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11 Zeugen Teil 1

11 Zeugen

Teil 1


 

written by Dark Sephiroth und Detail

Alle Rechte der Songtexte liegen bei der Band Wirtz!


 


 

Wir lebten in einer Zeit, in der Vampire und Menschen im Einklang lebten. Wobei es nur noch wenige von uns Vampiren gab. Mit mir waren es elf, um genau zu sein.


 

Elf Zeugen, die mit ansehen mussten, wie die Meisten von uns hingerichtet wurden. Wir hatten uns dann dazu entschieden, uns zu ergeben.


 

Um welchen Preis? Wir lebten mit ihnen. Bekamen Blut aus Konserven, meist mit Tierblut vermischt. Wurden blöd von der Seite angeschaut oder sogar verspottet.


 

Wir mussten schwören keinem etwas zu leide zu tun, sonst drohte uns im schlimmsten Falle der Tod.


 

Die Meisten von uns würden gerne wieder ein Leben führen, wie sie es früher geführt hatten. Jeden Abend mit Blutdurst sich ein neues Opfer suchend. Frei leben!


 

Wer ich war? Casimir, aber alle nannten mich Casi. Ich war der Prinz unter den Vampiren und ich könnte König sein, wenn ich mich gegen die Menschen auflehnen würde.


 

Einer der letzten Könige hatte mich erschaffen und die anderen wurden von den übrigen Vampiren gezeugt.


 

Aber mir gefiel es so zu leben, vielleicht auch, weil ich einer der wenigen von uns war, der Glück mit seinem Mentor hatte. Mentoren waren die Menschen, die uns Vampire aufgenommen hatten, damit wir unter anderem eine Bleibe hatten.


 

Mein Mentor war toll. Er war zwar schon ein bisschen älter, aber das war ich in Menschenjahren gesehen auch.


 

Ingo, so hieß er, besaß mehrere Lokale hier im Ort. Sehr reich und wohlhabend war er, nur leider nachdem ihm seine siebte Frau verlassen hatte, auch sehr einsam. Vielleicht hatte er mich deshalb bei sich aufgenommen?


 

Ich wusste, dass er sehr krank war. Schon lange kämpfte er gegen den Krebs und irgendwann würde er diesen Kampf leider verlieren. Aber bis dahin war er mir ein treuer Freund, der mir weder Regeln auferlegte, noch mich einsperrte.


 

Wahrscheinlich war ich der einzige von den elf, der sich frei bewegen durfte. Als Prinz war ich auch in der Lage am helllichtem Tage umherzuwandern, da mir die Sonne nur schadete, wenn sie direkt auf mich schien.


 

Doch mit der richtigen Kleidung und dem entsprechenden Lichtschutzfaktor war ich gut geschützt. Natürlich erkannte man sofort, dass ich ein Vampir war, aber da stand ich drüber. Denn ich hatte gelernt, gewisse Dinge zu überhören.


 

Mir war durchaus bewusst, dass die anderen Vampire nicht soviel Glück hatten. Sie wurden eingesperrt oder sogar misshandelt.


 

Ich wusste alles. Denn ich konnte sie hören, ihre Stimmen in meinem Kopf. Wenn sie Kontakt zu mir aufnahmen.


 

Fünf waren dagegen und mit mir waren es sechs die dieses Leben wollten. Somit stand der Entschluss fest. Es blieb so wie es war!


 

''Casi, komm doch bitte runter... Spiel noch ein Lied'', hörte ich Ingo von der Bar nach oben in mein Zimmer rufen. Ich seufzte. Wie konnte ich ihm diesen Gefallen abschlagen.


 

Also ging ich hinunter und nahm meine Gitarre mit. Dann setze ich mich auf einen Hocker, der auf der Bühne stand und fing an zu spielen. Dabei sang ich was mir in den Sinn kam.


 


 

Aufmarschiert im Takt,

geht’s in die Schlacht,

Nur Elf von Vielen haben es geschafft,

das man sie hört,

das man sie spürt,

sie sich zum Freund oder zum Feinde macht,


 

Elf Freunde voller Wut,

die Kinder meiner Brut,

elf Krieger für das Land,

in Silber eingebrannt,


 

Ich hab sie gezeugt,

hab sie erdacht,

mit aller Liebe und aller Kraft

mögen sie bestehn,

oder untergehn,

es wird Zeit dem Schicksal in die Augen zu sehn


 

Elf Kugeln in dein Herz,

elf Kapseln gegen Schmerz,

elf Krieger für das Land,

in Silber eingebrannt,


 

Alles ist gesagt,

für den Moment,

okay hier bei mir stehn,

elf Zeugen meiner Zeit,

Jeder bereit,

in meinem Namen in den Kampf zu ziehn


 


 

Ingo arbeitet schon wieder zu viel. Man sah ihm den Stress an. Er war ganz blass und auf seiner Stirn traten Schweißperlen hervor.


 

Die ganze Woche führte er nun schon Vorstellungsgespräche, da er neue Leute suchte für die Bar. Sogar ein Zimmer bot er mit an, aber wer wollte schon da arbeiten, wo sich eine Bestie in Menschengestalt aufhielt.


 

*-*-*


 

Mein Name war Leigh. Ich war neunzehn Jahre jung, von einer sehr schlanken Statur und mit einer Größe von 1,76m etwas klein geraten, was aber nicht so schlimm war, denn dafür hatte ich ein ziemlich großes Ego und ein starkes Selbstbewusstsein.


 

Meine langen schwarzen Haare, die ich meist offen trug, umschmeichelten sanft mein jugendliches Gesicht und ließen meine braunen Augen so etwas zur Geltung kommen.


 

Ich lebte in einer Welt in der Menschen und Vampire friedlich miteinander lebten. Okay, ich gebe zu, dass ich Vampiren lieber aus dem Weg ging, denn so ganz geheuer waren sie mir nicht und ich hatte auch ein wenig Angst vor ihnen.


 

Natürlich tat ich ihnen nichts und ich beleidigte sie auch nicht, auch wenn ich allen Grund dazu gehabt hätte. Ich lebte eben einfach nach meiner Devise... du lässt mich in Ruhe und ich dich.


 

Nachdem ich nun meine Lehre, als Restaurantfachmann, beendet hatte war ich nicht übernommen worden und suchte nach einer Stelle, wo ich arbeiten und Geld verdienen konnte, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.


 

Zur Zeit lebte ich bei einem sehr guten Freund von mir und dessen Eltern. Diese hatten mich damals aufgenommen, nachdem meine Eltern von Vampiren gebissen und getötet worden waren.


 

Davon hatte ich damals nicht allzu viel mitbekommen, denn ich war wohl erst vier Jahre alt gewesen, als das passiert war. So kam es, dass ich bei den Eltern meines Freundes ausgewachsen war.


 

Heute nun hatte ich endlich ein Vorstellungsgespräch und begab mich zu der angegebenen Adresse.


 

In dem Inserat stand auch etwas von einem Zimmer, das zu der Stelle mit angeboten wurde. Na gut, das Zimmer würde ich jetzt nicht unbedingt brauchen, da ich nicht weit weg von meiner vielleicht zukünftigen Arbeitsstelle wohnte.


 

Nach etwa eine halben Stunde hatte ich die Adresse erreicht und stand vor einer Bar.


 

Ja, okay, hier kann ich mir vorstellen zu arbeiten., dachte ich noch, dann betrat ich die Bar.


 

Mich ein wenig umsehend, ging ich auf die Theke zu, hinter der ein etwas älterer Mann stand. Ich hörte auch den Gesang, der von der Bühne... rechts von mir... her kam.


 

Ich blickte zur Bühne und sah... mein Gott... einen Vampir! Aber gut, ich ließ mir nichts anmerken und ging weiter auf die Theke zu.


 

"Guten Tag. Mein Name ist Leigh Steelheart. Ich möchte mich gern, auf das Inserat hin, hier bewerben.", sprach ich den Herrn vor mir höflich an.


 

Selbstverständlich hatte ich alles an Unterlagen dabei, was ich brauchen konnte. Ich hoffte wirklich, dass ich hier würde arbeiten können... nun ja, auch wenn ich den Vampir dafür in Kauf nehmen musste... egal... ließ er mich in Ruhe, würde ich ihn ebenfalls in Ruhe lassen und akzeptieren...


 

*-*-*


 

Wieder waren diese Stimmen in meinem Kopf und verursachten starke Kopfschmerzen. Ich unterbrach die Musik und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Was nicht wirklich einfach erschien, wenn man mehrere durcheinanderredende Stimmen im Kopf hatte.


 

Ich stand auf und hielt drückend meine Hände gegen die Stirn. Um mich herum drehte sich alles und ich hörte noch von der Theke her, wie Ingo meinen Namen rief.


 

''Ich brauche frische Luft'', japste ich, ergriff meine Sweatjacke, zog sie an und stülpte die Mütze über den Kopf.


 

Wobei ich sie tief ins Gesicht zog und dann taumelnd zur Tür ging.


 

Draußen angekommen, lehnte ich mich mit dem Rücken gegen die Mauer und holte tief Luft. Es war ein grauer bedeckter Tag und so konnte ich den Blick in den Himmel richten.


 

Die frische Luft tat mir gut und schwächte die Kopfschmerzen etwas ab.


 

Ingo machte sich Sorgen um mich, auch wenn er es zu verbergen suchte. Ich konnte ihn reden hören. Es war gerade wieder jemand gekommen zum Vorstellungsgespräch - der siebte heute.


 

''Entschuldigen Sie die Unterbrechung. Scheinbar ist alles in Ordnung. Mein Name ist Ingo Mitchel, aber bitte nennen sie mich Ingo'', lächelte er den jungen Mann an, der in etwa das Alter haben musste, welches ich an dem Tag meiner Schöpfung gehabt habe. Vor etwa 150 Jahren.


 

Er hatte etwas warmes liebliches an sich. So fremd, aber doch so vertraut.


 

''Sie wollen sich also hier bewerben. Bitte lassen sie uns doch platz nehmen. Ich brauche dringend jemanden. Mir fehlt es langsam an Leuten und ich kann nicht mehr so, wie ich gerne möchte.


 

Wenn sie Interesse haben, würde ich mich freuen, wenn sie bald möglich zum Probearbeiten kommen könnten. Sollten sie aber nicht hier arbeiten wollen, möchte ich sie bitten ganz offen zu sein. Denn ich habe schon öfters vergeblich auf die Leute gewartet und bin es allmählich leid'', hörte ich Ingo zu dem jungen Mann sagen.


 

Draußen wurde es nebelig, so dass ich meine Mütze abnehmen konnte. Dann wuschelte ich mir durch meine mittellangen, braunen, leicht gelockten Haare und ließ meine hellgrünen Augen die Straße entlang schauen.


 

Wie sie gafften und tuschelten.


 

Da seht ihn euch an.

Wie blass der ist.

Das ist ein Vampir.

Da er am Tage hier draußen ist, muss es der Prinz sein.


 

Ich hörte sie alle. Wussten sie das denn nicht, das ich sie hören konnte?


 

*-*-*


 

"Ich freue mich sie kennen zu lernen, Ingo.", erwiderte ich und setzte mich mit Ingo an den Tisch am Fenster.


 

Dann sprach ich weiter:


 

"Ich kann mir sehr gut vorstellen hier zu arbeiten und wenn sie so dringend jemanden suchen, kann ich auch gleich heute zum Probearbeiten hier bleiben. Natürlich nur, wenn es ihnen auch angenehm ist. Ich mein, sie suchen dringend jemanden und ich brauche dringend Arbeit... dann passt das doch.", lächelte ich Ingo zu und holte schon mal meine Unterlagen heraus.


 

"Hier sind meine Unterlagen. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Restaurantfachmann... hier sind meine Zeugnisse... meine Bewerbung und mein Lebenslauf.", redete ich munter drauf los und legte Ingo alles vor.


 

Nur ganz kurz blickte ich aus dem Fenster und sah wie der Vampir auf die Straße schaute.


 

*-*-*


 

Kopfschüttelnd winkte Ingo ab:


 

''Das brauche ich alles nicht. Ich bin von der alten Schule und vertraue darauf, was ich beim Probearbeiten sehe! Gerne dürfen sie bleiben. Oder darf ich du sagen? Mike, komm doch bitte mal her. Das hier ist Leigh Steelheart, ich würde mich freuen, wenn du dich seiner annimmst. Er soll heute hier Probearbeiten. Zeige ihn bitte alles und lass ihn ein bisschen mit anpacken. Mal schauen wie er sich so macht. Ich werde mich unterdessen oben ein wenig hinlegen.''


 

Dann stand Ingo auf und ließ die beiden allein zurück.


 

Ich atmete noch einmal tief durch und ging dann auch wieder hinein. Mit Mike kam ich gut klar, auch wenn er manchmal etwas seltsam war.


 

Wie würde wohl der Neue sein? Ob er nach dem Probearbeiten wieder kommt?


 

Die Zwei beobachtend ging ich hinter die Bar, in die Küche, um mir meinen Drink zu holen. Der Hunger treibst hinein, sagte man doch so schön. Denn anders ging es bei dem Gesöff aus Tier und Menschenblut auch nicht. Aber was blieb mir anderes übrig?


 

Die Menschen waren schlau, denn durch dieses Getränk konnte ich unmöglich meine ganze Stärke entfalten. Sie hielten mich quasi an der kurzen Leine.


 

*-*-*


 

"Natürlich dürfen sie mich duzen.", hatte ich noch erwidert und mich bedankt, dass ich gleich zum Probearbeiten hier bleiben durfte.


 

Dann war Ingo auch schon verschwunden und hatte mich mit Mike allein gelassen.


 

"Hallo Mike.", begrüßte ich den Herrn vor mir.


 

Ich war schon sehr gespannt wie die Praxis bei dieser Arbeit wohl aussah. Nun, anpacken konnte ich, auch wenn man es mir keineswegs ansah. Und ich würde mein Bestes geben, soviel war klar. Ich wollte diese Arbeit und ich freute mich wirklich darauf.


 

Als ich dann allerdings diesen Vampir hier herumschleichen sah, war mir nicht wohl zumute, aber ich sah ihn trotzdem freundlich an. Er konnte ja nichts dafür, dass er war, was er war. Irgendwie tat er mir schon leid... auch wenn seine Art meine Eltern getötet hatte... aber was konnte er dafür...


 

Jetzt freute ich mich aber erst mal auf meine Arbeit...


 

*-*-*


 

''Wir haben täglich Gäste. Meist sind es Reisende, Geschäftsleute oder auch mal welche die für mehrere Nächte bleiben. Was aber eher selten ist'', begann Mike zu erklären, '


 

'Oben haben wir etwa 30 Zimmer. Was wenig ist, im Vergleich zu den anderen Lokalen von Ingo. Deine Aufgabe ist recht abwechslungsreich. Es beginnt mit Frühstück zubereiten, was stets unten eingenommen wird, dann wenn die Gäste ausgecheckt haben, muss in der Küche schon alles klar sein, damit wir die Zimmer oben herrichten können.''


 

Ich hörte wie sie in Richtung Küche kamen.


 

''Am Besten lernst du alles nach und nach beim Arbeiten. Ich zeige dir jetzt im groben einmal, wo alles ist. Hinter der Bar, wo alles steht. Hier geht es zur Küche und anschließend schauen wir noch in den Keller und ein Zimmer kann ich dir oben auch zeigen.


 

Im Grunde sind alle gleich eingerichtet. Schlicht, aber sehr elegant. Nun ja, dass es eine der teuren Übernachtungsmöglichkeiten hier ist, brauche ich sicherlich nicht zu erwähnen. Mit Ingo bringt man auch nichts anderes in Verbindung. Falls du Interesse hast, dich hier einzurichten, steht dir selbstverständlich ein großes Zimmer zur Verfügung.


 

Wenn du schon woanders wohnst, kannst du es auch benutzen, um dich mal zwischendurch auszuruhen, oder falls es mal spät geworden ist, kannst du auch spontan hier übernachten'', erklärte Mike weiter.


 

Dann betraten sie die Küche. Zum Glück hatte ich meinen Drink bereits hinter mir gebracht. Schließlich wollte ich unseren Neuling nicht gleich verschrecken.


 

Ich nickte Mike zu und er lächelte mich an.


 

''Das ist Casi. Du kennst ja die Geschichte. Schließlich lernt man sie schon in der Schule. Lass dich von ihm nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn er einen gut um den Finger wickeln kann, mit seinem Charme'', witzelte Mike.


 

*-*-*


 

Ich hörte mir alles an und ließ es erst mal durch mein Gehirn sickern. Das war schon sehr viel, aber ich war mir sicher alles schaffen zu können.


 

Hatten meine Zieheltern mir doch rechtzeitig beigebracht, dass das Geld nicht an Bäumen wächst und ich alles nur mit harter Arbeit erreichen konnte.


 

"Danke Mike.", erwiderte ich:


 

"Das Zimmer werde ich wahrscheinlich nicht brauchen, da ich gleich hier in der Nähe wohne. Dennoch Dankeschön, für das Angebot.", plapperte ich munter weiter.


 

Dann sah ich diesen Vampir, den sie Casi nannten, an und nickte ihm freundlich lächelnd zu. Nun, ich hatte es zwar immer im Hinterkopf, was seine Art getan hatte, aber ich versuchte alles um ihn das nicht merken zu lassen.


 

"Hallo Casi.", begrüßte ich auch den Vampir:


 

"Ja, ich kenne die Geschichte.", das war dann noch alles was mir zu dem Thema einfiel.


 

"Ich werde mich bemühen, damit alles zu ihrer Zufriedenheit ist.", ließ ich noch verlauten und fragte:


 

"Womit darf ich anfangen?", voller Tatendrang.


 

*-*-*


 

''Hallo Leigh'', begrüßte ich den Neuling und ließ etwas von meinem Charme spielen. Sein Name zerfloss förmlich auf meiner Zunge.


 

''Erst einmal zeige ich dir noch den Rest und dann schauen wir gleich mal, wer heute ausgecheckt hat. Denn dann nehmen wir uns die Zimmer vor. Da wirst du gleich lernen, wie wichtig hier Sauberkeit ist. Aber denk immer dran. Hier bei Ingo verdienst du viel mehr, als anderswo'', kam es zwinkernd von Mike.


 

Er flirtete tatsächlich mit Leigh. Dabei würde er kaum den Hauch einer Chance bei ihm haben. Definitiv war er nicht sein Typ. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob er überhaupt das gleiche Geschlecht bevorzugte.


 

Aus irgendeinem Grund war da eine Blockade. Mir war es durchaus möglich in das Innerste eines Menschen hineinzuschauen. Zu sehen, was er alles durchlebt hatte. Aber eben nur, wenn mich dieser Mensch auch ließ und bei Leigh war es mir nur bedingt möglich.


 

*-*-*


 

Natürlich bemerkte ich, dass Casi seinen Charme bei mir spielen ließ, jedoch ließ ich ihn eiskalt abblitzen und zeigte ihm die kalte Schulter. Wenn er mir näher kommen wollte, müsste schon etwas mehr von ihm kommen. So leicht würde ich es ihm sicher nicht machen.


 

Zudem mich bislang weder das eine noch das andere Geschlecht interessiert hatte. Ich hatte bisher weder eine Freundin noch einen Freund... nicht dass es an Liebesschwüren usw. gemangelt hätte, aber ich hatte bisher noch jeden abblitzen lassen.


 

Somit war ich bisher immer einer Beziehung entgangen. Niemand war bisher nahe genug an mich heran gekommen. Alle hatten sich an mir die Zähne ausgebissen.


 

Ich wand mich wieder Mike zu, nickte und bemerkte das Zwinkern von Mike in meine Richtung. Allerdings ging ich nicht drauf ein, sondern ging einfach mit ihm mit und ließ mir alles zeigen, was ich zu tun hatte.


 

"Dankeschön, ich habe alles verstanden.", meinte ich, während ich ihm genau zusah, was er tat.


 

*-*-*


 

''Gut, dann lass ich dich mal machen. Wenn du fragen hast, fragt ruhig. Ich bin im Zimmer gegenüber, falls du mich suchen solltest'', flirtete Mike.


 

Ich war den Beiden nach oben gefolgt, aus reiner Neugier. Davon hatte ich mehr als genug und so schlich ich leise hinterher.


 

Leider blieb ich dabei nicht immer unbemerkt und rannte auch gleich Mike in die Arme, der aus dem einen Zimmer ins Nächste wollte.


 

Er verdrehte genervt die Augen. Doch galt das eher Leigh, als mir, da dieser ihn hatte eiskalt abblitzen lassen. Scheinbar war er weder an mir noch an Mike interessiert, aber gerade das machte ihn so sympathisch.


 

Kurz überlegend, beschloss ich durch die andere Seite des Zimmers hineinzugehen. Was für einen Vampir kein Problem darstellte, durchs offene Fenster hinein zu steigen.


 

So setzte ich mich aufs Fensterbrett und schaute zu, was der Neuling so trieb.


 

*-*-*


 

Emsig machte ich mich an die Arbeit und tat genau das was mir Mike aufgetragen hatte. Mich kümmerte nichts anderes. Natürlich bemerkte ich, dass ich beobachtet wurde, aber auch das ließ mich kalt.


 

Ich erledigte weiter meine Arbeit und sah dabei nicht auf die Uhr. Somit merkte ich nicht, dass ich eigentlich schon längst Feierabend hätte. Unermüdlich arbeitete ich weiter. Irgendwie schien ich nicht müde zu werden und Hunger hatte ich auch keinen... na ja, ich aß eh sehr, sehr wenig... so dass es schon mal vorkommen konnte, dass ich ab und zu ohnmächtig wurde.


 

Mir machte es einfach nur Spaß hier zu arbeiten und endlich was zu tun zu haben.


 

*-*-*


 

Wie ein fleißiges Bienchen verhielt sich Leigh. Er arbeitete die ganze Zeit, ohne Pause. Dabei standen ihm durchaus Pausen zu. Mich ließ er jedoch links liegen, was mich nicht weiter störte.


 

Sollte er ruhig machen, wenn er meinte, dass es so richtig war, wie er sich verhielt.


 

Ingo hatte inzwischen seinen Mittagsschlaf beendet und seine Unterlagen für heute abgearbeitet. Er unterbrach Leigh bei seiner Arbeit.


 

''So fleißige Leute habe ich gerne'', lächelte er,


 

''Magst du morgen gleich wieder kommen?''


 

Ich konnte die Antwort kaum erwarten. Nur zu gerne hatte ich ihm zugesehen. Endlich kam hier frischer Wind rein.


 

*-*-*


 

Ich unterbrach meine Arbeit, als mich Ingo ansprach.


 

"Danke, mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß.", antwortete ich und fügte freudig hinzu:


 

"Wenn ich darf, würde ich gern morgen wieder kommen." und hätte am Liebsten einen Luftsprung gemacht, wenn das nicht zu dämlich ausgesehen hätte.


 

Lächelnd sah ich Ingo an und zeigte ihm so, dass ich mich sehr freute. Anscheinend waren sie hier mit meiner Arbeit zufrieden, was mich natürlich auch sehr freute.


 

Jedoch hielt ich nichts von zu vielen und übertriebenen Emotionen. Ich war mir aber sicher, dass ich mich mit der Zeit hier gut einleben würde und auch zu den anderen hier ein … na ja, etwas offeneres Verhältnis herstellen konnte.


 

*-*-*


 

''Freut mich, dass dir die Arbeit soviel Spaß macht. Mir ist ein angenehmes Arbeitsklima sehr wichtig'', erklärte Ingo.


 

Dann überreichte er Leigh ein Schriftstück:


 

''Hier habe ich alles schriftlich festgehalten. Ich denke, das Gehalt ist mehr als angemessen. Sollte dennoch etwas nicht zu deiner Zufriedenheit sein, werden wir uns sicherlich einig. Ich möchte dich auch bitten zu mir zu kommen, wenn dich etwas bedrückt.


 

Mike hingegen solltest du nicht ernst nehmen, er flirtet mit allem und jedem was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ich kann dir nur den Rat geben: Lass dich nur nicht auf ihn ein. Er ist ein richtiger Herzensbrecher. Trotz alledem ist er ein Guter und tut seine Arbeit mehr als gewissenhaft.''


 

Ingo ließ sich auf einen Stuhl sinken und stöhnte leicht. Er hatte es heute mal wieder übertrieben und der Tag war noch lange nicht zu Ende.


 

''Ich hoffe Casis Anwesenheit stört dich nicht. Er tut keiner Fliege etwas zu leide, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen'', fügte er hinzu und lächelte zu mir herüber.


 

Dann zückte er seine Brieftasche und suchte einen dicken Schein raus. Den reichte er Leigh mit den Worten:


 

''Hier für den heutigen Tag. Den hast du dir mehr als verdient. Ab morgen beginnt dann dein Vertrag.''


 

Ingo war immer großzügig. Schließlich konnte er es sich auch erlauben.


 

*-*-*


 

Beinahe hätte ich vor Freude geweint, als mir Ingo das Schriftstück überreichte... aber eben nur beinahe. Dennoch begannen meine Augen zu strahlen, als ich das Schriftstück in meinen Händen hielt.


 

"Dankeschön.", bedankte ich mich bei Ingo... nicht wissend, wie ich ihm noch danken konnte... irgendwie war ich grad mehr als... sprachlos.


 

Dieses Glück... endlich eine Arbeit gefunden zu haben, die mir zudem auch noch richtig Spaß machte... konnte ich kaum fassen.


 

Ich sah mir den Vertrag an und bekam große Augen.


 

"Wie... ich mein... warum sollte... ich... denn nicht damit zufrieden sein?", fragte ich stammelnd... was gar nicht so meine Art war und fügte hinzu:


 

"Ich bin mehr als zufrieden und danke ihnen, dass sie mir eine Chance geben."


 

Als er mir dann sehr viel Geld für meine heutige Arbeit überreichte, fiel mir nichts anderes mehr ein, als:


 

"Vielen Dank. Ich freue mich schon, ab morgen hier arbeiten zu dürfen.", noch immer sehr höflich.


 

Auf seine Frage wegen Casi und Mike antwortete ich:


 

"Nein, Casi stört mich nicht, und dass Mike mit mir flirtet stört mich ebenfalls nicht. Ich fürchte gegen so etwas bin ich ...immun." und grinste ein wenig.


 

Natürlich sagte ich nichts von dem was mich bewegte... hielt ich es doch nicht für notwendig. Immerhin wollte ich hier nur arbeiten und nicht meine Lebensgeschichte erzählen.


 

"Kann ich sonst noch etwas für sie tun, bevor ich heim gehe?", fragte ich Ingo freundlich.


 

*-*-*


 

''Danke, du hast heute mehr als genug getan'', bedankte Ingo sich,


 

''Dennoch sollst du wissen, wenn dich etwas bedrückt, auch wenn es nicht Arbeitsbedingt ist, darfst du gerne damit zu mir kommen.''


 

Irgendetwas bedrückte Leigh und Ingo hatte einen siebten Sinn dafür.


 

''Jetzt solltest du erst einmal deinen wohlverdienten Feierabend genießen'', lächelte Ingo,


 

''Das werde ich auch tun.''


 

''Na hoffentlich'', rutschte es mir raus.


 

Normalerweise gab ich nur Wiederworte, wenn wir alleine waren. Schließlich musste ich aufpassen, was ich sagte. Alles war nicht erlaubt, da es gewisse Regeln für mich gab.


 

Doch Ingo hatte die Situation im Griff und lachte lauthals los.


 

''So besorgt mein Lieber'', antwortete er mir.


 

''Du siehst Leigh, meinen eigenen Aufpasser habe ich auch'', grinste er Leigh an.


 

*-*-*


 

Ich lächelte Ingo an und nickte einwilligend, als er mir anbot, dass ich mit meinen Problemen zu ihm kommen könnte. Natürlich wusste ich, das sich das niemals tun würde, denn meine Probleme gingen niemanden etwas an, auch wenn sie hier noch so nett und lieb waren.


 

"Danke, ich werde es mir merken.", waren meine Worte und musste nun auch grinsen, als Casi Ingo widersprach.


 

Mir begann es hier wirklich richtig gut zu gefallen und ich wollte, dass das auch so blieb.


 

"Also, dann verabschiede ich mich für heute. Ach ja, wann soll ich denn morgen hier sein?", fragte ich noch, bevor ich mich entfernen und nach Hause gehen wollte.


 

Dann jedoch sah ich Casi richtig an, spürte wie mir die Röte ins Gesicht stieg und ich meinen Blick senkte... was ich von mir eigentlich gar nicht gewohnt war.


 

*-*-*


 

''Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr, sei bitte pünktlich'', gab Ingo zur Antwort.


 

Was war jetzt? Hatte ich diese Reaktion richtig mitbekommen von Leigh? War er wirklich rot geworden?


 

Nur zu gerne würde ich ihm folgen, um zu erfahren wie er so lebte. Doch ich müsste Ingo erst fragen, sobald Leigh weg war. Ohne seine Erlaubnis durfte ich nicht allzu weit weg.


 

Aber sagte Leigh nicht etwas davon, dass er ganz in der Nähe wohnte? Ich konnte doch auch noch später Ingo etwas vorspielen, sollte er mich doch einen kleinen Rundgang machen lassen.


 

Es würde bald dunkel draußen werden, die Stimmen in meinem Kopf waren hellwach. Sie schienen auch ganz in der Nähe - drei von Ihnen. Ob sie geflohen waren, vor ihren Mentoren?


 

Wenn es so war, hieß es für die Menschen in ihrem Umkreis, dass sie in Gefahr waren.


 

*-*-*


 

"Gut, dann bis Morgen um 7 Uhr.", antwortete ich, dann verließ ich das Büro und bald auch die Bar.


 

So machte ich mich auf den Weg nach Hause. Leider ging mir nun dieser Vampir nicht aus dem Kopf... egal was auch immer ich versuchte... ich schaffte nicht.


 

Kontrolle... ja, ich muss meine Gefühle wieder unter Kontrolle bringen... hatte ich doch gelernt, wie man das macht.


 

Bis nach Hause war es nur eine halbe Stunde, doch diese halbe Stunde wurde für meinen Kopf zur Qual. Denn, wie es schien, hatte sich Casi in meinem Kopf festgekrallt und ich bekam ihn nicht mehr aus meinen Gedanken heraus. Egal wie sehr ich mich auf andere Sachen zu konzentrieren versuchte.


 

Ich würde mich mit meinem kleinen Problem wohl mal an meinen Freund wenden.


 

Es dämmerte bereits, als ich meinen Weg fast geschafft hatte...


 

*-*-*


 

''Ingo?'', fragte ich, sobald Leigh aus der Tür war.


 

Doch dieser nickte nur wohl wissend:


 

''Er hat es dir angetan. Geh nur!''


 

''Danke'', sagte ich und folgte auch gleich dem Neuling.


 

Es waren nicht mehr allzu viele Menschen auf der Straße, doch die wenigen, die mir entgegen kamen tuschelten natürlich.


 

Ob Leigh es bemerken würde, dass ich ihm verfolgte. Ich bemühte mich sehr, nicht von ihm bemerkt zu werden.


 

Doch plötzlich war da wieder dieser Schmerz in meinem Kopf. Raphael, einer der elf Zeugen war ganz nah.


 

Ausgerechnet, derjenige, der sich am meisten gegen dieses Leben sträubte. Leigh war in Gefahr, denn er stand auf einmal nur wenige Meter vor ihm.


 

Ich war mir nicht sicher, ob er mich treffen, oder seinen Blutdurst an dem Neuling stillen wollte. Oder vielleicht auch Beides, um ein Zeichen zu setzen, wie sehr er sich widersetzte.


 

*-*-*


 

Fast hatte ich mein Zuhause erreicht, als ich wenige Meter vor mir einen... Vampir stehen sah. Na, das hatte mir jetzt auch noch gefehlt.


 

Wie angewurzelt blieb ich stehen und starrte diesen Vampir vor mir an.


 

Toll, dachte ich: nach meinen Eltern wollt ihr mich jetzt auch noch töten... man, ich hasse Vampire!


 

"Was willst du Bestie?!", schrie ich den Vampir vor mir an:


 

"Willst du mich, nach meinen Eltern, nun auch noch töten?! Ihr Vampire seid so verabscheuungswürdig... ich hasse euch!!!", rief ich dem Vampir zu.


 

Natürlich wusste ich genau, dass nicht alle Vampire so waren.


 

Aber, ich hatte jetzt Angst... Angst um mein Leben... Angst zu sterben... aber andererseits... was sprach dagegen... dann wäre ich vielleicht bald bei meinen Eltern.


 

Ich würde allerdings nicht um mein Leben betteln... nein, dazu war ich zu stolz. Ich würde mich allenfalls zu wehren versuchen... ob ich eine Chance hatte... wusste ich aber nicht.


 

*-*-*


 

Erschrocken über das, was Leigh zu Raphael sagte, war ich erst erstarrt. Das bewegte ihn also. Er hatte schreckliches durchmachen müssen. Nun verstand ich auch sein Verhalten mir gegenüber.


 

Raphael lachte bösartig. Doch er antwortete nicht, stattdessen sah er direkt zu mir, an Leigh vorbei.


 

Er wartete wohl auf eine Reaktion von mir. Nur was wollte er jetzt hier? Unruhe stiften?


 

Langsam ging ich näher zu Leigh, denn egal was jetzt passieren würde, ich wollte ihn beschützen. Irgendetwas in mir musste ihn beschützen!


 

Jeder Schritt hallte durch die Straße, dabei sah ich wie gebannt auf Raphael, versuchte jede Regung mitzubekommen. Doch er stand einfach nur da und schien abzuwarten, was ich vorhatte.


 

Wenn ich Leigh berühren würde, könnte ich sein Blut durch seine Adern strömen spüren. Ich musste versuchen dieser Versuchung zu widerstehen, auch wenn es noch so verführerisch war.


 

Reines Menschenblut


 

Raphaels Stimme spuckte in meinem Kopf. War das sein Plan? Wollte er mich verführen?


 

*-*-*


 

Ich hörte diesen Vampir vor mir lachen... es klang bösartig und hätte ich mich nicht noch einigermaßen unter Kontrolle gehabt, hätte ich wohl zu heulen angefangen, aber das verkniff ich mir gekonnt.


 

Dann drehte ich mich um, als ich die Schritte hinter mir hörte und sah Casi hinter mir.


 

Oh, mein Gott... zwei Vampire...!!!


 

Nun begann ich doch zu zittern und noch immer stand ich wie erstarrt da... vollkommen in meiner Angst, um mein Leben, gefangen. Die Tränen traten nun doch in meine Augen, bei dem Gedanken, was mir zwei Vampire antun konnten.


 

Kaum wagte ich es zu atmen.


 

Dann allerdings dachte ich kurz nach... in der Bar hatte Casi mich nicht angegriffen und da hätte er doch oft genug die Möglichkeit gehabt... warum sollte er mich jetzt angreifen? Hmm... oder hatte er einfach nur bis jetzt abgewartet?


 

Ich wusste nicht was ich noch denken sollte... ich war mir so unsicher... dann jedoch spürte ich, wie mir schwindelig wurde... hatte ich doch den ganzen Tag noch nichts gegessen.


 

Mir wurde schwarz vor Augen, dann sank ich auch schon langsam zu Boden, wo mich die Dunkelheit umhüllte....


 

*-*-*


 

Als ich sah, dass Leigh zu Boden ging, reagierte ich blitzschnell und fing ihn gerade noch halbwegs auf.


 

Raphael lachte wieder, als er das Schauspiel mit ansah.


 

Ich war wie gefangen. Da lag dieser schöne Mann in meinen Armen, er war so weich und warm. Sein Blut pulsierte wild durch seinen Körper und er roch so verdammt gut.


 

Beinahe hätte ich mich nicht unter Kontrolle gehabt, doch dann fiel mir alles wieder ein. Wie gut ich es bei Ingo hatte. Die Zeit, als er mich aufgenommen und vor allen anderen beschützt hatte. Stets betonte er, dass er die Hand für mich ins Feuer legte, er vertraute mir blind.


 

Nein, enttäuschen wollte ich ihn nicht.


 

Also nahm ich all meine Kraft zusammen und hob den bewusstlosen Körper hoch.


 

''Raphael, wenn du dich nicht den Menschen beugen willst, ist es deine Entscheidung. Aber du solltest dich mir nicht widersetzen'', raunte ich meinen Gegenüber an.


 

Dieser zuckte wohl wissend zusammen. Er hatte versucht mich auszutricksen, dessen war ich mir durchaus bewusst. Doch sich mir gegenüber aufzulehnen, das wagte er dann doch nicht.


 

Seine Gestalt verschwand in der Dunkelheit und ich brachte Leigh wohlbehalten zu Ingo, da ich ja nicht wusste wo er wohnte.

Ich legte ihn in seinem vorgesehenen Zimmer aufs Bett und kühlte seine Stirn mit einem kalten Lappen.


 

Dann sprach ich mit ruhiger Stimme in sein Gewissen:


 

''Es ist alles gut. Du bist in Sicherheit. Dir ist nichts geschehen. Ich werde dich beschützen!...''


 

*-*-*


 

Ich weiß nicht, wie lange ich schon bewusstlos war, aber als ich erwachte und meine Augen öffnete, sah ich Casi bei mir sitzen.


 

Leicht erschrocken sah ich ihn an, aber irgendwas in meinem Inneren sagte mir, dass ich in Sicherheit war... dass mir nichts geschehen war... und... dass er mich beschützen wollte... ich weiß nicht warum, aber etwas in mir war bereit ihm zu glauben.


 

Ein wenig setzte ich mich auf und sah Casimir an. Wobei es mein Gesicht mal wieder nicht lassen konnte zu erröten.


 

Na toll... was ist nur los mit mir?! Verdammt!!!, dachte ich bei mir, verdrängte aber weitere Gedanken.


 

"Was... ist denn passiert... und wo bin ich hier?", wollte ich von dem Vampir wissen, meine Gesichtsröte ignorierend.


 

Hatte ich mir doch das Zimmer, das man mir angeboten hatte, nicht angesehen und konnte somit nicht wissen wo ich mich befand.


 

*-*-*


 

''Du bist in Sicherheit. Raphael ist fort. Da ich nicht wusste wo du wohnst, habe ich dich zu Ingo gebracht. Das hier ist das Zimmer, was du nutzen darfst'', es war das erste Mal, dass ich so normal mit ihm sprach.


 

Irgendwie schien es mir zwar ganz natürlich, aber auch komisch.


 

''Wenn du telefonieren möchtest, um jemanden zu benachrichtigen, darfst du das selbstverständlich. Solltest du es vorziehen Zuhause zu übernachten, werde ich dich begleiten. Nur für den Fall der Fälle'', gab ich ihm zu verstehen.


 

Er sah so niedlich aus, wie er da saß. Schüchtern errötet war er und ich versuchte seinen Blick einzufangen. Jedoch wollte ich dieses Mal nicht meinen Charme spielen lassen, mir war es lieber den echten Leigh gegenüber zu haben.


 

''Ingo lässt dir etwas zu Essen bereiten, du hast den ganzen Tag noch nichts zu dir genommen, habe ich recht?'', fragte ich ihn dann, wohl wissend wieso er zusammengeklappt war.


 

Seine schönen braunen Augen hatten es mir angetan, dabei war es mir verboten.


 

Die erste Regel besagte, dass ein Vampir keinen Menschen begehren durfte, sei es um dessen Blut oder Liebe willen.


 

*-*-*


 

"Ich... ähm... danke.", erwiderte ich und senkte meinen Blick... nun auf das Bett blickend.


 

Verdammt... was war nur mit mir los?! Ich war doch sonst nicht so und nichts hatte mir bislang etwas ausgemacht.


 

Ich musste dringend meine Kontrolle wieder finden... sonst... würde ich wahrscheinlich all meine Prinzipien über den Haufen werfen. Und das ging ja mal gar nicht.


 

Dann beantwortete ich seine Frage:


 

"Nein, ich... ähm... ja... du... hast recht... ich habe... den ganzen Tag noch nichts... gegessen. Ich... ähm... na ja... esse... eh sehr... wenig...", mehr oder weniger zusammenhanglos vor mich hin stammelnd.


 

Dann fügte ich hinzu:


 

"Nein, ich... möchte nicht anrufen... ich... ähm... würde dann... gern... nachher... nach hause gehen..." und sah Casimir nur ganz kurz an... und mein Gesicht schien nichts anderes mehr tun zu wollen als weiterhin im schönsten Rot zu leuchten.


 

Au man, wie peinlich...


 

*-*-*


 

Ich musste tatsächlich kichern, was eigentlich nun gar nicht meine Art war. Aber Leigh ließ mir keine andere Wahl, denn er war einfach zu süß.


 

Erschrocken über mich selbst, sah ich ihn nun verdutzt an.


 

Dann ging auch schon die Tür auf und Ingo kam mit einem Tablett herein. Schnell stand ich auf und nahm es ihm ab. Dann ging ich rüber zum Bett und stellte es auf den kleinen Tisch daneben.


 

''Sicher, wenn du dich gestärkt hast, werde ich dich nach Hause begleiten'', versicherte ich Leigh.


 

''Bist du dir sicher, dass er nicht wieder auftauchen wird'', fragte Ingo ängstlich.


 

Schließlich hatte ich ihm alles erzählt, was passiert war und nun machte er sich Sorgen.


 

''Nein, ich bin mir eben nicht sicher. Deshalb möchte ich Leigh begleiten. Raphael ist am gefährlichsten, wenn es dunkel ist. Doch ich denke nicht, dass er sich gegen mich direkt auflehnen wird. Das wagt er nicht'', versicherte ich Ingo.


 

Dieser sah mich nickend an:


 

''Gut, dann hast du die Erlaubnis unseren Neuling nach Hause zu begleiten. Oder sollte ich lieber sagen, dass ich möchte, dass du es ab jetzt jeden Abend tust?''


 

''Das brauchst du nicht zu erwähnen! Ich werde Leigh beschützen und alles dafür notwendige tun!'', gab ich zurück.


 

Dann schaute ich Leigh direkt an:


 

''Natürlich nur, wenn ich deine Zustimmung habe.''


 

*-*-*


 

Toll, das war es ja wohl jetzt... man, warum musste ich mich ausgerechnet jetzt so derart blamieren? Ich verstand mich selbst nicht mehr.


 

Casimirs verdutztes Gesicht ließ mich nun aber auch grinsen.


 

Als dann die Tür aufging und Ingo das Essen brachte unterließ ich das Grinsen gleich wieder.


 

"Vielen Dank, Ingo. Es tut mir leid, dass sie sich wegen mir diese Umstände machen.", bedankte ich mich entschuldigend.


 

Dann aber hörte ich was Casimir sagte und wurde nachdenklich.


 

Warum will er mich begleiten und beschützen?, dachte ich still.


 

Jedoch wollte ich es nun ganz genau wissen:


 

"Casi? Warum willst du ausgerechnet mich begleiten und beschützen? Ich verstehe das nicht." und sah ihn fragend an, während ich meinen Kopf ein wenig zur Seite neigte.


 

Ans Essen dachte ich nicht... ich wollte Antworten... ehrliche Antworten...


 

*-*-*


 

''Es ist meine Pflicht! Raphael ist nur wegen mir hier'', sagte ich und schaute Ingo fragend an.


 

''Ich denke wir können ihm vertrauen'', sagte dieser und fügte noch hinzu,


 

''Du machst keine Umstände. Es ist alles in Ordnung. Aber in Zukunft machst du Pausen und isst ordentlich, verstanden!''


 

''Gut. Also Raphael, der Vampir von gerade eben, ihm passt dieses Leben nicht. Er wünscht sich das Leben zurück, wie es früher war und er will mich auch davon überzeugen. Um genau zu sein, geht es fünf von den elf Zeugen so wie ihm.


 

Die anderen fünf vertreten meine Meinung, dass ein Zusammenleben möglich ist. Auch wenn ich nicht wirklich hinter allen Regeln stehe und auch dieses Konservenblut lieber nur als Menschenblut hätte'', erklärte ich nun ganz offen.


 

''Aber es wird schon alles seine Richtigkeit haben, so wie es festgelegt wurde'', fügte ich seufzend hinzu.


 

Schließlich wusste ich ganz genau wieso Raphael und die anderen so dachten. Sie fühlten sich verraten und eingesperrt. Wie Sklaven wurden wir behandelt.


 

Dabei wäre es ein leichtes, uns gegen die Menschen aufzulehnen. Aber was würde dann mit denen passieren, die wir lieb gewonnen haben?


 

*-*-*


 

Ich nickte Ingo einwilligend zu und versprach:


 

"Natürlich, werde ich in Zukunft darauf achten. Es tut mir leid... trotzdem Danke..."


 

Ich hörte was Casimir mir zu erklären versuchte und verstand es. Gleichzeitig atmete ich irgendwie erleichtert auf, dass es nicht das war, was ich dachte... ich schien also echt Glück zu haben... dass sich nicht wieder jemand womöglich in mich verliebt hatte.


 

Und doch hatte ich in meinem Inneren so ein merkwürdiges Gefühl... es war... schön... kribbelnd... dennoch ängstigte es mich... da ich es nicht kannte.


 

Langsam stand ich auf und spürte schon, dass ich noch sehr wacklig auf den Beinen war. Aber ich riss mich erfolgreich zusammen und ging zur Tür.


 

An der Tür stehend, wand ich mich zu Casimir um und meinte:


 

"Danke, dass du mir helfen willst, aber ich denke, dass ich es durchaus allein nach Hause schaffe."


 

Ich weiß nicht was mich geritten hatte diese Worte an ihn zu richten... wo ich mir doch eigentlich etwas ganz anderes wünschte... wenn es mir auch noch nicht so wirklich bewusst war... was ich mir eigentlich wünschte...


 

*-*-*


 

''Hier geblieben junger Mann'', brüllte Ingo Leigh an und ließ mich zusammenzucken,


 

''Erst einmal wird gegessen. Wenn du keine Umstände bereiten willst, isst du alles brav auf! Anschließend sei dir bitte der Gefahr bewusst und lass dich nach Hause begleiten. Ich bin mir sicher, dass Casi sonst kein Auge zu tun wird. Außerdem wollte ich nicht unbedingt die Polizei einschalten, wenn du verstehst.''


 

Ich spürte den Unterton in seiner Stimme, als er von mir sprach.


 

''Wenn du mich nicht lässt, werde ich dich heimlich begleiten. Wie gerade eben'', erklärte ich Leigh und fügte dann kleinlaut hinzu:


 

''Ich hatte große Angst um dich.''


 

Es war mir verboten so zu fühlen, doch konnte ich nicht anders. Irgendetwas in ihm rief mich mit lauter Stimme zu sich. Wollte mich spüren und halten. Mir das geben, wonach ich schon so lange suchte.


 

Was sprach ich da nur. Ingo schaute mich erschrocken an, schließlich wusste er genau wie die Regeln lauteten.


 

Außerdem gehorchte ich ihm gerade gar nicht, womit ich die zweite Regel ebenfalls brach.


 

Die zweite Regel besagte, dass man seinem Mentor stets treu sein sollte und ihm zu gehorchen hatte.


 

*-*-*


 

Ich zuckte zusammen, als Ingo mich so anbrüllte, starrte Ingo erschrocken an und wich nach hinten zurück. Irgendwie fühlte ich mich gerade wie ein Kaninchen, das vor einer Schlange sitzt.


 

Zögernd nickte ich, doch bewegte ich mich nicht von der Stelle und blieb stehen wo ich war.


 

Schließlich begann ich zu zweifeln, ob es wirklich richtig war, dass ich mich hier beworben hatte.


 

Meine Zieheltern hatten mich auch oft angebrüllt... ich kannte es also... nun, das war es wohl, warum ich es nun nicht mehr wagte mich zu bewegen oder zu widersprechen.


 

Ich sah zunächst nicht, dass sie es wahrscheinlich nur gut mit mir meinten... meine Angst war jetzt einfach nur übermächtig und Tränen traten mir in die Augen.


 

Auf Casis Frage konnte ich nicht antworten... zu geschockt war ich jetzt...


 

*-*-*


 

Ingo atmete tief durch, als er die Reaktion von Leigh sah.


 

''Verzeih mir'', entschuldigte er sich,


 

''Manchmal werde ich etwas laut, wenn ich Angst um jemanden habe, der einen Teil in meinem Herzen eingenommen hat.''


 

Ja, ich kannte es nur zu gut.


 

''Er schreit mich ständig an'', grinste ich Leigh an, wobei ich in seinen schönen Augen versank.


 

''Bitte, nimm unsere Hilfe an'', bat ich Leigh jetzt und verbeugte mich sogar vor ihm.


 

Ich hatte solche Angst um ihn und wusste gar nicht wie es um mich geschah. Meine Gefühle hatte ich ganz und gar nicht im Griff.


 

*-*-*


 

Den Tränen nahe, nickte ich nur wieder und schien irgendwie meine Stimme verloren zu haben.


 

"Ich... ich... ja... ich... es ist... o-okay.", begann ich nun auch noch zu stottern.


 

Schließlich überlegte ich tatsächlich mir eine andere Arbeit zu suchen. Sicher, er hatte sich entschuldigt, aber ich war dennoch sehr empfindlich in dieser Hinsicht und ich wusste, wenn ich hier jemals wieder raus kommen würde, würde ich mir gleich an anderen Tag eine andere Arbeit suchen.


 

Ich kam damit nicht klar. Natürlich hatte ich sie alle hier gern und irgendwie tat es mir leid... es zerriss mir förmlich das Herz, allein dass ich so dachte.


 

Dass sich Casimir dann auch noch vor mir verbeugte machte die Sache für mich wahrlich nicht einfacher. Zudem dieses dämliche Kribbeln nicht aus meinem Bauch verschwand und mich fast wahnsinnig machte.


 

"Wenn... ich ein bisschen... esse... darf... ich... d-dann nach... hause... bitte...", bat ich schließlich stotternd.


 

Ja, nun hatte man mir mal wieder gründlich den Kopf gewaschen... ich war wohl etwas zu selbstbewusst... vielleicht hatte ich sogar irgendwie... eingebildet... oder gar arrogant gewirkt...


 

Nun, jetzt befand ich mich wieder auf dem Boden der Tatsachen...


 

*-*-*


 

''Es tut mir leid, dass du wegen mir in dieser misslichen Lage bist. Dich zwingt hier keiner zum Essen, aber ich denke, es wäre besser, wenn du etwas zu dir nimmst'', sagte ich mit sanfter Stimmt zu ihm.


 

Ich spürte, dass etwas in ihm vorging. Vielleicht hätten wir ihm doch nicht so blind vertrauen sollen.


 

Doch irgendetwas in mir hatte den Wunsch ihm zu vertrauen.


 

''Du darfst frei entscheiden, was du tun möchtest, hier zwingt dich keiner zu etwas'', fügte Ingo noch hinzu,


 

''Für mich wird es Zeit schlafen zu gehen. Bitte, beherzige meinen Rat und entschuldige noch einmal, dass ich so ausfallend geworden bin.''


 

Im Vorbeigehen legte Ingo noch seine Hand auf Leighs Schulter und schaute ihm nickend in die Augen.


 

''Wir sehen uns doch morgen, oder?'', fragte er noch,


 

''Ich kann verstehen, wenn du es dir anders überlegt haben solltest. Aber vielleicht hilft es ja einfach eine Nacht drüber zu schlafen.''


 

Dann lächelte er Leigh an und verließ den Raum, um sich hinzulegen.


 

Da ich es mittlerweile gewohnt war Nachts zu schlafen, würde ich auch froh sein, wenn ich in mein Bett käme.


 

Doch wollte ich erst, dass Leigh wohl behalten zu Hause ankam.


 

*-*-*


 

"Ja... wir... sehen uns... morgen.", willigte ich ein, bevor Ingo das Zimmer verließ.


 

Dann wand ich mich an Casi:


 

"Ich... denke, ich ...werde heute... hier bleiben... es ist doch schon sehr spät....", meinte ich noch ein wenig eingeschüchtert.


 

Langsam hatte ich den "Schock" aber schon wieder verdaut und löste mich aus meiner Starre.


 

Ich sah, dass auch Casi müde war und bot ihm an:


 

"Also, ich komm jetzt allein klar.... wenn du willst, kannst... du ja auch ins... Bett gehen." und setzte mich an den Tisch, wo das Essen stand.


 

Ich nahm mir das Besteck und begann ein wenig zu essen... und musste schon bei dem ersten Bissen anerkennend nicken... es schmeckte echt super gut.


 

*-*-*


 

''Gut. Wenn du etwas brauchst, ich bin im Zimmer nebenan'', sagte ich und blieb noch wie erstarrt stehen.


 

Was erwartete ich von ihm, dass er sagen würde: Bleib!


 

Wohl kaum.


 

Zögernd ging ich dann doch zur Tür.


 

''Ich wünsche dir eine gute Nacht und lass es dir schmecken. Im Bad findest du alles was du brauchst und sollte etwas fehlen melde dich einfach'', kam es mir über die Lippen und ich merkte selbst wie bescheuert sich das anhörte.


 

Was tat ich hier eigentlich? Er würde mich kaum zu sich ins Bett bitten und selbst wenn er auf die Idee kommen würde, wäre da immer noch dieser Blutdurst.


 

Außerdem war es verboten! Nein, ich musste stark sein und jetzt gehen!


 

Widerwillig nahm ich die Türklinge und drückte sie runter.


 

*-*-*


 

"Ich wünsche dir auch eine gute Nacht. Und danke, ich werde mich melden, wenn ich was brauche.", erwiderte ich, sah Casi an und wunderte mich warum er zögerte.


 

Klar, ich wusste ja nicht was mit ihm los war. Und Sorgen brauchte er sich ja nun nicht mehr zu machen... ich blieb ja hier. Hatte er mir vielleicht doch nicht so ganz die Wahrheit gesagt? War es vielleicht nur die halbe Wahrheit?


 

Ich ahnte instinktiv, dass es da mit Sicherheit noch etwas gab, das er mir nicht gesagt hatte.

Aber, nun ja, ich konnte ja nicht wissen, was noch in ihm vorging, es war ja schließlich kein Rehbraten, den man riechen konnte.


 

Und was Gefühle anging... damit kannte ich mich eh nicht aus... und konnte folglich auch nichts damit anfangen.


 

*-*-*


 

Ich verließ den Raum und schloss die Tür hinter mir. An der selbigen lehnend, schloss ich nun für einen Moment die Augen.


 

Was tat ich eigentlich hier? War ich von allen guten Geistern verlassen?


 

Ein Mensch? Es lief doch alles so gut hier, warum musste das ausgerechnet mir passieren und dann auch noch ein Mensch.


 

Nach kurzem Zögern ging ich auf mein Zimmer und kletterte meine Treppe hoch, in mein Bett, das sich direkt unter der Zimmerdecke befand. Ingo hatte es für mich anfertigen lassen, nachdem ich ihm versichert hatte, dass es nicht unbedingt ein Sarg sein musste, der mir eine angenehme Bettruhe bescherte.


 

Die Stimmen schienen mich in dieser Nacht in Ruhe zu lassen, so konnte ich getrost die Augen schließen. Leigh war im Nachbarzimmer in Sicherheit. Würde sich einer von den anderen Vampiren nähern, wäre ich der erste, der das mitbekam.


 

*-*-*


 

Geschafft!


 

Kaum hatte Casimir das Zimmer verlassen, legte ich das Besteck auf den Tisch zurück und sah mich hier noch etwas um.


 

Es war ruhig hier und so verhielt ich mich ebenfalls sehr leise. Ich zog mir meine Schuhe wieder an, stand auf, ging zur Tür und lauschte.


 

Alles ruhig...


 

Okay, dann mal los... zunächst mal musste ich zusehen, dass ich das Haus hier verließ und dann auf dem schnellsten Wege heim kam.


 

Dann aber überlegte ich doch eine ganze Weile... sollte ich wirklich...?


 

Mir war schon klar, dass sie mir nicht mehr vertrauen würden, wenn ich jetzt einfach so verschwand. Zudem hätte ich sie belogen.


 

Ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Irgendwie wusste ich ja, dass sie es gut mit mir meinten und... na ja, vielleicht hätte ich es hier sogar besser als... daheim.


 

Nicht, dass ich es "Zuhause" schlecht hatte, nein, aber... meine Zieheltern ließen es mich doch sehr oft spüren, dass ich eben nicht ihr Sohn war.


 

Ich ging wieder zum Bett und setzte sich drauf. Dann liefen mir auch schon die Tränen aus den Augen und tropften leise... einsam auf das Bett.


 

Vollkommen von meinen Gefühlen ergriffen, ließ ich mich auf das Bett fallen und weinte sehr heftig und schluchzend.


 

Nicht wissend was ich tun sollte.... und wohin ich eigentlich gehörte... konnte ich nicht aufhören zu weinen und in meinem Kopf kam kein vernünftiger Gedanke mehr auf.


 

Sie alle hier waren gut zu mir und meinten es auch gut... na ja, bis auf... Ingo... wobei... er es wahrscheinlich auch nicht böse meinte.


 

Was sollte ich nur tun...? Ich war vollkommen verzweifelt...


 

*-*-*


 

Ich hatte gerade die Augen geschlossen und genoss die Ruhe um mich herum, als ich im Nebenzimmer etwas hörte. Meine Sinne etwas anstrengend, lauschte ich doch genauer.


 

Weinte da jemand? Leigh?


 

Hellwach saß ich im Bett. Wie sollte ich da schlafen, wenn er traurig war oder hatte er Angst?


 

Leise stand ich auf und begab mich in den Flur, lehnte mich lauschend an seiner Tür. Tatsächlich war er es, von dem die Geräusche ausgingen.


 

Sollte ich hineingehen und herausfinden was ihn bewegte? Einen Moment zögerte ich, weil ich nicht wusste, ob er sich mir überhaupt anvertrauen würde. Doch dann hielt ich es nicht aus und schlich mich ins Zimmer.


 

Steif stand ich vor dem Bett, auf dem er lag. Wusste nicht recht wie ich reagieren sollte. Es quälte mich der Anblick so sehr, dass mir auch eine Träne über die Wange lief. Am liebsten würde ich mich zu ihm setzen und ihn umarmen, doch würde er mich lassen?


 

*-*-*


 

Zunächst hatte ich nicht bemerkt, dass jemand in mein Zimmer gekommen war. Irgendwann war aus meinem heftigen Weinen nur noch ein Schluchzen geworden und ich hob ein wenig meinen Kopf an, um mir die Tränen weg zu wischen.


 

Dabei bemerkte ich, das jemand neben meinem Bett stand. Schnell richtete ich mich auf und sah Casi vor mir stehen.


 

"Oh...ähm... hallo Casi. Es tut mir leid, wenn ich dich geweckt haben sollte. Sorry.", erklärte ich leise... mich entschuldigend.


 

Die letzten Tränen weg wischend fügte ich hinzu:


 

"Es ist alles okay... du kannst ruhig wieder schlafen gehen. Ich werde jetzt auch ein wenig schlafen." und lächelte ihn lieb an.


 

*-*-*


 

''Wie sollte ich jetzt achtlos schlafen gehen, wenn du so traurig bist'', antwortete ich ihm und ging langsam auf ihn zu.


 

Blieb jedoch kurz vor ihm stehen, weil ich ihm ja nicht verschrecken wollte.


 

''Warum weinst du?'', fragte ich dann einfach direkt.


 

''Hast du Angst? Fühlst du dich allein?'', hackte ich weiter nach und ging noch einen kleinen Schritt auf Leigh zu, so dass ich direkt vor ihm stand.


 

''Ich möchte nicht, dass du weinst. Soll ich hier bei dir bleiben? Wenn du mich lässt, tröste ich dich auch...'', fuhr ich fort.


 

Nicht wissend was ich sagte. Wenn er das melden würde, wäre ich mehr als am Ar....


 

*-*-*


 

Ich sah ihm in die Augen und hörte was er sagte und mich fragte. Dann sah ich, dass ihm wohl auch eine Träne an der Wange herab lief und er tat mir plötzlich so unglaublich leid. So rückten meine "kleinen" Probleme sehr weit in den Hintergrund.


 

Dennoch beantwortete ich seine Frage:


 

"Ich... habe geweint... weil... ich nicht so richtig weiß wohin ich eigentlich gehöre. Weißt du, ich wollte vorhin einfach von hier weg gehen... mich davon schleichen... aber … dann konnte ich es nicht. Weil... ihr doch so lieb zu mir wart und euch um mich gesorgt habt. So überlegte ich.... das Zimmer hier doch zu nehmen. Und nun weiß ich nicht was ich tun soll."


 

Nach einer kurzen Pause fügte ich hinzu:


 

"Nein, ich habe keine Angst... aber... manchmal... ja... da fühle ich mich schon etwas... na ja... allein. Und ...wenn... also... wenn du magst... kannst du gern hier... bei mir... bleiben.", stammelte ich verlegen... mal wieder errötend.


 

Mir war schon klar, dass er es wahrscheinlich nicht durfte... aber mir war es jetzt irgendwie egal... ich würde ihn nicht verraten.... warum weiß ich auch nicht... etwas in mir, wollte ihn bei mir haben... warum auch immer. Vielleicht wollte ich ihn auch einfach ein wenig... trösten...


 

*-*-*


 

Als ich hörte, was er zu mir sagte, lächelte ich ein wenig. Er wollte tatsächlich, dass ich blieb und so nahm ich meinen Mut zusammen und setze mich neben ihn aufs Bett.


 

''Weißt du...'', fing ich an zu erzählen,


 

''Ich fühle mich auch allein und weiß nicht wo ich hingehöre. Die anderen Vampire teilen nicht alle meine Meinung und ich bin hin und her gerissen. Weiß selber nicht ob meine Einstellung richtig ist. Zu euch Menschen gehöre ich doch auch nicht. Ich kann noch so sehr versuchen mich anzupassen, es wird mir nie gelingen...''


 

''Es tut mir leid was dir widerfahren ist. Das mit deinen Eltern muss schrecklich gewesen sein. Du musst meine Art sehr hassen'', kam es mir plötzlich über die Lippen und ich senkte den Kopf zur Seite.


 

Schließlich wusste ich ganz genau was für Bestien wir Vampire sein konnten und ich fühlte mich schuldig dafür, was ich war.


 

*-*-*


 

"Wie... was... nein, ich hasse nicht alle Vampire. Außerdem wie kann ich jemanden hassen, der mir doch nichts getan hat. Es waren andere Vampire, die meine Eltern töteten, aber das bekam ich ja nicht mit, denn damals war ich ja erst vier Jahre alt.


 

Mach dir bitte keine Sorgen, hm. Es ist alles okay... wirklich. Und wenn du dich wirklich so allein und einsam fühlst... dann kannst du jederzeit zu mir kommen... und ich leiste dir ein wenig Gesellschaft."


 

Ich holte tief Luft, legte meine Hand auf seinen Rücken und streichelte ihn, während ich weiter sprach:


 

"Ja, das stimmt wohl, ihr seid nicht wie wir Menschen. Ihr seid... viel stärker und schöner. Okay, ihr seid auch gefährlich, aber wir Menschen sind doch auch ziemlich gefährlich und... gemein.


 

Ich mein, wie viele unserer Art haben wir schon getötet, oder wie viele Tiere töten wir... das ist doch auch gemein und bösartig, wie ich finde. Und ich finde es absolut nicht okay, wie man euch Vampire behandelt.


 

Das ist abartig und ihr tut mir einfach nur noch leid... obwohl ich allen Grund hätte... euch auch zu hassen... aber das tue ich eben nicht."


 

Meine Rede beendet, nahm ich meine Hand wieder von seinem Rücken weg... weil ich ihn nicht unnötig provozieren wollte. Dennoch lächelte ich ihn liebevoll an.


 

*-*-*


 

Als seine Hand auf meinen Rücken mich streichelte, durchströmte mich eine Wärme, wie ich sie ewig nicht gespürt hatte. Weiß Gott, ich war nie ein Artiger gewesen. Hatte viel gefickt, betrogen und gelogen, mich dem Blutrausch hingegeben. Aber hatte ich wirklich jemals geliebt?


 

Es fühlte sich verdammt gut an, so vertraut. Ich wollte mehr davon. Ihm nahe sein, ihn spüren.


 

Wie gebannt hing ich an Leighs Lippen und lauschte seinen Klängen. Es steckte viel Wahres in seinen Worten und so blieb mir nichts anderes übrig als zu nicken.


 

''Ich würde sehr gerne deine Gesellschaft genießen'', raunte ich mit einem Lächeln auf den Lippen.


 

''Du bist etwas ganz besonderes Leigh, weißt du das eigentlich?'', schmeichelte ich ihm und wagte es dann tatsächlich mich an ihn zu lehnen und meinen Kopf auf seine Schulter zu legen.


 

Natürlich ganz behutsam und meinen Blutdurst unterdrückend, schmiegte ich mich an ihn.


 

*-*-*


 

Sanft legte ich meine Arme um ihn, drückte ihn vorsichtig an mich und streichelte ihn zärtlich... ohne mir wirklich bewusst zu sein, was ich da tat und eventuell anrichten konnte.


 

"Nein, das ist so nicht richtig. Wir... sind etwas besonderes... Casi. Und wenn du willst... helfe ich dir.", flüsterte ich ihm sanft zu.


 

Er sah so lieb und brav aus, wie er an mir lehnte. Ich begann ihn echt zu mögen. Es fühlte sich so richtig an, wie er sich an mich lehnte und ich ihn streichelte.


 

"Ich mag dich, Casi.", flüsterte ich ihm zu.


 

"Wenn du magst und es nicht übertreibst... kannst du gern von meinem ...Blut trinken.", bot ich ihm sanft an, während ich ihn weiter streichelte.


 

*-*-*


 

Er war so zärtlich zu mir und roch so wahnsinnig gut. Ich hatte sowieso schon Probleme mich unter Kontrolle zu halten und jetzt bot er mir so etwas an.


 

Wahrscheinlich lag ich immer noch in meinem Bett und träumte gerade den schönsten aller Träume.


 

Vielleicht etwas zu stürmisch drückte ich Leigh in die Kissen, erschrak im selben Moment über mich selbst und schaute ihn direkt an. Machte ich ihm Angst?


 

''Bist du dir sicher?'', fragte ich ungläubig.


 

Wahrscheinlich hatte ich mich nur verhört.


 

''Dir ist schon klar, dass es ein wenig schmerzhaft ist'', versuchte ich ihn vorzuwarnen.


 

Aber auch verdammt geil, dachte ich.


 

Meine Gedanken schweiften ab, zu dem Tag meiner Schöpfung. Der König hatte mich mit seinem Charme um den Finger gewickelt. Doch ich wollte es, da ich sowieso ganz alleine war und das Gefühl hatte, absolut niemanden zu haben.


 

Wir hatten wahnsinnig guten Sex, wobei er immer wieder ein wenig von meinem Blut trank. Es war sehr reizvoll, genau die richtige Mischung aus Lust und Schmerz. Ich gab mich ihm total hin und genoss es in vollen Zügen.


 

Erst als wir unser Nachspiel genossen, fragte er mich noch einmal, ob ich mir sicher sei. Erst nach meiner erneuten Einwilligung, trank er mein ganzes Blut und gab mir von seinem zu kosten.


 

Die Verwandlung selber war sehr schmerzhaft, schließlich starb mein Körper. Aber der König blieb die ganze Zeit über bei mir und auch danach war ich lange an seiner Seite und lernte von ihm.


 

Eigentlich bis zu seiner Hinrichtung, als sie alle anderen Vampire töteten. Ich hatte wohl einfach Glück. Obwohl ich mir nie sicher war, ob es wirklich Glück war, dass ich die Hinrichtung Meinesgleichen mit ansehen musste.


 

*-*-*


 

Ein wenig hatte ich mich nun doch erschrocken, als er sich so auf mich stürzte und mich nun in die Kissen drückte. Aber sehr schnell hatte ich mich wieder gefangen und nickte ihm zu:


 

"Ja, ich bin mir sicher, dass ich das will."


 

Ich sah ihm noch immer sanft und liebevoll in die Augen und sprach flüsternd weiter:


 

"Ich weiß auch, dass es sehr schmerzhaft werden kann, dennoch biete ich es dir an. Ich werde dich auch sicher nicht verraten, das bleibt unser Geheimnis, wenn du möchtest."


 

Sicher, ich wusste nicht was mich geritten hatte, ihm das anzubieten, aber ich mochte ihn und irgendwie konnte ich mich in ihn hinein versetzen... wie er sich wohl fühlen musste.


 

Hatte ich doch selbst einmal an solch einer Konserve gerochen und mich dabei fast übergeben. Okay, ich war ja auch kein Vampir, dennoch fand ich es einfach widerlich... was man den Vampiren hier antat.


 

Und das nur, weil sie eben waren, was sie waren... aber waren wir Menschen denn so viel anders, als die Vampire?


 

Ich war jedenfalls bereit mich Casi hinzugeben....


 

*-*-*


 

Mein Herz machte einen kleinen Sprung, als Leigh mir vergewisserte, dass er es wirklich wollte. Ich konnte mich gar nicht mehr an das letzte Mal erinnern, wo ich am Hals eines Menschen gesaugt... reines Menschenblut zu mir genommen hatte.


 

Auf ihn liegend, lehnte ich meinen Kopf runter. Sanft stupste ich mit der Nase gegen seinen Hals, streichelte diesen geradezu mit ihr.


 

''Soll ich lieber etwas weiter unten, so dass du es mit einem Shirt verdecken kannst?'', fragte ich unsicher und aufgeregt. Schließlich konnte ich es kaum abwarten.


 

Es war egal wo ich ihn biss, nur am Hals würde es für jeden sichtbar sein oder er müsste stets Rollkragen oder Halstücher tragen.


 

Mein Herz raste, der süße Duft seines Blutes kroch mir in die Nase und ich konnte es pulsieren hören. Im gleichmäßigem Takt floss es durch seine Adern – so süß und wohl kostend.


 

Würde ich mich unter Kontrolle haben und nur wenig zu mir nehmen können. Wenn ich es hinbekommen würde, wäre es eine sichere regelmäßige Quelle. Leigh war ein sehr hübscher und süßer junger Mann, vielleicht würde dabei noch mehr gehen.


 

Mein Herz würde es sich mehr als wünschen ihm näher zu kommen und das war der erste Schritt in die richtige Richtung. Vertrauen schaffen!


 

*-*-*


 

Dem Vampir noch immer liebevoll in die Augen sehend, flüsterte ich:


 

"Du kannst auch direkt an meinem Hals saugen, wenn du magst... dann trage ich eben ein Tuch... mich stört das nicht." und neigte dabei sacht meinen Kopf zur Seite, damit er noch etwas besser an meinen Hals heran kommen konnte, währenddessen streichelte ich ihn noch immer sanft.


 

Natürlich hatte ich ein kleines bisschen Angst, denn ich konnte mir sehr wohl vorstellen, dass es mir sehr weh tun würde, aber ich wollte es für ihn tun... ihm einen Gefallen tun... egal ob es mir weh tun würde oder eben nicht.


 

Ich mochte ihn sehr ...warum wusste ich aber noch immer nicht. Es war eben einfach so.


 

Irgendwas an ihm reizte mich, nur konnte ich einfach nicht sagen was es war.


 

*-*-*


 

Es kam mir vor wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen, so toll war dieser Anblick von Leighs Hals. Ich musste noch einmal kräftig schlucken, leckte dann zärtlich über seinen Hals, damit er sich ein wenig entspannte.


 

Dann fuhr ich meine Zähne aus und biss ganz vorsichtig zu. In mir brodelte es, sein Blut strömte geradezu in meinem Mund. So süß und wohlschmeckend.


 

Gekonnt trank ich ein paar Schlücke und riss mich dann von ihm los. Um die Blutung zu stillen, leckte ich liebevoll über seine Wunde.


 

Mein Herz raste, meine Augen waren blutunterlaufen und ich versuchte meinen hektischen Atem unter Kontrolle zu bekommen. Meinen Kopf an Leigh schmiegend flüsterte ich immer wieder:


 

''Danke.''


 

*-*-*


 

Ein schmerzerfülltes Seufzen entfuhr meiner Kehle, als er wirklich zubiss. Mein Herz raste, als könnte jeder Schlag der letzte sein. Meine Atmung beschleunigte sich und ich schloss die Augen, aus denen nun doch ein paar kleine Tränen rannen und leise.... einsam auf das Kissen tropften.


 

Und doch war es für mich irgendwie ein einmaliges Erlebnis... das ich um nichts in der Welt mehr missen wollte... egal wie sehr es mich gerade geschmerzt hatte... aber es war auch irgendwie ...ja... geil.


 

Er hielt auch sein Wort und trank nur ein wenig von mir... ließ mich... also wirklich am Leben. Ob er mich, nur aus Eigennutz oder weil er mich vielleicht gern hatte, am Leben gelassen hatte... war mir in diesem Moment so vollkommen egal.


 

Wie sehr musste er sich jetzt zusammen genommen haben... um mich nicht völlig leer zu trinken. Ich bewunderte ihn und doch tat er mir so leid, dass ich ihm am liebsten mein ganzes Blut angeboten hätte...


 

"Ist schon okay... nichts zu danken.", flüsterte ich, nachdem ich mich einigermaßen wieder gefasst hatte.


 

*-*-*


 

Ich wollte einfach so bei Leigh liegen bleiben, dem Pulsieren seines Herzens lauschen, ihm nahe sein. Es fühlte sich so herrlich an, ihn so zu spüren.


 

Aus irgendeinem Grund hatte ich mich unter Kontrolle. Vielleicht weil ich ihm nichts Böses antun wollte, weil meine Gefühle für ihn Aufrichtig waren.


 

Langsam wurde ich schläfrig und ließ mich treiben. Am Liebsten wäre es mir einfach so heute Nacht bei ihm zu schlafen, ganz dicht an ihn gekuschelt.


 

Dabei wusste ich nicht einmal, ob es ihm recht war, dass ich einfach so liegen blieb.

Es war so wunderschön bei ihm. Warm und weich, so vertraut.


 

Genusswohl sog ich seinen Duft ein, kuschelte mich an ihm und lauschte der Stille im Haus.


 

*-*-*


 

Als sich Casi an mich kuschelte, ließ ich ihn gewähren. Auch ich drehte mich zu ihm und kuschelte mich ebenfalls an ihn. Es war gerade so, als könnte ich gar nicht anders... als wäre er das Liebste und Beste, das ich hatte... als würde ich ihn schon seit Ewigkeiten kennen.


 

Ich fühlte mich so wohl bei ihm, so... beschützt und geborgen... obwohl er mir gerade weh getan hatte... aber ich hatte es ja so gewollt und es ihm erlaubt.


 

Während ich mich an ihn kuschelte, begann ich ihn sanft zu streicheln und hätte ihn am Liebsten die ganze Zeit einfach nur angesehen, aber dann fielen mir die Augen zu und ich schlief, ihn sacht festhaltend, selig und ein wenig erschöpft ein...


 

*-*-*


 

So gut hatte ich lange nicht geschlafen, als ich die Vögel draußen singen hörte. Sanft schmiegte ich mich an Leigh und wünschte die Zeit möge für heute still stehen.


 

''Casi'', hörte ich Ingos Stimme durchs Haus hallen und ich schreckte hoch.


 

Wenn er mich so vorfinden würde, was dachte er dann von mir. Sicher hatte er bemerkt, was Leigh mir bedeutete, aber dass ich sein Blut trank...


 

Ich leckte mir über die Lippen, um die Spuren von letzter Nacht zu verwischen, dann drückte ich Leigh einen sanften Kuss auf die Wange und flüsterte:


 

''Guten Morgen.''


 

Anschließend stand ich auf und verließ das Zimmer, weil ich nachschauen wollte, wieso Ingo mich suchte. Unten angekommen sah ich bereits, dass eine neue Lieferung angekommen war und was brauchte man dazu am Besten, als einen starken Vampir, der in Windeseile alles wegräumen konnte.


 

Die morgendliche Dusche musste also erst mal warten und so tat ich meine Arbeit, wenn ich auch immer noch gedanklich bei letzter Nacht war.


 

*-*-*


 

Ich spürte einen sanften Kuss auf meine Wange... von Casimir... der mir dann einen guten Morgen wünschte. Als ich ihm aber antworten und ihm auch einen guten Morgen wünschen wollte, war er schon aus dem Zimmer verschwunden.


 

Nur im Unterbewusstsein und noch etwas schlaftrunken hatte ich mitbekommen, dass Ingo den Vampir wohl suchte. Noch etwas schwach fühlte ich mich... wahrscheinlich war das noch die Folge der vorigen Nacht.


 

Egal, ich würde es wohl überleben. Noch immer stand das Essen auf meinem Tisch. Okay, es war jetzt kalt, aber den Saft konnte ich ja zumindest trinken.


 

Nur einen Moment setzte ich mich auf den Stuhl und trank den Saft aus, wobei ich mir nun überlegte doch hier zu wohnen. Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht... zumindest für den Übergang würde es wohl reichen und dann würde ich mir eben langsam eine eigene Wohnung suchen.


 

Und wenn Casi wollte... nun... dann würde ich ihn gern mit mir nehmen.


 

Aber zunächst stand ich auf, verließ das Zimmer und ging ins Bad, wo ich gründlich duschte. Dann ging ich wieder in mein Zimmer, zog mich wieder an und kämmte mir meine langen schwarzen Haare, die ich nun aber nach hinten zusammen band.


 

Anschließend verließ ich mein Zimmer wieder und machte mich an die Arbeit. Mit Ingo würde ich später noch reden... wegen dem Zimmer und eine Entschuldigung meinerseits war ja wohl auch noch fällig...


 

*-*-*


 

Die Arbeit ging mir, wie immer, leicht von der Hand, auch wenn ich Leigh nicht in die Augen blicken konnte. Zu sehr erregte mich der Gedanke an letzter Nacht. Es war herrlich gewesen endlich wieder reines Menschenblut zu schmecken und dabei noch von so einem tollen jungen Mann.


 

Gedankenversunken leckte ich mir über die Lippen und musste kichern, als ich Mikes Blicke bemerkte. Was der wohl jetzt dachte. Schließlich hatte ich gerade einen ganzen Stapel Kartons mit Gemüse in den Keller gebracht. Vielleicht dachte er jetzt, dass ich zum Vegetarier werde.


 

Als ich mit der Ware fertig war, wollte ich unbedingt unter die Dusche und ging nach oben. Leider streikte meine Dusche mal wieder. Das war jetzt schon das dritte Mal diese Woche. Ingo musste unbedingt eine andere Firma mit der Reparatur beauftragen.


 

Ich beschloss eines der Zimmer zu nehmen, wo ein Mann gerade ausgecheckt hatte. Sie würden es sowieso gleich sauber machen müssen, also konnte ich vorher noch schnell die Dusche benutzen.


 

Das warme Wasser floss über meinen schlanken, leicht trainierten Körper und ließ wohlige Schauer durch meinen Körper zucken. Gedanklich war ich immer noch bei Leigh, er ging mir einfach nicht aus dem Kopf und es war gewiss nicht nur sein Blut, an das ich dachte.


 

Nach einer gefühlten Ewigkeit stellte ich die Dusche aus und lehnte meinen Kopf gegen die kalte Duschwand. Eine kleine Abkühlung tat ihm mehr als gut und so schloss ich für einen kleinen Moment die Augen.


 

*-*-*


 

Mit meiner Arbeit kam ich ganz gut voran, so dass ich nun fast alle Zimmer bis auf eines gründlich gereinigt hatte. Zu dem letzten Zimmer ging ich nun, denn ich wusste ja, dass der Gast schon ausgecheckt hatte.


 

Ich öffnete das Zimmer, reinigte es gründlich und musste nun nur noch das Bad bzw. die Dusche reinigen. So betrat ich die Dusche und hörte das Wasser laufen.


 

Oookaayyy... hatte man mich vielleicht falsch informiert? Hatte der Gast gar nicht ausgecheckt?


 

Man, wie peinlich war das denn?


 

"Hallo... ist hier noch jemand?!", fragte ich.


 

Na ja, konnte ja sein, dass nur jemand vergessen hatte, das Wasser abzustellen... wusste ich doch nicht wer sich in der Dusche befand...


 

*-*-*


 

Als ich plötzlich Leighs Stimme hörte, stockte mir der Atem und ich schaute etwas verdutzt um die Ecke, der Dusche.


 

Grinsend lächelte ich ihn an:


 

''Hallo Leigh... meine Dusche ist mal wieder kaputt und so habe ich mir kurzerhand hier eine gegönnt.''


 

Dann trat ich aus der Dusche raus und stellte fest, dass ich gar kein Handtuch mitgenommen hatte.


 

''Ähm... du hast nicht zufällig ein Handtuch dabei'', lächelte ich ihn etwas verlegen an.


 

Vielleicht war es Gedankenübertragung gewesen, dass er jetzt hier bei mir stand. Na ja, die Wahrscheinlichkeit war doch sehr groß gewesen, dass er oder Mike hier auftauchen würden.


 

Gehofft hatte ich selbstverständlich Leigh anzutreffen, immerhin hatte ich noch nicht gefrühstückt. Aber das war es nicht allein, denn ich fühlte mich einfach wohl, wenn wir zwei alleine waren.


 

Nur zu gern würde ich ihn jetzt hier unter der Dusche vernaschen. Was hatte ich nur für versaute Gedanken.


 

*-*-*


 

"C-Casi... d-du... hier?", fragte ich überflüssig und leicht "geschockt".


 

"Ähm... ja, klar... ist doch okay... ich mein, dass du hier duschst. Ein Handtuch... ähm... ja warte...", stotterte ich verlegen... kramte nach einem Handtuch für Casi und konnte meinen Blick dabei nicht von seinem... super schönen... absolut perfektem Körper abwenden.


 

Und doch versuchte ich es, suchte und kramte verlegen und mal wieder errötend... klar, was sonst... nach diesem verflixten Handtuch... meinen Blick senkend.


 

Ich wusste nun echt nicht wohin ich schauen sollte. Schließlich fand ich etwas, das für mich nach einem Handtuch aussah... doch war es nur ein kleines Gästehandtuch... ich bemerkte es aber nicht... viel zu verwirrt war ich jetzt.


 

Meinen Blick zu Boden gerichtet stand ich vor Casimir und wagte es nicht zu atmen... geschweige mich zu bewegen.


 

An die letzte Nacht denkend sah ich Casi schließlich doch wieder an und hatte mit einem Mal das Gefühl alles durch eine rosarote Brille zu sehen und ich wollte es irgendwie noch einmal erleben... was ich gestern Abend erlebt hatte.


 

Es war so, als wäre ich... ja... süchtig nach ihm... allerdings bedachte ich nicht, dass ich heute noch nichts gegessen hatte... aber das war mir so egal...


 

Essen? Wer musste schon essen...


 

*-*-*


 

Ich hatte mich nicht wirklich unter Kontrolle, so wie Leigh schüchtern vor mir stand, nicht ganz seiner Sinne.


 

Kichernd über das Handtuch, packte ich ihn an die Schultern und zerrte ihn unter die Dusche. Mir war es egal, dass er angezogen war. Leicht drückte ich ihn gegen die Duschwand. Meine Augen suchten die seinen und mein Kopf lehnte ich an den seinen. Meine Zunge leckte wie von selbst genüsslich über meine Lippen.


 

Dann stellte ich das warme Wasser wieder an und ließ meine Hände unter sein Shirt gleiten. Leighs Haut war so warm und weich, ich konnte gar nicht genug davon kriegen. Sein Körper fühlte sich unbeschreiblich toll an.


 

Für einen Moment schloss ich die Augen und genoss das schöne Gefühl. Dann öffnete ich sie wieder und schaute fragend die Leighs.


 

War es okay, was ich hier tat?


 

*-*-*


 

Wie im Trance... oder Rausch... wie auch immer... bemerkte ich, dass Casi mich mit sich unter die Dusche zog, nachdem er sich wohl über das Gästehandtuch amüsiert hatte.


 

Mit Casi unter der Dusche stehend, die wunderbar warmes Wasser abgab... sah ich Casi ebenfalls an, der meinen Blick zu suchen schien. Er leckte sich über die Lippen und mir war schon klar, was er wahrscheinlich wollte.


 

Und ich war nur allzu gern bereit es ihm zu geben.... mein Blut.


 

Als ich nun aber auch noch seine ...absolut megaweichen Hände an meinem Körper fühlte... konnte ich ein leises wohliges Stöhnen nicht mehr unterdrücken, ließ es einfach raus und gab mich diesen Gefühlen hin.


 

Aber auch meine Hände suchten, wie von selbst den Kontakt zu seinem Körper, der sich, wie ich feststellen musste, ebenfalls so wunderbar weich anfühlte, wie er aussah.


 

So schloss ich genießend die Augen und gab mich ihm hin... egal was nun passieren würde...


 

*-*-*


 

Mein Körper reagierte auf Leighs, da konnte ich gar nichts gegen machen. Um eine Erektion kam ich nicht drum herum, so sehr törnte er mich an. Seine Berührungen machten es nicht wirklich besser und dieses Stöhnen, was er von sich gab, schien meinem Körper den Rest zu geben.


 

Etwas schwierig erwies es sich, sein bereits nasses Shirt auszuziehen, was mir störend im Weg schien. Nach einigem hin und herziehen, hatte ich es dann doch geschafft und so ließ ich meine heiße Zunge über Leighs Hals und anschließend über dessen Oberkörper gleiten.


 

Ich liebte dieses Spiel der Lust. Viel zu lange hatte ich mich ihm nicht mehr hingegeben. Wieder und wieder knabberte ich Lustvoll an ihm herum, ohne jedoch dabei meine Fangzähne auszufahren.


 

Ließ meine Lippen sanft sein Ohr küssen und liebliche Worte hinein flüstern:


 

''Du hast einen tollen Körper. Nur zu gerne würde ich dich vernaschen. Lass mich schmutzige Dinge mit dir tun, von denen du noch nicht mal geträumt hast.''


 

Dann schaute ich wieder tief in seine tollen braunen Augen und hatte für einen Moment das Gefühl darin zu versinken. Meine Hände streichelten unterdessen über seine Brust und neckten seine Brustwarzen mit kleinen Kniffen.


 

*-*-*


 

Oh, mein Gott, was tat er da mit mir? Ich war kaum noch Herr meiner Sinne. Meine Gefühle brodelten... sprudelten über und ließen mich noch etwas lauter stöhnen... als gewollt.


 

Natürlich hatte ich keine Ahnung von der Materie... Sex. Hatte ich mich doch bislang immer allem erfolgreich entziehen können... aber nun... war ich ein Gefangener meiner Gefühle.


 

Ich hörte, was mir Casi ins Ohr flüsterte und ich konnte mich dem nicht mehr entziehen. Nur ein ganz kleiner Teil in mir wunderte sich woher Casi wusste, dass ich noch Jungfrau bzw. Jungmann war und noch nie... Sex gehabt hatte.


 

"Ja, tu mit mir was du willst... ich bin dein Sklave.", flüsterte ich nun völlig erregt zurück.


 

Seine Hände und seine Finger machten mich verrückt... und dann seine heißen Lippen, die meinen Körper liebkosten... machten mich wahnsinnig... hielten mich gefangen.


 

Ich ließ es geschehen und mich von ihm ein wenig verwöhnen.


 

Aber auch ich konnte meine Hände nicht von seinem wunderschönen Körper lassen und erforschte ihn streichelnd.... während ich seinen Hals küsste, als er sich etwas zu mir herab beugte.


 

*-*-*


 

So gerne ich ihn hier und jetzt vernaschen wollte, würde mir für einfühlsamen Sex die Zeit fehlen. Schließlich war es während Leighs Arbeitszeit, was wir hier trieben und erwischen lassen wollte ich mich nun nicht.


 

Ich war mir sicher, dass er es noch nicht getan hatte. Meine Erfahrung und seine Reaktionen mir gegenüber verrieten mir das.


 

Dennoch wollte ich ihn ein wenig von dem kosten lassen, was ihn erwartete. Meine Finger machten sich selbstständig und öffneten hektisch seine Hose. Vorsichtig griff ich hinein und rieb kräftig über seine Männlichkeit.


 

Seine nasse Hose ließ ich an, nur ungern wollte ich uns damit quälen, unseren Rausch stören. Dann drückte ich meine Lippen auf die seinen, suchte mit meiner heißen Zunge nach seiner und verwickelte sie in ein heißes Liebesspiel.


 

Sanft knabberte ich an seiner Lippe und danach an seiner Zunge, musste mich beherrschen nicht meine Fangzähne zum Einsatz kommen zu lassen. Gierig rieb ich meinen Körper an den seinen, wohl wissend dass ihn das um den Verstand bringen würde.


 

Fürs Erste müsste es reichen, dass wir so zum Höhepunkt kommen würden. Gierig leckte ich über seinen Hals, einen winzigen Biss tuend und mir einen kleinen Schluck gönnend. Seine Wunde verschloss ich dieses Mal nicht, so dass ich im Laufe des Liebesspieles noch das eine oder andere Mal von seinen sinnlichen Blut schmecken konnte.


 

*-*-*


 

Erregt stöhnend gab ich mich ihm hin, als ich spürte wie er meine Hose öffnete und seine Hand hinein gleiten ließ und meine Männlichkeit zu reiben begann. Ich war ihm verfallen und süchtig nach ihm.


 

Dann spürte ich auch schon wieder seine Zähne in meinem Hals, und dass er von mir trank. Wieder ließ ich es einfach nur geschehen und genoss, was er mit mir tat, in vollen Zügen.


 

Er machte mich, mit allem was er mit mir tat, wahnsinnig... und es würde nicht mehr lang dauern, bis ich vollkommen den Verstand verlieren würde.


 

Darauf mussten er und ich nicht mehr lange warten, denn aufgrund dessen, dass ich keinerlei Erfahrungen damit hatte, dauerte dieses Spiel der Begierde und er unstillbaren Lust nicht allzu lange und ich erreichte, erregt aufstöhnend... mit bebender Hüfte, meinen allerersten Höhepunkt.


 

Meine Hände krallten sich währenddessen in seinen Körper und mein Kopf neigte sich noch etwas mehr zur Seite, darauf hoffend, dass er noch mehr von mir trinken würde....


 

.Casimir... die Erfüllung eines wunderschönen Traumes...


 

*-*-*


 

Viel zu schnell war dieses kleine Lustspiel vorbei. Leigh hatte seinen Höhepunkt erreicht und als ich seinen Hals so zu mir gerichtet sah, trank ich ein letztes Mal ein paar Schlucke von seinem schmackhaften Blut.


 

Währenddessen nahm ich Leighs Hand und drückte sie an meine mehr als harte Männlichkeit, um ihn zu zeigen, wie er mich stimulieren sollte. Mit kräftigem Druck über seiner Hand gab ich den Rhythmus an und erreichte auch bald meinen Höhepunkt.


 

Dann ließ ich seine Hand wieder los und leckte seine Wunde, um sie zu verschließen. Zärtlich küsste ich Leigh zum Abschluss.


 

*-*-*


 

Das Gefühl, das Geschlechtsteil eines anderen Mannes in der Hand zu halten, würde ich wohl niemals vergessen. Seine Männlichkeit fühlte sich sehr groß und hart an. Und es fühlte sich zunächst sehr seltsam für mich an, aber dann gewöhnte ich mich daran und ließ mich von Casi führen.


 

Als er sich nun wieder einige Schlucke meines Blutes gönnte, konnte ich ein wohliges Seufzen nicht unterdrücken. Klar, tat es noch immer weh, wenn er das tat, aber ich empfand es jetzt als nicht mehr so schlimm, wie beim ersten Mal. Jetzt hatte ich mich halbwegs daran gewöhnt.


 

Casi erreichte ebenfalls seinen Höhepunkt, doch als er mich nun auch noch küsste, machte es klick bei mir. Hier war eindeutig mehr im Spiel als nur... Sex, Begierde, Leidenschaft und Freundschaft.... das was hier lief war eindeutig mehr... es war... Liebe...


 

Etwas wovor ich sehr lange davongelaufen war und mich dem entzogen hatte...


 

Ich erwiderte seinen Kuss... konnte von ihm nicht genug bekommen und hing an seinen Lippen, wie ein Drogenabhängiger auf Entzug.


 

Es dauerte ein wenig ehe mein Gehirn seine Arbeit wieder aufnahm. Aber schließlich schaffte ich es und fand mich langsam wieder in der Realität ein.


 

Flüsternd sprach ich:


 

"Ich glaub, ich sollte langsam wieder... oder..." und sah ihm sanft in die Augen.


 

*-*-*


 

''Sicher, wenn du auch ein großes Handtuch für mich findest, hole ich dir ein paar von meinen Sachen. Deine kannst du ja schließlich nicht mehr anziehen'', grinste ich Leigh an.


 

''Wenn du magst und dir das hier gefallen hat, können wir es gerne ein anderes Mal vertiefen'', sagte ich mit ruhiger Stimme und küsste ihn noch einmal heiß und innig.


 

Es war schwer mich von seinen tollen Körper zu trennen, aber es blieb mir wohl oder übel nichts anderes übrig. Die Arbeit rief mehr als laut.


 

''Versprich mir aber, dass du dir noch eben die Zeit nimmst und einen Happen isst'', bat ich ihn noch.


 

Denn unser Treiben hatte wohl seine Spuren an seinen Körper hinterlassen.


 

*-*-*


 

Ich nickte, erwiderte seinen heißen und innigen Kuss noch einmal, bewegte mich dann aus der Dusche heraus, suchte und fand dann ein großes Badetuch und reichte es Casi. Für mich selbst hatte ich mir ebenfalls ein Badetuch genommen und begann mich nun auszuziehen, um mich abzutrocknen.


 

Dabei war es mir jetzt so ziemlich egal, ob er mich nun nackt sah oder nicht.


 

Währenddessen erwiderte ich:


 

"Ja... ich... es hat mir sehr gefallen... und... gegen... das Vertiefen... hätte ich nichts.", wobei mein Gesicht mal wieder puterrot anlief... ob sich das wohl jemals ändern würde...?


 

So trocknete ich mich weiter ab und wickelte mir das Badetuch um meine sehr schmale Hüfte.


 

"Versprochen, ich werde gleich noch was essen.", versprach ich Casimir mit einem Lächeln.


 

*-*-*


 

Das Handtuch annehmend und Leigh beobachtend, trocknete ich mich jetzt auch selber ab. Dabei musterte ich gierig jeden Zentimeter seines Körpers. Wenn die Zeit es zugelassen hätte, wäre ich noch einmal über ihn hergefallen, so sehr verzehrte ich mich nach ihm.


 

Dann zog ich meine Sachen über, die ich mitgebracht hatte und begab mich mit den Worten:


 

''Ich bin gleich wieder da'', nach nebenan.


 

Es war einfach viel zu süß, wie er schon wieder rot geworden war. Nur allzu gerne würde ich ihm bald zeigen, wie lustvoll man sich einander hingeben konnte.


 

Aber jetzt suchte ich erst einmal etwas zum anziehen heraus. Er war etwas schmaler als ich, weshalb ich meine engste Hose raus suchte und einen Gürtel bei tat. Das müsste gehen und noch ein Shirt, was bei mir ziemlich eng anlag, dass müsste ihm gut passen.


 

Die Hose könnte er an den Beinen zur Not etwas umkrempeln, da ich doch ein wenig größer als er war. Aber das würde schon alles gehen. Entweder sollte er sich hier Wechselkleidung deponieren oder noch besser wäre es, wenn er hier doch einzog.


 

Ich nahm mir vor, es bald anzusprechen und ging wieder rüber zu ihm.


 

*-*-*


 

Nachdem Casi das Zimmer verlassen hatte, hatte ich mich ans Fenster gestellt und nachdenklich hinaus gesehen.


 

Ja, ich wollte hier einziehen und genau das hatte ich noch heute, nach Feierabend vor. Zu groß war meine Begierde nach Casi geworden, als dass ich auch nur noch eine Sekunde von ihm getrennt sein wollte.


 

Ja, er hatte es mir angetan und ich war ihm erlegen.


 

Als der Vampir das Zimmer wieder betrat und mir die Sachen gab, lächelte ich ihn an und bedankte mich mit den Worten:


 

"Danke, Casi... das ist echt lieb von dir.", dann zog ich mich an und legte auch mein Halstuch um meinen Hals.


 

Okay, die Sachen waren mir etwas zu groß, da ich doch sehr schmal war, aber es fiel nicht so sehr auf. Mit ein paar kleinen Tricks hatte ich mir die Sachen schnell angepasst.


 

"Casi, ich werde gleich noch mit Ingo reden müssen, denn ich möchte heute noch, nach Feierabend, hier einziehen. Ich denke, dass es besser so ist.", meinte ich und sah Casi, noch immer ein wenig errötet, an.


 

Ich konnte nicht anders, aber ich musste ihn noch einmal küssen und das tat ich auch. Ich küsste ihn sanft auf die so weichen Lippen, bevor ich ihm zuflüsterte:


 

"Also, für mich wird es jetzt doch langsam Zeit..." und lächelte ihn lieb an.


 

Alsdann entfernte ich mich aus dem Zimmer und ging wieder meiner Arbeit nach.


 

Natürlich hatte ich mal wieder das Essen vergessen, obwohl ich es versprochen hatte... aber jetzt war ich mit meinen Gedanken bei der Arbeit, denn ich musste mich unbedingt ablenken... sonst würde ich den Tag so nicht überstehen...


 

Zu sehr hatte mich Casi in den Wahnsinn getrieben...


 

*-*-*


 

Wie schön war es zu hören, dass Leigh von sich aus hier einziehen wollte, so brauchte ich es gar nicht erst anzusprechen.


 

Ich erwiderte nur:


 

''Ich würde mich sehr freuen dich in meiner Nähe zu haben.''


 

Dann verließ er das Zimmer und da ich mir denken konnte, dass er mal wieder das Essen vergessen würde, machte ich mich in der Küche zu schaffen. Erst als ich für Leigh ein tolles Frühstück gezaubert hatte, verließ ich diese wieder.


 

Jetzt musste ich nur noch schauen wo sich der Kleine herumtrieb und ihn zu einer Pause verdonnern. Vielleicht konnte ich ihn mit ein paar Streicheleinheiten locken.


 

Ingo war heute nicht ganz auf den Damm und hatte sich wieder hingelegt. Ein wenig Sorgen machte ich mir schon. Natürlich überlegte ich seinen Arzt zu benachrichtigen, aber dazu bräuchte ich seine Zustimmung und die würde er mir nicht allzu schnell geben.


 

*-*-*


 

Mit dem Reinigen des "letzten Zimmers" fertig, wobei ich natürlich wieder an unser kleines Liebesspiel denken musste, verließ ich das Zimmer und schloss hinter mir die Tür.


 

Danach kümmerte ich mich weiter um alles, was mir Mike gestern gezeigt hatte. Ja, es war viel Arbeit, aber es machte mir Spaß und den Hunger... na ja, den merkte ich eh kaum. Mein Magen schien sich schon daran gewöhnt zu haben nichts zu tun zu bekommen.


 

Nur meinem Körper schien das nicht zu gefallen, denn mir wurde nun immer wieder schwarz vor Augen, so dass ich mich ganz kurz irgendwo, auf dem Flur, an eine Wand setzte und mir ein wenig Ruhe gönnte.


 

Es würde eh gleich wieder vorbei sein und dann würde es mir wieder gut gehen... das wusste ich... kannte ich es doch bereits.


 

*-*-*


 

Endlich hatte ich Leigh an einer Wand im Flur lehnend gefunden.


 

''Wieso tust du deinem schönen Körper so eine Tortur an?'', fragte ich ihn ganz lieb und lächelte ihn dabei sanft an.


 

''Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben mit dem Frühstück. Schließlich hast du mir auch so ein Tolles gegönnt, da wollte ich das wieder gut machen. Bitte, lass uns hinaus auf die Terrasse gehen und iss bitte etwas. Sonst machst du mir noch einen Klappmann'', bat ich ihn fürsorglich.


 

Er musste mir einfach vertrauen und endlich regelmäßiger Essen, sonst konnte ich das mit dem Blutsaugen auch bald vergessen. Außerdem war es für seine Gesundheit gar nicht gut und ich wollte, dass es ihm gut ging.


 

*-*-*


 

Eben hatte ich noch meine Augen geschlossen und versuchte mich zu entspannen, als mich Casi lieb ansprach.


 

Ich öffnete meine Augen und sah ihn lieb lächelnd, aber auch wieder leicht errötet an.


 

"Danke.", bedankte ich mich bei ihm und nickte, als er mich bat mit auf die Terrasse zu kommen und etwas zu essen.


 

"Okay, ich komme mit. Danke, du bist so lieb.", freute ich mich über so viel Fürsorge.


 

So stand ich auf und hielt mich ein wenig an ihm fest, da ich etwas wankte. Aber ich hatte mich sehr schnell wieder im Griff und war bereit mit ihm zu gehen.


 

*-*-*


 

Leicht stützend ging ich mit Leigh hinaus auf die Terrasse. Vorher zog ich noch meine Kapuze über, da es heute leicht sonnig war. Wir nahmen uns einen Tisch im Schatten und setzen uns nebeneinander hin.


 

Ich hatte mir sehr viel Mühe mit dem Frühstück gegeben und hoffte sehr, dass es ihm schmeckte. Neugierig schaute ich zu, wie er sich darüber hermachte. Irgendwie versuchte ich mich zu erinnern wie all das schmeckte, doch mochte es mir nicht recht gelingen, da es einfach zu lange her war.


 

Aber es freute mich zu sehen, wie sehr es Leigh schmeckte und vor allem, dass er endlich etwas zu sich nahm.


 

*-*-*


 

Auf der Terrasse angekommen, setzte ich mich auf den angebotenen Platz und machte mich sogleich über das wunderbar aussehende Essen her.


 

Ja, jetzt hatte ich wirklich Hunger und mein Körper schien es nur allzu dankbar anzunehmen.


 

"Es schmeckt echt lecker. Danke.", lobte ich Casi, nachdem ich den Bissen runter geschluckt hatte.


 

Trotz des Hungers genoss ich das wunderbare Essen in vollen Zügen, denn es wäre, meiner Meinung nach, ein Frevel gewesen, wenn ich es einfach nur in mich hinein geschlungen hätte.


 

Alles schaffte ich allerdings nicht aufzuessen, denn ich war sehr schnell satt, aber ich trank noch den Orangensaft, dann war ich wirklich gesättigt und lehnte mich ein wenig an Casis Schulter an.


 

"Danke, das war wunderbar.", flüsterte ich ihm zu.


 

*-*-*


 

Leicht legte ich meinen Arm um Leigh, auch wenn ich dabei aufpasste, dass uns keiner sah. Wir waren zur Zeit alleine auf der Terrasse und so konnte ich seine Nähe genießen.


 

''Wenn du möchtest rede ich mit Ingo. Er hat sich ein bisschen hingelegt, ihm geht es mal wieder nicht so gut'', sagte ich zu Leigh.


 

''Ich denke nicht, dass er etwas dagegen haben wird. Nachher begleite ich dich dann und wir holen deine Sachen'', lächelte ich ihn an.


 

So sehr freute ich mich darauf, dass er hier bei mir sein würde.


 

Nur an heute Abend durfte ich nicht denken, die Nacht würde heiß und lang werden.


 

Liebevoll streichelte ich Leigh über den Kopf, bei dem Gedanken, was ich alles mit ihm anstellen wollte.


 

*-*-*


 

Wie sehr genoss ich das sanfte, liebevolle Streicheln von Casi... bekam kaum genug davon.


 

"Okay, wenn du magst, kannst du gern mit Ingo reden. Ich freue mich auch schon sehr, hier zu wohnen und immer in deiner Nähe zu sein.", willigte ich ein und freute mich schon endlich auf eigenen Beinen zu stehen.


 

Dann blickte ich ihn an und strahlte förmlich, als er meinte, dass er mich nachher begleiten wollte.


 

"Du willst mich echt begleiten? Du... glaubst nicht, wie viel mir das bedeutet.", erwiderte ich und konnte es eigentlich kaum mehr erwarten endlich für immer in seiner Nähe zu sein.


 

Ich spielte sogar schon mit dem Gedanken... die Ewigkeit mit ihm zu teilen. Leider wusste ich nicht wie er dazu stand und ob er bereit wäre mich zu einen Vampir zu machen. Ja, ich wusste, dass es gewisse Regeln für Vampire gab... aber ihm zuliebe würde ich auch das in Kauf nehmen.


 

Tja, nun war es wohl soweit... ich schien mich unsterblich in Casi verliebt zu haben und hoffte nur, dass ich mich nicht in ihm irrte und er mich nicht nur als Blutquelle oder für die körperlichen Freuden benutzen wollte.


 

Ich traute mich allerdings noch nicht ihm meine Liebe zu gestehen. Vielleicht würde er mich ja dann auslachen. Vielleicht wollte er meine Liebe auch gar nicht.


 

Ich hatte nun wieder ein bisschen Angst und war mir so unsicher, wie niemals zuvor.


 

Bei dem Gedanken, dass meine Liebe nur einseitig sein könnte, traten mir die Tränen in die Augen und fielen einsam auf Casis Schulter... ich schluchzte nun... obgleich ich es eigentlich nicht wollte...


 

Meine Sehnsucht nach Casi und meine Liebe zu ihm waren inzwischen unerträglich geworden.


 

Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich so unsterblich verlieben könnte... noch dazu in einen Vampir... aber so war es nun mal und ich konnte nichts mehr dagegen tun... konnte mich dagegen einfach nicht mehr zur Wehr setzen.


 

Ich war meiner Liebe und Sehnsucht zu ihm hilflos ausgeliefert...


 

*-*-*


 

Als ich bemerkte, dass Leigh ein paar Tränen vergoss, konnte ich nicht anders, als den Rest von ihnen sanft wegzuwischen.


 

''Hey, es gibt keinen Grund zu weinen'', lächelte ich ihn an.


 

Was ging nur in ihm vor? War er so glücklich wie ich?


 

Für einen kurzem Moment schloss ich ihn in meine Arme und genoss seinen angenehmen Geruch, bevor ich mich wieder löste.


 

''Sicher begleite ich dich. Sehr gerne sogar. Vorausgesetzt dich stören die Blicke der anderen nicht'', erklärte ich dann.


 

''Wir sollten wohl jetzt langsam wieder an die Arbeit gehen, was meinst du? Nicht dass Mike uns noch vermisst'', zwinkerte ich Leigh zu.


 

''Ich werde dann Ingo aufsuchen, mal schauen wie es ihm geht'', sagte ich noch, bevor ich mich unfreiwillig von Leigh löste.


 

Aber wir würden heute Abend noch genug Zeit zum kuscheln haben, nachdem wir seine Sachen geholt hatten.


 

Meine Gefühle für ihn waren gewachsen und machten mich wahnsinnig. Um nichts in der Welt würde ich es zulassen, dass Leigh etwas zustößt und wenn ich mein Leben dafür riskieren müsste.


 

*-*-*


 

Ich schluchzte noch etwas, dann sah ich Casi an und wusste, dass es so nicht weitergehen konnte. Etwas in mir lehnte sich auf.... rebellierte... und war nicht bereit das alles weiter hinzunehmen, was den Vampiren auferlegt wurde... NEIN!


 

Auch ich löste mich, mehr unfreiwillig, von ihm, stand auf und sah auf ihn herab.


 

"VERDAMMT!", fluchte ich laut, denn nun war ich echt sauer und mir platzte der Kragen...

Nein, auf Casi war ich nicht sauer... er konnte schließlich nichts dafür, dass wir Menschen so blöd waren:


 

"Was willst du dir denn noch alles gefallen lassen, hm?! Die Menschen haben kein Recht dich und die Anderen SO zu behandeln. Tu dies nicht, tu das nicht... gehorche... NEIN... ich bin nicht bereit, das noch weiter hinzunehmen! Verstehst du das?!", wetterte ich und redete mich nun richtig in Rage:


 

"Ich liebe dich, verdammt noch mal, und ich werde es nicht weiter dulden, wie man mit dir... und überhaupt mit euch Vampiren umgeht! Wie sie euch ansehen, wenn ihr auf die Straße geht... das ist doch echt zum Kotzen!


 

Ihr seid doch keine minderwertigen Wesen! Ihr seid Lebewesen, genau wie wir Menschen... wie eigentlich alle Lebewesen! Keiner ist besser oder schlechter als der andere! Verstehst du das?! Ich werde diese Geheimniskrämerei nicht mehr hinnehmen und ich stehe, verdammt noch mal dazu, dass ich dich über alles liebe!"


 

Endlich hatte ich meinen Gefühlen Luft gemacht.... zu spät bemerkte ich allerdings, dass ich ihm auch das gesagt hatte, was ich eigentlich noch nicht sagen wollte.... dass ich ihn liebe. Aber gut, so war es eben und warum sollte ich schweigen... nur weil es wem nicht passte?!


 

Man, das war mir so scheißegal!


 

"Wir Menschen sind doch auch nicht so sehr viel besser, als ihr... eher noch schlimmer! Wir töten unsere eigenen Leute... wir töten und quälen Tiere auf grausamste Art und Weise... nennst du das etwa human?! Und wie wir mit euch umgehen... ist echt unter aller Würde!


 

Und ich werde es nicht mehr dulden, dass man mit euch so umgeht! Ich will mich nicht verstecken müssen, nur weil ich dich mehr als alles auf dieser Welt liebe.", fügte ich, noch immer fluchend, hinzu.


 

Ja, jetzt ging es mir wesentlich besser. Ich sah Casi nun direkt, aber sehr liebevoll in die Augen und lächelte ihn sanft an. Dann jedoch drehte ich mich um... bereit die Terrasse zu verlassen... noch einen Blick riskierte ich und meinte, im Hinausgehen:


 

"Danke, für das Frühstück... ich liebe dich...", dann verschwand ich von der Terrasse und machte mich wieder an die Arbeit...


 

*-*-*


 

Erschrocken schaute ich Leigh hinterher. Jetzt war er auch noch der Meinung, da wusste ich gar nicht mehr was ich denken sollte. Aber er hatte gesagt, dass er mich liebte. Es war ein gutes Gefühl so etwas zu hören... fühlte sich so warm um mein Herz an.


 

Etwas verstreut ging ich zu Ingo, der mittlerweile an seinem Schreibtisch saß und geschäftliches erledigte.


 

Er schaute von seinem Computer auf, als er mich bemerkte.


 

''Gibt es etwas bestimmtes? Du wirst so bedrückt?'', fragte er mich.


 

Ich erzählte ihm ganz offen alles. Was zwischen mir und Leigh war und was er gesagt hatte.


 

''Weißt du, wenn ich nicht mehr sein sollte und ich weiß, dass ich den Krebs dieses Mal nicht besiegen werde, dann wird es sehr schwer für die elf Zeugen. Bisher hatte mein Einfluss noch genügend Tragbreite, dass ihr am Leben bleibt, aber ich weiß nicht was passiert, wenn ich nicht mehr bin'', sagte er ganz offen zu mir und mir stockte vor Schreck der Atem.


 

''Ich denke es ist an der Zeit gekommen, dass du deinen Platz als König einnimmst! Das ist kein gut gemeinter Rat, sondern eine Tatsache. Du solltest dir langsam darüber in klaren werden, was du willst'', sprach Ingo weiter und es traf mich wie ein Blitz.


 

Mit allem hatte ich gerechnet, aber mit so etwas nicht.


 

''Scheinbar ist es Leigh sehr ernst. Wie es mir scheint ist er der Richtige, auch wenn er noch viel Schutz von dir brauchen wird. Du weißt, dass ich keinen Erben habe. Mein Geld wird nach meinem Tod an die Stadt gehen.


 

Im Grunde sollte es mir egal sein, ist es aber nicht. Mike hat mir Jahrelang treue Dienste geleistet, das hier ist quasi sein Zuhause. Er soll das alles hier erben. Doch du warst immer wie ein Sohn für mich, den ich nie hatte.


 

Nimm diesen Schlüssel, er ist zu einem Schließfach bei der Bank, die Nummer gebe ich dir auch mit. Mein ganzes Vermögen ist in diesem Schließfach und jetzt sag mir nicht, Vampire bräuchten kein Geld. In der heutigen Zeit ist Geld Macht, jeder braucht es!'', redete Ingo weiter.


 

Wie gebannt starrte ich auch den kleinen Schlüssel in meiner Hand.


 

''Ingo'', brachte ich irgendwie raus.


 

Aber der winkte ab:


 

''Alles gut. Du hast mir eine schöne Zeit bereitet und ich habe nun mal nicht mehr allzu lange.''


 

Tränen traten in meine Augen und ich konnte sie nicht mehr zurückhalten. Es war alles zu viel was auf einmal auf mich einrieselte.


 

*-*-*


 

Inzwischen tat ich meine Arbeit und gönnte mir wieder einmal keine Pause. Ich versuchte alles zu verdrängen, was ich Casi an den Kopf geworfen hatte. Hatte ich mich vielleicht falsch verhalten? Hatte ich mich eventuell falsch ausgedrückt?


 

Ich wusste es nicht. Meine Gedanken waren überall, nur nicht da wo sie sein sollten. Vielleicht sollte ich doch nicht hierher ziehen? Vielleicht hatte ich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte.


 

Ja, ich spielte mit dem Gedanken hier heute noch zu verschwinden... auf nimmer wiedersehen. Ich war mir auf einmal so unsicher und diese Unsicherheit lähmte mich und meine Gedanken.


 

Aber dann hatte ich Casi wieder in meinem Kopf, der da wohl das beste Plätzchen besetzte und sich dort festkrallte. Natürlich wusste ich auch, dass ich ihm nicht widerstehen konnte, aber nun drängte sich mir der Gedanke auf, dass er mich vielleicht manipuliert haben könnte... was man Vampiren ja allgemein nachsagte. Und vielleicht liebte er mich ja nicht und wollte mich nur benutzen...


 

All diese sinnlosen Gedanken schwirrten durch meinen Kopf und doch kam ich auf kein vernünftiges Ergebnis. Es war, als hätte etwas meine Gedanken vollkommen blockiert.


 

Nach sechs Stunden harter Arbeit, setzte ich mich wieder an die Wand auf dem Flur, zog meine Knie an, legte meinen Kopf auf meine Knie und versuchte zur Ruhe zu kommen... und nachdenken zu können...


 

*-*-*


 

Nachdem Ingo mir all das anvertraut hatte, suchte ich erst einmal Ruhe in meinem Zimmer. Eine gefühlte Ewigkeit brauchte ich, um alles zu verarbeiten.


 

Dann wurde es mir schlagartig bewusst, was ich zu tun hatte.


 

Leigh machte ich schnell im Haus ausfindig und so fand ich ihn, wie heute schon zum zweiten mal im Flur vor.


 

Liebevoll legte ich meine Hände auf seine Schultern und kniete mich zu ihm runter.


 

''Leigh'', sprach ich mir ruhiger Stimme,


 

''Wenn alles, was du zu mir gesagt hast, wirklich dem entspricht, was du wirklich willst und du es nicht nur sagst, weil du eine rosa-rote Brille auf hast, dann komm mit mir. Ich liebe dich auch und das mehr als alles andere!


 

Ingo geht es zunehmend schlechter und er hat mir diesen Schlüssel gegeben. Der passt zu einem Schließfach indem sich sein Vermögen befindet. Die Vampire sind in Gefahr, die Menschen wollen alle auslöschen. Das kann und darf ich nicht zulassen.


 

Aber ich will nicht ohne dich gehen. Wenn du bleibst, bleibe ich auch und sehe dem Tod ins Auge.''


 

Diese Worte sprachen mir aus der Seele. Mit einem Mal wollte alles raus und ich hatte nie zuvor solch eine Angst verspürt. Um keinen Preis der Welt wollte ich Leigh verlieren!


 

*-*-*


 

Als Casi mich ansprach, sah ich ihn an und nickte, während sich mal wieder Tränen in meinen Augen sammelten.


 

"Casi..." entfuhr es mir, als würde ich einen Gott ansprechen.


 

"Ja... ich habe es ernst gemeint, was ich gesagt habe. Ich liebe dich mehr als alles andere.", erwiderte ich und sah ihn nun sehr ernst an.


 

Als er dann aber meinte, dass er dem Tod ins Augen blicken würde, wenn er hier bliebe, und dass man nun alle Vampire auslöschen wollte... da wusste ich was ich wollte:


 

"Natürlich gehe ich mit dir mit... ich kann doch eh nicht mehr ohne dich leben. Ich möchte dich nicht mehr missen.", willigte ich ein und meinte es todernst.


 

Schlagartig waren meine unsicheren Gedanken von vorhin verschwunden... hatten sich in Luft aufgelöst.


 

Das Letzte was ich wollte war, dass man die Vampire auslöschte und Casi verlieren... nein... auf gar keinen Fall. Mein Leben würde ich für ihn geben.


 

"Ich würde mein Leben für dich geben.", flüsterte ich ihm hinzufügend zu.


 

*-*-*


 

Ein Lächeln zauberte sich auf meine Lippen und Tränen standen in meinen Augen, so glücklich war ich, als ich das hörte.


 

Ich hatte noch keinen genauen Plan. Sicherlich wusste ich einen Ort an dem wir uns zurückziehen konnten, von dem die Menschen nichts wussten, nur musste ich die anderen noch warnen.


 

Es sollte alles wohl überlegt sein, wie wir vorgehen würden. Verabschieden wollte ich mich natürlich auch von Ingo und Mike.


 

Aber jetzt schloss ich erst einmal meinen kleinen Schatz in die Arme und genoss für einen Moment die Ruhe um uns herum.


 

*-*-*


 

Ich schmiegte mich an meinen Liebling an... ja, ich kuschelte mich richtig an ihn und hielt ihn fest... so als könnte er jeden Moment verschwinden.


 

Nun schloss ich die Augen und genoss unsere Zweisamkeit.... nur einen Moment ...Ruhe...


 

Aber dann … löste ich mich ein wenig von ihm und sah ihn an.


 

"Liebling? Ich habe eine Bitte... und ...ich weiß nicht ob du bereit bist mir diese Bitte zu erfüllen... aber du kannst es dir ja überlegen.", begann ich und fragte ihn dann:


 

"Ich möchte gern die Ewigkeit mit dir teilen... würdest du mich zu einem Vampir machen... bitte...?", und sah ihm fest in die Augen... so dass er sehen konnte, dass es mir damit ernst war.


 

*-*-*


 

Es kam mir alles so unrealistisch vor, als wäre ich in einem Traum gefangen. Leigh hatte mein Flehen erhört. Schon so lange wünschte ich mir jemanden an meiner Seite – jemand der mit mir die Ewigkeit teilte.


 

''Nur zu gerne erfülle ich dir diesen Wunsch mein Liebster. Aber wir sollten wohl durchdenken, welchen Schritt wir als erstes tun'', sagte ich lächelnd zu ihm, wobei mir Tränen des Glücks über die Wangen liefen.


 

Ich hoffte sehr, dass er eine Eingebung hatte, denn einen Plan gab es von mir aus noch nicht. Nur die Zufluchtsmöglichkeit und die Gabe Kontakt zu den anderen aufnehmen zu können, wie sie es jede Nacht bei mir taten.


 

Verwandeln konnte ich ihn jetzt unmöglich, wenn die Menschen das mitbekämen, würden sie mich gleich bekämpfen und Leigh wäre womöglich noch zu unerfahren. Sobald ich ihn in einen Vampir verwandelt hatte, hätte er sehr viel zu lernen und war verletzlich.


 

Vielleicht sollten wir erst mal seine Sachen holen und alles für ein spontanes Aufbrechen vorbereiten. Das Geld vorsorglich aus dem Schließfach hier deponieren und uns schon mal verabschieden, für den Fall der Fälle.


 

Dann die anderen warnen, ihnen aber zu verstehen geben, dass sie erst mal nur Vorsorge treffen sollten. Alles müsste bereit sein, wenn es soweit war und bis dahin spielten wir ihr Spiel erst einmal mit.


 

Nachdem meine Gedankengänge sich geordnet hatten, unterbreitete ich Leigh meinen Plan und hoffte, dass er vielleicht auch den einen oder anderen Rat für mich hatte.


 

*-*-*


 

Meinem Schatz genau zuhörend, dachte ich gleichzeitig auch ein wenig nach. Nachdem er mir seinen Plan unterbreitet hatte, erwiderte ich:


 

"Okay, also pass auf: Meine Umwandlung kann warten, damit habe ich echt kein Problem. Ähm... ja... also, meine Eltern waren sehr einflussreich und der Name "Steelheart" war überall sehr geachtet und diesen Einfluss könnte ich nutzen, um die Vampire zu schützen. Auch bin ich nicht ganz Mittellos... ich müsste mir von meinen Zieheltern nur mein Geld holen."


 

Mir eine kurze Atempause gönnend, sprach ich dann weiter:


 

"Ich weiß auch wo meine Eltern gewohnt haben... dieses Haus steht eh leer und es steht mir zu. Dieses Haus würde ich gern zur Verfügung stellen, falls nötig. Ansonsten klingt dein Plan ganz gut.


 

Da ich jetzt eh Feierabend habe, werde ich jetzt meine Sachen holen gehen und sie hierher bringen. Wenn du magst kannst du gern mitkommen... oder eben hier alles soweit erledigen."


 

*-*


 

Endlich eine eigene Wohnung und endlich auf eigenen Beinen stehen... nach dieser langen Durststrecke.


 

Der junge Mann hatte sich gerade seine Wohnung eingerichtet, nachdem er aus dem Heim entlassen worden war, in das er wenige Tage nach der Geburt abgegeben worden war.


 

Während seiner langen Zeit im Heim hatte er viel recherchiert und dabei in Erfahrung bringen können, wer seine Eltern waren... so auch... dass er einen Bruder hatte... einen Zwillingsbruder...!


 

Seine Eltern, das wusste er, konnte er nicht mehr kennen lernen... schade... zu gern hätte er sie gefragt... warum sie ihn nicht gewollt hatten. Er hatte die ganzen Ereignisse gründlich ermittelt und nachvollzogen.


 

Da er, durch seinen Nachnamen, sehr einflussreich war, wusste er nun auch, wo sein Bruder aufgewachsen war und wo er zur Zeit arbeitete... wie gut, dass es Computer, das Internet und sehr redselige Leute gab, die einem alles verrieten, was man wissen wollte.


 

So machte er sich, nach einem kleinen Einkaufsbummel, auf den Weg... denn er wollte nun seinen Bruder kennen lernen.


 

In der Bar angekommen, sah er sich zunächst um. Dann sprach er den Mann, hinter dem Tresen, freundlich und sehr höflich an:


 

"Guten Tag. Mein Name ist Dane Steelheart und ich wünsche Leigh Steelheart zu sprechen... wenn das möglich ist. Ich weiß, dass er hier arbeitet."


 

Dass sie Zwillingsbrüder waren, hielt er nicht für nötig zu erwähnen, denn er sah haargenau so aus, wie Leigh. Die selben langen schwarzen Haare, die selben braunen Augen und das selbe lieblich... zart wirkende Gesicht.


 

Er war ebenfalls sehr schlank und wies die selbe Körpergröße auf, war aber von der Statur her, eher sportlich und kräftiger als Leigh... der doch eher sehr zart und zerbrechlich wirkte...


 

*-*-*


 

''Ich werde dich wie versprochen begleiten, nicht dass Raphael doch noch hier irgendwo sich versteckt hat'', gab ich Leigh zur Antwort.


 

''Das mit dem Haus deiner Eltern ist sehr nett, dennoch denke ich wir sollten uns einen Unterschlupf zulegen, den die Menschen nicht kennen. Ich denke da an das Schloss meines verstorbenen Königs. Es liegt verborgen auf einer Insel im Meer'', erklärte ich dann.


 

''Aber wie gesagt, wir sollten nichts überstürzen. Ich hoffe doch sehr, dass wir noch Zeit haben'', lächelte ich meinen Liebsten an.


 

Unterdessen unten an der Bar:


 

Mike schaute etwas verwirrt drein, als er Quasi Leights Ebenbild vor sich stehen sah.


 

''Ähm... Ja... Leigh arbeitet hier... Wenn sie einen Moment platz nehmen, gehe ich ihn suchen'', stammelte er verwirrt zurecht, deutete auf einen Tisch an der Tür und ging dann Leigh suchen.


 

*-*-*


 

Ich nickte zustimmend.


 

"Du hast sicher recht.", antwortete ich meinem Liebsten mit sanfter Stimme und lehnte mich dann, die Augen schließend, wieder an ihn.


 

Mir ging es nicht so gut... was mir in letzter Zeit sehr oft passierte und nun, da ich mich Casi auch noch als Blutquelle angeboten und er es angenommen hatte, schien es mir immer schlechter zu gehen.


 

Von meiner Krankheit wusste niemand etwas und ich wollte es auch niemandem erzählen... und Casi schon gar nicht. Er hätte sich sonst nur unnötig Sorgen gemacht und das wollte ich unbedingt vermeiden.


 

*-*


 

Dane nickte und bedankte sich.


 

"Vielen Dank.", erwiderte er und setzte sich an den Tisch an der Tür.


 

Dennoch sah er sich ein wenig hier um und beobachtete die Leute, die hier saßen und ihr Essen einnahmen.


 

Er hoffte wirklich, dass er wenigstens seinen Bruder kennen lernen konnte...


 

*-*-*


 

''Leigh, wo steckst du?'', hörte ich Mike plötzlich rufen.


 

Etwas erschrocken fuhr ich zusammen und löste mich von meinem Liebsten.


 

''Da sucht dich wohl jemand'', kicherte ich,


 

''Na, was hast du angestellt?''


 

*-*-*


 

Auch ich hörte nun, dass Mike mich suchte, sah meinen Liebsten unschuldig an und erwiderte:


 

"Ich? Ich hab nichts angestellt... ich schwörs." und grinste ihn an.


 

Tatsächlich hatte ich keine Ahnung was Mike von mir wollen konnte und weshalb er mich suchte. Meine Arbeit hatte ich gewissenhaft ausgeführt... und noch mehr getan, als ich eigentlich sollte.


 

Ich war mir also keiner Schuld bewusst.


 

*-*-*


 

''Ach, hier steckst du. Da ist ein Dane Steelheart für dich. Du hast mir nicht erzählt, dass du einen Zwillingsbruder hast'', kam es von Mike.


 

Auch ich schaute, etwas verwundert, Leigh an. Soviel wusste ich ja noch nicht von ihm, aber so etwas hätte er doch sicherlich erwähnt.


 

''Eineiige?'', rutschte es mir heraus.


 

''Ja, und noch süßer als unser Leigh'', grinste Mike.


 

*-*-*


 

Verdutzt sah ich zwischen Mike und meinem Schatz hin und her und schüttelte ungläubig den Kopf.


 

"Häää?", fragte ich und machte ein entsprechendes Gesicht.


 

"Ich... weiß nichts von einem... Zwillingsbruder.", wies ich alles von mir.


 

Ich stand jedoch auf und stützte mich einen Moment an der Wand ab.


 

"Casi, kannst du... bitte mitkommen... bitte...?", bat ich meinen Liebsten fragend.


 

Ich hatte irgendwie ein seltsames Gefühl und wollte einfach nicht allein sein.


 

*-*-*


 

''Sicher'', grinste ich,


 

''Zur Not fress ich ihn mit Haut und Haar.''


 

Mir kam das alles sehr komisch vor. Hatte Mike sich versehen oder erlaubte er sich hier einen Spaß?


 

Wir gingen dann zur Bar und was ich da am Tisch sitzen sah, war tatsächlich Leigh zwei. Er sah beinahe genauso aus wie er. Gut er schien etwas kräftiger zu sein, aber ansonsten ein und das selbe Gesicht.


 

Etwas verwirrt schaute ich meinen Liebling an, da ich mir keinen Rat wusste.


 

*-*-*


 

Unten in der Bar angekommen, konnte ich es nicht fassen... da saß doch tatsächlich mein... Ebenbild... unfassbar!


 

Unsicher sah ich meinen Schatz an und wusste nicht was ich sagen sollte. Er sah genauso aus, wie ich!


 

Aber okay... ich wollte schon sehen, was das für ein Scherzkeks war, der mich da doublte.


 

"Na, dann... schauen wir mal.", sprach ich meinem Schatz flüsternd zu und ging etwas unsicheren Schrittes auf den Tisch zu, wo mein angeblicher Zwillingsbruder saß.


 

"Hallo.", sprach ich ihn an.

*-*


 

Dane hatte schon eine Weile gewartet, als sich endlich etwas tat und ihn jemand ansprach.


 

Dane stand auf und sah Leigh an.


 

"Hallo Leigh... ich bin dein Zwillingsbruder Dane."


 

*-*


 

"Hallo Dane. Ich habe keinen... Zwillingsbruder. Das hätte man mir doch erzählt!", regte ich mich auf.


 

"Ja, natürlich... sie hätten es dir erzählt... sag mal, glaubst du noch an den Weihnachtsmann, oder was?! Leigh, sie haben mich, ein paar Tage nach der Geburt, weggegeben... weil sie nur ein Kind wollten... das ja offenbar nicht ich war. Ich bin in einem Heim aufgewachsen."


 

"Ich... ich... es tut mir leid... aber... ich kann doch nichts dafür..."


 

"Das habe ich auch nicht gesagt, oder. Aber mal was anderes... du arbeitest hier zusammen mit einem Vampir... ist dir das bewusst? Und du scheinst mir auch etwas zu dünn zu sein... du solltest mehr essen. Meinst du nicht."


 

"Das geht dich gar nichts an, was ich mache, klar?! Außerdem mag ich... Vampire!", wütete ich und wäre diesem Typen, der tatsächlich mein Bruder zu sein schien, am Liebsten gleich an die Kehle gegangen.


 

Dane lächelte nur müde.


 

"So, so, du magst also Vampire... interessant. Na, komm, kleiner Bruder... willst du mich jetzt gleich angreifen, hm. Dabei kennen wir uns noch gar nicht so gut und du bist schon jetzt wütend auf mich... sehr interessant. Sag mal, denkst du wirklich, dass du gegen mich bestehen kannst, hm? Komm nur, versuch es.", provozierte mich Dane.


 

Aber ich riss mich zusammen, denn so wie er aussah, würde ich gegen ihn nicht bestehen können.


 

"Na, was ist, hm? Nun komm, sei wieder lieb, okay. Ich wollte dich nur kennen lernen und dich nicht ärgern. Also Freunde?", sprach Dane und reichte mir die Hand.


 

Ich sah Dane an, nickte und gab ihm die Hand.


 

"Okay... Freunde.", erwiderte ich, da es mir eh nicht so gut ging und jetzt auch nicht auf Streit aus war.


 

*-*-*


 

Etwas unsicher, ob ich nun dazwischen gehen sollte oder nicht, schaute ich dem Spektakel erst einmal zu und tatsächlich lichteten sich die dunklen Wolken.


 

Sympathisch war mir dieser Dane dennoch nicht auf den ersten Blick. Aber ich hatte gelernt, dass man sich einander etwas näher kennenlernen sollte, bevor man falsche Vorurteile fällte.


 

Vielleicht war er ja auch nur so kalt und provozierend, weil man ihn weggeben hatte und Leigh das Leben lebte, was Dane genauso zustand.


 

Dass er mich angriff war klar, wer tat das nicht. Mir war es egal, doch meinen Liebsten sollte er in Zukunft mit Respekt behandeln, sonst würde er mich kennenlernen.


 

Ich war mir nicht sicher, ob ich die zwei alleine lassen konnte, schließlich hatte ich Leigh versprochen mitzukommen. Dennoch wäre es mir lieber gewesen, alles vom Tresen aus zu beobachten.


 

Mike kam unterdessen rüber und fragte höflich:


 

''Darf ich etwas zu Trinken bringen?''


 

*-*-*


 

Dane sah Mike an und schüttelte den Kopf.


 

"Nein, danke, ich möchte nichts. Ich werde eh gleich wieder gehen... wollte nur mein zwei Minuten jüngeres Brüderchen kennen lernen und ihn besuchen."


 

"Nein, bitte... ich möchte dich auch gern kennen lernen... bitte, bleib.", bat ich meinen Bruder.


 

"Nein, ich gehe... du hast ja offensichtlich Besseres zu tun.", erwiderte Dane und sah den Vampir neben seinem Bruder wissend an.


 

Ja, er konnte sich schon denken, was da zwischen ihnen lief.


 

"Schönen Tag noch... die Herrschaften... und... vielleicht sieht man sich ja mal wieder.", mit diesen Worten sah Dane noch einmal grinsend in die Runde und verließ dann die Bar.


 

Ich stand da wie vom Blitz getroffen und sah Dane nach, dann klappte ich zusammen... zu viel hatte ich mir heute zugemutet...


 

*-*-*


 

Gerade noch so konnte ich Leigh auffangen. Anscheinend war das alles etwas viel für ihn gewesen. Ich brachte ihn rauf in sein Zimmer und Mike folgte mir auch gleich, um mir eine Schüssel mit kaltem Wasser und einen Lappen zu bringen.


 

''Gesund ist der Junge wohl nicht'', gab dieser von sich, bevor er das Zimmer wieder verließ.


 

Wobei ich mir nicht sicher war, ob er jetzt Dane oder Leigh meinte. Dane hatte allen Grund auf jemanden wütend zu sein und ließ es an seinen Bruder aus. Leigh war nicht gerade kräftig und dementsprechend setzte ihm so etwas eher zu.


 

Seufzend setzte ich mich zu Leigh auf das Bett und tupfte seine Stirn mit einem kühlen Lappen ab. Er würde sicherlich bald zu sich kommen und bis dahin würde ich einfach hier sitzen bleiben.


 

*-*-*


 

Irgendwann erwachte ich wieder, öffnete langsam die Augen und sah meinen Schatz bei mir sitzen.


 

"Danke, Liebling... dass du... bei mir... bist.", flüsterte ich meinem Schatz sanft zu, obwohl ich kaum reden konnte.


 

Ich fühlte mich schwach und konnte mich kaum noch bewegen. Dass ich das Bett hier wahrscheinlich nicht mehr lebend verlassen würde... ahnte ich bereits. Das Treffen mit Dane hatte mir den Rest gegeben. Dennoch wollte ich ein paar Worte an meinen Liebling richten.


 

So sah ich ihn an und sprach:


 

"Liebling... ich... bin krank und... ich werde das Bett hier... wohl nicht mehr... lebend verlassen. Bitte, verzeih mir... es tut mir alles so leid. Aber vergiss bitte nicht, was ich dir gesagt habe und... vergiss auch nicht... wie sehr ich dich... liebe..."


 

Ich versuchte ruhig zu atmen, aber es gelang mir nicht mehr. Tränen rannen unkontrolliert aus meinen Augen, denn nun hatte ich Angst... Angst zu sterben... Angst um meinen Liebsten und was aus ihm werden würde.


 

"Liebling, bitte... vergiss niemals... dass ich dich... mehr liebe, als alles andere. Du... bist... meine erste... große Liebe. Und... lass dir nicht... mehr alles... einfach so... gefallen."


 

"….."


 

"I-ich... liebe... d-dich....", flüsterte ich noch....


 

Dann spürte ich einen heftigen Schmerz in meiner Brust... konnte kaum noch atmen...


 

.


 

Leighs Brustkorb hob sich noch einmal... senkte sich... dann war es vorbei...


 

So starb Leigh im Beisein seiner ersten großen Liebe.


 

...Leigh war tot...


 

*-*


 

Dane war inzwischen in seiner Wohnung angekommen, legte die Schlüssel auf das kleine Tischchen im Flur und ging dann in die Küche, wo er seinen Einkauf ordentlich verstaute.


 

Dann nahm er sich ein Glas Apfelsaft und setzte sich im Wohnzimmer auf die Couch. Das Glas stellte er auf den Couchtisch und ließ dann seufzend seinen Oberkörper nach vorn sinken, während er sich mit seinen Armen auf seinen Oberschenkeln aufstützte.


 

Natürlich wusste er, dass er Leigh Unrecht getan hatte und das würde er irgendwie wieder gut machen. Aber jetzt konnte er es nicht... zu sehr hatte es ihn verletzt, dass er nicht gewollt war.


 

Nicht, dass er ein schlechtes Leben in dem Heim hatte, nein, sie waren gut zu ihm gewesen. Aber es tat ihm einfach nur weh... zu wissen, dass er einfach nur weg gegeben worden war... wie ein Tisch, den man nicht mehr wollte.


 

Dane weinte... wie so oft in letzter Zeit. Eigentlich war er ein sehr trauriger junger Mann, der sich nur so gab, als würde ihm nichts etwas ausmachen. Aber nur so konnte er sich vor weiteren Verletzungen schützen... und nur so würde ihm niemand etwas anhaben können.


 

War er doch schon verletzt genug.


 

Er unterbrach seine Gedanken und trank zunächst einen Schluck Apfelsaft. Dann lehnte er sich nach hinten zurück und seufzte leise, während ihm weiterhin die Tränen an seinen Wangen herab liefen.


 

Und das, obwohl er es hasste zu weinen... aber gut, wenn er allein war und sich unbeobachtet fühlte, gab er sich schon mal seinen Gefühlen hin. In der Öffentlichkeit passierte ihm das aber eher selten... bis gar nicht. Dann kontrollierte er sich eisern.


 

Schließlich stand er auf, ging ins Bad und duschte. Anschließend ging er ins Schlafzimmer kleidete sich in schwarze Sachen ein, kämmte sich dann seine langen schwarzen Haare, die er aber offen ließ.


 

Zu guter Letzt setzte er sich noch einmal im Wohnzimmer in den Sessel, trank noch einen Schluck Saft und zündete sich dann eine Zigarette an.


 

In aller Ruhe rauchte er seine Zigarette und dachte dabei nach, wobei er die Ruhe hier sehr genoss.


 

Nachdem er die Zigarette aufgeraucht hatte, drückte er diese im Aschenbecher aus und stand dann auf.


 

Er schnappte sich seine Zigaretten, die er zunächst in die Hosentasche steckte, dann nahm er sich noch ein frisches Taschentuch, das er in die andere Hosentasche steckte.

Anschließend verließ er die Wohnstube und ging auf den Flur.


 

Er zog sich seine schwarzen Schuhe an, nahm sich seinen dünnen schwarzen Mantel, entnahm seiner Hosentasche die Zigaretten und steckte diese dann in seine Manteltasche.

Dann nahm er seine Schlüssel von dem Flurtischchen, atmete noch einmal tief durch und verließ dann seine Wohnung, die Tür abschließend.


 

So machte er sich auf den Weg zur Bar, wo er hoffte, dass er sich dort noch einmal mit seinem Bruder aussprechen konnte.


 

Der Weg zur Bar war nicht sehr weit, und so hatte er diese bald erreicht.


 

Eine ganze Weile blieb er jedoch davor stehen... nicht wissend ob er jetzt wirklich hinein gehen sollte.


 

*-*-*


 

''Leigh... NNNNEEEIIIIINNN'', schrie ich.


 

Das konnte und durfte nicht sein. Warum ausgerechnet jetzt?


 

War es mir einfach nicht vergönnt zu lieben? Glücklich zu sein?


 

Tränen liefen über mein Gesicht, ich konnte nichts dagegen machen. Immer wieder schrie ich seinen Namen, bis endlich Ingo neben mir stand.


 

''Er... er ist tot... Leigh ist tot'', schluchzte ich.


 

Ingo schob mich ruhig beiseite und tastete nach einen Puls, dann sagte er zu Mike, der auch ins Zimmer bekommen war:


 

''Ruf einen Krankenwagen, schnell, sie sollen sich beeilen. Ich kann keinen Puls mehr fühlen.''


 

Starr stand ich da und konnte mich nicht bewegen, während Ingo die Wiederbelebungsversuche startete.


 

''Casi'', rief er mir zu,


 

''Ich brauch deine Hilfe. Tu doch etwas.''


 

Immer wieder sprach er mich an, aber ich bewegte mich nicht.

Es war sowieso zu spät, er war längst von uns gegangen.

Alles war sinnlos.

Mein Leben war sinnlos.


 

Wie in Zeitlupe passierte alles um mich herum. Mike war wieder da, half Ingo bei den Wiederbelebungsmaßnahmen. Einen Gast hatte er nach Draußen geschickt, damit der Krankenwagen den Weg direkt fand.


 

Ich hörte das Aufheulen der Sirenen.


 

Sie kamen zu spät.


 

Leigh war tot.


 

Ärzte kamen ins Zimmer. Sie wollten mich nicht hier haben. Ingo nahm mich in den Arm und schleifte mich auf den Flur. Ich konnte alles hören, wie sie sich bemühten. Immer noch liefen die Tränen über meine Wangen.


 

Wie sollte mein Leben jetzt weitergehen? Wollte ich das es weitergeht?


 

Mike war wieder nach unten gegangen, schließlich musste der Betrieb ja weitergehen. Ingo war wieder rein zu den Ärzten, doch sie konnten nichts machen, alles was sie taten war vergeblich.


 

Ich stand im Flur mit dem Rücken zur Wand gelehnt, wo Leigh so oft gestanden hatte. Wieso habe ich nicht darauf geachtet, er war doch auch viel zu dünn. Warum habe ich nichts bemerkt.


 

Vermutlich hatte ich die rosa-rote Brille zu tief ins Gesicht gezogen....


 

*-*-*


 

ENDE Teil 1