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Fremder 1

Blicke


 

Es überraschte mich nicht, dass meine Mutter die Hälfte der Wäsche, die aus den Koffern und Kartons kam, zum Waschen gab. Der Wäschekorb war schnell mehr als überfüllt und ich hatte alle Hände voll zu tun.


 

Unten im Keller angekommen versuchte ich mein Bestes zu geben, damit alles Richtig sortiert wurde. Hätte ich meiner Mutter doch nur ein bisschen zugehört, dann wäre es jetzt einfacher.

Dazu kam noch der Drang nach einer Zigarette... ob ich es hier wagen konnte?

Es gab zwei Kellerfenster, wovon das eine schonmal nicht aufging, da der Griff abgebrochen war. Als ich es bei dem anderen versuchte, bemerkte ich neben der hängenden Wäsche eine dunkle Gestalt.

Erst war ich mir nicht sicher, ob vorhin da schon Wäsche hing. Dann erst sah ich, dass sich etwas dahinter bewegte.

Erschrocken zuckte ich zusammen.

Es dauerte einen Moment bis ich die Gestalt als einen Mann definieren konnte und mich wieder fing.

Erneut versuchte ich es, jetzt bei dem anderen Fenster, mit Erfolg. Endlich konnte ich mir eine Zigarette anstecken, an der ich genüsslich zog.


 

Den Mann nicht weiter beachtend, ging ich wieder meiner Arbeit nach und sortierte die Wäsche. Was mir mit dem Glimmstängel auch viel leichter viel.

Endlich lief die erste Maschine voll Wäsche und ich legte mich auf das Sofa, um noch ein bisschen die Ruhe hier zu genießen.

Nun fiel mein Blick wieder auf den Mann, der seine Wäsche aufhing. Er machte es langsam, als wäre es ein Ritual. Wäschestück für Wäschestück bekam es jedes seine Klämmerchen.

Erneut zündete ich mir eine Zigarette an, wobei mein Feuerzeug nicht gleich so wollte wie ich.

Strahlend blaue Augen musterten mich aus der dunklen Ecke heraus.

Ich fühlte mich irgendwie ertappt. Schließlich durfte ich mit meinen zarten 16 Jährchen noch nicht rauchen.

Sein Blick bohrte sich in mich hinein und ließ dann unerwartet von mir ab.

Mir war heiß und kalt zugleich.

Ich löschte die Zigarette und verließ mit weichen Knien den Waschraum. Dann schleppte ich mich die Treppe hinauf.

Warum hatte der Fremde nichts gesagt?

Er hätte doch wenigstens grüßen können oder wäre es als jüngerer angebrachter gewesen zuerst etwas zu sagen.


 

'Kommst du auch noch wieder', ließ mich meine Mutter zusammenzucken, die schon in der Haustür stand.

Mit grimmiger Miene drückte sie mir einen vollen Müllbeutel in die Hand, den ich wohl entsorgen sollte.

'Die Mülltonnen findest du hinterm Haus', fügte sie noch hinzu. Mit diesen Worten schloss sie die Tür hinter sich, ohne mir eine Chance zum Antworten zu lassen.

Wiederworte waren zwecklos und ich kam zu dem Entschluss, dass frische Luft jetzt sowieso das Beste für mich wäre. Also trug ich den Müll ums Haus herum, wo ich auch ohne weiteres suchen die Mülltonnen vorfand.

Wenn mich nicht alles täuschte waren an dieser Hauswand die Kellerfenster vom Waschraum.

Doch so sehr ich mich auch bemühte, konnte ich nicht hineinsehen. Es war drinnen einfach zu dunkel oder draußen zu hell. Außerdem war es sehr kalt heute und ohne Jacke kaum auszuhalten.

Gefrustet entsorgte ich den Müll und ging wieder ins Haus, wo mich meine Mutter bereits zu erwarten schien.

'Hast du den Müll gleich zur Müllkippe gebracht oder warum hat das so lange gedauert?', will sie auch gleich wissen.

'Hauch mich mal an', befielt sie, als wüsste sie ganz genau, dass ich heimlich rauchte.

Wegen des Fremden hatte ich ganz vergessen mir ein Pfefferminz reinzustecken nach dem Rauchen. Ich blickte hektisch hin und her, doch mir fiel keine Ausrede ein. Gerade als ich behaupten wollte, dass ich ganz üblen Mundgeruch hätte, rettete mich mein Vater.

'Liebes, die Kartoffeln kochen über' ,kam es ganz überraschend von ihm aus der Küche.

Schon sah man meine Mutter flitzen und ich verschwand auf schnellstem Wege ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.

Warum ging mir dieser Mann nicht aus dem Kopf?

Was hatte er so interessantes an sich?

Mit frischem Atem ging ich erstmal in mein Zimmer.

Ich baute meine Anlage auf, weil Musik mich jetzt am Besten auf andere Gedanken bringen würde.

Leider wurde ich, bevor ich mein Werk vollenden konnte, zum Mittagessen gerufen.

Mein Vater grinste mich an und nickte mir zu, als ich mich zu ihm an den Tisch setzte. Er wusste anscheinend ganz genau, dass er mich vorhin gerettet hatte.

Wir aßen ohne weiter miteinander zu reden und als wir fertig waren, wollte ich so schnell es ging zurück in mein Zimmer. Wäre da nicht meine Mutter gewesen.

'Hier geblieben!', packte sie mich am Kragen.

'Du räumst heute die Küche auf! Dein Vater und ich müssen noch einiges einkaufen', erklärte sie mir und schon waren die Zwei verschwunden.

Doch an aufräumen war nicht zu denken. Ich beschloss noch einmal in den Waschraum zu gehen. Vielleicht hatte ich ja Glück und der Fremde war noch da.

Langsam öffnete ich die knarrende Kellertür und trat vorsichtig hinein in den Raum. Suchend schaute ich mich um und da war er!

Er durchbohrte mich mit seinem intensiven Blick, so dass mir wohlige Schauer über den Rücken liefen. Wie versteinert stand ich da, konnte mich keinen Zentimeter bewegen.

Mein Gegenüber schien mit seiner Wäsche fertig zu sein und kam direkt auf mich zu. Dass ich den Ausgang blockierte bemerkte ich gar nicht.

Ein ebenmäßiges schönes Gesicht kam mir ganz nah und sein Körper schob sich dicht an mich vorbei. Deutlich spürte ich seine starken Brustmuskeln an meinem Unterarm.

Dann fiel die Tür direkt hinter mir ins Schloss und ich zuckte stark zusammen, als wäre ich aus meiner Trance aufgewacht.

An der Tür lehnend rutschte ich runter in die Hocke, wo ich erstmal die Hände vors Gesicht schlug.

Es dauerte einige Minuten bis ich mich wieder gefasst hatte und auch bemerkte, dass die Wäsche bereits fertig zu sein schien.

Also machte ich mich an die Arbeit. Stellte eine neue Maschine an und hing die erste auf.

Danach schlenderte ich die Treppe rauf, in der Hoffnung den Fremden aus dem Keller wiederzusehen. Doch es schien nichts los zu sein im Flur.

Aus reiner Neugierde schlich ich die große Treppe rauf, lauschte an jeder Tür und betrachtete die Nachnamen an den Klingelschildern.

Wo würde der Mann wohl wohnen und wohnte er allein?

Warum ging er mir nicht mehr aus dem Kopf?

Endlich war ich ganz oben angekommen, doch auch hier hörte man nichts und der Name verriet natürlich auch nichts.

Enttäuscht ging ich wieder runter und beschloss erstmal klarschiff in der Küche zu machen, bevor meine Eltern wieder auftauchen würden.

Als auch endlich der letzte Teller wieder im Schrank war, beschäftigte ich mich erneut mit meiner Anlage und konnte den Abend mit viel Musik ausklingen lassen.

Meine Eltern kamen erst spät von ihrer Einkaufstour wieder, mit vielen Lampen im Gepäck. Tatsächlich bekam ich sogar von meiner Mama ein dickes Lob für die Küche und durfte mir sogar eine Lampe aussuchen.

Die ich, dank der Motivation auch noch anbrachte, um anschließend noch ein paar Sachen einzuräumen.

Das Chaos wurde langsam weniger und die Kartons auch. Alles schaffte ich natürlich nicht und ich hätte auch todmüde ins Bett fallen müssen.

Nur konnte ich erst nicht richtig einschlafen und dann war ich auch noch ständig wach.

Der Fremde ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Seine schönen blauen Augen, das makellose Gesicht und der scheinbar muskulöse Körper verfolgten mich bis in den Schlaf.