließ ich die beiden stehen, ging in mein Zimmer und schloss die Tür, um dann auf Kains Rückkehr zu warten.

 

*-*-*

 

Endlich erreichte ich den Unterschlupf und ging hinein. Auch mir begegneten Turel und Dumah, die sich jedoch zurückhielten. Während ich an ihnen vorbeiging, verbeugten sie sich, wie immer, reden hörte ich sie jedoch nicht.

 

Gut so. Hoffentlich würde es so bleiben.

 

Da alles erledigt war, ging ich in meine Gemächer, wo ich mir eine kurze Dusche gönnte.

 

Anschließend kleidete ich mich wieder ein und zog die Vorhänge zu. Die Anderen wussten ja um ihre Pflichten, wenn der Tag anbrach. Außerdem hatte ich keine Lust jetzt noch Irgendwen zu sehen. Außer natürlich Raziel, auf den ich erwartungsvoll wartete.

 

Ich konnte es kaum abwarten ihn in meine Arme zu schließen.

 

*-*-*

 

Mich ärgerte es schon sehr, was Turel und Dumah da von sich gegeben hatten und ich wusste, dass es, unter diesen Umständen, für mich hier kein Bleiben mehr geben konnte. Die Missgunst meiner Brüder würde nur noch schlimmer werden, solange sie mich hier ertragen... dulden müssten.

 

Also musste ich notgedrungen doch noch einmal mit Kain reden. Hier gehörte ich definitiv nicht mehr her.

 

Dass Kain wieder hier war, spürte ich, doch musste ich mich zunächst beruhigen, denn ich war jetzt einfach noch viel zu aufgebracht, um in Ruhe mit Kain reden zu können.

 

Also legte ich mich auf mein Bett und starrte an die Decke... nachdenklich... noch immer nicht wissend, ob ich Kain wirklich liebte, was aus uns werden würde, wenn ich fort ging... vor allem was würde aus Kain werden.

 

Armer Kain, wenn ich ihm hier nicht ein wenig half, würde ihm alles sehr bald über den Kopf wachsen und seine anderen Marionetten konnte er doch vergessen, auf sie konnte er doch nicht zählen.

 

Also würde ich mich mal hier und mal bei meinem Clan aufhalten.

 

Langsam erhob ich mich wieder aus meinem Bett und verließ mein Zimmer, machte mich auf den Weg zu Kain, dessen Zimmer ich bald erreichte und, wie ich es gewohnt war, höflich an seine Tür klopfte...

 

*-*-*

 

Endlich spürte ich Raziel und es kam das ersehnte Klopfen. Freudig ließ ich die Tür von selbst aufgehen und lächelte meinen Freund an.

 

''Du hast mich warten lassen'', scherzte ich ein wenig.

 

Nachdem Raziel eingetreten war, ging ich auf ihn zu und umarmte ihn. Mein Gesicht drückte sich an seinen Hals und atmete seinen Geruch ein. Ich hatte ihn wirklich vermisst, obwohl er so nah war.

 

Sanft streichelten meine Hände über seinen Rücken und ich musste mich anstrengen nicht über ihn herzufallen. Er roch so verdammt gut, was mich erregte.

 

In mir war wieder diese Ruhe zu spüren und ich ließ die Kälte beiseite, wollte für Raziel ganz ich sein.

 

Dennoch spürte ich in Raziel eine Unruhe, die ich nicht erklären konnte.

 

''Dich bedrückt etwas... Ist es wegen meiner Liebe zu dir?'', hackte ich nach und schaute ihm in die Augen.

 

*-*-*

 

Kains Scherz, nachdem ich eingetreten war, verstand ich und konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

 

Die liebevolle Umarmung seinerseits erwiderte ich und schmiegte mich kurz an ihn, genauso wie er sein Gesicht an meinen Hals schmiegte, während ich sein Streicheln, über meinen Rücken sehr genoss.

 

Doch als Kain diese Frage an mich stellte und mir so direkt in die Augen sah, löste ich mich von ihm und schaute ihm ebenfalls in die Augen.

 

"Ja, mich bedrückt etwas... und... nein, es ist nicht wegen deiner Liebe zu mir. Ich denke sogar, dass ich dich auch liebe...

 

aber... Kain, höre mir bitte kurz zu", antwortete ich Kain und dachte kurz nach, dann sprach ich weiter: "Auf Dauer kann ich hier nicht bleiben, denn deine Marionetten hegen einen Groll gegen mich. Sie haben Probleme mit mir, weil ich Flügel habe und... eben einfach anders handle... anders bin.

 

Ich... muss weg hier, bis sie sich beruhigt haben.

 

Turel und Dumah, haben mir vorhin ihre Meinung gesagt und... tja... ich denke, es wird wirklich besser sein, wenn ich bald von hier verschwinde. Sonst fürchte ich... gibt es sehr bald hier eine Katastrophe, die selbst du dann nicht mehr aufhalten kannst.

 

Du wirst mich dennoch nicht verlieren, das verspreche ich dir, aber... bleiben kann ich erst einmal nicht. Vielleicht sollte erst einmal ein bisschen Gras über die ganze Sache wachsen."

 

Diese Worte beendet, hob ich meine Hand und legte sie an Kains Wange... ihm sanft... liebevoll in die Augen schauend.

 

*-*-*

 

Ruhig hörte ich Raziel zu, blieb aber vorerst an seinen ersten Worten hängen. Er liebte mich tatsächlich auch. Sollte es wirklich wahr sein?

 

Die darauffolgenden Worte stimmten mich traurig, auch wenn ich versuchte ihn zu verstehen. Sehnsüchtig schmiegte ich meinen Kopf in seine Hand, legte meine Hand noch unter seine Hand, um dem Nachdruck zu verleihen.

 

''Sag mir, wie soll ich dich gehen lassen?'', krächzte ich, kaum eines Wortes fähig.

 

Ich würde ihn gehen lassen, wenn es ihm so wichtig war. Vielleicht hatte er mit alledem Recht und es würde so nicht weiter gehen können.

 

Wie sollte ich das durchstehen, wenn ich von ihm getrennt wäre?

 

*-*-*

 

Oh je, Kain schien echt zu leiden und er tat mir unglaublich leid, aber ich konnte es nicht ändern... meine Brüder würden mir den Garaus machen, wenn ich noch länger hier blieb.

 

"Es tut mir leid... wirklich. Wenn du magst können wir uns doch auch bei mir, in meinem Unterschlupf treffen und außerdem weißt du ganz genau, dass ich dich niemals wirklich verlassen oder dich hängen lassen würde. Nur denke ich, dass es jetzt erst mal so das Beste ist.

 

Bitte, sei nicht traurig", flüsterte ich ihm zu, seine Hand auf der Meinen genießend und die Augen kurz schließend.

 

Hach... wie gern würde ich meine sogenannten Brüder, einen nach dem anderen, abschlachten... sie killen. Aber ich war nun mal nicht so draufgängerisch veranlagt und würde eben vorläufig einfach das Feld räumen.

 

Nur Kain tat mir dabei leid... aber wir waren ja dennoch nicht aus der Welt.

 

*-*-*

 

Im Grunde hörte sich alles so einfach an und es war einen Versuch wert. Außerdem hatte ich wohl keine Wahl.

 

''Also gut. In Ordnung'', willigte ich ein und schaute Raziel an, bevor ich einen Schritt auf ihn zumachte.

 

''Aber heute gehörst du noch mir'', raunte ich, ''Mir allein.''

 

Sicher war es wieder so etwas Besitzergreifendes, was ich eben von mir gab. Dennoch hoffte ich, Raziel würde verstehen, wie ich es meinte.

 

Sanft legte ich meine Lippen auf die Seinen, während meine Hände, die seine, die eben noch an meiner Wange lag, festhielt und gegen seine Brust drückte.

 

Sei mein und lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich liebe!

 

Zumindest wollte ich ihn küssen und halten. Sofern er mich ließe.

 

*-*-*

 

Ich nickte, lächelte Kain an und erwiderte den Kuss, sanft, aber leidenschaftlich werdend. Meine Hand, die nun auf meiner Brust lag und von seiner Hand festgehalten wurde, ließ ich genau dort liegen und hatte im Moment so gar nichts dagegen heute sein "Besitz" zu sein... auch wenn ich normal so etwas niemals zugelassen hätte... es sogar hasste.

 

Aber in diesem speziellen Fall war es doch gänzlich was anderes... er liebte mich und gab mir hier keine Befehle... und so ganz nebenbei... wollte mein Herz auch ihn.

 

Es hatte mich unglaublich beruhigt, dass Kain zugestimmt hatte... er hatte es wohl doch auch eingesehen, dass es nicht anders ging.

 

Meine Augen genießend schließend, wurde mein Kuss nun sehr leidenschaftlich... ja, fast schon feurig. Von diesen Lippen bekam ich irgendwie nicht genug, während sich mein linker Arm um seine Hüfte legte und meine Hand diese zu streicheln begann.

 

Was Kain vielleicht wollte konnte ich mir durchaus vorstellen... aber ich wollte das auch... auch wenn ich so etwas nicht kannte... aber ich wollte es kennen lernen... Kain lieben lernen.

 

*-*-*

 

Brummend erwiderte ich Raziels Kuss, der nach mehr schmeckte. Er wusste schon, wie er mich verrückt machte. Ungern und auch nur kurz löste ich den Kuss, um ihn rüber zum Bett zu ziehen. Schwungvoll landeten wir darauf.

 

Gierig küsste ich ihn erneut und legte mich dicht neben ihn. Meine Hände erkundeten seinen tollen Körper und wurden sogar schon frech und fuhren ungeduldig über seine Hose.

 

Zurückhaltung kannte ich kaum und dennoch wollte ich mir eigentlich Zeit lassen. Schließlich spürte ich doch, dass es Raziel an Erfahrung fehlte und außerdem wollte ich es genießen.

 

Wer wusste schon, wann wir es erneut zeitlich einrichten konnten.

 

Unterdessen küssen meine Lippen, die seinen und auch seinen Hals, die Schläfen, sein Ohrläppchen, einfach alles, was in Reichweite war. Seine Zunge zog ich mit den Lippen in meinen Mund, spielte mit ihr, ließ mich treiben.

 

Die Erregung wuchs und meine Fangzähne traten hervor. Doch Raziel würde es wohl ebenso ergehen und ich brauchte nicht, wie bei meinen Opfer darauf zu achten, sie zu verstecken.

 

*-*-*

 

Endlich lagen wir auf dem Bett und Kain begann sich sogleich an mich heran zu machen, was mich stöhnend fauchen ließ und sich nun auch meine Fangzähne zeigten... ebenso wie bei Kain.

 

Mich störte es nicht, wusste ich doch was das allgemein zu bedeuten hatte... Kain war erregt... und ich ebenso.

 

Als ich Kains Hände an meiner Hose... an einer bestimmten Stelle spürte wurde mir schon etwas mulmig zumute und ich war schon drauf und dran mich dieser Berührung zu entziehen, doch ließ ich es geschehen... ließ meine rechte Hand nun sogar auch über seinen Körper gleiten... streichelnd... zärtlich.

 

Ich wusste, dass Kain es gern etwas härter gehabt hätte, aber... ich wollte ihm doch nicht weh tun.

 

Jedoch ließ ich mich nun fallen, vertraute Kain meinen Körper an und genoss was er mit mir anstellte... seine Küsse... die ich gierig erwiderte... meine Hände aber auch weiterhin über Kains Körper streicheln ließ... mich jedoch noch nicht an eine bestimmte Stelle heran traute.

 

*-*-*

 

Raziel ging es langsam und sanft an, was mich nicht störte. Eher im Gegenteil, reizte es mich um so mehr.

 

Meine Hände streichelten über seinen Oberkörper, bearbeiteten seine Brustwarzen, bis sie hart waren und strichen erneut über seine Hose.

 

Immer wieder küsste ich ihn feurig, musste schon aufpassen nicht an seine Fangzähne zu geraten oder ihn mit meinen zu verletzen. Gut, dann wäre Blut mit im Spiel, was nicht sonderlich schlimm wäre. Aber ob ich mich dann noch hätte zügeln können?

 

Ungeduldig begann ich mich gegen Raziel zu bewegen, ein wenig an ihm zu reiben.

 

Geduld war eben nicht meine Stärke und dennoch wollte ich ihm die Zeit lassen, die er brauchte.

 

Sanft liebkoste ich ihn am Hals und übersäte auch seine Brust mit zahlreichen Küssen.

 

*-*-*

 

Wieder entwich mir ein Fauchen, als Kain meine Brustwarzen so bearbeitete und diese alsbald hart waren, was ich in meiner immer mehr aufkommenden Erregung zeigte, die ich kaum noch zurückhalten konnte.

 

Mein Unterleib hob sich nun Kains Hand entgegen, so als wollte ich mehr, was ja auch gar nicht so verkehrt war.

 

Außerdem reizten mich seine feurigen Küsse, denen ich ebenfalls nicht widerstehen konnte.

 

So ganz langsam und auch nur probehalber, wie es sich anfühlen würde, ließ ich meine Hand nun doch vorsichtig zu Kains Hose wandern... dann zu seiner Mitte, über die ich sanft drüber strich, was sich erst mal seltsam fremd anfühlte... aber auch irgendwie richtig.

 

Von seiner Mitte aus streichelte ich dann die Innenseiten seiner Beine... hoch... runter und wieder hoch, um dann auf seiner Körpermitte liegen zu bleiben.

 

Langsam gewöhnte ich mich dran... würde sicher noch mehr wollen...

 

*-*-*

 

Wie im Traum signalisierte ich Raziels Tun, wie er mich streichelte. Ich würde noch wahnsinnig werden. Ob er das wusste?

 

Da er sich mir nun schon entgegen hob, fuhr meine Hand in seine Hose und fand, was sie suchte. Liebevoll nahm ich seine Erektion in die Hand und streichelte sie erst mal nur. Frech fuhr mein Finger über die Eichel, die schon ganz feucht war.

 

Mit leichten kreisenden Bewegungen, immer wieder auf die Mitte der Eichel drückend. Dabei genoss ich für einen Augenblick den Anblick von Raziel, bevor ich mich an seinen Hals festsaugte und mich arg zurückhalten musste, nicht zuzubeißen.

 

Herrje, was war er aber auch toll. Heiß und hübsch, begehrenswert und jetzt endlich MEIN. MEIN GELIEBTER!

 

*-*-*

 

Eben noch versuchte ich meine ersten Erfahrungen zu machen, als ich spürte, wie Kain sich wiederum an mir zu schaffen machte und es mich nun vollkommen erregt aufstöhnen ließ.

 

Weiter hob ich mich seiner Hand entgegen, dann spürte ich seine Hand an meiner Männlichkeit, drückte meinen Kopf ins Kissen... wand diesen in und her und spreizte die Beine, soweit wie möglich.

 

Gott... wie Kain meine Männlichkeit streichelte, da konnte ich ja süchtig werden. Fauchend stöhnte ich weiter, genoss was er tat, während sich meine Hände hilfesuchend in die Bettdecke unter mir krallten, so dass schon die Fingerknöchel weiß hervor traten.

 

"B-bitte... Liebster... mehr...", bettelte ich sehnsüchtig... stöhnend, während mein Körper schon vor Erregung zitterte und ich nicht wusste, ob ich noch im siebten Himmel war, oder schon im Feuer der Leidenschaft verbrannte... ob ich Männlein oder Weiblein war.... herrje...

 

Kain... ich liebe dich so sehr... nie werde ich dich verlassen... wir finden einen anderen Weg....

 

*-*-*

 

Mehr, er wollte also mehr? Das sollte er bekommen.

 

Also entkleidete ich ihn und anschließend auch mich, langsam und genüsslich. Jeden Teil von Raziels Körper betrachtete ich genau und es legte sich ein Lächeln auf mein Gesicht.

 

Jetzt wo wir nackt waren, legte ich mich auf Raziel und küsste ihn erneut. Meinen Körper begann ich an den seinen zu reiben. Unsere harten Männlichkeiten rieben aneinander und es entlockte mir ein Stöhnen.

 

Ich war so heiß und erregt, bekam kaum genug von Raziel.

 

Erst als ich es nicht mehr aushielt, glitten meine Hände zwischen uns und begannen unsere Männlichkeiten aneinander auf und ab zu reiben. Der Rhythmus begann langsam und wurde schneller und intensiver, bis ich letzten Endes einen gleichmäßig starken erreicht hatte.

 

Dabei bekamen meine Lippen nicht genug von den Seinen, wobei meine Zunge förmlich an Raziels klebte.

 

*-*-*

 

Ein wenig schämte ich mich nun schon, als Kain mich auszuziehen begann... meinen Körper dabei betrachtete... was mich schamvoll zunächst die Augen schließen ließ.

 

Dies blieb aber nicht allzu lang so. Ich öffnete meine Augen wieder und half Kain dabei, mich und ihn zu entkleiden, ließ meinen Blick über seinen toll gebauten Körper wandern, streichelte diesen nahezu mit meinen Blicken, leckte mir dabei genüsslich über die Lippen, die mit einem Mal so trocken zu sein schienen.

 

Seine leidenschaftlichen Küsse erwiderte ich feurig und es entlockte mir ein lustvolles Stöhnen als Kain seinen Körper an dem meinen zu reiben begann und sich dabei unsere Glieder berührten.

 

Das Stöhnen meinen Liebsten ließ einen wohligen Schauer über meinen Körper wandern, so dass auch ich kaum genug von Kain bekam.

 

Mein Kopf drückte sich in das Kissen... stöhnend versuchte ich mich Kains Hand entgegen zu heben... diese Hand, die meine Männlichkeit zu reiben und zu massieren begann... während sich meine Hände hilfesuchend mal in das Laken unter mir krallten und mal fahrig über Kains Haare strichen.

 

Seine Zunge, die mit meiner spielte, machte die Sache auch nicht besser, so dass ich schon ahnte, dass ich das hier nicht lang durchhalten würde... zu erregend war unser Spiel.

 

Ich bekam einfach nicht genug von Kain und dem was er tat, doch hielt ich mich noch zurück... wollte unser Liebesspiel nicht so schnell enden lassen.

 

"I-ich liebe.... dich....", hauchte ich Kain stöhnend zu, dann war es auch schon vorbei mit meiner Beherrschung und ich ergoss mich in Kains Hand... mit einem lauten, sehr erregtem Stöhnen, während ich mich unter ihm wand.

 

*-*-*

 

Raziels Verhalten und seine Erregung heizte mich nur noch mehr auf und so rieb ich mich an ihm, liebevoll, sanft aber voller Ekstase. Natürlich wusste ich, dass wir Beide es nicht lange durchhalten würden und als ich seine Worte hörte, ahnte ich es auch.

 

Er ergoss sich in meiner Hand und es war, als würde es mir den letzten Rest geben. Auch ich kam und raunte dabei die Worte: ''Ich liebe dich auch!''

 

Ein Traum schien in Erfüllung gegangen zu sein und alles um mich herum war mit einem Mal unwichtig.

 

Keuchend ließ ich mich dicht neben Raziel sinken und schloss ihn in meine Arme. Nie, niemals mehr wollte ich ihn hergeben.

 

*-*-*

 

Epilog

 

Nach dieser, für die beiden Liebenden, wunderschönen Zeit der Zärtlichkeit, in dessen Verlauf sich beide nochmals ihre Liebe gestanden hatten, ging Raziel zwar fort und gründete seinen eigenen Clan, die Razielim und leitete diesen auch, aber er blieb Kains rechte Hand.

 

Seine sogenannten Brüder blieben zwar bei Kain, aber sie wurden bestraft und in ihren Rechten stark eingeschränkt, bekamen dafür aber umso mehr Pflichten. Duldete es Kain doch nicht, dass sie seinen Liebling bedrohten.

 

Beide blieben für immer und ewig zusammen, genossen ihre Liebe und Zweisamkeit, wann immer sie konnten und kämpften gemeinsam gegen Feinde an.

 

Natürlich ließ sich Raziel auch weiterhin nicht von Kain leiten oder etwas befehlen... sein eigener, freier Wille blieb ihm erhalten, obwohl er Kain liebte.

 

Wie sagte es Kain so schön:

 

Wir sind wie zwei Flüsse, die sich trafen und sich nie wieder trennen...

 

*-*-*

 

~ ENDE ~