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Harte Schale - weicher Kern

Harte Schale – weicher Kern

 

 

by Detail and Dark Sephiroth

 

 

Meine Eltern waren erst seit ein paar Wochen tot und schon saß ich in dieser Schule fest, wohin ich eigentlich gar nicht gehörte.

 

Und warum das alles?

 

Weil meine Tante und mein Onkel mich nicht mochten, mir etwas in die Schuhe schoben, das ich nicht getan hatte. Dabei trauerte ich, in meinem Zimmer und für mich allein, um meine Eltern, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren.

 

Diese beiden Nichtsnutze, die sich meiner angenommen hatten... warum auch immer... trampelten ständig auf mir herum, ließen mich für sich schuften und schlugen mich. Klar, versuchte ich mich ab und zu dagegen aufzulehnen, hatte aber irgendwann resignierend aufgegeben.

 

Tja, und nun... saß ich eben, mit meinen siebzehn Jahren, in dieser Schule fest... in die sie mich gesteckt hatten, weil ich ja ach so böse gewesen sei.

 

Seit ich hier vor ein paar Stunden ankam und man mir ein Zimmer zugewiesen hatte, saß ich hier, auf dem Fußboden, in einer Ecke und starrte, mit meinen blauen Augen, vor mich hin, während ich mit meinen mittellangen, schwarzen Haaren spielte, die ich immer wieder hinter die Ohren strich.

 

Was würden sie mit mir tun?

 

Würden sie meinen sehr schlanken, ja fast schon schmächtigen, nicht trainierten, 1,65m kleinen Körper auch so schinden, wie es meine Tante und mein Onkel doch ohnehin schon getan hatten?

 

Weinen konnte ich schon lange nicht mehr, aber ich sprach auch nicht mehr und wenn dann nur das Nötigste.

 

*-*-*

 

Wieder einmal hatte ich Mist gebaut und musste zum Direktor. Langsam ging ich neben einem Lehrer den Gang entlang. Mit meinen 1,75m war ich schon groß und fühlte mich vielen überlegen, auch wenn ich recht schlank war. Leider gab es jedoch auch hier Regeln, an die ich mich eigentlich zu halten hatte.

 

Meine mittellangen dunkelbraunen Haare hingen mir ein wenig ins Gesicht, verdeckten zum Teil meine schönen großen braunen Augen. Mich kotzte hier alles an, wie auch in den Schulen davor.

 

Jahrelang hatte mein Vater mich geschlagen und misshandelt, was wohl eine Art kalte Schale um mich herum gebildet hatte. Wie es im inneren von mir aussah, wusste ich selbst nicht mal.

 

Schon früh kam ich an eine Schule für schwererziehbare und wechselte diese durch Verweise schneller, als meinen Eltern lieb war.

 

Doch jetzt hatte sich einiges geändert, denn mein Vater war bei einem Autounfall ums Leben gekommen und meine Mutter war schwer krank. Im Grunde wollte ich ihr nicht noch mehr Sorgen machen.

 

Nur langweilte ich mich zu Tode hier und machte deswegen Dummheiten.

 

Noch durfte ich nicht selber entscheiden und musste das Anderen überlassen, da ich noch nicht volljährig war. Aber eines wusste ich ganz genau: Ich brauchte Niemanden! Nur mich selbst!

 

Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt noch!

 

*-*-*

 

Noch immer saß ich still in dieser Ecke dieses Zimmers und bewegte mich kein bisschen.

 

Warum sollte ich denn auch..?

 

Ab und zu kam zwar mal einer der komischen Betreuer, schaute nach mir und versuchte mit mir zu reden, doch ich sprach eben nicht und starrte stattdessen entweder aus dem Fenster oder stumm den Betreuer an.

 

Kein Wort kam über meine Lippen und es war, als wäre da eine große Leere in meinem Kopf, die zu überwinden mir nicht möglich war.

 

So kamen und gingen die Betreuer... einer nach dem anderen... versuchten mir etwas beizubringen, mit mir zu reden, aber an mir prallte einfach alles ab.

 

Sicher, ich wusste schon, dass, das so nicht ewig weiter gehen konnte, aber ich war jetzt einfach nur traurig, einsam und allein... nicht wissend, was ich hier eigentlich sollte.

 

Niemals war ich ungezogen gewesen, niemals hatte ich jemanden geärgert... oder womöglich widersprochen...

 

...warum saß ich dann bitte hier?

 

Was sollte ich hier?

 

Ich verstand die Welt nicht mehr, zudem mir einige der komischen Betreuer schon mit sonst was gedroht hatten, weil sie meinten, ich wäre ungezogen und mein Verhalten wäre unangemessen... tze... die hatten doch echt keine Ahnung... glaubten lieber das was ihnen diese Nichtsnutze gesagt hatten... mir hingegen glaubten sie kein einziges Wort.

 

Klar, konnte ja jeder kommen und sonst was erzählen...

 

Dass ich aber wirklich... tatsächlich unschuldig war... das interessierte hier niemanden.

 

Nun rannen doch leise Tränen aus meinen Augen... über meine Wangen...

 

*-*-*

 

So kamen wir am Zimmer des Direktors an und ich wurde vorgeführt. Der Direktor war ein großer Mann mit kurzen blonden Haaren und himmelblauen Augen. Er war herzensgut und ich hatte ihn nun schon mehrere Male enttäuscht, wo er mir doch immer wieder eine Chance gab.

 

''Yan, so geht das nicht weiter. Ich kann dich nicht ewig davonkommen lassen'', sprach Direktor Schmitz. Dabei konnte man die Enttäuschung in seinem Gesicht sehen und wie es in ihm arbeitete.

 

''Du bekommst einen Verweis! Dein zweiter bereits, ich weiß. Außerdem eine letzte Chance. Dabei bitte ich dich Yan, denke an deine schwer kranke Mutter, sie wird es von der Psyche her kaum verkraften, wenn man dich erneut der Schule verweist'', sprach er auf mich ein.

 

''Es gibt da einen neuen Schüler bei uns an der Schule. Ein schwieriger Fall, aber im Grunde habt ihr ähnliches durchgemacht und ich möchte... nein, es ist deine Aufgabe, dich um ihn zu kümmern'', hörte ich ihn nun ernster zu mir sprechen.

 

''Was soll ich?...'', hörte ich mich sagen. Wovon träumte er denn bitteschön Nachts? Wo ich doch Nichts und Niemanden brauchte, außer mich selbst.

 

''Genau! Du wirst dich um ihn kümmern, um deines selbst willen. Vielleicht lernst du dabei noch gleich, dich zu bessern. Ein Versuch ist es wert und damit du nicht auf andere Gedanken kommst, habe ich hier etwas, was dir dabei helfen wird, deine Strafe auch einzuhalten'', grinsend hielt Direktor Schmitz silbern glänzende Handschellen in die Luft und ich konnte nur noch hart schlucken.

 

Dann sprach er den Lehrer an, der mich hergebracht hatte: ''Es ist Zeit Raye herzubringen.''

 

Dieser nickte und verschwand, während ich nichts sagen konnte, als steckte ein Kloß in meinem Hals.

 

*-*-*

 

Entweder konnten oder wollten die mich nicht in Ruhe lassen, aber es kam wieder wer zu mir und bat mich mitzukommen.

 

Natürlich wollte ich das nicht, aber ich setzte mich auch nicht zur Wehr, stand wortlos auf und ging mit.

 

Aus mir würden sie eh kein Wort heraus bekommen.

 

So ging dieser Lehrer mit mir einen langen Flur entlang, blieb irgendwann stehen und führte mich in das Zimmer dieses Direktors hinein.

 

Nur mit einem Nicken begrüßte ich die Anwesenden, doch schaute ich niemanden an, senkte meinen Blick vielmehr.

 

Als ich dann hörte, was hier ablief, schaute ich den Direktor doch an. Erschrocken war ich und schaute diesen auch genauso an... wieder liefen Tränen an meinem Gesicht herab... konnte es nicht mehr kontrollieren.

 

So sah es also aus... man wurde hier mit Handschellen, an jemand anderen gefesselt!

 

Aber, ich sagte noch immer nichts... setzte mich weiterhin nicht zur Wehr... ließ alles wortlos über mich ergehen...

 

*-*-*

 

''Raye, das ist Yan. Yan, das ist Raye. Auch wenn es euch nicht gefällt, versuche ich euch Beiden damit zu helfen. Vorerst werden die Handschellen euch aneinander binden. Nur zur Sicherheit, damit Yan seiner Aufgabe nachkommen. Raye, du musst wissen, dass Yan nicht der Zuverlässigste ist und ich damit nur etwas Nachdruck ausübe. Sobald ich mir sicher sein kann, werden wir die Handschellen wieder abnehmen'', sprach Direktor Schmitz ganz ruhig.

 

Seine Stimme wirkte beruhigend ruhig auf mich. Erst das klacken der Handschellen durchzuckte meinen Körper.

 

''Yan, du wirst deine Sachen in Rayes Zimmer bringen. Ab jetzt heißt es wohl Freundschaft schließen'', kam es noch vom Direktor.

 

Es hörte sich alles so simpel an und dennoch berührten mich Rayes Tränen irgendwie, auch wenn ich es nicht zeigte. Wie immer blieb ich kühl, ließ aber alles geschehen.

 

Der Lehrer begleitete uns noch, bis zu meinem Zimmer. Es war komisch, da ich irgendwie alles zusammenpacken musste und doch irgendwie nur eine Hand zur Verfügung hatte.

 

Viel hatte ich ohnehin nicht, so dass es sehr schnell ging und wir zu Rayes Zimmer konnten. Dort ließ uns der Lehrer alleine und ich stellte meine Sachen vorerst einfach nur ab.

 

''Tut mir leid'', stammelte ich dann zu Raye, da ich mich irgendwie schuldig fühlte, ''Tut mir leid, dass du das mit ausbaden musst...''

 

Irgendwie tat er mir leid und ich würde es gerne ungeschehen machen.

 

''Weißt du, das hier ist meine letzte Chance nicht von der Schule zu fliegen'', offenbarte ich mich ihm dann. Keine Ahnung wieso ich das tat. Vielleicht hatten seine Tränen mich erweicht, ''Ich habe schon zwei Verwarnungen und meine Mutter ist schwer krank. Wenn ich noch eine Verwarnung bekomme, fliege ich von der Schule. Wiedermal. Keine Ahnung ob meine Mutter das überstehen würde.''

 

Traurig schaute ich zu Boden und nur kurz in Rayes blaue Augen, bevor ich erneut den Boden interessant fand. Warum nur hatte mich Direktor Schmitz an Raye gefesselt? Er sprach von einem ähnlichen Schicksal...

 

*-*-*

 

Tatsächlich wurde ich an Yan gefesselt!

 

Das konnte doch echt nicht wahr sein!

 

Nur weil er unzuverlässig war, musste ich drunter leiden... unfassbar!

 

Zwar hatte ich die Ausführungen des Direktors vernommen, doch erreichten sie mich nicht. Ich hatte alles über mich ergehen lassen... auch als wir Yans Sachen in mein Zimmer brachten... hatte ich zwar mitgemacht, doch hatte ich kein Wort verloren.

 

Nun waren wir in meinem Zimmer... allein und noch immer sagte ich nichts, hörte mir aber an, was Yan mir erzählte und es berührte mich schon ein wenig, doch sagte ich noch immer nichts, nickte nur verstehend.

 

Auch schaute ich ihn ebenfalls kurz an, als er mir in die Augen blickte, aber dann zog ich ihn mit mir, setzte mich in meine Ecke... so gut es eben ging und hielt die andere Hand hoch, da es ja nicht anders ging.

 

Wieder starrte ich aus dem Fenster, dachte nach ob ich wirklich mit ihm reden sollte, weil er mir ja auch nicht ganz unsympathisch war.

 

Schließlich beschloss ich, mich ihm mitzuteilen, während ich weiterhin aus dem Fenster starrte.

 

Hör zu, Yan. Ich verstehe deine Situation durchaus... aber ich bin unschuldig hier gelandet, verstehst du das?! Niemals habe ich mich gegen etwas aufgelehnt, habe niemals jemandem widersprochen oder mir sonstige Exzesse geleistet... wurde geschlagen und geschunden... und nun sitze ich hier... unschuldig an dich gekettet.

 

Lass dir eines gesagt sein... ich werde hungern... ich werde solange hungern, bis die hier merken, dass ich unschuldig bin und hier nicht her gehöre.... wenn es sein muss bis zum Tod. Du brauchst auch nicht versuchen mich umzustimmen... das wirst du nicht schaffen.

 

Außerdem solltest du wissen, dass ich nicht vorhabe viel zu reden. Es hat nichts mit dir zu tun... es ist einfach nur... meine Art des Protests, meine Art denen hier zu zeigen, dass ich nichts getan habe, weswegen ich hier bin.“

 

Mit diesen Worten verstummte ich wieder, schaute Yan kurz an, um meinen Blick dann wieder abzuwenden.

 

Meine Tränen waren wieder versiegt, wollte ich doch nicht wie eine Heulsuse dastehen.

 

Erst jetzt fiel mir ein, dass es mit diesen blöden Dingern schwierig werden konnte, zum Beispiel mit dem Duschen... dem Aus – und Anziehen... und so vieles andere mehr.... na ja, so würden dann eben einige Klamotten, wie Oberteile kaputt gehen... oder man duschte eben angezogen...

 

Auf gar keinen Fall würde ich mich vor Yan nackt zeigen... lieber würde ich wohl angezogen schlafen und auch duschen... zwar müsste ich dann mit nassen Klamotten herum laufen, aber besser so als anders.

 

Und wenn ich dadurch auch noch krank werden würde... umso besser...

 

*-*-*

 

Als Raye mich mit sich zog, folgte ich ihm natürlich, auch wenn ich erst mal etwas verloren herumstand und nicht wusste, ob ich mich nun zu ihm setzen sollte.

 

Endlich sprach er zu mir, doch was ich hörte ließ mich erstarren. Sicher hatte ich bestimmt schon tausend Mal gehört, dass jemand behauptete unschuldig hier zu sein, nur dieses Mal wirkte es viel zu glaubhaft, als dass es eine Lüge hätte sein können.

 

''Aber warum redest du nicht mit Direktor Schmitz. Er ist total in Ordnung, auch wenn diese Strafe mehr als Kurios ist. Bitte Raye... Wenn du es nicht zur Sprache bringst, wie sollen sie dann wissen, was los ist'', meinte ich und setzte mich dann doch zu ihm.

 

Anschauen konnte ich ihn nun zwar nicht, da wir schon dicht nebeneinander saßen. Irgendwie war es lange her, wo ich jemanden nahe war. Es fühlte sich eben komisch an.

 

Rayes Worte, ich könnte ihn nicht umstimmen, hafteten bei mir und so schwieg ich nun lieber.

 

Sicher konnte ich ihn verstehen, wenn er wirklich unschuldig hier wäre. Doch irgendwie fühlte ich mich auch schuldig, sofern ich nichts unternehmen würde.

 

Ich seufzte leise, weil mich alles ankotzte.

 

''Der Direktor meinte, wir hätten ähnliche Schicksalsschläge...'', versuchte ich das Thema zu wechseln, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich überhaupt darüber reden wollte oder ob Raye sich mir überhaupt öffnen würde.

 

Er sagte, er wurde geschlagen und geschunden. War es das, was der Direktor meinte?

 

*-*-*

 

Nun wandte ich meinen Blick von Fenster weg und richtete meinen Blick zu Boden.

 

Was glaubst du denn, dass mir der Direktor Schmitz glauben schenken wird? Nein, ganz sicher nicht. Es ist doch mit allen Erwachsenen das Gleiche... sie glauben nur ihresgleichen... einem wie uns, glauben sie niemals.

 

Also werde ich es eben anders tun müssen... damit sie endlich erkennen, was los ist“, erwiderte ich auf seine Worte, merkte, dass er sich schon irgendwie Sorgen zu machen schien und mich von meinem Vorhaben abbringen wollte, aber ich wusste auch, wie Erwachsene allgemein tickten und sie es erst dann verstanden, wenn es meist schon zu spät und das Kind in den Brunnen gefallen war.

 

Anders verstanden sie es leider nicht. Die einzige Ausnahme hatten meine Eltern gebildet. Sie glaubten mir alles, sie hatten immer zu mir gestanden... doch würden sie das nie wieder tun können... ich war nun allein... und auf mich gestellt...

 

Yan versuchte ein anderes Thema anzuschneiden... das aber auch nicht so sehr viel besser war und mich kaum ablenken würde. Dennoch lenkte ich ein:

 

Wenn du auch geschlagen worden bist... dann haben wir wohl ähnliche Schicksale... oder was ist dir passiert?“, wollte ich wissen und erklärte kurz: „Meine Eltern sind vor ein paar 'Wochen, bei einem Flugzeugabsturz, ums Leben gekommen. Dann kam ich zu meiner Tante und meinem Onkel, die mich für sich schuften ließen, mich schlugen und nach mir traten... mich nicht um meine Eltern trauern ließen....“, bei meinen letzten Worten liefen mir nun wieder die Tränen an meinem Gesicht herab und tropften zu Boden.

 

...weil ich ihnen aber dennoch zu unbequem wurde... gaben sie mich hierher“, fügte ich hinzu.

 

Ich wusste, dass ich eigentlich in eine Therapie gehört hätte... und nicht hierher... das hier gab mir nun wirklich den Rest... auch wenn Yan wirklich nett zu mir war... mir jedoch keinen Halt würde geben können...

 

*-*-*

 

Als ich Rayes Worte hörte, starrte ich ihn erschrocken an und bei seinen Tränen, musste ich hart schlucken.

 

''Das tut mir wirklich sehr leid... '', brachte ich vorerst nur heraus.

 

Eine Weile schwieg ich und musste erst mal verdauen, was Raye gesagt hatte.

 

''Ja, mein Vater hatte mich geschlagen. Nun ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen und meiner Mutter, die schwer krank ist, mache ich nur noch Sorgen. Vorher bin ich schon von einer Schule für schwererziehbare in die Nächste gekommen...

 

Es tut mir leid, dass du deine Eltern verloren hast'', sprach ich dann ruhig.

 

Wieder schwieg ich und versuchte es dann doch noch einmal.

 

''Bitte Raye, Herr Schmitz ist wirklich anders... Lass es uns wenigstens versuchen. Ich komm auch mit und unterstütze dich... Nun ja, muss ich ja sowieso zwangsweise.''

 

Dann klopfte es an der Tür von Rayes Zimmer, was jetzt unseres war.

 

''Herein'', kam es von mir.

 

Der Lehrer von eben steckte seinen Kopf ins Zimmer und nickte uns zu.

 

''Ich wollte euch nur mitteilen, dass ich sowie der Direktor einen Schlüssel haben. Ihr müsst also nicht zusammen aufs Klo und abends sowie morgens werdet ihr zum umziehen und duschen ebenfalls getrennt. Es dient auch nur der Sicherheit. Immerhin hast du nun mal deinen Ruf weg, Yan'', erklärte er uns.

 

Ja, ich war nun mal kein Unschuldslamm.

 

*-*-*

 

Da geht es dir wohl nicht viel besser als mir, was“, brachte ich irgendwie heraus, als sich dann auch schon wieder die Tür öffnete, der Lehrer herein kam und irgendwas faselte... toll, dachte ich... na ja, wenigstens etwas.

 

Yan hatte also seinen Ruf weg... super.... wirklich super und dann ließen sie mich hier mit ihm allein... angekettet... man, was hatte ich denn bloß verbrochen?!

 

Schließlich stand auf, zog Yan mit mir und ging auf den Lehrer zu.

 

Bitte, warten sie!“, rief ich und bat, eingedenk der Worte, die Yan an mich gerichtet hatte: „Bitte, ich möchte gern noch einmal mit dem Direktor reden... es ist wichtig“, dabei schaute ich den Lehrer an... die Tränen liefen noch immer an meinem Gesicht herab und ich zitterte am ganzen Körper: „Ich... bin unschuldig... ich habe niemandem etwas getan... bitte... hören sie mich an... oder führen sie uns zu Herrn Direktor Schmitz... bitte“, schluchzte ich.

 

Ich gehöre hier doch nicht her... bitte“, flüsterte ich noch... völlig fertig, dann brach ich zusammen, während mein linker Arm oben, an Yans rechtem Arm, hängen blieb.

 

Immerhin wusste ich, dass sie mir ohnehin nicht glauben würden, aber ich wollte es wenigstens versuchen, zudem ich tatsächlich ziemlich fertig mit den Nerven war.

 

*-*-*

 

Endlich hatte Raye nun doch Einsicht und die Augen des Lehrers sprachen Bände. Doch dann brach Raye zusammen. Geistesgegenwärtig kniete ich mich zu ihm runter und hob seinen Kopf an.

 

''Raye? Hey'', versuchte ich ihn wieder zu Bewusstsein zu bringen.

 

Dann wandte ich mich an den Lehrer: ''Ich glaube ihm. So was kann man nicht spielen.''

 

Der Lehrer nickte einwendend und meinte: ''Bleib hier bei ihm und kümmere dich um ihn, während ich Direktor Schmitz hole'', und schon war er verschwunden.

 

Nun kauerte ich hier am Boden und bettete Rayes Kopf auf meinen Schoß. Sanft strich ich mit den Finger über seine Wangen, die ganz gerötet waren, von den Tränen. Zu gut konnte ich ihn verstehen und spürte den Schmerz genauso, wie meinen Eigenen.

 

Jetzt verstand ich Direktors Schmitz Verhalten uns aneinander zu ketten.

 

*-*-*

 

Als ich erwachte spürte ich unter meinem Kopf etwas weiches und ein Streicheln auf meinen Wangen und schlug sogleich die Augen auf.

 

Yan...“, flüsterte ich und schaute ihn an.

 

Was ist denn passiert?“, wollte ich wissen, da ich mich nicht mehr so recht erinnern konnte, außerdem hatte ich leichte Kopfschmerzen.

 

Danke“, sagte ich zu Yan und versuchte zu lächeln, was mir nur teilweise gelang.

 

Langsam versuchte ich mich zu erheben, doch fiel ich gleich wieder zurück. Mit meiner rechten Hand fasste ich mir an den Kopf und versuchte irgendwie wieder klarzukommen, was nicht unbedingt einfach war.

 

Es tut mir leid“, gab ich von mir und wandte meinen Blick kurz wieder ab...

 

*-*-*

 

''Hey, da bist du ja wieder'', begrüßte ich Raye und lächelte tatsächlich ein wenig.

 

''Du bist ohnmächtig geworden, nachdem du den Lehrer darum gebeten hattest, Direktor Schmitz zu sprechen'', erklärte ich den Stand der Dinge.

 

Als Raye dann versuchte aufzustehen und zurückfiel, fing ich ihn direkt auf.

 

''Alles gut. Mach langsam und ruhe dich aus. Bleib ruhig noch etwas liegen'', meinte ich und strich kurz durch Rayes Haar.

 

Dann herrschte kurze Stille und ich konnte den Wasserhahn aus dem Bad nebenan tropfen hören. Ein Bad wurde immer mit zwei Zimmern verbunden. Darin befand sich eine Dusche, eine Toilette sowie ein Waschbecken. Es war klein, aber fein und vor allem ausreichend.

 

Kurze Zeit später ging die Tür auf und der Lehrer war zurück mit Direktor Schmitz.

 

''Herr Direktor, bitte, sie müssen sich anhören, was Raye zu sagen hat'', bat ich direkt und schaute Raye aufmunternd an.

 

''Sicher, wenn es dem jungen Mann wieder besser geht. Oder meinst du, dass du ärztlich versorgt werden musst?'', fragte Direktor Schmitz und kniete sich zu uns runter.

 

Er begutachtete Raye und meinte dann.

 

''Wenn nicht, lass dich wenigstens rüber zum Bett bringen. Dann können wir gerne in Ruhe reden. Möchtest du lieber alleine mit mir reden? Das wäre auch kein Problem. Denn dann trenne ich euch voneinander'', schlug er noch vor.

 

*-*-*

 

Endlich, kam der Lehrer mit dem Direktor zurück, der sich dann auch gleich um mich kümmerte und mit mir sprach.

 

Danke, Herr Direktor Schmitz, aber was ich ihnen mitteilen möchte ist, dass ich hier wirklich nicht her gehöre. Bitte, glauben sie mir. Ich habe niemals jemandem etwas getan, niemals widersprochen oder mir andere Exzesse geleistet... war immer gehorsam... aber, nachdem meine Eltern, vor ein paar Wochen, bei einem Flugzeugabsturz, ums Leben gekommen waren... kam ich zu meiner Tante und meinem Onkel... sie schlugen mich, traten nach mir und ließen mir keine Zeit um meine Eltern zu trauern. Trotzdem ich tat, was sie wollten, wurde ich ihnen zu unbequem … deswegen bin ich hier.... bitte... glauben sie mir. Ich bin unschuldig und habe niemals etwas böses getan“, erklärte ich... leicht zitternd und blickte dem Direktor direkt und ohne Scheu in die Augen.

 

Zwar hatte ich nicht viel Hoffnung, dass er mir tatsächlich glauben schenken würde, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und irgendwie schien er ja wirklich nett zu sein.

 

Danke, ich... brauche sicher keine ärztliche Hilfe, aber ich würde schon gern auf dem Bett liegen... dankeschön“, fügte ich noch hinzu, während sich wieder eine Träne aus meinem Auge stahl.

 

Dass Yan mir glaubte und vor dem Direktor für mich Partei ergriffen hatte, freute mich und machte ihn mir nur noch sympathischer.

 

*-*-*

 

Direktor Schmitz und ich packten beide mit an und halfen Raye somit rüber zum Bett zu kommen. Dort angekommen machte der Direktor ein sehr nachdenkliches Gesicht.

 

''Sicher habe ich so etwas schon tausend Mal gehört. Doch hört es sich bei dir sehr glaubhaft an. Wenn dem wirklich so war, werden sich mit Sicherheit Beweise finden lassen. Willigst du einer körperlichen Untersuchung ein? Immerhin bringen Worte meist nichts, selbst wenn ich schwören würde, dass du die Wahrheit sagst.

 

Auch ich muss mich irgendwie absichern. Sollte es wirklich wahr sein, hast du hier natürlich nichts zu suchen. Dennoch bitte ich dich solange Ruhe zu bewahren, bis wir alles geregelt haben'', hörte ich die ruhige Stimme des Direktors sprechen.

 

Er holte dann den Schlüssel für die Handschellen raus und schloss sie auf.

 

''Vorerst bist du von deiner Strafe befreit. Wir sprechen uns aber noch. Das Zimmer nebenan ist frei und du kannst es beziehen. Außer natürlich du willst wieder zurück in dein altes Zimmer'', kam es dann noch vom Direktor.

 

Unschlüssig schaute ich ihn an und immer wieder auf mein Handgelenk, sowie ab und an rüber zu Raye. Wieso wurde ich das Gefühl nicht los hier gebraucht zu werden.

 

''Ich würde gerne nach nebenan gehen und mich nach wie vor um Raye kümmern'', meinte ich und lächelte wieder ein wenig.

 

Denn ich hatte verstanden, worum es ihm ging und wollte nicht der Strafe wegen weitermachen, sondern weil ich Sympathie entwickelt hatte.

 

*-*-*

 

Ruhig hörte ich mir an, was der Direktor sagte und nickte verstehend.

 

Ja, ich bin einverstanden, mit einer Untersuchung. Mir wurde schon einmal vorgeschlagen, eine Therapie zu machen... doch kam es dazu ja nicht... dafür bin ich hier gelandet“, erwiderte ich ruhig und ruhte mich etwas aus, nachdem sie mich auf das Bett verbracht hatten.

 

Erleichterung machte sich dann aber in mir breit, als Herr Schmitz die Handschellen löste und ich mich schon gleich etwas besser fühlte.

 

Lächelnd schaute ich Yan an und nickte einwilligend:

 

Danke“, sagte ich zu ihm, schaute ihn an und dann erst wieder zum Direktor.

 

Definitiv war ich bereit mich der Untersuchung zu stellen... es würden sich viele Merkmale der Misshandlungen finden lassen.

 

*-*-*

 

''Gut, dann ruhe dich erst mal weiter aus und lasse mich wissen, wenn du etwas brauchst. Ich werde versuchen für morgen eine Untersuchung klar zu machen'', meinte der Direktor noch, bevor er sich aus dem Zimmer entfernte.

 

Er hatte sichtlich an dieser Sache zu knabbern und es würde mit Sicherheit noch ein großes Nachspiel haben für Rayes Onkel und Tante.

 

''Brauchst du noch irgendwas? Wenn vorerst nicht, räume ich meine Sachen mal nach drüben. Wenn du magst kann ich die Badezimmertüren ja auflassen, dann höre ich dich, sobald etwas ist'', meinte ich lächelnd zu Raye.

 

Herrje, jetzt lächelte ich tatsächlich schon wieder. Es wurde wirklich zur Gewohnheit oder war es gar Raye, weswegen ich das immer wieder tat?

 

*-*-*

 

Wieder nickte ich verstehend... sollte wohl so langsam zur Gewohnheit werden... auf alles was Herr Schmitz zu mir sagte und mir anbot.

 

Nachdem er sich entfernt hatte, schloss ich die Augen, hörte aber, dass Yan noch mit mir sprach und was er zu tun gedachte.

 

Nein, ich brauche nichts, danke, Yan. Aber ,wenn du magst, kann ich dir ja ein wenig helfen, dann bist du schneller fertig mit allem“, schlug ich Yan vor und meinte es ehrlich, erhob mich auch schon und stand langsam auf.

 

Komm, zusammen geht es doch sehr viel schneller und ist nicht so langweilig“, meinte ich und grinste ihn ein wenig an, auch wenn ich noch immer litt. Aber etwas Ablenkung würde mir vielleicht ganz gut tun.

 

Zudem versprach das hier spaßig zu werden, denn Yan lächelte andauernd und das verwunderte Gesicht darüber war unbezahlbar und brannte sich in meinem Gedächtnis ein... brachte mich zum Schmunzeln.

 

Vielleicht war es hier ja doch nicht so verkehrt, auch wenn ich hier ziemlich fehl am Platze war, aber ich war hier auch erst mal vor diesen miesen Ratten in Sicherheit und fand so einen Menschen, wie Yan, der mir sehr sympathisch war und vielleicht bald ein Freund für mich werden würde.

 

Oder war Yan nicht längst ein Freund?

 

Benahm er sich, mir gegenüber, nicht längst wie ein Freund?

 

Definitiv ...ja!

 

Danke, dass du so nett zu mir bist“, musste ich unbedingt los werden und schenkte ihm ein freundliches Lächeln.

 

Alsdann packte ich schon mal mit an, wusste ich doch schon, welche Sachen ihm gehörten, und brachte diese in sein Zimmer, nebenan, so dass er diese nur noch einzuräumen brauchte.

 

*-*-*

 

''Danke, gerne'', meinte ich, als Raye mir seine Hilfe anbot. Viel hatte ich ja eh nicht, aber trotzdem würde es so viel schneller gehen.

 

Also nahm ich den Rest und folgte meinem neuen Freund, denn als solchen sah ich ihn bereits an.

 

''Eigentlich schade, dass du bald wieder gehen wirst'', meinte ich beim Einräumen.

 

Irgendwie hatte ich ihn schon gern gewonnen und das, wo ich doch eigentlich Niemanden brauchte und stets ein Einzelgänger war. Er weckte in mir meinen Beschützerinstinkt und ich wollte nur das Beste für ihn.

 

Diese Gefühle waren neu für mich und ich musste damit erst mal klar kommen. Dennoch waren es schöne Gefühle und ich gab mir nun alle Mühe Raye ein wenig abzulenken.

 

So verwickelte ich ihn in ein Gespräch, über Musik und eben alles Mögliche, was mir so in den Sinn kam. Die Zeit rannte und bald war es Abendbrotzeit.

 

''Ich hoffe doch sehr, dass du deinen Hungerstreik nun nicht mehr durchziehen willst und mit runter kommst zum Essen'', meinte ich.

 

*-*-*

 

Wie erwartet machte es mir richtig Spaß Yan zu helfen und mich mit ihm ein wenig zu unterhalten. Endlich kamen dabei auch mal andere Themen zur Sprache und es lenkte mich tatsächlich ab.

 

Allerdings musste ich auf seine Aussage hin, dass es schade wäre, dass ich bald wieder gehen würde, doch etwas nachdenken.

 

Ja, es wäre wirklich schade, ausgerechnet jetzt wieder gehen zu müssen, wo ich gerade eben erst einen neuen Freund gewonnen hatte.

 

Ich finde es irgendwie auch sehr schade, aber... ich weiß nicht, was mir noch so für Möglichkeiten hier bleiben. Doch ich mein, die werden vielleicht morgen schon feststellen, dass ich misshandelt worden bin und dann... ich weiß nicht wie sie dann weiter mit mir verfahren. Hier werde ich sicher nicht bleiben können... oder?

 

Und ob wir vielleicht zusammen irgend woanders hingehen können... hmm... kein Plan.

 

Aber zu den beiden Ungeheuern will ich definitiv nicht zurück, dann würde ich eher hier bleiben“, sprach ich aus was ich dachte.

 

Endlich war alles eingeräumt und Yan fragte ob ich mit zum Essen gehen würde.

 

Ich lächelte ihn an und nickte.

 

Natürlich komme ich mit, auch wenn ich ohnehin nicht allzu viel esse. Den Hungerstreik werde ich nicht durchziehen... das kann ich doch einem Freund, wie dir, nicht antun“, fügte ich hinzu.

 

Komm, gehen wir runter“, bat ich Yan freundschaftlich.

 

Je mehr ich mich mit ihm unterhielt, umso mehr mochte ich ihn und für mich war er einfach nur ein toller Mensch, den ich wirklich gern hatte.

 

*-*-*

 

Natürlich freute ich mich sehr, dass Raye seinen Hungerstreik nicht durchziehen würde und nun mit mir zum Essen kam. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo sich schon die meisten Schüler eingefunden hatten. Die Blicke waren uns sicher, gerade weil Raye neu hier war.

 

Doch ich würde ihn schon beschützen, sofern etwas passieren würde.

 

Eine wichtige Regel im Essenssaal war es, sich wenn, nur leise zu unterhalten. Diese Regel mochte ich irgendwie, da es viel gemütlicher war, als wenn dutzende von Schülern durcheinander quasselten.

 

In Ruhe schaute ich, was es so zu Essen gab. Die Auswahl war wie immer gut und so suchte ich mir etwas aus. Auch ich aß nicht viel und wenn eher sehr ungesund. Ich war eben ein süßer und brauchte viel Zucker.

 

''Lass uns da rüber gehen, dort ist noch ein Tisch frei'', meinte ich zu Raye, als auch er sich etwas zu Essen genommen hatte.

 

Gerade als wir platz genommen hatten, musste ich feststellen wie schön es doch ohne Handschellen war. Es wäre schwierig gewesen sich beim Essen zu bedienen oder gar zu Essen.

 

Dann kam Direktor Schmitz plötzlich zu uns rüber. Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich kurz zu uns.

 

''Morgen früh um 8 Uhr hole ich dich ab und begleite dich zum Schularzt, bei dem sich dann auch ein Kollege befinden wird, der auf solche Untersuchungen spezialisiert ist'', sprach er sehr leise zu Raye. Es musste ja nicht unbedingt jemand mitbekommen, was hier abging.

 

''Die Ergebnisse werden direkt ausgewertet. Natürlich werde ich nicht bei der Untersuchung dabei sein, außer du wünscht es ausdrücklich. Immerhin haben die Ärzte eine Schweigepflicht.

 

Dafür, dass sie diese unterbinden, wirst du etwas schriftliches unterschreiben müssen. Zwar bist du noch nicht volljährig, aber von der ärztlichen Schweigepflicht kann man schon früh Gebrauch machen.

 

Sollte es alles so stimmen, wie du es mir mitgeteilt hast, wird alles sehr schnell gehen und sie werden dich hier wegholen und in ein Heim bringen. Später kannst du dann sicherlich schon eine eigene Wohnung beziehen, was mit siebzehn durchaus möglich ist.

 

Oder aber, sofern du erst mal hierbleiben möchtest, könnten wir da auch ein psychologisches Gutachten aufsetzen lassen, dass du zur Zeit keine weitere Veränderung überstehen würdest. Dann könntest du den ganzen Prozess über hier bleiben.

 

Die Gerichtsverhandlungen werden sich mit Sicherheit eine Weile hinziehen und wenn das überstanden ist, bist du wahrscheinlich sogar schon volljährig und kannst selbst entscheiden, was du in Zukunft möchtest'', mit diesen Worten beendete Direktor Schmitz seine Predigt und stand auf, stellte den Stuhl wieder weg und meinte noch:

 

''Lass es dir in Ruhe durch den Kopf gehen. Morgen früh kannst du mir dann sagen, was du möchtest.''

 

*-*-*

 

Nachdem ich mir einen Salat und einen Apfel genommen hatte, folgte ich Yan und setzte mich mit ihm an den freien Tisch und begann schon zu essen, als sich der Direktor zu uns setzte und mit mir sprach.

 

Ich nickte verstehend und war froh über so viel Verständnis.

 

Als sich Herr Schmitz dann wieder entfernte, entschuldigte ich mich kurz bei Yan und lief dem Direktor nach, hielt ihn kurz auf und sprach leise zu ihm:

 

Herr Direktor, da ich mich ihnen gerade nicht mitteilen konnte, möchte ich das jetzt tun. Ich habe mich bereits entschieden... und... ich würde sehr gern hier bleiben, denn ich habe in der kurzen Zeit hier schon einen Freund gefunden und wäre sehr traurig, wenn ich hier weg müsste. Yan... ist sehr nett bisher zu mir gewesen und... ich betrachte ihn schon jetzt als meinen Freund.

 

Auch möchte ich sie bitten, der Untersuchung beizuwohnen... bitte... es würde mir sehr viel bedeuten sie als Beistand an meiner Seite zu haben“, und schaute ihm direkt und sehr offen und ehrlich in die Augen, als Zeichen, dass ich es ernst meinte.

 

Ja, ich meinte es ernst... sehr ernst sogar.

 

Ein psychologisches Gutachten wäre deshalb sehr gut, wenn das möglich wäre“, fügte ich hinzu und hoffte, dass er mich ein klein wenig verstehen würde, immerhin hatte er es mir ja angeboten.

 

Dass ich mich schon längst entschieden hatte, konnte er ja nicht wissen.

 

Abwartend schaute ich den Direktor an, lächelte auch ein wenig.

 

*-*-*

 

Verwirrt schaute ich Raye nach. Doch aß ich nun in Ruhe und wartete geduldig. Natürlich hoffte ich irgendwie, dass er hier bleiben wollte. Immerhin hatte ich ihn schon ins Herz geschlossen.

 

''In Ordnung. Wir kriegen das schon alles hin. Ich denke, du tust Yan gut. Er ist viel ruhiger als sonst. Dann hole ich dich morgen früh wie versprochen ab'', sagte Direktor Schmitz und ging dann.

 

Immer wieder schaute ich rüber zu den Beiden und sah sie reden. Allerdings beobachtete ich auch etwas Anderes, weswegen ich nun doch aufstand, um Raye entgegenzugehen.

 

Ein paar Jungs wollten ihm einen Streich spielen, trauten sich nun aber nicht mehr. Sie wussten eben, dass mit mir nicht gut Kirschen essen war und unterließen es nun.

 

''Alles klar bei dir?'', fragte ich Raye neugierig.

 

 

*-*-*

 

Über die Zusage des Direktors war ich sehr froh und freute mich, als er dann ging, kam auch schon Yan zu mir und sprach mich an.

 

Ja, alles klar bei mir“, antwortete ich, dass irgendwo was gegen mich laufen sollte, hatte ich nicht mitbekommen.

 

Komm, gehen wir weiter essen, ja“, bat ich Yan und erzählte ihm auf dem Weg zurück zum Tisch: „Ich habe Direktor Schmitz gesagt, dass ich hier bleiben mag... weil ich... in dir einen Freund gefunden habe“, sprach ich offen aus, was ich fühlte und was ich auch zu Herrn Schmitz gesagt hatte.

 

Dann setzte ich mich wieder und wartete auf Yan, ehe ich weiter aß.

 

Sicher, in fünf Monaten würde ich achtzehn werden und dann schauen, was sich so ergab. Vielleicht konnten Yan und ich ja eine WG bilden.... das wäre doch mal was.... zumindest konnte ich es mir vorstellen, mit einem guten Freund in eine Wohnung zu ziehen.

 

Aber... vielleicht wollte er das ja gar nicht... nun, wenn die Zeit gekommen wäre, würde ich mich ihm sicher mitteilen.

 

Noch war es ja definitiv zu früh, um so was anzusprechen...

 

*-*-*

 

''Im Ernst'', freute ich mich sehr, dass Raye bleiben wollte, ''Das ist toll!''

 

Dann setzte ich mich wieder zu ihm und aß mit ihm weiter. Es war schön, dass er so offen zu mir sprach und auch ich empfand es genauso, wie er.

 

''Auch du bist für mich ein Freund'', erwiderte ich.

 

''Bist du aufgeregt wegen morgen?'', wollte ich dann wissen, ''Soll ich dich begleiten? Ich meine, nur wenn du willst und es dir nicht zu viel wird.''

 

Ich wusste nicht, ob es richtig war, so was vorzuschlagen. Aber irgendwie wollte ich Raye beistehen und helfen. Nur wusste ich nicht wirklich wie.

 

''Es ist auch okay, wenn ich nur mit hingehe und draußen warte oder soll ich lieber im Zimmer warten?'', fügte ich hinzu.

 

Meine Gefühle fuhren gerade Achterbahn, da ich irgendwas tun wollte. Denn ich konnte nicht einfach nur herumsitzen und nichts tun.

 

*-*-*

 

Ja, ich möchte bleiben.“, wiederholte ich und konnte die Freude in Yans Augen direkt sehen, das mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

 

Als Yan meinte, dass auch er mich als seinen Freund ansieht, wusste ich kaum mehr etwas zu sagen... es freute mich einfach nur unglaublich.

 

Meine Stimme wiedergefunden, beantwortete ich ihm seine Fragen:

 

Eigentlich hatte ich Herrn Schmitz gebeten mich zu der Untersuchung zu begleiten, aber wenn du mich gern begleiten magst, ist das auch okay. Du musst auch nicht vor dem Zimmer warten. Mich würde es freuen, dich dabei zu haben, das würde ich dem Direktor dann morgen einfach sagen.“... lächelte ihn sanft an, ehe ich meinen Salat weiter aß und anschließend herzhaft in den Apfel biss.

 

Yan schien sich Sorgen um mich zu machen, das konnte ich deutlich spüren und irgendwie schien er mir unbedingt helfen zu wollen, aber das musste er doch nicht... er war doch nicht schuld an dem, was man mir angetan hatte.

 

Yan,“, begann ich deshalb leise zu ihm zu sprechen: „...du machst dir Sorgen um mich, hm. Das musst du nicht, denn du bist nicht schuld daran, was man mir angetan hat. Aber ich finde es voll süß von dir, dass du mir zu helfen versuchst... wirklich... echt.“, dabei schaute ich ihn lieb an und biss dann noch ein Stück von dem Apfel ab, das ich dann genüsslich kaute und herunter schluckte.

 

Wenn dann können wir uns doch gegenseitig helfen... immerhin ist es dir ja auch nicht so sehr viel besser ergangen“, schlug ich vor und zwinkerte ihm freundschaftlich zu.

 

*-*-*

 

''Sicher, habe ich keine Schuld daran, was dir widerfahren ist und dennoch möchte ich, dass es dir besser geht und wenn ich da irgendwie helfen kann, tue ich das gerne'', mich verwunderten meine Worte, wo ich doch sonst nichts und Niemanden brauchte.

 

Aber genauso fühlte ich mich und Rayes Worte taten sehr gut.

 

''Wenn ich deine Hilfe brauche, nehme ich sie auch gerne an'', lächelte ich ihn nun ebenfalls an.

 

Dabei aß ich weiter, bis nichts mehr auf meinem Tablett war.

 

''Wollen wir dann gleich zurück aufs Zimmer? Du solltest dich nach dem ganzen noch ein wenig ausruhen, denke ich. Außerdem müssen wir morgen früh startklar sein'', kam es dann von mir feststellend.

 

Ich freute mich, dass ich meinen neuen Freund begleiten durfte und fühlte mich allem überlegen, als wäre ich der König und stände über alles. Man hatte mich auserwählt. Wie ein kleines Kind freute mich das und es fühlte sich so unglaublich gut an.

 

*-*-*

 

Meinen Apfel hatte ich inzwischen auch verspeist und hörte Yan ruhig zu. Sein Lächeln währenddessen war gewinnend und machte mich doch glatt ein wenig verlegen.

 

Diesen kurzen Anflug von Verlegenheit schob ich aber gleich wieder von mir, da es mir nicht wirklich angemessen schien. So nickte ich einwilligend.

 

Okay, du hast Recht, gehen wir.“, meinte ich, stand dann auf und brachte mein Tablett weg, während ich nun schon die Blicke der anderen auf mir spürte und sah und sie tuscheln hörte. Mich jedoch störte es erst mal nicht. Denn zum einen kannte ich hier niemanden und zum anderen war es wohl normal, wenn man neu war, dass sich andere erst mal wunderten oder tuschelten.

 

Nur eben würden sie mich nicht angreifen oder mir Gott-weiß-was antun dürfen, dann würden sie zu spüren bekommen, was in mir steckte. Denn ich sah zwar schmächtig und untrainiert, ja unsportlich aus, aber ich hatte ein paar Jahre Kampfsporterfahrung und diese würde ich notfalls anzuwenden wissen. Ich war also keineswegs so wehrlos, wie ich aussah, oder wie es den Anschein machte.

 

Nein, ich hatte nichts vergessen.

 

Solange sie mich in Ruhe ließen war alles gut, nur würde ich mir eben nichts gefallen lassen.

 

Nachdem nun auch Yan sein Tablett weggebracht hatte, machten wir uns auf den Weg in unsere Zimmer.

 

Schweigend ging ich neben Yan her, machte mir so meine Gedanken... was wenn sie mich doch hier wegschicken würden oder wenn diese Monster eben nicht verurteilt werden würden?

 

Aber auch Yan war Teil meiner Gedanken, die ich zunächst nicht wirklich zuordnen und auch nicht verstehen konnte. Er war so lieb und nett... und hübsch... und gehörte, meiner Meinung nach, ebenso wenig hierher, wie ich.

 

Es war schön einen Freund, wie Yan zu haben.

 

*-*-*

 

Auch ich ging schweigend neben Raye her. Er schien sich Gedanken zu machen und mir fiel gerade nichts ein, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

 

''Ich würde mich wirklich freuen, wenn du hier bleiben kannst'', meinte ich dann nochmal, ''Seitdem du da bist, habe ich irgendwie keine Dummheiten mehr im Kopf.''

 

Nein, ganz im Gegenteil hatte ich nur noch Raye im Kopf. So viele Gedanken hatte ich mir zuvor um Niemanden gemacht.

 

Bisher hatte ich immer nur Blödsinn im Kopf und dachte daran, was ich als Nächstes ausfressen könnte. Mir war einfach langweilig und ich suchte Beschäftigung. Doch selbst diese Situation hier, wo ich einfach nur neben meinen Freund herging, beruhigte mich ungemein.

 

''Willst du noch was machen oder dich lieber ausruhen?'', wollte ich dann wissen.

 

Abends war meist nicht mehr viel los. Viele machten nach dem Abendbrot ihre Hausaufgaben und es ging deshalb auf den Gängen nur wenig vor sich.

 

*-*-*

 

Ja, ich würde mich auch freuen, wenn ich hier bleiben könnte, weil ich will auf keinen Fall mehr zu diesen Monstern zurück und woanders hin will ich auch nicht.“, erwiderte ich nachdenklich.

 

Dann musste ich aber doch grinsen: „Du... und Dummheiten gemacht... glaub ich nicht. Na ja, und wenn schon... ist doch egal... Hauptsache du unterlässt das jetzt, was ich echt toll finden würde.“, und fügte hinzu: „Und wenn du schon Dummheiten machen musst, dann nur mit mir zusammen.“, dabei merkte ich gar nicht, wie unbedacht diese Äußerung war und wie zweideutig sich das jetzt angehört haben musste... au man...

 

Ich würde mich jetzt aber gern hinlegen und mich ausruhen... das heute, war einfach ein bisschen viel, außerdem... muss ich ja morgen ausgeschlafen sein... und du auch, wenn du mich begleiten möchtest.“, beantwortete ich anschließend Yans Frage.

 

Wir erreichten unsere Zimmer und ich verabschiedete mich von Yan, auch wenn sein Zimmer fast direkt neben dem meinen lag: „Also dann, gute Nacht und schlaf fein. Wir sehen uns dann morgen, okay“, damit schenkte ich Yan noch ein sanftes Lächeln, zwinkerte ihm sogar zu und öffnete die Tür zu meinem Zimmer.

 

Natürlich hatte ich mir nichts dabei gedacht, dass ich ihm zugezwinkert hatte... für mich waren wir einfach nur Freunde.

 

*-*-*

 

Bei Rayes Worte stutze ich zwar, ließ mir allerdings nichts anmerken. Meinte er diese Zweideutigkeit so, wie ich sie verstand? Er wirkte auf mich gar nicht so. Denn solche Jungs hatte ich zu genüge in den vielen Schulen kennengelernt und so meine Erfahrungen mit ihnen gemacht.

 

Dennoch war ich immer alleine geblieben. Nur ein bisschen abreagiert hatte ich mich bei ihnen. Nur bei Raye schien dieses Verlangen anderer Natur zu sein. Denn seine Worte ließen mein Kopfkino auf Hochtouren arbeiten.

 

So musste ich mich bei seinem Zwinkern zurückhalten, nicht rot zu werden.

 

''Ja, du hast vollkommen recht. Schlaf du auch fein'', kam es von mir.

 

Anschließend öffnete auch ich die Tür meines Zimmers und ging hinein. Ließ mir meine Gedanken keineswegs anmerken. Nachdem die Tür hinter mir zugefallen war, glitt ich an jener entlang zu Boden und blieb dort erst mal sitzen.

 

Das durfte doch nicht wahr sein. Da war mal jemand nett zu mir und ich ließ ihn an mich heran und was passierte... das!

 

*-*-*

 

Noch einmal hatte ich Yan zugenickt und war dann in meinem Zimmer verschwunden. Die Tür hatte ich hinter mir geschlossen, zog mich dann aus, nahm mir alles was ich brauchte und ging ins Bad, wo ich mich sogleich unter die Dusche stellte und lauwarmes Wasser über meinen Körper laufen ließ.

 

Ja, so war es gut... und es entspannte mich.

 

Ich seifte mich gründlich ein und spülte dann alles weg, erst dann lehnte ich mich an die Duschwand und ließ mich noch etwas von dem warmen Wasser berieseln.

 

Was in Yan vorging ahnte ich allerdings nicht.

 

Nachdem ich fertig war, pflegte ich mich noch ausgiebig... sah dabei in den Spiegel... schaute auch an meinem Körper herab und sah die viel Narben und Hämatome... au man... wenn der Arzt morgen einen 'Schock bekam würde mich das nicht wundern.

 

Konnte ich das aber auch Yan antun? Würde er diesen Anblick ertragen... verkraften?

 

Sanft strich ich mit den Fingern über meine Narben und die vielen blauen Flecken... schloss dabei die Augen...

 

*-*-*

 

Ich brauchte eine Weile, bis ich das Geräusch des Wassers im Bad wahrnahm. Sollte ich wirklich schauen gehen?

 

Tief atmete ich durch und stand dann langsam auf. Erst ging ich rüber zum Bett und setzte mich, stand aber direkt wieder auf. Langsam ging ich rüber zur Tür des Bades, wo das Wasserrauschen bereits aufgehört hatte.

 

Wieder ging ich rüber zum Bett, um dann doch zur Tür zu gehen und mich niederzuknien. Das Schlüsselloch gab genügend Einblick. Tatsächlich konnte ich etwas erkennen und Raye nackt sehen.

 

Beschämt schaute ich mit glühendem Kopf zur Seite, bevor ich erneut einen scheuen Blick riskierte.

 

Allerdings stießen mir die Tränen in die Augen, bei den vielen Malen die Rayes Körper zierten. Schmerzerfüllt glitten meine Hände an meinen Körper umher, während ich rückwärts zur Zimmermitte ging.

 

Mein Körper schmerzte bei den Malen von Raye, als wären es meine Eigenen. Genauso sah ich auch immer aus, wenn mein Vater über mich hergefallen war. Manches Mal sogar noch schlimmer.

 

Heute zierten nur noch ein paar Narben die unvergesslichen Qualen, die ich durchmachen musste. Genau diese Narben zeigten nun Phantomschmerzen und ließen mir Tränen über die Wangen laufen.

 

Es dauerte eine ganze Weile bis ich mich beruhigte und mich fasste. Kälte umhüllte mich wieder, wie beinahe immer. Aber Raye hatte mir schon viel Gefühl herausgelockt und ich wusste genau warum.

 

Ich würde alles dafür tun, dass diese Schweine bestraft werden würden. Alles.

 

*-*-*

 

Endlich war ich mit allem fertig, wickelte das Badetuch um meine Hüfte und verließ dann das Bad wieder, um in mein Zimmer zu gehen und mich mit einer Shorts und einem ärmellosen Shirt zu bekleiden.

 

Anschließend setzte ich mich ans Fenster, schaute traurig hinaus und wieder liefen mir die Tränen aus den Augen, über meine Wangen und tropften leise zu Boden.

 

Gedanken an Selbstmord überfielen mich, um mich endlich von dieser Qual zu befreien und nicht mehr leiden zu müssen. Aber ich dachte an Yan, dem das sicher weh tun würde, wo wir doch erst Freunde geworden waren.

 

Nein, das war nicht richtig von mir und so verwarf ich den Gedanken ganz schnell wieder, der sowieso nur von Feigheit zeugte.

 

Mich von Fenster weg drehend ging ich rüber zum Bett und legte mich hinein, nachdem ich das Fenster ein kleines Stück geöffnet hatte. Bis an die Nasenspitze deckte ich mich zu, doch schlafen konnte ich nicht... zu viel ging mir im Kopf herum.

 

*-*-*

 

Eine ganze Weile später ging ich rüber zum Bad und schaute erneut durchs Schlüsselloch. Da Raye fort war, nahm ich meine Sachen und ging nun ebenfalls duschen. Die ganze Zeit musste ich daran denken, dass Raye eben hier geduscht hatte, wie er vor dem Spiegel stand.

 

Als ich fertig war, trocknete ich mich mehr schlecht als recht ab und schlüpfte in meine Jogginghose. Eigentlich wollte ich rüber ins Bett, jedoch war ich nicht wirklich müde. Zuviel ging mir durch den Kopf und für einen Moment war ich bedacht bei Raye zu klopfen und ihn zu fragen, ob er schlafen könne.

 

Nur ließ ich es sein. Was, wenn er schon längst schlief. Wecken wollte ich ihn nicht und so ging ich rüber in mein Zimmer, ließ aber die Badezimmertür offen stehen.

 

Mein Fenster öffnete ich weit und lauschte. Draußen war alles ruhig und die Nacht war schwarz, kein Stern am Himmel zu sehen.

 

Das Licht noch an, legte ich mich aufs Bett und blätterte in einer Zeitschrift, die ich bestimmt schon hundert Mal durchgeschaut hatte. Nur schaute ich nicht wirklich, sondern dachte immer noch an Raye.

 

*-*-*

 

Hin und her drehte ich mich in meinem Bett, doch fand ich keinen Schlaf. So stand ich auf und öffnete das Fenster sehr weit, so dass ich mich auf das Fensterbrett setzen und hinunter schauen konnte.

 

Wie tief es hier wohl war?

 

Wie lang wäre wohl der Weg, bis zum Aufprall?

 

Da waren sie wieder diese absurden Gedanken... der Gedanke... dass ich mich hier nur hinausfallen lassen müsste... dann hätte ich es geschafft... keine Qualen... kein Leid mehr.

 

Wie automatisch drehte ich mich so, dass ich mit dem Rücken zum Zimmer saß und die Beine aus dem Fenster hingen... nur noch fallen lassen bräuchte ich mich jetzt...!

 

Wieder rannen die Tränen an meinem Gesicht herab. Ich war verwirrt... das Chaos herrschte in meinem Kopf. Auf der einen Seite wollte ich schon sterben... aber auf der anderen Seite... hielt ich es für falsch und feige... dachte immer wieder an Yan.

 

Schließlich kletterte ich zurück ins Zimmer, schloss das Fenster sorgfältig wieder und schaute noch eine ganze Weile hinaus, ehe ich mich in eine Ecke des Zimmers setzte, in der man mich nicht sofort sehen konnte.

 

Hier fühlte ich mich schon etwas wohler... auch wenn mir nun verdammt kalt war, dass ich zu zittern und mit den Zähnen zu klappern begann, was wohl auch an der Angst lag, die ich zur Zeit immer wieder bekam und gegen die ich nichts tun konnte.

 

Mit dem Rücken lehnte ich an der Wand, die Knie hatte ich an mich heran gezogen und umarmte diese mit meinen Armen, dann legte ich meinen Kopf auf den Knien ab und versuchte meiner wieder Herr zu werden.... irgendwie...

 

*-*-*

 

Da, war da nicht das Geräusch eines Fensters noch nebenan? Genau, das muss es gewesen sein. Also war Raye doch noch wach...

 

So stand ich auf und ging ins Bad, wo ich lauschte, aber nichts hörte. Leise klopfte ich und drückte die Tür klinke zu Rayes Zimmer hinunter.

 

''Raye? Darf ich reinkommen? Bist du noch wach?'', kam es zögerlich von mir.

 

Die Türklinke glitt aus meinen Händen und die Tür ging von selber auf, während ich noch im Türrahmen stand und versuchte höflich zu warten.

 

Sein Bett schien leer zu sein und sonst konnte ich ihn auch nirgends erkennen. Er wird doch wohl nicht aus dem Fenster... Aber dann wäre es offen und nicht geschlossen. Die Tür hatte ich nicht gehört. Nur was, wenn er leise auf den Flur gegangen war.

 

Das Licht vom Bad schien ins Zimmer und gab mir nur einen kargen Einblick. Dann endlich sah ich Raye, der zusammengekauert in einer Ecke saß. Oje... mein Herz zerriss bei dem Anblick und es schmerzte fürchterlich.

 

''Raye?'', hörte ich mich erneut sagen und meine Beine machten sich selbstständig, gingen auf ihn zu.

 

Als ich direkt vor ihm stand kniete ich mich runter zu ihm und meine Hand legte sich zaghaft auf seinen Kopf, streichelte durch sein Haar.

 

''Du wirst dich noch erkälten'', sprach ich, ''Komm! Komm ins Bett.''

 

Ich dachte nicht groß über die Worte nach, sie kamen einfach. Auch das Handeln ging wie von selbst und ich wollte nur, dass Raye nicht krank wird oder friert.

 

Meine Hand legte sie auf seine und wollte ihn mit sich ziehen, jedoch wartete ich jetzt erst mal seine Reaktion ab, ob etwas kommen würde.

 

*-*-*

 

Noch immer versuchte ich mich irgendwie wieder einzukriegen, was gar nicht so einfach war, als ich hörte, dass die Tür aufging und jemand mein Zimmer betrat. Jedoch schaute ich erst mal nicht hoch, hörte nur die Schritte durch mein Zimmer laufen, bis sie auf mich zu kamen.

 

Alsdann spürte ich auch schon eine Hand, die über meine Haare strich, was mich kurz zurück zucken ließ. Doch ich hörte Yans Stimme und beruhigte mich sogleich wieder, wusste ich doch, dass er es gut mit mir meinte.

 

Schließlich schaute ich zu ihm auf, spürte und hörte, dass sich Yan Sorgen um mich machte und genoss seine Hand auf der meinen.

 

Kurz nickte ich ihm zu und sprach leise: „Alles gut, mach dir keine Sorgen... alles gut, wirklich.“, und versuchte ihn anzulächeln, das mir aber nicht so wirklich gelingen wollte.

 

Seine Hand nehmend, zog ich mich hoch, half auch Yan auf und fragte ihn:

 

Bitte, kannst du dich zu mir ins Bett legen? Ich... mag jetzt nicht allein sein.... bitte.“, und schaute ihn dabei flehend an, hoffend, dass er ja sagen würde.

 

Ich wollte tatsächlich nicht allein sein, denn die Angst, dass ich mir sonst doch noch was antun könnte, war groß.

 

Es tat so gut Yan bei mir zu haben, dass ich es nicht in Worte fassen konnte.

 

*-*-*

 

Als könnte Raye Gedanken lesen. Nachdem wir Beide nun standen und uns ansahen, nickte ich zustimmend, auf seine Frage hin.

 

''Denkst du, ich lass dich jetzt allein?'', hörte ich mich sagen.

 

Dann ging ich zu seinem Bett, schaltete die Nachttischlampe an. Anschließend löschte ich drüben und ich Bad die Lichter wobei ich hinter mir die Türen schloss.

 

Danach nahm ich Raye an die Hand und zog ihm zum Bett. Die Decke anhebend ließ ich ihn den Vortritt. Es war ein schöner Gedanke mit Raye in einem Bett zu schlafen.

 

Mein Körper verlangte geradezu nach dessen Nähe und ich hoffte, er würde sie mir geben.

 

Sanft strich ich erneut durch Rayes Haar. Sein Gesicht sprach Bände und ich fühlte mit ihm.

 

''Jetzt ist alles gut. Ich bin da und lass dich nicht alleine. Versprochen'', sprach ich ruhig und schaute dabei in seine schönen Augen.

 

*-*-*

 

Mit seiner Zusage, machte mich Yan unglaublich glücklich, doch konnte ich es leider nicht so zeigen, wie ich es gern gewollt hätte. So gern hätte ich ihn jetzt umarmt, nur hätte das wahrscheinlich sehr blöd ausgesehen, zudem ich mir nicht sicher war, wie Yan das hätte aufgenommen.

 

Danke“, flüsterte ich ihm zu, bevor er noch seine Vorbereitungen traf und schon bald wieder bei mir war.

 

Seine Worte gaben mir den Halt, den ich jetzt so sehr brauchte und war sehr froh, dass ich jetzt nicht allein sein musste.

 

Yans liebevolle Geste, wie er mir über die Haare strich, war erst mal noch sehr befremdlich, aber auch sehr schön und ich genoss was er tat.

 

Als Yan die Bettdecke anhob und mir den Vortritt ließ, nahm ich diesen wahr und legte mich in mein Bett, klopfte dann sacht mit der flachen Hand neben mich und schaute ihm bittend in die tollen Augen.

 

Nachdem nun auch Yan neben mir lag, kuschelte ich mich direkt an ihn, genoss seine Wärme und Nähe und schloss sogleich die Augen.

 

*-*-*

 

Nachdem Raye ins Bett gehuscht war und lieb neben sich geklopft hatte, folgte ich ihm unter die Decke. Direkt spürte ich seine Nähe und nahm ihn sanft in den Arm. Wie von selbst passierte das, ich konnte nicht mal reagieren.

 

Dass er die Augen geschlossen hatte, fühlte sich gut an. Das Licht ließ ich brennen, da ich es für besser hielt. Mir hatte die Dunkelheit lange Zeit große Angst gemacht und ich hatte Nachts immer das Licht brennen gelassen.

 

Jetzt lag ich hier bei Raye im Bett, dicht an ihm gekuschelt und konnte nicht schlafen. Mein Herz schien zu rasen, vor Aufregung und meine Gedanken kreisten nur darum, dass ich hier bei Raye lag.

 

So sehr hatte ich mir das hier gewünscht und nun lag ich hellwach.

 

Es dauerte lange, bis ich irgendwann doch einschlief. Kurz bevor die Sonne aufging, fielen mir meine Augen vor Erschöpfung nun doch zu.

 

*-*-*

 

Was in Yan vorging war mir nicht bewusst, ich war einfach nur froh, dass er bei mir war und mich hielt... mir zudem den Halt gab, den ich so dringend brauchte.

 

Schneller, als mir lieb war, schlief ich tief und fest ein, nicht einmal mehr eine gute Nacht hatte ich Yan wünschen können... so müde war ich gewesen.

 

Seine Nähe und Wärme hatten mir, zu den heutigen Ereignissen, einfach den Rest gegeben.

 

Als ich erwachte, sah ich die ersten Sonnenstrahlen, die das Zimmer in ein tolles Licht tauchten. Nachdem ich auf meine Uhr geschaut hatte, blieb ich noch etwas liegen, kuschelte mich nur noch einen Moment an Yan.

 

Erst als ich mich noch ein wenig erholt hatte, streckte ich mich und stand leise auf... wollte Yan noch etwas schlafen lassen. So schnappte ich mir meine Sachen, ging ins Bad, duschte mich kurz ab, putzte mir die Zähne und zog mich anschließend an.

 

Nachdem ich das Bad verlassen hatte, ging ich rüber zum Bett und strich sanft über Yans Wange, versuchte ihn liebevoll zu wecken.

 

Guten Morgen, Yan... aufstehen.“

 

*-*-*

 

Eine warme Hand strich über meine Wange und ich öffnete verschlafen die Augen. Verdutzt schaute ich Raye an und musste erst mal realisieren wo ich war. Dann fiel mir wieder alles ein und ich nickte.

 

''Guten Morgen, Raye'', gähnte ich herzhaft, richtete meinen Oberkörper auf und reckte mich.

 

Anschließend stand ich auf und schaute zum Fenster. Es war schon hell und ich musste mich wohl fertig machen.

 

''Ich mach mich dann frisch und zieh mich an'', meinte ich zu Raye und während ich rüber ins Bad ging, damit ich durch die Verbindungstür meine Sachen holen konnte, fragte ich: ''Hast du gut schlafen können?''

 

Einerseits war es mir nun ein wenig unangenehm, dass wir in einem Bett, so dicht aneinander gekuschelt geschlafen hatten, auch wenn ich mit so was Erfahrungen hatte. Hier war es irgendwie anders und ich fragte mich, wie Raye wohl dazu stand.

 

Er hatte mich immerhin gebeten, bei ihm zu schlafen. Allerdings war außer kuscheln nichts gewesen und er war wohl auch sehr müde gewesen. Natürlich machte ich mir so meine Gedanken, ließ mir aber nichts anmerken.

 

*-*-*

 

Während sich Yan fertig machte, machte ich das Bett ordentlich und räumte noch etwas das Zimmer auf, dabei beantwortete ich ihm seine Frage.

 

Ja, danke, ich habe, das erste Mal, seit langem, sehr gut geschlafen. Danke, dass du bei mir warst. Es hat mir wirklich sehr geholfen.“

 

Die Nachttischlampe schaltete ich dann noch aus, denn diese musste ja am Tage nicht brennen.

 

Natürlich ahnte ich noch immer nichts von dem, was in Yan vor sich ging.

 

Nur wenig später, nachdem ich das Zimmer sauber gemacht hatte, klopfte es auch schon an meiner Tür und kurze Zeit später öffnete sich diese dann auch und herein kam Herr Direktor Schmitz und wünschte mir einen guten Morgen.

 

Guten Morgen, Herr Direktor“, grüßte ich zurück und meinte dann: „Also, bei der Untersuchung hätte ich gern Yan dabei. Ist das okay für sie?“, fragte ich ihn und schaute ihn bittend an.

 

*-*-*

 

Während ich im Bad war und mich fertig machte, freute ich mich sehr über Rayes Antwort und wurde sogar ein wenig rot. Ich war froh dass Raye mich so nicht sehen konnte, denn es war mir irgendwie unangenehm.

 

Dann hörte ich Direktor Schmitz und wie Raye mit ihm redete.

 

''Sicher Raye, das ist völlig in Ordnung. Schön, dass ihr euch so gut versteht. Er hat sich gestern ja auch mal benommen. Kaum zu glauben, aber du tust ihm scheinbar richtig gut'', meinte der Direktor.

 

Ich beeilte mich sehr fertig zu werden, flitze noch in mein Zimmer, um dann rüber zu gehen. Die Tür zum Bad war die ganze Zeit angelehnt gewesen und ich ging hinein mit einem mehr schlechten, als rechten ''Guten Morgen''.

 

Gewohnt höflich zu sein, war ich es eben nicht und so riss ich mich allein wegen Raye zusammen.

 

''Guten Morgen, Yan. Schön, dann können wir ja runter gehen'', meinte der Direktor und ich schaute kurz Raye an.

 

Als wir dann hinaus auf den Gang gingen, nahm ich Rayes Hand, wie von selbst. Irgendwie wollte ich ihn beruhigen, denn er musste doch ziemlich nervös sein. Außerdem tat es mir auch irgendwie gut, denn immerhin entschied sich nun, was aus ihm werden würde.

 

*-*-*

 

Yans Blick fing ich auf und erwiderte diesen kurz. Es tat gut, zu wissen, dass da jemand war, der mir beistand und mich nicht im Stich ließ.

 

Kurz lächelte ich ihn noch an, nachdem ich die Worte des Direktors gehört hatte. Es beruhte anscheinend auf Gegenseitigkeit... er tat mir gut und ich ihm... besser konnte es doch kaum laufen.

 

Als ich jedoch spürte, dass Yan meine Hand nahm, derweil wir den Gang betreten hatten, machte ich mir schon so meine Gedanken, doch ließ ich es mir nun nicht anmerken, schaute ihn nur lächelnd an, dachte mir dann jedoch, dass es Yan sicher nur gut meinte und mich zu beruhigen suchte.

 

Dennoch war es ein sehr seltsames Gefühl, dass er meine Hand so hielt und doch entzog ich sie ihm nicht. Vielleicht war er ja genauso aufgeregt, wie ich.

 

Schließlich erreichten wir den ärztlichen Dienst und Herr Schmitz führte uns hinein.

 

Nun wurde ich sehr unruhig, als die zwei Ärzte auf uns zukamen und wäre am liebsten davon gerannt. Ärzte mochte ich nicht besonders... sie taten mir immer weh und ich hatte eine Scheißangst.

 

Tränen rannen schon ungewollt aus meinen Augen und ich war nun doch sehr froh, dass Yan meine Hand hielt, auch wenn ich mich vor dem Arzt leicht zurückzuziehen versuchte.

 

Der Hausarzt war zwar sehr nett, aber für mich kam er einem Monster gleich. Der andere Arzt hielt sich im Hintergrund, schien sich nur Notizen zu machen.

 

Meine Hand krallte sich nun in Yans Hand, dabei achtete ich leider nicht darauf, dass es ihm vielleicht weh tun könnte... die Angst beherrschte gerade jede Faser meines jungen Körpers.

 

Dabei raste mein Herz, als könnte jeder Schlag der letzte sein, mein Atem beschleunigte sich ebenfalls und ich drohte beinahe zu hyperventilieren, riss mich aber gerade noch so zusammen.

 

Der Arzt merkte, dass ich Angst hatte und erklärte mir genau, was er zu tun gedachte, und dass es auf keinen Fall weh tun würde.

 

Ich nickte nur und versuchte mich wieder in den Griff zu kriegen. Jedoch bat ich, dass der Direktor und auch Yan bei mir bleiben sollten. Es wurde bewilligt und so fühlte ich mich sicherer.

 

Die Untersuchung dauerte nicht allzu lange und tat auch tatsächlich nicht weh. Die beiden Ärzte unterhielten sich mit dem Direktor, während der Untersuchung, schienen wohl auch ziemlich entsetzt zu sein über die vielen Narben und Wunden, älteren und jüngeren Datums.

 

Mir war es sehr unangenehm und ich schämte mich, dass sie mich so sahen und anschauten, so dass ich die Augen schloss, da es mir so angenehmer war.

 

Da sie mich nicht zu sehr quälen wollten, war die Untersuchung schon bald beendet und ich konnte mich wieder anziehen.

 

Aufgrund meiner nervlichen und körperlichen Verfassung wurde mir von dem Arzt Ruhe verordnet, aber auch ein psychologisches Gutachten wurde angeordnet, das in den nächsten Tagen folgen sollte. Allerdings waren sie sich schon einig, dass mir ein Ortswechsel jetzt auf keinen Fall zuzumuten wäre und ich hierbleiben sollte.

 

Auch wurde vom Arzt angeraten die beiden Sorgeberechtigten... die mich so misshandelt hatten... anzuzeigen.

 

Froh, endlich diese Sache hinter mir zu haben, brachte uns der Direktor wieder zurück in mein Zimmer, wo er uns dann wieder allein ließ.

 

Sicher, wir hätten auch frühstücken gehen können, doch danach war mir jetzt nicht.

 

Natürlich war ich froh, dass ich hier bleiben durfte, aber mir kam alles wieder hoch, wie sie mich be– und misshandelt hatten, so dass bei mir ein richtiger Film in meinem Kopf ablief.

 

Ich setzte mich wortlos auf mein Bett und ließ, total fertig, meinen Oberkörper nach vorn sinken.

 

Sicher, hätte ich auch gern mit Yan geredet, aber... ich konnte jetzt einfach nicht...

 

*-*-*

 

Die Untersuchung war die reinste Qual für Raye, auch wenn der Hausarzt wie immer super nett war und alles erklärte. Der andere Arzt hatte sich da eher zurückgehalten. Denn immerhin wollte er nur überprüfen und sich Notizen machen.

 

Nun kannte ich ja schon Rayes Male an seinem Körper, ließ mir allerdings nichts anmerken. Ich litt mit ihm und hielt die ganze Zeit über seine Hand. Die innerlichen Schmerzen kannte ich nur zu gut und spürte sie, als wären es meine Eigenen.

 

Sicher waren sie entsetzt über die vielen Male und der Entschluss war eindeutig. Innerlich freute ich mich wie ein kleines Kind, doch dafür musste Raye sich nun erst mal beruhigen, dass ich dieser Freude Luft machen konnte.

 

Endlich waren wir wieder im Zimmer und ich konnte den Direktor noch grinsen sehen, bevor er ging. Er ahnte, was in mir vor sich ging, dafür kannte er mich nun schon zu gut.

 

Ein lautes Seufzen kam über meine Lippen, als die Tür ins Schloss fiel und wir alleine waren. Raye kauerte auf seinem Bett und ich wusste nicht, ob er jetzt vielleicht lieber alleine wäre.

 

Langsam ging ich auf ihm zu und kniete mich nieder, dabei legte sich meine Hand auf seine Schulter und tatsächlich stahl sich eine Träne aus meinem Auge, lief einsam über meine Wange.

 

''Geschafft'', brachte ich nur etwas heiser hervor.

 

*-*-*

 

Ich nickte auf Yans Aussage, hob meinen Blick etwas, da sich Yan so seltsam angehört hatte, und sah, dass er neben mir kniete und eine Träne über seine Wange lief.

 

Wow... hey... was ist denn los, hm?“, brachte ich hervor, nahm Yan tröstend in die Arme und streichelte seinen Rücken sanft.

 

Bitte, weine doch nicht. Ist es wegen mir? Dann tut es mir leid, das wollte ich nicht und ich werde einfach versuchen mich zusammen zu nehmen... okay“, flüsterte ich meinem Freund zu, strich weiterhin über seinen Rücken und auch über seine Haare.

 

Er sollte sich nicht schlecht fühlen und nicht weinen... und schon gar nicht wegen mir. Yan tat mir unglaublich leid... zumal er ja wohl auch eine Menge durchgemacht hatte. Da war mein Leid für mich vollkommen nebensächlich.

 

Liebevoll drückte ich Yan an mich und hielt ihn nun einfach nur fest... versuchte ihm Halt zu geben.

 

Zwar wusste ich nicht ob das jetzt angebracht war, aber ich sprach es dennoch an:

 

Ich werd ja in drei Monaten achtzehn und ...werde mir dann eine eigene Wohnung suchen. Was hältst du davon, wenn du dann mit mir in die Wohnung ziehst? Du musst ja nicht gleich ja sagen. Du kannst es dir ja überlegen und dir noch Zeit lassen, aber ich würde mich freuen, wenn wir beide eine Wohngemeinschaft bilden würden.“

 

Sicher wusste ich, dass es sehr verfrüht war, es ihm anzubieten... es überhaupt anzusprechen, aber es ließ mir eben auch keine Ruhe.

 

*-*-*

 

Ich musste grinsen und es freute mich, dass Raye sich Sorgen um mich machte.

 

''Alles gut'', meinte ich und wischte rasch die Träne fort, ''Es freut mich nur so, weil wir nicht getrennt werden.''

 

Dann strahlte ich ihn an und erwiderte stürmisch seine Umarmung, wobei wir etwas unsanft zu Boden gingen.

 

Nun lachte ich ihn an und nickte zustimmend, während sich mein Gesicht in seine Halsbeuge vergrub.

 

''Sehr gerne ziehe ich mit dir zusammen, sobald auch ich volljährig werde. Bei mir sind es noch vier Monate'', hörte ich mich dumpf sagen, da meine Stimme ein wenig erstickte, dadurch, dass mein Gesicht gegen Raye gedrückt war.

 

Man roch er gut.

 

Irgendwie raubte es mir gerade die Sinne und ich musste mich schwer zusammenreißen. Immerhin wusste ich nicht, wie Raye jegliche Annäherungen finden würde.

 

Dennoch sog ich seinen Geruch in mir auf, als bräuchte ich ihn, wie die Luft zum Atmen.

 

*-*-*

 

Zum Lachen war mir grad nicht zumute, als wir beide auf dem Boden landeten, da mir meine Wunden und Male wieder weh taten, doch versuchte ich mich cool zu geben und auch zu lachen, was nicht unbedingt einfach für mich war.

 

Ich freu mich auch, dass wir nicht getrennt werden, auch wenn der Anlass nicht gerade der Beste ist“, erwiderte ich und wunderte mich schon etwas, dass Yan so schnell zustimmte: „Du willst auch so schnell wie möglich hier weg, nicht?“, kombinierte ich anschließend, dachte mir aber nichts dabei, dass er seinen Kopf in meiner Halsbeuge vergrub.

 

Okay, dann bilden wir eine WG, das wird sicher lustig. Ich freu mich, dass du es auch möchtest. Vor allem sind wir dann nicht so allein.“

 

Ich streichelte Yans Rücken sanft, musste ihn dann aber bitten: „Bitte, Yan mir tut es weh, kannst mich wieder freilassen...“ und machte dabei ein entsprechendes Gesicht.

 

*-*-*

 

Für einen Moment genoss ich sein Streicheln, doch dann zuckte ich ruckartig hoch. Sein Gesicht sprach Bände und seine Worte verstand ich nur zu gut.

 

''Tut mir leid. Ich wollte dir nicht weh tun'', sagte ich und half Raye vorsichtig hoch.

 

Ich Idiot! Wie konnte ich das nur vergessen. Sicherlich tat es ihn beinahe überall weh.

 

''Wenn du möchtest, kann ich dir etwas vom Arzt holen, wenn es zu schlimm sein sollte...'', schlug ich vor. Jedoch musste ich dabei an mich denken, wie abhängig ich von den Schmerzmitteln geworden war, und dass der Arzt mir sicherlich nichts mitgeben würde.

 

Raye sollte nicht das Gleiche geschehen, wie mir.

 

Ein Schauer durchlief meinen Körper und ich schaute meinen Freund einfach nur an. Eigentlich hätten wir Unterricht gehabt und ich wusste nicht mal, ob der Direktor uns befreit hatte für heute.

 

*-*-*

 

Danke.“, sagte ich und war dankbar, dass Yan mir hoch half.

 

Nein, ich mag keine Schmerzmittel... trotzdem danke“, lehnte ich sein Angebot ab.

 

Ich darf halt nur nicht drauf liegen oder fallen, dann geht’s schon“, meinte ich abschließend und setzte mich, im Schneidersitz, wieder auf mein Bett.

 

Dass ich vorläufig keinen Unterricht hatte, wusste ich ja, denn der Arzt hatte mich ja befreit.

 

Sag mal musst du nicht zum Unterricht?“, wollte ich von meinem Freund wissen, obwohl ich mir sicher war, dass der Direktor sicher was gesagt hätte, wenn Yan hätte zum Unterricht müssen.

 

Eigentlich war es mir ganz recht, wenn er hier bei mir blieb, so kam ich wenigstens nicht auf dumme Gedanken.

 

*-*-*

 

''Keine Ahnung, ob ich muss. Jedenfalls will ich nicht. Ich möchte viel lieber bei dir bleiben'', motzte ich, wie ein kleiner beleidigter Junge und setzte mich neben Raye aufs Bett.

 

Gut, es wäre nicht das erste Mal, wenn ich schwänzen würde. Aber irgendwie fühlte ich mich dieses mal so ungewiss. Hoffentlich hatte der Direktor mich befreit. Denn Ärger wollte ich keinen machen. Womöglich würde man uns dann doch noch trennen. Undenkbar.

 

Zwar hatte ich Raye nicht böse angeblafft, dennoch taten mir nun meine Worte irgendwie leid und ich schaute ihn entschuldigend an.

 

Langsam ging es mir besser und mein Magen machte sich lautstark bemerkbar. Tatsächlich hatte ich Hunger, was kein Wunder war, da ich heute noch nichts gegessen hatte.

 

''Psst! Sei ruhig'', schimpfte ich meinen Bauch an und klopfte mit der Hand kräftig dagegen. Mit einem verschmitzten Grinsen schaute ich dann zu Raye rüber, als mein Magen erneut laut gab.

 

Dieses mal klang es eher wie ein Gurgeln und ich schaute skeptisch zu meinem Freund.

 

*-*-*

 

Nun musste ich, ob Yans Worte doch grinsen, ja, richtig lachen. Das war doch einfach zu süß und wie er mich nun auch noch anschaute... ein Bild für die Götter.

 

Dann bleibst halt hier und wir gehen erst mal futtern, hm. Dein Magen wird es dir danken, denke ich und ...na ja, ich glaube, ich könnte auch was vertragen.“, meinte ich und zwinkerte Yan zu, ohne mir etwas dabei zu denken.

 

Als Yan nun auch noch mit seinem Magen redete, mit ihm schimpfte, konnte ich mich vor lachen kaum mehr halten und kicherte richtig los.

 

Sorry, aber du bist einfach zu süß.“, sprach ich und strahlte ihn richtig an, hoffend er wäre mir nicht böse, dass ich kicherte.

 

Es ist schön, einen Freund wie dich zu haben.“, fügte ich noch hinzu: „Gehen wir was futtern?“, fragte ich Yan und stand schon mal auf, denn mein Magen machte sich auch schon mal bemerkbar und knurrte, als seien da ganz viele Wölfe in meinem Bauch.

 

*-*-*

 

Ich war süß? Wenn einer hier süß war, dann wohl eher Raye. Aber das sagte ich ihm nicht, sondern lächelte ihn nur an. Es tat so gut ihn fröhlich zu sehen und ich war ihm keineswegs böse.

 

Eher war es meine Absicht gewesen, ihn aus seinem Tief rauszuholen. Schließlich wusste ich, wie es sich anfühlte und wäre froh darüber gewesen jemanden zu haben.

 

''Gut, gehen wir was essen'', nickte ich einwilligend und stupste ihn von der Seite her an.

 

''Bevor du mich noch aufisst, wenn ich doch so süß bin'', meinte ich und zwinkerte zurück. Dabei hoffte ich, es war des Scherzes nicht zu viel, auch wenn es mir schon auch ernst war.

 

Also stand ich auf und zog Raye ebenfalls hoch. Sein Magen hatte sich viel schlimmer angehört als meiner, darum mussten wir unbedingt was dagegen tun.

 

Die Gänge waren leer, wo wir aus dem Zimmer traten, was auch kein Wunder war, weil gerade unterrichtet wurde.

 

Unten angekommen, stand noch reichlich vom Frühstück bereit. Vereinzelnd saßen Lehrer hier, die gerade keinen Unterricht hatten und auch der Direktor war zu sehen. Ruckartig blieb ich stehen, als er aufstand, um sich noch etwas zu Essen zu nehmen.

 

''Ach, na ihr Zwei. Habt ihr alles gut verdaut?'', begrüßte er uns, als er uns sah. Dann nahm er sich einen kleinen Kuchen, als Nachtisch, den ich schon anvisiert hatte und grinste uns kurz an.

 

*-*-*

 

Auf Yans Kommentar hin musste ich unweigerlich wieder grinsen und es sollte wohl langsam zur Gewohnheit werden. Ich fand es toll endlich mal ein wenig aus mir heraus kommen zu können, mit Yan herumzualbern und herzhaft zu lachen... etwas, das ich schon lange nicht mehr getan hatte.

 

Kurz hatte ich Yan zugenickt und mit ihm mein Zimmer verlassen.

 

Zwar hatte ich Hunger, aber keinen Appetit, so dass es sicher nur für einen Salat und etwas Obst reichen würde.

 

In der Kantine trafen wir direkt auf unseren Direktor, der sich einen kleinen Kuchen nahm und uns ansprach.

 

Auf die Frage von Herrn Schmitz nickte ich nur, wand mich dann den Auslagen zu und nahm mir ein Tablett. Die Auswahl an Salaten war zwar recht mager, aber für mich reichte es aus. So nahm ich mir etwas Salat, einen Pfirsich und eine Flasche Mineralwasser. An Yan gewandt, fragte ich ihn:

 

Setzen wir uns an den Tisch dort drüben?“, zeigte dabei auf den leeren Tisch, der am Fenster stand und wartete auf meinen Freund.

 

*-*-*

 

''Ja, so einigermaßen zumindest'', gab ich zur Antwort Direktor Schmitz.

 

''Gerne. Geh schon mal vor, ich komme gleich'', meinte ich dann zu Raye und nahm mir etwas anderes Süßes, da der Kuchen nun ja bereits weg war.

 

Dennoch fand ich, was ich wollte und hatte mein Tablett schnell gefüllt. Dazu noch eine Cola und schon wollte ich zu Raye, als mich nun doch das schlechte Gewissen plagte.

 

''Ähm, Herr Direktor? Sie haben mich doch für heute vom Unterricht befreit, oder?'', hakte ich nach und Direktor Schmitz starrte mich an, wie ein kaputtes Auto.

 

''Hast du mich das eben wirklich gefragt? Wow, Raye macht seine Aufgabe wirklich gut. Sonst hättest du dir keinen Kopf darum gemacht. Aber, ja, du bist für heute befreit. Hatte ich wohl vergessen zu sagen. Also, alles gut'', dann grinste er breit und ging zurück zu seinem Platz.

 

Irgendwie war ich ein wenig rot geworden. Wohl, weil er Raye so gelobt hatte. Er hatte wirklich Einfluss auf mich und ich lächelte ihn sanft an, während ich mich zu ihm setzte.

 

*-*-*

 

Yans Lächeln, als er sich zu mir setzte, war gewinnend und ich erwiderte es, sah auch, dass er ein wenig rot um die Nase war, konnte mir aber keinen Reim drauf machen und wollte ihn nun auch nicht drauf ansprechen.

 

Du bist wohl für heute befreit, hm.“, kombinierte ich gekonnt, da ich mir schon denken konnte, was Yan mit dem Direktor besprochen hatte.

 

Guten Appetit.“, wünschte ich meinem Freund und begann zunächst nur in meinem Salat herum zu stochern.

 

Trotz des großen Hungers, war mein Magen zu, als wollte er einfach nichts in sich aufnehmen. Nur das Warum war mir ein Rätsel.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich, fand das erste Salatblatt seinen Weg in meinen Mund und ich kaute es wiederum eine halbe Ewigkeit, ehe ich es herunter schluckte.

 

Was wollen wir denn nun mit dem Rest des Tages noch anfangen? Hast du eine Idee?“, wollte ich von Yan wissen, wohl auch um mich von dem Essen abzulenken.

 

Dafür bewunderte ich in Gedanken, was Yan alles auf seinem Tablett hatte... das würde ich wohl niemals runter bekommen.

 

*-*-*

 

''Ja, der Direktor hatte einfach nur vergessen mir Bescheid zu sagen'', sagte ich.

 

Dann bemerkte ich durchaus, dass Raye herumstocherte und scheinbar Probleme mit dem Essen hatte. Es tat weh so hilflos daneben zu sitzen und dennoch versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen und aß.

 

''Dir auch einen Guten Appetit'', hatte ich zuvor ebenfalls gewünscht.

 

Was wir mit den Rest des Tages anfangen sollten? Gedanken hatte ich viele, jedoch nicht jugendfrei und auch nicht mitteilungsfähig.

 

''Wenn du magst, zeige ich dir alles oder wir verkrümeln uns einfach aufs Zimmer und machen es uns dort gemütlich'', schlug ich deshalb vor. Was sich daraus ergeben würde, würde man dann sehen.

 

Dabei aß ich in Ruhe und spülte alles mit meiner Cola runter.

 

*-*-*

 

Ich nahm einen Schluck Mineralwasser zu mir und lauschte den Worten meines Freundes.

 

Da ich ohnehin Ruhe brauche, verkrümeln wir uns einfach aufs Zimmer und machen es uns gemütlich, wenn das für dich okay ist.“, schlug ich vor und aß dann wieder etwas von meinem Salat.

 

Sicher wollte ich mir auch anschauen, wo ich vorläufig wohnte, aber ich hatte keine rechte Lust darauf, wollte lieber lesen oder einfach nur mit Yan reden... dabei chillen, verdient hatten wir es uns zumindest... meiner Meinung nach.

 

Nachdem ich noch etwas von dem Salat gegessen hatte, aß ich den Pfirsich, schon mit etwas mehr Appetit, der dann bald Geschichte war.

 

Dann schaute ich Yan beim Essen zu und grinste in mich hinein, während ich mein Wasser austrank. Ich hatte also Recht gehabt... er war sehr süß.

 

*-*-*

 

Raye schien der Pfirsich eher zu schmecken und es freute mich zu sehen, wie schnell dieser aufgegessen war.

 

''Okay, dann lass uns wieder rauf gehen'', stimmte ich gerne zu.

 

Der Gedanke mit Raye auf dem Bett zu liegen gefiel mir und ich musste meine Fantasien zügeln. Um mich abzulenken, stand ich auf und räumte unsere Tabletts weg.

 

''Du wolltest doch nicht mehr, oder?'', vergewisserte ich mich vorsichtshalber bei Raye.

 

Dann holte ich uns noch etwas zu Trinken, was wir mit rauf nehmen konnten und ging mit meinem Freund wieder nach oben aufs Zimmer.

 

Dort angekommen, huschte ich kurz rüber, wo ich bei meinen Schokoladenvorrat vorbei ging und eine Tafel raus nahm. Außerdem suchte ich Musik raus, in der Hoffnung Raye würde die auch mögen.

 

Anschließend ging ich zurück zu Raye und musste ihn unweigerlich angrinsen. Er war eben einfach zu süß.

 

*-*-*

 

Dankend hatte ich Yan zugenickt, als er mein Tablett mitgenommen hatte, hatte ihm auch bestätigt, dass ich nicht mehr wollte.

 

Irgendwann waren wir wieder oben und Yan hatte noch was zu Trinken mitgenommen, war dann in seinem Zimmer verschwunden, um etwas zu holen, wie ich feststellen musste, als er wieder bei mir war.

 

Inzwischen hatte ich das Fenster geöffnet und schaute mal wieder sehnsüchtig hinaus... dachte mal wieder zu viel nach... über alles mögliche.

 

Hatte ich meinen Freund überhaupt verdient? Lud er sich mit mir nicht eine unnötige Last auf?

 

Jedoch unterbrach Yan meine Gedankengänge, grinste mich an, als er wieder in meinem Zimmer war, doch konnte ich es jetzt nicht erwidern... leider.

 

Mein Blick ging wieder zum Fenster hinaus... und meine Gedanken waren ganz weit weg... nicht hier... bei Yan... wo sie eigentlich sein sollten... sein wollten... dabei hatte ich mich doch bis eben noch so toll und so wohl gefühlt.

 

Was war nur mit mir los?

 

*-*-*

 

Die Sachen legte ich ab und ging zu Raye rüber. Meine Hand legte ich auf seine Schulter und starrte ihn an. Ich machte mir ein wenig Sorgen und wollte ihn am liebsten ganz fest drücken.

 

''Alles klar? Du machst so ein bedrücktes Gesicht. Wir schaffen das! Ich bin für dich da. Versprochen'', hörte ich mich sagen.

 

''Als es bei mir so war, hätte ich mir jemanden an meiner Seite gewünscht. Ich weiß, was ich mir zumute und ich möchte dir den Halt geben, den ich damals auch gebraucht hätte'', fügte ich ruhig hinzu.

 

Dann konnte ich nicht anders und zog Raye an meine Brust, drückte ihn an mich und hielt ihn sanft. Dabei achtete ich dieses mal darauf, dass ich nicht zu grob war, da ich ihm nicht wehtun wollte.

 

Liebevoll streichelte ich über seinen Rücken und versuchte mit ihm zu atmen. Wenn er einatmete, atmete ich ebenfalls ein und wenn er aus atmete, atmete ich ebenfalls aus.

 

Mein Herz schien zu rasen,weil wir uns so nahe waren. Am Liebsten würde ich Raye jetzt einfach küssen, doch was würde er dann von mir denken?

 

Herrje, meine Gefühle fuhren Achterbahn und mir war so heiß, obwohl wir am Fenster standen und leicht kühle Luft hereinströmte.

 

*-*-*

 

Tränen rannen aus meinen Augen, bei den Worten, die ich von meinem Freund zu hören bekam. Es liebte, sanfte und gute Worte und ich konnte spüren, dass er wusste wovon er sprach.

 

Als Yan mich an sich drückte, mich sanft festhielt, krallte ich mich in seine Sachen und heulte drauf los, konnte es einfach nicht mehr zurückhalten, vergrub dabei meinen Kopf in seiner Halsbeuge.

 

Danke, dass du da bist... aber... ich... habe dich gar nicht verdient“, schluchzte ich, ließ ihn dennoch nicht los... war einfach so froh, dass er hier war... bei mir... mich zu trösten und mir Halt zu geben versuchte: „Gestern...“, erzählte ich schluchzend weiter: „...wollte ich... wollte ich... aus...“, nein, ich konnte nicht weiter reden... nicht weiter erzählen.

 

Ich wollte meinem Freund, der sich so viele Sorgen um mich machte nicht noch mehr Sorgen bereiten, ihm keine Last sein... und doch heulte ich mich bei ihm aus.

 

Hatte ich überhaupt das Recht mich bei ihm auszuheulen, wo er doch selbst so viel durchgemacht hatte?

 

Sacht ließ ich meinen Freund wieder los, schaute ihm ins Gesicht und entschuldigte mich flüsternd... schuldbewusst: „Entschuldige bitte... es tut mir leid.“

 

Direkt und sehr intensiv schaute ich Yan nun in die tollen Augen... es war einfach als könnte ich gar nicht anders.

 

*-*-*

 

Gerne hielt ich den Körper meines Freundes fest umschlungen, während Tränen ihn erschütterten. Liebevoll streichelte ich seinen Rücken, fühlte seine Hände, wie sie sich in meine Kleidung bohrten und genoss es, einfach für ihn da sein zu dürfen.

 

Als er mich dann los ließ, ließ auch ich meine Hände sinken.

 

Er wollte sich aus... aus was? Doch nicht, aus dem Fenster stürzten? Alles von gestern würde passen. Das Geräusch des Fensters, was geöffnet und geschlossen wurde. Außerdem, wie ich Raye vorgefunden hatte.

 

Dann entschuldigte er sich bei mir und ich schüttelte den Kopf. Er musste sich für sein gar nichts entschuldigen. Doch konnte ich gerade nicht sprechen, da seine schönen Augen mich regelrecht gefangen hielten.

 

Ich tat einen Schritt auf ihn zu, so dass mein Gesicht vor dem Seinen zum Halten kam. Meine Hand legte sich an seine, von Tränen gerötete, Wange und strich liebevoll drüber.

 

Seine Lippen zogen mich magisch an und dennoch hielt ich für einen kurzen Augenblick inne. Es gab nur Raye und mich, alles um uns herum verblasste, als wären wir in einer riesigen Seifenblase gefangen.

 

Kaum wagte ich zu zwinkern, geschweige denn zu atmen. Erst als der Sog zu stark zu werden schien, legten sich meine Lippen kaum spürbar auf die von Raye. Meine Augen schlossen sich genießend und mein Herz wusste gar nicht wie schnell es schlagen sollte.

 

*-*-*

 

Als Yan, nach meiner Entschuldigung, den Kopf schüttelte, wusste ich was er meinte... ich sollte mich nicht entschuldigen... dennoch hatte ich es für angebracht gehalten. War ich es doch nicht anders gewohnt gewesen.

 

Was dann jedoch geschah, würde ich wohl niemals vergessen, denn es brannte sich tief in meinem Gedächtnis ein.

 

Yan erwiderte meinen Blick ebenso intensiv und direkt, kam dann noch etwas auf mich zu. Ich spürte seine Hand, die sich so sanft auf meine rechte Wange legte, mich streichelte, mich verlegen werden und erröten ließ.

 

Meine Augen weiteten sich, während mein Herz einen Schlag auszusetzen schien, um dann heftig weiter zu schlagen, als Yans Gesicht dem meinen sehr nahe kam und ich weder glauben noch fassen konnte, was er dann tat...

 

Plötzlich spürte ich seine Lippen auf meinen Lippen... ganz sanft und zart, wie ein Hauch. Die Haut auf meinen Lippen fühlte sich gerade an, als würde sie kribbeln, in meinem Kopf breitete sich unbemerkt ein kleines Chaos aus... und erst jetzt zählte ich eins und eins zusammen. Ich ließ das Händchenhalten, von heute morgen Revue passieren... dann war mir alles klar.

 

Yan empfand mehr für mich... als Freundschaft... deswegen hatte er so schnell zugestimmt, mit mir zusammenzuziehen.

 

Aber, obgleich etwas erschrocken, erwiderte ich den Kuss und wieder war es mir als könnte ich gar nicht anders, denn auch in meinem Bauch fühlte es sich an, als würden da tausende Bienen eine Party feiern.. es kribbelte leicht.

 

Eine gefühlte Ewigkeit später löste ich den Kuss und schaute Yan fragend an, bis sich mein Blick verlegen senkte und ich ihn flüsternd fragte:

 

Du... empfindest mehr für mich... als Freundschaft... oder?“, und fixierte dabei den Boden unter mir mit meinem Blick.

 

Mein Gesicht glühte förmlich, während ich gespannt auf eine Antwort wartete.

 

Sicher, ich wäre nicht abgeneigt, nur kannte ich mich auf diesem Gebiet leider nicht aus... hatte null Ahnung und keinerlei Erfahrungen aufzuweisen.

 

*-*-*

 

Sicher, diese Frage musste ja kommen. Es hatte sich so schön angefühlt, wie im Traum. Warum auch, hatte ich nicht an mir halten können. War jetzt alles vorbei, was so schön begonnen hatte?

 

Kräftig schluckte ich den Kloß, der sich in meinem Hals gebildet hatte, hinunter. Öffnete den Mund, da ich Raye antworten wollte, doch es kam nichts. Was um Himmelswillen sollte ich ihm sagen.

 

Alles abstreiten und womöglich einen Scherz draus machen? Doch würde das nicht alles noch viel schlimmer machen? Nein, ich musste ihm die Wahrheit sagen.

 

Ebenfalls zu Boden schauend, wunderte ich mich, wie interessant Raye diesen fand und nickte nun zumindest schon mal. Auch wenn mein Freund davon wohl wenig mitbekam.

 

Sein Gesicht war gerötet und er hatte den Kuss nicht direkt gelöst. Hoffnung machte sich in mir breit und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen.

 

''Ja!'', hörte ich mich endlich sagen.

 

Dann herrschte Stille, aber ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht.

 

''Erst dachte ich, wie lästig es ist an jemanden gebunden zu sein. Immerhin war ich immer ein Einzelgänger, brauchte nichts und niemanden. Aber... meine Gefühle haben da nicht mitgespielt und wollen mehr... dich!

 

Um jeden Preis will ich bei dir sein, in deiner Nähe, egal ob als Freund oder mehr. Hauptsache dir geht es gut dabei und ich kann für dich da sein. Alles andere ist nebensächlich'', sprach ich ruhig weiter und mit dem nötigen Ernst in der Stimme.

 

Dass ich mal die Bedürfnisse anderer vor den meinen stellen würde, war mir auch neu. Obwohl ich damit ja angefangen hatte, meiner Mutter keine Sorgen mehr machen zu wollen. Nur war es hier bei Raye ganz anders.

 

Ich hatte mich Hals über Kopf in ihn verliebt und wollte an seiner Seite sein.

 

Meine Hände fühlten sich feucht an und zitterten leicht. So nervös war ich wohl noch nie gewesen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst jemanden zu verlieren.

 

''Raye?...'', erfüllte meine Stimme den Raum, abwartend auf eine Reaktion meines Freundes.

 

*-*-*

 

Wie so oft in letzter Zeit, nickte ich verständig, bei den Worten, die Yan an mich gerichtet hatte. Ich hatte also Recht und so stellte ich mir die Frage, ob dies hier... Yans Geständnis... seine Liebe zu mir... nicht genau das war, was mir all die Zeit über gefehlt hatte.

 

Immerhin hatte ich nie eine Freundin... hatte die Mädchen nicht mal angeschaut... ihnen nicht nachgeschaut... andererseits hatte ich aber auch nie einen Freund... zumindest nicht in dieser Art und Weise. Jedoch fand ich männliche Körper schon immer sehr viel interessanter und schöner anzuschauen, als weibliche.

 

Nachdem Yan sein Geständnis beendet hatte und mich noch einmal ansprach, schaute ich zu ihm hoch... ihm in die Augen und dachte nach... aber nur kurz, ehe ich antwortete, während ich seine Hände in die Meinen nahm und mit dem Daumen über die beiden Handrücken strich:

 

Yan.... mein lieber Yan, dein Geständnis war voll süß und ich muss gestehen, dass ich mir so etwas ähnliches schon gedacht habe, nachdem du heute Morgen meine Hand genommen hast, als wir auf dem Weg zur Untersuchung waren.

 

Aber muss ich gestehen, dass ich null Peilung in Sachen Liebe habe. Bislang hatte ich weder eine Freundin noch einen Freund, zumindest nicht in dieser Art und Weise. Aber... ich fand männliche Körper schon immer interessanter und schöner als weibliche, also denke ich schon, dass ich schwul bin.

 

Also... ähm... wenn es dich nicht stört, dass ich keine Ahnung von der Liebe zwischen zwei Menschen habe... na ja, würde ich es gern mit dir versuchen. Immerhin hat sich dein Kuss für mich toll angefühlt und in meinem Bauch hatte ich auch das Gefühl, als würden da die Bienchen eine fette Party feiern, denn es kribbelte wie verrückt.“

 

Mit einem liebevollem, sehr sanften Lächeln beendete ich meine kleine Ansprache, in der Hoffnung, dass ich nicht zu viel gesagt hätte. Aber es war das was ich dachte und fühlte.

 

Ein wenig zog ich Yan nun wieder an mich heran, schaute ihm kurz in die Augen, näherte mich mit meinem Gesicht dem Seinen und küsste ihn ganz sanft und zärtlich...

 

*-*-*

 

Jetzt begann ich zu strahlen, denn mit so etwas hatte ich nun so gar nicht gerechnet. Erleichterung machte sich bei mir breit und als Raye sich mir näherte, um mich zu küssen, umarmte ich ihn sanft und erwiderte nur zu gerne den Kuss.

 

Meine Lippen stülpten sich über die Seinen und ich war bereit ihm zu zeigen, wie schön so was sein konnte.

 

Zärtlich saugte ich an Rayes Lippen und meine Hände streichelten über seinen Rücken. Vorsichtig zog ich ihn an mich und versuchte nicht zu forsch zu sein. Was gar nicht so einfach war, da ich mich doch so sehr freute.

 

Erst nach einer Weile brummte ich genießend, löste den Kuss, indem ich meine Nase an die Seine schmiegte und übers ganze Gesicht strahlte.

 

''Ich nehm dich so wie du bist'', schmunzelte ich, ''Erfahrungen oder nicht. Das ist mir egal.''

 

Es war mir auch egal. Denn ich hatte mich in ihn verliebt und würde ihn langsam an alles heranführen.

 

*-*-*

 

Wow, Yan nahm und wollte mich so wie ich war und es schien ihm wirklich nichts auszumachen, dass ich keinerlei Erfahrungen hatte. Er musste sich wirklich sehr in mich verliebt haben.

 

Sein Kuss wurde nun sehr leidenschaftlich, fast schon stürmisch... seine Umarmung, so sanft und zärtlich, dass es mir wieder ein Kribbeln in meinem Bauch hervorrief.

 

Ob sich so wohl Liebe anfühlte?

 

Sollte ich tatsächlich endlich glücklich werden?

 

Durfte ich das überhaupt?

 

Definitiv ...ja... wenn ich Yans Worten Glauben schenken durfte. Was er gesagt hatte war ehrlich gemeint, das konnte ich spüren und hören, denn seinen Worten hatte er den nötigen Ernst verliehen, so dass dies alles hier kaum ein Scherz sein konnte.

 

Mit eben der selben Leidenschaft erwiderte ich seine Küsse, legte meine Arme ebenfalls um ihn und begann seinen Rücken zärtlich zu streicheln.

 

Allerdings fühlte es sich schon seltsam, aber auch schön an, als er sich von mir löste und seine Nase an die Meine schmiegte, so dass ich direkt leise kichern musste, was aber nicht böse von mir gemeint war... kannte ich doch so was nicht.

 

Waren wir jetzt ein Paar?

 

Sind... also... sind wir jetzt... ein Paar?“, fragte ich Yan flüsternd, da ich die schöne Atmosphäre zwischen uns nicht zerstören wollte.

 

*-*-*

 

Rayes kichern war Musik in meinen Ohren und auf seine leise Frage hin, musste ich schmunzeln, da es so verdammt süß rüberkam.

 

''Wenn du das möchtest, dann ja!'', kam es von mir genauso leise zurück.

 

Dabei hielt ich ihn fest und machte keinerlei Anstalten ihn loszulassen. Man, es hatte mich total erwischt und das schien stärker als jede Grippe der Welt zu sein. Die Krankheit hieß Liebe und Raye schien das Virus.

 

''Wie kannst du mir nur so den Kopf verdrehen. Schämst dich gar nicht?'', flüsterte ich nun direkt an Rayes Ohrmuschel. Dabei begann ich sanft an seinem Ohrläppchen zu knabbern.

 

Doch hielt ich mich zurück, wollte mir Zeit nehmen, denn immerhin hatte Raye gesagt, dass er noch keine Erfahrungen hatte. Eilig hatte ich es nicht und so genoss ich einfach unser Beisammensein.

 

*-*-*

 

Ja, ich möchte es“, hatte ich erwidert und lächelte.

 

Alles fühlte sich für mich so toll an... so neu... so unbeschreiblich schön... so... gab es dafür Worte... wenn ja, so fielen sie mir gerade jetzt nicht ein.

 

Nein,“, flüsterte ich zurück: „...ich schäme mich nicht, außerdem war mir nicht bewusst, dass ich dir den Kopf verdreht habe. Soweit ich sehen kann, sitzt dein Kopf noch ganz richtig an seinem Platz“, scherzte ich kichernd.

 

Natürlich war mir bewusst, dass er etwas anderes mit seiner Aussage gemeint hatte, doch wollte ich dennoch ein wenig mit ihm scherzen.

 

Dann überzog meinen Körper eine mächtige, aber angenehme Gänsehaut, als Yan an meinem Ohr knabberte und ich genießend die Augen schloss.

 

Wow... gibt’s da noch mehr von...“, hauchte ich ihm zu: „Das hat sich so schön und... kribbelnd angefühlt“, schaute ihn dann mit einem Schlafzimmerblick an.

 

*-*-*

 

Auf Rayes Aussage hin, lachte ich kurz auf. Ich mochte es, wie er mehr und mehr aus sich heraus kam. Endlich schien er locker zu sein und ich genoss es in vollen Zügen, wie er sich gab. Es tat mir gut und ihm mit Sicherheit auch.

 

Als er mich dann mit diesen Schlafzimmerblick anschaute, spürte ich wie all mein Blut in Richtung Lenden gepumpt wurde und ein wenig in die Wangen.

 

''Wenn... wenn du mich weiter so anschaust, kann ich für nichts garantieren'', schluckte ich.

 

Mist, dieser Blick war heftig und wirkte auf mich. Damit könnte er wirklich alles von mir bekommen. Dazu machte mein Körper, was er wollte. Wie sollte ich mich denn da zurückhalten?

 

*-*-*

 

Wer sagt denn, dass du für etwas garantieren und dich zurückhalten sollst... immerhin sind wir doch zusammen, oder“, gab ich frech zurück und grinste ihn an, wand meinen Schlafzimmerblick nun mit voller Absicht an... schaute ihm damit direkt in die Augen, auch wenn eigentlich null Ahnung von alledem hatte... so konnte ich doch instinktiv meine Reize ausspielen.

 

Das war ja nun wirklich nicht allzu schwer... zumal er es mir ja gerade eben indirekt gesagt hatte und sein Gesicht Bände sprach.

 

Yan weiter in die Augen schauend, küsste ich ihn wieder, öffnete auch meinen Mund und lud seine Zunge zu mir ein und streichelte sanft seinen Rücken, tastete mich so vor zu seinem Bauch... als wollte ich wirklich alles von Yan erkunden.

 

Was ich spürte... war der Hammer... viel besser als mein Körper, der doch eher schmächtig und klein war. Aber ich wusste Yan hatte sich genauso, wie ich war, in mich verliebt... also war doch alles gut.

 

*-*-*

 

Nun musste ich erneut grinsen und begann Rayes Kuss zu erwidern. Jetzt hatte er es geschafft und meine Beherrschung war dahin. So umschlang ich ihn mit meinen Armen und während meine Zunge in seinen Mund eindrang, um diesen zu erkunden, dirigierte ich Raye rüber zum Bett.

 

Liebevoll streichelte ich über seine Kleidung, erkundete seinen Körper. Es machte mich wahnsinnig ihn nun berühren zu dürfen, wo ich ihn doch schon nackt gesehen hatte.

 

Liebevoll küsste ich ihn und genoss es seine Hände zu spüren. Der Gedanke gleich seine nackte Haut spüren zu dürfen war wahnsinnig geil und ich wusste kaum wohin mit meiner Erregung.

 

*-*-*

 

Mein erster richtiger Kuss und es fühlte sich wahnsinnig toll an, so dass ich kaum genug von Yan bekam.

 

Ich dachte jetzt auch nicht drüber nach, was jetzt passieren würde oder könnte... aufgeklärt war ich ja immerhin, nur hatte ich es eben noch nie getan.

 

Nun mit Yan auf dem Bett zu liegen, zu spüren er meinen Körper erkundete, ließ mich erröten und doch schloss ich genießend die Augen, ließ meine Hände dennoch weiterhin über seinen tollen Körper gleiten, erforschend... sanft... zärtlich.

 

Meine unartigen Finger krabbelten dann unter Yans Oberteil, wollten seine nackte Haut spüren und fühlen... Hammer... einfach nur der absolute Hammer... da konnte man ja süchtig nach werden...

 

*-*-*

 

Jetzt wo Raye unartig wurde und meine nackte Haut zu erkunden begann, tat ich das selbe. Vorsichtig huschten nun auch meine Hände unser sein Oberteil und streichelten die warme weiche Haut.

 

Wie heiß mich das machte.

 

Ohne den Kuss zu unterbrechen legte ich mich sanft neben Raye und erforschte liebevoll seinen Körper. Dabei achtete ich darauf, ihm nicht weh zu tun. Denn seine Blessuren kannte ich ja nun und immerhin wollte ich nicht, dass er jetzt daran erinnert wurde.

 

Er sollte das hier genießen in vollen Zügen.

 

Zärtlich presste ich meinen Unterleib an den Seinen und ließ ihn spüren wie heiß ich auf ihn war.

 

*-*-*

 

Ui, jetzt wurde es wohl tatsächlich ernst, aber Angst hatte es deswegen keine... nein, ich war neugierig und auch verliebt... ja, tatsächlich verliebt... genug, um alles ausprobieren zu wollen.

 

Jede Stelle, auf meiner Haut, die Yan berührte, begann zu kribbeln und es fühlte sich einfach nur einmalig an... zu gut, um dass es wahr sein konnte... das träumte ich doch sicher nur.

 

Yans Berührungen, die so zärtlich waren, machten mich ziemlich an, nur kurz schloss ich genießend die Augen, um sie gleich wieder zu öffnen, mich auch zu Yan zu drehen und ihn weiter zu streicheln.

 

Innerlich schmunzelnd spürte ich Yans Unterleib an meinem und spürte, wie heiß er, ganz offensichtlich auf mich war, aber mir erging es ja nicht so sehr viel anders, denn auch ich war inzwischen schon ziemlich heiß auf ihn... obgleich ich mich damit nicht auskannte, so wusste ich doch, was das hier werden würde und was das für Gefühle waren, die ich fühlte...

 

...Liebe...

 

*-*-*

 

Frech fuhr meine Hand unter Rayes Oberteil entlang, bis sie bei seinem Brustwarzen halt machte. Sie wurden ein wenig geneckt und geknierbelt, bis sie hart waren und standen.

 

Unterdessen begannen meine Lippen auf Wanderschaft zu gehen, über Rayes Kinn, langsam seinen Hals entlang, wo sie sich festsaugten und unartig, nebenbei kleine Male hinterließen.

 

Dann fuhr meine andere Hand prüfend über Rayes Körpermitte. Die Hose war ebenso ausgebeult wie die Meine, was mich beruhigte und mich innerlich schmunzeln ließ. Es fühlte sich gut an und machte mich nur noch geiler.

 

Langsam und mit leichtem Druck fuhr ich die Umrandung der Beule nach, bis ich sie komplett umschlang und ein wenig rieb.

 

Als mir das nicht mehr reichte, löste ich mich sacht von meinem Freund, um ihm aus seinem Oberteil zu bugsieren, das achtlos zu Boden fiel. Nun leckte ich seinen Oberkörper entlang, überflutete diesen mit endlosen Küssen, wobei ich mich zwischen seine Beine gleiten ließ, die ich zuvor sanft mit meinem Knie auseinander gedrückt hatte.

 

Bis zu Rayes Bauchnabel arbeitete ich mich vor, leckte frech über seinen Bauch, wo die Hose anfing und schaute verführerisch nach oben zu ihm. Dabei machten sich meine flinken Finger schon daran, seinen Knopf und den Reißverschluss seiner Hose zu öffnen.

 

*-*-*

 

Mit zunächst großen Augen spürte ich, was Yan mit meinen Brustwarzen tat, was mich schon ein wenig schmerzte, aber auszuhalten war und die Gefühle in Richtung meiner Lenden lenkte.

 

Dann wurde Yan aber sehr ungezogen, doch ließ ich es geschehen, genoss was er tat und dabei die Augen. Fahrig streichelte ich währenddessen seinen Kopf... seine Haare und aus meiner Kehle entrann schon ein leises, aber wohliges Seufzen.

 

Aller Aufklärung zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es sich so unglaublich gut anfühlen würde.

 

Das, was Yan hier mit mir tat, erregte mich stark und ich wusste, dass ich so sicher nicht allzu lange durchhalten würde, denn genau genommen, kannte ich so was ja nicht und es war eben ja auch mein erstes Mal, da wäre das wohl sicher verzeihlich.

 

Seine Hand auf meinem Schritt, ließ mich stark erröten und meinen Körper vor leichter Erregung erzittern, so dass ich mich meinem Freund entgegen hob... was ihm sagen sollte... bitte hör nicht auf... mach weiter.

 

Und er machte weiter... unglaublich zärtliche Küsse verteilte Yan auf meinem Körper, lag nun auch noch zwischen meinen Beinen und nestelte an dem Verschluss meiner Hose herum, während meine Männlichkeit nichts weiter zu tun hatte, als noch härter zu werden ...wollte aus ihrem Gefängnis befreit werden.

 

Jedoch werde ich wohl niemals diesen... seinen Blick... seinen verführerischen Blick zu mir hoch... vergessen. Meine Wangen schienen auf einmal zu glühen, mein Herz raste und meine Beine waren schon vollkommen weich... ganz im Gegensatz zu meiner Männlichkeit, die brechend hart war.

 

So half ich Yan ein wenig und öffnete etwas fahrig und vollkommen erregt meine Hose...

 

Bitte....“, flehte ich meinen Freund stöhnend an...

 

*-*-*

 

Breit grinsend und mit der Zunge über meine Lippen fahrend, genoss ich, wie schnell Raye mir half, seine Männlichkeit zu befreien. Gerne schob ich seine Hose bis in die Kniekehlen, um seine Männlichkeit nur noch aus der Unterhose zu pellen.

 

Ohne zu zögern leckte ich darüber und ließ sie in meinen Mund verschwinden.

 

Der Geschmack, war Rayes Geschmack und ich kostete ihn vollkommen aus. Er war jetzt mein und ich wollte ein wenig mit ihm spielen, bevor er kam. Schmerzlich drückte ich meinen Unterleib in die Matratze hinein und versuchte meine Erregung zu ignorieren.

 

Auf und ab ging mein Mund mit kleinen Pausen, wobei ich mal weniger mal stärker an Rayes Männlichkeit saugte, wie an einem Lolly.

 

Erst als ich genug hatte, verstärkte ich meinen Druck, damit er kommen konnte, durfte.

 

Ich genoss es in vollen Zügen ihn zu verwöhnen, wobei meine freie Hand über seinen Bauch bis hoch zu seinen Oberkörper streichelte.

 

*-*-*

 

Anscheinend hatte ich es richtig gemacht, als ich Yan half meine Hosen zumindest halbwegs loszuwerden.

 

Was ich dann aber spürte, war mir schon ein bisschen peinlich, denn ich spürte etwas feuchtes an meiner Männlichkeit, hob kurz meinen Kopf und sah, dass Yan meine Männlichkeit leckte und sie in seinem Mund verschwinden ließ, während ich nur noch stöhnen konnte. So ließ ich mich wieder zurück fallen, denn was er tat war mir zwar peinlich, aber es erregte mich auch ungemein, und genoss was Yan da tat.

 

Jedoch hielt er mich ein wenig hin, schien mit mir spielen zu wollen, was seine Wirkung nicht verfehlte und mich noch mehr erregte, als ich ohnehin schon war.

 

Mein Körper zitterte schon vor Erregung, mein Herz raste, mein Gesicht glühte förmlich, nur meine Augen waren genießend geschlossen.

 

Lange würde ich das wohl nicht mehr aushalten, denn immer wieder, wenn ich kurz vor dem Höhepunkt stand, hörte er auf... wie gemein... dann aber... verstärkte er den Druck, wollte mir anscheinend einen Gefallen tun und tat dies damit auch... es dauerte dann nicht mehr lange und ich kam mit einem lauten, aber wohligem Stöhnen... in seinem Mund...

 

Mein Körper wand sich unter Yan... unter seinen Berührungen... seinem Streicheln... wie er mich verwöhnte... herrje... es kam mir wie in einem Traum vor, denn so etwas Schönes hatte ich noch nie erlebt.

 

Jetzt musste ich erst mal wieder zu Atem kommen, denn ich war im Moment total fertig.

 

Einige Minuten später hatte ich mich zumindest soweit erholt, dass ich mich erheben konnte und meinen Freund nun, mit vollkommen errötetem Gesicht, anschaute, während ich mich von meiner Hose und der Boxershorts befreite und nun nackt vor Yan saß, den ich sogleich liebevoll und sehr zärtlich küsste.

 

Sanft nahm ich ihn in die Arme und drückte ihn nun meinerseits auf das Bett, küsste und streichelte ihn zunächst nur zärtlich... denn was ich nun wollte... sollte doch eigentlich klar sein... jetzt war Yan dran...

 

*-*-*

 

Als Raye kam, schluckte ich brav alles, was er mir bot und leckte mir noch genüsslich über die Lippen. Dann zog er sich ganz aus und ich genoss diesen Anblick, bevor er mich küsste und nun wohl mir Erleichterung verschaffen wollte.

 

Gerne ließ ich mich aufs Bett drücken und half ihm ein wenig mich zu entkleiden. Außerdem dirigierte ich ihn dort hin, wo ich es gerne hatte. Er machte seine Sache gut, wenn auch Anfangs etwas holprig, wurde er immer besser und brachte mich sogar zum stöhnen.

 

Instinktiv machte er alles richtig und ich ließ mich fallen.

 

*-*-*

 

So, wie Yan es zuvor bei mir getan hatte, tat ich es nun auch bei ihm. Anfangs war ich natürlich etwas unsicher, aber dies änderte sich bald, so dass ich ihn nun befriedigen konnte, nachdem ich meinen Freund ausgezogen und er mich dorthin dirigiert hatte, wohin er mich haben wollte.

 

Ich ließ es geschehen, machte mich nun über seine Männlichkeit her, die ich sanft küsste und leckte und sie schließlich ebenfalls in meinem Mund verschwinden ließ.

 

Erst vorsichtig und sanft, dann saugte ich etwas härter an ihm, hielt seine Männlichkeit mit der einen Hand fest und mit der anderen streichelte ich über seinen Bauch, soweit es mir möglich war.

 

Jetzt konnte er sich auch erleichtern...

 

*-*-*

 

Lange dauerte es nicht und ich ergoss mich unter einem lauten Aufstöhnen in Rayes Mund. Viel zu schön und erregend hatte sich das angefühlt.

 

Ich war so froh, dass alles so gekommen war und mein Herz raste nicht nur wegen des Orgasmus. Sanft streichelte ich über Rayes Wange und zog ihn zu mir nach oben. Noch einmal küsste ich ihn intensiv.

 

''Ich liebe dich und ich bin so glücklich'', sagte ich zu meinem Freund, während ich ihn in eine sanfte Umarmung zog.

 

*-*-*

 

Ich liebe dich auch und auch ich bin sehr glücklich.“, erwiderte ich, nachdem sich Yan erleichterte, meine Wange anschließend streichelte und mich dann zu sich hochgezogen hatte.

 

Natürlich war es für mich erst mal seltsam, als er sich in meinem Mund ergoss, doch schluckte ich es brav und gewöhnte ich mich recht schnell daran.

 

Seinen liebevollen Kuss erwiderte ich selbstverständlich und schmiegte mich nun an ihn, meinen Kopf auf die Brust meines Freundes legend.

 

Endlich durfte ich glücklich sein, mit einem Menschen, der mir in kürzester Zeit so unendlich wichtig geworden war... und den ich nun über alles liebte...

 

*-*-*

 

Raye und Yan waren nun ein Paar und sehr glücklich zusammen. Es ging ihnen so viel besser und sie halfen sich gegenseitig mit dem erlebten fertig zu werden.

 

Yan gab Raye halt und umgekehrt.

 

Bis Raye volljährig wurde, blieb er in der Schule. Anschließend zog er in eine eigene Wohnung, in die auch Yan zog, als er volljährig wurde.

 

Der Onkel und die Tante von Raye wurden verurteilt und ihres Lebens nicht mehr froh.

 

*-*-*

 

Ende