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Eifersüchtig

Eifersüchtig

 

 

by Dark Sephiroth & Detail

 

 

''Es reicht mir! Du hast dem Kerl doch absichtlich an den Hintern gefasst! Das wars! Darauf habe ich keinen Bock mehr'', schrie mein noch Freund mich an.

 

''War es das jetzt?'', fragte ich genervt und etwas kühl.

 

''Ja, definitiv!'', bekam ich wütend zur Antwort.

 

''Gut, dann kannst du ja jetzt gehen'', sagte ich daraufhin und erntete einen erschrockenen Blick, ''Schließlich ist das meine Wohnung!''

 

Mit offenem Mund registrierte mein Gegenüber scheinbar, was das hier hieß. Ein hartes Schlucken ging von ihm aus, sonst kam nichts mehr. Dann stand er auf und packte seine Sachen. Nur kurze Zeit später, war er fertig.

 

''Der Wohnungsschlüssel?'', kam es noch von mir und er knallte ihn mir auf den Tisch, verließ dann die Wohnung.

 

Das war die sechste Beziehung in diesem Jahr und wir hatten gerade mal April.

 

Ich flirtete nun mal gerne und ging durchaus auch mal weiter als ich eigentlich sollte. Meine Lippen gehörten sowieso schon mal jeden, denn ich liebte es einfach zu küssen. Außerdem hatte ich Schwierigkeiten meine Finger bei mir zu behalten.

 

Vielleicht sollte ich erst mal Single bleiben, nur verliebte ich mich ständig und viel zu schnell.

 

Während ich mich aufs Sofa legte, wählte ich die Nummer meines besten Freundes.

 

''Hey Arne, es ist aus...'', sagte ich etwas geknickt in den Hörer.

 

''Nicht schon wieder! Flow, was machst du nur? Am Besten ist, du kommst gleich mal rüber. Wir haben ein paar Leute da, zum Abendessen, da kommst du bestimmt auf andere Gedanken'', hörte ich ihn sagen.

 

''Okay'', gab ich mich direkt geschlagen. Schließlich ging das Leben weiter und es gab noch genügend Männer auf dieser Welt, die es zu erobern galt.

 

Nur wenig später stand ich vor Arnes und Sebastians Wohnung. Sie waren schon länger ein Paar und wohnten seit einem halben Jahr zusammen. Bei Ihnen lief es scheinbar mehr als gut, nur bei mir sollte es nicht so sein.

 

*-*-*

 

Ach herrje... armer Sascha... da hatte ihn dieser Filou, mit Namen Flow, aus der Wohnung geworfen. Au man, dem sollte man mal zeigen wo der Hammer hängt.

 

So nahm ich Sascha, nachdem er bei mir eingetroffen und ich ihn tröstend begrüßt hatte, vorläufig bei mir auf und machte uns erst mal einen Tee.

 

Gemeinsam setzten wir uns an den Tisch und tranken den Tee zusammen.

 

"Hey, sei doch froh, dass du ihn los bist. Bei dem was du mir alles erzählt hast... boah... das ist echt die Höhe. Der denkt wohl, nur weil er toll aussieht, kann er sich alles erlauben, was! Aber hey, dem sollen wir richtig eine rein würgen.

 

Nicht mit Gewalt... aber doch schon so, dass er merkt, was Sache ist.", redete ich auf meinen Freund ein.

 

"Ezio, du verstehst das nicht... ich hab ihn wirklich geliebt und er.... er ...ich weiß nicht... kann einfach nicht treu sein. Immer wieder schaut er anderen nach und wer weiß was er sonst noch so tut. Weißt du das tut einfach nur weh."

 

"Doch, doch... ich denke, ich verstehe ganz gut. Wir sollten uns an ihm rächen... meinst du nicht. Ich helfe dir selbstverständlich... wenn du magst. Mich kennt er ja, zum Glück, nicht."

 

"Hmm... stimmt... du hast Recht. Dann lass uns einen Plan machen... selbst wenn ich ihn dann nicht mehr zurück gewinnen kann... aber... du hast Recht... ich sollte mich zumindest rächen und ich glaube, du passt gut in sein Beuteschema."

 

"Umso besser... dann wird er sicher schnell anbeißen. Du kannst mir ja sagen wo er sich meist aufhält und dann... schmeiß ich mich an ihn ran... oder locke ihn an.", bot ich mich als Lockvogel an.

 

Sicher, ich war nicht schwul... stand eher auf, Mamma mia... Bella, schöne weibliche Rundungen, aber für meinen Freund würde ich mich richtig ins Zeug legen. Zudem sollte es für einen Halbitaliener, wie mich, doch kein Problem sein. Ich würde meinen ganzen Charme spielen lassen und ich könnte wetten, dass er mir sicher schnell ins Netz gehen würde.

 

Sascha grinste breit, wofür ich ihn schon eine hätte reinziehen können. "Du würdest einen tollen Schwulen abgeben... glaub mir, die werden auf dich fliegen... und Flow... der wird sich den Hals nach dir verrenken."

 

"Ja, ja.... aber ich werde trotzdem nicht schwul... vergiss es. Ich spiele das nur, okay... und das auch nur, weil du mein Freund bist."

 

*-*-*

 

Den Abend verbrachte ich also bei meinem besten Freund Arne und dessen Freund Sebastian. Sie hatten Besuch, den ich teilweise kannte. Es war ein netter Abend und ich blieb noch etwas, nachdem die Anderen gegangen waren.

 

Natürlich musste ich mir eine Standpauke von wegen Treue von Sebastian anhören.

 

''In meinen Augen bin ich treu. Es ist ja nicht so, dass ich mit irgendwem schlafe und auch Zungenküsse sind tabu. Ich flirte eben gerne und ja, ich gehe dabei schon mal etwas weit. Aber ich bleibe meinem Partner stets treu und außerdem spiele ich immer mit offenen Karten.

 

Was ich brauche ist jemand, der nicht eifersüchtig ist'', erklärte ich.

 

Doch Sebastian blieb bei seiner Meinung und damit es nicht eskalierte, verabschiedete ich mich von Arne und ihm und ging nach Hause. Mir war nicht danach noch irgendwohin zugehen. Denn auch wenn ich äußerlich recht hart wirkte und Sascha recht kalt rausgeschmissen hatte, schmerzte es sehr.

 

Dabei hatte ich wirklich gedacht, er würde das alles verstehen.

 

Auch die nächsten Tage verbrachte ich eher mit arbeiten und auf der Couch. Es war ganz untypisch für mich, nicht in mein Stammlokal zu gehen. Nur musste ich die Beziehung erstmal verdauen.

 

Am darauffolgenden Wochenende war ich noch unentschlossen, entschied mich dann aber doch zu gehen. Vielleicht würde es mich auf andere Gedanken bringen, immerhin gab es noch andere schöne Männer und es brachte rein gar nichts in Selbstmitleid zu zerfließen.

 

''Hey Jonny'', begrüßte ich den Besitzer, der hinter der Bar am werkeln war.

 

''Mensch Flow, ich dachte schon dir sei etwas passiert. Du warst ja die ganze Woche nicht da'', begrüßte mich dieser und schob mir gleich etwas zu Trinken hin.

 

''Ich musste etwas nachdenken, aber jetzt bin ich wieder da'', verkündete ich.

 

Dabei war ich mir gar nicht sicher, ob ich schon so weit war.

 

''Wo ist denn dein Süßer?'', fragte Jonny und spielte damit auf Sascha an.

 

''Der... Der ist jetzt nicht mehr mein Süßer'', brummte ich.

 

Jonny seufzte und schenkte etwas in ein Glas.

 

''Der geht aufs Haus!'', kam es von ihm, bevor er sich um andere Gäste kümmern musste. Immerhin war es Wochenende und dementsprechend viel los hier.

 

*-*-*

 

Gedacht, getan, wir waren uns einig, dass ich den Köder spielte und Flow anlocken würde... wenn er denn anbiss. Das blieb noch abzuwarten.

 

Sascha gab mir dann noch die Adresse der Bar, in der sich Flow wohl immer amüsierte und ich bereitete mich auf meine Rolle vor. So zeigte und erklärte mir Sascha alles was ich wissen musste... wobei ich das wahrscheinlich auch allein hinbekommen hätte.

 

Nur, ich durfte ja eben nicht auffallen.

 

Ja, wir ließen uns richtig viel Zeit mit der Rache... eine gute Woche brauchten wir schon dafür.

 

Dann war es soweit und ich machte mich ausgehfertig, stylte mich dezent, aber so, dass es dennoch perfekt war... bloß nicht zu aufdringlich, oder gar auffällig.

 

Das Bild, das mir Sascha von Flow gezeigt hatte, hatte ich vor Augen, wusste also wie er aussah und auf wen ich achten musste. Ein paar Bedenken hatte ich schon, was wäre wenn Flow versuchte mich zu küssen? Gott, ich müsste extrem gut schauspielern können... sonst wäre unser ganzer Plan im Eimer.

 

Allein, wenn ich dran dachte, dass Flow was von mir wollen könnte, ließ mich erschaudern, dennoch war ich bereit mich drauf einzulassen und ihm einen kleinen Denkzettel zu verpassen... mit welchen Mitteln auch immer... auch wenn ich dafür über meine Grenzen hinausgehen müsste.

 

Nun, es war Wochenende und ich war fertig... ja, auch mit den Nerven... doch riss ich mich zusammen und verließ meine Wohnung, nachdem ich mich fertig gemacht und von Sascha verabschiedet hatte.

 

So ging ich schnurstracks auf die Bar zu, die ich nach etwa einer viertel Stunde erreicht hatte. Die Bar betreten, setzte ich mich locker auf den Barhocker und sah auch schon Flow dort sitzen, obgleich es hier schon recht voll war. Normal mied ich ja solche Lokalitäten, machte einen großen Bogen drum, aber jetzt... na ja... musste ich eben da durch.

 

Beim Wirt bestellte ich erst mal nur eine Cola, schaute mich währenddessen um und sah auch immer wieder zu Flow hinüber, ohne es jedoch zu auffällig zu machen.

 

*-*-*

 

Nachdem ich meinen Drink getrunken hatte, ließ ich meinen Blick gleiten. Es kamen Bekannte auf mich zu und ich umarmte den Einen, küsste den Anderen. Wir unterhielten uns kurz, bevor die Zwei wieder verschwanden.

 

Die Meisten hier kannte ich, denn es waren sowieso immer die Selben hier.

 

Kurz überlegte ich, ob ich vielleicht gehen sollte, weil ich noch nicht so weit war. Im Grunde bereute ich es, so kalt zu Sascha gewesen zu sein. Am Liebsten würde ich ihm eine SMS senden, ob er gut untergekommen war. Außerdem hatte ich im Schrank noch ein paar Sachen von ihm gefunden.

 

Nur war ich noch nicht so weit ihm gegenüberzutreten.

 

Jetzt musste ich mich ablenken und gerade als ich auf einen weiteren Bekannten zugehen wollte, fiel mir ein neues Gesicht auf.

 

Dennoch stand ich auf und begrüßte meinen Bekannten, der sich ganz in der Nähe befand. Wir sprachen miteinander und doch wanderte mein Blick immer wieder zu dem fremden Mann. Er sah hübsch aus und wäre genau mein Typ. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob ich mich schon wieder auf etwas einlassen konnte.

 

Aber kennenlernen konnte man sich ja vielleicht. Wenn er denn überhaupt Interesse hatte. Doch dann trafen sich unsere Blicke und ich lächelte ihn an.

 

Mein Bekannter verabschiedete sich von mir und ich ging zu dem Mann rüber.

 

''Hi, ich bin Flow'', sagte ich offen.

 

Ich hielt nichts von blöden Anmachen und wenn man sich vorstellte war es durchaus höflich. Es würde sich schon zeigen, ob er sich unterhalten wollte oder nicht.

 

*-*-*

 

Eine gefühlte Ewigkeit hatte ich Flow nun schon beobachtet und konnte mir jetzt durchaus vorstellen, wie sich Sascha gefühlt haben musste. Er kannte ja wirklich Gott und die Welt... herrje.

 

Dann jedoch trafen sich unsere Blicke und ich trank noch einen Schluck Cola, als Flow auch schon auf mich zukam, mich ansprach und sich vorstellte.

 

Natürlich ließ ich mir nichts anmerken, tat so, als würde ich ihn nicht kennen und stellte mich ihm schließlich auch vor... lächelnd.

 

"Hey, mein Name ist Ezio", erwiderte ich ebenso offen, wie er mir gegenüber getreten war.

 

Noch einen Schluck gönnte ich mir, stellte mein Glas wieder auf den Tresen zurück und schaute Flow wieder an. "Darf ich dir irgendwas ausgeben?", fragte ich Flow, mich cool gebend.

 

*-*-*

 

Nachdem Ezio sich vorgestellt hatte, nahm ich neben ihm platz: ''Gerne. Ich nehme auch eine Cola.''

 

Immerhin hatte ich schon etwas mit Alkohol getrunken und mehr wollte ich jetzt nicht. Außerdem passte ich mich gerne an und da Ezio Cola trank, wollte ich es ihm gleich tun.

 

''Auch wenn sich das jetzt, wie eine blöde Anmache anhört, bist du zum ersten Mal hier? Ich habe dich hier noch nie gesehen und ich bin normalerweise fast jeden Abend hier. Wenn auch meistens nur kurz, um etwas zu Trinken'', begann ich ein Gespräch.

 

Ezio war genau mein Typ und er hatte wahnsinnig schöne Augen, in die ich nun sah und das sogar sehr gerne. Sein Teint war Milchkaffee Braun und schien sogar noch dunkler als meiner zu sein. Wenn mich nicht alles täuschte war er Italiener und ein hübscher noch dazu.

 

*-*-*

 

"Okay", meinte ich zustimmend und bestellte beim Wirt eine Cola für Flow, erst dann antwortete ich ihm.

 

"Ich finde das keine blöde Anmache... Fragen ist doch schließlich nicht verboten, oder. Ja, ich bin zum ersten Mal hier, denn ich bin erst vor kurzem hierher gezogen und habe diese Bar jetzt erst entdeckt.", erzählte ich Flow offen und es stimmte ja sogar. Denn so lange wohnte ich noch nicht hier, war ich doch erst von meinen Eltern ausgezogen und war froh endlich was eigenes zu haben... tun und lassen zu können was ich wollte.

 

"Was machst du so, wenn du nicht gerade hier bist und was trinkst?", wollte ich interessiert von Flow wissen.

 

Natürlich verriet ich mich nicht, denn dafür war ich viel zu gut im Schauspielern... klar... ich ging ja auch auf eine Schauspielschule und konnte endlich zeigen was mich drauf hatte.

 

Flow sah nicht schlecht aus... eigentlich richtig toll... besser noch als auf dem Foto, das mir Sascha gezeigt hatte und wäre ich schwul, wäre er wohl meine Kragenweite. Er hatte tolle, wunderschöne Augen und war auch sonst sehr hübsch.

 

Schade eigentlich... Sascha und er hätten wirklich super zusammen gepasst.

 

*-*-*

 

''Ach so ist das. Wo kommst du ursprünglich her?'', fragte ich, nachdem ich Ezio angelächelt hatte, weil er so locker reagierte.

 

Jonny nahm die Bestellung auf und schenkte mir eine Cola ein. Außerdem bekam ich ein kurzes Lächeln von ihm, was soviel sagte wie: na geht doch!

 

''Ich arbeite viel. Bin hier in der Autowerkstatt Lackierer. Vielleicht hast du schon von mir gehört, denn ich bin der Mann für den Feinschliff. Wenn jemand etwas ausgefallenes haben möchte, zaubere ich es aufs Auto'', erklärte ich.

 

Im Vorbeigehen bedachte mich ein weiterer Bekannter mit einem Schulterklopfen und ich nickte ihm ein 'Hi' zu.

 

''Was ist mit dir, was machst du so? Hat es einen bestimmten Grund warum es dich hierher verschlagen hat?'', wollte ich interessiert wissen, wobei er wieder meine volle Aufmerksamkeit hatte.

 

*-*-*

 

Interessiert hörte ich zu was mir Flow erzählte und nickte ab und zu verstehend.

 

"Nein, ich habe noch nie von dir gehört, sorry. Ich komme ursprünglich aus einer ganz anderen Gegend und ich bin Halbitaliener. Ich hatte irgendwie Langeweile und wollte mich hier einfach mal umschauen. Wie ich sehe, hat es sich gelohnt.", gab ich von mir und lächelte Flow an, der mich ansah und fasziniert schien.

 

Ich trank noch einen Schluck, dann erzählte ich weiter:

 

"Ich gehe auf eine Schauspielschule und muss noch mindestens drei Jahre lernen, was gar nicht so einfach ist. Zudem bin ich erst von meinen Eltern ausgezogen, aber froh endlich was eigenes zu haben.", erzählte ich ganz offen und grinste Flow an.

 

*-*-*

 

''Oh, warum hat es sich denn gelohnt, sich hier umzuschauen?'', spielte ich den Ahnungslosen, musste aber Ezios Lächeln erwidern.

 

''Wow, ein Schauspieler'', musste ich dann loswerden, ''Na hoffentlich schauspielerst du mir nichts vor.''

 

Dann musste ich Lachen, bekam mich aber schnell wieder ein.

 

''Ja, was eigenes ist immer schöner'', warum nur, musste ich bei diesen Worten an Sascha denken und wie einsam meine Wohnung jetzt war.

 

Schnell versuchte ich mich wieder einzukriegen und legte eine Hand auf Ezios Schulter, wobei ich etwas näher an ihn heranrückte. Einen Schluck von meiner Cola gönnte ich mir, bevor ich wieder in seinen Augen versank.

 

''Hast du denn schon Leute kennengelernt oder ist es noch etwas einsam um dich herum'', dabei streichelte mein Daumen über seine Schulter und meine Hand übte leichten Druck aus.

 

Ich war schließlich Single und konnte machen was ich wollte. Obwohl so was auch noch mit Freund okay gewesen wäre.

 

*-*-*

 

"Nein", lachte ich: "Ich schauspielere dir nichts vor. Warum sollte ich auch? Du bist mir immerhin sehr sympathisch... deswegen hat es sich auch gelohnt hierher zu kommen.", bestätigte ich seine.... gespielte Ahnungslosigkeit... lächelte ihn an.

 

"Na ja, meine Nachbarn und natürlich meine Mitschüler... kenne ich jetzt ganz gut. Ansonsten lerne ich eben sehr viel und hab so kaum Zeit um wegzugehen.", erklärte ich Flow, trank meine Cola aus und ließ mir vom Wirt eine Neue geben.

 

Dass mich Flow jetzt hier berührte war mir zwar nicht so angenehm, doch ließ ich es zu... spielte eben einfach meine Rolle weiter... auch wenn er auf meiner Schulter schon leichten Druck ausübte... so wollte ich unseren Plan doch nicht gefährden... obgleich ich schon beinahe das Gefühl hatte, Flow würde mich mit seinem Blick fast schon hypnotisieren... herrje... und dieses Lachen... unglaublich.

 

*-*-*

 

''Ja, das mit der Zeit kenne ich. Meistens arbeite ich lange, aber ich gönne es mir hierherzukommen, auch wenn es manchmal nur kurz ist. Vielleicht können wir ja mal etwas zusammen machen?'', schlug ich vor.

 

Ich war fest entschlossen Ezio näher kennenzulernen.

 

''Du bist mir jedenfalls auch sehr sympathisch. Wo ist bei dir der Haken? Lass mich raten, du bist normalerweise Hetero und hast den Schriftzug draußen nicht gelesen. Oder... nein, warte... du bist glücklich vergeben und suchst gar nichts... oder willst deinen Partner betrügen?'' alberte ich herum.

 

Immerhin war ich selber bis vor kurzem vergeben gewesen und wäre bei einem Flirt niemals so weit gegangen. Aber jetzt wartete keiner Zuhause auf mich.

 

''Was hältst du davon, wenn wir Nummern austauschen und morgen etwas frühstücken gehen, oder hast du morgen Schule?'', schlug ich dann vor.

 

Zwar musste ich noch etwas fertig lackieren, aber das konnte ich auch später am Samstag machen.

 

*-*-*

 

Ach du Scheiße... jetzt wurde es richtig kriminell. Wie lange würde ich Flow noch belügen können... wo er schon fast dabei war mein Geheimnis zu erraten... es aber als Scherz verpackte.

 

"Ich muss echt viel lernen und hab echt kaum Zeit. Heute ist eine Ausnahme... weil wir heute früher Schluss hatten. Aber ansonsten bin ich den ganzen Tag in der Schule und komme erst des Abends spät heim.", erklärte ich Flow ruhig.

 

"Bei mir ist gar kein Haken, oder siehst du etwa einen bei mir...", erwiderte ich frech und steckte ihm kurz die Zunge raus... musste aber gleich darauf kichern.

 

"Klar, wir können ja Nummern austauschen... aber so wirklich viel Zeit hab ich eigentlich eben nicht. Und Morgen muss ich eh wieder früh raus. Sorry... tut mir leid.", willigte ich lächelnd ein, holte aber schon mal mein Handy raus.

 

Okay, es lief ja soweit ganz gut... besser als erwartet... aber ich musste verhindern, dass es weiter ging... denn das würde und konnte ich Sascha nicht antun... der Flow doch noch immer liebte und mein bester Freund war.

 

Auf keinen Fall konnte ich ihn enttäuschen...

 

*-*-*

 

Ich musste kurz Lachen auf Ezios Scherz hin und wie niedlich er aussah, als er mir die Zunge herausstreckte. Ganz schön frech.

 

''Alles gut. So was geht doch vor. Mach dir bloß keinen Kopf, dass du so eingespannt bist. Ich hab auch noch Arbeit zu erledigen, dann wird die Wenigstens fertig'', meinte ich und gab ihm nach kurzem Zögern meine Nummer. Wobei das Zögern Spaßeshalber war.

 

''Wenn du so Frech bist, weiß ich gar nicht, ob ich dir meine Nummer gebe...'', neckte ich ihn.

 

Nachdem ich dann seine erfolgreich abgespeichert hatte, grinste ich frech.

 

''Noch sehe ich keinen Haken... aber sag mal, wie eifersüchtig bist du?'', musste ich dann unbedingt wissen.

 

Denn wenn Ezio eifersüchtig war, würde das nicht mehr als eine Freundschaft werden, soviel stand fest. Ich brauchte Jemanden, der etwas abkonnte und nicht gleich wegen jedem Mist in die Luft ging.

 

Wobei das was ich mir als Letztes erlaubt hatte bei Sascha schon ziemlich hart war. Normalerweise küsste ich nur ohne Zunge und meine Finger blieben oberhalb der Gürtellinie. Doch der Typ vor mir hatte so aufreizend mit seinem Hintern gewackelt, da konnte ich gar nicht anders.

 

Sicher tat es mir leid, aber das zuzugeben war nicht mein Stil.

 

*-*-*

 

So langsam meldete sich mein schlechtes Gewissen, denn Flow war mir tatsächlich sehr sympathisch und ich würde so nicht lange weitermachen können.

 

Zwar spielte ich meine Rolle noch so einigermaßen, aber der Plan kam schon jetzt erheblich ins Wanken... je länger ich mich mit Flow unterhielt und ihn somit kennen lernte. Außerdem war es doch sein Leben und er konnte doch tun und lassen was er wollte.

 

Stand es uns überhaupt zu, uns zu rächen... ihn so auf die Schippe zu nehmen???

 

Nein... definitiv... NEIN!!!

 

Mit einem dezenten Kichern quittierte ich Flows Scherz und hörte dann auch schon diese Frage... die mir sogleich sagte was Fakt war.

 

"Da ich noch nie eine Beziehung hatte, weiß ich nicht wie eifersüchtig ich bin. Aber ich denke schon, dass ein klein wenig Eifersucht dazu gehört, wenn man sich wirklich liebt. Auch Vertrauen und Treue sind sehr wichtig, meiner Meinung nach.", beantwortete ich ihm seine Frage, doch ließ mich mein schlechtes Gewissen einfach nicht in Ruhe.

 

"Halt... Stopp... Auszeit!", gab ich zunächst von mir und sprach dann ruhig weiter: "Bevor du dir hier irgendwas ausmalst... höre mir bitte einen Moment zu, Flow.

 

Ich bin nicht zufällig hier und ich gehe eigentlich niemals in Bars... aber... Sascha... du kennst ihn, nicht wahr... ist mein bester Freund und er ist jetzt bei mir untergekommen. Wir... haben uns einen Plan zurecht gelegt und wollten uns an dir rächen.

 

Aber allein deine Frage, nach der Eifersucht, zeigt mir, dass du dich wohl niemals ändern und somit wahrscheinlich niemals eine wirklich echte Beziehung führen wirst. Aber das kann mir letztlich egal sein, denn es ist dein Leben und du kannst tun und lassen was du magst... es geht mich nichts an.

 

Ich mag dich wirklich und du bist mir echt sympathisch... aber ich kann und will weder dich noch Sascha enttäuschen oder euch weh tun. Das kann ich nicht. Deswegen breche ich das jetzt und hier ab. Zudem bin ich hetero und würde mich niemals auf einen Mann einlassen... auch dann nicht, wenn sie so hübsch und sympathisch sind wie du. Es tut mir leid... bitte, verzeih mir. Aber ich denke auch, dass ihr euch zumindest aussprechen solltet. Denn Sascha sitzt daheim und weint sich die Augen aus dem Kopf, weil er dich eben immer noch liebt.

 

Überlege es dir noch einmal, ok... bitte."

 

Tja, damit war die Bombe dann wohl geplatzt und ich rechnete wirklich schon mit dem Schlimmsten. Aber ich hätte eh alles verdient... egal, was jetzt geschehen würde... so würde ich mich der Verantwortung stellen, auch wenn ich jetzt die Fläche der Bar betrachtete und ab und zu nachdenklich... schuldbewusst... in mein Glas schaute...

 

*-*-*

 

Wow, das war der Hammer!

 

Entsetzt schaute ich Ezio an und hörte ihm aufmerksam zu. Ich ließ alles einen Moment sacken, ehe ich tief durch schnaufte.

 

''Das habe ich wohl verdient'', brachte ich erst mal zu Stande und schluckte den Kloß in meinen Hals runter, ehe ich tief ausatmete.

 

Mein Glas leerte ich, bevor ich nochmal etwas sagte.

 

''Es gibt nichts zu verzeihen. Bei einem solchen Arschloch, wie ich bin, habe ich das wohl durchaus verdient.''

 

Dabei hatte ich mich schon in Ezio verknallt und jetzt war er hetero. Geschah mir recht.

 

Ich drehte mich mit dem Barhocker herum, so dass ich mit dem Rücken zur Bar saß und ließ meinen Blick gleiten.

 

''Vielleicht hast du da etwas missverstanden. Ich habe ja auch keinen Plan, wie schlecht Sascha mich gemacht hat, aber ich habe durchaus richtige Beziehungen. Nur kenne ich eben auch viele Leute, wie du sicher bemerkt hast und Küsse viele, flirte gerne, umarmte viel.

 

Dieses Herzliche und diese Nähe brauchte ich einfach. Dabei würde ich niemals mit jemand anderen Schlafen oder gar jemand anderen die Zunge in den Hals stecken.

 

Sicher, ich habe bei Sascha einen Fehler gemacht und bin zu weit gegangen. Das weiß ich selber gut genug. Normalerweise gehe ich nicht unter die Gürtellinie bei Anderen, wenn ich vergeben bin...

 

Dann gehe ich jetzt mal und keine Sorge, ich wollte mich ohnehin bei Sascha melden, weil er noch Sachen bei mir hat. Es freut mich, dass er gut untergekommen ist, denn ich muss zugeben, dass ich schon ein schlechtes Gewissen hatte, ihn vor die Tür gesetzt zu haben.

 

Aber wenn es drauf ankommt, kann ich sehr gefühlskalt sein'', sprach ich weiter, bevor ich mich erhob.

 

Gefühlskalt, so wie jetzt, ohne Regung damit umzugehen, ziemlich übel verarscht worden zu sein.

 

''Schade eigentlich, dass du nicht schwul bist. Du verpasst was.''

 

Dann zog ich meine Jacke an und legte Geld auf den Tresen, denn einladen lassen wollte ich mich jetzt nicht mehr.

 

*-*-*

 

Wortlos hatte ich Flow zugehört und nur ab und zu verständig genickt. Schließlich schaute ich ihm nach, als er sich erhob und das Geld auf den Tresen legte.

 

Nun, wenn er denn meinte.

 

"Mir tut es dennoch leid. Ich hätte mich einfach aus allem heraus halten sollen.", sagte ich noch, bevor auch ich das Geld auf die Theke legte, jedoch ging ich nicht auf seinen Kommentar ein.

 

"Ob wer was verdient hat... liegt, denke ich, im Auge des Betrachters. Machs gut, und egal was du jetzt von mir denken magst... mich hat es gefreut dich kennen gelernt zu haben.", musste ich noch loswerden, bevor auch ich mich erhob und die Bar verließ.

 

Draußen atmete ich tief die frische Luft ein und machte mich auf den Weg nach Hause. Unterweg dachte ich über alles nach... auch darüber warum Flow so gefühlskalt war... dieses Geständnis einfach so hingenommen hatte.

 

Nun ja, es hätte durchaus schlimmer kommen können. So brauchte ich mir aber wenigstens keine Gedanken mehr zu machen.

 

Meine Wohnung hatte ich, eine viertel Stunde später erreicht, schloss die Tür auf und betrat meine Wohnung sogleich... hinter mir die Tür schließend.

 

Anschließend zog ich mir die Schuhe aus und ging in die Küche, wo ich mich total fertig auf einen Stuhl sinken ließ.

 

Sascha war nicht da, was mir sehr recht war... so konnte ich alles noch einmal Revue passieren lassen.

 

Mann, tat mir das alles leid und ich wünschte mir so sehr, dass ich mich da raus gehalten hätte.

 

*-*-*

 

Ich ging direkt hinter Ezio aus der Bar und schaute ihm noch lange nach. Es war wirklich schade, dass er nicht auf Männer stand, denn ich hatte es durchaus auch nicht bereut ihn kennengelernt zu haben.

 

Ob seine Nummer wohl stimmte?

 

Auf den Weg zu meinem Wagen, schrieb ich ihm eine SMS.

 

Auch ich bereue es nicht, dich kennengelernt zu haben...

 

Mehr konnte ich nicht sagen, wollte ich auch gar nicht. Es wäre wirklich Blödsinn ihn weiter anzuflirten.

 

Stattdessen tat ich das, was ich schon die ganze Zeit vorgehabt hatte, ich schrieb Sascha ebenfalls eine SMS.

 

Hey Kleiner, ich hoffe du bist gut untergekommen. Habe noch ein paar Sachen von dir gefunden. Wenn du magst, hol sie ab oder ich bringe sie rum.

 

Ich steckte mehr Gefühl in diese SMS, als ich es eigentlich sonst getan hätte. Vielleicht hatte mir Ezio die Augen geöffnet. Anschließend fuhr ich nach Hause und machte mir einen Tee. Irgendwie war ich jetzt wieder ziemlich fertig und die Wohnung kam mir einsam und groß vor.

 

*-*-*

 

Während ich noch am Nachdenken war hörte ich plötzlich das piepsen meines Handys, kramte es aus meiner Jackentasche und schaute wer mir geschrieben haben konnte.

 

Flow...!

 

Ich las die SMS und schrieb ihm zurück:

 

Du bist ein toller Kerl... lass dir von niemandem was anderes erzählen. Noch mal... Sorry... mir tut es echt voll leid... LG Ezio

 

Dann schickte ich die SMS ab und legte das Handy auf den Tisch zurück.

 

Langsam stand ich auf, zog meine Jacke aus und kochte mir erst mal einen Tee.

 

Man, wenn ich gewusst hätte, wie das enden würde... hätte ich echt die Pfoten von gelassen... aber nein... ich musste mich ja einmischen... man, ich war doch echt so ein Vollidiot.

 

Vielleicht würde ich mich ja die nächsten Tage krankschreiben lassen, denn so konnte ich unmöglich zur Schule gehen.

 

Gerade hatte ich meinen Tee fertig, als ich auch schon die Tür hörte und Sascha herein kam.

 

"Hey...", begrüßte er mich, doch ich nickte nur.

 

"Was ist denn los?!"

 

"Nichts... ich hab die Sache vergeigt... hab Flow alles erzählt."

 

"Ach was... er hat mir geschrieben und ich kann zu ihm kommen und meine Sachen holen, ich mein... vielleicht reden wir ja wenigstens noch mal in Ruhe miteinander und... wer weiß... vielleicht... renkt sich ja alles wieder ein.", meinte Sascha euphorisch.

 

"Schau mal er hat mir geschrieben und ich hab ihm auch geantwortet... dass ich morgen zu ihm kommen würde."

 

"Ja, ja... mach mal... alles gut. Aber ich wäre jetzt gern allein... bitte."

 

"Okay... sorry... ich wollte dich nicht nerven."

 

"Schon gut... lass mich allein.", gab ich nur noch von mir, ehe Sascha die Küche verließ.... hinter sich die Tür schließend.

 

*-*-*

 

Ezios Nachricht erreichte mich und ich spürte wie schuldig er sich fühlte. Deshalb antwortete ich ihm auch gleich.

 

Mach dir bloß keinen Kopf wegen mir. Unkraut vergeht nicht, heißt es doch. Fühle dich nicht schuldig. Wenn du reden willst, darfst du mich gerne zu jeder Tag und Nachtzeit anrufen. LG Flow.

 

Dann verkrümelte ich mich mit meinen Tee auf die Couch und schaute noch etwas fern.

 

Sascha antwortete mir und wir machten noch eine Zeit für morgen aus. Er wollte gegen Mittag kommen, also konnte ich morgen früh meine Arbeit erledigen. Den Wagen würde ich fertig bekommen, bevor Sascha hier sein würde.

 

Nach einer Weile ging ich duschen, nachdem ich meinen Tee auf hatte und legte mich ins Bett.

 

Ein Wenig surfte ich noch im Internet mit meinem Handy und genoss die Ruhe, obwohl es vielleicht sogar zu ruhig war.

 

*-*-*

 

Beinahe krampfhaft hielt ich mich an der warmen Teetasse fest und irgendwie liefen mir einige Tränen an meinen Wangen herab, die ich nicht aufzuhalten vermochte und ich nicht mal wusste warum ich hier gerade herum heulte.

 

Dann erreichte mich wieder eine SMS von Flow, doch konnte ich diese kaum lesen, geschweige denn beantworten... mein Blick war irgendwie von Tränen getrübt, so dass ich mich nun doch erst einmal beruhigen musste.

 

Irgendwie war es schön einen Freund wie Flow zu haben... und doch fühlte ich mich schuldig... fühlte... dass ich es nicht wert war, dass Flow mir vergeben hatte... mir anbot reden zu können, wenn ich ihn brauchte.

 

Natürlich würde ich das Angebot nicht annehmen... dafür hatte ich einfach zu viel Schuld auf mich genommen.

 

So ließ ich tränenüberströmt meinen Kopf auf den Tisch sinken...

 

*-*-*

 

Irgendwie ließ mich der Tag heute nicht los, denn müde war ich nicht wirklich. Ezio antwortete auch nicht auf meine SMS und irgendwie war das alles komisch. Lange genug hatte ich gewartet und vielleicht schlief er ja auch schon.

 

Dennoch musste ich wissen, ob da alles okay war. Immerhin hatte er eben doch noch mit mir geschrieben.

 

Kurz entschlossen setzte ich mich im Bett auf und rief Ezio an. Entweder würde er rangehen oder eben nicht. Dann könnte ich zur Not noch Sascha anrufen. Denn aus irgendeinem Grund machte ich mir Sorgen um Ezio.

 

*-*-*

 

Noch immer konnte ich mir nicht vergeben und ließ meinen Tränen freien Lauf, als sich mein Handy meldete und ich wohl einen Anruf bekam.

 

Ich überlegte ernsthaft ob ich dran gehen sollte oder eben nicht... jedoch entschloss ich mich dafür, drückte auf den grünen Hörer und meldete mich.

 

"Hallo Flow... was ist los?", begrüßte ich Flow schluchzend, denn ich hatte ja gesehen wer mich anrief, wenn auch nur durch den Tränenschleier.

 

Sacht wischte ich mir die Tränen mit dem Ärmel meines Pullovers aus dem Gesicht.

 

*-*-*

 

Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht und so sprang ich regelrecht auf, als ich Ezio schluchzen hörte.

 

''Hallo Ezio'', kam es besorgt von mir.

 

Es sollte schon was heißen, wenn ich Gefühle zeigte.

 

''Du sagst mir jetzt bitte, wo du wohnst. Ich steige in mein Auto und bin gleich bei dir und dann reden wir... Keine Widerrede'', hörte ich mich noch besorgter sagen, während ich mein Handy zwischen Schulter und Kopf klemmte, um mich anzuziehen.

 

So ging das nicht! Scheinbar nahm Ezio die Sache sehr mit und ich würde ihm so durchs Telefon nicht so helfen können, wie es vielleicht eine Umarmung tun würde. An Sascha dachte ich jetzt gar nicht, dass ich ihn dort auch begegnen könnte.

 

*-*-*

 

Flow schien sich echt Sorgen um mich zu machen... das verdiente ich doch gar nicht. Dennoch gab ich ihm, ohne zu murren meine Adresse, während ich versuchte mich wieder zu beruhigen und diese verdammten Tränen loszuwerden.

 

"Ist schon gut... mach dir keine Sorgen... mir tut das alles nur so voll leid.", begann ich mich wiederum zu entschuldigen. Denn mir tat es wirklich sehr leid.

 

Dass Sascha ja auch hier war blendete ich erst einmal aus und sagte ihm folglich auch nichts davon, dass Flow gleich hier erscheinen würde.

 

Nur eines wusste ich genau, dass ich mich noch einmal inständig bei ihm entschuldigen musste. Es ging mich verdammt noch mal gar nichts an, was Flow tat oder eben nicht und ich hatte kein Recht mich da einzumischen.

 

So etwas würde mir sicher nicht noch einmal passieren, das wusste ich jetzt...

 

*-*-*

 

Während ich mittlerweile bei meinen Schuhen angelangt war und noch in meine Jacke schlüpfte, meinte ich: ''Ich weiß doch. Alles gut. Gib mir fünf Minuten, dann bin ich bei dir und bekomme hoffentlich einen Tee.''

 

Damit verabschiedete ich mich und huschte hinaus. Draußen war es mittlerweile stockfinster und es hatte angefangen zu regnen.

 

Hoffentlich würde ich gleich einen Tee bekommen, denn bei dem Wetter jagte man noch nicht mal einen Hund vor die Tür und ich tat das auch noch freiwillig, weil ich mich um Ezio sorgte.

 

Schade dass er hetero war, denn es schien mich ganz schön erwischt zu haben, so wie ich mich um ihn sorgte. Ich verliebte mich einfach viel zu schnell und diesmal auch noch unglücklich. Vielleicht geschah mir das recht.

 

Schnell erreichte ich mein Auto und fuhr zu der angegebenen Adresse. Natürlich fand ich keinen Parkplatz vor der Tür und rannte somit die paar Meter von meinem Auto bis zur angegebenen Adresse.

 

Wie ein begossener Pudel klingelte ich und hoffte auf schnellen Einlass.

 

*-*-*

 

Nachdem wir aufgelegt hatten machte ich mich daran den Tee für Flow, wie ich es ihm versprochen hatte, zuzubereiten, während ich auf ihn wartete.

 

So ganz langsam versiegten meine Tränen auch wieder, nach seinen Worten, die mich schon etwas beruhigt hatten, dennoch nagte noch immer mein schlechtes Gewissen an mir.

 

Nur wenig später hörte ich es an der Tür klingeln, doch war ich leider nicht schnell genug, so dass Sascha die Tür öffnete und Flow freudestrahlend begrüßte.

 

"Hey, da bist du ja!", freute sich Sascha und wäre am Liebsten in die Luft gesprungen... oder besser noch... Flow am Liebsten um den Hals gefallen.

 

Nur sehr langsam kam ich aus der Küche und beobachtete die Szene in einem gebührenden Abstand... wollte nicht stören... auch wenn ich wusste, dass es ja eigentlich mein Besuch war. Aber mich jetzt dazwischen zu drängen... brachte ich einfach nicht fertig... wollte weder Sascha noch Flow enttäuschen oder ihnen weh tun.

 

*-*-*

 

Okay, damit hatte ich nun nicht gerechnet, dass Sascha mir die Tür aufmachen würde. Eigentlich hätte ich ihm auch seine Sachen mitbringen können, doch vor lauter Sorge hatte ich auch daran nicht gedacht.

 

''Hey, Sascha. Ja, da bin ich, nur wollte ich nicht zu dir'', begrüßte ich ihn und mir fiel es schwer seine Euphorie so niederschmetternd abzuwehren. Irgendwie war es eine komische Situation.

 

''Wir reden später oder wie abgemacht morgen, ja'', entschuldigte ich mich und schob mich an Sascha vorbei, hatte ich Ezio doch bereits bemerkt.

 

Ich hatte Mühe, den Mann der dort mit etwas Abstand zu uns stand, nicht einfach in meine Arme zu ziehen und ihm tröstend über den Rücken zu streicheln. Das wäre Sascha gegenüber nicht fair gewesen.

 

''Hey Ezio'', begrüßte ich ihn stattdessen, ''Ich hoffe inständig du hast Tee fertig und ein Handtuch wäre auch toll.''

 

Dabei schlüpfte ich aus meinen Schuhen, die ich an die Seite stellte und ging meine ziemlich feuchte Jacke an die Heizung. Als wäre ich hier zu Hause, ging es mir durch den Kopf.

 

*-*-*

 

Etwas scheu sah und hörte ich, was Flow sagte und tat... dann auf mich zu kam und ich ihm zunickte.

 

Sascha sah Flow komisch und sehr misstrauisch nach, schloss dann aber die Tür und verkrümelte sich in sein Zimmer, nachdem er Flow einwilligend zugenickt hatte.

 

"Hey Flow.", begrüßte ich meinen Gast und ging sogleich ins Bad, wo ich aus dem Schrank ein frisches, großes Badetuch holte und es Flow sacht um die Schultern legte.

 

"Kommst du mit in die Küche? Ich habe den Tee dort serviert. Wir... also... wir können aber auch... ins Wohnzimmer gehen, wenn dir das lieber ist.", stammelte ich etwas vor mich hin, während ich noch einige Tränen mit dem Ärmel abwischte.

 

Dass sich Flow wie zuhause hier fühlte, freute mich und so ließ ich ihn machen.

 

*-*-*

 

Ich lächelte Ezio an, als er mir so lieb ein Handtuch um die Schultern legte. Sogleich wuschelte ich damit meine Haare trocken.

 

''Dabei hatte ich eben erst geduscht'', scherzte ich.

 

Es war gut, dass Sascha in sein Zimmer gegangen war und so beschloss ich, wir könnten ruhig in die Küche gehen.

 

''Wenn du den Tee dort serviert hast, lass uns ruhig in die Küche'', meinte ich und als Ezio sich Tränen aus den Augen wischte, konnte ich nicht anders. Langsam ging ich auf ihn zu und nahm ihn in die Arme.

 

''Alles ist okay. Du brauchst dich nicht schuldig zu fühlen, okay'', sprach ich, wobei ich sanft meine Arme um ihn schlang und seinen Rücken streichelte. Ich konnte gar nicht anders.

 

''Das Einzige, was ich dir übel nehme, ist dass du nicht auf Männer stehst'', neckte ich ihn ein wenig. Dabei steckte da soviel Wahrheit hinter, denn ich war diesem Mann schon total verfallen. Mir war es noch nie passiert, dass ich mich in einen Hetero verknallt hatte.

 

*-*-*

 

Ich nickte noch auf Flows Einwilligung hin, jedoch bevor ich mich mit Flow auf den Weg in die Küche machen konnte, umarmte er mich so lieb und... herrje... sanft, dass ich mich doch glatt an ihn lehnte und es genoss, dass Flow mich streichelte.

 

"Aber... mir... tut es wirklich leid und nun... heule ich dir noch die Ohren voll und du ...bist jetzt auch noch wegen mir hier... nur weil ich eine Heulsuse bin und du mich jetzt zu trösten versuchst... mir tut das alles so unendlich leid.", stammelte ich noch ein wenig schluchzend.

 

"Ich hab dich gar nicht verdient...", flüsterte ich so leise, dass es kaum hörbar war.

 

Aber dann hörte ich was er noch zu mir sagte... es klang wie ein Scherz und ich wusste auch, dass es sicher einer war... aber... nun hatte ich da auch wieder ein schlechtes Gewissen... weil ich nicht so sein konnte, wie sich Flow das wünschte.

 

"Verzeih mir... bitte.... es tut mir leid.", antwortete ich auf seinen Scherz hin, den ich durchaus auch etwas ernster nahm, wusste ich doch, dass er irgendwie von mir fasziniert war... meine Beobachtung in der Bar und unser Gespräch.... hatten mir alles gesagt.

 

Nur würde ich wirklich schwul werden können...?

 

War es nicht eigentlich so, dass man entweder schwul war oder eben nicht...?

 

*-*-*

 

Langsam zog ich Ezio in die Küche, da ich mich irgendwie hier so wie auf einem Präsentierteller fühlte. Es tat gut, wie Ezio sich in die Umarmung schmiegte und ich genoss es sehr.

 

Am Meisten nahm ich seine Worte 'Ich habe dich gar nicht verdient' in mir auf.

 

''Schhhh... alles gut. Ich mache das gerne!'', bestätigte ich ihm. Viel zu gerne!, '' Außerdem verzeihe ich dir.''

 

Ich hielt ihn einfach nur sanft in meinen Armen und genoss seine Nähe, seinen angenehmen Geruch, als mir eine Eingebung kam, die viel zu schnell ausgesprochen werden wollte.

 

''Vermutlich fällt dir alles so schwer, weil...'', sprach ich und brach mitten im Satz ab.

 

''Nein, nein, nein... vergiss es... ist nur Wunschdenken'', brabbelte ich weiter und drückte Ezio an mich.

 

Wenn Sascha sein bester Freund war, würde er sich eher quälen, als etwas mit mir anzufangen. Er würde Sascha den Vortritt lassen und selbst dann, würde er vermutlich nur schwer seinen Gefühlen folgen können, zumal ich ja auch ein Mann war. Wunschdenken! Sag ich ja.

 

*-*-*

 

Wie schön es gerade war... mich an Flow zu schmiegen, mich von ihm streicheln zu lassen und da störte es mich auch nicht, dass er mich mehr oder weniger mit in die Küche zog. Außerdem war es mir so ja auch lieber.

 

Ruhig hörte ich Flow zu... was er sagte... freute mich, dass er mir tatsächlich vergab und mich gern tröstete.

 

Sicher, ich wusste warum er das hier gern tat... weil er sehr wahrscheinlich auf dem besten Wege war sich in mich zu verlieben. Nur würde ich ihn auch irgendwann lieben können?

Was ich hier zuließ... nur allzu gern zuließ... hätte ich mir von niemand anderem gefallen lassen, denn normalerweise, war ich eine regelrechte Mimose, wenn mich wer in die Arme nehmen und streicheln wollte.

 

Aber hier mit Flow... es war angenehm und so schmiegte und kuschelte ich mich richtig an ihn heran... hatte ich vielleicht doch eine schwule Ader... vielleicht so eine ganz Kleine...?

 

Doch dann hörte ich Flow weiter zu und es wunderte mich gar nicht, dass er den Satz abgebrochen hatte. Es war doch meine Schuld, weil ich ihm zu verstehen gegeben hatte, dass ich "angeblich" hetero wäre.

 

So murmelte ich leise vor mich hin: "Du kannst es ruhig aussprechen. Ich beiße dich sicher nicht... zudem kann ich mir schon denken was du für mich fühlst... vielleicht ist es ja doch kein Wunschdenken...", wobei ich seinen tollen Geruch in mich aufnahm, als sei es der Sauerstoff, den ich so dringend zum Atmen brauchte. Mein Gesicht vergrub sich schon in seinen Sachen, während ich meine Arme nun auch um ihn schlang und mich streichelnd an ihm festhielt... so als wollte ich ihn gar nicht mehr loslassen...

 

In der Zwischenzeit tigerte Sascha in seinem Zimmer herum... unruhig war er... warum, zum Geier wollte Flow zu Ezio und nicht zu ihm?

 

Hatte Ezio ihn – Sascha – nicht raus geschickt... weil er allein sein wollte?

 

Ahhh... jetzt verstand Sascha... Ezio wollte nur aus einem Grund allein sein, weil er Flow anrufen und ihn als Tröster haben wollte! Wie lange die Beiden wohl schon was miteinander hatten?! Womöglich hatten beide ihn ordentlich übern Tisch gezogen und ihn verarscht!

 

Na wartet!

 

Wie eine wild gewordene Furie verließ Sascha sein Zimmer, eilte den langen Flur entlang und stürmte in die Küche... wo ihm der Anblick, den die Beiden ihm hier boten... alles sagte.

 

"Ach so, ist das also! Hab ichs mir doch gedacht! Nein, nein, ihr braucht mir nichts zu erklären... ich will nichts hören! Ihr seid beide so erbärmlich... echt... dazu fällt mir nichts mehr ein!", wütete Sascha, während ich mich nur ein wenig von Flow löste und Sascha traurig ansah... noch etwas sagen wollte doch von Sascha unterbrochen wurde.

 

"Ezio... du bist die längste Zeit mein Freund gewesen... wenn man so was wie dich überhaupt Freund nennen kann... hintergehst mich... man, man, man... dazu fällt mir nichts mehr ein.", eine kurze Pause folgte, dann wütete er auch Flow an: "Und mit dir habe ich meine Zeit auch nur vergeudet. Wisst ihr was... macht was ihr wollt, aber lasst mich ein für alle Mal in Ruhe!

 

Keine Sorge.... ich gehe und überlasse den Turteltäubchen das Nest! Mich seht ihr nicht mehr wieder!... ach ja, viel Spaß noch euch beiden, beim andere abknutschen und anderen an den Hintern fassen... man, ihr seid so... ihgitt... da fällt mir kaum noch was ein!", mit diesen Worten verließ Sascha die Küche, hinter sich die Tür geräuschvoll schließend, die dann krachend ins Schloss fiel.

 

Er hatte uns nicht einmal die Chance gelassen uns zu erklären... dann hörte ich auch schon die Wohnungstür und schaute Flow an... traurig... mit Tränen in den Augen, die schon bald über meine Wange liefen und ich mich nun noch mehr an ihn schmiegte.

 

"Warum? Was hab ich ihm denn getan? Ich wollte euch doch nicht weh tun... ich wollte doch nur....", weiter kam ich nicht... da mich die Tränen einfach so überrollten und mich nicht weiterreden ließen... während sich meine Hände hilfesuchend an Flow festkrallten...

 

*-*-*

 

Also hatte ich doch recht gehabt mit meiner Vermutung und es war vielleicht kein Wunschdenken. Natürlich erwiderte ich Ezios Umarmung und genoss es ebenfalls ihn zu streicheln. Der Tee war mittlerweile gewiss schon kalt, doch das störte mich gerade wenig. Sich so wärmen zu lassen, war viel schöner.

 

Jedoch hätte ich mir ja denken können, dass es hier nicht so himmlisch bleiben würde. Saschas Ansprache nahm ich mit offenem Mund wahr. Sicher, für einen Außenstehenden wie ihm, der mich wahrscheinlich immer noch liebte, war es eine zweideutige Situation und ich konnte es ihm nicht mal übel nehmen, wie er dachte.

 

Immerhin hatte ich ihm allen Anstoß dazu gegeben.

 

Nachdem Sascha gegangen war und Ezio nun auch noch zu weinen begann, konnte ich mich für alles was ich getan hatte verfluchen.

 

''Schh... hey, nicht weinen. Wir kriegen das alles hin! Gemeinsam! Hörst du'', sprach ich beruhigend auf meinen Freund ein.

 

Ich setzte mich auf einen Stuhl und zog Ezio mit mir, auf meinen Schoß. Dann kramte ich nach meinem Handy und suchte Jonnys Nummer.

 

Kurz erzählte ich ihm, was geschehen war und hoffte inständig, dass Sascha in seine Richtung gehen würde. Jonny hatte gerade Feierabend und war dabei aufzuräumen. Wenn alles gut ging, würde Sascha bei ihm aufkreuzen und Jonny, der würde ihn gewiss gerne trösten. Er hatte mich schon vor ein paar Wochen um Sascha beneidet, als ich mit ihm zusammenkam.

 

Jonny war 25 Jahre alt und hatte blonde kurze Haare und blaue Augen. Er war so groß wie Sascha und ein ganz Lieber eben.

 

Ich wollte die Zwei nicht verkuppeln, sondern nur, dass Sascha jemanden hatte, wo er erst mal bleiben konnte und mit dem er reden würde.

 

''So, ich hoffe, ich kenne meinen Ex gut genug und er geht in die Bar zu Jonny. Den habe ich jetzt eingeweiht. Du kennst ihn. Der Barkeeper, wo wir waren. Er hat versprochen mich auf den Laufenden zu halten und wenn sich alles etwas gelegt hat, werden wir in aller Ruhe nochmal mit Sascha reden. Ob er uns dann glaubt oder nicht, muss er selber entscheiden.

 

Wenn alles gut geht, wird er jetzt in die Bar gehen und sich von Jonny trösten lassen. Er kann auch bei ihm schlafen, da Jonny ein Gästezimmer hat.

 

Also hör bitte auf zu weinen, Sascha ist manchmal sehr hitzköpfig und kindisch. Aber das solltest du genauso gut wissen, wie ich'', meinte ich zu Ezio und wischte sanft seine Tränen mit den Fingern fort.

 

*-*-*

 

Langsam versiegten meine Tränen, nachdem ich Flow aufmerksam zugehört und ab und an verstehend genickt hatte.

 

Irgendwie war es nun schon ein sehr seltsames Gefühl auf seinem Schoß zu sitzen, so dass sich mein Körper ein ganz kleines Bisschen versteifte... warum auch immer.

 

Sicher, es war eine ungewohnte Situation für mich, und dass Sascha so eine Ansprache hier gehalten hatte, machte die Sache nun auch nicht unbedingt einfacher. Dennoch ließ ich mir von Flow die Tränen abwischen und schloss dabei genießend die Augen... da es sich schon irgendwie gut anfühlte.

 

"Du hast ja Recht, aber... sonst war Sascha nie so... ich kenne ihn so nicht. Aber wenn er jetzt jemanden hat bei dem er sich aussprechen kann... gut", erwiderte ich leise und beruhigte mich nun auch langsam wieder... ließ das Wort... "Gemeinsam" erst einmal durch meinen Kopf sickern.

 

In der Zwischenzeit war Sascha tatsächlich auf dem Weg zur Bar, die er auch schon bald erreichte und sogleich betrat.

 

Traurig, wütend und enttäuscht setzte er sich an die Bar auf den Barhocker... doch schwieg er... konnte das alles irgendwie noch nicht so wirklich begreifen... geschweige denn verdauen.

 

*-*-*

 

Natürlich spürte ich, dass Ezio sich versteifte, doch ließ ich sanft meine Arme um ihn geschlungen. Für einen Moment hatte ich vergessen, wie neu die Situation für ihn war. Doch es tat gut, zu sehen, dass Ezios Tränen versiegten.

 

''Keine Sorge, ich fresse dich nicht auf'', meinte ich, um ihn zu beruhigen.

 

''Was hältst du davon, wenn wir es uns jetzt gemütlich machen und ich uns einen neuen Tee mache?'', schlug ich dann vor, eben als wäre ich hier schon zu Hause.

 

Immerhin wollte ich Ezio näher kennenlernen und mehr über ihn wissen. Dabei konnten wir es uns gemütlich machen und endlich einen Tee genießen, damit ich wieder warm wurde. Ich hielt das für eine ganz gute Idee, vor allem auch um auf andere Gedanken zu kommen.

 

Währenddessen in der Bar, hatte Jonny Sascha erst mal platz nehmen lassen. Er war soweit fertig mit aufräumen und sauber machen, konnte sich deshalb voll und ganz auf den Kleinen konzentrieren.

 

''Hallo Sascha, was darf ich dir denn bringen?'', versuchte er es erst mal ganz normal. Er wollte sich nicht aufdrängen und seinem Gast erst mal etwas zu Trinken bringen.

 

Die Bar hatte noch gut eine halbe Stunde geöffnet, allerdings war es schon leer, so dass die Zwei nicht gestört werden würden. Kurz nachdem Sascha platz genommen hatte, war Jonny zur Tür gegangen und hatte das Geschlossen-Schild umgedreht und abgeschlossen.

 

Er wollte Sascha nicht einsperren, war aber der Meinung es wäre besser ein ungestörtes Gespräch zu führen, sofern Sascha sich ihm anvertrauen wollte.

 

*-*-*

 

Mit einem Schmunzeln vernahm ich Flows Worte und nickte zwar einwilligend, doch wollte ich es sein, der neuen Tee machte.

 

Dass Flow seine Arme sanft um mich schlang ließ ich zwar zu, aber ich würde mich daran wohl wirklich erst gewöhnen müssen... es war neu und ungewohnt und es war zudem ein Mann, der mich umarmte und auf dessen Schoß ich saß. Sonst waren es immer Frauen bzw. Mädels, die ich auf meinem Schoß zu sitzen hatte... und die ich umarmte.

 

Seltsame Situation... sehr seltsam.

 

"Lass mal, ich mach uns noch einen Tee und du kannst ja inzwischen schon ins Wohnzimmer gehen und es dir gemütlichen machen. Okay?", antwortete ich und erhob mich dann auch schon, um mich zu betätigen.

 

So setzte ich nun das Wasser auf, nahm die beiden Tassen und stellte sie in den Abwasch, nachdem ich den, nunmehr kalten, Tee weg gegossen hatte. Zwei etwas größere Tassen nahm ich sogleich aus dem Schrank und auch den Tee dazu, wobei ich Flow fragte ob er besondere Wünsche, den Tee betreffend, hätte.

 

Alsdann tat ich zwei Teebeutel in die Tassen und wartete darauf, dass das Wasser kochte...

 

Völlig fertig mit den Nerven bestellte Sascha bei Jonny ein großes Bier und einen doppelten Whiskey. Beides würde er jetzt dringend brauchen.

 

Jedoch reden wollte er erst mal nicht, starrte nur vor sich hin. Was Jonny noch so nebenher tat war ihm vollkommen gleich... es störte ihn nicht.

 

Dass Flow ihn hinterging war ja klar... und das kannte er ja nun auch nicht anders... aber dass nun auch sein bester Freund so falsch zu ihm war... konnte er nicht begreifen. Sollte er sich so in Ezio getäuscht haben? War Ezio vielleicht nur darauf aus gewesen sich an Flow heran zu machen?

 

Ja, so musste es gewesen sein... denn etwas anderes konnte sich Sascha gerade nicht vorstellen.

 

Nun, sehr traurig... sich von Gott und der Welt verraten und verlassen fühlend... schaute Sascha ins Bierglas, während ihm eine Träne ungewollt über die Wange rann...

 

*-*-*

 

Natürlich ließ ich Ezio den Tee zubereiten, bei dem ich keine besonderen Wünsche hatte. Also ging ich schon mal nach drüben ins Wohnzimmer und schaute mich ein Bisschen dort um, bevor ich platz nahm.

 

Ezio hatte es sehr gemütlich eingerichtet und ich fühlte mich hier wohl. Während ich auf meinen Freund wartete, trocknete ich meine Haare mit dem Handtuch ab. Natürlich machte ich mir auch Gedanken um Sascha.

 

Als dann eine Nachricht von Jonny kam, war ich schon mal etwas erleichtert. Sascha war schon mal in der Bar und Jonny ließ ihm Zeit sich zu sammeln.

 

In der Zwischenzeit hatte Jonny kurz eine SMS versendet, damit seine Freunde Bescheid wussten. Er würde Sascha nicht in den Rücken fallen und keine Details über irgendwelche Gespräche verraten. Ihm ging es jetzt nur darum, dass die Zwei beruhigt waren. Ansonsten käme ihm dieses Vorhaben hier falsch vor und er wollte Sascha nicht hintergehen oder aushorchen, lediglich helfen.

 

Als ihm die Träne auffiel, die Sascha über die Wange lief, nahm er eine Tempobox und ging um den Tresen rum. Er hatte sich auch etwas zu Trinken mitgenommen und setzte sich neben Sascha.

 

Schweigend schob er die Taschentücher rüber zu ihm und trank ein paar Schlücke.

 

''Sorgen?'', fragte er nach einer gefühlten Ewigkeit, in der er sich zwingen musste, Sascha nicht an sich zu reißen, um ihn zu trösten.

 

''Wenn du nicht drüber reden willst, brauchst du es nicht. Falls du für heute Nacht eine Bleibe suchst, um Nachdenken zu können, kann ich dir gerne mein Gästezimmer anbieten. Gerne auch für länger. Natürlich ohne irgendwelche Hintergedanken...'', sprach Jonny ruhig weiter und ihm waren die letzten Worte wichtig.

 

*-*-*

 

In aller Ruhe bereitete ich den Tee zu, stellte die Tassen auf ein Tablett, ein paar Kekse, Zucker und Teelöffel tat ich ebenfalls drauf, dann ließ ich die ganze Situation noch ein wenig auf mich wirken.

 

Über mich konnte ich nur noch den Kopf schütteln, denn ich fühlte mich schlecht und wie ein elender Verräter... Sascha gegenüber. Nein, Flow konnte nichts dafür... der Schuldige war allein ich.

 

Ja, ich... denn ich hatte Sascha doch den Vorschlag mit dem Lockvogel gemacht.. ich war es, der sich nun so bereitwillig von Flow trösten ließ... und war ich somit nicht der eigentlich treibende Keil?!

 

Definitiv... Ja!

 

Aber was sollte ich jetzt tun... mein Kopf sagte, dass es falsch wäre, was ich hier tat... aber mein Herz tendierte viel mehr zu Flow, als ich mir zur Zeit eingestehen konnte. Durfte ich so überhaupt glücklich sein...?!

 

Hatte ich Flow oder auch Sascha überhaupt verdient...? Nein...

 

Schließlich brachte ich das Tablett ins Wohnzimmer, wo auch schon Flow wartete und sich hingesetzt hatte. Das Tablett stellte ich auf dem Tisch ab und räumte das Tablett ab... wobei ich alles auf den Tisch und das Tablett dann neben die Couch stellte.

 

Sodann setzte ich mich zu Flow auf die Couch und bedachte ihn mit einem fast schon sehnsüchtigen Blick... au man... und so was kam nun ausgerechnet von mir... toll, Ezio.,.. wirklich toll.

 

In der Zwischenzeit hatte Sascha nun auch schon auf Jonny reagiert, sich ein Taschentuch genommen und sich diese verdammte Träne abgewischt.

 

Sagen konnte er noch immer nichts, doch nickte er dankbar in Jonnys Richtung. Wieder schaute Sascha in sein Bierglas, während er das Taschentuch in seiner Hand hielt und es knetete.

 

Leise meinte er dann nur: "Ich will nicht reden... aber für die Nacht was zum Pennen... wäre toll... danke.", dann trank er den Whiskey und spülte das Bier hinterher... ja... so war es gut.

 

Enttäuscht war er und vertraute nun niemandem mehr... wem sollte er denn jetzt auch noch vertrauen...???

 

*-*-*

 

Als Ezio mit dem Tee und den Keksen kam, musste ich schmunzeln. Wie er mich anschaute, hätte mir spätestens jetzt gezeigt, dass er mehr wollte, als nur mein Freund sein.

 

''Du willst mich wohl mit Keksen locken'', neckte ich ihn und hoffte die Stimmung etwas auflockern zu können.

 

Mein Arm lag locker auf der Lehne der Couch und Ezio saß nicht weit entfernt. Ich hätte ihn mit meiner Hand durchaus berühren können, doch beließ ich es erst mal dabei.

 

''Eigentlich wollte ich dich auf andere Gedanken bringen, aber nun muss ich doch nachhaken. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, mir eine Falle zu stellen und vor allem, was genau hattet ihr vor?'', wollte ich wissen.

 

Es war meine Neugierde, die mich trieb und böse war ich nicht. Wäre das nicht geschehen, hätte ich Ezio womöglich nie kennengelernt.

 

Natürlich dachte ich auch kurz an Sascha, ob es ihm gut ginge und ob wir ihn anrufen sollten. Vielleicht würde er ja doch mit sich reden lassen?

 

Jonny war froh, dass Sascha sein Angebot annahm und ging schon mal ein paar Lichter löschen.

 

''Na, dann komm'', meinte Jonny freundlich zu Sascha.

 

Weit mussten sie ohnehin nicht. Er wartete noch auf Sascha, bevor er alles aus machte und sie herausließ, um die Tür erneut, aber dieses mal von außen abzuschließen.

 

''Es ist gleich da drüben. Wenn du magst, kann ich noch etwas zu Essen warm machen'', schlug Jonny vor, obwohl er ahnte, dass Sascha eher keinen Hunger hatte.

 

Als sie dann bei ihm ankamen, schloss Jonny die Tür auf und ließ sie eintreten. Er hatte zwar eine kleine Wohnung, aber sie war gemütlich und einladend. Jacke und Schuhe zog er sich aus und zeigte Sascha das Gästezimmer, gab ihm Handtücher und frische Bettwäsche, bevor er in die Küche ging und etwas Tee kochte.

 

''Oder möchtest du lieber noch ein Bier? Habe ich auch da?'', fragte er Sascha, quer über den Flur rufend.

 

''Das Bad findest du direkt gegenüber und nebenan ist mein Schlafzimmer, sollte etwas sein. Zum Wohnzimmer kommst du nur durch die Küche. Es ist nicht groß, aber für einen alleine reicht es'', natürlich versuchte Jonny Sascha etwas abzulenken.

 

Kurz schrieb er eine SMS, um zu sagen, dass Sascha vorerst die Nacht bei ihm blieb.

 

*-*-*

 

"Was? Ähm... nein... ich... will dich nicht... mit...", stotterte ich vor mich hin und hätte sogar vergessen wer ich bin... Heiliger... das konnte doch nun wirklich nur mir passieren... verdammt!

 

Jetzt krieg dich doch mal wieder ein, Ezio... sonst setzt es was... ermahnte ich mich gedanklich.

 

Glücklich vernahm ich Flows Worte und seine Frage... denn nun war ich tatsächlich abgelenkt... und mein Hirn musste seine Arbeit wieder aufnehmen.

 

So antwortete ich ihm:

 

"Na ja, er hat mir alles erzählt... halt, das mit dem Typen, dem du wohl an den Hintern gefasst hast... usw. na ja... und... da hatte ich eben die Idee dir einen Denkzettel zu verpassen, weil er mir doch auch so leid tat. Ich wollte eben den Lockvogel spielen, dich anlocken und wenn du dich dann so richtig in mich verknallt hättest... hätte ich eben genauso gehandelt, wie du ...andere knutschen usw... um dich anschließend fallen zu lassen.

 

Dass nun alles so sehr viel anders gekommen ist und ich ein schlechtes Gewissen bekommen würde, damit habe ich nicht gerechnet... weil... na ja, ich fand dich eben so lieb und... scheiße... man... mir tut das alles voll leid... echt. Und ich wünschte ich hätte diesen Vorschlag nicht gemacht.

 

Es war eben einfach nicht richtig von mir.", mit diesen Worten senkte ich meinen Kopf wieder, denn mir war es unangenehm. Jetzt hier mit Flow zu sitzen... hatte ich doch eigentlich gar nicht verdient.

 

Sascha hatte zu allem nur genickt... sagte nichts mehr... nur eines sagte er... "Nein, danke, ich habe keinen Hunger und ich will auch kein Bier. Danke trotzdem.", mit diesen Worten verschwand er im Gästezimmer und schloss sich dort ein.

 

Er wollte niemanden mehr sehen und auch nichts mehr hören.

 

Natürlich war er Jonny sehr dankbar für alles... doch konnte er es ihm jetzt gerade nicht so zeigen, wie er es gewollt und es sich eigentlich gehört hätte. Dazu war er eben einfach zu fertig und konnte so auch nicht abgelenkt werden

 

Sein Herz war gebrochen... seine Augen brannten vor Müdigkeit und den Tränen, die ihm immer wieder über das Gesicht liefen.

 

*-*-*

 

Wie süß Ezio reagierte, ließ mich nur noch mehr schmunzeln. Ich musste mich arg zusammennehmen ihn nicht einfach zu küssen. So niedlich war er!

 

''Weißt du, ich habe echt Mist gebaut mit diesem Typen. Das weiß ich. Aber selbst wenn du andere geküsst hättest, wäre es mir egal gewesen, solange es nur ein Kuss ohne Zunge wäre. Ich küsse viele zur Begrüßung.

 

Für mich hat alles eine Grenze und wenn man es in Ruhe bespricht und klärt, sollte man es doch geregelt bekommen'', erklärte ich.

 

Dabei streichelte ich sanft über Ezios Schulter und lächelte ihn sanft an. Um keinen Preis wollte ich ihn vergraulen, nur weil ich in der Hinsicht sehr offen war.

 

''Also Sascha ist jetzt bei Jonny'', meinte ich dann, als ich eine SMS bekam, ''Denkst du, wir sollten da vielleicht mal anrufen?''

 

Wenn wir Glück hatten, würde Sascha an sein Handy gehen. Denn auch ich fühlte mich schlecht.

 

''Wir haben Beide Mist gebaut und sollten den Ärmsten versuchen aufzuklären. Wenn er uns nicht glauben will, dann haben wir es wenigstens versucht!'', meinte ich dann.

 

Liebevoll beugte ich mich rüber zu Ezio und küsste ihn aufs Ohr.

 

''Oder möchtest du lieber etwas Zweisamkeit genießen'', meinte ich lüstern, aber scherzeshalber, um Ezio noch mehr zu necken.

 

Ich konnte es einfach nicht lassen, so süß wie er war.

 

Jonny machte sich unterdessen etwas zu Essen und sorgte sich ein Wenig um seinen Gast. Aber was sollte er machen?

 

*-*-*

 

Okay, diese Antwort überraschte mich jetzt nun doch. Es hätte ihm also nichts ausgemacht... hmm... was für ein Mensch war Flow und würde ich mit dieser... seiner Art zurecht kommen?

 

Ich wusste es nicht, denn eigentlich hielt auch ich sehr viel von Ehrlichkeit, Offenheit und vor allem... Treue.

 

"Ich verstehe", gab ich erst einmal von mir... nicht wissend wie ich mit dieser Antwort umgehen sollte.

 

Dass Flow meine Schulter so liebevoll und sanft streichelte ließ ich zu... fand es schön... und doch dachte ich nach.

 

"Wir sollten uns um Sascha kümmern... nur weiß ich nicht, ob er nicht vielleicht jetzt seine Ruhe haben will und ich mein, vielleicht sollte auch erst mal etwas Gras über die Sache wachsen.

 

Hmm... andererseits mache ich mir auch schon ein wenig Sorgen um meinen Freund. Rufen wir ihn also an... ich meine es wird wohl besser so sein.", gab ich zur Antwort... ging aber nun nicht so wirklich auf sein Necken ein... obgleich ich es verstanden und voll süß gefunden hatte. Nur jetzt machte ich mir schon so meine Gedanken um Sascha.

 

In der Zwischenzeit hatte sich Sascha auf das Bett gelegt und weinte nur noch. Es tat so weh... zu wissen, dass man betrogen wurde... von einem Freund wie Ezio... dem er alles, nur das niemals zugetraut hätte.... so der doch genau wusste, wie sehr Sascha Flow noch immer liebte.

 

*-*-*

 

''Schauen wir einfach mal, ob Sascha überhaupt abnimmt. Dann werde ich mal mein Glück versuchen'', meinte ich.

 

Daraufhin nahm ich mein Handy und wählte Saschas Nummer, stellte aber auch auf Lautsprecher, damit Ezio alles mitbekommen würde.

 

Dass mein Freund mich vielleicht falsch verstanden hatte, was das Küssen betraf, wusste ich nicht. Wir würden aber sicherlich noch einmal darauf zurückkommen zu reden.

 

Bevor sein Handy jedoch klingelte, klopfte Jonny ans Gästezimmer. Er wollte Sascha zumindest einen Tee bringen und ihm vielleicht eine tröstende Schulter bieten.

 

*-*-*

 

Ich nickte nur, auf Flows Vorschlag hin, nahm die Tasse in die Hand und trank schon mal einen Schluck... auch nahm ich mir einen Keks und aß diesen genüsslich.

 

Natürlich hoffte ich, dass Sascha abnehmen würde... jedoch wusste ich auch, wie stur Sascha sein konnte und wenn der erst mal beleidigt oder gar verletzt war... nun, dann war an ihn kein herankommen.

 

Zwar hatte Sascha das Klopfen an seiner Tür vernommen, doch reagierte er nun auf eine Art und Weise: "Ich will nichts... lass mich bitte in Ruhe...", damit verstummte er... als dann auch noch sein Handy zu klingeln begann und er auf dem Display sah, wer ihn anzurufen versuchte... platzte ihm der Kragen...

 

Er nahm ab und brüllte verletzt ins Telefon: "LASST MICH ALLE IN RUHE!!! HABT IHR MIR NICHT SCHON GENUG ANGETAN?!"

 

*-*-*

 

Jonny verstand und beließ es dabei. Er ging ins Wohnzimmer, wo er noch etwas fern sah. Aufdrängen wollte er sich nämlich nicht.

 

''Sascha, jetzt bleib mal locker'', begann ich ganz ruhig zu sprechen. Immerhin kannte ich seine Ausbrüche zu Genüge.

 

''Du lässt uns ja nicht einmal die Möglichkeit etwas zu erklären. Wenn du es so willst, leg auf und wir lassen es für heute. Aber gib uns die Möglichkeit etwas klar zu stellen. Es muss nicht jetzt sein, aber es wäre schön, irgendwann die Chance zu bekommen.

 

Niemand hat dich hintergangen und keiner möchte dir etwas Böses! Wir schon gar nicht. Ganz im Gegenteil, machen wir uns sogar Sorgen um dich'', fuhr ich genauso ruhig fort.

 

Ich ließ ihm die Wahl, wenn er für heute seine Ruhe wollte, sollte es so sein. Ezio konnte ich immerhin gerne weiterhin Gesellschaft leisten. Vielleicht würde er sich damit besser fühlen.

 

*-*-*

 

Zwar hörte Sascha was sein Ex da laberte und hörte es sich auch bis zum Schluss an... doch sagte er nichts... drückte stattdessen nur auf den roten Knopf und knallte das Handy an die Wand, wo es vollkommen auseinander fiel.

 

Er hatte so die Faxen dicke und wollte niemanden mehr sehen.. und glauben... würde er eh niemandem mehr. Tze, was glaubten die Beiden eigentlich wer er war... glaubten die echt, sie könnten es mit ihm machen... Pustekuchen... einen dicken Daumen würde er ihnen zeigen.... und sie könnten ihm mal den Buckel runter rutschen!

 

Für ihn war das Thema ein für alle Mal gegessen.

 

Er stand schließlich auf, verließ das Zimmer und suchte nach Jonny, den er im Wohnzimmer vorfand.

 

Leise betrat er es und setzte sich in einen der Sessel.

 

Erst nach einer Weile begann er leise mit Jonny zu reden:

 

"Ich... verzeih mir bitte... es tut mir leid. Ich würde jetzt doch gerne einen Tee trinken und... vielleicht auch reden... bitte.", dann schaute er auf den Boden, als wäre dieser besonders interessant.

 

Laut und deutlich hatte ich mitbekommen, wie Sascha ausgerastet war... nun, damit hatte ich leider schon gerechnet... kannte ich ihn doch schon lange genug.

 

Schuldbewusst schaute ich Flow nun an... wissend, dass ich richtig Scheiße gebaut hatte.

 

"Wir sollten ihn vielleicht wirklich erst mal in Ruhe lassen, dann wird er sich bestimmt... auch wieder beruhigen.", meinte ich sehr ruhig, aber liebevoll zu meinem Freund... ihn sanft anlächelnd.

 

*-*-*

 

Jonny war überrascht Sascha bei sich zu sehen, ließ ihn aber ruhig platz nehmen und wartete geduldig. Sicher hatte er ihn schreien gehört und den Knall des Telefons vernommen, allerdings konnte er sich seinen Teil denken und war nicht eingeschritten.

 

''Sicher doch'', sprach er freundlich, ''Gar kein Problem.''

 

Er stand auf und holte eine weitere Tasse aus der Küche, da er eine ganze Kanne gemacht hatte. Diese stellte er vor Sascha hin, schob Zucker und Milch zu ihm rüber und schenkte etwas Tee ein.

 

Dann schaltete er den Fernseher aus und setzte sich auf die Ecke des Sofas, die an den Sessel grenzte.

 

''Du musst dich für nichts entschuldigen. Wenn man wütend oder traurig ist oder enttäuscht von der ganzen Welt, tut und sagt man Dinge, die man im Nachhinein nicht so meint'', sagte Jonny, bevor er schwieg und Sascha so die Möglichkeit gab zu reden.

 

In der Zwischenzeit nickte ich Ezio zustimmend zu.

 

''Du hast vermutlich recht. Lassen wir ihm Zeit. Er ist nicht alleine und wir sollten uns nicht mehr einmischen. Und bevor du dir wieder die Schuld zuschiebst. Ich bin genauso schuld. Immerhin hätte ich daran denken müssen, dass Sascha hier bei dir ist und nicht einfach herkommen sollen'', meinte ich und streichelte liebevoll Ezios Wange.

 

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So ganz langsam kam Sascha wieder runter und beruhigte sich. Jonnys Gegenwart und dessen ruhige Art taten Sascha gut. Es störte ihn auch nicht, dass sich Jonny etwas in seine Nähe setzte.

 

"Dankeschön.", meinte er erst mal nur, bevor er die Tasse an sich nahm und diese mit seinen Händen umfasste, als wollte er sich dran wärmen... während er den Worten seines Freundes lauschte.

 

Erst einige Minuten später begann er Jonny zu erzählen was vorgefallen war... ließ auch nichts aus. Auch teilte er ihm mit was er über die ganze Situation dachte... hoffend Jonny würde ihm jetzt nicht in den Rücken fallen.

 

Sicher würde Jonny dazu auch seine eigene Meinung haben, doch vielleicht... stand er ihm dennoch ein bisschen bei.

 

"Hmm.... dann haben wir wohl beide ziemlichen Mist gebaut, was.", meinte ich auf Flows Aussage hin und nickte, während ich mir noch einen Keks nahm und etwas Tee trank.

 

Flows Streicheln an meiner Wange... ließ ich zwar zu, doch war es sehr ungewohnt für mich, so dass ich Flow nun mit großen Augen anschaute... erstaunt... den Kopf etwas zur Seite geneigt... fragend... fast schon erwartungsvoll...

 

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Jonny hörte Sascha ganz in Ruhe zu, nickte ab und an mal und verhielt sich ansonsten ruhig.

Erst als Sascha fertig war, ließ er alles wirken und meinte dann:

 

''Ich verstehe was du meinst und wie alles wirkt. Du liebst Flow noch, habe ich recht und du denkst nun, dass dein bester Freund ihn dir weggeschnappt hat.

 

So wie sich alles anhört, könntest du mit deiner Vermutung recht haben. Um allerdings Klarheit darüber zu bekommen, solltest du die Zwei zum Gespräch aufsuchen. Obwohl es nach so einer Aktion fraglich ist, ob sie die Wahrheit sagen.

 

Außerdem würde ich mich an deiner Stelle erst mal beruhigen und alles sacken lassen.

 

Sicher ist es schwer sich dem dann zu stellen, doch wenn du möchtest, begleite ich dich und sollte es zu viel werden, gehen wir einfach wieder.''

 

Innerlich musste ich schmunzeln und trank erst mal auch meinen Tee und naschte ein zwei Kekse, bevor ich Ezio liebevoll meinen Arm um die Schulter legte. Ich wollte nichts überstürzen, denn immerhin ahnte ich, dass er keinerlei Erfahrung mit Männern hatte.

 

Jedoch lockte mich sein erwartungsvoller Blick.

 

*-*-*

 

Verstehend und sehr ruhig hörte sich Sascha an, was Jonny meinte und nickte.

 

"Ja, du hast Recht. Ich würde es gern erst mal sacken lassen, und dann würde ich mich freuen, wenn du mich begleiten würdest... ich glaube einfach, dass ich es allein wohl nicht schaffen werde. Danke... dass du für mich da bist.", erwiderte Sascha und war irgendwie zufrieden, dass Jonny zu ihm stand... seine Meinung weitgehend teilte.

 

"Weißt du... vielleicht sollte ich es auch ganz bleiben lassen. Sollen sie doch tun und lassen was sie wollen. Ich hab einfach kein Bock mehr auf Lügen.", machte sich Sascha nun ein wenig Luft, sprach aber ruhig zu Jonny, wobei er hin und wieder einen Schluck Tee zu sich nahm.

 

Flows Arm um meine Schulter spürend, wusste ich echt nicht mehr, was ich tun und wie ich reagieren sollte. Was, wenn ich etwas falsch machte... etwas falsch interpretierte...?

 

Dass sich Flow nun endlich auch bediente, freute mich und es schien ihm direkt zu schmecken... nun, da hatte ich wenigstens etwas richtig gemacht. Sein Tun konnte ich allerdings noch nicht so wirklich erwidern... weil ich mich eben nicht so auskannte... und bei den Mädels war es doch ganz was anderes.

 

So vergaß ich doch glatt meinen Tee und auch die Kekse.

 

*-*-*

 

Sascha beließ es dabei und wollte sich nicht mit seinem besten Freund Ezio aussprechen. Zu Flow suchte er auch keinen Kontakt mehr. Stattdessen zog er erstmal bei Jonny ein und lernte so auch neue Leute kennen. Doch war er sehr vorsichtig, wen er vertraute, denn dazu gehörte jetzt schon mehr,

 

Jonny hingegen schaffte es nach einer ganzen Weile Saschas Vertrauen zu gewinnen und die Beiden wurden sogar ein Paar. Allerdings ließen sie sich viel Zeit und waren super treu. Denn Jonny achtete sehr genau darauf, was er tat, weil er wusste wie eifersüchtig Sascha war. Auch stritten sich die Zwei nicht und Sascha war Jonny gegenüber nie aufbrausend.

 

Flow und Ezio wurden tatsächlich ein Paar und auch sie ließen sich viel Zeit. Die Bar besuchten sie nur noch selten und Flow nahm sich stark zurück was seinen Lebensstil anging, auch wenn er ihn nicht ganz ablegte.

 

Doch kam Ezio hingegen seiner Besorgnis ganz gut damit klar, weil er die Grenzen setzte und Flow sich auch strikt daran hielt. Die Zwei liebten sich eben und zogen auch bald zusammen.

 

Zwar hatten sie noch versucht mit Sascha zu Reden, akzeptierten es nun aber, wie es war. Vermutlich hätte er ihnen sowieso nicht geglaubt.

 

So wurde jeder für sich glücklich und war nicht allein.

 

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Ende