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Benjamin

 

Die Stimmen der Mitschüler verstummen, als Benjamin das Klassenzimmer betritt. Sie haben über ihn gelästert, wie schon so oft, doch versucht er sich nichts anmerken zu lassen und geht auf seinen Platz zu. Im nächsten Moment sieht er sich aber auf dem Boden liegen und die ganze Klasse grölt vor Lachen. Einer seiner Mitschüler hat ihm ein Bein gestellt und als Benjamin sich umdreht schaut er in Jens' grinsendes Gesicht. Jens, der Coole, der Mädchenschwarm und der Klassenclown. Er ist bekannt bei den Lehrern, denn immer wenn es Ärger gibt, ist er bestimmt daran beteiligt. Gut einen Kopf größer und auch kräftiger als Benjamin ist Jens, was bei Benjamins Statur aber keine Kunst ist, denn so zart und zierlich sind normalerweise nur Mädchen. Benjamin will keinen Ärger, schon gar nicht mit so einem Kerl, weshalb er aufsteht und zu seinem Platz geht, um sich hinzusetzen.

Das Lachen verstummt langsam, aber leider lässt Jens sich nicht so leicht abwimmeln. 'Hey Schwuchtel', beginnt er seinen Satz und die Mehrheit der Schüler lacht schon wieder oder zeigt mit dem Finger auf Benjamin. 'Na, wie hat dir unser Klassenboden geschmeckt?' fragt Jens in den Raum, wobei er keine Antwort erwartet, sondern einfach nur den Witz auf seiner Seite weiß. Manche Schüler hauen vor Lachen mit den Händen auf die Tische und Benjamin vergräbt sein Gesicht in seinem Jackenkragen, wobei er hofft, dass doch bald die Stunde beginnt. Er schreckt erst hoch, als Jens' Stimme auf einmal direkt vor ihm spricht: 'Hey...ich rede mit dir!' Benjamin zuckt zusammen und schaut vorsichtig auf. Sein Blick fällt in zwei hellblaue Augen und der dazugehörige Gesichtsausdruck lässt nichts Gutes erahnen. Gerade überlegt er, ob er etwas antworten sollte, als der Lehrer das Klassenzimmer betritt. Wieder einmal hat er Glück gehabt, denn seit das neue Schuljahr begonnen hat, ist er immer auf der Flucht. Nur weil sein Bruder Christian mit der Schule fertig geworden ist und nicht mehr auf ihn aufpassen kann. Sonst war dieser immer für ihn da, doch jetzt ist er volljährig und lebt sein eigenes Leben. Auch zu Hause ist er ausgezogen und fehlt bei den täglichen Auseinandersetzungen mit seinem Vater, denn da dieser viel zu viel arbeitet, ist er meist gereizt. Benjamins Mutter starb als er fünf war und außer ein paar winzige Erinnerungen, bleiben ihm nur ihre Fotos. Benjamin ist schmal und zierlich, kommt sich klein, allein und hilflos vor und weiß nicht wie er sich verbal verteidigen soll. Noch drei Jahre muss er durchhalten, bevor er auch ausziehen kann. Er könnte auch zum Jugendamt und in ein Heim oder wenn er Glück hat früher oder später zu einer Pflegefamilie, aber dazu ist er viel zu ängstlich. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Leben so zu meistern, wie es gerade kommt und das Beste daraus zu machen.

Die Stunde vergeht für Benjamins Geschmack viel zu schnell und das Klingeln der Glocke holt ihn aus seinen Tagträumen. Gerade war er damit beschäftigt eine neue Zeichnung fertig zu stellen, die seine vielen Starportraits vervollständigen sollte. Jetzt sitzt er da und wartet bis die Klasse leer ist und wie so oft muss ihn der Lehrer auffordern den Klassenraum zu verlassen. Mit Block und Bleistift bewaffnet begibt er sich geradewegs zu den Toiletten, um sich in einer der vielen Kabinen einzuschließen. Dort wird er warten, bis es abermals klingelt und die Stimmen der Schüler verstummen und dort wird er seine Zeichnung beenden, vielleicht sogar eine neue anfangen. Denn hier ist er sicher vor den Attacken seiner Mitschüler, vor den Hänseleien und den Demütigungen. Die Lehrer bekommen sowieso nichts mit oder sehen bewusst weg.

Der Tag vergeht wie jeder andere, die Schüler ärgern ihn wo sie nur können und Benjamin ist froh, als das letzte Klingeln den Schulschluss einleitet. Er lässt sich bewusst viel Zeit beim Einpacken seiner Schulsachen, so wie immer und er wartet bis alle Stimmen verstummt sind in den Fluren, so wie immer. Langsam geht Benjamin die leeren Flure entlang, verweilt noch ein paar Minuten auf dem Klo, um ganz sicher zu sein, dass alle weg sind. Erst dann macht er sich auf dem Weg nach Hause, den er zu Fuß gehen muss, da seine Reifen mal wieder aufgeschlitzt wurden. Sein Rad schiebt er beschwerlich neben sich her, während er sich langsam auf den Weg Richtung Hauptstraße macht. Die Wolken, die sich am Himmel gebildet haben, sind dunkel und es hat angefangen zu nieseln, als Benjamin hinter sich Stimmen wahr nimmt. Im nächsten Augenblick spürt er Tritte, zuerst am Rücken, dann am Hintern und zuletzt in den Kniekehlen, die ihn zu Boden sinken lassen. Seine Jacke ist dreckig geworden, aber sein Rad gibt ihm Halt, so dass nicht auch seine Hose in Mitleidenschaft gezogen wird. Als Benjamin den Kopf hebt, sieht er wie drei Fahrräder davonrasen, die drei seiner Mitschüler gehören, so vermutet er. Wobei er Jens erkannt hat, denn diese gelb-blonden Strähnen würde er überall wieder erkennen. Tränen laufen über seine Wangen, denn die Tritte waren nicht ohne und während er versucht sich an seinem Rad hochzuziehen, fängt es richtig zu regnen an.

Als Benjamin endlich zu Hause ankommt, ist er bis auf die Unterhosen durchnässt. Die Schindereien des Tages waren wohl nicht genug, denn nun kann er sich auf ein Donnerwetter seines Vaters gefasst machen. Die dreckige Jacke, schon wieder ein kaputtes Rad und dann auch noch die nassen Sachen, lassen seinem Vater den Kragen platzen. 'Warum kommst du so spät? Und wie siehst du überhaupt aus? Meinst du ich wasche die Wäsche nur so zum Spaß? Sag bloß die Reifen sind schon wieder kaputt? Dir ist ja wohl bewusst, dass ich dir das vom Taschengeld abziehe?', wettert sein Vater, doch Benjamin hat gelernt abzuwarten und nur das Nötigste zu sagen, damit er nicht noch wütender wird. Er stellt das Rad ab und zieht noch draußen seine Schuhe und seine nasse Hose aus, damit er keine Spuren auf dem Fußboden hinterlässt. 'Die Wäsche kannst du gleich anstellen und morgen läufst du zur Schule. Heute habe ich keine Zeit für dein Fahrrad', schimpft sein Vater weiter.

'Ich kann das ja auch selbst machen', bietet Benjamin seinem Vater kleinlaut an und zieht schon mal den Kopf ein, da er mit einer Ohrfeige rechnet, doch sein Vater antwortet: 'Dann musst du aber auch die Reifen kaufen gehen. Dann kannst du gleich den Wocheneinkauf mit machen.' Benjamin nickt und sie gehen beide ins Haus hinein.

Während Benjamin sich umzieht und die Wäsche anstellt, wartet sein Vater bereits auf ihn mit Geld und einem Regenschirm. Ein großer Einkaufszettel sowie Stoffbeutel, damit er kein unnötiges Geld für Tüten ausgeben muss, bekommt Benjamin noch, bevor er wieder raus in die nass kalte Witterung muss. 'Und trödle nicht, schließlich musst du noch Hausaufgaben machen', ruft ihm sein Vater hinterher.

Doch Benjamin bekommt das schon gar nicht mehr mit, er atmet die frische Luft tief ein und ist froh, dass morgen schon Freitag ist. Denn am Wochenende ist keine Schule und auch sein Vater ist dieses Mal bei seiner Freundin, so dass er endlich einmal Ruhe hat – so hofft er.


 


 

Benjamins Vater
 

Mit vier schweren Einkauftüten stolpert Benjamin ins Fahrradgeschäft, wo er, wie schon so oft, neue Fahrradreifen kaufen will.

'Ach, hallo', begrüßt ihn der Verkäufer, 'du willst doch bestimmt wieder neue Reifen haben, oder?'

'Ja, die gleiche Stärke wie immer', antwortet Benjamin und hofft noch, dass das Geld reicht, doch der Verkäufer hat ganz andere Sorgen:

'Da muss ich dich enttäuschen. Wir kriegen die erst wieder rein. Ich kann dir andere anbieten?'

'Ich weiß nicht recht?' fragt sich Benjamin eher selber.

'Doch. Die sind super. Sind viel fester als die anderen', versucht der Verkäufer seine Ware an den Mann zu bringen. Benjamin denkt sich, dass die noch so dick sein können, denn gegen ein Messer sind die bestimmt nicht immun, trotzdem sagt er: 'Okay. Dann nehme ich die.'

'Die sind aber etwas teurer', kommt es noch von dem Verkäufer, wobei er die Reifen schon in der Hand hat. Aber Benjamin hat Glück, denn das Geld reicht gerade so. Obwohl er noch nicht weiß wie er das seinem Vater erklären soll.

Benjamin macht sich also mit zwei Tüten links, zwei Tüten rechts und je links und rechts einen Reifen um den Arm auf den Nachhauseweg. Zum Glück hat es zu regnen aufgehört, denn für den Schirm wäre nun wirklich kein Platz mehr gewesen. Als er gerade von der Hauptstraße in die Nebenstraße, die zu seinem Haus führt, einbiegt, kommen ihm doch tatsächlich Jens und Maximilian entgegen. Maximilian geht auch in seine Klasse und ist eigentlich immer relativ neutral zu Benjamin gewesen.

'Ach, wen haben wir denn da?', fragt Jens mit einem fiesen Unterton.

Benjamin bleibt vor Schreck stehen und schaut erst zu Maximilian und dann nach unten auf seine Schuhe.

'Komm, wir wollten doch zu dir', versucht Maximilian Jens zu beruhigen.

Doch dieser hat scheinbar Spaß am Ärgern und tritt frech gegen eine Tüte, die Benjamin einen so kräftigen Schubs gibt, dass er Schwierigkeiten hat sein Gleichgewicht zu halten. 'Nun lass ihn doch', kommt es nun noch von Maximilian, während er Jens am Arm packt und versucht ihn wegzuziehen. 'Lass mich', reißt dieser sich los, 'bist du etwa auf seiner Seite?'

'Ich bin auf gar keiner Seite', verteidigt sich Maximilian und hofft dass Jens nun endlich zur Vernunft kommt. Unterdessen hat Benjamin die Gunst der Stunde genutzt und ist weiter gegangen, so schnell wie es voll bepackt nunmal geht.

Maximilian ist das natürlich aufgefallen und so versucht er Jens noch etwas abzulenken: 'Du hast es aber auch immer auf Schwächere abgesehen. Nimm dir doch mal einen, der sich auch ein bisschen verteidigen kann. Sonst weiß man doch von vornherein wie es ausgeht.'

'Das ist ja der Sinn dabei. Oder meinst du etwa, ich will mir meine schöne Nase verbiegen lassen von so einem', kommt es nun von Jens, wobei Einbildung ja auch Bildung sein soll und er auf Benjamin zeigen will. Doch dieser hat bereits sein Ziel erreicht und ist dank Maximilian mit einem kaputten Joghurtbecher und ein paar zerquetschten Weintrauben davon gekommen.

'Ich bin wieder da', ruft Benjamin, während er versucht Richtung Küche zu kommen.

'Wird ja auch mal Zeit. Du musst noch Hausaufgaben machen', brummt sein Vater aus der Waschküche, wo er wohl gerade die Wäsche aufhängt.

'Mach ich sofort. Ich räume nur schnell die Sachen in die Schränke', antwortet Benjamin seinem Vater und hofft, dass es sich damit geklärt hat.

Also geht er in die Küche und räumt die Sachen weg. Den kaputten Jogurt tut er direkt in eine Schüssel, denn da der soweit noch gut ist, kann man ihn heute ja noch essen.

'Und? Hast du Reifen bekommen?' will sein Vater wissen, der auf einmal in der Tür steht.

Benjamin zuckt zusammen und versucht zu erklären: 'Ich musste andere nehmen, meine Stärke hatten sie nicht mehr.'

'Was haben die gekostet?' will sein Vater sofort wissen, da er den Braten gerochen hat.

'Die waren etwas teurer, aber ich kann ja auch zweimal auf mein Taschengeld verzichten', bietet Benjamin ihm an, um einen Streit aus dem Weg zu gehen.

'Das will ich aber auch meinen', brüllt sein Vater. 'Her mit dem Bon.' Dabei greift er nach dem Zettel, den Benjamin in der Hand hält. 'Nun aber ab mit dir', sagt er noch, wobei er mit seiner Hand kräftig ausholt und Benjamin kann nur mit Mühe und Not ausweichen und stürmt nach oben in sein Zimmer.

Als oben die Tür ins Schloss fällt, muss Benjamin erst einmal nach Atem ringen und rutscht mit dem Rücken an der Tür lehnend runter auf den Fußboden. Er vergräbt sein Gesicht in seinen verschränkten Armen und lässt seinen Gefühlen für einen Moment freien Lauf. Seine Tränen laufen wie von selbst die aufgeheizten Wangen entlang und hinterlassen in seinen Augen ein unangenehmes Brennen. Er will doch nur geliebt werden, ist das denn zu viel verlangt?

Die Nase zieht er hoch und reibt mit den Ärmeln seines Pullovers über seine Augen, um die Tränen wegzuwischen. 'Männer weinen nicht!' würde sein Vater jetzt sagen. Weshalb Benjamin auch aufsteht und im Bad einen Waschlappen mit kaltem Wasser tränkt, den er dann mit in sein Zimmer nimmt. Auf dem Bett liegend, findet der Lappen seinen Platz auf Benjamins Gesicht und entlockt ihm ein Seufzen. Herrlich kühl fühlt sich das an und beruhigt die heißen Wangen, die nach dem Weinen und dem schnellen Laufen ganz gerötet sind. Leider entspannt es Benjamin auch so sehr, dass er doch tatsächlich einschläft und er wird erst wieder wach, als er die Stimme seines Vaters vernimmt: 'Essen ist fertig!'

Benjamin schreckt hoch, während ihm ein Blick auf die Uhr sagt, dass es schon fast sieben Uhr ist. Schnell geht er die Treppe runter und setzt sich zu seinem Vater an den Tisch.

Beim Essen wird nicht gesprochen, leider ist dies schon lange eine feste Regel im Haus, die Benjamin einhält. Zum einen, weil er mal froh ist nicht mit seinem Vater sprechen zu müssen und zum anderen, weil er sowieso nicht wüsste, was er ihm erzählen sollte.

Nach dem Essen muss Benjamin den Tisch abräumen und abwaschen. Er muss viel mithelfen im Haus, wobei er so schon kaum Freizeit hat, bei den ganzen Hausaufgaben.

Als er endlich fertig ist, schlägt die Uhr schon Acht und schnellen Schrittes macht er sich auf den Weg nach oben. Die Hausaufgaben warten noch und das sind nicht wenige.

Um zehn ist Benjamin immer noch nicht fertig und als es an der Tür klopft schiebt er schnell seinen Zeichenblock über die Hefte und macht die Schreibtischlampe aus. Wenn sein Vater sehen würde, dass er seine Aufgaben noch nicht fertig hat, gäbe es nur wieder Stress.

'Ja', sagt Benjamin, wobei sein Vater wohl gute Laune haben muss, denn sonst kommt er immer so ins Zimmer.

Die Tür geht auf und sein Vater kommt herein: 'Ich gehe morgen direkt von der Arbeit aus zu Sabrina', sagt er mit ruhiger Stimme zu Benjamin. Sabrina ist seine Freundin, mit der er seit kurzem zusammen ist, nicht die erste Frau nach dem Tod von Benjamins Mutter und bestimmt auch nicht die letzte.

'Ist gut', antwortet Benjamin und schaut mit seinen dunkelbraunen Augen seinen Vater erwartungsvoll an.

'Zu Essen ist ja da und mach ja keine Dummheiten', kommt es noch ernst von ihm, bevor er die Tür wieder zu zieht. Was hatte Benjamin auch erwartet, schließlich ist sein Taschengeld für neue Reifen drauf gegangen. Sein Blick wandert zu seiner Spardose, die auf dem Regal über dem Schreibtisch steht. Ein Schütteln verrät das nur eine Münze drin zu sein scheint und als er das Schloss öffnet, kullert tatsächlich nur ein Euro raus.

Während Benjamin sich seine dunklen Locken rauft, wird ihm langsam bewusst, dass das Wochenende wohl ziemlich lang werden wird.


 
 

Jens

Der Wecker klingelt mal wieder viel zu früh für Benjamins Geschmack, aber es bleibt ihm ja nichts anderes übrig, als aufzustehen. Erst die angenehme Dusche lässt ihn etwas wach werden und nachdem er angezogen und frisiert ist, fühlt er sich auch schon putzmunter. Dann beginnt sein Tag, wie jeden Morgen heißt es den Tisch decken und Kaffee kochen. Sein Vater kommt auch bald die Treppe runter, fertig für die Arbeit, 'Guten Morgen', kommt es von ihm mit fester Stimme.

'Morgen', versucht Benjamin zu strahlen.

Sie setzen sich zum Frühstücken an den Tisch, was genauso ruhig wie das Abendessen verläuft und danach muss Benjamins Vater auch los zur Arbeit. Benjamin muss dann noch den Abwasch machen und auch wenn er weiß, dass sein Vater heute nicht nach Hause kommt, macht er ihn besser, denn man weiß ja nie, ob sein Vater nicht doch noch nach Hause kommt, weil er vielleicht etwas vergessen hat.

Dann schmiert Benjamin sich noch schnell ein Pausenbrot und geht raus zu seinem Fahrrad, als es ihm wie Schuppen von den Augen fällt - er hat vergessen den neuen Reifen drüber zuziehen.

'Mist', schimpft Benjamin. Jetzt kommt er bestimmt zu spät und die blöden Sprüche seiner Mitschüler hört er jetzt schon.

Also nimmt er die Beine in die Hand und geht auch alle Abkürzungen zur Schule, die er kennt, doch trotz alledem kommt er fast zehn Minuten zu spät.

'Morgen. Entschuldigung das ich zu spät komme, aber...' Da stockt Benjamin, denn er hat sich vor lauter Stress gar keine Ausrede einfallen lassen. Doch das erledigen seine Mitschüler schon für ihn, denn Jens ruft in den Raum: 'Er musste sich erst noch von seinem Freund verabschieden.' Und während die Klasse laut lacht, mach Jens einen Kussmund und wirft Küsse in die Luft. Der Lehrer versucht die Klasse zu beruhigen und Benjamin nimmt unterdessen hinter seinem Tisch Platz. Er vergräbt seinen Kopf hinter seinen Büchern und vertieft sich in das, was er am Besten kann, er zeichnet mal wieder ein Portrait eines Schauspielers.

Die Stunde ist mal wieder viel zu schnell um und so geht Benjamin wie immer den gleichen Weg zu den Toiletten, bewaffnet mit Stift und Papier. Doch dieses Mal kommt er nicht weit, denn vor den Toiletten steht eine kleine Gruppe seiner Mitschüler, unter anderen auch Jens.

'Da ist ja unser Knutscher', kommt es auch gleich von ihm, als er Benjamin entdeckt. Und ehe dieser sich versieht, ist er auch schon umkreist und steht völlig schutzlos in der Mitte. Es prasseln jede Menge Beschimpfungen auf ihn ein, während er von links nach rechts geschubst wird.

Unter vielen Bemerkungen fällt immer öfters das Wort 'Schwuchtel' oder auch 'Tunte' und das nur weil er vom Aussehen her total nach seiner Mutter kommt. Beschützend presst Benjamin seinen Block an sich und schließt krampfhaft die Augen. Er wünscht sich an einen anderen Ort, während Jens' Stimme sich in sein Gehör frisst und immer deutlicher unter den anderen Schülern zu hören ist:

'Schwuchtel... Na, gefällt dir das du Tunte?...'

Doch plötzlich ist eine erschreckende Stille da und Benjamin landet nicht wie zuvor gegen einer seiner Mitschüler, sondern ziemlich unsanft auf dem Fußboden. Ein Lehrer hat den Flur betreten und die Schüler waren schneller weg, als dieser etwas sagen konnte.

'Ist alles okay bei dir?' fragt er deshalb Benjamin, aber der kann nur nicken und muss ein Schluchzen unterdrücken.

'Wer war daran beteiligt? Kanntest du jemanden?' will der Lehrer wissen.

'...J-Jens...', kriegt Benjamin nur raus, denn mehr weiß er wirklich nicht, schließlich ging alles ziemlich schnell und dann hatte er die Augen geschlossen.

'Natürlich. War ja klar', kommt es vom Lehrer, 'ich kümmere mich darum.'

Sicher tut er das und Jens wird nachsitzen müssen.

Die Stunde beginnt und Benjamin fühlt sich nicht wirklich wohl in seiner Haut. Seine Stimmung wird nicht wirklich besser, als ein zusammen gefalteter Zettel auf seinen Tisch geworfen wird. Langsam entfaltet Benjamin diesen und entdeckt folgende Botschaft: DAS WIRST DU MIR BÜßEN!

Ein Schauer läuft ihm über den Rücken, seine Hände fangen an zu zittern und nur zaghaft wagt er es in Jens seine Richtung zu schauen. Dieser hat ein breites Grinsen auf den Lippen, knabbert an einem Bleistiftende rum und scheint sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein.

Der Rest der Stunde zieht sich wie Kaugummi in die Länge und Benjamin ist sich immer noch nicht schlüssig darüber, ob er sich einem Lehrer anvertrauen sollte. Das Bild das er zeichnet, will ihm irgendwie gar nicht gelingen und so zerknüllt er es letzten Endes. Der Stoff, der vom Lehrer durch genommen wird, scheint auch nicht wirklich interessant zu sein und so wandert Benjamins Blick schweifend durch die Klasse. Dabei beobachtet er Jens und Maximilian, die miteinander tuscheln und er bemerkt dass, sie irgendwie streiten. Trotzdem scheint auch das nicht wirklich interessant zu sein und so meldet er sich: 'Ich müsste mal aufs Klo.'

'Sicher geh ruhig', antwortet der Lehrer und so macht Benjamin sich auf den Weg. Normalerweise vermeidet er es sich zu melden, damit nicht ständig blöde Sprüche auf ihn einprasseln, aber das ist ihm nun auch egal.

'Oh unsere kleine Tunte trifft sich bestimmt heimlich mit seinem Freund', kommt es noch von Jens, bevor Benjamin die Klassentür hinter sich schließt. Und das Grölen der anderen Mitschüler hört man bis auf den Flur, nur der Lehrer scheint nicht wirklich dagegen anzukommen, denn den hört man nicht.

Benjamin geht den leeren Flur entlang, lauscht an der einen oder anderen Tür und genießt die Stille. Eigentlich muss er gar nicht auf Toilette, aber dennoch geht er da hin, um sich etwas Wasser ins Gesicht zu hauen. Sein Blick fällt in den Spiegel, wo ihm nasse Haarsträhnen ins Gesicht hängen, da seine Locken durch das Wasser etwas glatt geworden sind. Seine dunkelbraunen Augen wirken starr und angsterfüllt, da er nicht weiß was auf ihm zukommt.

Was hat Jens vor?

Will er Benjamin vielleicht nur Angst einjagen?

Dieser schüttelt den Kopf und holt noch einmal tief Luft, bevor er sich wieder zum Klassenraum begibt.

Der Lehrer scheint wieder alles im Griff zu haben und so nimmt Benjamin wieder auf seinem Stuhl Platz und beginnt eine neue Zeichnung. Mit neu gewonnener Energie, klappt es dieses Mal auch viel besser und so ist der Rest der Stunde schnell vorüber.

Das Klingeln der Pausenglocke hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack bei Benjamin und so zögert er mit dem Hinausgehen aus der Klasse. Doch es ist weit und breit niemand zu sehen, weshalb Benjamin auch zielstrebig auf die Toiletten zu geht. Sein Puls rast und beruhigt sich erst, als er in den Räumlichkeiten angekommen ist. In diesen Toiletten ist nur sehr selten was los und so hat er hier stets seine Ruhe, die er sehr genießt. Da sein Bild fertig ist, überlegt er krampfhaft welchen Schauspieler er als Nächstes malen will und bemerkt gar nicht, dass er nicht allein ist.

Schritte hallen im Raum, weshalb Benjamin sich ruckartig umdreht und auch gleich zu Boden geht. 'Aua', schreit er, piepsiger als er wollte und hält sich seine Lippe. Vorsichtig tastet er, was geschehen ist und sieht sein eigenes Blut laufen. Benjamins Unterlippe ist aufgeplatzt und ein brennender Schmerz macht sich breit, während er direkt in das Gesicht seines Angreifers blickt.


 


 

Maximilian
 

Blaue Augen ruhen mit ernstem Blick auf Benjamin, der hilflos am Boden liegt und nach Luft schnappt. Es folgen heftige Tritte in die Magengegend, wo er nur Keuchen kann und wobei die gelb-blonden Strähnen von Jens hin und her wackeln. 'So, jetzt bekommst du was du verdienst!', schreit Jens förmlich und lacht undefinierbar.

Benjamin hat schon das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, an Hilfe rufen ist also gar nicht zu denken. Ihm scheint sogar für einen Moment schwindelig zu werden, wohl weil er heute noch nichts weiter getrunken hat, denn die Tritte sind nicht allzu doll.

Plötzlich hören diese jedoch auf und nach einer erschreckenden Stille folgt eine heftige Auseinandersetzung: 'Lass mich...', brüllt Jens und es folgt eine bekannte Stimme, die Benjamin schon einmal geholfen hat: 'Du handelst dir nur wieder Ärger ein', kommt es von Maximilian, der krampfhaft versucht Jens von Benjamin wegzuziehen. 'Das ist doch meine Sache!', protestiert Jens, wobei sein Blick auf dem am Boden kauernden Benjamin fällt. Der hat die Augen fest verschlossen und die Arme stützend vor seinem Gesicht verschränkt. Er hofft, so dem Ganzen entkommen zu können, obwohl es vielleicht besser wäre einfach wegzulaufen. Maximilian ist Jens nicht wirklich gewachsen, da dieser ihn etwas überragt und auch kräftiger als er ist. Maximilian versucht es gerade auch deshalb auf die nette Art: 'Hör zu Jens, ich meine es doch nur gut und will dir helfen', versucht Maximilian Jens zum Gehen zu überreden.

'Die Schwuchtel bekommt jetzt das, was sie verdient hat!', schimpft dieser und will gerade wieder zum Treten ansetzen, als Maximilian ihn mit einem kräftigen Ruck wegreißt.

'Bist du jetzt auch eine Tunte, oder was?', fragt Jens diesen und schubst ihn gegen die Wand, wobei eine seiner Hände sich in Maximilians mittelblonden Haaren festkrallt. Dabei reißt er natürlich Haare raus und entlockt Maximilian einen Schmerzensschrei. Anschließend spuckt Jens noch in Benjamins Richtung und verlässt dann die Toiletten.

Erst als Benjamin die Tür hört, traut er sich seine Arme wegzunehmen und blick in Maximilians mittelblaue Augen. 'Alles okay?', fragt dieser.

Doch Benjamin kann nur nicken, da er sich noch nicht ganz vom Schrecken erholt hat.

'Jens ist weg, du kannst also beruhigt aufstehen', kommt es von Maximilian und er fügt noch hinzu: 'Wir sollten einem Lehrer Bescheid geben.'

Während Benjamin aufsteht, nickt er wieder, da er sich in Begleitung gleich viel sicherer fühlt sich einem Lehrer anzuvertrauen.

Vorher schaut er sich im Spiegel noch seine Lippe an, die schon etwas geschwollen ist und leicht blutet. Mit etwas Wasser und einem Tempo, ist nur noch die Schwellung zu sehen.

Beim Lehrerzimmer angekommen, suchen sie ihren Vertrauenslehrer auf, der auch gleich Zeit für sie hat.

'Wie kann ich euch denn helfen?', will dieser von den Jungs wissen.

Maximilian deutet mit der Hand auf Benjamin und dieser versucht zu schildern, was er in letzter Zeit durchmachen musste. Weil Maximilian bei ihm ist, hat er den Mut wirklich alles zu erzählen.

Nachdem das erledigt ist, müssen sich beide beeilen, da die Stunde bereits begonnen hat und natürlich werden sie herzlich von der Klasse begrüßt: 'Ei ei ei, was sehen wir da, ein verliebtes Ehepaar...', singt die Klasse im Chor und der Lehrer ist mal wieder machtlos. Benjamin und Maximilian gehen zu ihren Plätzen und Maximilian scheint nicht sehr erfreut zu sein.

Als die Stunde vorbei ist, wagt es Benjamin eher aus der Klasse, als sonst. Er hofft sich Maximilian anschließen zu können, doch dieser ist überhaupt nicht begeistert: 'Was willst du?', fragt er Benjamin, als er bemerkt, dass dieser ihm folgt.

'Ich dachte...', stottert Benjamin sich zurecht.

'Was dachtest du?', will Maximilian wissen.

'Naja...du hast mich doch gerettet....', kommt es von Benjamin.

'Und? Jetzt sind wir Freunde, oder was?', wettert Maximilian.

'Ich...ich weiß nicht?', sagt Benjamin ziemlich unsicher.

'Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich das jetzt jeden Tag mitmache', schreit Maximilian Benjamin an. 'Da hast du dich geschnitten.'

Und dann geht er und lässt den verunsicherten Benjamin im Schulflur stehen.

Zu allem Überfluss wird er auch noch von einem Lehrer nach draußen geschickt, wo er sich total schutzlos fühlt.

Maximilian hat sich aus dem Staub gemacht und so versucht Benjamin immer in der Nähe des Lehrers zu bleiben, der Aufsicht führt.

Doch als es zur Stunde klingelt, ist das nicht mehr machbar und Benjamin versucht so schnell es geht rein zu kommen. Leichter gesagt, als getan bei dem Gedränge. Und so kommt es, dass Jens auf einmal beim Reingehen direkt hinter Benjamin ist, mit noch zwei anderen Raufbolden. Benjamin wird geschubst und landet gegen andere Schüler, die sich beschweren: 'Hey, kannst du nicht aufpassen?'

'Entschuldigung', wispert Benjamin, woraufhin er wieder gegen die Schüler gedrängt wird.

'Ich kann da nichts für', versucht sich Benjamin zu verteidigen.

Wieder und wieder spürt er diesen Druck gegen seinen Rücken, der nicht wirklich sanft ist und langsam aber sicher laufen ihm Tränen über die Wangen. Warum müssen die nur so gemein zu ihm sein?

Beim Klassenzimmer angekommen stellt Benjamin sich in eine Ecke und versucht die Tränen irgendwie aufzuhalten, was gar nicht so einfach ist, wenn sie erst mal laufen.

'Heulsuse!', kommt es von dem ein oder anderen und Benjamin wünscht sich an einen anderen Ort. Für ihn vergehen gespürte Stunden bis endlich der Lehrer erscheint und zu seinem Glück ist es sein Vertrauenslehrer, der Benjamin gleich beiseite nimmt.

Der Lehrer gibt der Klasse ein paar Aufgaben und nimmt Benjamin mit ins Lehrerzimmer, wo er ihm erst einmal einen Tee anbietet. Benjamin nimmt aber doch lieber einen Kaffee und erzählt dann alles, was passiert ist. Der Lehrer notiert alles eifrig und verschwindet dann für eine Weile mit den Worten: 'Ich bin gleich wieder da. Nimm dir doch noch eine Tasse. Kekse müssten da auch irgendwo sein. Und falls dir was weh tut, geh lieber zur Schulschwester.'

Benjamin bedient sich an den Schokoladenkeksen und trinkt noch reichlich Kaffee, wonach es ihm schon viel besser geht, so dass er gar keine Schmerzen mehr hat. Noch nicht einmal seine Lippe tut weh, obwohl er ständig drüber lecken muss, wegen der Schokolade. Die Schwellung spürt er zwar schon noch, aber die geht auch früher oder später weg.

Es klingelt schon wieder zur Pause und das Lehrerzimmer füllt sich mit Lehrern, als Benjamins Vertrauenslehrer auch wieder auftaucht. Erwartungsvoll schaut Benjamin den Lehrer an und dieser sagt zu ihm: 'Jens' Eltern werden informiert werden. Mal wieder. So wie es aussieht wird er der Schule verwiesen.'

Benjamin kann ein Lächeln nicht unterdrücken und fällt dem Lehrer sogar um den Hals. Dieser räuspert sich und löst den kleinen Klammeraffen vorsichtig von sich. 'Jens hat mittlerweile schon so eine dicke Akte, dass es keine andere Wahl mehr gibt', erklärt der Lehrer Benjamin noch, bevor dieser sich zum Schulhof begibt, um seine Pause zu genießen.

Endlich scheint sich auch mal etwas zum Guten zu wenden für ihn und als er die Pausenhalle betritt, sieht er wie Jens gerade auf seine Eltern trifft. Ein lauter Knall erklingt und Jens hat von seinem Vater eine gewaltige Ohrfeige bekommen. Die hat er bestimmt auch verdient, doch für einen kleinen Augenblick empfindet Benjamin so etwas wie Mitleid für Jens, da es ihm mit seinem Vater ja ähnlich ergeht. Doch daran will er in diesem Moment nicht lange dran denken, viel lieber genießt er den kleinen Triumph in seinem Leben.
 


 

Christian
 

Die Pause hat Benjamin noch nie so genossen, denn jetzt wo Jens weg ist, haben auch die anderen Schüler keine Lust mehr ihn zu ärgern. Es fehlt der Antrieb und dass Jens von der Schule fliegt, hat auch für Respekt gesorgt. Die letzte Stunde vergeht stressfrei, doch wie die anderen Schüler freut Benjamin sich nicht wirklich aufs Wochenende, da er nicht weiß, was er die ganze Zeit ohne Geld machen soll. Während seine Mitschüler schon längst verschwunden sind, packt Benjamin noch ein. Ganz in Gedanken versunken verlässt er die Schule und geht mit gesenktem Blick, schlurfend den Weg entlang, als er plötzlich eine Stimme hört: 'Hey Krümel.'

Benjamin reißt ruckartig seinen Kopf hoch, da ihm die Stimme sehr bekannt vorkommt. Seine Augen schauen in zwei hellgrüne und im selben Moment fallen seine Arme um den Hals seines Bruders Christian.

'Chris', schluchzt Benjamin, da ihm vor Freude die Tränen kommen.

'Hey. So schlimm?', fragt Christian, wobei seine großen Hände durch Benjamins dunkle Locken streichen. Doch Benjamin kann nur nicken, da ihm die Worte im Halse stecken bleiben. Christian hält seinen kleinen Bruder fest, der sich kaum beruhigen will. Weshalb er auch auf die Knie geht, um Benjamin direkt in die Augen schauen zu können. Vorsichtig, ja geradezu zärtlich wischt er die Tränen von Benjamins Wangen und fragt abermals: 'So schlimm?'

Nach einem kräftigen Schlucken schafft es Benjamin endlich zu antworten und es quillt aus ihm heraus, wie das Wasser einen Wasserfall hinunter. Er erzählt Christian alles, lässt nicht die kleinste Sache aus und fühlt sich auf einmal so erleichtert. Es war die ganze Zeit so einfach und er hat ein so großes Problem daraus gemacht, anstatt gleich damit zu seinem großen Bruder zu gehen. Christian alles zu schildern, was ihn belastet: Die Schule, Jens und die Mitschüler, aber vor allem ihr Vater. All das kommt zur Sprache und man merkt wie sehr es Christian schmerzt, seinen Krümel so hilflos zu sehen.

Er hört Benjamin geduldig zu, nickt immer wieder und schaut ab und an auch erschrocken oder erstaunt.

Als Benjamin fertig ist, steht Christian auf und legt den Arm um seinen kleinen Bruder. Er führt ihn ohne ein Wort zu sagen zu seinem Auto, in das sie einsteigen. Erst als sie angeschnallt sind, noch bevor Christian den Motor startet, sagt er zu Benjamin: 'Wir fahren jetzt zu mir, da kannst du ein heißes Bad nehmen und dich ausruhen. Ich fahre dann zu euch und packe deine Sachen.'

'Meine Sachen?', fragt Benjamin verwundert. 'Aber wieso das?'

'Du bleibst ab jetzt bei mir!', antwortet Christian und fügt hinzu: 'Ab jetzt passe ich wieder auf dich auf.'

Benjamin strahlt den Rest der Fahrt übers ganze Gesicht, sagt aber kein weiteres Wort, was auch nicht nötig ist.

Christian liefert Benjamin bei sich zu Hause ab, zeigt ihm wo er alles findet und fährt dann weg, um Benjamins Sachen zu holen. Ihrem Vater wird er fürs erste eine Nachricht hinterlassen und daraufhin dafür sorgen, dass Benjamin bei ihm leben darf.

Benjamin hat unterdessen seine Sachen in den Wäschekorb getan und nimmt ein warmes, erholsames Bad. Er genießt die Ruhe und die Vorstellung hier bei seinem Bruder leben zu dürfen, gefällt ihm sehr. Anschließend hüllt er sich in dessen Bademantel ein, da er ja noch keine sauberen Sachen da hat und legt sich auf Christians Bett. Das Fernsehprogramm und das Nachwirken des Bades lassen Benjamin schläfrig werden und bald ins Land der Träume driften.

Er wird erst wieder wach, als er eine Hand auf seinem nackten Oberschenkel spürt. Der Bademantel ist aufgegangen und lässt tief blicken, doch Benjamin fühlt sich wohl. Denn die Hand kennt er nur zu gut, obwohl sie ihn vorher nie so berührt hat. Aber Benjamin sehnt sich danach, er will diese Berührungen mehr als alles andere. Vielleicht stellt er sich gerade deshalb am Anfang noch schlafend, bevor ihn die Hitze überkommt und er seine schlanken Arme, wie schon so oft, um den Hals seines Bruders schlingt. Der ihm behutsam zuredet: 'Wenn du das nicht willst, musst du es mir sagen...Hörst du?...Dann sag es mir!...Sag es mir wenn, dann jetzt!'

'Hör nicht auf! Bitte. Zeig mir wie sich das anfühlt. Bitte', fleht Benjamin.

Vorsichtig streift Christian den Bademantel von Benjamins Schultern, fährt zärtlich mit seinen Fingern dessen Wirbelsäule entlang und liebkost seinen Hals.

Benjamin gibt ein leises Keuchen von sich und schmiegt sich an Christian, wobei er dessen Wärme genießt und seinen Geruch tief einatmet. Langsam wandert Christians Hand nach vorne, wo er seine Hand mit festem Griff um Benjamins Männlichkeit schließt. Ein leises Wimmern ist von dem zu hören und er streckt seinen Unterleib geradezu Christian entgegen. Zielstrebig reibt dieser Benjamins Härte, wobei er erst mit einem langsamen Auf und Ab beginnt. Zaghaft hebt er Benjamins Kinn, um seinen kleinen Bruder einen Kuss zu geben. Aber keinen, der unter Brüdern üblich wäre, sondern einen sehr intimen. Ihre Blicke treffen sich, bevor Christian seine Lippen über Benjamins Hals wandern lässt. Dieser hält es kaum noch aus, will mehr von diesem verbotenen Spiel und streichelt mit seinen Händen über Christians kurze, dunkle Haare, um ihn zum Weitermachen zu animieren. Zärtlich drückt er ihn runter und bekommt die Art von Zuwendung, nach der er sich so sehnt.

Liebevoll saugt Christian den Schaft von Benjamins Härte ein, lässt seine Zunge um die Eichel streichen, drückt sie sanft ins kleine Loch und ist entzückt von den Lauten, die von seinem kleinen Bruder ausgehen. Benjamin ist härter denn je und auch Christian will seiner Erektion Luft verschaffen und schält sich aus seinen Klamotten. Benjamin scheint wie in Trance, hilft aber dennoch Christian beim Ausziehen, wenn auch unter vielen heißen Küssen.

Als Benjamin seinen großen Bruder so nackt vor sich sitzen sieht, bekommt er erst einen kleinen Schreck, da dessen Härte viel größer und männlicher ist als seine eigene. Aber dann überkommt es ihn und er will Christian auch anfassen und schmecken. Anfänglich etwas ungeschickt und holprig, hat er schnell den Bogen raus, wie er ihn berühren muss, um Christian zum Stöhnen zu bringen.

Erst als beide es kaum aushalten, vor Erregung fast platzen, legt Christian sich auf Benjamin und nimmt beide Penisse in die Hand. Mit gleichmäßigem Rhythmus reibt er sie aneinander, küsst wieder und wieder seinen Bruder, wobei die Zungen ein heißes Liebesspiel mehr außerhalb ihrer Münder veranstalten als drinnen. Bis Christian seinen Mund fest auf Benjamins drückt und beide mit unterdrückten Stöhnen zum Höhepunkt kommen.

Langsam gleitet Christian von Benjamin runter und nimmt ihn fest in den Arm. Beide wissen, dass sie etwas Verbotenes getan haben, auch wenn es sich so gut angefühlt hat. Dennoch hat Benjamin jetzt endlich das gefunden, wonach er so lange gesucht hat. Ein kleines Wort mit so viel Bedeutung und nur fünf Buchstaben – Liebe!


 

~Ende~